ANNALEN DES K. K. NATURHISTORISCHEN HOFMUSEUMS REDIGIRT VON D^- FRANZ RITTER VON HAUER. I. BAND — 1886 (MIT EINUNDZWANZIG TAFELN). WIEN, 1886. ALFRED HOLDER K. K. HOF- UND UNIVERSITÄTS-BUCHHÄNDLER. Druck von ADOLF HOLZHAUSEN i.i Wien, INHALT. Seite Vorwort V Verzeichniss der Pränumeranten VII Schriftentausch IX Jahresbericht für i885 von Franz Ritter v. Hauer. (Mit i Tafel) l Ueber die miocenen Pteropoden von Oesterreich-Ungarn. Von Ernst Kittl. (Mit I Tafel) 47 Ueber neue und seltene Antilopen des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. Von Fr. Fr. Kohl. (Mit 4 Tafeln) ^5 Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. Von Prof. Dr. Fr. Brauer. (Mit 2 Tafeln) 87 Bestimmung des specifischen Gewichtes von Mineralien. Von Dr. V. Goldschmidt . 127 Ueber die Krystallform des Tellurit. Von Dr. Ar. Brezina. (Mit -^ Figuren im Texte) 135 Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. Von J. Redte nbacher. (Mit 12 Tafeln) 163 Goldsand mit Demantoid vom alten Ekbatana und Hamadan. Von A. Gehmacher . . 233 Ueber ein neues Euklas-Vorkommen aus den österreichischen Tauern. Von R. Köchlin. (Mit I Tafel) 237 Typen der ornithologischen Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. Von A. V. Pelzeln und Dr. L. v. Lorenz. (1. Theil) 249 Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. Von Dr. Günther Beck. (I- Theil) .271 Notizen l, i5. 27 X O ^ ^ ^ VORWORT. Beim Abschluss des ersten Bandes unserer Annalen drängt es mich, dem Danke Ausdruck zu geben an alle Jene, durch deren Unterstützung und Mitwirkung die Durchführung des Planes, ein publicistisches Organ für das k. k. naturhistorische Hofmuseum zu schaffen, ermöglicht wurde. Nur einmal seit dem Bestände des Institutes, dessen Anfänge bis zu dem Jahre 1748 zurückdatiren, war der Versuch gemacht worden, ein analoges Unternehmen ins Leben zu rufen, als durch Stefan End- licher die Herausgabe der »Annalen des Wiener Museums der Natur- geschichte« angeregt und mit vielen Mühen und Opfern im Jahre i836 begonnen wurde. Bis zum Jahre 1840 erschienen zwei Quartbände mit hochwichtigen Abhandlungen von Diesing, Fenzl, Heckel, Kollar, Partsch, Kitzinger, Endlicher, Pocke, Gf. Marschall, Unger, Ben- tham und J. Natterer. Ungeachtet aller Anerkennung aber, welche diese Publication fand, ungeachtet aller Bedeutung, welche dieselbe nicht für das Museum allein, sondern für die Pflege der Naturwissenschaften im ganzen Reiche hatte, musste sie, da sie nur auf Privatmitteln fusste, nur zu bald wieder eingehen, und das Museum als solches blieb seither ohne Vertretung in der naturwissenschaftlichen Literatur. Mein innigster Dank gilt nun vor Allem der hohen Behörde, deren Chef, Sr. Majestät Erster Obersthofmeister Prinz zu Hohen lohe, in freund- licher Fürsorge für die wohlverstandenen Interessen des Museums, die zur YI Vorwort. Herausgabe unserer Annalen erforderlichen Beträge sofort bewilligte, weiter meinen thätigen und kenntnissreichen Freunden und Collegen, deren treff- liche Arbeiten den Inhalt des vorliegenden Bandes bilden, endlich all den in den nachstehenden Verzeichnissen genannten Freunden der Wissen- schaft und gelehrten Corporationen, welche, sei es durch Pränumeration, sei es durch Eingehen auf den von uns angebotenen Schriftentausch, unser Unternehmen förderten. Wien, im November 1886. HAUER. VERZEICHNISS der Pränumeranten auf den I. Band der Annalen. Aberle, Dr. Karl, k. k. Regierungsrath. Wien. Bäumler, Ernst, k. preuss. Oberbergrath a. D. Wien. Billitzer, Dr. Emmerich, k. k. Fregattenarzt. Dignano, Istrien. Böhm, Julius, Mineralienhändler. Wien. Burchard, Conrad, MitgHed des k. ungar. Oberhauses. Budapest. Coburg-Gotha, Prinz Ferdinand von Sachsen. Wien. Coburg-Gotha, Prinz Philipp von Sachsen. Wien. Cohn, Salo, ßanquier. Wien. Cumberland, Ernst August Herzog von. Penzing. Dechen, Dr. Heinrich v., k. preuss. Geheimrath, Ober-Berghauptmann a. D. Bonn. Doblhoff, Joseph Freiherr von. Salzburg. Erggelet, Max Freiherr von. Salzburg. Finger, Julius, Cassier der 1. österr. Sparcasse. Meldung. Fischer v. Ankern, Anton, Realitätenbesitzer. Wien. Fuchs, Gustav, Curator der evang. Gemeinde und Gemeinderath. Budapest. Ganglbauer, Cölestin, Cardinal und Fürst-Erzbischof von Wien. Gerstner, Anton, Hofzuckerbäcker. Wien. Grienauer, Ludwig. Perchtoldsdorf. Grötschel, E., Director der ungar. Landes-Centralsparcasse. Budapest. Gutmann, Max Ritter von. Wien. Hauer, Dr. Franz Ritter von, k. k. Hofrath und Intendant. Wien. Hauswirth, Dr. Ernst, Prälat des Stiftes zu den Schotten. Wien. Herz, Julius, Präsident der Direction der Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Wien. Hofmann, Raphael, Bergdirector. Wien. Hopfen, Franz Freiherr von, Gutsbesitzer. Wien. Kämmerer v. Worms, Friedrich, Reichsfreiherr von und zu Dalberg. Wien. Kalchberg, Adolph Freiherr von, k. k. Landwehr-Rittmeister. Penzing. Kammel v. Hardegger, Dr., Gutsbesitzer. Grussbach, Mähren. Karrer, Felix. Ober-Döbling. Kraus, Franz. Wien. Kremsmünster, Sternwarte des Stiftes. Lanna, Adolph Ritter von. Prag. Latzel, Joseph, Gutsbesitzer. Wien. Marschall, Aug. Fr., Graf. Obermeidling. YIJJ \'erzeichniss der Pränumeranten. Mautner, Ad. Ign. Ritter von Markhof. Wien. Mayr, Dr. Gustav, Professor. Wien. Pelzein, Aug. v., k. k. Gustos. Wien. Rogenhofer, Alois, k. k. Gustos. Wien. Schwartz, Gust. Ritter von Mohrenstern. Wien. Schwartz, Dr. Julius Freiherr von. Wien. Semsey, Andor v. Budapest. Springer, Anton, Gutsbesitzer. Ober-Fucha. Stäche, Dr. Guido, k. k. Oberbergrath. Wien. Steindachner, Dr. Franz, k. k. Regierungsrath und Director. Wien. Travnik, Erzbischöfliches Gymnasium. Westenholz, Karl Freiherr von. Wien. Wien, Sr. k. und k. Majestät Obersthofmeisteramt. Wilczek, Hans, Graf, k. k. Geheimer Rath. Wien. Windisch-Grätz, Ernst F'ürst zu. Wien. Windisch-Grätz, Hugo Fürst zu, k. k. Geh. Rath, Gen.-Maj. a. D. Haasberg, Krain. Zugmayer, H. Wien. Ferner durch die Buchhandlungen: in Wien: Beck'sche Hof- und Univers. -Buchhandlung i Excmpl. Frick, Wilh., Hof-Buchhandlung . i „ Gerold & Comp 2 „ Lechner, R., Hof-Buchhandlung i ,, Sallmayer'schc Buchhandlung 1 in Prag: Calve'sche Hof-Buchhandlung i „ Dominicus, H i „ Rziwnatz, Fr. . 2 „ in Bielitz : Fröhlich, W 1 „ in Berlin: Asher & Comp i ,, in Moskau : Lang, Alex. . . i VERZEICHNISS der wissenschaftlichen Corporationen und Redactionen, mit welchen wir im Schriftentausche stehen. Agram: Croatischer Naturforscher -^'erein. Albany: New -York State Museum of nat. historv. Altenburg: Naturtorschende Gesellschaft a. d. Osterland. Amsterdam: Revue coloniale internationale. Annaberg-Buchholz: Verein für Naturkunde. Anvers: Societe Roy. de Geographie. Arnstadt: Deutsche botanische Monatsschrift. — >Jrmischia«, Botanischer Verein für Thüringen. Aussig: Naturwissenschaftlicher Verein. Baltimore: John Hopkins University. Bar-le-Duc: Societe des lettres, sciences et arts. Basel: Geographische Nachrichten. — Naturforschende Gesellschaft. Batavia : K. Natuurk. Tijdschrift voor Nederlandsch- Indic. Belgrad: Societe des sciences. Bergen: Museum. — Selskabet f. d. norske Fiskeriers Fremme. Berlin: Anthropologische Gesellschaft. — Deutscher Colonialverein. — Entomologische Nachrichten. — Entomologischer Verein. — Gesellschaft naturforschender Freunde. — Königl. botanischer Garten. — Königl. Geologische Landesanstalt. — Königl. Museen. — Märkisches Provinzial-xMuseum. — Naturae novitates. Bern: Allg. Schweizerische Gesellsch. f. d. gesamm- ten Naturwissenschaften. — Geographische Gesellschaft. — Naturforschende Gesellschaft. — Schweizerische entomologische Gesellschaft. Bologna: R. Accademia delle Scienze. Bonn: Naturhistor. Verein der preuss. Rheinlande. — \'erein von Alterthumsfreunden im Rheinlande. Boston: American Academy of arts and sciences. — Appalachian mountain Club. Braunschweig: Herzogl. naturhistor. Museum. — Verein für Naturwissenschaft. Bremen: Naturwissenschaftlicher Verein. Breslau: Schlesische Gesellsch. f. vaterländische Cultur. — Verein f. schlesische Insectenkunde. Bristol: Naturalists Society. Brunn: Naturforschender Verein. Brüssel: Academie Roy. des sciences, des lettres et des beaux-arts. — Etat Independant du Congo. — Musee Roy. d'histoire naturelle. — Societe Roy. Beige de Geographie. — Societe Roy. de Botanique. — Societe Roy. malacologique. — Societe entomologique. — Societe Roy. Linneenne. Budapest: Akademie der Wissenschaften. — Königl. ungarische geolog. Anstalt. — Math. u. naturw. Ber. aus Ungarn. — Ung. Geologische Gesellschaft. — Ungarische geographische Gesellschaft. — Vierteljahrschrift f. Zoologie. Botanik, Mine- ralogie u. Geologie. Buenos- Ayres: Istituto geographico Argentino. — Sociedad cientifica Argentina. Buffalo: Society of natural sciences. Bukarest: Geographische Gesellschaft. Caen: Acad. nation. des sciences, arts et belies lettres. Cairo: Institut Egyptien. Calcutta: Asiatic society of Bengal. — Geological survey of India. — Indian Museum. Cambridge (Mass. U. S.): Entomological Club. — Peabody Museum. — (England): Woodwardian Museum. Cassel: Naturhistorischer Verein. — Verein für Naturkunde. X Schriftentausch. ehester: Society of natural history. Christiania: Archiv tbr Mathematik og Natur- videnskab. — Nyt Magazin tbr Naturvidenskabernes. — Universität. Chur: Naturforschende Gesellschaft Graubündens. Cincinnati: Society of natural history. Coimbra: O Instituto revista scientitica e litteraria. — Sociedade Broteriana. Colmar: Societe d'histoire naturelle. Cordoba: Republ. Argentina Acad. nac. d. ciencias. Danzig: Naturforschende Gesellschaft. — Provincialmuseum. Darmstadt: Grossh. hessische geolog. Landesan- stalt. — Mittelrheinisch, geolog. Verein. — Verein für Erdkunde. Dijon: Societe ßourguignonne de Geographie et d'Histoire. Douai: Union Geographique du Nord de la fVance. Dresden: Naturwissenschaftl. Gesellschaft »Isis«. — Verein für Erdkunde. Edinburgh: Roy. physical Society. — Scottish geographica! Society. Emden: Naturforschende Gesellschaft. Erlangen: Physikalisch-medicinische Societät. Florenz: Biblioteca nationale centrale. — Nuovo Giornale botanico Italiano. — Sezione fiorentina della Societä Africana dltalia. Frankfurt a. M.: Aerztlicher Verein, — Malakozoologische Gesellschaft. — Senckenbergische nalurforschende Gesellschaft. — • \^erein für Geographie und Statistik. — Zoologischer Garten. Frauenfeld: Thurgauische naturforschende Gesell- schaft. Freiburg i. Breisgau: Naturforschende Gesellschaft. Genf: Institut national Genevois. — Societe de physique et d'histoire naturelle. — Societe botanique. Genua: Museo civico di storia naturale. Gera: Gesellschaftvon Freunden d.Naturwissensch. Giessen: Oberhessische Gesellsch. für Natur- und Heilkunde. Glasgow: Natural history Society. Görlitz: Naturforschende Gesellschaft. — Oberlausitzische Gesellsch. d. Wissenschaften. Graz: Naturhistorischer Verein. Greifswald: Geographische Gesellschaft. — Naturwissensch. Verein v. Neu -Vorpommern unii Rügen. Güstrow: \'erein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. Halle: Kais. Leop. Carol. Akad. der Naturforscher. — Naturwissensch. Verein f. Sachsen U.Thüringen. — Verein für Erdkunde. Hamburg: Deutsche Seewarte. Hamburg: Geographische Gesellschaft. — Naturhistorisches Museum. — Naturwissenschaftlicher Verein. — Verein für naturwissensch. Unterhaltung. — Zoologische Gesellschaft. Hannover: Naturhistorische Gesellschaft. Hanau: Wetterau'sche Gesellsch. f. d. gesammte Naturkunde. Harlem: Archives Neerland. d. scienccs exactes et naturelles. — Musee P. Teyler. Havre: Societe de Geographie commerciale. Heidelberg: Naturhistorisch-medicinischer Verein. Hermannstadt : Siebenbürgischer Karpathenverein. — Siebenb. Verein für Naturwissenschaften. — Verein für siebenb. Landeskunde. Irkutsk: Ostsibirische Section d. k. russ. geograph. Gesellsch. Jena: Geographische Gesellschaft für Thüringen. — Thüringer Fischerei -Verein. Karlsruhe: Naturwissenschaftlicher Verein. Kasan: Naturhistor. Gesellsch. an der Universität. Kew: Rov. botan. Gardens. Kiel: Naturwissensch. Verein f. Schleswig-Holstein. — Zoologisches Institut. Kiew: Societe des Naturallstes. Klagenfurt: Kärntnerischer Geschieht -Verein. — Naturhistor. Landesmuseum v. Kärnten. Klausenburg: Siebenbürgisches Museum. — Ungar, botanische Zeitschrift. Klausthal: Berg- und hüttenm. Verein »Maja«. Klosterneuburg : Chemisch-physIk.Versuchsstation für Wein- und Obstbau. Köln: »Gäa«. Königsberg: Ostpreuss. physikal.-ökonomische Ge- sellschaft. Kopenhagen: Botanische Gesellschaft. — Danske Fiskeriselskab. — Universitetets Zoologiske Museum. — Kongl. Danske Videnskabernes Selskab. — Naturhistoriske Forening. j La Haye : K. Instituut v. d. Taal-, Land- en Volken- kunde van Neederlandsch-Indie. Landshut: Botanischer Verein. Leeds: Journal of Conchology. — Yorkshire geological and polytechnlc. Society. Leiden: Neederlandsche botanische Vereeniging. — Rijks Ethnographisch Museum. — Rijks Museum van natuurlijke Historie. Leipzig: Königl. sächsische Gesellsch. der Wissen- schaften. — Museum für Völkerkunde. — Naturforschende Gesellschaft. — ^'ercin für Erdkunde. Lemberg: »Kopernikus«, naturwissensch. \'erein. Liege: Societe geologique de Belgique. Lille: Societe geologique du Nord. Schriftentausch. XI Linz: Museum Francisco-Carolinum. Lissabon: Section des travaux geologiques. — Sociedad de Geographia. London: Geological Society. — Mineralogical Society. Lübeck: Geographische Gesellschaft. Lucca: R. Accademia I-ucchese. Lund: Botaniska notiser. Lüneburg: Jahrbuch des naturwissenscli. Vereins. Luxembourg: Societe botanique. Lyon: Musce d'histoire naturelle. — Societe botanique. Madrid: Revista minera y metalürgica. Magdeburg: Naturwissenscliaftlicher Verein. Mailand: Fondaz. Scientif. Cagnola. — Reale Istituto Lombardo. — Societä Italiana di Scienze naturali. Manchester: Geographical Society. Mannheim: \'erein für Naturkunde. Melbourne: Departement of mines and vvater supply. Metz: Verein für Erdkunde. Minneaopolis: Geological and natural history sur- vey of Minnesota. Modena: Societä d. naturalisti. Moskau: K. russ. Gesellschaft der Naturforscher. München: Deutscher und Oesterr. Alpenverein. — Geographische Gesellschaft. Münster: Pro vinzial -Verein für Wissensch. und Kunst. Nancy: Acadcmie de Stanislas. New-Haven: American Journal of science. New-York: American Museum of natural history. Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft. — ■ Germanisches Natlonal-Museum. Odessa: Neurussische Gesellschaft d. Naturforscher. Offenbach: Verein für Naturkunde. Osnabrück: Naturwissenschaftlicher Verein. Padua: R. Accad. di scienze, lettere e belle arti. Palermo: R. Accad. Palermitana di scienze, lettere e belle arti. Paris: Association francaise pour Tavancem. des Sciences. — Commission des Annales des Mines. — Feuille des jeunes naturalistes. — Revue scientitique. — Societe des Etudes Coloniales et Maritimes. — Societe de Geographie. — Societe philomathique. — Societe zoologique de France. Passau: Naturhistorischer ^'erein. Perpignan: Societe Agricole scientitique et litte- raire des Pyrences orientales. Philadelphia: American naturalis!. Numismatic and Antiquarian Society. Pisa: Istituto botanico della R. Universitä. — Societä Toscana di Scienze naturali. Poprad: Ungarischer Karpathenverein. Prag: K. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften. — >J^otos« Jahrbuch für Naturwissenschaft. — Statistisches Bureau des Landesculturrathes für das Königreich Böhmen. Regensburg: Königl. bayr. Gesellschaft »Flora«. Regensburg: Naturwissenschaftlicher Verein. Reichenberg: \'erein der Naturfreunde. Rio de Janeiro: Seccao d. Sociedade de Geo- graphia de Lisboa. Rom: Musei preistorico-etnografico e Kircheriano. — R. Accademia dei Lincei. — R. Giardino Botanico. Rotterdam: Societe Batave de philosophie experi- mentale. Roveredo: Accademia degli Agiati. Salem: American Association for the advancemeni of science. Salzburg: Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. St. Francisco: California Academy of sciences. St. Gallen: Ostschweizer, geograph.-commercielle Gesellschaft. St. John: Natural history Society. St. Louis: Academy of sciences. St. Petersburg: Academie imperiale des sciences. — Comite geologique. — Gesellschaft der Naturforscher. — Kaiserl. russische mineralog. Gesellschaft. — Oestliche Rundschau. — Physikalisch -chemische Gesellsch. an der k. Universität. Semur: Societe des sciences naturelles. Shanghai: China branch of the R. Asiatic Society. Sidney: Roy. Society of New South Wales. — Linnean Society. Spalato: Museo d'Antichitä. Stockholm: Geologiska Föreningens. — K. Mtterhets Historie och Antiquitets Aka- demien. Strassburg: Commission z. geolog. Erforsch, v. Elsass-Lothringen. Stuttgart: Verein für vaterl. Naturkunde in Würt- temberg. Tokio: Deutsche Gesellsch. für Natur- und Völker- kunde Ost-Asiens. Toronto : Canadian Institute. Tours: Societe de Geographie. Trenton: Natural history Society. Trentschin: Naturwissenscli. \'erein des Trcntsch. Comitates. Trient: Societä degli alpinisti Tridentini. — Societä adriatica di scienze naturali. — Museo civico. Tromsö: Museum. Troyes: Societe Acad. d'agriculture d. sciences, arts et belles-lettres de l'Aube. Truro: R. Institution of Cornwall. XII Schriftentausch. Tübingen: Der Naturforscher. Venedig: Ateneo Veneto. — »Notarisia.« — R. Istituto Veneto di scienze, lettere e arti. Washington: Smithsonian Institution. — United States Geological survey. Weimar: Botanischer Verein für Gesammt-Thü- ringen. Wien: III. Gruppe der kunsthistor. Sammlungen des AUerh. Kaiserhauses. — General-Direction der österr. Staatsbahnen. — Gesellschaft der Aerzte. — Kaiserl. Akademie der Wissenschaften. — K. k. geographische Gesellschaft. Wien: K. k. geologische Reichsanstalt. — K. k. militär-geographisches Institut. — Orientalisches Museum. — Oesterr. Fischerei -Verein. — Oesterr. Touristenclub. — Oesterr. Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen. — Wissenschaftlicher Club. — Zoologisch-botanische Gesellschaft. Wiesbaden: Nassauischer Verein für Naturkunde. Winnipeg: Historical and scientific Society of Manitoba. Würzburg: Physikalisch-medicinische Gesellschaft. Zürich: Natur forschende Gesellschaft. . Zwickau: Verein für Naturkunde. ANNALEN DES K. K. NATURIIISTORISCHEN HOFMUSEUMS. Jahresbericht für i885 von Dr. Frani Ritter von Hauer. Einleitung. Oei dem lebhaften Interesse, welches allseitig der Entwicklung unseres grossen wissenschaftlichen Institutes entgegengebracht wird, hoffe ich dem Wunsche Vieler zu entsprechen, wenn ich in den nachstehenden Zeilen eine übersichtliche Zusammen- stellung der Ereignisse, welche uns im Laufe des letzten Jahres betrafen, sowie unserer Arbeiten und Erfolge, zur allgemeinen Kenntniss bringe. Da in früheren Jahren analoge Berichte niemals veröffentlicht wurden, sei es mir gestattet, mit einigen oricntirenden Worten über die allgemeinen Verhältnisse des k. k. naturhistorischen Hofmuseums zu beginnen. Dasselbe ist hervorgegangen aus der Vereinigung der früher getrennten und zeit- weilig von einander ganz unabhängigen k. k. Hofcabinete,*) und zwar des k. k. zoolo- gischen, des mineralogischen und des botanischen Hofcabinets, dann der prähistorischen, anthropologischen und ethnographischen Sammlungen des Allerhöchsten Hofes. Die ersten beiden dieser Cabincte waren in, für die reichen Sammlungen schon ganz und gar unzulänglich gewordenen Localitäten in der k. k. Hofburg untergebracht; das dritte befand sich, vereinigt mit den botanischen Sammlungen der k. k. Universität, in dem kleinen, der letzteren gehörigen Gebäude im k. k. botanischen Garten. Die anderen genannten Sammlungen, die theils älteren Erwerbungen ihren Ursprung ver- danken, zum grösseren Theile aber erst in neuester Zeit zusammengebracht wurden, waren niemals in ihrer Gänze zu einer Aufstellung gebracht, sondern wurden verpackt in Depots aufbewahrt. Der von dem Architekten Baron v. Hasenauer geleitete Bau des grossen für die Neuaufstellung aller dieser Sammlungen bestimmten Palastes begann im Jahre 1 872 und wurde im Jahre 1881 äusserlich vollendet. Die Vereinigung der getrennten Cabinete zu einem Gesanimtinstitute unter ein- heitlicher Leitung wurde durch die im Jahre 1876 erfolgte Allerhöchste Genehmigung *) Bezüglich der Geschichte dieser Institute verweise ich auf die »Geschichte des k. k. Hof-Naturalien- cahinetes in Wien« von L. Fitzinger (Sitzungsber. der matliem.-naturw. Classe der kais. Akademie der Wissenschaften, Bd. 21,57,58, 81 und 82), und auf die Arbeit von Hochstetter: »Das k. k. Hof-Mineralien- cabinet in Wien« (Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt, 1884, p. 263). I r, Einleitung. eines von F. v. Hochstetter entworfenen Organisationsplancs und durch die Ernen- nung des Letzteren zum Intendanten des Museums angebahnt. Mit rastlosem Eifer arbeitete nun Hochstetter bis zu seinem am 1 8. Juli 1884 erfolgten Tode an seiner grossen Aufgabe. Er hat dieselbe so weit geführt, dass uns nichts Anderes mehr obliegt, als die von ihm nach weiten Gesichtspunkten gedachten und vorbereiteten Pliine, mit verhältnissmässig geringen Abänderungen, die sich seither als noth\vendig ergaben, im Detail zur Durchführung zu bringen. In Folge einer neucrhchen Allerhöchsten Entschliessung Sr. k. und k. Apostoli- schen Majestät vom 27. December i885 besteht das k. k. naturhistorische Hofmuseum aus fünf Abtheilungen, und zwar: 1. der zoologischen, 2. der botanischen, 3. der mineralogisch-petrographischen, 4. der geologisch-paläontologischen, 5. der anthropologisch-ethnographischen Abtheilung. Das Neugebäude enthält, abgesehen von den Kellerräumen, welche grossentheils von den Anlagen zur Centralheizung eingenommen werden, vier Stockwerke. Das tieiste derselben, bezeichnet als Tiefparterre, ist theils zu Wohnungen für Beamte und Diener adaptirt, theils enthält es Präparir- und Packräume für die einzelnen Abtheilungen. Die oberen drei Stockw'erke, das Hochparterre, der erste und der zweite Stock, ent- halten je 19 grosse, 200 und (die Ecksäle) 260 Quadratmeter messende Säle an der Aussenseite gegen die Gassenfronten des freistehenden Gebäudes und je 20 bis 25 kleinere Säle, Zimmer und Nebengemächer an der Innenseite gegen die beiden grossen Hüte, welche durch den das Stiegenhaus enthaltenden und von der Kuppel gekrönten Mittel- tract getrennt werden. Die Säle und ein Theil der Nebenräurae des Hochparterres und des ersten Stockwerkes sind nun für die dem grossen Publicum zu öflhenden Schau- sammlungen gewidmet; alle übrigen Räume sind für ßureaux und Arbeitszimmer, für Bibliotheken, endlich zum grossen Theil für jene Theile der Sammlungen bestimmt, welche, in Schränken aufbewahrt, zwar der Benützung durch Fachgelehrte bereit gehalten, nicht aber zur Schau gestellt werden sollen. Ohne in weiteres Detail über die geplanten Aufstellungen einzugehen, füge ich nur noch bei, dass zugewiesen sind : 1. der zoologischen Abtheilung die sämmtlichen 19 Säle des ersten Stockwerkes sammt den zugehörigen Nebenräumen, dann () Reservesäle sammt Nebenräumen im zweiten Stockwerke und die nöthigen Präparirräume im Tiefparterre; 2. der botanischen Abtheilung, welche noch keine eigentliche Schausammlung be- sitzt, 4 Säle sammt Nehenräumen im zweiten Stocke; 3. der mineralogisch-petrographischen Abtheilung die ersten 5 Säle im Hoch- parterre sammt den anschliessenden Nebenräumen; für ein chemisches Laboratorium, dann für die Aufstellung von Schneide- und Schleifmaschinen u. s. w. sind entsprechende Localitäten im Tiefparterre bestimmt; 4. der geologisch-paläontologischen Abtheilung die nächsten 5 Säle im Hochparterre, 2 Reservesäle im zweiten Stocke und Präparir- und Packzimmer im Tiefparterre. 5. Die anthropologisch-ethnographische Abtheilung zerfällt in zwei Unterabthcilun- gen; von ihnen erhält a) die prähistorisch-anthropologische die an die geologische Abtheilung zunächst anschliessenden 3 Säle im Hochparterre, 1 Saal im zweiten Stocke und Präparirräume im Tiefparterre; , Einleitung. 3 b) die ethnographische die letzten 6 Säle im Hochparterre, 3 Reservesäle im zweiten Stocke und i Präparirraum im Tiefparterre. Was nun die nicht von der Verwaltung des Museums, sondern von der Bauleitung abhängigen Bauarbeiten und die Herstellung der Stellvorrichtungen und Einrichtungs- stücke für die Schausäle betrifft, so war schon mit Ende 1884 die architektonische Aus- stattung dieser Säle in der Hauptsache vollendet. Ueber die Arbeiten im Jahre i885 erhielt ich mit Zustimmung des bauleitenden Architekten Baron v. Hasen au er, für dessen freundliches Entgegenkommen bei jeder Gelegenheit ich mich zu dem wärmsten Danke verpflichtet fühle, von dem Ingenieur und Bauführer Herrn Felix v. Zamboni die folgenden näheren Nachweisungen: »Im Tiefparterrc wurden die zwei grossen Amtswohnungen fertiggestellt, so dass sie im Herbste bezogen werden konnten; in den Kellerräumen wurden Abtheilungen für die Wohnparteien geschaffen. »Im Hochparterre wurden die Thüreinfassungen (Chambranen aus Kunstmarmor) hergestellt, die Malerarbeit an den Wänden unterhalb des Kämpfergesimses vorgenommen, die Kariatyden in den Ecksälen und im Mittelsaale versetzt und polychromirt, die vor- handenen Oelgeniälde befestigt und mit Aufschrifttafeln versehen; weiters kam der Fuss- boden zur Vollendung und wurden sämmtliche Thüren für die Gassen- und Hoflocale fertiggestellt, die Eichenthüren gebeizt, die aus weichem Holze angestrichen; die Mon- tirung der Bronzebeschläge an sämmtlichen Thüren sowohl, als auch an sämmtlichen Fenstern des ganzen Geschosses kam auch zur Ausführung; ferners wurde die Aufstellung der Schaukästen im ganzen Geschosse begonnen und beinahe ganz zu Ende geführt. »Im ersten Stockwerke wurden die eisernen Thüren für jene Säle, welche die Sammlungen in Spiritus enthalten, aufgestellt, bronzirt und mit Beschlägen versehen, dann wurde die Aufstellung der zweiten Hälfte der Schaukästen, speciell der grossen Kästen für die Säugethiere, beendet; im zweiten Stockwerke wurden die Thüren und Fenster mit Bronzebeschlägen versehen und an der Aufstellung der Sammlungskästen gearbeitet. »Für einen Theil der Hof- und Gassenfenster im ganzen Gebäude wurden Rouleaux hergestellt. ^Nachdem im F'rühjahre die Versetzung und Vergoldung des Einfassungsgitters des Museumplatzes begonnen und durchgeführt worden war, wurde die Parkirung des Platzes in Angriff genommen, und zwar wurde die Terrainregulirung, die Herstellung der Wege, die Urbarmachung der Gartenplätze, die Canalisirung, die Gas- und Wasser- leitung fertiggestellt. »Endlich wurden die beiden Auffahrtsrampen zu den Museen mit den grossen Freitreppen ausgeführt.« Die Möblirung der Reservesäle im zweiten Stockwerke, sowie die der Bureaux und Arbeitslocalitäten erfolgt nur theilweise durch Neuanschaffungen; es werden nämlich für diese Räume sämmtliche in den früheren Hofcabineten in Verwendung gestamlene Aufstellungskästen und andere Einrichtungsstücke nach entsprechender Umgestaltung zur Verwendung kommen. Auch diese Arbeiten, welche nicht unter der Obsorge der Bauleitung, sondern unter jener der Musealverwaltung, welcher zu diesem Behufe lixe Pauschalbeträge zur Verfügung gestellt wurden, stehen, wurden im Laufe des Jahres so weit fertiggebracht, dass insbesondere die Bureaux und Arbeitszimmer vollkommen eingerichtet und von den betreffenden Beamten auch bereits bezogen sind. Noch möchte ich beifügen, dass im Laufe des Jahres das grosse Deckengemälde sowohl, welches ober der Stiege angebracht w'erden wird, wäe sechs von den acht kleineren 1* Das Personale. Bildern, welche die Lunetten im Stiegenhaus zu schmücken bestimmt sind, vollendet wurden. Der grosse Meister, der diese Werke schuf, Hans Canon, schied aus dem Leben, ohne Zeuge der vollen Wirkung geworden zu sein, welche dieselben an dem Platze, für welchen sie bestimmt sind, unzweifelhaft ausüben werden. I. Das Personale. Die Leitung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums wurde durch meine, mit Allerhöchster Entschliessung Sr. k. und k. Apostolischen Majestät vom 17. Februar i885 erfolgte Ernennung zum Intendanten mir anvertraut, nachdem die Geschäfte der Intendanz nach deniTode Hochstetter's interimistisch von Herrn Director Regierungs- rath Steindachner geführt worden waren. Der weitere Beamten- und Dienerstand des Museums hat der früher erwähnten Allerhöchsten Entschliessung vom 27. December i885 zufolge zu bestehen aus: 1 Director in der VI. Rangsclasse 8 Custoden „ VII. „ 5 Custos-Adjuncten ... „ VIII. „ 5 Assistenten „ X. „ 2 beeideten Hilfsarbeitern „ XI. „ 9 Präparatoren „ XI. Diätenclasse 14 Dienern „ XII. „ Alle diese Stellen, mit Ausnahme jener des fünften Custos-Adjuncten, welche vor- läufig unbesetzt blieb, wogegen nicht fünf, sondern sechs Assistenten ernannt wurden, erscheinen in Folge hohen Erlasses von Sr. k. und k. Majestät erstem Obersthofmeister Prinzen zu Hohenlohe vom 3o. December i885 theils durch Transferirung der Be- amten und Diener der früheren k. k. Hofcabinete, theils durch Neuernennungen besetzt, so dass der Personalstand des k. k. naturhistorischen Hofmuseums nebst mir nunmehr besteht aus den Herren : Dr. Franz Steindachner, k. k. Regierungsrath und Director, betraut mit der Leitung der zoologischen Abtheilung; den Custoden: August v. Pelzein, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Alois Rogenhof er, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Theodor Fuchs, betraut mit der Leitung der geologisch-paläontologischen Abtheilung, Dr. Aristides ßrezina, betraut mit der Leitung der mineralogisch -petrographischen Abtheilung, Dr. P'riedrich Brauer, k. k. Universitätsprofessor, mit der Dienstleistung in der zoo- logischen Abtheilung, Dr. Emil v. Marenzeller, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Franz Heger, betraut mit der Leitung der anthropologisch - ethnographischen Ab- theilung, Josef Szombathy, mit der Dienstleistung in der anthropologisch-ethnographischen Abtheilung; Das Personale. den Gustos- Ad Juncten : Dr. Friedrich Berwerth, mit der Dienstleistung in der mineralogischen Abtheilung, Carl Koelhel, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Dr. Günther Beck, betraut mit der Leitung der botanischen Ahtheilung, Ludwig Ganglbauer, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung; den Assistenten: Ernst Kittl, mit der Dienstleistung in der geologisch -paläontologischen Abtheilung, Dr. Ludwig Lorenz Ritter v. Liburnau, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Nikolaus Wang, mit der Dienstleistung bei der Intendanz und in der anthropologisch- ethnographischen Abtheilung, Dr. Eduard Becher, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Dr. Michael Haberlandt, mit der Dienstleistung in der anthropologisch-ethnographi- schen Abtheilung, Dr. Fr. Wähncr, mit der Dienstleistung in der geologisch-paläontologischen Abtheilung; den beeideten Hilfsarbeitern: Franz Kohl, mit der Dienstleistung in der zoologischen Abtheilung, Dr. Ignaz Ritter v. Szyszvlo vicz, mit der Dienstleistung in der botanischen Ab- theilung; den Präparatoren: Josef Mann, für die zoologische Abtheilung, Franz Brattina, für die geologisch-paläontologische Abtheilung, Rudolf Zelebor, für die zoologische Abtheilung. Theodor Werner, für die zoologische Abtheilung, Eduard Konopitzky, für die zoologische Abtheilung, Alois Scholtvs, für die botanische Abtheilung, Anton Samide, für die mineralogisch-petrographische Abtheilung, Franz Grössl, für die ethnographische Abtheilung; und den Hausdienern: Josef Holubiczka, für die zoologische Abtheilung, Carl Seemann, für die zoologische Abtheilung, Caspar Wann er, für die geologisch-paläontologische Abtheilung, Josef Konopitzky, für die zoologische Abtheilung, Johann Kai gl, für die zoologische Abtheilung, Franz Irmler, für die zoologische Abtheilung, Gustav Bräutigam, für die prähistorisch-anthropologische LIntcrabtheilung, Stefan Leiner, für die zoologische Abtheilung, Martin Hanig, für die zoologische Abtheilung, Michael Mikulofskv, für die ethnographische Unterabtheilung, Franz Brattina Jun., mit der Dienstleistung eines Präparators in der prähistorischen Unterabtheilung, Fabian Legradi, für die mineralogisch-petrographische Abtheilung. Herr Wenzel Wenisch steht als Diurnist in Verwendung. Der Portier Johann Trupp ist einstweilen der Intendanz zur Dienstleistung in der Kanzlei zugewiesen. Die Musealarbeiten. Nebst den Beamten und Dienern nehmen auch Volontäre mit specieller Bewilli- gung des hohen Obersthofmeisteramtes an den Arbeiten im Museum Antheil. Es sind theils unabhängige Gelehrte, wie Herr Felix Karr er, dessen schon seit Jahren andauernde, höchst erfolgreiche und dankenswerthe Thätigkeit im k. k. Hof-Mineraliencabinet fortan auch der mineralogischen und geologischen Abtheilung des Museums zu Gute kommen wird, theils jüngere Männer, welche, sei es um ihre Kenntnisse zu erweitern, sei es um eine etwaige Zwischenzeit bis zur Erlangung irgend einer von ihnen angestrebten wissen- schaftlichen Stellung nützlich auszufüllen, ohne Entlohnung und ohne dadurch einen Anspruch auf eine Anstellung im Museum zu erlangen, demselben ihre Dienste widmen. So die Herren Rudolph Much in der anthropologisch-prähistorischen Unterabtheilung, Dr. Moriz Hörn es, ebendaselbst, dann zu Anfang des Jahres 1886 eingetreten die Herren Dr. Anton Zahlbruckner in der botanischen Abtheilung, Friedrich Siebenrock, Demonstrator am zootomischen Universitäts-Tnstitut, in der zoologischen Abtheilung, Dr. Gottlieb Marktanner-Turncrctscher, ebendaselbst, Rudolf Köchlin in der mineralogisch-petrographischen Abtheilung. Eine nicht den Empfänger allein, sondern das ganze Institut erhebende Auszeich- nung ist Herrn Director Regierungsrath Dr. Franz Steindachner zu Theil geworden. Mit Allerhöchster Entschliessung vom 12. April i885 haben Se. k. und k. Aposto- lische Majestät demselben in neuerlicher Anerkennung seiner ausgezeichneten Dienst- leistung den Orden der eisernen Krone U\. Classe taxfrei allergnädigst zu verleihen geruht. II. Die Musealarbeiten. Dieselben bestanden der Hauptsache nach aus den Vorbereitungen zum Transport der Sammlungen in das Neugebäude, diesem Transport selbst, der, wie noch weiter im Detail gezeigt wird, zmn weitaus grössten Theilc durchgeführt ist, und den Vorberei- tungen zur Neuaufstcllung. a. Zoologische Abtliciluug. Das k. k. zoologische Hofcabinet oder, wie es im Volksmunde genannt wurde, das »Naturalicncabinet«, wurde noch bis zum Schlüsse des Jahres i885 in jenen Theilen, welche noch niclit verpackt oder ausgeräumt \varen, also in successive immer kleinerem Umfange, dem Besuche des Publicums otlen gehalten. Der letzte Einlass fand Donnerstag den Si.Dccember statt. Obwohl an diesem Tage eben nichts Anderes mehr als einige der grossen Säugethicre zu sehen waren, so strömten doch die Besucher in ungewöhnlich grosser Zahl herbei, um zum letzten Male von der ihnen so lieb gewordenen Stätte Ab- schied zu nehmen, welche der Schaulust und Lernbegierde der ganzen Bevölkerung unserer Rcsidenzstailt ein volles Jahrhundert hindurch so reiche Befriedigung geboten hatte. Mit Schluss des Jahres waren die gesammten zoologischen Sammlungen mit Aus- Zooloaischc Abtheilunii. nähme von etwa 800 Gläsern der Fisch- und ReptiHcnsammlung und etwa dem dritten Theile der Säugethicrsammlung — darunter allerdings den grössten Arten, \vic Ele- phanten, Giraffen u. s. w. — in das Neugcbäudc übertragen. Obgleich die neuen Schaukästen und die Podien für die Säugethiere und Vögel leider noch nicht so weit vollendet sind, um die Objecte in denselben aufzustellen, war doch der Transport der letzteren und ihre nunmehr eine doppelte Arbeit erfordernde provisorische Unterbringung im Neugebäude unumgänglich nöthig, um rechtzeitig die Reparatur und Adaptirung der alten Schaukästen, welche in den Reservesälen im zweiten Stockwerke des Neugebäudes aufgestellt werden, vornehmen zu können. Diese Kästen, deren Umstaitung nach den Angaben und unter Leitung des Herrn Directors Stein- dachncr vorgenommen wurde, sind dazu bestimmt, tlie ganze wissenschaftliche Samm- lung der Mollusken, der Arachniden, Crustaceen und Mvriapoden, fast die Hälfte der Insectcnsammlung, die Sammlung der Vogel- und Säugethierskelete, einen Theil der Fisch- sammlung, endlich auch die Hauptbibliothek für Zoologie aufzunehmen. Auch die Verpackung und der Transport der sämmtlichen zoologischen Samm- lungen wurden unter der speciellen Leitung und Ueberwachung des Herrn Directors Steindachner vorgenommen. Einige weitere Details darüber werden gewiss vielen unserer Leser willkommen sein. Nur für die Uebertragung grösserer Objecte wurden Möbeltransportwagen ver- wendet; sämmtliche nach Hunderttausenden zählende kleinere Gegenstände, wie z. B. die ganze Insecten- und Molluskensammlung, die getrockneten Krebse und fast die Hälfte der Vogelsammlung wurden, um jede heftige Erschütterung hintanzuhalten, in Hand- tragen im Laufe des Jahres in das neue Museum gebracht. Die Weingeistsammlungen, ebenfalls in etwa loo.ooo Gläsern untergebracht, von denen ein grosser Theil per Stück ein Gewicht von 20 bis 40 Kilogramm zeigen, wurden einzeln mit Stroh überwickelt und, dank der guten Verpackung, um welche sich insbesondere der Diener Irmler, dann die Diener Kaigl und Konopitzky verdient machten, ging der ganze Transport ohne Schaden vor sich. Was nun die Arbeiten in den einzelnen Abtheilungen der zoologischen Sanmi- lungen betrifft, so vollendete Herr Gustos v. Pelzeln den Zettelkatalog der seiner Ob- sorge anvertrauten Säugethicrsammlung, von welchem die Ordnungen der Rodcntia, Ruminantia, Pachydermata imd Cetacea noch gefehlt hatte. Weiters wurde eine Re- vision der Sammlung vorgenommen, wobei diejenigen Stücke, welche von wissenschaft- lichem Interesse, aber nicht zur Aufstellung geeignet sind, für die Reservesammlung bestimmt und in einem besonderen Zettelkataloge verzeichnet, dann Doubletten zur Abgabe an Schulen u. s. w. ausgeschieden wurden. Von den Präparatoren wiu-de eine Anzahl Exemplare in wirklich kunstvoller Weise modellirt und aufgestellt, darunter besonders hervorzuheben ein indischer Tapir, ein russischer Windhund, ein Delphin (Delph. tiirsio), ein Axishirsch, ein Dingo und ein prächtiger Sundatiger. Auch eine Anzahl von Skeleten wurde theils fertig aufgestellt, wie Delpli. tiirsio, Rhinoceros sumatraniis, Antilope picta, Gaiclla dama u. s. w., theils nur erst roh ausgearbeitet oder in AngritT genommen. Auch die Vogelsammlung, die bei 20.000 ausgestopfte Exemplare zählt, steht unter der Obsorge des Herrn Gustos v. Pelzeln. Hier wurde eine separat zur Auf- stellung gelangende Ornis der österreichisch - ungarischen Monarchie, 340 Arten in 621 Stücken umfassend, aus der allgemeinen Sammlung ausgewählt, auf neue Postamente oder Naturäste gestellt und durchwegs neu etiquettirt; hierzu wurde ein für den Druck bestimmter Katalog verfasst, der auch Notizen über die geographische Verbreitung, Die Musealarbeiten. Häufigkeit u. s. w. enthält und den Lernbegierigen als Leitfaden heim Studium der Sammlung dienen soll. Eine Anzahl von Vogelfamilicn, welche noch ältere Aufschriften besassen, und zwar die Striithionidae, Otididae, Con'aciadae, Eurilasmidcxe, Trogonidae, Akcdini- dae, Meropidae und Upupidae, wurde dem jetzigen Stande der Wissenschaft ent- sprechend neu etiquettirt, die erstgenannten zwei Familien auch mit neuen Postamenten versehen, und eine von Herrn Consul Hütteroth in Triest gespendete Suite von loi ceylonischen Vögeln wurde bestimmt. Mehrere Vögel wurden ausgestopft, andere wurden präparirt oder skeletirt. Unter den so acquirirten Skeleten sind besonders hervorzuheben: Struthio camelus (Rohskelet), Goura coronata, G. Victoriae, Tliaumalia (Bastard aus Tli. Amherstiae und picta) und Lcptoptilus argala. Die reiche Sammlung der Vogelbälge wurde in den für sie bestimmten Laden der Aufstellungsschränke in systematischer Ordnung untergebracht, so dass diese der wissen- schaftlichen Benützung bereits vollkommen zugänglich sind. Die Eiersammlung endlich, welche für die Schaustellung bestimmt ist, wurde in zwei Pfeilerkästen im Saale XXXI aufgestellt, die übrigen Eier wurden in denselben Schränken in Laden systematisch eingeordnet. Die specielle Besorgung der Reptilien-, Amphibien- und Fischsammlungen hat sich Herr Director Steindachner selbst vorbehalten. Bis zum Schlüsse des Jahres i885 wurden circa 38.ooo Gläser mit Fischen und Reptilien und 1200 Skelete von solchen, dann bei 1000 ausgestopfte Fische in das neue Museum übertragen. Bei 20.000 dieser Gläser wurden aus Anlass der Neuaufstellung voll- ständig neu adjustirt und etiquettirt. Dieser Vorgang nahm volle sieben Jahre unaus- gesetzter Thätigkeit in Anspruch, indem in einem Jahre bei 3ooo Objecte wissenschaft- lich bestimmt, in die Gläser verschlossen und etiquettirt werden konnten. Alle diese Arbeiten führte Steindachner allein mit Hilfe eines Dieners, der das Reinigen und Verschliessen der Deckgläser zu besorgen hatte, durch. Für die Schaustellung der Batrachier wurden die schönsten Exemplare ausgewählt, auf weisse Glasplatten gebracht und auf diese theilweise angeklebt; bei grösseren Exem- plaren genügte das blosse Einstellen eines weissen Glases ohne besonderes Ankleben; es hat dies den grossen Vortheil für sich, dass ein nicht besonders starker Weingeist ange- wendet werden kann, was einerseits eine Ersparniss ist und anderseits das zu starke Ein- schrumpfen der Objecte verhütet. Die ichthyologischen und herpetologischen Sammlungen, von welchen die erstere allein über 40.000 Gläser füllt, wurden im Laufe der letzten fünfundzwanzig Jahre mehr als verdreifacht, und zwar hauptsächlich durch die Erwerbungen, welche Herr Director Steindachner während grosser Reisen, die er zum weitaus grössten Thcilc auf eigene Kosten machte, in Spanien, Grossbritannien, Afrika und Amerika zusammenbrachte und dem Museum widmete. Platzmangels wegen mussten diese neuerworbenen Schätze, ohne irgend eine wissenschaftliche Ordnung, in sieben finsteren Kammern im Gebäude des alten Museums in nicht nur neben-, sondern auch übereinander stehenden Reihen aufgespeichert werden, so dass sie bis jetzt so gut wie unzugänglich waren und erst durch die Aufstellung im neuen Museum zur Benützung gelangen werden. Bei der Aufstellung dieser Sammlungen wird Herr Director Steindachner der grossen Kosten wegen keine Postamente, wie solche z. B. bei den Säugethieren und Vögeln unentbehrlich sind, anbringen, auch wird er geschriebene und nicht gedruckte Etiquetten in Anwendung bringen, einerseits ebenfalls der Kosten \Negen, welche namentlich bei Zoologische Abtheilung. den Fischen sehr bedeutend sein würden, da es sich hier in erster Linie um ganz genaue Angabe des Fundortes, des Geschlechtes, der Zeit des Fanges (mit Rücksicht auf die Laichzeit) und des Sammlers handelt, so dass für Jedes Glas eine besondere Etiquette gedruckt werden müsste, andererseits aber auch der grösseren Leichtigkeit wegen, mit welcher geschriebene Etiquetten einzeln durch andere ersetzt werden können, und mit welcher demnach die Bezeichnung der Objecte in dem Museum den gerade seit den letzten zehn Jahren so raschen Aenderungen der w^issenschaftlichen Nomenclatur folgen kann. Auch von dem Ankleben farbiger Streifen auf den Etiquetten zur übersichtlichen Bezeichnung der Fundorte, wie sie mit Steindachner's Zustimmung bei zwei anderen Abtheilungen der zoologischen Sammlungen angebracht werden sollen, wird hier Um- gang genommen werden, einerseits weil der praktische Nutzen dieser Einrichtung erst erprobt werden soll, und andererseits weil durch die Aufstellung der Fische in Local- faunen, wie sie in den Wandschränken geplant ist, die Gebiete, aus welchen sie stammen, schon bezeichnet sind. Es sollen in dieser Weise die Fischfaunen der Hauptströme der Erde, wie der Donau, des Niles, des Ganges, des Mississippi, des Amazonenstromes u. s. w., ferner Jene des Mittelmeerbeckens, mit besonderer Berücksichtigung der Adria, Jene des atlantischen Oceans entlang den Küsten der Vereinigten Staaten, ferner ent- lang Jenen des tropischen Südamerika u. s. w., in abgesonderten Gruppen zur Aufstellung kommen. Eine systematische Sammlung der Fische werden dagegen die Mittclkästen enthalten. Die Sammlungen der Mollusken, Molluskoiden und Tunicaten sind Herrn Professor Dr. Brauer und Herrn Dr. Becher zur Besorgung anvertraut. Im Laufe des Jahres wurden noch im alten Museum von Herrn Dr. Becher die Heliceen nach Pfeiffer- Clessin 's »Nomenciator Heliceorum« geordnet, die Nach- träge, so weit der Raum es gestattete, eingereiht und zum Theile neu etiquettirt. Es füllt diese Familie 67 Laden. Weiters hat Herr Dr. Becher die in Alkohol aufbewahrten Objecte dieser ganzen Abtheilung der Sammlungen, bei 2000 Gläser, svstematisch geordnet und für sie einen besonderen Zettelkatalog angelegt. Mit der Umlegung der trocken aufbewahrten Hauptsammlung der Conchvlien und Einreihung der bedeutenden, früher schon von den Herren Professor Brauer, dem früheren, leider verstorbenen Hilfsarbeiter Wimmer und Dr. Becher bestimmten Nachträge, die bei 120 Laden umfassen, konnte, nachdem die neuen Schränke fertig- gestellt waren, Anfangs November begonnen werden, und wurden von Dr. Becher zu- nächst die Muscheln in Angriff genommen und gleichzeitig ein Zettelkatalog angelegt, der ungefähr bis zur Hälfte der Muschelsammlung vorgeschritten ist. Wesentlich erleich- tert wird diese Arbeit dadurch, dass die ganze Conchvliensammlung in früherer Zeit von Herrn Gustos Brauer bestimmt und nach Adams geordnet worden war, wozu zwölf Jahre (1861 bis iSyS) erforderlich waren. Bei der Umsiedlung, welche im Monate Februar begann, wurde die Hauptsamm- lung der Conchvlien in den Laden, 3 i 5 an der Zahl, übertragen, nur die in anderer Weise untergebrachten Nachträge wurden in Kisten verpackt. Die Wiederauspackung ist nahe vollendet. Die Hauptsammlung der Gastropoden wurde dabei, um sie möglichst rasch wieder benutzbar zu machen, vorläufig ohne Einreihung der Nachträge in der alten Ordnung belassen. Die bisher erwähnten Arbeiten — hinzuzufügen wäre noch, dass auch die neuen Acquisitionen aus West- und Ostafrika von Dr. Becher bestimmt wurden — bezichen sich alle auf die wissenschaftliche Hauptsammlung. Was nun die zur Aufstellung zu lO t)iii Musealarbeiten. bringende Schansammlung betrifft, so wurde von Herrn Dr. Becher der Rest der in Alkohol zu adjustirenden Objecte, 36 Gläser, fertiggestellt, wurden iioo Postamente und 400 Cartons zur Aufstellung der trockenen Conchylien etiquettirt, und wurde der Rest des Zettelkataloges für die gesammten Laraellibranchiaten und Scaphopoden, sowie Ergänzungen zu jenem der Gastropoden und Cephalopoden, 700 Nummern umfassend, zum Abschluss gebracht. Hiemit sind die Vorarbeiten für die neue Schausammlung so weit gediehen, dass nach Fertigstellung der inneren Einrichtung der Schränke jeden Tag mit der Aufstellung begonnen und diese ohne Unterbrechung zu Ende geführt werden kann. Die Insectensammlungen werden, und zwar die Coleopteren und Orthopteren von Herrn Custos-Adjuncten L. Gangib au er, die Lepidopteren, Hymenopteren und Hemipteren von Herrn Gustos Rogenhof er und die Dipteren und Neuropteren von Herrn Gustos Brauer besorgt. Die Goleopteren- und Orthopterensammlung wurde im Octobcr in das Neugebäude übertragen. Im Laufe des Jahres hatte Herr Ganglbauer nicht weniger als 52 10 in der Sammlung befindliche Käfer, die 81 5 Arten aus 3o Gattungen angehören, neu be- stimmt oder ihre Bestimmung revidirt; ausserdem hat er ungefähr 70 Arten aus einer im Jahre 1878 von Herrn Appl gekauften und von Herrn Regierungsrath Steindachner dem Museum geschenkten Sammlung svrischer Käfer und 80 im Laufe des Jahres acqui- rirte Arten aus Greta, den Gvkladen, Sardinien und Syrien bestimmt. Die svstematische Schausammlung der Goleopteren wurde schon zu Beginn des Jahres abgeschlossen; sie enthält 2340 Arten in ungefähr 4600 Exemplaren und occupirt 28 Laden der neuen grossen Schaukästen, Für die Schausammlung der Fauna Vindo- bonensis wurden circa 1700 Goleopteren-Species in Gooo Exemplaren ausgewählt und davon bis jetzt etwa 1200 Species in die Schauladen eingeordnet. Die Schausammlung der Orthopteren, 160 Arten in mehr als 3oo Exemplaren, die sechs Schauläden füllen, war schon im Jahre i883 eingeordnet worden; es erübrigte daher nur mehr die Zusammenstellung für die Fauna Vindobonensis, für welche 98 Species in 3oo Exemplaren ausgewählt und in zwei Laden der Schaukästen eingeordnet wurden. Alle diese Arbeiten, die um so umständlicher waren, als fast sämmtliche für die Schau- stellung bestimmte Arten umpräparirt werden musslen, besorgte Herr Ganglbauer allein, ohne Hilfe eines Präparators. Für die Schausammlungcn der Lepidopteren, Hvmenopteren und Hemipteren wurde durch die Herren Gustos Rogenhofer und F. Kohl das Materiale ausgewählt und unter Beihilfe des Präparators J. Mann in die neuen Schauläden gesteckt; 156 der- selben wurden bis zum Schlüsse des Jahres fertiggestellt und damit der grösste Theil der Arbeit vollendet. In der Abtheilung der Dipteren und Neuropteren untersuchte und bestimmte Herr l^rof. Dr. Brauer 569 Exemplare aus Mexico, welche im Jahre i883 von Herrn Director Ijilimek angekauft worden waren; die in der Sammlung befindlichen 'Jabanus-Aiten aus Nordamerika (96 Arten in 210 Exemplaren nach Osten -Sacken 's neuen Arbeiten) und ebenso jene aus Südamerika (i3o Arten in circa 3oo Exemplaren); Neuropteren aus Madagaskar, welche das Museum durch gütige Vermittlung des Herrn Hofrathes Brunner V. Wattenwyl im Tausche erhalten hatte; es befindet sich unter denselben eine neue, sehr interessante Ascalaphiden-Gattung; 2()3 Exemplare Neuropteren aus Texas, die im Jahre 1875 von Boll angekauft worden waren; endlich 879 Exemplare Dipteren und 254 Neuropteren aus Norciamerika, angekauft im Jahre 1879 von Heri-n Zoologische Abtheilung. j i Morrison. Diese Arbeit, bereits früher beü;onnen, ^vurde im Laufe des Jahres zu Ende gebracht. Behufs der üebersiedlung in das neue Museum nahm Herr Dr. Brauer eine Re- vision der gesammten Neuropteren- und Dipteren-Sammlungen vor, um die Ueber- tragung ohne Gefahr einer Beschädigung durchführen zu können. Diese Arbeit, die er eben niemand Anderem anvertrauen konnte, war sehr zeitraubend, da Hunderte von Exemplaren, besonders die so gebrechlichen Pseudoncuropteren, zum Transporte be- sonders befestigt werden mussten. Die Sammlungen dieser Abtheilung füllten 43 i Laden; sie umfassen die systematische Hauptsammlung der Dipteren, die Diptera austriaca, die Winthem- und Wiedemann'sche Dipteren-Sammlung, dann die systematische Neuropteren- und Pseudoncuropteren-Sammlung; dieselben sind nunmehr bereits voll- ständig geordnet in die neuen Schränke eingereiht, so dass dieselben sofort benützt werden können. Zum Zwecke der Aufstellung einer systematischen Schausammlung, sowie jener der Fauna Vindobonensis, bei welcher Arbeit auch wieder die Herren F. Kohl und J. Mann mitwirkten, wurden i58 Neuropteren und 1190 Dipteren ausgewählt und in 16 der neuen Schauläden eingestellt. Die Sammlungen der C r ü s t a c e e n, P y c n o g o n i d e n, A r a c h n o i d e e n, O n y c h o- phoren und Mvriapoden stehen unter der Aufsicht des Herrn Custos-Adjuncten Carl Koelbel. Ich gebe hier im Wortlaute, was mir derselbe über die Musealarbeiten dieser Abtheilung mittheilte: ^^Die Fortsetzung der im Jahre 1882 begonnenen Vorbereitungen für die Schau- sammlung in dem neuen Museum, sowie die Uebersiedlung in dasselbe und die svste- matische Aufstellung der Hauptsammlung in dem zugewiesenen neuen Räume nahmen den grösseren Theil des Jahres für sich in Anspruch. Was den ersten Punkt betrifft, kann ich nicht umhin zu bemerken, dass in dieser Abtheilung, welche vorher nur unzureichende Beachtung fand und erst in den letzten Jahren durch Ankäufe imd ins- besondere durch wiederholte bedeutende Schenkungen des Herrn Regierungsrathes Dr. Steindachner imWerthe von mindestens i5oo Gulden gcwissermassen aus dem Status nascens herausgetreten ist, die Aufstellung (Montirung) der für das Publicum zu ex- ponirenden Objecte Schwierigkeiten begegnet und demgemäss nur allmählich vorwärts schreitet. Denn ich fand, als mir die Leitung der Sammlung der oben angeführten Arthropoden übertragen wurde, nicht nur ganze Gruppen und Ordnungen unter den Crustaceen und Arachnoideen, sondern auch das relativ umfangreiche Material aus der Classe der Myriapoden, mit Ausnahme einiger von Saussure in Genf herrührenden Bestimmungen, undeterminirt. Ueberdics erwiesen sich bei näherer Prüfung die vor- handenen Bestimmungen aus früherer Zeit, insoferne sie nicht von externen Fach- männern (Cam. Heller, Äusserer etc.) vorgenommen worden sind, meistens als unrichtig oder sogar als blosse Musealnamen ohne Jeglichen wissenschaftlichen Werth. Unter so bewandten Umständen erklärt es sich, dass mit der Montirung der Schau- objecte Bestimmungen ad hoc parallel einhergehen müssen. » In den Beginn dieses Jahres fällt noch die Bestimmung eines Theiles der von Dr. Fischer an der Küste von Jan Mayen gesammelten Crustaceen, Pycnogoniden und Arachnoideen. Hierauf wurden die zum grössten Theile unbestimmt gewesenen Sto- matopoden der Sammlung determinirt und die älteren Bestimmungen einer Revision unterzogen. Dasselbe geschah mit den übrigens nur in geringer Zahl vorhandenen Euphausiden, ferner mit den Loricaten, Astaciden, dem Genus Pcnciis und unter den Spinnen mit der Gattung Argiope. Aus diesen Gruppen wurde nun eine entsprechende Die Musealarbeiten. Auswahl von Arten für die Schausammlung getroffen und die Aufstellung sowohl dieser als auch einiger (29) Arten aus der schon in einem der vorangegangenen Jahre von mir bestimmten Ordnung der Scorpione und einer Anzahl von Spinnen aus verschiedenen Gattungen in i 5 i Gläsern vorgenommen. « Die Sammlungen der niedersten Ahtheilungen des Thierreichcs, also der Würmer, Echinodermen, Coelenteraten und Poriferen, unterstehen dem Gustos Herrn Dr. V. Marenzeller, dem für die Arbeiten in dieser Abtheilung der Assistent Dr. v. Lorenz beigegeben war. Dank dem Eifer dieser Herren werden auch diese Sammlungen, welche in dem alten Museum des Raummangels wegen in sehr ungenügender Weise, mehr aufge- speichert als svstematisch geordnet, aufgestellt waren, einestheils, so weit es die Natur der Gegenstände selbst erlaubt, in gefälliger und lehrreicher Weise zur Schau gebracht, und andererseits in den Hauptsammlungen geordnet und für den wissenschaftlichen Gebrauch zugänglich aufbewahrt werden. Bei der Wahl der Objectc für die Schau- sammlungen mussten selbstverständlich alle allzukleinen Formen, wie Infusorien, Fora- miniferen, Polycystinen, Rotatorien u. s. w., ausgeschlossen bleiben, weiter konnten in der Zahl jene sehr beschränkt werden, deren Körpergestalt eine einförmige ist und deren entscheidende Merkmale nur durch mikroskopische Beobachtungen erkannt wer- den können, wie viele Schwämme, die Hvdropolvpen, ein Theil der Würmer u. s. w. In grösserer Zahl wurden dagegen die Steinkorallen, die zu den anschaulichen Objecten gehören, die Echinodermen u. s. w. für die Aufstellung bestimmt. »Für die Aufstellung der Präparate lagen,« wäe Herr Gustos v. Marenzeller schreibt, »weder bestimmte Vorschläge, noch brauchbare Einrichtungen aus anderen Museen vor. Die Befestigung der Objecte auf hellen oder dunklen Unterlagen schien mir unerlässlich, allein die bis- lang in Anwendung gebrachten Verfahren waren sehr umständlich und unvollkommen. Ein glücklicher Zufall Hess mich die Verwendbarkeit der Klebs'schen Einbettungsmasse (Hausenblase und Glycerin) für Gewebe, welche behufs mikroskopischer Untersuchung in Schnitte gelegt werden sollen, auch zur Befestigung von Alkoholpräparaten auf Glas- unterlagen erkennen, und damit war die grösste Schwierigkeit beseitigt. « Die Bestimmung und Montirung der Objecte für die Schausammlung, an welcher seit 1880 gearbeitet worden war, wurde mit der Montirung von 216 Stücken im Jahre i885 zum Abschlüsse gebracht. Alle Vorbereitungen für die Aufstellung sind getroffen, so dass diese, sobald die Aufstellungsschränke vollkommen fertiggestellt sein werden, sofort begonnen und rasch zu Ende geführt werden kann. Auch Katalog und alphabeti- sches Register für diese Sammlung sind fertiggestellt; es geht aus denselben hervor, dass die Schausammlung 2166 Nummern mit 161 6 Arten umfasst, und zwar 520 Num- mern Vermes, 674 Echinodermata, 801 Coelenterata und i65 Poriferen. Was die Uebertragung in das Neugebäude betrifft, so war ein Theil der Schau- sammlung und ebenso die Hauptsammlung der Helminthen (circa 7000 Gläser) schon im Jahre 1884 dahin gebracht worden. Im vorigen Frühjahre wurde der Transport des ganzen Restes der Sammlungen, der Bibliothek u. s. w. besorgt; am i. April war die ganze Abtheilung installirt und einige Monate später die ganze Hauptsammlung definitiv eingetheilt. Seither wurde die Aufnahme eines genauen Inventares und die Abfassung von Specialkatalogen in Angriff genommen und von Herrn Gustos v. Maren- zeller für die Echinodermen, von Herrn Dr. v. Lorenz für die Vermes begonnen. Für die Benützung des Museums durch demselben nicht angehörige Fachmänner und den wissenschaftlichen Verkehr überhaupt war das abgelaufene Jahr der Uebersied- lung wegen nicht günstig, doch haben immerhin manche derselben für ihre Arbeiten aus Botanische Abtheilung. i 3 dem Siudiiim unserer Sammlungen Nutzen gezogen. Ohne irgend eine Vollständigkeit dabei auch nur anzustreben, erwähne ich darunter die Herren: Professor M. Ncumayr, Professor F. Toula, Professor Josef Mi k, Dr. F. Low, A. Handlirsch, Dr. V. Plason, .1. Kaufmann, Professor Claus, N. Andrussow, Professor Latzel, Dr. Ferdinand Fischer, Dr. F. Auch en thaler. Besonderen Dank für Arbeiten in dem Museum schulden wir den Herren Edmund Reitter in Modling und Dr. Franz Leuthner. Ersterer revidirte gelegentlich seiner Arbeiten über die europäischen Ptiniden, Silphiden und Stenorinen das in der Sammlung vorhandene Materiale der Familie Ptinidae (71 Arten in 3 19 Exemplaren), der Silphidengattungen/?a//zj'6YvV7 (43 Arten in 267 Exem- plaren), Cholcva (i5 Arten in 72 Exemplaren), Catops (33 Arten in 129 Exemplaren), Colon (18 Arten in 64 Exemplaren) und der Stenorincngattungen Stenoris (20 Arten in SC) Exemplaren) und Dichillus (10 Arten in 33 Exemplaren); und Herr Dr. Leuthner revidirte nach seiner Monographie der Odontolabinen die Gattungen Odoiüolabis(ß> Arien in 26 Exemplaren), A'^eo/z/c-tn/z/.y (4 Arten in i 3 Exemplaren) und Cladognathiis (i i Arten in 2 5 Exemplaren). Ausgeliehen zu Studien wurden Materialien aus dem Museum unter Anderen an die Herren: Dr. Hartlaub in Bremen, Graf Hans Berlcpsch in Hannover-Münden, Hofrath Dr. Mayer in Dresden, Dr. Reichenow in Berlin, Dr. F. Heynemann in Frankfurt am Main, A. Mocsary, Musealassistenten in Budapest, H. Cameron und H. Distant in London, Dr. Theel in Upsala u. s. w. b. Botanische Abtheilung. Früher als alle anderen Sammlungen wurden jene der botanischen Abtheilung in das Neugebäude übertragen; die Uebersiedlung war bereits im Jahre 1884 bewerkstelligt, und im Jahre i885 wurden die bis dahin verpackten Pflanzen vertheilt und der Benützung, welche durch eine provisorische Vorschrift geregelt wurde, zugänglich gemacht. Ausser der vollständigen (provisorischen) Aufstellung des Generalherbariums, welches durch zweckentsprechende Vertheilung und durch Anbringung aller nöthigen Ürientirungstäfelchen an den Kästen in Jeder Beziehung eine leichte Auffindung der Objecte gestattet, wurden sämmtliche Orobanchaceen, Malvaceen, Tiliaceen, Eichenen desselben kritisch durchgearbeitet, zum grossen Theile neu bestimmt und ein genaues Verzeichniss derselben angelegt. Ausserdem wurden die Moose neu geordnet und sämmt- liche bisher eingelaufene Samen in alphabetischer Reihenfolge in die für sie bestimmten Ladenkästen vertheilt, auch die grösste Anzahl der eingelaufenen Spenden an Pflanzen und ein beträchtlicher Theil des Pittoni'schen Herbares dem Hauptherbare einverleibt. Die interimistische Aufstellung der Sammlung von Hölzern und Stämmen, welche die Bestimmung, als Schauobjecte zu dienen, haben, gelangte zur Vollendung. In reichem Masse wurde von der hier gebotenen Gelegenheit zu Studien und Arbeiten Gebrauch gemacht. Von den zahlreichen Botanikern, welche theils in den Räumen des Museums die Sammlungen benützten, theils Partien derselben entlehnten, erwähnen wir die Herren: Prof. A. V. Kerner, A. v. Kornhuber, A. Heimerl; Director D. Stur, Dr. H. v. Wawra, Dr. E. v. Halacsy, F. Antoine, Dr. R. v. Wettstein, Dr. E. Woioszczak, H. Zukal und H. Braun in Wien; Prof. E. Rathay (Klosterneuburg); Prof. E. Hackel (St. Polten); A. Grunow (Berndorf); Prof. J. Rostafinski (Krakau) ; Dr. F. Hauck (Triest); Prof. J. Simkovic (Arad); Prof. V. v. Borbäs (Pest); Prof. A. Eichler, P. Ascherson und A. Garcke (Berlin); Prof. A. Engler (Breslau); Prof. j4 l^'*^ Muscalarhcitcn. R. Casparv (Königsberg); Prof. F. Körnicke (Bonn); Prof. G. Reichenhach (Ham- burg); Prof. Gh. Nägeli, L.Radlkofer und Dr. A.Peter (München); Prof. K. Prantl (Aschaftenburg); Prof. O. Drude (Dresden); Prof. E. Warming (Kopenhagen); Dr. F. K a mi e n s k i (Warschau) ; Prof. A. T o d a r o (Palermo) ; Prof. T h. v. H e 1 d r c i c h (Athen) ; Prof, J. Bommer und E. Marchai (Brüssel); Prof. E. Morren (Lüttich); Ritter v. Bosniaski (Bagni San Giuliano); Dr. E. Wainio (Helsingfors); Prof. H. Bai Hon (Paris); A. Bennet (London). c. Mineralogisch-petrographisch e Abtheilung. Der öifentliche Einlass in das k. k. Hof-Mincraliencabinet war schon im Jahre 1884 auf nur einen Tag in der Woche (Sonnabend) beschränkt worden; mit Anfang Februar i885 wurde er gänzlich eingestellt; zum letzten Male vor seiner Wiedererstehung war unser Gabinet, dessen ruhmreiche Geschichte ausführlicher zu erzählen mich hier zu weit führen würde, am 3i. Jänner i885 dem Besuche geöffnet. Zur bleibenden Erinne- rung an die Räume desselben veranlassten wir den Maler Herrn Ame seder, Aquarell- skizzen vom ersten und vierten Saale desselben herzustellen, nach welchen Oelgemälde zur Ausschmückung des Saales V in dem neuen Museum angefertigt werden sollen. Die Vorarbeiten für die Uebersiedlung und Neuaufstellung der mineralogischen Sammlungen begannen bereits im Jahre 1 874, indem damals die in den Sälen aufbe- wahrten Reservesammlungen mit der Handsammlung I vereinigt und die Doubletten ausgeschieden und zu einer eigenen Tauschsammlung geordnet wurden; die Handsamm- lung wurde sodann innerhalb der Species geographisch nach Fundorten geordnet. In den Jahren 187Q und 1880 wurde ein doppelter Zettelkatalog auf Gartonblättern für alle Mineralien angefertigt (80.000 Blätter) und bei dieser Gelegenheit eine durchlaufende Nummerirung aller Stücke vorgenommen, in der Weise, dass zuerst die bis etwa i865 reichenden Kataloge der Schau- und Ladensammlungen, sodann die Acquisitionsproto- kolle vom Jahre i865 angefangen durchnummerirt und die entsprechenden Nummern auf die zugehörigen Stücke aufgeklebt wurden. Die fortlaufenden Nummern bestehen bei den vor dem Jahre 1879 acquirirten Stücken aus einem kleinen Buchstaben und einer Zahl unter 10.000, welchen bei den Mineralien ein grosses A, bei den Gesteinen ein B vorgesetzt ist. Bei den Acquisitionen des Jahres 1879 beginnt die Nummerirung mit G i und reicht höchstens bis G 9999, wonach D i beginnt. Im Allgemeinen werden aber die Zahlen nicht bis 9999 aus- nummerirt, sondern es wird beim Beginne eines neuen Jahres ein neuer grosser Buch- stabe gewählt, falls voraussichtlich die in diesem Jahre zu erwartenden Zuwüchse über die Zahl 9999 hinausführen würden. Nachdem diese Vorarbeiten durchgeführt worden waren, bestanden die weiteren Vorbereitungen, an welchen nebst den Beamten auch Stud. philos. Herr Rudolph Köchlin eifrigen Antheil nahm, zunächst in der Vereinigung der verschiedenen Gruppen, in welche die Sammlungen getrennt waren, und der Umstellung derselben — sie waren nach dem Mohs'schen Systeme geordnet — nach dem für die Neuaufstellung adoptirten Systeme von Groth, dann in der Verpackung. Die kleinen und mittelgrossen Stücke wurden ilabei in <\cn Laden belassen und in denselben durch eine Lage Seidenpapier, darüber ein starker Einsatz von Watta, und endlich durch eine an den Ladenwänden festgenagelte Decke von Packpapier gegen das Schütteln versichert; die grossen Stücke wurden in Kisten verpackt. Der eigentliche Transport wurde grösstentheils in Möbelwagen in den Tagen vom 24. bis 3o. Juli Mineralogisch-petrographischc und geologisch-paläontologischc Ablhcilung. l5 bewerkstelligt. Die gebrechlichsten Objecte wurden auf Tragbahren in das Neugebäude geschaftt. Inzwischen hatte Herr Gustos Dr. ßrezina auch mit der Revision und Ueber- nahnie der für die Schausäle angefertigten Kästen und Einrichtungsstücke begonnen. Zum Theil in Folge des Unistandes, dass diese zum grossen Theile schon vor längerer Zeit angefertigt und in nicht ganz trockenen Räumen aufbewahrt wurden, zeigten sich bei denselben leider mehr, als sonst bei Neuanschaffungen erwartet werden darf, Mängel und Gebrechen. Die Beseitigung derselben, soweit sie möglich ist, wurde begonnen und grösstentheils auch vollendet. Die Mineralicnschränke des alten Mineraliencabinetes wurden meist zu Bibliotheks- schränken umgestaltet, in die Arbeitszimmer im Neugebäude aufgestellt und diese auch sonst vollständig eingerichtet. Seither wurde mit dem Auspacken der Sammlungen, der Rangirung derselben in die neuen Laden u. s. w. bereits begonnen und wurde namentlich von Herrn F. Karr er die ganze Sammlung von Baumaterialien bereits in die Laden des Saales VI cingetheilt. Die Benützung der Sammlungen und der Bibliothek der Abtheilung durch aus- wärtige Gäste konnte der Natur der Sache nach nur in weit geringcrem Masse als sonst stattfinden; doch haben immerhin die Herren Dr. Goldschniid, Baron v. Foullon, Hofrath Dr. Mayer in Dresden, Hofrath Dr. G. Tschermak, Prof. Dr. E. Reyer, Dr. V. Ebner in Graz, soweit es die Verhältnisse erlaubten, Studien in denselben gemacht oder Objecte zur Untersuchung geliehen erhalten. d. Geologisch-paläontologische Abtheilung. Die Ueberführung der der geologisch-paläontologischen Abtheilung zufallenden Sammlungen und Einrichtungsstücke der k. k. Hof-Mineraliensammlung in das Neu- gebäude wurde der Hauptsache nach in der ersten Hälfte August durchgeführt; sie erforderte zwei Wochen angestrengter Arbeit. Die tertiären Conchylien, welche den reichsten Theil dieser Sammlungen bilden, wurden, in den Laden sorgfältig verpackt, mit den Schränken selbst transportirt. Der übiige Theil der Sammlungen war zum grossen Theil schon früher in Kisten, 854 an der Zahl, verpackt und in das Depot gebracht worden. Mit Anfang September wurde die von Prof. Freiherrn v. Ettingshausen ange- kaufte grosse Sammlung fossiler Pflanzen zusammen mit den schon früher vorhan- denen hierher gehörigen Materialien ausgepackt und hierauf der für die Schausammlung bestimmte Theil derselben von Prof. v. Ettingshausen unter Beihilfe von Dr. ^^^ähner in drei grossen. Je acht Fensterbreiten fassenden Doppelschränken im Saale VI des Hoch- parterre zur Aufstellung gebracht, wozu, dank den umfassenden früher getroffenen Vor- bereitungen, die Zeit bis Ende October ausreichte. Diese Aufstellung, die erste, die im Neugebäude zur Vollendung gelangte, umfasst ungefähr 1700 Stücke. Der Rest der phytopaläontologischen Sammlungen wurde zunächst in den 236 Laden der gedachten drei Schaukästen, und da diese hierzu, ungeachtet der sorgfältigsten Ausnützung des l^aunies, weitaus nicht ausreichten, in iby weiteren Laden in den Kästen des anstossen- den Saales VII untergebracht. In den letzten Wochen des Jahres wurde mit dem Auspacken der grösseren Schau- stücke und insbesondere auch mit der Auspackung und Montirung der fossilen Säuge- thicrreste und der prachtvollen Moa-Skelete, welche das Museum besitzt, begonnen. Obgleich diese bisher nur zum kleineren Theile durchgeführt werden konnte, hat sich l6 Die Musealarbeiten. doch auch hier herausgestellt, dass der für diese Reste bestimmte Saal X für dieselben lange nicht genügenden Raum bietet, so dass ein grosser Theil derselben in dem anstossenden Saale IX wird untergebracht werden müssen. Auch die paläontologischen Sammlungen erfreuen sich eines regen Verkehres nach auswärts. Behufs wissenschaftlicher Arbeiten waren oder sind noch im Laufe des Jahres von denselben ausgeliehen an die Herren Director Stur und Prof. Freiherrn v. Ettings- hausen fossile Pflanzen, an Oberbergrath v. Mojsisovics Trias-Cephalopoden, Dr. F. Teller Trias-Gastropoden, Dr. A. Nehring in Wolfenbüttel und an Prof. Dr. Wol- di-ich in Wien diluviale Säugethierreste, Dr. V. Uhlig Neocom-Ammoniten, Oberberg- rath Dr. V. Gümbel in München Orbitoiden, Prof. Dr. Dam es in Breslau Culm- und Devonfossilien aus Mähren, Prof. Dr. Kramberger in Agram tertiäre Fische, Prof. Rzehak in Brunn Foraminiferen von Mährisch-Ostrau und von Bruderndorf und an Prof. Dr. M. Neumayr verschiedene Fossilien. e. Anthropologisch-ethnographische Abtheiliing. Die verschiedenen Sammlungen der anthropologisch-ethnographischen Abtheilung waren, meist in Kisten verpackt, schon vor Beginn des Jahres i885 aus den Depots, in welchen dieselben bis dahin aufbewahrt worden waren, in das Neugebäude übertragen worden. Fiel aber in dieser Abtheilung die Arbeit der Uebersiedlung weg, so ist dagegen hier die grosse Aufgabe zu bewältigen, aus den einzelnen grösseren und kleineren Suiten und einzelnen Objecten eine geordnete Sammlung zum ersten Male herzustellen. Eine schon in den vorhergehenden Jahren durchgeführte, sehr wichtige Vorarbeit bestand darin, dass alle vorhandenen Vorräthe soweit als möglich inventarisirt und etiquettirt, dann aber wieder eingepackt und ins Depot gestellt wurden. Sobald nun entsprechende Räumlichkeiten in dem Neugebäude zur Verfügung standen, wurde zur Wiederauspackung und weiteren Rangirung der Sammlungen ge- schritten. Für die anthropologische Gruppe insbesondere, die in dem Saale Nr. L im zweiten Stockwerk, der vorläufig nur für Fachgelehrte, nicht aber für das grosse Publicum zu- gänglich sein wird, untergebracht ist, wurde die Präparation und Ordnung der seinerzeit von der k. k. Josephs-Akademie übernommenen ersten Weisbach'schen Sammlung von Schädeln österreichischer Völker durchgeführt. In den prähistorischen Sammlungen wurden namentlich die überaus zahlreichen Objecte aus der grossen Wankel'schen Sammlung, die seinei^zeit von Herrn Fei. Zwik- litz der anthropologischen Gesellschaft in Wien und von dieser wieder dem Hofmuseum geschenkt worden war, zum grössten Theile restaurirt und geordnet; und umfassende Restaurirungsarbeiten, um welche, sowie auch um analoge Arbeiten in den ethnographi- schen Sammlungen, sich insbesondere Herr AI. Sikora, k. k. Major i. d. A., grosse Ver- dienste erwarb, wurden auch bei anderen Funden aus älterer und neuerer Zeit durch- geführt. In grossen Gruppen sollen in dieser Abtheilung die Funde (aus Europa) der paläolithischen und der neolithischen Steinzeit, der Bronzezeit, der Hallstätter Periode, der La-Tene -Periode, dann der Merovingerzeit aufgestellt werden; innerhalb dieser Gruppen wird die Aufstellung eine geographische sein, so dass die Funde jeder Localität beisammen bleiben. Den Glanzpunkt dieser Sammlungen werden die Funde vom Hall- stätter Salzberg bilden, nicht minder aber werden jene aus den Höhlen von Mähren und Krain, jene aus den Ansiedlungen und Gräberfeldern in Krain und im nördlichen Böhmen u. s. w., das allgemeinste Interesse erregen. Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. j -7 Die ethnographischen Sammlungen, welche bisher durchwegs nur aussereuropäische Gegenstände umfassen, mit welchen aber auch die prähistorischen Funde aus den anderen Welttheilen vereinigt werden, wurden vollständig ausgepackt und rangirt und zum Zwecke der Ausstellung Skizzen für die Austheilung der Objecte in den einzelnen Schränken an- gefertigt. Diese Arbeiten, mit welchen unter der Oberleitung des Herrn Gustos Heger insbesonders Herr Dr. Haherlandt eifrig beschäftigt ist, wurden so weit ins Detail voll- endet, dass, sobald die Schaukästen vollends feitiggestellt sein werden, die Aufstellung sofort begonnen und ununterbrochen zu Ende geführt werden kann. Auch hier wird die Aufstellung eine geographische sein, und zwar werden die ersten drei Säle XIV, XV und XVI Asien, XVII Australien und Oceanien, XVIII nebst einigen Nebenlocalitäten Amerika und XIX Afrika repräsentiren. Am reichhaltigsten in dieser Abtheilung sind die Samm- lungen aus Brasilien und jene aus den Gebieten am oberen weissen Nil und aus einigen Theilen des malaischen Archipels. Noch habe ich hier zu erwähnen, dass die im Hochparterre gelegenen Bureaux und Arbeitslocalitäten auch dieser Abtheilung, die früher provisorisch im Tiefparterre unter- gebracht war, gegen Ende des Jahres bezogen wurden. Ich kann nicht umhin, an dieser Stelle schliesslich auch die Frage zu berühren: Wann wird das neue Museum eröffnet werden? Wird sie uns ja doch von allen Seiten täglich, fast möchte ich sagen stündlich gestellt. Eine bestimmte Antwort zu geben bin ich aber leider nicht in der Lage. Die Arbeiten in den Sammlungen sind, wie im Vorhergehenden dargestellt wurde, weit genug vorgeschritten, um mit der Aufstellung der Schauobjecte sofort zu beginnen und dieselbe binnen wenig Monaten durchzuführen, sobald erst die Schaukästen und andere Stellvorrichtungen vollends montirt, verglast, mit den nöthigen Stellvorrichtungen versehen und zum Gebrauche fertiggestellt sein werden. Auch diese Arbeiten können, so weit ich es zu beurtheilen vermag, in nicht allzulanger Frist bewältigt werden. Es würde dann die Erötfnung des Museums ledighch nur von der Vollendung der Bauarbeiten in dem die Haupttreppen umfassenden Mittel- tracte des Gebäudes abhängen. Wie viel Zeit aber diese noch erfordern wird, entzieht sich meiner Beurtheiluns. III. Die Sammlungen und ihre Vermehrung. Da für directe Ankäufe zur Completirung und Ergänzung der Sammlungen dem naturhistorischen Hofmuseum nur verhältnissmässig geringe Beträge zur Verfügung stehen, so beruht der Fortschritt derselben zum allergrössten Theile auf der Liberalität wohlwollender Gönner und Freunde der Wissenschaft, welche dieselben mit Geschenken bereichern. Gerne ergreife ich die Gelegenheit, denselben hier ötfentlich den wärmsten Dank dai'zubringen, Namens unseres Institutes sowohl wie auch Namens der Wissen- schaft selbst, deren Pflegestätten zur höchsten Blüthe nur dort gelangen können, wo sie von der allgemeinen Theilnahme der Bevölkerung getragen werden. Nicht unerheblich ist übrigens auch die Vermehrung der Sammlungen durch Tausch und nicht minder durch Aufsammlungen, die von dem Museurn selbst oder von einzelnen Beamten desselben ver- anstaltet werden. a. Zoologische Abtheilung. I. Weitaus die bedeutendsten Bereicherungen, welche Jahr für Jahr als freie Ge- schenke den zoologischen Sammlungen des Museums zufliessen, sind jene, welche das- 2 Die Sammlungen und ihre Vermehrung. seihe der Liebe zur Wissenschaft und der OpfenvilHgkeit des Directors, Regierungsrath Steindachner, verdankt. Auch im abgelaufenen Jahre blieb, wie das folgende Verzeichniss dieser Gaben zeigt, fast keine Abtheilung der Sammlungen von ihm unberücksichtigt. a) Ein Exemplar des Fuchses aus Sardinien. b) Zwei seltene Spechte aus Californien im Werthe von i 80 fl. ö. W. c) Eine Sammlung von i3oo Fischen im Werthe von 32bo fl. ö. W. aus verschie- denen Flüssen und Meeren, die meisten in Prachtexemplaren. d) Eine Sammlung von Reptilien aus Sardinien. e) Seltene Käfer aus Syrien, 3o Stücke, und eben solche aus dem westlichen Kau- kasus, 14 Stücke. f) Für die Orthopteren-Sammlung zwei Exemplare von Eurj'cautha horrida Boisd. aus Neu-Britannien. g) Crustaceen, 32 Arten in 140 Exemplaren; Arachniden, 2 Arten in 11 Exem- plaren und Mvriapoden, 3 Arten in 10 Exemplaren, aus den verschiedensten Theilen der Erde. 2. Eine Reihe wichtiger Bereicherungen verdankt unser Museum, und zwar, wie sich aus dem Folgenden ergibt, nicht allein die zoologische, sondern auch die anderen Abtheilungen desselben, der gütigen Fürsorge des Chefs der Marinesection des k. und k. Kriegsrainisteriums, Viceadmiral Max Freiherrn Daublebsky v. Sterneck, welcher Veranstaltung traf, dass bei den Uebungsfahrten der Schilfe der k. k. Kriegsmarine in den transoceanischen Gewässern Aufsammlungen von naturhistorischen und ethnographischen Objecten für das Museum gemacht werden. Im Jahre i885 waren bei derartigen Expeditionen in fremden Gebieten abwesend die Schilfe: Sr. Majestät Corvette »Frundsberg«, Commandant k. k. Linienschiffscapitän Stecher, welche die Küsten von Ostafrika besuchte und unter Anderem in Port Said, Suez, Dschidda, Massaua, Aden, Mombas, Sansibar, Mozambique und Comoro anlief; besonders verdient um die an diesen Orten gesammelten Objecte machte sich der k. k. Fregattenarzt Dr. Emerich Billitzer; Sr. Majestät Corvette »Aurora«, Commandant k. k. Fregattencapitan Victor Bousquet, besuchte die Ostküste von Südamerika, Bahia, Rio Janeiro und Montevideo; mit der Anlage von Sammlungen war betraut der k. k. Fregattenarzt Herr Dr. Melzer; Sr. Majestät Corvette »Helgoland«, Commandant k. k. Fregattencapitan Alni- stein, segelte entlang der Küste von Westafrika mit den Stationsplätzen Gibraltar, Mo- gador, St. Louis, Freetown, Fernando Po, Congo-Mündung und Loanda; hier besorgte der k. k. Schiffsarzt Herr Dr. Richard Lippe die sehr befriedigenden Aufsammlungen. Die von diesen drei Schilfen mit heimgebrachten Sammlungen sind bereits in unsere Hände gelangt. Es befinden sich unter denselben namentlich Objecte aus Ost- und West- afrika, nebst einigen aus dem Indischen Ocean, und zwar einige Säugethier-Schädel und -Bälge, zehn Vogelbälge und fünf Vogelnester, sehr reichhaltige und interessante Suiten von Reptilien und Fischen, über welche Herr Director Steindachner demnächst eine besondere Abhandlung zu veröffentlichen gedenkt, 179 Arten (722 Exemplare) von Mol- lusken, Molluskoiden und Tunicaten, darunter mehrere in Weingeist. Besonders die genauen P\mdortsangaben verleihen dieser Suite einen hohen Werth; 22 Coleopteren-, 8 Orthopteren-, 10 Hymenopteren- Nester, 104 Arten (960 Exemplare) Crustaceen, 20 Arten (69 Exemplare) Arachnoideen, 17 Arten (69 Exemplare) Myriapoden, 26 Arten (i65 Exemplare) Würmer, 28 Arten (107 Exemplare) Echinodermen, 10 Arten (36 Exem- Zoologische Abtheilung. j q plare) Polypomedusen, 21 Arten (Sy Exemplare) Anthozoen, 8 Arten (10 Exemplare) Poriferen und i Foraminifere. Aber noch ein viertes Schiff', Sr. Majestät Corvette »Saida«, Commandant Linien- schifFscapitän Heinrich Fayenz, war im Laufe des Jahres für unser Museum thätig. Dasselbe berührte zuerst Rio, dann die Capstadt, Sidney, Neuseeland, die Viti-Inseln und die Philippinen, Japan, Singapore, Ceylon und ist gegenwärtig über Aden und Suez auf dem Heimwege. Bereits liegen uns Nachrichten über reiche Sammlungen, die zusammen- gebracht wurden, vor; da dieselben aber noch nicht eingelangt sind, so kann ich auf nähere Details vorläufig nicht eingehen. 3. Auch die Sammlungsergebnisse der österreichischen arktischen Reobachtungs- station auf Jan Mayen, die bekanntlich unter der Leitung des Herrn k. k. Linienschiffs- lieutenants, gegenwärtig Corvettencapitäns, Em. v. Wolgemuth, vom Sommer 1882 bis zum Sommer i883 daselbst thätig war, kann ich hier anschliessen. Se. Excellenz Graf Hans-Wilczek, der in grossherzigster Weise diese Expedition auf seine eigenen Kosten ausgerüstet und ins Werk gesetzt hatte, widmete gütigst alle bei derselben gesammelten naturhistorischen Objecte dem Museum. Wir erhielten 5 Arten (10 Exemplare) Säugethiere, 42 Arten (loi Bälge, 6 Eier und I Nest) Vögel, 9 Arten (36 Exemplare) Fische, 40 Arten (414 Exemplare) Crustaceen, 6 Arten (62 Exemplare) Pycnogoniden, 3 Arten (8 Exemplare) Arachnoideen, 99 Arten (586 Exemplare) Vermes, Echinodermen, Coelenteraten und Poriferen, die von dem Arzte der Expedition Herrn Dr. Fischer zum weitaus grössten Theile in Jan Mayen — einzelne auch in Tromso — gesammelt worden waren. 4. Reichen Zuwachs verdanken die Sammlungen der Säugethiere und Vögel fort- dauernd der Direction der k. k. Menagerie in Schönbrunn, welche alle verendeten Thiere an das Museum abgibt. Im verflossenen Jahre erhielten wir auf diesem Wege 20 Arten (22 Exemplare) Säugethiere, unter welchen besonders ein Bastard von Fuchs und Hund, ein Samburhirsch (Rusa Aristotelis), ein Sundatiger und ein Cercopithecus cephus hervorzuheben sind; ferner 45 Arten (53 Exemplare) Vögel, darunter Eiiplo- comus lineatus, Deridrocj^gna vagans, Bastard von Thaiimalia Amherstiae und picta, Goura Victoriae und coronata u. s, w. 5. Eine ausserordentlich werthvolle Schenkung verdanken wir Herrn k. k. Hofrath und em. Professor Dr. Jos. Hyrtl. Sie umfasst 80 Nummern von Schädeln, Geweihen und Hörnern, darunter namentlich Rindern, Antilopen und Hirschen, dem indischen Nashorn, dem Capernbüffel u. s. w. Grössere Sammlungen mit Repräsentanten aus verschiedenen Classen des Thier- reiches erhielten wir ferner: 6. von Herrn Paul Riebeck, k. preussischem Lieutenant und Gutsbesitzer in Halle, aus dem Nachlasse des gefeierten Reisenden und Ethnographen E. Riebeck: sehr interessante Säugethiere aus Asien, und zwar das sibirische Reh, Cerviis pygargus PalL, Männchen und Weibchen, das so seltene Bergschaf vom Himalaya, Ovis burrhel, ein Pärchen der Tzeiran-Antilope, Ga:^ella siibgnttwosa, beide letztere Arten von Herrn Kerz in Stuttgart in mustergiltiger Weise modellirt und aufgestellt, ferner eine höchst werthvolle Sammlung von Reptilien und Fischen, meist aus Indien stammend, 19 Hyme- nopteren, 4 Arten (39 Exemplare) Crustaceen, 4 Arten (37 Exemplare) Arachnoideen, 10 Arten (70 Exemplare) Myriapoden, durchwegs aus Ceylon; 7. von Herrn Georg Hütteroth, japanischem Consul in Triest: 4 Säugethier- arten in 7 Exemplaren von Ceylon; für das Museum ist darunter neu der seltene Pteropiis medius; 40 Arten (120 Exemplare) Vögel, alle ausgezeichnet präparirt und zum Theile 2* 20 Dis Sammlungen und ihre \'ermehrung. sehr selten; dem Museum fehlten von denselben bislang Athene castanonota, Chaetura gigantea Tem,, Niltava sordida, Turdus Kinnisii, Pratincola bicolor, Kelaartia peni- cillata, Xantholaema riibricapilla, Chrj-socolaptes Stricklandi und Columba Torring- to)ücie. Sehr werthvoll ist, dass bei den einzelnen Arten Angaben über die geographische und verticale Verbreitung gemacht sind. Eine Sammlung prachtvoll conservirter Rep- tilien und ein schönes Exemplar von Aviphacantbus ; 8. von Herrn L. v. Ende, k. niederländischem Hauptmann, in Batavia". 5 Säuge- thierschädel, Reptilien aus dem indischen Archipel, g5 Arten (löo Exemplare) Con- chylien, i 5 Arten Würmer, Echinodermen etc. aus Java. Sehr zahlreich sind die Geschenke von grösseren und kleineren Sammlungen oder auch vereinzelten Stücken aus einzelnen Thierclassen oder Familien ; so verdanken wir von Säugethieren den Herren: 9. E. Kastner: eine Wanderratte mit monströsem Gebiss; 10. Gustos Dr. Brauer: einen Albino des europäischen Maulwurfes, und Gustos Rogenhof er: i Exemplar von Sorex vulgaris; 1 I. E. Reitter: i Exemplar von Rhinolophiis cUvosiis; von Vögeln, den Herren: 12. Oberstabsarzt Ghimani: 10 Bälge, 9 Arten angehörig, aus Bosnien; i3. Professor Wiesbauer in Mariaschein: 3 Arten aus Böhmen; 14. Sr. Durchlaucht dem Fürsten Golloredo-Mansfeld: einen Seetaucher, Co- Ij-vibus septentrionalis ; i5. Ladislaus v. Taczanowski, Gustos am zoologischen Museum zuW^arschau, dem das Museum seit Jahren schon die Zusendung höchst werthvoller Sammlungen, hauptsächlich aus Peru, verdankt: 2 Exemplare eines seltenen Golibri; 16. Hofrath Ghr. Ritter v. Pichler: 1 Eistaucher, Colj-mbus arcticiis; 17. Hermann Tschusi zu Schmidhoffen und 18. Gustos Rogenhof er: je einen Rackelhahn; 19. Professor G. Kolombatovic in Spalato: 3 Arten (7 Exemplare) aus Dal- matien ; 20. k. k. Regierungsrath Nik. Poliakovits: einen im Prater geschossenen Tannen- heher (Niicifraga caryocatactes) ; 21. F. Karrer: i Exemplar von Ephialtes scops) von Reptilien, den Herren: 22. Dr. Breiten st ein in Java: sumatranische Reptilien; 2 3. Maler H. Fischer: eine kleine Sammlung von Reptilien und Fischen von den jonischen Inseln; 24. E. Low in Managua: i Schlange und mehrere Schlangenhäute aus Nikaragua; von Fischen, den Herren: 2 5. Freiherrn v. Washington, auf Schloss Pols, und J. Schagl: Madüi-Maränen, in Steiermark gezogen und zur Laichreife gebracht; 26. Dr. Leitner: Lucioperca volgensis, iniAltwasser der Donau bei Tulln gefangen; 27. Professor Beneckc in Königsberg: Präparate von den Geschlechtsorganen der Aale; 28. Professor G. Kolombatovic: reiche Suiten seltener Arten aus der Umgegend von Spalato ; 29. Ein ungewöhnlich grosses Exemplar von Cyprinus carpio, aus den Teichen von Laxenburg, 80 Gentimeter lang, welches Se. k. und k. Hoheit Kronprinz Erz- herzog Rudolf bei der Fischerei im November für das Museum auswählte; Zoologische Abtheilung. von Coleopteren, den Herren: 3o. Custos-Adjunct L. Ganglhauer: 2019 Stücke von Kirchherg am Wechsel und aus der Umgebung von Wien; 3i. Dr. Victor Plason: 142 Stücke aus dem europäischen Faunengehiet und aus Persien ; von Orthopteren, dem Herrn: 32. Gustos Rogenhofer: 3i Stücke aus den Kev- und Aru-Inseln ; 33. 49 Stücke kleinere Geschenke von den Herren: Emin Bev, Hofrath Brunner V. Watten w vi und E. v. Oertzen; von Lepidopteren, Hymcnopteren und Hemipteren, den Herren: 34. Gustos Rogenhofer: 25 seltene Schmetterlinge aus Gentralasien, 160 solche, meist seihst gesammelt in Niederösterreich, 170 Hynienopteren und 52 Hemipteren, ebendaher ; 35. Dr. G. Beck: 5o Hynienopteren und 21 Hemipteren aus Bosnien; 36. Paul Low in Wien: 64 Hemipteren aus Oesterreich ; 37. Dr. Leo Moskowitz in Kaschau: 20 Hemipteren aus Java; von Dipteren und Neuro pteren, den Herren: 38. Gustos Friedrich Brauer: europäische Odonaten (18 Arten in 43 Exem- plaren) für die Schaustellung der Fauna Vindobonensis; 39. Professor Josef Mik in Wien: 10 Exemplare der seltenen Dipterenart Ceroxys parmense Rond. ; 40. Professor Oskar Simony: eine von ihm entdeckte neue Art Trichocera aus den österreichischen Hochalpen, die besonders durch ihr Vorkommen in bedeutender Höhe Interesse beansprucht ; 41. vereinzelte, aber darum nicht minder erwünschte Beiträge für die Insecten- sammlungen den Herren: Emin Bev, Hofrath v. Hauer, Gustos Rogenhofer, Dr. G. Beck, Gentrahnspector J. Garnoss, Victor Apfelbach, J. Müller, Nowack, Dr. Herznianovsky, P. v. Mouromzoff u. s. w.; von Grustaceen, Arachnoideen, Myriapoden u. s. w., den Herren: 42. Edm. Reitter in Mödling: Grustaceen 5 x\rten (21 Exemplare), Arachnoideen 8 Arten (75 Exemplare) und Myriapoden 10 Arten (70 Exemplare), meist aus Bosnien; 43. N. Andrussow: Grustaceen 2 Arten (21 Exemplare) und 3o mikroskopische Präparate von solchen aus dem Schwarzen Meere; 44. Fr. Kraus: 8 Exemplare von Astacusßuviatilis aus dem unterirdischen Laufe des Poikflusses in der Piuka Jama ; 45. Hofrath v. Hauer: Lithobiiis stvgiiis aus Krainer Höhlen; 46. Hofrath Brunner v. Watten wyl: 6 Arten (14 Exemplare) Arachnoideen aus Dalmatien ; von Würmern, Echinodermen, Korallen u. s. w.: 47. dem Museum of comparative Zoology in Gambridge: 14 Echinodermen in 49 Exemplaren und 4 Goelenteraten in 5 Exemplaren; 48. dem Herrn Dr. Richard Freiherrn v. Dräsche: 41 Glasmodelle von Polypo- medusen, ausgeführt von Rudolf ßlaschka in Dresden. Dieses höchst werthvolle Ge- schenk ist zur Aufstellung in der Schausammlung bestimmt. Ungleich geringer als durch Geschenke ist, wie schon erwähnt, der Zuwachs der zoologischen Sammlungen durch Ankäufe und Tausch geblieben. Wir haben durch solche erworben: 22 Die Sammlungen und ihre Vermehrung. 1. einen Delphin, Delphi uns tiirsio; 2. einen weihlichen Dingo; 3. von Herrn J. M enges eine interessante Gazelle des Somalilandes, dann ein Ei des neuentdeckten Somalistrausses, Striithio molybdophanes; 4. 19 Arten (23 Bälge) Vögel von Lenkoran im Kaukasus, einem hochinter- essanten Gebiete, da sich in demselben die mitteleuropäische, mediterrane und indische Fauna an ihren Grenzen berühren ; 5. 10 Vogelbälge (ebenso viele Arten) aus Schoa, die von Marchese Antinori gesammelt wurden und Tvpcn zu Salvadori's Arbeit über die Vögel von Schoa bilden; 6. eine kleine Sammlung von Reptilien aus Paraguay und aus Svrien; 7. zwei Sammlungen von Reptilien und F"ischen aus der Gegend des oberen Ama- zonenstromes bei Iquitos und Pebas; 8. mehrere Prachtexemplare von seltenen Fischen der Adria, wie Luvarus imperialis und Coryphaena equisetis, ferner 2 Exemplare riesiger Grösse von Centrolophus pom- piliis und I Exemplar von Echinorhinus spinosus aus dem Mittelmeere bei Genua; 9. eine kleine Sammlung seltener Fische aus der Campeche-Bai ; 10. eine ebensolche aus dem La Plata; 11. 10 Arten (26 Exemplare) Mollusken und Tunicaten von der zoologischen Station in Neapel; 12. Coleoptercn 5i Exemplare aus dem europäischen Faunengebiete, 194 Exem- plare von Kreta und den Cvkladen, und i5 Exemplare aus Sardinien; i3, Schmetterlinge in verschiedenen Posten, und zwar 88 Stücke aus Brasilien, 48 Stücke aus Syrien, 210 Stücke Exoten aus verschiedenen Gebieten und 85 Stücke Europäer; 14. Ichneumoniden bei 1000 Stück, und zwar die von Herrn Professor A. Förster hinterlassene, aus 400 Arten, meist Typen bestehende Sammlung; i5. 260 Hymenopteren aus Südbrasilien; 16. 25 Hymenopteren und 62 Heniipteren aus Kreta; 17. 5o Hymenopteren im Tausche erhalten von Herrn H. Hälfe in in Aachen; 18. Neuropteren 25 Arten (54 Exemplare) aus Brasilien; 19. Neuropteren und Dipteren (circa 5oo Exemplare) aus Syrien, besonders werth- voll durch genaue Fundortsangaben; 20. Arachnoideen 2 5 Arten (112 Exemplare) von Hongkong, Aschanti, Corfu und Zante; 21. von der zoologischen Station in Neapel: 29 Arten Würmer, Echinoder- men und Coelenteraten, bestimmt für die Schausammlung, besonders bemerkenswerth darunter ist ein schöner Stock von Coralliiini rubrum mit ausgestreckten Polypen. b. Botanische Abthciliing. Das überaus reiche Herbar der botanischen Abtheilung, welches nach einer jeden- falls ganz nahe genauen Schätzung 340.000 Spannblätter umfasst, wurde im Jahre i885 um ungefähr 3400 Blätter bereichert; nur 263 derselben. Pflanzen aus Griechenland, wurden durch Ankauf erworben, alle übrigen sind Geschenke, und zwar: i. von dem k. botanischen Garten in München durch Herrn Hofrath Nägeli: Hieracia Naegeliana cxsiccata, 3oo Spannblätter; dann von den Herren: 2. H. Braun in Wien: eine grosse und reichhaltige Sammlung von Rosen, bei 2000 Nummern umfassend; Botanische und mineralogisch-petrographische Abtheilung. 2 3 3. P. A. Kniet, Pfarrer in Prinzelorf: bei 200 Pflanzen aus der Umgegend von Schemnitz; 4. Professor W. Voss in Laihach: 65 Pilze aus Krain; 5. Gustos H. W. Reichardt: bei 23o seltenere Pflanzen aus Oesterreich, dann ein aus dem Jahre i 599 stammendes »Kräuterbuch, zusammengetragen durch Hieronymum Harderum, Schuldiener an der lateinischen Schule zu Ulm«; dasselbe enthält 718 >^ unterschiedliche Kreuter«, ist den ältesten bekannten Herbarien beizuzählen und über- trifft die meisten derselben durch sorgfältige Präparation, durch genaue Bestimmung nach der damaligen Nomenclatur, sowie durch gute Erhaltung; 6. Professor E. Hackel in St. Polten: circa 200 französische Pflanzen; 7. Professor A. Kor nh über in Wien: 5o ostindischc Pflanzen; 8. Professor A. Heimerl in Penzing: eine Centurie persischer Compositen; dann einzelne interessante Pflanzen von den Herren Professor Markwart, Baron V. Schönberg er, Hofrath v. Hauer u. s. w. Ungleich ärmer als das Herbarium sind die Sammlungen von Hölzern, Samen, Früchten und Schauobjecten überhaupt, welche unsere Abtheilung bisher besass. Wir müssen es als eine unserer Hauptaufgaben betrachten, den Stand derselben nach dieser Richtung hin zu vermehren und die Vorbereitungen zu einer in einem der Säle aufzu- stellenden botanischen Schausammlung zu tretfen. 9. Eine überaus werthvolle Grundlage in dieser Beziehung bildet eine bei 1000 Stück zählende Sammlung von Stämmen und Hölzern, welche der Director der k. k. geolo- gischen Reichsanstalt Herr D, Stur zunächst behufs des Vergleiches bei seinen Studien über fossile Hölzer zusammengebracht hatte, und die er nun aus dem Eigenthum der genannten Anstalt an unser Museum übergab. Weiters verdanken wir 10. Herrn Magius in Wien", schöne Exemplare von Bambus, Gocosnüssen, eine Frucht der Seichellen-Palme, Luftwurzeln u. s. w. ; 11. Herrn Gustos Reichardt: verschiedene Hölzer, Samen und Früchte; 12. Herrn Dr. Pröll in Nizza: Früchte von Diospyros kaki Roxb. ; i3. Herrn J. Petersen in Nagasaki: i5 grosse Meerestange aus Japan; 14. Herrn A. Grunow in Berndorf: bei 100 Samen, Früchte, Rinden u. s. w., die derselbe auf seiner Reise um die Welt aufgesammelt hatte. c. Mineralogisch-petrographische Abtheilung. Die Sammlungen der mineralogisch -petrographischen Abtheilung zählten am Schlüsse des Jahres i885 über 108.000 Nummern. Es ist hier wohl nicht der Ort, näher auf einzelne altberühmte Stücke einzugehen, wie den Edelopal von Gzerwenitza, die geschliffenen Edelsteine u. s. w., welche dieser Abtheilung des Museums zur Zierde ge- reichen; erwähnen will ich hier nur, dass die in ihrer Art reichste Sammlung derselben jene der Meteoriten ist, in welcher bis zum Schlüsse des Jahres 365 Localitäten in 1207 Stücken mit einem Gesammtgewichte von 1,142.637 Gramm vertreten waren. Aus den Acquisitionen des Jahres 1884 wären die Aufsammlungen von Mineralien und Gesteinen von der Insel Jan Mayen zu erwähnen, welche von Herrn Dr. Fischer gesammelt und von Herrn Corvettencapitän v. Wolgemuth als Geschenk Sr. Excellenz des Grafen Hans Wilczek übergeben wurden. Bereichert wurden im Laufe des Jahres i885 die Sammlungen dieser Abtheilung durch Geschenke von ; 2A Die Sammlungen und ihre Vermehrung. 1. Herrn ungarischen Landtagsabgeordneten Wilh. v. Zsigmondy in Budapest, der als Präsident der Gruppe VI der Landesausstellung Herrn Gustos Brezina eine Reihe von mehr als 200 paragenetisch -hüttenmännischen Stufen für das Museum übergab, welche durch die freundliche Vermittlung des Gommissärs dieser Gruppe, kön. ungar. Bergcommissär Jos. Verress, zusammengestellt worden waren; 2. Herrn Bergdirector Felix Hofmann in Avala in Serbien durch freundliche Vermittlung des Herrn Rafael Hofmann inWien: 3i Stücke schön krystallisirte Queck- silbererze aus Avala; 3. Dr. Franz Dworsky inTrebitsch: eine grosse und lehrreiche Suite (i55 Stück) von Mineralien und Gesteinen aus der Umgebung dieses Ortes; 4. der k. k. Direction für Staatseisenbahnbetrieb: eine Sammlung von Ge- steinen des Arlbergtunnels (66 Stück), welche von den Ingenieuren mit genauer Bezug- nahme auf das Tunnelprofil gesammelt worden waren; 5. Herrn Baron Carl v. Babo: ein werthvolles neues Meteoreisen aus Südafrika, welches ganz neue Erscheinungen zeigt, über welche Herr Gustos Brezina in seiner letzten Meteoriten-Publication Näheres mittheilte; 6. Herrn k. k. Fregattencapitän Victor Bousquet: ungewöhnlich schöne Exem- plare der bekannten Enhydros von Uruguay, mitgebracht von der schon oben erwähnten Reise der von ihm befehligten Gorvette »Aurora«, darunter eine herrliche Schaustufe mit einem faustgrossen solchen Wassersteine, welcher zu etwa drei Viertheilen mit Flüssigkeit erfüllt ist. Einzelne von den Stücken sind geöffnet; diese Serie lässt in ausgezeichneter Weise alle Eigenthümlichkeiten dieser interessanten Gebilde erkennen, die knollige Aussenfläche, mit der dieselben an dem umgebenden augitporphyrähnlichen Gesteine an- liegen, die ins Innere hineinreichenden auskrystallisirten Spitzen des Quarzes, sowie die mehr oder weniger vollkommene Erfüllung dieser Mandeln mit Wasser, wodurch häufig Raum für eine Luftblase übrig bleibt, welche beim Hin- und Herbewegen des Stückes durch die durchscheinende Ghalcedonwand hindurch kenntHch ist; 7. dem k. k. Ackerbauministerium durch freundfiche Vermittlung des Herrn k. k. Ministerialrathes F"r. Ritter v. Friese: eine Reihe werth voller Mineralvorkomm- nisse aus österreichischen Aerarial-Bergbauen, darunter Stücke des kostbaren neuen Gronstedtit -Vorkommen von Pfibram; 8. Herrn k. k. Bergrath F. Seeland in Klagenfurt: eine sehr instructive Reihe von Erzen und Mineralien vom Hüttenberger Erzberg, die insbesondere werthvolle Belege über die genetischen Beziehungen derselben enthält; 9. Herrn Werksdirector Gajetan Schnablegger inRaibl: eine schöne Suite der dortigen Erze und Mineralien, zum Theil in grossen Schaustufen; 10. Herrn Edmund Makuc, Werksdirector der Bleiberger Bergwerksunion, eine eben solche Suite aus Bleiberg. Diese letzteren Suiten waren zum Theil auf der kärntnerischen Landesausstellung in Klagenfurt exponirt, wo ich sie zu sehen Gelegenheit hatte; sie wurden dann auf meine Bitte dem Museum übersendet. 11. Herrn Professor Dr. Fr idolin Sand berger in Würzburg: Uranpecherz führende Schiefergesteine von Pribram in Böhmen; 12. Herrn G. Herman: eine Sammlung chilenischer Mineralien; i3. einzelne Gesteins- und Mineralvorkommen überbrachten oder übersendeten dem Museum ferner die Herren Gustos Rogenhofer, P. Handtmann, Fr. Kraus, Grün er t, L. v. Ende in Batavia, J. Spöttl in Wien, Rud. Köchlin, Professor Dr. A. Mineralogisch-petrographische Abtheilung. 2 5 Pichlcr in Innsbruck, Director E. Doli in Wien, Dr. Fei. Luschan, gegenwärtig in Berlin, Fr. v. Hauer u. s.w.; 14. Herrn Inspector v. Eysank: eine sehr vollständige Reihe (-5 Stücke) Baumate- rialien von Bregenz; i5. Herrn Joseph Neuniüller: eine eigens im Format der Baumaterialien-Samm- lung gearbeitete Reihe von gemusterten Cementplatten, 67 Stücke; 16. verschiedene Muster für die Baumaterialien-Sammlung von den Herren Anton Sprung auf der Fucha bei Krems, Anton Detoraa, Professor Dr. Joh. Rumpf in Graz, L. Szepessy (durch Herrn Professor A. Koch), Professor Adolf Ritter v. Gut- tenberg, Director Ed. Doli, Dr. A. Rzehak in Brunn, Dr. Zelinka, Director Dr. Fr. Kenner, Professor Dr. Friedr. Becke in Czernowitz, A. Bielz in Hermannstadt, F. Karrer u. s. w. Weitere wichtige Bereicherungen wurden durch Aufsammlungen erzielt, und zwar: 17. begab sich über freundliche Einladung der Herren Gebrüder Egger in Buda- pest, der Besitzer der Czerwenitzaer Opalgruben, Herr Gustos Dr. Brezina in Begleitung des Herrn Gvula Egger zum Besuche dieser Gruben nach Dubnik. Unter freundlicher Beihilfe der Herren Verwalter Eduard Moser, Grubendirector Ignaz Starma, Gon- trolor Martin Salzer und Oberhutmann Jos. Diesner sammelte er hier eine ausser- ordentlich reiche Suite des Opalvorkommens in Bezug auf genetische Verhältnisse. 18. HerrGustos-Adjunct Dr. Fr. Berwerth sammelte gelegentlich einer Studienreise 76 Stücke Tiroler Gesteine und Mineralien, insbesondere aus der Gruppe des Serpentins und nephritähnlichen Schiefers. 19. Herr x^ssistent Ernst Kittl sammelte schlcsische Mineralvorkommnisse, dann Copalite von Lunz. Lebhafter als in anderen Abtheilungen des Museums wird von Herrn Gustos Brezina das Tauschgeschäft betrieben. Auf diesem Wege wurde erworben: 20. von Herrn F. A. Gcnth in Philadelphia: eine 92 Nummern zählende, höchst werthvolle Suite von Tellurmineralien, Vanadinerzen und Korundpseudomorphosen, Originalien zu den von demselben verötfentlichten Arbeiten. Unter den Pseudomorphosen gehören viele durch den Farbengegensatz zwischen dem noch ganz frischen Korundkern und der aus Magnetit, Ilmenit, Muscovit, Margarit, Plbrolit, Diaspor, Turmalin, Gyanit, Ripidolit, Willkoxit, Zoisit, Spinell, Culsageit oder Dudleyit bestehenden Rinde zu den schönsten, anziehendsten Vorkommnissen; 21. von der k. k. geologischen Reichsanstalt: eine grosse Reihe von öster- reichischen Gestein- und Mineralvorkommnissen; 22. vom Yale-Gollege durch Vermittlung des Herrn Professor E. S. Dana in New-Haven : höchst werthvolle amerikanische Mineralien und Pseudomorphosen, darunter herrliche, über halbfussgrosse umgewandelte Spodumenkrystalle, beschrieben von Brush und Dana; 23. von Herrn k. k. Ministerialrath Ritter v. Friese: eine Serie schöner öster- reichischer Mineralien von neueren Anbrüchen; 24. Meteoriten verschiedener Provenienz: von dem Hamburger Museum durch Herrn Professor Mügge, von Herrn S. G. H. Bailev in Gortlandt on Hudson, Professor C.W. Shepard jun. in Gharleston, der städtischen Sammlung in Bremen durch Herrn Director Dr. Spengel; 25. von Baron S. R. Paykull, Fabriksbesitzer in Stockholm: eine Schaustufe des neu aufgefundenen schwedischen Kugeldiorites mit 2 bis 3 Zoll grossen Kugeln; 26. von Herrn Professor P ichler in Innsbruck: Tiroler Gesteine. Die Sammlungen und ihre Vermehrung. Durch Kauf endlich wurden erworben: 1. bis haselnussgrosse Herderitkrvstalle von Stoneham; 2. eine prachtvolle Euklasstufe dieser bisher nur aus Brasilien vertretenen Species mit zahlreichen bis halbzollgrossen Krvstallen, welche auf einer Gneissplatte aufgewachsen sind; das Stück stammt von einem nicht genau angegebenen Fundpunkte unserer Tauern- gruppe; 3. durch freundliche Vermittlung des Herrn Professors Friedrich Ulrich in Han- nover konnte eine Reihe herrlicher Antimonitkrvstalle des neuen japanischen Anbruches von einem eben von dort angekommenen Transporte ausgesucht werden, worunter sich ausser einzelnen kleinen Krystallen eine Gruppe bis halbfusslanger und ein fussgrosser loser Krystall befinden; 4. ein über acht Kilo schwerer, beim Auffallen in zwei Stücke zerborstener Meteor- stein von Mocs, mit blasiger Rinde auf der Rückseite; 5. eine Anzahl seltener ungarischer Mineralien, welche von Herrn Hauptmann Kutschera bei seinen Mappirungsarbeiten erworben worden waren; darunter der äusserst seltene Helvin auf Rhodochrosit, schöne Goldstufen mit grossen Krystallen, auch ein un- gewöhnlich grosser Krystall von gediegenem Silber vom oberen See in Michigan in Nordamerika; 6. von Einzelnheiten sind ferner noch zu erwähnen: Eine Argentitstufe mit zoll- grossen Zwillingen des Würfels, zweizöllige Forsteritkrystalle vom Ural, Vesuvian- krystalle von Oravitza mit 2 bis 3 Zoll grossen Krystallen, ausgezeichnete Magnetit- krystalle vom Binnenthal, ungewöhnliche Wiserinkrystalle mit skcletartigem Aufbau, ebendaher, grosse, prachtvoll ausgebildete Vesuviankrystalle von Zermatt u. s. w. d. Geologisch-paläontologische Abtheiliing. Von den Sammlungen der geologischen Abtheilung ist, wie schon früher erwähnt, jene der Tertiärconchylien, welcher der frühere Director des k. k. Hof-Mineraliencabinetes Herr Dr. M. Hörnes und seither Herr Gustos Th. Fuchs stets ihre besondere Vorsorge zugewendet hatten, weitaus am bedeutendsten; bis zum Schlüsse des Jahres i885 zählte dieselbe nahezu 60.000 Nummern, während beispielsweise ungefähr 3ooo Nummern aus der Ordnung der fossilen Säugethiere, 1200 aus jener der Fische, nahe i3.ooo aus jener der Pflanzen und 36oo aus jener der Foraminiferen vorhanden waren. Die Gesammtzahl der bis zum Schlüsse des Jahres i885 verbuchten Nummern, die bei der Trennung der Sammlungen des k. k. Hof-Mineraliencabinetes der geologisch- paläontologischen Abtheilung zufielen und seither noch zugewachsen sind, beträgt 129.708. Dazu kommen noch einige grössere Acquisitionsposten, welche in der letzten Zeit noch nicht im Einzelnen in den Acquisitionskatalog eingetragen werden konnten und die Herr Gustos Fuchs auf über 3 5 00 schätzt, so dass die Gesammtzahl der Nummern jedenfalls die Ziffer von 1 3 3. 000 bereits übersteigt. Unter den Erwerbungen des Jahres i885, bezüglich welcher ich grösstentheils wörtlich die von Herrn Assistenten Kittl gegebenen Mittheilungen reproducire, sind auch hier die wichtigsten Geschenke, und zwar haben wir I. in erster Linie ein solches von hohem wissenschaftlichen Werthe zu nennen, welches wir dem kaiserl. Rathe Herrn Heinrich Mattoni verdanken; es ist dies der schöne Dinotheriiim -Fund, welcher vor zwei Jahren in einem demselben gehörigen Kalksteinbruche bei Franzensbad in den miocänen Cvpridinenschiefcrn gemacht wurde. In Erkenntniss der grossen Bedeutung des F"undcs hat der Eigenthümer in liberalster Geologisch-paläontologische Abtheilung. 27 Weise zum Zwecke der Hebung des Schatzes die erforderlichen Geldmittel und Arbeits- kräfte dem Verwalter Herrn Josef Rödl angewiesen, üeberdies wurde der Professor am Olmützer Gymnasium HerrVincenz Bieber, der früher als Assistent der geolo- gischen Lehrkanzel der Präger Universität thätig war, als wissenschaftlicher Berather zugezogen. Nach dessen Anordnungen wurden die systematischen Ausgrabungen geführt. Es wurden die folgenden Skelettheile, welche augenscheinlich alle demselben Individuum angehörten, gewonnen: der Unterkiefer mit bis auf die Stosszähne vollstän- diger Bezahnung, von der Wirbelsäule der Atlas und Epistropheus, 8 Rückenwirbel, das ziemlich vollständige Kreuzbein und 6 Schwanzwirbel, beide, allerdings nicht ganz voll- ständige Schulterblätter, etwa ein Dutzend Rippen, ferner von den Extremitäten mehrere grosse Röhrenknochen; auch sind Fusswurzelknochen und Phalangen in grösserer An- zahl und in schöner Erhaltung vorhanden. Der ganze Fund ergibt daher ein, freilich noch immer lückenhaftes, doch in bisher unerreichter Vollständigkeit dastehendes Skelet eines Dinotheriiim. Das Thier dürfte sich, nach der Bezahnung zu urtheilen, mehr an Dinotherium bavaricum H. v. Meyer als an Dinotheriiim gigantemn Kaup. anschliessen. Die nothwendigen Restaurationsarbeiten, w^elche Herr Verwalter Rödl in Franzensbad schon in sehr umsichtiger Weise begonnen hatte, wurden in unserem Museum fort- gesetzt und hat hier an diesen Arbeiten Herr Michael Vacek, Geologe der k. k. geologischen Reichsanstalt, einen hervorragenden Antheil genommen. Es sollen diese Arbeiten im laufenden Jahre fortgesetzt werden, um die wissenschaftlich so werthvollen Restein geeignetster Weise zu conserviren und dann im Saale X unseres Museums zu einer würdigen Aufstellung zu bringen. 2. Eine weitere Bereicherung an Wirbelthierresten erhielten wir durch eine Reihe von Ausgrabungen, welche in dem Gebiete der westlich von der Stadt Wien gelegenen Vororte Währing und Ottakring in den die Reichshauptstadt mit Bausand versorgen- den Sandgruben vorgenommen werden konnten. Eine schöne und interessante Serie gewannen wir so aus Herrn Severin Schreiber's Sandgrube in Währing, welche sich auf der Türkenschanze nächst der Sternwarte befindet und der sarmatischen Stufe angehört. Wir verdanken der freundlichen Vermittelung des Herrn k. k. Polizeirathes Josef Richter in Währing, durch dessen Fürsorge unserem Museum schon mancher schöne Fossilfund zugekommen ist, die erste Nachricht von dem Vorkommen, sowie auch die sorgfältige Bewahrung der Fundstelle vor den Eingriffen Unberufener. Der Besitzer gestattete nicht nur die Vornahme der Ausgrabungen durch Organe des Museums, son- dern unterstützte auch die nothwendigen Arbeiten in liebenswürdigster Weise durch Rath und That. Es war daher möglich, eine Reihe von äusserst gebrechlichen Resten zu gewinnen und zu conserviren, welche vornehmlich den Gattungen Dinotheriiim (ein Unterkieferast, zwei Stosszähne mit interessanten Nutzflächen, verschiedene Knochen) und Rhinoceros (ein vollständiger Unterkiefer, diverse lose Molaren und einzelne Extremi- tätenknochen), sowie auch kleineren Wiederkäuern angehörten. Das unmittelbare Lie- gende der knochenführenden, drei bis vier Meter mächtigen Sande bildet eine etwa ein Meter mächtige Tegellage mit den charakteristischen sarmatischen Conchylien und mit Blattabdrücken von Landpflanzen. Die darunterhegenden sehr mächtigen Sandlagen führen noch zehn Meter tief unter der Tegellage Ostrea gingensis Schloth. var. sarma- tica, von welcher Herr S. Schreiber ebenfalls eine schöne Collection dem k. Museum übergab. 3. Andere schöne Funde wurden in Sandgruben von Ottakring gemacht, welche m den marinen Sauden angelegt sind, die dort in einer Mächtigkeit von etwa zehn Metern aufgeschlossen sind und ziemlich häufig Austern und Pecten, auch Anomien, sowie Die Sammlungen und ihre Vermehrung. Steinkerne von den leichter zerstörbaren Meeresconchvlien führen. Besonders häutig sind Pecten Bessert Andrz., Ostrea dii^italina Dub., sehener, aber noch immer nicht selten erscheinen Pecten Leithajanus Partsch, Venus sp. etc. Diese Sandgruben liegen westlich von der Dornbacher Strasse, in der Nahe der Kainz 'sehen Sandgrube, in welcher im Jahre 1879 Herr Polizeirath J. Richter ein Säugethiervorkommen entdeckt hatte, das bei den durch den verewigten Hofrath Ferdinand v. Hochstetter geleiteten Aus- grabungen einen schönen Rest von Mastodon angiistidens Cuv. ergab, der nun eine Zierde unserer Sammlung bildet. Diesmal nun kamen in diesen Sanden zwei Skelete von Halitherien zum Vorscheine, welche eine sehr willkommene Ergänzung unserer Samm- lung fossiler Wirbelthiere bilden. — Der eine dieser Funde wurde uns Anfangs Septem- ber durch Vermittlung der k. k. Bezirkshauptmannschaft Hernais von dem Bürgermeister- amte Ottakring (Bürgermeister Herr Anton Zagorsky) angezeigt. Die Fundstelle lag in der Sandgrube des Herrn Josef Wolf. Der Besitzer derselben gestattete die Vor- nahme der Ausgrabungen, welche 12 Wirbel und 32 Rippen eines älteren Thieres, sowie ein gut erhaltenes Brustbein ergaben. Herr J. Wolf hat dem Museum die wissenschaft- lich sehr interessanten und werthvollen Skelettheile freundlichst überlassen. Bei den Ausgrabungen hat Herr Dr. Gustav Michael, Secretär des Ottakringer Bürgermeister- amtes, in zuvorkommendster Weise intervenirt. 4. An die Sandgrube, in welcher der eben erwähnte Fund gemacht wurde, grenzt eine andere, welche dem Wiener Advocaten Herrn Dr. Moriz Baumann gehört. Hier wurden in einer höheren Sandlage als in der Wolf 'sehen Sandgrube neuerdings gegen Ende September Rippenfragmente aufgefunden. Der Eigenthümer sandte uns eine dies- bezügliche Nachricht, worauf mit seiner Bewilligung die betreffende Stelle ausgebeutet wurde, welche die Reste eines sehr jungen Individuums von Halitheriiun lieferte. Ausser zahlreichen Rippen und Wirbeln fand sich auch ein rechter Unterkieferast; Herr Dr. Bau mann hat nicht nur diese wichtigen Knochenreste, sondern auch zahlreiche Con- chylien, welche in seiner Sandgrube aufgesammelt worden waren, unserem Museum zur Verfügung gestellt. Weiter verdanken wir den Herren : 5. N. Andrussow in Kiew", eine grosse und interessante Serie von sarmatischen Conchvlien aus der Krim; 6. Ferd. Backhaus, k. k. Hof-Anstreicher in Wien: Steinkohlenpflanzen von Eppinghofen in Rhein-Preussen; 7. Franz D'Elia, Domherrn und Pfarrer in Proniontore bei Pola: eine sehr reich- haltige und interessante Sammlung von Fossilien aus den Hippuritenkalken; 8. Bergwerksdircctor M. Draghicenu in Bukarest: eine Suite von Tertiärconchy- lien von Bahna in Rumänien; 9. Dr. J. Gnezda: einige Lithoglvphusformen aus den Congerienschichten von Gergeteg in Syrmien; 10. H. Grave in Wien: verkieselte Hölzer, die am Tiefen Graben gefunden wor- den waren; I I. Dr. Axel Goess, Physikus auf Gothland: eine schöne Sammlung von Fora- miniferen von den Bermudas-Inseln; 12. Sectionsrath Professor Max Hantken v. Prudnik in Budapest: einige Kalk- algen und 35 ausgesuchte Dünnschliffe sedimentärer Gesteine aus Ungarn; I 3. Michael Kaiser in Auersthal: einige Rhinocerosreste aus dem Löss; 14. der Gräflich Larisch - Mönnich'schcn Central -Direction in Karwin: Steinkohlenpflanzcn ; Geologisch-paläontologische Abtheilung. i5. dem Erzherzoglich A Ibrech t'schen Steinkohlenbergbau in Karwin: eine Collection von Pflanzenversteinerungen der dortigen Gruben; 16. Professor Charles Mayer-Eymar in Zürich : Tertiärsuiten aus Oberitalien, namentlich von Starzano und Serravalle di Scrivia; 17. Josef Megele, Forstwart in Vils: eine Serie von Versteinerungen aus der Umgebung von Vils; 18. Dr. H. Conwentz, Director des Ostpreussischen Provinzial- Museums in Danzig: eine ausgezeichnete Sammlung von ßernsteininsecten; 19. Professor Ph. Paulitschke in Wien: eine auf seiner Reise in Ostafrika ge- sammelte kleine Collection ; 20. F. Paulin y, Brunnenmeister in Ottakring: einen bei einer Brunnengrabung gefundenen Palaeomerj^x-Zahn ; 21. Heinrich Peschke, fürstbischöflicher Forstmeister in Buchbergsthal bei Würbenthai: schöne Fossilien aus den Quarziten des Dürrenberges; 22. Universitätsprofessor Dr. Adolf Pich 1er in Innsbruck: wiederholte Ein- sendungen interessanter und seltener Fossilien aus Nordtirol; 2 3. Dr. J. Pocta in Prag: eine Anzahl Spongien aus der böhmischen Kreide- formation ; 24. Dr. J. E. Polak: Echiniden aus der Umgebung von Teheran; 25. Dr. J. G. Bornemann in Eisenach: eine schöne Suite der von ihm beschrie- benen cambrischen Fossilien aus Sardinien; 26. der Portland-Cement-Gewerkschaft in Kitzbüchel (Perlmooser Actien- gesellschaft): eine reiche Sammlung von F'ossilien aus den Cementmergeln von Haering, sowie Proben der dortigen Kohlen; 27. Ch. Schlumberger in Paris: interessante Foraminiferen-Modelle; 28. R. Schneider, Schichtmeister in Segen-Gottes bei Rossitz: eine schöne Col- lection von Steinkohlenpflanzen; 29. J. Sikora in Wien: eine Anzahl interessanter Tertiärfossilien von Baden, Vöslau und Kalksburg, sowie jurassische Fossilien von St. Veit bei Wien; 30. k. k. Oberst Eduard Ritter v. Smalawski, Vorstand der I. Abtheilung des k. k. Reichs-Kriegsministeriums in Wien: einen Backenzahn von Elephas primigenius, welcher im Jahre 1884 bei Krakau, östlich von den fortiflcatorischen Thürmen »Krze- mianka« und »Benedikt«, beiden für die galizische Transversalbahn nothwendigen Erd- arbeiten gefunden worden war; 3i. Heinrich Keller, Adjunct der k. k. General-Inspection der österr. Eisen- bahnen: einige Petrefacten; 32. Professor Dr. G. Sandberger in Würzburg: einen schönen Stamm von Cala- mites areuaceiis aus dem Keupersandstein Frankens; 33. Ignaz Spöttl in Wien: eine Sammlung von Pflanzen aus Kalktutfen und ver- schiedene interessante Gipfelgesteine aus der Zips; 34. Professor J. M. Zujovic in Belgrad: Teriiärconchvlien aus Serbien; 35. Professor Dr. Rudolf Hörnes in Graz: interessante Gvpsabgüsse von in Steiermark aufgefundenen Wirbelthierresten. Eine weitere Reihe von Erwerbungen machten wir im Tauschwege, oder vielleicht besser gesagt mittelst Gabe und Gegengabe, da es Ja bei derartigen Transactionen nicht auf einen Ausgleich der materiellen Werthe der Objecte ankommt. Zu lebhaftem Danke sind wir für derartige Gaben verpflichtet den Herren: 3o l^ic Sammlungen unil ihre Vermehrung. 36. R. A. Philippi, Director des Nationalmuseums in Santiago (Chile): für Gyps- niodellc von Säugethierresten und Fossilien aus Chile; 37. Professor Jan Palacky in Prag: für grosse Schaustücke aus den silurischen Graptolithenschiefern und aus den Korycaner Schichten; 38. Ober-Bergverwalter Andreas Mi tt er er in Haering: für eine grosse und höchst werthvolle Collection von Fossilien aus den Cementmergeln von Haering. Manche werthvolle Bereicherungen erhielt unser Museum weiter durch Aufsamm- lungen, die wir theils selbst vornahmen, theils durch befreundete Forscher, die sich gütigst in unserem Interesse dieser Mühewaltung unterzogen, vornehmen Hessen. Es ge- hören dahin: 3q. Eine reiche Suite der merkwairdigen zerquetschten und verworfenen Geschiebe aus der Umgebung von Schleinz, über welche ich bei einer früheren Gelegenheit (Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt 1878, S. 145) Nachricht gegeben hatte und von welchen ich nun eine grössere Partie für unser Museum einsammelte. 40. Suiten von Tertiärfossilien wurden von Herrn Assistenten Kittl in Währing, Ottakring, in Neudorf an der March und am Waschberg bei Stockerau aufgesammelt, weiter hat derselbe eine Serie von Devonversteinerungen in den Qiiarziten vom Dürrber- berge bei Würbenthai in Schlesien, dann Gesteine und Mineralvorkommnisse in der Um- gegend von Freiwaldau und Friedeberg, namentlich bei Kaltenstein gesammelt. 41. Herr Assistent Wähn er hat bei Gelegenheit einer Fortsetzung seiner Lias- studien am Sonnwendjoch im Unterinnthale Einiges für unser Museum erbeutet. 42. Eine sehr schöne Sammlung der merkwürdigen, der unteren Trias angehörigen Cephalopoden vom Han Bulog bei Sarajewo, die Herr diplomirter Ingenieur J. Kellner entdeckt und deren Fundstelle er früher schon für die k. k. geologische Reichsanstalt ausgebeutet hatte (Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanstalt 1884, S. 217). Auf meine Bitte besorgte er nun weitere Aufsammlungen, die eine überaus reiche Ausbeute lieferten und die ich dem Museum als Geschenk zu übergeben in der Lage war. 43. Schlierfossilien von Buje in Istrien, die Herr Professor Dr. K. Moser in Triest für uns freundlichst aufsammeln liess. 44. Hier endlich schliesse ich wohl am schicklichsten eine der wichtigsten Erwer- bungen an, welche die geologisch-paläontologische Abtheilung im Laufe des letzten Jahres machte und die ich ebenfalls als Geschenk dem Museum übergeben konnte. Es sind dies Knochenreste von Maragha in Persien, welche der um die Kenntniss dieses Landes so hochverdiente Dr. J. E. Polak durch Herrn F. Th. Strauss in Täbris besorgen liess und mir gegen Ersatz der Selbstkosten freundlichst für das Museums überliess. Die Samm- lung, welche zeitlich im Sommer hier eintraf, enthält höchst werthvolle Objecte, und zwar nach der Bestimmung von E. Kittl*) Hyaena cf. (?A-/?7naWagn., Mastodon Pen- telici Wagn., Rhinoceros Schleiennacheri Kaup (ein ganzer, ausgezeichnet erhaltener Schädel), Aceratherhim sp. (ein Schädel u. s. w.), Hippanon gracile Kaup (ein wohl- erhaltener Schädel), Hipparion n. f., Helladotho-inm Duvernoj^i Gaudr., Palaeoreas Lindermayeri Wagn., Antidorcas Rothi Wag., Tragocerus sp., kleinere Antilopen u. s. w. Dieselben deuten auf eine Fauna ganz analog jener von Pikermi in Griechenland hin; eine Fortsetzung der Ausbeutung und eine genauere wissenschaftliche Untersuchung des F'undortes erschien demnach in hohem Grade wünschenswerth, und zwar umsomehr, als ja Maragha durch seine intermediäre Lage zwischen den berühmten Fundstellen von Säugethierresten in den Siwalik-Gebirgen in Indien einerseits und Pikermi und anderen *) V'erhandlungen der k. k. geologischen Reichsanslalt 18S5, p. 397. Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. 3 europäischen Fundstellen andererseits eine ganz besondere Bedeutung für die Kenntniss der Entwicklung und der geographischen Verbreitung der jungtertiaren Säugethierfaunen überhaupt besitzt. Durch eine grossmüthige Spende des regierenden Fürsten Joh. Ad. zu Schwarzenberg, eine Subvention aus der Schlonbachstiftung, einen Beitrag von dem regierenden Fürsten Johann II. von und zu Liechtenstein, dann aber wieder durch die Opferwilligkeit des Herrn Dr. Polak, der den ganzen Rest der erforder- lichen Reisekosten vorschussweise bestritt, wurde es möglich, Herrn Dr. Alfred Rodler, gegenwärtig Assistenten an der geologischen Lehrkanzel der Wiener Universität, zu der gedachten Aufgabe nach Persien zu entsenden. Er hat dieselbe mit bestem Erfolge gelöst, da aber die von ihm gesammelten Materialien noch nicht in Wien eingetroffen sind, so kann ich in nähere Details darüber noch nicht eingehen, sondern will nur noch beifügen, dass er eine erste Notiz über die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Reise bereits in den Verhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt i885, S. 333 veröftentlicht hat. Einen relativ freilich sehr kleinen Zuwachs endlich haben unsere Sammlungen durch Ankäufe erhalten. Für freundliche Vermittlung von solchen haben sich um unser Mu- seum besonders verdient gemacht die Herren: Dr. Carl Ferd. Frauscher, Director Oberbergrath D. Stur und Professor Dr. Franz Toula. In dieser Weise haben wir erworben: 1 . eine Samrnlung von Tertiär- und Kreide-Fossilien aus Croatien und Dalmatien von Herrn Dr. J. Gnezda; 2. diluviale und tertiäre Wirbelthierreste von Minihof in Ungarn, Heiligenstadt, Meidhng und Altmannsdorf bei Wien; ferner ein Gypsmodell des Eggenburger Kro- kodilschädels; 3. tertiäre Pflanzen von Schüttenitz in Böhmen; 4. Miocän-Conchylien von Baden, Steinabrunn, Neudorf a. M., Walbersdorf und Ottakring; 5. Eocän-Conchylien vom Waschberg bei Stockerau und von Kosavin im croatischen Küstenlande; 6. Kreide-Fossilien von Muntigl bei Salzburg; 7. Jura-Fossilien von Adneth; 8. Trias-Fossilien aus dem Salzkammergute, ferner vom Schiern und von der Marmolatta in Südtirol, sowie von St. Cassian, ebendort; 9. eine sehr schöne Suite fossiler Pflanzen aus den berühmten, der oberen Trias angehörigen Fundstätten bei Lunz in Oesterreich. c. Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. Von grösster Bedeutung für die Weiterentwicklung der anthropologisch-prähisto- risch-ethnographischen Abtheilung unseres Museums ist die innige Verbindung, in wel- cher dieselbe mit der anthropologischen Gesellschaft in Wien steht. Schon im Jahre 1877 hat diese Gesellschaft beschlossen, ihre gesammten Sammlungen und ihre Bibliothek dem k. k. naturhistorischen Hofmuseum zu übergeben, und in gleicher Weise wendet sie dem- selben seither alle Sammlungsgegenstände, die ihr zukommen, und insbesondere auch die Ergebnisse der mit relativ sehr bedeutenden Mitteln von ihr durchgeführten Aus- grabungen zu; was die Druckwerke betritft, so überlässt sie unserer Bibliothek gegen den Ersatz der Herstellungskosten für die Tauschexemplare nicht nur alle periodischen Publicationen, die sie im Tauschwege erhält, sondern auch alle selbstständigen Werke und Separatabdrücke, die ihr zugesendet werden. Lebhaften Dank schulden wir dafür 32 Diii Sammlungen und ihre ^'ermehrung. der ganzen Gesellschaft und insbesondere ihrem hochverdienten Präsidenten Hofrath Ferd. Freiherrn v. Andrian-Werhurg, der uns auch sonst bei jeder Gelegenheit seine thatkräftige Unterstützung zu Theil werden lässt. Selbstverständlich suchen anderseits auch wir nach besten Kräften die Zwecke der Gesellschaft zu fördern. Herr Gustos Szombathy besorgt ihre Secretariatsgeschäfte und redigirt ihre Mittheilungen, und besonders freue ich mich anzuzeigen, dass wir nun, nachdem die Arbeitszimmer im Neugebäude bezogen sind, auch in der Lage sind, den Mitgliedern der Gesellschaft die Bibliothek und die Sammlungen für ihre Studien zugänglich zu machen. Aber noch habe ich, bevor ich zu den Details übergehe, einer Institution zu ge- denken, die seit einer Reihe von Jahren die materiellen Früchte ihrer Arbeiten dem Museum zuwendet. Es ist die prähistorische Commission der kais. Akademie der Wissenschaften, die, von der ersten wissenschaftlichen Corporation des Reiches zur Förderung des jüngsten Zweiges unserer Wissenschaften eingesetzt, die Funde, die bei den theils mit den Mitteln der Akademie, theils mit fremder Beihilfe ins Werk ge- setzten Untersuchungen sich ergeben, regelmässig unserem Museum übergibt. Den Zuwachs, welchen die Sammlungen der in Rede stehenden Abtheilung im Laufe des Jahres erhielten, will ich gesondert nach den drei Gruppen, in welche dieselben zerfallen, aufführen. An prähistorischen Objecten erhielten wir: 1. von der prähistorischen Commission der mathematisch - natur- wisse n s c h a ft 1 i c h e n C 1 a s s e der k a i s e r 1. Akademie der W i s s e n s c h a f t e n : a) Funde aus der Vvpustekhöhle nächst Kiritein und der unteren Joachimshöhle nächst Josefsthal bei Adamsthal in Mähren, bestehend aus paläo- und neolithischen Arte- facten und Knochen diluvialer Säugethiere. Die Funde rühren von den durch J. Szom- bathv geleiteten und auf Kosten Sr. Durchlaucht des regierenden Fürsten Johann von und zu Liechtenstein durchgeführten Ausgrabungen, an welchen sich seit Jahren die Herren Forstmeister A. Zitny und Oberförster G. A. Heintz betheiligen, her; b) paläülithische Funde aus mehreren Höhlen des niederösterreichischen Krems- thalcs, ausgegraben von Herrn Ingenieur Ferdinand Brun; c) paläolithische Funde aus der auf fürstlich Hohenlohe'schem Besitze gelegenen Höhle bei Duino im Küstenlande, ausgegraben durch Herrn Professor Dr. K. L. Moser in Triest; d) Funde aus dreiTumulis der Hallstätter Periode nächst Gemeinlebarn bei Trais- mauer in Niederösterreich, ausgegraben durch den k. k. Conservator Herrn P. A d al- ber t D LI n g e I ; e) Funde von mehr als 8o aus der Periode der Römerherrschaft stammenden Tu- mulis in der Nähe von Kilb und Mank in Niederösterreich, ausgegraben durch P. Adal- bert Dungel; 2. von der anthropologischen Gesellschaft in Wien: a) Funde von der prähistorischen und römischen Ansiedlung auf der Gurina bei Dellach im oberen Gailthale in Kärnten. Ausgrabungen 1884 durch Herrn Hofrath Dr. A. B. Meyer aus Dresden und i885 durch die Herren J. Szombathy und Dr. F. Portheim aus Wien. Ausführliche Mittheilungen über seine im Auftrage und auf Kosten der Gesellschaft gemachten Ausgrabungen hat Herr Hofrath Meyer in seinem Pracht- werke »Gurina«, Dresden i885, gegeben; b) P'unde aus 28 Tumulis der Hallstätter Periode von Rosegg in Kärnten, ausge- graben durch die Herren J. Szombathy und N. Wang; Anthropologisch-ethnoi^rnphischc Abthcilung. 33 c) P\inde aus den, den Uebcrgang von der HalLstättcr zur La-Tene-Cultur mar- kirenden Flachgrähern von St. Michael bei Adelsberg in Krain, ausgegraben durch Herrn J. Szombathv; d) Funde aus der palaolithischcn Lagerstätte ini Loss bei Willendorf nächst Spitz in Niederösterreich, ausgegraben durch Herrn Ingenieur Ferdinand l^run; 3. von Sr. Durchlaucht dem Fürsten Ernst zu Windischgrätz : Bronzen von Watsch und Glasperlen und Bronzefragmente von St. Michael bei Adelsberg in Krain; 4. von der löbl. Gemeindevertretung Gemeinlcbarn : Funde aus dem prä- historischen Gräberfelde nächst Gemeinlebarn bei Traismauer in Niederösterreich, gesam- melt durch die Herren Schulleiter Zündel, Oberingenieur Berger und P. Ad albert Du n gel; 5. von Herrn Historienmaler Ignaz Spöttl: Bronzen von Watsch in Krain, Schlacken vom Schlackenwalle in Kesmark in Ungarn und fünf Oelskizzen von Tumulis in Niederösterreich; 6. von Herrn Pfarrer Josef Schmidt in Winklarn: die Funde aus drei Tumulis bei Amstetten in Niederösterreich, gegen Ersatz der Selbstkosten; 7. von Herrn Emil Usquin in Nizza durch die Herren Dr. Pröhl und Regierungs- rath Dr. Aberle: Perlchen aus einem megalithischen Grabe bei St. Vallier (Alpes mari- times) in Frankreich ; 8. von Herrn Professor Dr. K. L. Moser in Triest: Fundstücke aus der Pieinahöhle bei Prosecco nächst Triest ; 9. von Herrn Bibliotheksscriptor Willibald Müller in Olniütz: einzelne prä- historische Fundstücke vom Baue des Postgebäudes in Olmütz und aus der Umgebung dieser Stadt; 10. von Herrn Dr. M. Hoerncs durch Herrn Gerichtsadjuncten Dr. Sachs: Funde von der Ruine Hinterhaus bei Spitz in Niederösterreich; 11. von Herrn Felix Zwiklitz: eine Sammlung von der jüngeren Steinzeit angehörigen Pfahlbaufunden von Font im Neufchätelcr See, die nebst Schädeln und Knochen von Säugethieren 285 Stücke Warfen und Werkzeuge aus Stein und Hirsch- horn, darunter besonders werthvolle Stücke aus Nephrit, Jadeit, Chloromelanit und Saussurit, enthält. Auch im Wege des Tausches erhielten die prähistorischen Sammlungen einigen Zuwachs, und zwar : 12. von Herrn A. Dillingcr: Bronzefunde aus Oberösterreich und aus der Gebend von Königgrätz in Böhmen; i3. von Herrn Stadtrath Leiner in Constanz: Nephritbeilchen aus dem Bodensee. Angekauft endlich wurden: 1. ein Steinbeil aus dem Bodensee; 2. Bronzeringgeld von Ungarisch-Hradisch; 3. Bronze- und Bleifunde von Rosegg in Kärnten; 4. prähistorische Funde von St. Michael bei Adelsberg in Krain. Die anthropologischen Sammlungen wurden nur durch Geschenke, aber in sehr reichem Masse, vermehrt. Wir verdanken: I. Herrn Bankier Salo Cohn in Wien: eine überaus werthvolle Gabe, die von Herrn Dr. A. Weisbach, Director des k. und k. österreichisch-ungarischen National- spitajes m Lonstantinopel, während seiner langjährigen Wirksamkeit daselbst zusammen- 34 Die Sammlungen und ihre Vermehrung. gebrachte Sammlung von Racenschädeln, Racenbecken und einigen Skeleten, welche derselbe, um sie dem vaterländischen Museum zuzuwenden, nur gegen Ersatz der im Verhältnisse zum etlectiven Werthe geringen, an und für sich aber doch noch sehr nam- haften Selbstkosten abliess. Die Sammlung umfasst nicht weniger als 708 Schädel, deren Hauptwerth in der vollkommen sichergestellten Provenienz derselben liegt. Es befinden sich darunter iq5 Schädeln von Türken, i3i von Griechen, 96 von Serbocroaten, 43 von Armeniern, 48 von Negern, 49 von alten Byzantinern, 14 von orientalischen Juden u. s.w., ferner 21 Becken; auf die Stücke dieser Sammlung beziehen sich die Arbeiten von Weisbach über Türken- und Griechenschädel in den Mittheilungen der anthropologi- schen Gesellschaft in Wien, und über die Schädel der Südslaven in der Berhner ethno- logischen Zeitschrift; 3. Herrn k. k. Hofrath Ferdinand Freiherrn v. Andrian-Werburg: Schädel und Skelete aus bosnischen Bogumilengräbern; 3. Herrn Professor Dr. Paulitschke: Schädel von Somalis; 4. Herrn Hofrath Dr. A. B. Meyer in Dresden: Schädel aus einem Grabfelde bei Sterzing in Tirol und aus dem Beinhaus von Kötschach in Kärnten. Beschrieben in dem IV. Hefte der Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft vom Jahre 1884; 5. Herrn Generalconsul L. Schiffmann in Hamburg: 23 Schädel von den Philip- pinen, zum Theile deformirte Schädel aus alten Grabhöhlen, zum Theile solche von jetzigen Bewohnern. Auch die ethnographische Sammlung erhielt die wichtigsten Bereicherungen durch Geschenke. Solche haben wir erhalten: 1. von Herrn Regierungsrath Steindachner: i3 altjapanesische, zum grössten Theile vergoldete Bronzeringe, aus alten Gräbern stammend, aus dem Nachlasse des bekannten Japanforschers Dr. A. v. Roretz angekauft; 2. von Herrn Victor Schönberger, k. hawaischen Consul: einige Objecte aus den Südseeinseln und dem malayischen Archipel; • 3. von einem unserer Freunde in Prag: 92 Nummern ethnographischer Gegen- stände vom unteren Congo, gesammelt von Herrn Dr. Josef Chavanne; 4. von der k. k. geologischen Reichsanstalt: eine kleine Sammlung altmexi- kanischer Steinwerkzeuge und Thongefässe, welche Herr Dr. Hambach in St. Louis eingesendet hatte, und welche ich, noch als Director der genannten Anstalt, dem Museum übergab; 5. von Herrn Josef Haas, k. k. österreichisch-ungarischem Consul und Gcranten des Generalconsulates in Shanghai : eine grosse Sammlung verschiedener Objecte, darunter Porzellane und Bronzen aus China, Korea, Japan und Siam, Buddhahguren u. s. w. ; 6. von Herrn Hugo M. Müller, Gutsbesitzer in Wien: eine grosse und sehr inter- essante Sammlung indianischer Geräthe u. s. w., die derselbe während seiner im Jahre 1884 ausgeführten Reise nach dem britischen Nordamerika aufgesammelt hatte; 7. von Herrn Dr. Dominik Kammel v. Hardegger: 180 Stücke, welche der- selbe von seiner im Jahre i885 zusammen mitHerrn Professor Dr. Philipp Paulitschke ausgeführten Reise nach dem Somallande mitgebracht hat, und welche die erste, syste- matisch gesammelte Collection ethnographischer Gegenstände aus diesen Gebieten darstellt ; 8. von Herrn H. E. Low in Managua, Nicaragua: eine kleine Sammlung von in- dianischen Alterthümern aus Nicaragua und eine Anzahl grosser Platten aus einem tutf- arti^en Gestein vom See von Manat^ua, in welchen sich eine Reihe menschlicher Fuss- Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. 35 abdrücke befinden; die Gesteinplatten lagen unter einer dreizehn Fuss mächtigen Schichte von geschichteten vulcanischen Aschen, Sand und Süsswasserbildungen, Dieses Vor- kommen ist beschrieben in den Proceedings der American antiquarian society April 1 884. 9. von Herrn Generalconsul Ludwig Schi ff mann in Hamburg: eine sehr inter- essante und wcrthvolle Collection von Alterthümern und menschlichen Schädeln von den Philippinen, welche der Reisende Dr. Alexander Schadenberg von dort mit- gebracht hat; 10. von Herrn L. van Ende, k. niederländischem Hauptmann a. D. in Batavia: eine grössere Sammlung ethnographischer Gegenstände aus dem malayischen Archipel; 1 1. von Herrn Dr. B. Hagen in Deli, Sumatra: eine Sammlung sehr seltener ethno- graphischer Gegenstände von den Batta's auf Sumatra, von ihm selbst gesammelt; 12. von Herrn W. Mesny, chinesischem General, in Shanghai: eine der seltenen hochinteressanten alten Bronzepauken aus dem südlichen China; i3. von Sr. Excellenz Herrn General Neriman Khan, persischem Gesandten in Wien: einen altpersischen Grabstein mit kutischer Inschrift; 14. von einem unserer Freunde in Prag: ein prachtvolles Chloromelanitbeil, angeb- lich aus der Wüste Atakama stammend; i5. vereinzelte werthvolle Gegenstände von den Herren Dr. P'riedrich S. Krauss aus Bosnien, Friedrich Bayern aus Tifhs und F. v. Magius aus Java und Borneo; 16. auch bei den Expeditionen der k. und k. Kriegsmarine wurden für die ethnographische Sammlung höchst werthvolle Beiträge gesammelt, und zwar: , a) durch Sr. Majestät Corvette ^> Helgoland« : 9 1 Stücke von den Localitäten Tanger, Mogador, Goree, Dakar, Sierra Leone, Monrovia, Cape Coast Castle, Lagos, Fernando- Po, dem unteren Congo und Loanda; b) durch Sr. Majestät Corvette »Frundsberg« : 27 Nummern von Berbera, der Co- moreninsel Johanna, von Mombas, von den Uanikas, Magosse, Norribe, von den Hovas und Sakalaven auf Madagaskar und von Mocambic]ue; 17. von der ehemaligen k. k. Forstakademie in Mariabrunn wurden einige ethno- graphische Gegenstände aus Ostasien übernommen; 18. von Herrn Professor A. R. Philippi in Santiago de Chile: im Tauschwege Gypsabgüsse altchinesischer und altjK'ruanischer Gegenstände. Angekauft endlich wurden: 1. aus dem Nachlasse des k. k. Admirals Friedrich F"reiherrn v. Pöck: 40 ethno- graphische Gegenstände, namentlich aus Südafrika, Asien und den Südseegebieten ; 2. 2 3 Stücke altamerikanische Steinw^erkzeuge; 3. eine Sammlung von 2 5 Stück Gypsabgüssen zumeist neuseeländischer Stein- und Holzgcräthe, welche auf Veranlassung des Herrn Dr. Otto Finch nach Rückkehr desselben von seiner vorletzten grossen P'orschungsrcise in die Südsee in Berlin angefer- tigt wurden. IV. Die Bibliotheken. Eine Frage von grosser Tragweite ist es, ob die reichen Bücherschätze, welche das k. k. naturhistorische Hofmuseum besitzt, zweckmässiger zu einer unter besonderer Leitung stehenden Bibliothek vereinigt, oder aber in Fachgruppen gesondert in den einzelnen Abtheilungen und Unterabtheilungen des Museums unter der Obsorge der betreffenden Beamten in den Arbeitsräumen aufgestellt werden sollen. Hochstetter, der, wie ich 35 Die Bibliotheken. aus älteren Schriftstücken entnehme, erst für die Concentrirung der Bibliothek gestimmt war, ist später, und zwar, wie mir scheint, mit vollem Rechte von dieser Anschauung abgegangen. Alle unsere Bücherschätze sind somit in jene Räume vertheilt untergebracht, in welchen sie unmittelbar zur Benützung gelangen. Nur bezüglich einer Reihe von periodischen, alle oder doch mehrere naturwissenschaftliche Fächer umfassenden Publi- cationen ist dabei eine Ausnahme gemacht; diese sind in einem der zoologischen Ab- theilung zugehörigen Saale des zweiten Stockes als allgemeine Bibliothek aufgestellt. a. Zoologische Abtheihing. Ueber die Bücherschätze der zoologischen Abtheilung sind wir, da die Rangirung derselben eben im Gange ist und auch in der Vertheilung der Werke an die einzelnen Unterabtheilungen eben manche Veränderungen vorgenommen werden, nicht in der Lage, gegenwärtig eine genauere Uebersicht zu geben. Indem ich mir vorbehalte, auf eine solche bei späterer Gelegenheit zurückzukommen, füge ich hier nur einige verein- zelte Notizen bei. Zugewachsen sind an zoologischen Druckschriften im Laufe des Jahres bbb Bücher durch Ankauf und 147 Werke in 166 Bänden als Geschenke. Für solche sind wir ins- besondere zu Dank verpflichtet den Herren Director Spencer Baird und Alexander Agassiz in Cambridge, Freiherrn v. Dräsche in Wien u. s. w., dann den meisten Beamten des Museums selbst. Die Bibliothek der Abtheilung der Tunicaten, Mollusken und Molluskoiden besteht aus 374 selbstständigen Werken in 876 Bänden, i83 Separatabdrücken und 6 Zeitschriften in 110 Bänden, die Literatur der Dipteren ist durch 82 selbstständige Schriften und Separatabdrücke in i3i Bänden und Heften, jene der Neuropteren durch 35 Werke in 43 Bänden vertreten. Die Abtheilung fürWürmer, Echinodermen, Coelenteraten u. s. w. zählt 858 Einzelwerke und Separata in 943 Bänden. b. Botanische Äbtheiliing. Durch die in den früheren .lahren bestandene räumliche und administrative Ver- einigung des k. k. botanischen Hofcabinetes mit den bctretfenden Sammlungen der k. k. Universität wurde es herbeigeführt, dass der Vermehrung der Bibliothek des ersteren geringere Mittel zugewendet wurden, als es sonst wohl der Fall gewesen wäre", leider ist demzufolge, nach nunmehr durchgeführter Trennung, unsere botanische Bibliothek sehr lückenhaft und ungenügend. Nach Kräften müssen wir bemüht sein, auch hier Ab- hilfe zu schaffen, und ich möchte diese Gelegenheit benützen, um so wie bezüglich natur- wissenschaftlicher Publicarionen überhaupt, ganz besonders solcher botanischen Inhaltes, an alle unsere P^reundc und Fachgenossen im In- und Auslande die Bitte zu richten, sie wollen uns durch gütige Widmung ihrer Publicationen oder von Doubletten aus ihren eigenen Bibliotheken in diesem Bestreben unterstützen. Nicht nur grössere Werke, sondern insbesondere auch Separatabdrücke, auch der kleinsten Arbeiten aus älterer und neuerer Zeit \\ erden uns zu dem lebhaftesten Danke verpflichten. Die Zahl der selbstständigen Werke und Separatabdrücke, welche die Bibliothek mit Schluss des .lahres besass, beträgt 3326 Nummern, davon wurden im Laufe des Jahres kx) diircli Kaul und 38() als Geschenke erworben. — Die Zahl der botanischen }icrio(.iisclien l'ublicalioncn, welche das Museum ix'gelmässig bezieht, betrage 25. Zoologische, botanische, mineralog.-petrograph. und geolog.-paläontolog. Ablhelliing. 37 Geschenke an Büchern erhielt die Bibliothek insbesondere von den Herren: Dr. G. Beck, H. Braun, Professor A. fescher v. Waldheim in Warschau, Hofrath V. Hauer, Professor A. Heimerl, A. Knapp, H. W. Reichardt und Dr. J. Ritter v. Szyszyiowicz. Als eine besonders werthvolle Bereicherung der Bibliothek darf es noch bezeichnet werden, dass derselben durch die Vermittlung der k. k. F'amilien-Fideicommiss-Bibliothek die Originalabbildungen zu Host's Icones Graminum, sowie Jene zu dem ersten Bande seiner Salices zukamen, c. Mineralogisch-petrographische Abiheilung. Die Trennung der mineralogischen von der geologischen Abtheilung brachte es mit sich, dass die für die älteren Zeiten sehr reichhaltige, in den letzteren Jahren aber in P'olge Mangels der erforderlichen Geldmittel nicht in gleichem Masse auf dem Laufen- den erhaltene Bibliothek des früheren k. k. Hof-Mineraliencabinetes in die zwei Abthei- lungen geschieden und neu geordnet werden musste. Der mineralogisch-petrographischen Abtheilung fielen dabei insbesondere auch die Werke über Berg- und Hüttenwesen zu. Für den Beginn des Jahres 1884 wurde die gemeinsame Bibliothek in runden Zahlen auf 1 2.800 Nummern in 9000 Bänden und 8000 Broschüren und Separatabdrücken, davon 4800 Nummern für die mineralogische und 8000 für die geologische Abtheilung, geschätzt. *) Nach einer neuerlichen Schätzung und theilweisen Zählung besitzt die minera- logisch -petrographische Abtheiking, mit Inbegriff des Zuwachses der beiden letzten Jahre, am Schlüsse des Jahres i885 i 25 Zeitschriften mit 2900 Bänden und 5()Oü Einzel- werke und Separatabdrücke in 63oo Bänden und Heften. Geschenke erhielt die Bibliothek im Laufe des Jahres von zahlreichen Instituten und Vereinen, von den Beamten des Museums, dann von den Herren: Director Ed. Doli, Baron Richard Dräsche -Wartinberg (die vollständige Reihe der Rivista minera vom I. bis XXX. Band), Baron Heinr. Foulion- Nor beck, Professor F. A. Genth in Philadelphia, Gerold & Cie., Dr. Vict. Goldschmidt, Dr. Häpke, Conrad v. John, Fei. Karrer, Professor v. Klipstein in Giesscn, General N. v. Kokscharow in St. Petersburg, H. Kunisch in Breslau, Professor Dr. Otto Luedecke in Halle, Jos. Neumüller, J. W. Powell in Washington, Professor AI. Schwarz, B. Stürtz in Bonn, Hofrath V. v. Zepharovich in Prag u. s. w. d. Geologisch-paläontologische Abtheilung. Die der geologisch-paläontologischen Abtheilung zugefallenen Bücher wurden in acht Gruppen gesondert, und zwar: 1. allgemeine Abtheilung, 2. Wirbelthiere, 3. niedere Thiere, 4. Pflanzen, 5. geologische Topographie, 6. officielle Landesaufnahmen, Hochstetter, »Das k. k. Hof-Mineraliencabinel^c (Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanstah 1884, S.263) 38 Die Bibliotheken. 7, Zeitschriften, 8. die auf Gebiete ausserhalb Europa und Asien bezüghchen Werke, also die Literatur von Amerika, Afrika, Australien und Neuseeland. Die Zeitschriften, sowie selbstverständlich auch die Publicationen der officiellen Landesaufnahmen wurden nach Ländern geordnet. In den übrigen Gruppen wurden zunächst gebundene Werke und Broschüren, dann weiter Octav, Quart und Folio unter- schieden und schliesslich in Jeder dieser Abtheilungen die vorhandenen Werke nach den Namen der Autoren alphabetisch geordnet. Diese etwas complicirte Anordnung wird man freilich nur für eine relativ kleine Fachbibliothek als zulässig betrachten können; sie ist aber insoferne dem Bedürfnisse beim Gebrauche gerade unter unseren Verhältnissen angepasst, als es sich ja hier in der Regel bei den Bestimmungen von Fossilien u, s. w. um die gleichzeitige Benützung mehrerer, ja vieler Werke handelt, die man nun auch räumlich nahe beisammen findet, was um so vortheilhafter erscheint, als ja die ganze Bibliothek nicht in einem Saale ver- einigt, sondern in Wandschränken und Bücherstellen in allen Arbeitszimmern vertheilt aufgestellt ist. Den Zuwachs der Bibliothek im Jahre i885 macht die folgende Tabelle ersichtlich. durcli Kauf als Geschenk Summe Einzelwerke .... 3 1 17 48 Separatabdrücke . . 3i 33 64 Lieferungswerke . . 17 (45 Lief.) 5 (5 Lief.) 22 (5o Lief.) Zeitschriften .... 27 23 5o Karten 70 Blätter 49 Blätter 1 1 9 Blätter Der Stand, den sie hierdurch erreichte, beträgt in runden Zahlen 160 Zeit- und Gesellschaftsschriften mit i5oo Bänden, 8000 Einzelwerke in 83oo Bänden und Heften und 400 Kartenwerke in 800 Blättern. Für Geschenke an Büchern und Karten sind wir zu bestem Danke verpflichtet den Herren Director E. Dupont in Brüssel, C. Freiherrn v. Ettingshausen in Graz, Prof. Dr. A. Fritsch in Prag, Gustos Th. Fuchs in Wien, Hofrath v. Hauer in Wien, Prof. R. Hörnes in Graz, Assistent E. Kittl in Wien, Prof. Gh. Mayer-Eymard in Zürich, Oberbergrath E. v. Mojsisovics in Wien, Prof. J. Niedzwiedzki in Lem- berg, Chefgeologe E. Tietze in Wien, Prof. F. Toula in Wien und Geologe M. Vacek in Wien. e. Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. Auch die Bibliothek der anthropologisch-ethnographischen Abtheilung, welche, der Trennung der Sammlungen entsprechend, in zwei Gruppen: die prähistorisch-anthro- pologische und die ethnographische getheilt ist, erhält in der Regel den grössten Zuwachs durch ihre schon früher erwähnte Verbindung mit der anthropologischen Gesell- schaft. Von dieser erhielten wir im Laufe des Jahres 71 Einzelwerke in 74 Bänden und Heften und in regelmässiger Folge die erschienenen Hefte und Blätter von 109 Zeit- und Gesellschaftsschriften. Als Geschenke direct an die Abtheilung liefen ein 16 Werke in 16 Bänden, und von anderen Abtheilungen des Museums wurden übernommen 29 Werke in 54 Bänden. B]in ausserordentlicher Zuwachs ergab sich aber durch den Ankauf eines Theiles der Bibliothek aus dem Nachlasse des verewigten F. v. Hochstetter. Es umfasst der- selbe 4i(j Werke in 567 Bänden und Heften, und weitere 93 Werke in ii3 Bänden wurden durch Ankauf im Buchhandel erworben. Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. 3q Im Ganzen betrügt somit der Zuwachs im Laufe des Jahres, abgesehen von den log Zeitschriften, 025 Werke in 824 Bänden und Heften, von welchen 274 mit 284 Bän- den der prähistorisch-anthropologischen und 35 i in 540 Bänden der ethnographischen Abtheilung zufallen. Der Gesammtbestand der ersteren Gruppe betrug mit Ende i885, immer mit Aus- schluss der Zeitschriften, 1 146 Werke in 2070 Bänden. Nebst Druckwerken ist Herr Gustos Heger eifrig bestrebt, auch Photographien und Abbildungen ethnographisch wichtiger Objecte für das Museum zu sammeln. Bis zum Schlüsse von 1884 waren von ersteren 1435 und von letzteren 292 Blätter vorhanden. Die wichtigste w^eitere Erwerbung im Laufe des Jahres bildet ein sehr schönes, 118 Folioblätter umfassendes Album von Photographien aus Härär von den Somali- und Gallaländern, ein Geschenk der Herren Dr. Kammel Ritter v. Hardegger und Professor Dr. Ph. Paulitschke, welches dieselben gelegentlich ihrer schon früher er- wähnten Forschungsreise zusammengebracht hatten. Eine sehr interessante Bereicherung der Photographien -Sammlung sind ferner Copien von 6 Personen- und Gruppenbildern verschiedener Prinzen aus Soerakarta (Java), welche Scenen aus dem »Wayang Orang« (Komödie, welche die Mvthen und Sagen Javas behandelt) mit Götter- und Helden-Figuren zur Darstellung bringen. Die Costüme, über 100 an der Zahl, wurden auf Befehl des jetzt regierenden Fürsten des Mangkunegoro'schen Hauses aus kostbaren mit Gold und echten Juwelen besetzten Stoifen angefertigt und sollen über 400.000 fl. gekostet haben. Die Negativplatten der Originalphotographien wurden nach Abzug einiger weniger Bilder vernichtet; Herr Jul. V. Magius, der sich im Besitze eines Exemplares dieser Bilder befindet, gestattete uns eine Copie derselben zu nehmen, welche Herr Dr. Hermann Bell trefflich aus- führte und uns freundlichst übergab. Weitere Geschenke an Photographien erhielten wir dann von den Herren: v. Ende: 4 Photographien Dayak'scher Costume, Dr. Roretz: 2 von Dayaks, Dr. A. Schaden- berg: 2 von Grabstätten auf der Insel Malipano; angekauft wurden 74 Blätter ver- schiedener Grösse aus den Südseegebieten, 3o Visitkarten-Photographien verschiedener Völkertypen freundlichst vermittelt durch Herrn Professor F. Müller und eine photo- graphische Copie des Oelgemäldes »Der Triumph« von Wereschagin. Der Zuwachs des Jahres beträgt somit 245 Blätter, und die Photographiensammlung ist auf 1672 Stück angewachsen. An anderen Abbildungen erhielten wir 24 Farbendrucktafeln zum Anschauungs- unterrichte an Javanischen Schulen, dazu eine ebensolche Tafel mit Wappen, Geschenk des Herrn J. v. Magius, 7 Blätter mit 20 Aquarell- und Tuschskizzen, gemalte Holz- schnitzereien aus der Tempelmoschee zu Kokand darstellend, angefertigt und geschenkt von H. W. Wereschagin, dann ein grosses ethnographisches Tableau in Lithographie. Die Sammlung derartiger Abbildungen hat sich damit auf 32 i Blätter erhöht. V. Die wissenschaftlichen Arbeiten und Reisen der Musealbeamten. Wohl nur wer selbst durch eigene Arbeit an den Fortschritten der W^issenschaft fördernden Antheil nimmt oder genommen hat, kennt in vollem Umfange die Bedürf- nisse und die Anforderungen, welche an ein grosses naturhistorisches Museum gestellt werden müssen, wenn dasselbe seinen Platz unter den ersten analosen Instituten der 40 Die wissenschaftlichen Arbeiten und Reisen der Musealbeamten. Grossstaaten behraiptcn soll. Eine rege literarische Thätigkcit der Muscalbearnten ver- dient daher schon darum in vollstem Masse Anerkennung und Forderung; sie ist aber auch von ganz dircctem, sozusagen materiellem Vortheil für das Museum selbst, da sie diesem sonst oft ganz verschlossene Wege zu Erwerbungen eröffnet und die vielen Ver- bindungen nutzbringend macht, welche der Fachschriftsteller allerorts im In- und Aus- lande anzuknüpfen pflegt. Nimmt nun auch die Zeit der Uebersiedlung und Neuaufstel- lung der Sammlungen unsere Arbeitskraft in ganz ungewöhnlicher Weise in Anspruch, so darf ich doch mit grosser Befriedigung auf eine lange Reihe von wissenschaftlichen Ar- beiten hinweisen, welche von den Musealbeamten im Laufe des Jahres ausgeführt wurden. Vor Allem sei es mir gestattet zu erwähnen, dass mir selbst die Auszeichnung zu Theil ward, in zweifacher Weise zur Mitarbeit an dem grossen Werke Sr. k. und k. Hoheit des Kronprinzen: »Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild« herangezogen zu werden. Nicht nur ward mir die Schilderung der geologischen Verhältnisse der Monarchie, die sich für den ersten Band des Werkes bereits im Drucke befindet, übertragen, sondern ich wurde auch zum Referenten für die naturwissenschaft- lichen Fächer und zusammen mit Herrn Hofrath v. Becker zu jenem für die landschaft- lichen Schilderungen bestellt. Für dasselbe Werk verfasste auch Herr Felix Karrer zusammen mit dern Assisten der k. k. geologischen Reichsanstalt Herrn Dr. A. Bittner die Schilderung des »Wiener Beckens«, und lieferten die Herren Steindachner, v. Pelzein, Rogenhofer, Kohl dem Verfasser des Abschnittes über die zoologischen Verhältnisse der Monarchie, Herrn Professor Dr. A. v. Mojsiso vics, zahlreiche Daten für diese Arbeit. Eine andere wichtige wissenschaftliche Unternehmung, an der ich theilzunehmen Gelegenheit hatte, ist die von dem Karstcomite des österreichischen Touristen- club ins Werk gesetzte Erforschung und Gangbarmachung der noch unbekannten Höhlen und Grotten unserer Karstländer und insbesondere die Verfolgung des unter- irdischen Laufes der Schlundflüsse. Dieses Comite, dessen Präsidium mir übertragen wurde, zählt noch einen zweiten Beamten, Herrn Gustos Szombathv, zu seinen Mit- gliedern; weiter gehören demselben an: Herr Franz Kraus, auf dessen Anregung das Comite ins Leben gerufen wurde, der Präsident und Vicepräsident des Touristenclub Herr A. Silberhuber und Herr E. Graf; die Reichsrathsabgeordneten Fürst Ernst Wind ischgr ätz, Professor E. Suess und A. Obresa, die Herren Ministerialräthe Chr. Lippert und J.Lorenz v.Liburnau und die Herren Fei. Hoffniann und Fr.Karrer. Ohne hier in weiteres Detail über die Ergebnisse der diesjährigen Arbeiten eingehen zu können, will ich nur kurz erwähnen, dass die Piuka Jama bei Adelsberg zugänglich und gangbar gemacht, und dass Vermessungen in dieser Höhle sowohl wie zwischen ihr und der Adelsberger Grotte vorgenornmen wurden, die zu sehr interessanten wissenschaft- lichen Ergebnissen führten. Auch für unser Museum wurde dabei Manches an Höhlen- thieren, Gesteinen u. s. w. gesammelt. Der Vollständigkeit wegen erlaube ich mir auch auf die Publicationen hinzuweisen, die ich, wenn auch noch in meiner früheren Eigenschaft als Director der k. k. geo- logischen Reichsanstalt, zu machen Gelegenheit hatte; es sind: der Jahresbericht für diese Anstalt für 1884 (Verhandl. i885, Nr. i), »Die Krausgrotte bei Gams« (Oesterr. Touristen- Zeitung i885, Nr. I und 2) und »Die Gypsbildung in der Krausgrotte« (Verhandl. d. k. k. gcol. Reichsanstalt i885, Nr. 2). Noch sei es mir gestattet zu erwähnen, dass ich zum Beginn der vorzunehmen- den Ausgrabungen die betreffenden Höhlen in Mähren sowohl, wie die P^undstelle in Gurina in Kärnten besichtigte; dass ich die Landesausstellung in Pest und jene in Klagenfurt besuchte und an ticr ausserordentlichen Versammlung unserer anthropo- Zoologische Abtheilung. 41 logischen Gesellschaft in letzterer Stadt Antheil nahm, endlich dass ich eine Reise nach Kirchhichl und Häring in Tirol behufs des Studiums des dortigen Vorkommens der alttertiären Cementmergel unternahm. Die Verbindungen, die ich dabei anzuküpfen in der Lage war, brachten unseren mineralogischen und paläontologischen Sammlungen reichen Gewinn, wie aus den früheren Mittheilungen über den Zuwachs derselben des Näheren erhellt. Durch das Zusammenwirken hauptsächlich von Beamten des Museums wurde die soeben erschienene »F'auna und ¥lori\ von Hernstein in Niederösterreich« als Theil des mit Unterstützung Sr. kais. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Leopold von Herrn Hofrath M. A. Becker herausgegebenen grossen Werkes »Hernstein« (kleine Ausgabe) verfasst. Herr Custos-Adjunct Dr. G. Beck redigirte diese Zusammenstellung; er selbst bearbeitete die Wirbelthiere, die Mollusken, zusammen mit L. Gangibauer die Coleopteren und zusammen mit Gustos Brauer die Orthopteren, sowie die ganze Flora. Weiter bearbeiteten die Herren Gustos Rogenhof er und Fr. Kohl die Hymenopteren, ersterer überdies die Lepidopteren und zusammen mit J, Mann die Mikrolepidopteren, Dr. E. Becher die Dipteren aus Kleinzell bei Hainfeld, Gustos F. Brauer die Neuropteren und Garl Koelbel die Arachnoiden. Eine weitere gemeinsame Arbeit der Beamten des Museums, die ihrer Vollendung entgegengeht, ist die naturwissenschaftliche Schilderung von Jan Mayen für die grosse, auf Kosten des Grafen H. Wilczek, der Marinesection des k. k. Reichskrie^s- min ister iu ms und der kais. Akademie der Wissenschaften herauszugebende Publication über die Arbeiten der österreichischen Beobachtungsstation daselbst; für die- selbe bearbeitet Herr Director Steindachner die Fische, Dr. Becher die Mollusken und Dipteren, C. Koelbel die Grustaceen, Pycnogoniden und Arachnoidecn, Herr Gustos v. Marenzeil er die Würmer, Ghcnophoren, Anthozoen und Poriferen, Herr Dr. v. Lo- renz die Polypomedusen und die Bryozoen, dann Dr. Ferdinand Fischer mit Beihilfe des Dr. Marenzcllcr die Echinodermen, — vollendete ferner Gustos Reichardt noch kurz vor seinem Tode die Flora und bearbeitet Herr Dr. Berwerth die Gesteine. Von weiteren vollendeten oder im Fortschreiten begriifenen Arbeiten sind zu erwähnen : a. Zoologische Abtheilung. A. V. Pelzeln, Studie über die Abstammung der Hunderacen (bestimmt für die von Dr. Spängl in Bremen redigirten zoologischen Jahrbücher). A. V. Pelzeln und Kohl, Ueber eine Sendung von Säugethieren und Vögeln aus Geylon. (Abhandl. d. k. k. zool.-bot. Gesellsch. i885.) Steindachner und Dr. Döderlein, Die Fische Japans, III. Theil. (Denkschr. d. kais. Akademie der Wissenschaften.) Ferner arbeitet Herr Director Steindachner an einem grossen Kataloge über die gesammten Fische und Reptilien des Wiener Museums nach dem neuesten Stande der Wissenschaft, ein Werk, dessen Vollendung bis zur Druckreife aber noch weitere drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen wird. L. Gangibauer, Goleoptera im Jahresbericht der zoologischen Station in Neapel für 1884, II. Abtheil., S. 227 bis 352. Auf Ersuchen der Station hat Herr Gangibauer seit 1881 das Referat für die Coleopteren übernommen und führt dasselbe seither regel- mässig fort. L. Gangibauer, Neue und weniger bekannte Longicornier der paläarktischen Faunengebiete. (Verhandl. d. k. k. zool.-bot. Ges. i885, S. 5 i 5— 524.) 42 Die wissenschat'llichcn Arbeiten und Reisen der Musealbeamten. L. Ganglbauer, Die Anthaxien der Cratomusgi-uppe in Deutschland. (Entoni. Zeitschr. i885, II. Heft.) L. Ganglbauer, Eine neue Anthaxia der Wiener Gegend. (Ebendas.) L. Ganglbauer, Eine neue Anthaxia aus Kurdistan. (Ebendas.) L. Ganglbauer, lieber Clytiis nigripes?A\ und die mit ihm verwandten Arten, (Ebendas.) Ausserdem bereitet Ganglbauer zwei grössere Arbeiten vor, eine Monographie der paläarktischen Proceriis, Procrustes, Carabus, Calosoma und Callisthene und Be- stimmungstabellen der paläarktischen Buprestiden, die im Laufe des Jahres erscheinen dürften. F. Kohl, Die Gattungen und Arten der Lariden. (Vcrhandl. d. zool.-bot. Ges. in Wien, Bd. XXXIV.) F. Kohl, Die Gattungen der Sphecinen und die paläarktischen Sphexarten (Termeszetrajzi Füzetek, Vol. IX, p. 2, Budapest.) F. Kohl, Zur Synonymie der Hymenoptera aciileata. (Entomol. Nachrichten, XI. Bd., i885, Berlin.)" Dr. Fr. Brauer, Systematisch-zoologische Studien. (Sitzungsber. d. k. Akad. der Wissenschaften, Bd. XCI.) Weiter hat Herr Gustos Brau er einengrossenZettelkatalog aller bekannten Dipteren, den Dr. R. Schiner angelegt und bis zum Jahre 1868 fortgeführt hatte, für die folgen- den zwölf Jahre bis 1 880 vollendet, eine höchst werthvolle Arbeit, da bisher keine Ge- sammtübersicht der Dipteren in der Literatur vorhanden ist. Auf Grundlage des Materiales in dem Museum verfasste Herr A. Schletterer seine Abhandlungen über die Hymenopterengattungen Gasterupia (Foeniis) und Evansia in den Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft. Noch ist endlich beizufügen, dass Herr Director Steindachner auf Wunsch des österreichischen Fischereivereines als Delegirter an dem deutschen Fischereitag in München theilnahm. Am Rückwege besuchte er den Tegernsee und Ammersee, wie auch den Gardasee, um die in dem Museum befindlichen Sammlungen der Salmoniden zu bereichern. Er constatirte dabei, dass die Carpione (Gardasee-Lachsforelle) in der That zweimal im Jahre irn See selbst in grossen Tiefen laicht, und dass sie von den übrigen Lachsforellen österreichischer Seen specifisch verschieden ist. b. Botanische Abtheilimg. Herr Dr. G. Beck veröffentlichte in den Schriften der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft die Abhandlungen »Zur Pilzflora Niederösterreichs«, III, — »Ueber die Ent- wicklungsgeschichte vom Ustilago Maydis\]\\2,.■> Mittheilungen« der anthropologischen Gesellschaft in Wien, die sich, eine .von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung in der Fachliteratur errungen haben. Vorträge in den Versammlungen und Notizen in den Mittheilungen der Gesellschaft gab er über prähistorische Funde bei Ruda Rozaniecka in Galizien, über Schädel aus Peru, über einen Bronzekelt aus Oberitalien, über einen Fund von Bronzeringgeld bei Ung.-Hradisch, über die Ausgrabungen bei Rosegg und über jene bei Gurina in Kärnten, über die La-Tene-Funde in den öster- reichischen Alpen und über die Technik prähistorischer Thongefässe. Ueber die Ausgrabungen in den Höhlen des oberen Kremsthaies berichtete er in einer Sitzung und in den Mittheilungen der Section für Höhlenkunde des österreichischen Touristenclub, und im österreichischen Ingenieur- und Architektenverein hielt er einen Anthropologisch-ethnographische Abtheilung. ^5 Vortrag über die Massnahmen hei prähistorischen Funden, dessen wesentlicher Inhalt in der Zeitschrift dieses Vereines zum Abdruck kam. Beinahe an allen von der prähistorischen Commission der kais. Akademie der Wis- senschaften sowohl, wie von der anthropologischen Gesellschaft im Laufe des Jahres durchgeführten Ausgrabungen war derselbe betheiligt und unternahm zu diesem Zwecke zum Theil wiederholte Reisen und Ausflüge in das Höhlengebiet von Mähren, nach den Höhlen im Kremsthalc und den schon bei früherer Gelegenheit genannten prähisto- rischen Fundstellen in Niederösterreich, nach St. Michael bei Adelsberg, Gurina und Roscgg in Kärnten und recognoscirte im Spätherbstc noch die Gräberstätte von St. Lucia bei Tolmein. Einen sehr wesenthchen Antheil endlich nahm Herr Szombathy an den Arbeiten des Karstcomites des österreichischen Touristenclub. Inbesondere führte er für dieses die Vermessung und das Nivellement der merkwürdigen Piuka Jama-Höhle durch. Auf ethnographischem Gebiete endhch gab Herr Gustos Heger in den Schriften der anthropologischen Gesellschaft Mittheilungen »über die Steinzeit in Afrika« und »über die Tätowirung bei den Südsee-Insulanern«, und Herr Dr. Haberlandt in den- selben Schriften über die Frage: »Sind die Indogermanen in Europa eingewandert«, — »Ueber den dritten Acrama der Inder« und »Ueber Verbreitung und Sinn der Täto- wirung«; in Leipzig bei Liebeskind erschienen von ihm »Indische Legenden« XVI, 76 Seiten. Mit einer von dem hohen k. k. Obersthofmeisteramte erhaltenen Subvention unter- nahm Herr Gustos Heger eine scchswöchentliche Studienreise nach München, Paris, London, Brüssel und Antwerpen, zunächst zum Studium der Aufstellung der ethno- graphischen Sammlungen in den grossen Museen dieser Städte. Allerorts auf das Freund- lichste in seinen Bestrebungen gefördert, hat er dabei reiche Erfahrungen gesammelt und Verbindungen angeknüpft, die unserem Museum zu Gute kommen werden. Eine zweite Reise unternahm Herr Heger nach Budapest, hauptsächlich um die auf der dor- tigen Landesausstellung reich vertretenen ethnographischen Objecte aus dem Lande, die den noch erhaltenen, aber rasch verschwindenden volksthümlichen Typen angehören, kennen zu lernen und damit Vorstudien über die noch offene Frage einer Einbeziehung auch der europäischen Ethnographie in den Rahmen unserer Musealsammlungen zu machen. Schlusswort. Ein reiches Bild administrativer und wissenschaftlicher Thätigkeit entrollte sich unseren Augen, indem wir die letztjährige Geschichte des naturhistorischen Hofmuseums überblickten; mit pflichtgetreuem Eifer — es ist mir wohl gestattet es hier auszusprechen — ist jeder der bei demselben Bediensteten seinen Obliegenheiten nachgekommen und hat seine besten Kräfte eingesetzt, um den gesteigerten Anforderungen Genüge zu thun, welche in Folge der Uebersiedlung des Museums gestellt werden mussten. Dankbar durfte ich anerkennen die reiche Beihilfe, die uns von vielen Seiten her aus den verschiedensten Schichten der Bevölkerung von Gönnern und Freunden der Wissen- schaft im In- und Auslande zu Theil ward. — Die möglichste Förderung bei unseren Arbeiten und die wohlwollendste Unterstützung fanden wir jederzeit bei unserer vor- gesetzten Behörde, dem hohen k. k. Obersthofmeisteramte, und bei unserem obersten Ghef, dem ersten Obersthofmeister Prinzen Gons tantin zu Hohenlohe, welcher 46 Schlusswort. mit regstem Interesse für die Sache allen unseren Wünschen ein geneigtes Gehör ent- gegenbrachte. Mit dem Gefühle ehrfurchtsvollsten innigsten Dankes aber blicken wir empor zu Seiner k. und k. Apostolischen Majestät, unserem all ergnädigsten Kaiser und Herrn, welcher, den ruhmvollen Traditionen seines erhabenen Hauses folgend, der Pflege der Wissenschaft allerorts in dem weiten Reiche einen erhöhten Aufschwung verlieh und in dem Palaste, den wir soeben bezogen, der Naturkunde eine Heimstätte schuf, wie sie ihrer würdiger nicht gedacht werden kann. Druck von ADOLF HOLZHAUSEN in Wien, ifiiSiairfi!' iiiiiii «.,,„ --^' C - w P O d: u o H (/) IX D < Z w < Q Ueber die miocenen Pteropoden von Oesterreich- Ungarn mit Bcrücksichtii^ung verwandter Vorkommnisse der Naclibarländer. Von Ernst Kiltl Mit einer lithogr. Tafel (Nr. II;. Uie Pteropoden des österreichisch-ungarischen Miocens wurden bisher nirgends ausführhcher behandelt. Kennt doch M. Hornes (i856) nur eine einzige Art aus dem Wiener Becken. Später hat Reuss einzehie Formen aus Wieliczka be- schrieben. Vereinzelte Angaben findet man in späteren Publicationen von Dr. A. Bittner, Makowskv und Rzehak, Prof. Ed. Suess.^) Unten werden wir die betreffenden ge- nauen Citate zu geben haben, welche sich auf die angeführten Arbeiten beziehen. Ent- sprechend der Seltenheit der fossilen Funde von Pteropoden in Oesterreich -Ungarn, muss man das uns vorliegende Material als ein ziemlich umfangreiches bezeichnen. Es schien uns angezeigt, so viel als möglich ausländisches Material theils zum Vergleiche mit unserem, theils, weil es uns neu erschien, mit zu berücksichtigen. Das inländische Material stammt nur geringen Theiles aus eigenen Aufsammlungen, dagegen bot sich erstlich ein werthvoller Stock in der Sammlung des k. k. mineralogischen Hof- c a b i n e t e s ( j e t z t i n d i e g e o I o g i s c h - p a 1 ä o n t o 1 o g i s c h e S a m m 1 u n g d e s ]<.. k. n a t u r- historischen Hofmuseums übergegangen) dar, sodann erhielt ich werth volles Material aus dem Ostrau-Karwiner Gebiete von Herrn Oberingenieur .T. Eric, Betriebsleiter der Kohlengruben iler Kaiser Eerdinand-Nordbahn in Polnisch-Ostrau, von dem erz- herzoglich Albrecht'schen Schichtmeister C. Fallaux in Karwin, sowie auch von dem Herrn Ingenieur K. Prausa der Alpinen Montangesellschaft in Orlau. Herrn Prof. Ant. Rzehak in Brunn verdanke ich mährische Fundstücke, Herrn Dr. A. Bittner in Wien die von Trifail. Ausländische Vorkommnisse fanden sich in der alten Samm- lung des k. k. Hofmuseums vereinzelt vor; italienische Vorkommen waren in den von Herrn Gustos Th. Fuchs seinerzeit zusammengebrachten Sammlungen gut vertreten. Eine schöne Serie aus den Pteropoden-Mergeln von Serravalle hat jüngst Herr Prof. G. Maver in Zürich an das kaiserliche Museum eingesendet, und endlich überliess mir Herr N. Andrussow in Odessa von ihm in der Krim jüngst entdeckte Pteropoden in freundlicher Weise zur Bearbeitung. Den Herren Prof. Dr. Fried r. Brauer und Dr. Em. Edlen von Maren zeller, sowie Herrn Dr. Ed. Becher verdanke ich die Benützung der Literatur, sowie des recenten Pteropoden-Materiales im k. k. zoologischen Hofcabincte. Der theil- nehmendsten Förderung meiner Arbeiten hatte ich mich von Seite des Herrn Gustos Th. Fuchs zu erfreuen. ') Das Antlitz der Erde, I. Theil, pag. 398. Aunalen des k. k. naturhistorischen Hofmuseums, Bd. I, Heft 2, 1886. 48 Ernst Kittl. Pteropoda Cuvier. Ihrer zarten, gebrechlichen Gehäuse wegen sind die Pteropoden fossil nur in selte- neren Fällen nachweisbar und ihrer geringen Grösse wegen werden die Gehäuse über- dies leicht übersehen, namentlich dann, wenn sie nicht in grösserer Menge vorkommen. Es sind bis jetzt fast nur mikroklastische Gesteine als solche bekannt, in welchen sich die Gehäuse der Pteropoden fossil erhalten haben. In feinen Sanden finden sie sich zu Saucats (und Leognan), Rebeschowitz, in feinen, zum Theile sandigen oder mergeligen Thonen treffen war sie an: in Baden bei Wien, im Gebiete von Mährisch-Ostrau, zu La- pugy und Kostej in Ungarn, bei Nusslau nächst Brunn, sehr häufig in Italien, so zu Serra- valle in Piemont, zu Orciano in Toscana, in den Mergeln des Monte Vaticano bei Rom etc.; mitunter in den Thonen verkiest (häufig in Mittelitalien), so auch in den Salzthonen von Ronaszek in Ungarn (Marmaroser Comitat) und bei Langenfelde. Bedeutsam ist auch das Vorkommen im Steinsalze oder Salzthone, so bei Wieliczka in Galizien (und Ronaszek). Seltener sind Pteropoden-Gehäuse so massenhaft angehäuft, dass sie gesteinsbildend werden, wie dieselben jüngst Herr N. Andrussow in Odessa am Ufer des Azow'schen Meeres aufgefunden hat.') Gar nirgends fand man sie bisher in ausgesprochenen Litoralbildungen, man wollte denn die Sande von Leognan und ähnliche dazu rechnen. Wenn auch das Vorkommen in Littoralablagerungen nicht als durchwegs ausgeschlossen zu betrachten sein wird, da einzelne Gehäuse immerhin durch Fluth oder Strömungen von ihrem eigentlichen Lebensgebiete, der hohen See, weggeführt und an den Strand geworfen werden konnten, so wird doch ihre Fossilisation durch das grobe Material der Litoralzone und die in derselben lange Zeit hindurch thä- tigen, bewegenden und zerstörenden Kräfte in besonders hohem Masse erschwert. So viel sei bezüglich der Art der fossilen Erhaltung der Pteropoden bemerkt. Was nun die Faunen betrifft, an deren Zusammensetzung sie Antheil nehmen, so sind es meist echt abyssale Faunen, häufig auch die Fauna der Pleurotomenthone (nach Fuchs-); selten sind jedenfalls sublitorale Faunen, wie bei Leognan und Saucats, vielleicht auch Rebeschowitz in Mähren. Die Faunen der Pleurotoraen-Thone führt in Baden, Lapugy und Ruditz^) Pteropoden, obwohl nur selten. Die Fauna des Tegels von Polnisch-Ostrau, Dombrau, Orlau, Peterswald und anderen Localitäten aus der Umgebung von Mährisch- Ostrau schliessen sich an die Fauna der echten Pleurotomen-Thone nahe an, wie wir an einem anderen Orte zu zeigen Gelegenheit haben werden. Entschieden abyssale Faunen scheinen uns dagegen jene zu sein, in welchen sich fast regelmässig die Pteropoden-Reste in grossen Mengen finden, ^) wie bei Serravalle di Scrivia,-'') am Monte Vaticano bei Orciano etc. (überhaupt sind die miocenen und pliocenen Pteropoden-Mergeln Italiens hieherzustellen), ferner der sogenannte »Schlier« von Nusslau in Mähren, sowie mehrere Localitäten bei Mährisch-Ostrau, sowie die Vorkommnisse am Azow'schen Meere. An einzelnen dieser Localitäten mit pelagischen Auslagerungen gewinnt es den Anschein, 1) N. A ndrussow, Ueher das Alter der unteren dunklen Schieferthnne auf iler Halbinsel Kcrtsch. Verhandlungen der k. k. geologischen Rcichsanstalt 1885, pag. 213 u. f. 2) Th. Fuchs, Welche Ablagerungen haben wir als Tierseeablagcrungcn zu betrachten r Neues Jahrb. f. Min. 1882, Beilage, Rand II, pag. 527. ^) Makowsky und Rzehak, Die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Rriinn (N'crh. des naturf. Vereines in Brunn, XXII. Band, pag. 138.) ■)) Th. Fuchs, 1. c, pag. 508 und 525. ?) \'gl. auch Fischer, Manuel de Conchyliologie, pag. 187. Ueber die miocenen Pteropoden von Oesterreich-Ungarn. ^q als wenn ganze Pteropoden-Schwärme gleichzeitig den Tod gefunden hätten.') Vielleicht musste eine Strömung diese Schwärme fortrcissen und sich dann mit trüben, vom Ufer her kommenden Wässern mischen, um eine so massenhafte Vertilgung dieser Organis- men herbeizuführen. Die in dem Folgenden abgehandelten Pteropoden gehören jenen zwei Familien an, welche überhaupt fossil vertreten sind, nämlich den Hyalaeiden einerseits und den Spirialidcn (Limaciniden) andererseits. Zu den ersteren gehören alle geraden, in der Regel symmetrischen Gehäuseformen, zu den letzteren die linksgewundenen, spiral auf- gerollten Gehäuse. I. Hyalaeidae Mcnke. Die Gehäuse der hielicr gchöi-igen miocenen und pliocenen Gattungen: Ciivicria, Creseis, Vaginella, Balanthim, Diacria, Clcodora und Hyalaea (CavoUnia und Gamo- pleiira) haben einen symmetrischen Bau ; Abweichungen von dieser bilateralen Symmetrie kommen gleichwohl bei einzelnen Individuen in untergeordnetem Masse vor. Die Ge- Iiäuse sind gerade oder wenig gekrümmt; die Spitze, welche wir als Embryonaltheil be- zeichnen werden, ist nach hinten, seltener nach vorne aufgebogen. Dieser Embrvonal- theil ist entweder einfach konisch oder zugeschärft, oder aber mit einem Bläschen oder wenigstens einer Erweiterung endigend. Der Mundrand wird vorne und hinten oder nur hinten von je einer Lippe oder einem Lappen begrenzt; im letzteren Falle, wenn nämlich der vordere Lappen fehlt, ist der Vordertheil des Gehäuses schwach nach oben gekrümmt oder gerade abgeschnitten. Der hintere Lappen kann auch sehr weit aus- gezogen sein, ist dann aber in die Medianlinie zusammengedrängt. Selten ist der Mund- rand gerade abgeschnitten, einfach kreisrund oder queroval. Von den beiden Lappen des Mundrandes ist der hintere meist der höhere oder längere. Die Vorderseite des Ge- häuses, welches gewöhnlich von vorne nach hinten etwas zusammengedrückt ist, zeigt sich in der Regel stärker gewölbt als die hintere. In dem uns vorliegenden Materiale sind die folgenden Gattungen vertreten: Creseis, Vaginella, Balantium und Hyalaea. 1. Genus Creseis Rang. Gehäuse klein, langgestreckt konisch, von meist kreisförmigem Querschnitte, unten zugespitzt; die ganze Schale glatt oder fein quergestreift, ohne Seitenkanten, zuweilen mit I — 2 Längsfurchen. Mündung einfach weit, senkrecht oder schief zur Längsaxe, in der Regel mit hinterem Lappen versehen. Diese Gattung ist wohl mit Styliola idcnt. Lesueur's Begründung der Gattung Stjdiola-) war nicht mit Sicherheit zu eruiren. Rang's^) Aufstellung des Namens Creseis (1S28) ist jedenfalls ganz zutreffend und wird jetzt auch meist in dem von uns angenommenen Lhnfange acceptirt. Dagegen scheint uns der Unterschied, welchen •) Vgl. nuch E. Sil CSS, I.e. 2) Gcwrihnüch findet man »Annalcs Mus. sciences naturelles, tome XIII'< (oder XY) citirt, sowie die Jahreszahlen 1825? (1826?). — Nach Dcshaycs, Anim. sans verteb. vol. II, pag. 186, scheint über- haupt nur ein diesbezügliches Manuscript cxistirt zu haben. Dieser Autor schreibt: »Lesueur les avait c'galement observcs, et dans iin manuscrit communique ä Rlainville, il leur avait donne le nom de Styliola.'!: j) Annales Mus. sciences naturelles 1828, tome XIII, Rang, Notice sur quelques mollusques tenant au genre Cleodore etc. 5o Ernst Kittl. P. Fischer') wohl nach de Föhns zwischen Stj-Jiola und Creseis macht, hinfälHg zu sein. Styliola soll nämlich eine embryonale Erweiterung besitzen, die bei Crcseis fehle. Nach unseren Beobachtungen tritt diese Erweiterung schon bei derselben Art oder Form nicht ganz constant und in verschiedenem Grade auf und kann bei einer Art oder F'orni nur entweder als häuhg vorhanden oder als häufig fehlend angegeben werden. Aus diesen Gründen haben wir Rang's Namen vorziehen zu sollen geglaubt. Von älteren, ganz zweifelhaften Formen (in paläozoischen Ablagerungen) ab- gesehen, erscheint die Gattung Crcseis erst im Miocen. Während aus den italienischen Tertiärbildungen mehrere Formen bekannt sind, haben wir aus dem Miocen Oesterreich- Ungarns nur deren zwei anzuführen, wovon die eine überdies nur zweifelhaft ist. Creseis Fiichsi n. f. Taf. II, Fig. 1—3. Die Schale ist cylindrisch bis spitz konisch, in der oberen (der Mündung zu liegen- den) Hälfte etwas von vorne nach hinten zusammengedrückt; der Querschnitt ist in der unteren Hälfte der Schale nahezu oder ganz kreisförmig, in der oberen Hälfte quer ver- breitert. Die Mündung ist zur Axe schräg gestellt. Die vordere Seite des Mundrandes ist horizontal abgeschnitten, die hintere Seite zu einem Medianlappen ausgezogen. An der Schale sind aussen deutliche Anwachsstreifen bemerkbar, die von unten nach oben auf der Hinterseite allmälig mehr nach aufwärts gezogen sind, um bei der Mündung den schon erwähnten Lappen zu bilden. Innen ist die Schale glatt und glänzend, aussen dagegen matt. Das abgebildete Exemplar ist 9-5 Mm. lang und ro Mm. breit; von der Spitze aus in einer Entfernung von 4 Mm. macht sich die Zusammendrückung der Schale in der Weise bemerklich, dass das von vorne gesehene Gehäuse sich nach oben wenig konisch erweitert, die Seitenansicht aber diese konische Erweiterung von diesem Punkte an nicht mehr zeigt, sondern das Gehäuse von hier ab bis zur Mündung gleich breit verläuft. Auf diese Weise geht die Umwandlung des unteren kreisförmigen (Querschnittes in den oberen quer-ovalen vor sich. (Man vergleiche Figur i auf Tafel IL) Eine Contraction oder eine Erweiterung der Schale in der Nähe des Mundrandes ist nicht vorhanden. Die Spitze des abgebildeten Exemplares ist etwas seitlich gebogen, so dass die mediane Svmmetrie- ebene dadurch verschwindet. Es kann diese Eigenthümlichkeit jedoch nur als eine indi- viduelle betrachtet werden, da dieselbe oft bei einzelnen Individuen von sonst ganz symmetrisch ausgebildeten Pteropoden-Gehäusen auftritt. So findet man dies bei VcXi^i- nclla austriaca und Vaginella deprcssa, ferner bei manchen Balantien etc. Von den recenten F"ormen steht die in der zoologischen Abtheilung des k. k. natur- historischen Hofmuscums aufbewahrte und i\\s Styliola 7*ec/aLesueur bezeichnete Cre.vt'/.v aus dem atlantischen Ocean so nahe, dass Manche kaum angestanden hätten, beide als identisch aufzufassen; da jedoch die Bestimmung der recenten Form der nöthigen Authen- ticität entbehrt und deren Gehäuse noch etwas mehr langgestreckt sind als bei eler fos- silen, so habe ich es vorgezogen, für die fossilen, miocenen Schalen einen anderen Namen zu verwenden. Vorkommen: Zweite Mediterranstufe bei Forchtenau (3 Exemplare). 1) P. Fischer, Manuel de C(>nch}liologie 1881, png. 437. lieber die miocenen Pteropoden von Oesterreich-Ungarn. 5 I Creseis (?) spiiia (Reuss). Clcf'dora {Crcseis) spina Reuss, Die fossile Fauna tici' Sicinsalzablai;cruni;cn \'on Wicliczi^a, Sitzungsber. der Wiener Ai (pag. 24 des Auszuges). -) Rang, Notice sur quelques moUusques tenant au genre Cleodore et monographie du sous- genre Creseis. Annales des sciences naturelles, tome XIII (1828). Man vergleiche auch Rang, Des- cription de cinq especes de coq. foss. Pteropodes in Annales des sciences naturelles, tome XVI (1829). 3) Michelotti, Description des fossiles des terrains miocenes de l'Italie septentrionale. Leyden 1847, pag. 147. 4) Ponzi, 1. c, tav. III, tig 7. ^) Bellardi, Molluschi terz. del Picmonte e della Liguria vol. I, 1872, pag. 35, tav. III, lig. 17. ö) Bellardi, 1. c, tav. III, tig. 18. 54 Ernst Kittl. und nimmt von der grössten Breite, welche etwa in der halben Länge liegt, gegen die Spitze zu langsam und regelmässig ab; es ist nie hauchig angeschwollen. Die Mündung, ist mit scharfen geraden Mundrändern versehen, die vorne und hinten stark ausgehogen sind; es senkt sich deshalb der Rand an den Seiten herab. Besonders charakteristisch für Vaginella teiiuistriata ist das Fehlen seitlicher Kanten, sowie das Auftreten einer äusserst feinen, nur unter der Lupe wahrnehmbaren Längsstrcifung. Durch dieses letztere, freilich nur auf der äussersten Schalenlage älterer Individuen erkennbare Merk- mal unterscheidet sich diese bisher nur aus dem sogenannten »Sternberger Gestein« Mecklenburgs bekannte Form von allen anderen ähnlichen Vaginellen, von welchen schon Semper die bereits oben erwähnte Vaginella Calandrellii Michti. hervorhebt.') Die Dimensionen des abgebildeten, aus der Wie ch mann 'sehen Sammlung in die des k. k. naturhistorischen Hofmuseums übergegangenen Exemplares sind: Länge 14 Mm., Breite 3-7 Mm., Dicke 3-o Mm. Vorkommen: Oligocenes Sternberger Gestein Mecklenburgs; es liegen uns i5 Exemplare vor. Nach Koch-) ist dieses einzige Vorkommen so charakteristisch und häufig, dass die Vaginella tenuistriata »recht eigentlich als eine Leitmuschel dieses (des Sternberger) Gesteins anzusehen ist«. VagineUa austriaca n. f. Taf. II, Fig. 8 — 12. 1851. Vaginella dcpressa (partim), M. Hörnes, Fossile Mollusken des Wiener Beckens I, Taf. 50, F"ig. 42 a, pag. 663. 1880. Vaginclla cf. dcpressa (partim), A. Rzehak, Die ältere Mediterranstute bei (jross -Seelowitz, \'erh. der k. k. geol. Reichsanstalt 1880, Nr. 16. 1884. VagineUa cf. dcpressa (partim), A. Makowsky und A. Rzehak, Die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Brunn, pag. 118. Die Schale ist zart, glatt, länglich-pfriemförmig, unten zugespitzt, in einen faden- förmigen, mit einer Erweiterung versehenen Embryonaltheil auslaufend, der nach vorne etwas aufgebogen ist. Die eigentliche Schale trägt zarte, nach oben gekrümmte An- wachsstreifen; die Mitte der Schale ist schwach bauchig aufgetrieben, die Vorderseite mehr gewölbt als die Hinterseite. Der QLierschnitt der Schale ist nur in dem, dem Embryonaltheile zunächst liegenden Theile, sowie in jenem selbst kreisförmig, weiter oben stets elliptisch; unterhalb der Mündung ist das Gehäuse in seitlicher Richtung fast gar nicht, von vorne nach hinten nur wenig contrahirt. Die Mündung selbst erscheint dagegen etwas zusammengedrückt; von oben gesehen ist sie länglich, schlitzförmig, an den Seiten abgerundet. Vorne und hinten wird der Mundrand von je einem breiten, ') In der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums befinden sich auch die von F. v. Hochstetter auf der Nordinsel von Neu-Seeland in der Orakei-Bay gesammelten Vaginellen-Stein- kerne. Dieselben schliessen sich in Form und Grösse an Vaginella tenuistriata an. Es sind jedoch bei den meisten Exemplaren discontinuirliche Seitenkanten angedeutet; v. Hochstetter citirt diese Vaginellen-Steinkerne auch aus den Papakura-Bergen. An beiden Localitäten finden sie sich in ter- tiären Sandsteinen (Waitemata-Schichten). Man vergleiche: Reise der österreichischen Fregatte Novara, Geologischer Theil, I. Band, i. Abtheilung. F. v. Hochstetter: Geologie von Neu-Seeland, pag. 41 und 43. Ferner 2. Abtheilung: Paläontologie von Neu-Seeland: K. A. Zittel: Fossile Mol- lusken etc., pag. 23, Fig. i d auf Taf. IX. -) F. ¥]. Koch, Katalog der fossilen Einschlüsse des oberoligocenen Sternberger Gesteins in Mecklen- burg. — Archiv des Vereines der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg, Jahrg. 30, 1876, pag. 181. Ueber die miocenen Pteropoden von Oesterreich- Ungarn. 55 meist geraden Lappen begrenzt, wovon der hintere in der Regel der höhere ist, selten sind sie in gleicher Höhe ausgebildet. Scharfe seitliche Kanten oder Leisten sind fast immer vorhanden, in der Mitte und im oberen Theile des Gehäuses verschwinden die- selben stellenweise oder ganz. In ihrer Fortsetzung findet man an den Seiten des Mund- randes an vollständig ausgebildeten Exemplaren kleine konische Erweiterungen oder Ausrandungen, welche niedriger als die erwähnten Medianlappen des Mundrandes sind und die von 'oben bemerkbaren seitlichen Abrundungen der Mundötfnung erzeugen. Auf diese Ausrandung pflegen sich die seitlichen Leisten nie zu erstrecken. Schon M. Hörnes') wies daraufhin, dass die österreichischen Exemplare derVagi- lu'Ila depressa schlanker geformt seien als die französischen; trotzdem nahm dieser Autor eine Abtrennung Jener von diesen nicht vor, wahrscheinlich lag damals noch nicht ge- nügendes Material vor. Auch v. Koenen-) gibt an, dass in dem ihm vorliegenden Ma- teriale aus dem norddeutschen Miocen mehrere Formen der »Vaginella depressa« zu unterscheiden seien; ob auch unsere Vaginella austriaca darunter sei, vermag man ohne Untersuchung der betreffenden Exemplare selbstverständlich nicht zu entscheiden. Die von Hörnes gegebene Abbildung eines Exemplares von Baden ist ziemlich richtig, nur ist die Schattirung nicht ganz entsprechend; diesem Exemplare fehlt auch der Embryonal- theil. Unter dem reichlich zu nennenden, uns vorliegenden Materiale fand sich nur das einzige, in Fig. 9 abgebildete, ganz vollständige Exemplar, bei welchem auch der so charakteristisch geformte, zarte Embryonaltheil erhalten ist. Fig. 10 ist dasselbe Exem- plar in doppelter Grösse, in Fig. 10 a dagegen ist der Embryonaltheil desselben in vier- facher Grösse dargestellt. Von der scharfen Spitze aus, die, wie schon oben bemerkt, etwas nach vorne gerichtet ist, erweitert sich der Embryonaltheil schwach konisch, ver- engt sich darauf wieder, um eine kurze, enge, cylindrische Röhre zu bilden, die sich erst weiter oben zu der eigentlichen Schale ganz allmälig zu erweitern beginnt. Da der Embryonaltheil nach vorne gebogen ist, so bildet dessen Axe mit derjenigen der eigent- lichen Schale einen stumpfen Winkel. Vaginella austriaca unterscheidet sich von der echten Vaginella depressa Daudin, mit welcher sie bisher verwechselt wurde, durch ihre schlankere Form, durch einen spitzeren Winkel der unteren Schalenhälfte, durch die Form des Embryonaltheiles, welcher bei Vaginella depressa in fast allen Fällen einfach konisch ist und direct in das eigentliche Gehäuse übergeht, endlich durch den viel weniger stark aufgetriebenen Mittel- theil des Gehäuses; auch ist die seitliche Contraction unterhalb der Mundöffhung eine geringere. Die schlanke, übrigens sehr seltene Varietät der Vaginella depressa (siehe F'ig. 20 und 21) steht in der allgemeinen Form unserer Vaginella austriaca noch am nächsten. Die unten zu beschreibende Vaginella Riehaki ist breiter und auch sonst in der Form von Vaginella austriaca verschieden. In den österreichisch-ungarischen Miocen- ablagerungen grösserer Tiefen ist die Vaginella austriaca gewiss sehr verbreitet und gelangt wahrscheinlich nur der grossen Gebrechlichkeit der zarten Schale wegen so selten in die Sammlungen. Die Dimensionen der abgebildeten Exemplare sind: Figur 8 und 12, von Baden; Länge 8-2 Mm., Breite 3-o Mm., Dicke 17 Mm. » 9 » 10, » Lapugy; » 5*2 » » 2*0 » » i-o » » II, » Baden; » 7-7 » » 2*8 » » i-6 » ') M. Hörnes, Fossile iMoUusken, pag. 664. 2) V. Koenen, Die Gasteropoda holostomata, Pteropoda und Ccphalnpoda des norddeutschen Miocen. Neues Jahrbuch für Mineralogie etc. 1882, Beilage-Band II, pag. 355 und 356. 56 Ernst Kitll. Als mittlere Dimension Nvürden diese Abmessungen ergehen: Liingc 7*7 Mm., Breite 2-6 Mm., Dicke 1-43 Mm. oder » 5 '4 » » i*8 » » i"oo » Vorkommen: In dem der zweiten Mediterranstufe angehörigen Pleurotomen- Tegel, und zwar von Baden (es liegen 11 Exemplare vor), Vöslau (i5 Exemplare), So OS (5 Exemplare), ferner aus den äquivalenten Bildungen Ungarns, und zwar von Forchtenau (i Exemplar), Kostej (i5 Exemplare), Lapugy (40 Exemplare, hier am besten erhalten), dann aus mährischen Localitäten, nämlich aus dem Tegel von Ruditz (4 Exemplare), D o m b r a u (7 Exemplare) und Po 1 n i s c h - O s t r a u, Josef-Schacht ( i i Exem- plare), endlich aus dem «Schlier» von Laa (i Exemplar) und Nusslau bei Seelowitz (16 Exemplare), Pratzer Berg bei Brunn (die von Herrn Professor A. Rzehak ein- gesendeten Exemplare von Vaginellcn-Steinkernen in einem Mergelknollen dürften am besten der Vaginella austriaca angeschlossen werden, wenngleich der Erhaltungszustand kaum eine sichere Bestimmung gestattet). Vaginella R{eha/d n. f. Tat". II, Fig. 13—10. 1880. Vaginclla ci. depressa (partim), A. Rzehak, Die ältere Mediterranstufe bei Gross -Seelowitz, Verli. der k. k. geol. Reichsanstalt 1880, Nr. 16. 1884. \'agindla cf. depressa (partim), Makowsky und Rzehak, Die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Brunn, Verh. des naturf. Vereines in Brunn, Band XXII, pag. 246. Die Schale ist in der oberen Hälfte (von der Mündung abgesehen) nahezu cylin- drisch, in der unteren Hälfte gleichmässig konisch unter einem Winkel von 3o bis 40" zugespitzt, die Spitze ist nur wenig ausgezogen. Der Querschnitt des Gehäuses ist ellip- tisch. Seitenkanten sind mehr oder minder deutlich ausgeprägt, aber stets vorhanden. Der Mundrand ist verbreitert. Die Mundöffnung ist länger und schmäler als der Qiier- schnitt. Ein uns von Herrn Prof. A. Rzehak mitgetheilter Abdruck von Seelowitz (siehe ■ Fig. 1 6) zeigt eine feine schüttere Längsstreifung angedeutet. Dieses Seelowitzer Exem- plar ist von besonderer Grösse, nähert sich in den Umrissen schon der Vaginclla au- striaca, während die besondere Grösse und die Längsstreifung an Vaginella tenuistriata erinnern. Möglicher Weise wird durch ein besseres Material eine genauere Bestimmung dieses Seelowitzer Exemplares ermöglicht werden. Die im Allgemeinen grosse Vaginella Riehaki ist breiter als V. austriaca und viel weniger bauchig als V. depressa, unterscheidet sich tüso hinlänglich von den beiden letztgenannten. Sie scheint für die älteren Mediterranbildungen Mährens und Schlesiens bezeichnend zu sein. Wahrscheinlich gehört ein Theil der von verschiedenen Autoren als Vaginella depressa aus oberitalienischen Tertiärablagerungen citirten Vaginellen hie- her; vielleicht auch sogar Vaginella Calandrellii und V. testudinaria Bellardi's.') Dass dessen Beschreibung nicht dafür spräche, wurde bereits oben erwähnt. Mir liegen jedoch einige, allerdings mangelhafte, Exeinplare vor, die ich an Vaginclla R:[ehaki -dnznschWQ^- sen keinen Anstand nehme. Wir hätten noch die von Speyer-) aus dem Casseler Oligocen beschriebene Vaginella depressa Spever (nee Daudin) als einer näher ver- wandten Form zu erwähnen. 1) Bellardi, 1. c. -) O.Speyer, Die Conchylien der Casseler Terliärbildungen, Cassel 1870, Fig. 11 und 12 Taf. 35, pag. 282. Lieber die miocenen Pteropoden von Oesterreich-Ungarn. 5- Die Dimensionen der abgebildeten Exemplare sind: Figur i3 von Polnisch-Ostrau; Länge 9-0 Mm., Breite 3-6 Mm., Dicke ? Mm. » 14 » Poremba; » yo » » 2*2 » » ? » » i5 » Dombrau; » ? » » 3"o » » 2*0 » » 16 » Seelowitzj » 11 "5 » » 4*0 » » ? » Das Verhältniss der Dicke zur Breite wurde noch an anderen, nicht abgebildeten Exemplaren gemessen; es ergab sich darnach die mittlere Dimension mit einer: Länge 9-2 Mm., Breite 3-3 Mm., Dicke 2-3 Mm. oder bei einer Dicke = r. » 3-() » » 1-4 » » i-o » Vorkommen: Im Schherthon von Seelowitz (i Exemplar), im Tegel von Pol- nisch-Ostrau (Josef-Schacht), von wo 7 Exemplare vorliegen ; im Tegel von P o r e m b a, Bohrloch II der Alpinen Montangesellschaft (i Exemplar); von ebendort, Bohrloch III (4 Exemplare); im Eleonoren-Schacht zu Dombrau (5 Exemplare in Fragmenten); von oberitalienischen Miocen-Localitäten liegen vor, und zwar von Turin: i Exemplar, von Serravalle di Scrivia: 6 Exemplare. Das mir von Herrn Prof. A. Rzehak mitgetheilte Exemplar von Seelowitz be- findet sich in der geologischen Sammlung der k. k. technischen Hochschule in Brunn. Die Exemplare von Polnisch-Ostrau verdanke ich Herrn J. Eric in Polnisch- Ostrau, welcher dieselben bei der Abteufung des Josef-Schachtes mit grosser Sorgfalt gesammelt hatte, die von Poremba übergab mir Herr C. Prausa in Orlau. VagincUa dcprcssa Daudin. Taf. II, Fig. 17-22, 34. 1800. Vagbictla dcprcsxa Daiulin, BuUclin soc. philomalique, 110.43, pag. i. 1823. Cleodova strangiilata Deshayes, Dict. class. vol. IV, pag. 204. 1825. VagineUa dcprcssa ßasterot, Mcm. Bordeaux, pag. 19, tab. IV, lig. 16. 1828. Crescis vagbiclla Rang, Annales des sciences naturelles vol. 13, pag. 309, tab. 18, fig. 2. 1829. » » » » » » » >, l(,^ » ^Qy^ » I,J^ y, ^_ 1840. Cleodova stvangulata Grateloup, Atl. conch. foss. Adour, tav. 1, fig. 3 und 4. 1842. Vaginula Daudinii Sowerby, The genera of recent and fossil shells (Pteropoda). 1842 und 1847. Clcodora stvangulata E. Sismonda, Synops. method. anim. invert. Pedem. foss., pag. 57. 1847. Cleodova stvangulata Michclolti, Description des fossiles des lerrains miocenes de Tltalie septentrionale, pag. 146. 1851. Vaginella depvessa (partim) M. Hornes, Fossile Mollusken des Tertiärbeckens von Wien, I. Band, pag. 664. 1852. Wiginclla depvessa A. d'Orbigny, Prodrome de paleont. strat. univers. des anim. moU. et ray., vol. III, pag. 96. 1861. Vaginclla depvessa Semper im Archiv, Mecklenburg, Band XV, pag. 274. 1872. Vaginella depvessa Bellardi, Molluschi terz. del Piemonte e della Liguria vol. I, pag. 34 (partim). 1873. Vaginella depvessa R. Tournouer, Terr. mioc. de Sos et Gabaret; Actes soc. Lin. Bordeaux, tome XXIX, pag. 266. 1S7G. Vaginella depvessa F. F. Koch, Katalog der fossilen Einschlüsse des Sternberger Gesteins. Mecklenburger Archiv, XXX. Band, pag. 180 (partim). 1879. Vaginclla depvessa G. Seguenza, Le formazioni terziarie della Prov. di Reggio (Calabria), pag. 60. 1880. Vaginella depvessa N. Tiberi, Cefalopodi, Pteropodi, Eteropodi viventi nel Mediterraneo e fossili nel terr. terz. italiano; Bulletino Soc. Malacologica Italiana vol. VI, pag. 37. 1882. Vaginella depvessa v. Koenen, Die Gastevopoda etc. des norddeutschen Miocen; im Neuen Jahr- buch für Mineralogie etc., Beilage-Band II pro 1882, pag. 356. Viele zweifelhafte Synonyme und minder wichtige Citate, namentlich in Lehr- und Handbüchern, sind in dem vorstehenden Literaturverzeichnisse nicht ani^eführt. 58 Ernst Kittl. Davon manchen Autoren andere Vaginellen mit der Vaginella depressa verwech- selt, zum Theile auch absichtlich mit derselben vereinigt wurden, so sehen wir uns ver- anlasst, die Charakterisirung der echten Vaginclla depressa in dem Folgenden genauer zu fassen. Die Schale ist glatt, in der Mitte stark bauchig aufgetrieben, unten mehr oder weniger scharf zugespitzt. Der Querschnitt ist in der Mitte kreisförmig bis elliptisch, oben, bei der Mündung zusammengedrückt; unterhalb der Mündung ist die Schale meist schwach eingeschnürt. Die längliche, schlitzförmige Mündung ist von zwei geraden ( d. h. in axialer Richtung stehenden) breiten, ausgerundeten Lappen begrenzt, auf welchen nur in seltenen Fällen am Rande eine bis drei, meist unregelmässige, wellenförmige Falten bemerkbar werden. Von der Spitze laufen bei einigen Exemplaren schärfere Kanten an dQ.n Seiten bis zu den abgerundeten und etwas ausgerandeten Mündungs- winkeln. Diese Kanten sind bei anderen Exemplaren auf dem bauchigen Mitteltheile der Schale oft nur angedeutet oder verschwinden hier ganz, um mitunter in der Nähe der Mündungswinkeln wiedei^ zu erscheinen. Es ist klar, dass die Form des Gehäuses in den verschiedenen Alterstadien sehr verschieden aussehen wird. Die Form der Mün- dung namentlich ist gerade bei der Vaginella depressa im Verlaufe der Ausbildung jenen bedeutenden Veränderungen unterworfen, welche sich durch die verschiedenen Anwachszonen hindurch zu erkennen geben. Im Embryonalstadium kreisförmig mit geraden Rändern, später elliptisch mit stark ausgebildeten Lappen oder Lippen (die Schale erinnert in diesem Stadium an Balantiiiin), dann immer mehr in die Breite ge- zogen mit endlichem Üebergang in die Form eines geraden, mitunter unregelmässig gewundenen Schlitzes, dessen Enden abgerundet erscheinen. So sind wir bei dem oben bereits charakterisirten Mundrande ausgewachsener Exemplare angelangt. Bezüglich desselben wäre nur noch zu bemerken, dass die unter- halb des Mundrandes auftretende Contraction die Ränder etwas ausgebogen erscheinen lässt, namentlich an den Seiten. Von der Seite jedoch gesehen, stehen sie gerade in axialer Richtung. Selten findet man die Mundränder von allen Seiten aus gesehen ganz gerade, was darauf hindeutet, dass das betreffende Individuum den Höhepunkt seiner Entwicklung noch nicht erreicht hat. Die Anwachsstreifen sind schon unter dem bauchigen Schalentheile stark nach auf- wärts gebogen, hier sogar meist stärker, als weiter oben, wo diese Ausbiegung in der Regel verhältnissmässig schwächer ist. Auf einer Schmalseite des Gehäuses sieht man daher die Anwachsstreifen an der Seitenkante unter einem nach oben geöffneten Winkel zu- sammenlaufen, der in der Mitte etwa qo Grad beträgt, oben und unten jedoch grösser ist. Die Seitenkanten ergeben sich als durch die Zuschärfung oder Ausrandung der suc- cessiven Mundränder i^ebildet. Die Spitze der Schale ist einfach ausgezogen und zugeschärft und hat in der Regel keine embryonale Erweiterung, wenigstens haben wir bei den zahlreichen uns vorliegen- den Exemplaren nirgends eine bemerken können. Die weitaus meisten der uns vor- liegenden Gehäuse sind kurz und bauchig aufgetrieben, nur einzelne Exemplare sind schlank, es fehlt diesen letzteren aber nicht die bauchige Auftreibung, nur liegt sie etwas weiter unten. Die schlanken Exemplare haben gleichsam nur den über der bauchigen Erweiterung liegenden eingeschnürten Schalentheil cvlindrisch verlängert. Ob man es daher mit älteren Individuen oder mit einer besonderen Varietät zu thun habe, mag noch dahingestellt bleiben. Fig. 17 und 18 zeigen die Form der normal ausgebildeten Ge- häuse, Fig. IC) ist ein stark bauchiges Exemplar in zweifacher Grösse. Ein schlankes Exemplar ist in P"ig. 20 und 21 abgebildet. Wenn auch schon mehrfache Abbildungen Ueber die miocenen Pteropoden von Oesterreich-Ungarn. 5q dieser VagincUa existiren, so zeigen sie alle einige Mängel und erlauben kaum die feine- ren Eigenthümlichkeiten der Schale, sei es in Form oder in Sculptur, zu erkennen; wir haben uns deshalb entschlossen, die echte Vaginella depressa von Leognan in mehreren Varietäten abzubilden, um einerseits eine genaue Abgrenzung gegen andere Vaginellen hiedurch zu unterstützen und andererseits einen Vergleich derselben mit dem ebenfalls abgebildeten Exemplare von Forchtenau zu ermöglichen. Spever') hat aus dem Oligocen von Nieder-Kaufungen bei Cassel zwei Steinkerne als Vagjnella depressa abgebildet und beschrieben, was ich hier erwähne, ohne diese Bestimmung als ganz sicher zu betrachten; übrigens sagt auch Sempera) über diese Exemplare, dass sie »mehr konisch seien, vom Tvpus abweichen, die seitlichen Leisten aber besitzen«. Auch Spever selbst spiücht von einer mehr konischen und einer bauchi- gen Varietät der Vaginella depressa. Es wäre wohl wahrscheinlich, dass die »konischen« Exemplare einer bisher genauer nicht gekannten Vaginella angehören, welche unserer Vaginella Riehaki nahe stehen würde. Was von den aus oberitalienischen Tertiär- Localitäten als Vaginella depressa angeführten Exemplaren zu dieser Form in unserer engeren Fassung zu rechnen sei, lässt sich natürlich ohne Vergleichung der betreffenden Originalexemplare wohl kaum genau angeben, es liegt uns aber auch die echte Vaginella depressa von Turin (vermuthlich aus den Serpentinsanden) vor. Die Vaginellen aus dem Schlier dürften zum Theile zu Vaginella R:^ehaki zu stellen sein. Die Dimensionen der abgebildeten Originalexemplare sind: von Figur 17 (Leognan) Länge yb Mm., Breite 3-2 Mm., Dicke 2-8 Mm. » » 18 » » A'G » » 2 "4 » » 2 '2 » » » I f) » » S'ß » » 3'2 » » 2'Q » » » 20&2I » » 6"5 » » 2'0 » » 2'0 » » » 22 (Forchtenau) ■- 4-0 » » i'6 » » i-5 » Wir erhielten demnach daraus die mittleren Dimensionen mit: Länge 5-8 Mm., Breite 2*5 Mm., Dicke 2-3 Mm. oder bei einer Dicke =1: >■> 2'5 » » i'i » » i "o » Vorkommen: Häufig im unteren Miocen (erste Mediterranstufe, Langhien und Aquitanien in Frankreich und Italien), so bei Saucats (Leognan) und Dax nächst Bor- deaux, bei Reggio in Calabrien,-^) bei Turin. Seltener im obern Miocen (zweite Medi- terranstufe, Helvetien und Tortonien), so in Ungarn, in Belgien bei Edeghem im »Diestien«.!) Ferner selten im Miocen Norddeutschlands; v. Koenen-'') citirt von dort die Localitäten: »Holsteiner Gestein bei Stolpe (Reimers), Kiel, Ellerbeck, Rein- beck (Koch)«. In der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums zu Wien liegen uns Exemplare vor von: Merignac (10 Exemplare), Saucats bei Leognan (circa i5o Exemplare), Turin (2 Exemplare), Kiel (2 Exemplare); endlich aus Ungarn: von Forchtenau (2 Exemplare) und von Oedenburg (4 Exemplare). ') O. Speyer, Die Conchylien der Casselcr Tcrtiärbildun^cn, I. Cassel, 1870, pag. 282, Fig. 11 und 12 auf Taf. 35. 2) Sem per, 1. c, pag. 276. 3) Seguenza, 1. c. 4) Nach einer von Nyst gegebenen Liste in G. Dewalque, Prodrome d'une description geol. de la Belgique 1868, pag. 426. — M. Mourlon nennt die betreffenden Ablagerungen »mio-pliocene«. (Geologie de la Belgique 1880.) ^) V. Koenen, 1. c. 6o Ernst Kiltl. Vaginella lanceolata v. Kocnen. Taf. II, Fig. 34. 1846. Bcicmuitcs lauccnlatiis F.. Roll, Gcognosie der Ostseeländer, pag. T76, Taf. II, Fig. 16. 1840. Crcsci^ Daiidinn:, Vagiiuila Dmidinii Sow? H. Karsten, Verzeichniss der im Rostocker aka- demischen Museum befindlichen Versteinerungen aus dem Sternberger Gestein, pag. 10. 1861. Vaginclla depressa J. O. Seniper (partim), Katalog einer Sammlung Petrefacten des Sternberger Gesteins; im Mecklenburger Archiv, Band XV, pag. 274. 1876. Vaf;iuclla depressa F.E.Koch, Katalog der fossilen Einschlüsse des oberoligocenen Sternberger Gesteins in Mecklenburg. — Mecklenburger Archiv, XXX. Band, pag. 180. 1882. Vaginella lanceolata v. Koenen, Die Gastcropoda. Cephalopoda und Pteropoda des nord- deutschen Miocen. Neues Jahrbuch für Mineralogie etc., Beilage-Band II pro 1882, pag. 356. Nach V. Koenen's Vorgange, welchem wir uns anschhessen, ist die Vaginella depressa aut. des Sternherger Gesteins nicht mit der echten V. depressa zusammen- zustellen. Die erste charakteristische Beschreibung lieferte ßoll; er hebt eine tiefe Mar- ginalfaltc hervor; aus der Abbildung scheint aber hervorzugehen, dass die andere, sym- metrisch dazu auf der andern Seite gelegene von ihm nur übersehen wurde. Karsten's Beschreibung dagegen ist vollkommen zutreffend; er schreibt: »Unsere Exemplare sind i'/o"' — 2'" lang, bauchig, mit kurzer, rasch abnehmender Spitze, die Oeffnung platt- gedrückt, mit zwei tiefen Falten, so dass sie dreilappig erscheint.« Koch verwechselt diese Form wieder mit der echten Vaginella depressa, wie dies vor ihm schon Sem per that, aber er führt an, dass ihm ein Stück vorgelegen habe, »welches ein deutliches Tröpf- chen ander Spitze zeigt.« Es weist diese Beobachtung auf eine Erweiterung des Embryonal- theilcs hin. Endlich hebt v. Koenen hervor: »Bei den Stücken aus dem Sternberger Gestein sind diese Einsenkungen (nämlich die submarginalen vom Mundrande abwärts laufenden) tiefer, rnehr furchenartig, länger nach unten fortgesetzt, weiter von der Seite entfernt und dieser ziernlich parallel. Diese Vorkommnisse, welche von Boll als Vagi- nella lanceolata ') beschrieben wurden, sind hiernach nicht mit V. depressa zu vereinigen.« In der Hauptform stimmt die Vaginella lanceolata mit schlanken Exemplaren der V. depressa überein. Der Unterschied von diesen liegt in den auf der Vorderseite-) ge- legenen, den Seiten parallelen, vom Mundrande abwärts laufenden, eingestülpten Falten, sowie in der dadurch bedingten drcilappigen Form der Mundöffnung. Eine Verbreite- rung des Mundrandes gegenüber dem unmittelbar darunter liegenden Schalentheile konnten wir an den uns vorliegenden Exemplaren nicht wahrnehmen. Die angeführten submarginalen Falten verschwinden vor der Ausbauchung in ein Drittel bis ein Viertel der Schalenlänge. Das Embryonalende würde nach der schon angeführten Beobachtung Koch 's eine Erweiterung zeigen. Das abgebildete Exemplar hat folgende Dimensionen: Länge 5-3 Mm., Breite 2-1 Mm., Dicke rq Mm. für eine Dicke = i sind: » 2*8 » » ri >■- > i "o » Vorkommen: Bisher mit Sicherheit nur aus dem oligocencn Sternberger Ge- stein Mecklenburgs bekannt; es liegen uns acht Exemplare vor. •) Boll hat, wie oben gezeigt, diese ["orm als ^^Bclcmnites lanccnlatus« angeführt, weshalb wir Koenen ilie Autorschaft zuschreiben. 2) V. Koenen (1. c.) nennt sie die »Dorsals'eite«. lieber die miocenen Pteropoden von Ocsterreich-Ungarn. 6i Ucbersicht der beschriebenen Formen von Vaginella und ihrer Dimensionen. Vaginella Lapiif^yensi.'^ « teniiistriata « austriaca . « R~ehaki . . « depressa . « laiicenlata Mittlere Dimensionen Dimensionen be Dicke = einer I Länge Breite Diclve Länge Breite Dicke Mm. Mm. Mm. Mm. Mm. Mm. 7-5 2-0 '•4 5-4 '■4 I -o 9" 5 2'2 I-Q 5'o I -I ro 77 2-6 '■4 5-4 1-8 i-o 0-2 3'3 2-3 3'9 '•4 I -o 5-8 2-5 2-3 2-5 1 -i ro 5-3 2-1 1-9 2-8 I • I lO 3. Genus Balanlium Adams.') Schale scheidenformig, mit scharfkantigen Seitenrändern,^) unten zugespitzt, ge- rade oder mit nach hinten aufgebogener Spitze, in der Regel mit einer embryonalen Erweiterung versehen. Vorder- und Hinterfläche gewölbt,^) quer gestreift, der obere Theil beider oder der Hinterfläche allein mit Längsrippen oder Längsrinnen versehen. Querschnitt länglich, beiderseits zugespitzt; die Mündung von derselben Form wie der Querschnitt, einfach weit, beiderseits abgestutzt. Der grösste Theil der hieher gehörigen recenten Formen ist nur wenig länger als breit, unter den tertiären Balanticn findet man dagegen häufig schmälere Formen neben breiten, den recenten ähnlichen. Man kann sämmtlichc Formen zuni Zwecke einer besseren Uebersicht in mehrere Gruppen thcilen und wollen wir die folgenden anführen: I. Mittclbreite und breite Formen, beiderseits mit Längsrinnen oder Leisten. Beispiele: Balantiiim deflexum v. Koenen,i) Balantium n. f.-'') 1) Adams, Genera of mollusca 1858, citiren »Leach« als Autor, Chenu im »Manuel de Con- chyüologic« dagegen: »Leach? 1833?« Woodward im »Manual of the mollusca«: »Leach M. S.«; aus diesem letzteren Citat scheint hervorzugehen, dass Leach eine Diagnose der Gattung Balantium niclit puhlicirt hat. 2) Sollte dies Merkmal an einer oder der anderen recenten Form von Balantium fehlen, so hätte es als Gattungsmerkmal zu entfallen. 3) Ausser den von uns als typisch betrachteten recenten Formen wie: Balantium rccurvum Child., B. balantium Ferussac wird in der Regel auch die Cleodora australis Rang et Soul, zu Ba- lantium gestellt. Bei dieser Form ist aber nicht nur die obere Hälfte der Vorderseite concav, sondern scheinen auch die Scilcnränder nicht scharfkantig, sondern abgerundet zu sein. Diese beiden Eigen- thümlichkeiten fehlen aber den anderen Balanticn ganz, weshalb wir die genannte P'orm nicht zu der Gattung Balantium, dagegen eher noch in die Nähe der Gattung Vagincila gestellt sehen möchten. ■1) A. V. Koenen, Die Gasteropoden des norddeutschen Miocens (1. c), pag. 253, Taf. \"11, Fig. a, b. ?) Es ist dies eine fossile Form, welche in sehr schöner Erhaltung ein mir in der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuscums vorliegendes Gesteinsstück ganz erfüllt. Als Fundortsangabe ist die Bezeichnung: »Nordamerika« freilich nur ungenügend. Das Stück stammt aus der Sammlung, welche im .lahrc 1852 von Sr. Excellenz Herrn .loscf Ritter von Hauer dem Hof-Mineraliencabinete überlassen wurde. 52 Ernst Kittl. 2. Typische, breite Formen, welche höchstens auf einer Seite eine Längs- sculptur tragen, wie". Balantiinn reciirrum Children, B. Fallauxi. 3. SchlankereFormen, beiderseits ohne Längsverzierung, wie". Balantium pede- montaijum Maver, B. acutissimuin Seguenza, B. Bittneri. Von der ersten Gruppe ^väre nur noch zu bemerken,') dass sie sich durch die reichere Längssculptur an die Gattung Cleodora anlehnt; man könnte sogar vermuthen, dass einige der vorläufig noch mit dieser Gruppe zu der Gattung Balantium gestellten Formen sich als unvollständige oder unausgebildete Exemplare von bisher vollständig nicht gekannten Formen von Cleodora, vielleicht auch von Diacria herausstellen werden. Aus den Miocenablagerungen Oesterreich-Ungarns beschreiben wir drei Formen, und zwar: 1. Balantium Fallauxi n. f. 2. Balantium Bittneri n. f. 3. Balantium pedemontanum (C. Mayer). Balantiinn Fallauxi n. f. Tiif. II, Fig. 23 — 36. Die flache Schale ist von vorne und hinten gesehen rundlich dreiseitig, in der Seitenansicht schmal-dutenförmig, mit nach hinten gebogener Spitze. Der Querschnitt des Gehäuses ist länglich, beiderseits zugespitzt und in scharfe Schneiden ausgezogen. Der Mundrand ist einfach, eher erweitert als verengt, die beiden denselben bildenden Schalenlippen bilden nach oben convexe Bögen, die vordere ist bei erwachsenen Exem- plaren etwas ausgebogen. Sehr zarte Querstreifen und gröbere Querrunzeln, welche beide den Anwachszonen entsprechen, bedecken fast die gönze Schale. Auf den ein- zelnen, von der Spitze wellenförmig auslaufenden Runzeln stehen zwei bis vier Streifen. Auf dem untersten Dritttheil des Gehäuses verlieren sich die Runzeln fast ganz. Von dieser Ornamentik sind nur schmale, die Schneiden der Seitenränder umsäumende Bänder frei. Die eben genannten Schneiden der Seitenränder erscheinen nach vorne etwas um- gebogen. Die Innenseite der Schale ist glatt. Das Ende der umgebogenen Spitze ist bei den vorliegenden Exemplaren nicht erhalten; es dürfte aber, analog den verwandten recenten Formen, von welchen wir Balantium recurvum Child. (= B. Chaptali Eyd. et Soul.) und B. balantium Rang anzuführen haben, eine embryonale Erweiterung vor- handen gewesen sein. Von den angeführten recenten Formen unterscheidet sich das Balantium recurvum von dem B. Fallauxi hauptsächlich durch die drei auf der Hinterseite der Schale auf- tretenden Längsfalten, welche bei der letztgenannten Form ganz zu fehlen scheinen. Es scheint daher das recente B. balantium unserer fossilen Form noch näher zu stehen, da demselben die Längsfalten ebenfalls fehlen. Wir glauben daher in dem B. balantium (Rang) den heute noch lebenden Nachkommen des miocenen B. Fallauxi ansprechen zu sollen. 1) Möglicher Weise gehört auch Balantium piilclicrriminn (C. Mayer) zu dieser Gruppe; die darüber von C. Mayer im Journal de Gonchyliologie 1868 (vol. X\'I). pag. 105 und Tat". II, Fig. 3 ge- machten Angaben, sowie diejenigen anderer Autoren, lassen jedoch nicht mit Wünschenswerther Sicher- heit erkennen, ob die Längssculptur thatsächlich auf beiden Seiten auftritt. Mir liegen nur Abdrücke einer Seite vor, welche das k. k. nalurhistorische Hofmuseum Herrn Prof. C. Mayer-E} mar in Zürich verdankt. Uebcr die miocencn Ptcropoden von Ocsterreich-Ungarn. 53 Ausgezeichnete Exemplare des/?. Fallauxi verdanke ich dem erzherzogHch Albrecht- schen Schichtmeister Herrn C. Fall au x in Karwin. Beide stammen von dem Albrecht- Schachte in Peterswald und zeigen die Hinterseite sehr schön und fast vollständig er- halten. Diese Exemplare repräsentiren den Typus der oben beschriebenen Form. Damit vollständig übereinstimmende fragmentarische Exemplare fanden sich in dem von Herrn Betriebsleiter Mladek im Eleonoren-Schachte in Dombrau aufgesammelten Materiale. Der Typus von B. Fallauxi ist in den Figuren 23, 24 und 2 5 dargestellt. Andere verdrückte Exemplare, welche Herr Oberingenieur J. Fric im Tegel des Josef- und des Jacob-Schachtes in Polnisch-Ostrau gesammelt und mir für das k. k. natur- liistorischc Hofmuseum freundlichst übergeben hat, weichen in untergeordneten Eigen- schaften von unserer typischen Form ab; wir sind daher geneigt, diese als eine Varietät des B. Fallauxi anzusehen. Das allerdings flachgedrückte Gehäuse hat weniger ge- krümmte Seitenkanten (dieselben könnten fast als geradlinig bezeichnet werden), ist unten weniger zugespitzt, die Vorder- und die Hinterfläche scheinen weniger gewölbt zu sein, die Sculptur der Schale ist weniger deutlich ausgeprägt. Da man wohl annehmen muss, dass ein grosser Theil dieser Eigenthümlichkeiten (vielleicht sogar alle) durch Ver- drückung der flach im Tegel liegenden zarten Gehäuse hervorgebracht sei, so erschien es uns angezeigt, auch die Exemplare von Polnisch-Ostrau an B. Fallauxi anzuschliessen. Sollte besseres Material ergeben, dass die angeführten Eigenschaften constant auftreten, so würde eine Abtrennung immerhin gerathen erscheinen. Diese Varietät von B. Fallauxi ist in Fig. 26 dargestellt. Ein uns vorliegendes Steinkernfragment (es fehlt das untere Drittel des Gehäuses) vom Pratzer Berg schliesst sich dieser Varietät ganz gut an, die Querriefung ist aber auf demselben besser ausgeprägt als bei den Exemplaren von Polnisch-Ostrau. Die Dimensionen der abgebildeten Exemplare sind: für Fig. 23 — 25 von Peterswald: Länge 13-7 Mm., Breite 10 Mm., Dicke 4? Mm. » » 26 » Poln.-Ostr. : » I2-0 » » 10 » » ? » Vorkommen: Die meisten der bisher bekannten Exemplare stammen aus dem miocenen Tegel des Ostrau-Karwiner Steinkohlenreviers; es liegen uns vor: vom Albrecht-Schacht in Peterswald (2 Exemplare), vom Eleonoren-Schacht in Dombrau (3 Exemplare), von den Schächten Josefund Jacob in Polnisch-Ostrau (4 Exemplare). Das aus den Mergelknollen des Pratzer Berges bei Brunn stammende Fragment hat Herr Prof. A. Rzehak gesammelt und freundlichst zur Verfügung gestellt. Balantiiim Bittneri n. f. Taf. II, Fig. 27. Balantium spcc. A. ßittncr, Die Tertiärablagerungen von Tril'ail und Sagor. Jahrbuch der k. k. gcoL Reichsanstalt 1884, pag. 488. Die Schale ist flach zusammengedrückt, dreiseitig, oben wenig gewölbt, die Seiten- ränder vorne und hinten durch je eine seichte Furche zu einem schmalen scharfen Saum abgesetzt, der mehr oder weniger nach vorne umgebogen ist. Die Schale ist glatt, rnit meist in verschiedenen Distanzen, selten in gleichen Zwischenräumen auftretenden An- wachsstreifen geziert, so dass eine feine, quer verlaufende Ornamentik entsteht. Diese Form steht dem im oberitalienischen Miocen häufigen B. pedemoutanum C. Mayer jedenfalls nahe, unterscheidet sich jedoch von dem letzteren besonders durch das flachere Gehäuse und durch den grösseren Winkel, welchen die Seitenkanten cin- Aniialcn dos k. k. naturhistorisclien Hnimuscums, Hd. 1. Heft 2, i8Si">. ^ 64 Ernst Kittl. schliessen. Auch ist die Breite der glatten Seitenhänder bei B. Bittneri geringer als bei B. pedemontanum. Als mittlere Dimensionen möchten wir angeben: Länge 8 Mm., Breite 6 Mm., Dicke 2 Mm. Vorkommen: In zahlreichen Exemplaren ganze Bänke erfüllend in den miocenen Mergeln ober dem Tagbaue I in Trifail. Die von Herrn Dr. A. Bittner gesammelten und mir freundlichst mitgetheilten Exemplare befinden sich in der Sammlung der k. k. seolosischen Reichsanstalt. Balantium pedemontanum (Mayer). Taf. II, Fig. 28 und 33. 1868. Cleodora pedemontana C. Mayer, Description de coqu. fossiles des tcrr. tert. im Journal de Conchyliologie vol. XVI, pag. 104, pl. II, fig. 3. 1872. Balantium pedemontanum L. Bellardi, Molluschi terz. del Piemonte e della Liguria I, pag. 31, tav. III, hg. 10. 1884. Balantium sp. A. Makowsky und A. Rzehak, Die geologischen \'erhältnisse der Umgebung von Brunn. In den\'erhandlungcn des naturforschendenVcreines in Brunn, XXII. Bd., 1884, pag. 248. C. Maver gibt nach den von ihm im Schlier von Serravalle di Scrivia auf- gefundenen Exemplaren die folgende Diagnose: »Testa elongata-trigona, pyramidali, lateribus compressa, medio ventriuscula, apice acutissima, ad aperturam coarctata; sulculis transversis coarctatis, numerosis (circ. 3o) aequalibus ornata.« Von demselben an das k. k. naturhistorische Hofmuseum freundlichst eingesendete Exemplare des er- wähnten Fundortes gestatten mir, zu erkennen, dass B. pedemontanum auch in den österreichischen Miocenablagerungen, freilich als grosse Seltenheit, vorkommt. Behufs schärferer Abtrennung von anderen Balantienformen wäre der von Maver gegebenen Diagnose noch beizufügen, dass beiderseits der medianen Ausbauchung an den geraden Seitenkanten breite, ganz flache, nahezu glatte, gegen die Spitze zu verjüngte Bänder verlaufen; von diesen erwähnt Maver nichts,') auch sind sie in seiner Abbildung nur ungenügend angedeutet. Diese die Seitenkanten einsäumenden flachen Bänder sind bei den von Serravalle di Scrivia uns vorliegenden Exemplaren durchschnittlich etwas schmäler als bei dem leider bisher einzigen Exemplare aus Oesterreich. Die Breite des flachen Saumes zeigt sich als sehr variabel. Bei einigen der vorliegenden italienischen Exemplare kann man erkennen, dass die flachen Marginalbänder nicht durchwegs als ganz flach oder glatt bezeichnet werden dürfen, da namentlich auf der Hinterseite die Querrippen an den Marginalbändern in eine auch schon dem freien Auge erkennbare feine Querstreifung übergehen. Bezüglich des aus dem österreichischen Miocen vor- liegenden Exemplares wäre ausser der verhältnissmässig grossen Breite des Marginal- saumes die starke mediane Wölbung, sowie die schwächere Querornamentik der Schale als bemerkenswerth hervorzuheben. Wir glauben aber auch in diesem Falle einen guten Theil der individuellen Eigenthümlichkeiten auf Rechnung der mangelhaften Erhaltung und der Deformirung durch äussere Kräfte setzen zu sollen. Die Schale selbst ist über- dies verschwunden, die in Fig. 28 gegebene Abbildung daher nur ein Steinkern. Als grösste Dimensionen dürfen nach den vorliegenden Exemplaren gelten: eine Länge von 20 Mm., eine Breite von 10 Mm. und eine Dicke am Mundrandc von 4 — 5 Mm. Die ') Bellardi (I.e.) erwähnt \\'ohl auch die meiliane Ausbauchung der N'order- und Hinterseite, aber die glatten Marginalbänder ebenfalls nicht. Ueber die miocenen Pteropoden von Ocsterreich-Ungarn. 65 Ermittlung der Dicke begegnet grossen Sclnvierigkeitcn, da siimmtliche uns zugängliche Exemplare in grösserem oder geringerem Masse verdrückt sind. Vorkommen: Das einzige aus dem österreichischen Miocen bisher bekannte Exemplar wurde von Herrn Prof. A. Rzehak in einem Mergelknollcn eines der zweiten Mediterranstufe angehörigen Conglomerates ') zusammen mit zahlreichen anderen Pteropoden-Fragmenten am Pr atzer h er g bei Brunn gesammelt und mir von dem genannten Herrn zur Untersuchung freundlichst mitgetheilt. Von oberltahenischen Fund- orten gibt Ch. Maver=) Serravalle di Scrivia und Acqui an; Bellardi-'') fügte diesen noch die Localitäten: Pino Torinese und Valle dei Salici hinzu; nach diesem Ge- lehrten wären letztere Localitäten in das »Miocenico medio«, ersterc in das »Miocenico superiore« zu stellen, wogegen Prof. Ch. Maver nach freundlichen Mittheilungen^) Serravalle di Scrivia in das Langhien, Pino Torinese dagegen in das Hclvetien stellt. 4. Genus Hyalaea Lam. Diese Gattung zählt (ausschliesslich der zu Diacria gehörigen Formen) etwa ein Dutzend lebende Vertreter. Ebenso viele Formen mögen aus Tertiärablagerungen be- kannt sein. Besonders reich ist das Tertiär Italiens. Tiberi-'') citirt von dort 1 1 Formen, wovon 7 auf das Miocen, 4 auf das Pliocen entfallen, eine Form kennt man aus dem Miocen Frankreichs,") ebenso ist bisher nur eine einzige Form aus dem norddeutschen Miocen7) bekannt geworden. Aeltere als miocene Formen kennt man bisher nicht. Aus dem Miocen Oesterreich-Ungarns war bis nun gar keine Form beschrieben worden; auch uns liegt nur eine einzige vor, deren Beschreibung wir hiemit folgen lassen. Hyalaea bisulcata n. f. Taf. II, Fig. 29—32. Die sehr dünne Schale war sehr wahrscheinlich weniger kugelig, als man es bei Hyalaea zu finden gewohnt ist. Die Begrenzung der Seitentheilc unten ziemlich gerade, nur oben gegen die den Mundrand begrenzenden Medianlappen zugerundet. Der vordere Medianlappen ist halbkreisförmig, der hintere ebenfalls kreisförmig gebogen, etwa zwei Drittel eines Kreisbogens umfassend. Der oberste Theil scheint noch weiter ausgezogen gewesen zu sein. Auf der Vorderseite sind zwei, oben tiefere, nach unten allmälig seichter werdende Furchen, welche von den Seiten des Medianlappens gegen die Mitte des unteren Schalentheilcs radial zusammenlaufen. Die Rückseite scheint ähnlich geformt gewesen zu sein, war jedoch jedenfalls flacher und scheinen nicht zwei, sondern vier (nämlich beiderseits des Medianlappens je zwei) nach der unteren Schalenmitte convergirende 1) Nach Makowskv- Rzehak (1. c, pag. 243) daher wohl älter, etwa: >:-crste Medilerranstufe (Schlier).'c 2) c. Mayer, 1. c. 3) Bellardi, 1. c. •1) Man vergleiche auch Ch. Mayer, Sur la carte geol. de la Liguric centrale; im Bulletin de la Roc. gcologique de France 1876—1877, pag. 282 iV. 5) N. Tibcri, Ccfalopodi, Pieropodi, lüeropodi vivcnli nel Meiliterranco e fossili nel teri". terz. italiano; Bulletino Soc. Malacologica Italiana vol. \'I, 18^0. 6) Hyalaea acquoixis Grateloup, Conch\iiol. toss. des terr. lert. du bassin tle TAdour 1S40, pl. I, fig. I — 2. 7) Hyalaea pcrovalis v. Koenen, Die Ga^tcropoda etc. des norddeutschen Miocen. Neues Jahrbuch für Mineraloc^ie etc. 188^, Beilage, Band II, pag. 354, Taf. \'I1, Fig. 15. 5* 65 Ernst Kittl. flache Furchen vorhanden i^ewesen zu sein. Unten ist die Schale last horizontal ab- geschnitten. Die Spitzen der beiderseits dadurch entstehenden rechten Winkel sind etwas ausgezogen. Der mittlere Theil der unteren Begrenzung, der Embryonaltheil, ist an unseren Exemplaren nicht erhalten. Die Schale zeigt auf der Aussenseite concentrische feine Anwachsstreifen. An den Rändern der Seitenflügel ist die Andeutung einer sehr schmalen saumartigen Zuschärfung erkennbar. Hyalaea bisulcata ist nach unseren bis- herigen Kenntnissen von allen beschriebenen rccenten und fossilen Hvalaeen verschieden. Während die gedrungene Hauptform mit den echten Hyalaeen gemeinsam ist, so wird durch die Furchung der Vorderseite eine Annäherung an der Gattung Diacria angehörige Formen gegeben. Die Dimensionen des abgebildeten Exemplarcs in dem zerdrückten Zustande sind: Länge g-o Mm., Breite 77 Mm., Dicke 2-2 Mm. Die Dimensionen des Fossiles in unzerdrücktem Zustande sind wohl andere ge- wesen, namentlich war die Breite wohl etwas geringer, die Dicke dagegen bedeutend grösser. Vor ko m m en : Dasselbe beschränkt sich auf den miocenen Tegel des Josef-Schachtes in Polnisch-Ostrau, in welchem Herr Oberingenieur J. Fric die vorliegenden zwei fast vollständigen Stücke und ein fragmentarisches Exemplar gesammelt hat. IL Spirialidae Chenu.') Die zu dieser Familie gehörigen fossilen Reste hat man bisher theils der Gattung Limacina, theils der Gattung Spirialis zugetheilt. Diese zwei, für recente Vorkommnisse aufgestellten Gattungen unterscheiden sich in den Harttheilen im Wesentlichen nur durch das Fehlen und das Vorhandensein eines Deckels. Bei fossilen Formen wird die auf einem solchen Merkmale beruhende Trennung derselben in zwei Gattungen um so weniger durchführbar erscheinen, je w^eniger auf die Fossilisation des Deckels überhaupt und besonders in situ zu rechnen ist; es wird sich daher vorerst empfehlen, die tertiären Spirialiden in eine einzige Gattung zusammenzufassen, der man den älteren Namen Limaciua Cuvier belassen könnte. Die meisten tertiären Formen schliessen sich aber sehr enge an lebende Spirialis- Arten an. Dieser Umstand, sowie die geringe Zahl sicherer Liviaci>ia-Ai'ien überhaupt scheinen denn auch in neuerer Zeit für die meisten Paläonto- logen, welche fossile Spirialiden beschrieben haben, die Beweggründe für die W^ahl des Gattungsnamens Spi?'ialis gewesen zu sein. Diesem Vorgange schliessen wir uns schon aus praktischen Gründen gerne an. Ebenso folgen wir nur einem jetzt allgemeiner ge- wordenen Gebrauche, wenn wir die planorboiden Formen der Spirialiden unter dem Gattungsnamen Embolus Jeffreys zusammengefasst wissen wollen und daher nicht in die Gattung Spirialis miteinbeziehen. 5. Genus Spirialis (Souleyet). Das dünnschalige Gehäuse ist linksgewunden, mit erhaben konischer, selten mit flacher Spira. Nabel fehlend oder sehr enge. Umgänge stark bauchig, weit übergreifend. Mundüffnung oben winklig, unten gerundet, oft gegen die Spindel schräg herabgezogen. ') Dieselben später anzuführenticn Gründe, welche uns veranlassen, den Gattungsnamen Spirialis dem alteren Namen Limaciua vorzu?ichen, bewogen uns auch, den von Chenu acceptirten Familien- namen: -^SpirialiJac'' anstatt des von Gray herrührenden Namens: -Limacinida/'K zu gebrauchen. Ueber die miocenen Pteropodcn von Oestcrreich-Ungarn. 67 Während man nach Adams') dreizehn lebende 6);z>/ci//6--Formcn kennt, sind bis- her aus den einzelnen Abtheilungen des Tertiär beschrieben worden: Aus dem Eocen: eine Form,^) aus dem Oligocen: eine Form,^) aus dem Miocen: eine Form,+) aus dem Pliocen: drei noch lebende Formen.-') Wir werden den miocenen Formen drei neue hinzuzufügen haben, und werden uns in dem Folgenden daher mit sechs Formen be- schäftigen, und zwar: Spirialis stenogyra Phil., Sp. Koeneni n. f., Sp. valvatina Reuss, Sp. hospes Rolle, Sp. Tarchanensis n. f., Sp. Andrussovi n. f. Mit Ausnahme der Sp. hospes, welche zuerst aus dem Oligocen beschrieben wurde, sind alle angeführten Formen im Miocen vertreten. — Sp. stenogyra war bisher aus dem Miocen nicht bekannt. Spirialis stenogyra (Philippi). 1844. Scaea stenogyra Philippi, Enumcratio Moll. Siciliae vol. II, pag. 164, tav. 25, tig. 20. 1855. Limacina stenogyra Pictet, Traitii de paleontologie tome III, pag. 317, tav. 70, lig. 13. 1859. Spirialis stenogyra Chenu, Manuel de Conchyliologie vol. I, pag. 113, fig. 499. 1862. Spirialis stenogyra Seguenza, Notizie succinte intorno alla costituzione dei terreni teiziarii del distretto di Messina. — Messina 1862, pag. 30. 1867. Spirialis stenogyra Seguenza, Paleontologia malacologica dei terreni terziarii del distretto di Messina (Pteropodi ed Eteropodi), Mem. Soc. Italiana di sc. nat. tomo II, no, 9, pag. 13, tig. 11. 1868. Spirialis trochiformis Weinkautf, Die Conchylien des Mittelmeeres, Band II, pag. 428. 1880. Spirialis retroversits N. Tiberi, Cefalopodi, Pteropodi, Eteropodi viventi nel Mediterraneo c fossili nel terreno terziario italiano etc.; Bulletino soc. malacolog. italiana vol. VI, pag. 38. Das Gehäuse ist bis auf zarte Anwachsstreifen ganz glatt, mit steil erhobener Spira, deren Spitze in der Regel flacher ist. Die Umgänge, deren Anzahl nie mehr als sieben beträgt, sind rund bauchig, durch tief eingesenkte Nähte gesondert. Die Jugendwindungen wachsen nur langsam an, die späteren dagegen rascher (sie erlangen etwas weniger als das Doppelte des Durchmessers). Die Jugendwindungen und die mittleren sind etwa fünfmal so breit als hoch, der letzte Umgang ausgewachsener Exemplare ist gross, mit erweiterter Mündung; das Peristom erscheint stets in der Richtung der Spindel nach unten ausgezogen. Bei ausgewachsenen Exemplaren ist die der Spindelaxe zunächst liegende Partie der Innenlippe etwas umgeschlagen, wodurch, aber eben nur bei älteren Exemplaren, ein Nabelspalt gebildet wird, der bei Jüngeren Exemplaren ganz fehlt. Der Gehäusewinkel jüngerer Exemplare ist anfangs ganz flach und stumpf (siehe Fig. 35), der älterer Exemplare kann bis 5o Grad herab betragen (siehe Fig. 36). Wein kau ff hält Spirialis stenogyra für ident mit Sp. trochiformis Orb., Jeffreys") und Tiberi identiflciren erstere mit der recenten Sp. retroversa (Fle- ming 7). Ohne grösseres Vergleichsmaterial an recenten Spirialiden können wir die Frage, ') H. und A. Adams, The Genera of the recent Mollusca, pag. 58 — 60 führen an: von Linia- cira I Art, von Spirialis 5 Arten, von Heterofusits ~ Arten. -) Ampullaria pygmaea Lamk. (Hist. nat. anim. sans vertebres 1822, tome VII, pag. 547) wurde nach Zittel (Handb. der Paläont. I, 2. Ablh., pag. 312, Fig. 459) von Deshayes zu Spirialis gestellt. ^) Limacina hospes Rolle. 4) Spirialis valvatina Reuss, ferner beschreibt v. Koenen zwei weitere miocene Formen, welche aber zu Embolus zu stellen sind. (Die Gasteropoda etc. des norddeutschen Miocen. Neues Jahrbuch für Mineralogie 1883, Beilage, Band II, pag. 358 und 359.) 5) Vgl. Tiberi, I.e. G) British Conchology vol. V, pag. 116. 7) Fiisus retroversits Fleming, On a reversed species of Fusus. Edinburgh, Mem. Wern. Soc. vol. IV, pag. 498 — 500, tab. XV, fig. 2. 68 Ernst Kittl. ob die fossile Sp.stenoizj^ra, welche von Philip pi ') zuerst für pleistocene Vorkommnisse aufgestellt worden ist, mit einer lebenden Form identisch sei, kaum entscheiden. Daher hielten ^vir es aus diesen und anderen Gründen für angezeigt, für die fossilen Formen Philippi's Namen festzuhalten, eventuell denselben auf diejenigen fossilen Exemplare zu übertragen, welche sich als von den lebenden abweichend erweisen sollten. Ausser den genannten lebenden Formen hat Seguenza-) noch Sp. australis Evd. et Soul, als eine der Sp. stenogyra ähnliche angeführt, was nach der von Rang und Souleyet^) gegebenen Abbildung als ganz zutreffend erscheint. Jedenfalls halten wir es demnach für erwiesen, dass der fossilen Sp. stenogyra sehr nahestehende lebende Formen existiren. An vorliegenden Exemplaren fand ich die folgenden Dimensionen: an einem Ge- häuse aus dem Pliocen von Palermo: eine Höhe von 2*2 Mm., eine Breite von i*6 Mm., an dem in Fig. 36 abgebildeten verkiesten Steinkerne aus dem Salzthon von Ronaszek in Ungarn (Mioccn) eine Höhe von rS Mm., eine Breite von 1*2 Mm. Dies sind aber Dimensionen besonders grosser, ausgewachsener Exemplare. Vorkommen: Wir kennen in der Österreichisch-ungarischen Monarchie bisher nur die eine Fundlocalität von Ronaszek in Ungarn, von wo uns verkieste Steinkerne von etwa 40 Individuen vorliegen. Diese Localität ist jedenfalls eine miocene. — Von auswärtigen Fundorten führte zuerst Philip pi an: Pezzo in Calabrien und Palermo in Sicilien; Seguenza nennt noch: Milazzo bei Messina, endlich Ponzi auch die Mergel des Monte Vaticano bei Rom. Uns liegen in der Sammlung des k. k. natur- historischen Hofmuseums vor: von Palermo 4 Exemplare, von Milazzo 4 Exemplare, endlich von der Insel Rhodus 5 Exemplare. Mit Ausnahme von Rhotlus gehören alle diese auswärtigen Fundorte dem Pliocen Italiens an. Auch auf Rhodus rindet man die Sp. stenogyra im Pliocen. Spirialis Kocncni n. f. Taf. II, Fig. 37- Der Gehäusewinkel schwankt um qo Grad, die Umgänge sind weit bauchig, ge- rundet, die Nähte tief; es ist ein verhältnissmässig weiter Nabel vorhanden. Durch den steilen Gehäusewinkel schliesst sich diese Form an Sp. steiiugjva an, durch das Vorhandensein eines Nabels und die geringere Steillieit des Gehäuses sind ge- nügende Unterscheidungsgründe gegeben. Von fossilen Formen schliesst sich diese Form enge an Sp. globulosa Seguenza an; da jedoch die davon gegebene Abbildung eine flachere Spira und eine in dem ohern Theile engere Mündung zeigt, so müssen wir vorläurig davon abstehen, diesen Namen auf unsere Exemplare zu übertragen. Unter den von v. Koenen als Sp. valvatina Reuss angeführten +) Exemplaren aus dem norddeutschen Miocen kann man hieher gehörige vermuthen, aber ohne Vergleichung der Fossilien selbst keines zu Sp. Koeneni stellen. Von recenten Formen steht Sp. trochiformis Evd. et Soul, sehr nahe, dürfte jedoch kaum ganz übereinstimmen. Das in eilffacher linearer Vergrösserung in Fig. 3- dargestellte Exemplar ist etwa 1-2 Mm. hoch und ebenso breit. Vorkommen: Die mir vorliegenden zwei Exemplare aus dem Miocen von Lange n- felde sind verkieste Steinkerne, die Mundränder derselben etwas defect. I) Philipp!, 1. c. 2) Seguenza, I. c. i) Histoire naturelle des mollusques pteropodes, pl. XIV, tig. 19 — 23. -t) v. Koenen, I.e. Ueber die miocenen Ptcropoden von Ocsterreich-Ungarn. 5q Spirialis valpatina Rcuss. Taf. II, Fig. 38. 1S67. A. E. Rcuss, Die fossile Fauna der Steinsalzablagerung von Wicliczka. Sitzungsber. der Wiener Akad., L\'. Band, 1. Ablh., pag. 146, Tab. VI, Fig. 11. 1876. Gü tische, Festschrift der 49. deutschen Naturforscherversammlung zu Hamburg, paij. 23. 1882. A. V. Koenen, Die Gastcropoda etc. des norddeutschen Miocen; im Neuen Jahrbuch für Minera- logie etc., Beilage-Band II, pag. 357. Den Angaben von Reuss und v. Koenen haben wir um so weniger beizufügen, als ja dieselben erschöpfend sind und uns auch kein neues Material zu Gebote steht. Die beiden genannten Autoren weisen darauf hin, dass Rolle's Limacina hospes sehr wahrscheinlich mit der Spirialis valvatina identisch sei; Koch') spricht sich unbedingt für diese Identität aus. Nach einer sorgfältigen Vergleichung der uns in der Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums vorliegenden Originalexemplare von Rolle und Reuss glauben wir die zwei in Rede stehenden Formen allerdings als sehr nahe stehende, jedoch nicht als ganz identische betrachten zu sollen. Sp. hospes (Rolle) hat einen etwas flacheren Gehäusewinkel und zeigt ein rascheres Anwachsen der Windungen als Sp. val- vatina. Die Dimensionen der vorliegenden Exemplare von Wieliczka sind meist sehr ge- ringe; das von uns des besseren Vergleiches wegen nochmals in Fig. 38 abgebildete Originalexemplar von Reuss hat eine Hohe von 0-7 Mm. und eine Breite von o-8 Mm. Einzelne Fragmente lassen uns schliessen, dass bei ganz ausgewachsenen Exemplaren die Dimensionen drei- bis viermal so gross waren. Vorkommen: Irn Salzthon zu Wieliczka (8 Exemplare). — Nach v. Koenen-) dürften noch folgende, dem norddeutschen Miocen angehörige Fundorte zu nennen sein: Langenfelde, Gühlitz (r), Holsteiner Gestein bei Stolpe und Wendisch -Weh nin- gen; derselbe Autor nennt ferner Antwerpen als Fundort. — Anmerkungsweise sei hier noch erwähnt, dass mir Herr Prof, A. Rzehak ein Gesteinsstück aus dem Schlier von Nusslau bei Seelowitz eingesendet hat, aufweichen sich zahlreiche Steinkerne zerdrückter Spirialis-GohMXSQ.") erkennen lassen. Eine sichere Bestimmung derselben ist natürlich unmöglich; aber vermuthen könnte man, dass dieselben am ehesten noch Gehäusen angehört haben, die der Spirialis valvatina nahestehen. Spirialis hospes (Rolle). Taf. II, Fig. 39. 1861. Limacina hospes F. Rolle, Ueber einige neue oder wenig gekannte Mollusken-Arten aus Tertiär- ablagerungen. Sitzungsber. der Wiener Akad., XLIV. Band, pag. 205, Taf. I, Fig. 2. 1876. Limacina hospes F.E.Koch, Katalog der fossilen Einschlüsse des oberoligocenen Sternberger Gesteins in Mecklenburg. Archiv des \'ereines der Freunde der Naturgeschichte in Mecklen- burg, Jahrg. 30, pag. 181. Ueber die Beziehungen zu Sp. valvatina haben wir uns bereits oben ausgesprochen. Diesbezüglich hätten wir noch zu erwähnen, dass Koch (1. c.) das Folgende angibt: ') Archiv des\'ereins der F'reunde der Naturwissenschaften in Mecklenburg, Band 30, 1876, pag. 18: -) V. Koenen, 1. c. -') Auch planorboide Formen (Embolus) scheinen nicht ganz zu fehlen. -yo Ernst Kiul. »die Abbildung, die Herr Reuss von seiner Art gibt, stimmt sogar besser zu den mir vorliegenden Stücken der Sternberger Art als diejenige des Herrn Rolle, so dass eine Vergleichung der Abbildungen mit unserem Vorkommen mich veranlassen würde, dem- selben den von Reuss gegebenen Namen beizulegen, wenn nicht Herr Rolle seine Art speciell für das Sternberger Vorkommen aufgestellt hatte.« Auch v. Koenen') erwähnt, dass ihm ein Exemplar aus dem Sternberger Gestein vorliege, das eine erheblich niedri- gere Mündung als Rolle's Abbildung zeige. Wir können nur anführen, dass Rolle's Abbildung mit dem uns vorliegenden Originale vollkommen übereinstimmt. Wir halten dieses Original für ein vollständig ausgebildetes Gehäuse, bei welchem, wie überhaupt bei allen Spirialls-ForniQn, die Mündung unten schräg gegen die Spindel zu erweitert ist. Wenn demnach den Herren Koch und v. Koenen Exemplare mit niedrigerer Mündung vorgelegen haben, so möchten wir schliessen, dass dies unausgebildete Exem- plare gewesen seien. Das in Fig. 3 9 abgebildete Original Rolle's misst in der Höhe i'o Mm., in der Breite 1-2 Mm. Vorkommen: Die oligocene Sp. hospes kennt man bisher nur aus oberoligo- cenem Sternberger Gestein Mecklenburgs. Spirialis Tarchancnsis n. f. Taf. II, Fig. 40. Der Gehäusewinkel ist sehr flach (meist sogar flacher als bei Sp. hospes), die Um- gänge sind rund bauchig, etwas höher als breit, durch tiefe Nähte gesondert. Die meisten, namentlich der ausgewachsenen Exemplare sind enge genabelt, doch kommen unter den nicht ausgewachsenen Exemplaren auch ungenabclte vor. Die Mündung ist etwas schräg gestellt, länglich, etwa zweimal so lang als breit, unten gegen die Spindelaxe zu etwas ausgezogen. Diese Form ist mit Sp. hospes und mit Sp. globulosa Seg. verwandt; in einer Mittheilung des Herrn Andrussow-) sind unsere ersten Bestimmungen der Ptero- podengehäuse angeführt. Es wurden damals die Gehäuse von Sp. Tarchanensis von uns als Sp. globulosa Seg. und als Limacina hospes Rolle bestimmt. Wiederholtes ge- naueres Studium hat uns gelehrt, dass die von Andrussow entdeckten Spirialiden von Kertsch mit den zwei angeführten älteren Namen nicht zu identiflciren seien, wenn sie ihnen auch sehr ähnlich sind. Wir konnten nun erkennen, dass der Gehäusewinkel der Sp. Tarchanensis viel flacher ist als der von Sp. globulosa, ferner, dass die Umgänge der Spirialis aus der Krim bedeutend höher als bei Sp. hospes sind. Von recenten Formen scheint uns Sp. ventricosa Eyd. et Soul, am ähnlichsten zu sein. — Ausgewach- sene Gehäuse der Sp. Tarchanensis sind i -o — 1-3 Mm. hoch und 0-9 — 1-3 Mm. breit. Vorkommen: Nach den freundlichen Mittheilungen des Herrn Andrussow findet sich die Sp. 'Tarcha]iensis in sandigem, miocenem Thon an der Grenze zwischen dem Tschokrak-Kalkstein und den unteren, dunklen Thonen am Ufer des Azow'schen Meeres zwischen Gap Tarchan und Cap Chronevi in einem leichten, lockeren, fast nur aus Gehäusen dieser Form aufgebauten Gesteine. Ferner bei Cap Tarchan in einem ähn- lichen, aber zäheren Gesteine. Von beiden Fundorten der Halbinsel Kertsch liegen uns zahlreiche Exemplare vor. 1) V. Koenen , 1. c. 2) N. Ancli-ussow, Ucbcr das Aller der unteren, dunklen Schiel'erthone auf der Halbinsel Kertsch. Vcrh. der k. k. geol. Reichsanstalt 1884, pag. 213 u. f. Ueber die miocenen Pteropodcn von Ocslerrcich-Ungarn. n \ Spirialis Ändrussowi n. f. Taf. II, Fig. 41. Die Spira ist ganz flach, die oberen, runden Windungen erheben sich nicht über die letzte. In der Nähe der Mündung ist der Ohcrtheil etwas herabgesenkt. Diese Spirialis- Forni ist ganz ungenabelt. Die Mündung ist schräggestellt, an der Spindel nach unten ausgezogen. Diese Form, welche sich in manchen Beziehungen an Sp. l'archancnsis nahe anschliesst, unterscheidet sich jedoch von der letzteren durch die ganz flache Spira. Es wurde Sp. Andrussonn von der einzigen bisher bekannten Localität durch N. An- drussow') als Limacina hospes angeführt, mit welcher Art auch wir dieselbe in Be- ziehung brachten, von der sie sich aber ganz unterscheidet. Es sind namentlich die Beschaffenheit der Spira, die höheren Windungen, die Form und Stellung der Mund- Öffnung, welche sie von Sp. hospes unterscheiden. Diese, sowie die vorige Form hat uns Herr N. Andrussow zur Bearbeitung freundlichst überlassen. Das abgebildete Exemplar ist 0*9 Mm. hoch und 0'8 Mm. breit; die Dimensionen der meisten Gehäuse bleiben aber noch unter dieser Grösse. Vorkommen: Massenhaft in gypsführendem, sandigen Kalke, welchen Andrus- sow von einer Localität bei dem Dorfe Kop-Ko tschegen auf der Halbinsel Kcrtsch durch Herrn A. Herrmann in Kertsch erhalten hat. Schlüssbemcrkun; Aus der unten angeschlossenen Tabelle geht hervor, dass che oligocenen Formen in das Miocen nicht unverändert aufsteigen; die Vaginellen des Oligocen zeigen Eigen- thümlichkeiten, welche wir bei anderen Formen der Gattung bisher nicht kennen. F^ür das österrcichisch-ungarischeMiocen erscheinen Vaginella austriaca und Balan- tium Fallauxi als besonders bezeichnend, während andere Formen, wie V. depressa, V. R^ehaki und B. pedemoutanum eine grössere geographische Verbreitung aufweisen. Auffallend ist das häufige Vorkommen der Gattung Spirialis in Schichten, welche mit Steinsalzablagerungen verknüpft sind, wie in Wieliczka und Ronaszek. An diese Art des Vorkommens schliesst sich auch das Auftreten der Spirialis Ändrussowi in gyps- führenden Bänken bei Kop Kotschegen auf Kertsch insoferne an, als Ja Gyps mit Stein- salzlagern stets verbunden ist und wahrscheinlich unter ähnlichen Verhältnissen zum Absätze gelangte, wie Steinsalz. Die grosse Seltenheit der Gattung Hjalaea im Miocen, ihr häufigeres Auftreten im Pliocen und der grosse Formenreichthum in der Jetztzeit weisen auf eine fortschreitende Entwicklung dieser Gattung hin, wie umgekehrt die Gattung Vaginella den Höhepunkt ihrer Entwicklung im oberen Tertiär schon erreicht zu haben scheint. Auch ist für diese Gattung durch das oben erwähnte Vorkommen in Neu-Seeland eine bedeutende Ausdehnung ihres geographischen Verbreitungsgebietes zur Miocen-Zeit sichergestellt. Manche Pteropoden-Formen, wde Cleodora, Diacria etc. fehlen uns aus dem Miocen noch ganz. Die Spirialiden mögen aber aus dem unteren Tertiär bis in die Jetztzeit in wenig geänderter Formenzahl aufgestiegen sein. ') N. Andrussow, 1. c, pag. 314, Anmerkuns 72 Ernst Kitil. Es braucht wohl kaum besonders hervorgehoben zu ^Yerden, dass das vorliegende Pteropodcn-Material aus dem österreichisch-ungarischen Miocen zu einer Klärung der so vielfach discutirten und noch immer nicht endgiltig gelösten Frage über die Trenn- barkeit der marinen Miocen-Ablagerungen in Oesterreich-Ungarn in zwei Stufen oder sogar mehrere Horizonte keine bedeutenden Anhaltspunkte liefern kann; das Wenige, was diesbezüglich angeführt werden könnte, ist wohl leicht aus der folgenden Tabelle zu entnehmen; Einiges ist schon oben") bemerkt w^orden. Tabellarische Uebersicht der beschriebenen Pteropoden und ihres Vorkommens. Crcscis Fiiclisi n. f. Crcseis Spina (Rcuss) ^r Va- ginella Lapugycnsis .... Vaginella Lapugycnsis n. f. . . Vaginella tenuistviata Sempei" Vaginella austriaca n. f. ... Vaginella R:{ehaki n. f Vaginella lanceolata v. Koencn Vaginella dcpressa Daudin . . Balantium Fallauxi n. f. ... Balantium Bittneri n. f. . . . . Balantium pedemontaniim (Mayer) Hyalaea bisulcata n. i" Spirialis stenogyra Phil. . . . Spirialis Koencni n. f. Spirialis valvatina Rcuss . . . Spirialis hospcs (Rolle) .... Spirialis TarcJianensis n. f. . . Spirialis Andrussuwi n. t". . . . 13 _B "o 3 o ■n V o Z o o cc p O Miocen-Localitäten in Oesterreich-Ungarn Miocen ausserhalb Oesterr .-Ungarns 3 1« c CJ o o 3 3 o 5 « JE B o XI s CJ '_ o 72 3 o 'ö o ■5 3 o CJ XI « xi CE CJ CJ C3 ;3 o 3 ►3 3 C "p O 3 o 3 c3 :0 > "o 3 CJ i T3 T3 z 3 CJ U) CJ aa '3 2 3 XI O 'S "3 a -r} :3 t/2 15 8 + 40 5 8 . 7 5 3 ■ 5 II 7 4 3 3 i6 X 4 I X 3 • I I I pl. 15 3 40 3 I 2 4 ! 31 pl. pl. + X X + + -f + X f X + X X X X X X X X X In der Tabelle bedeuten: Die Zahlen: Die Anzahl der vorliegenden Exemplare. -\-: Das "S'orkommen überhaupt (derselben Eorm). X'- Das Vorkommen einer nahestehenden Form oder ein zweifelhaftes Vorkommen der- selben Form, pl. : Das massenhafte Vorkommen. ') Siehe Seite 51 und 56. Ucbcr die mioccnen Pteropoden von Oestcrreich-Ungarn. ^'X Tafel-Erklarung. Fig- I — 3- C:>'cseis Fuchst n. f. aus den miocenen Mediterranablayerungen von Forchtcnau (Oedenburgcr Comitat) in Ungarn. Fig. 2. Das Originalexemplar in natürlicher Grösse. Fig. I. Dasselbe in doppelter Grösse mit vier Querschnitten. Fig. 3. Der Mundrand in achtfacher Vcrgrösserung. Fig. 4 und 5. Vaginella Lapugyensis n. f. aus den Mediterranablagerungcn von Lapugy in Ungarn. Fig. 4. Vorderansicht, Seitenansicht und Querschnitt des Originals in natürlicher Grösse. Fig. 5. Embryonaltheil eines anderen Exemplars in natürlicher Grösse und in vierfacher linearer Vergrösserung. Fig. 6 und 7. Vaginella tenuistriata Semper aus dem oberoligocencn »Sternberger Gestein« Mecklenburgs; das abgebildete Originalexemplar kam aus der Wiechmann'schen Samm- lung in den Besitz des k. k. naturhistorischen liofmuseums. Fig. 6. Das Originalexemplar in natürlicher Grösse. Fig. 7. Dasselbe in doppelter linearer Vergrösserung. Flg. 8 — 12. Vaginella austriaca n. f. aus den miocenen Mediterranablagerungen von Oester- reich- Ungarn. Fig. 8. Das Originalexemplar von M. Hörnes" Vai^^iiiclla dcprcssa in doppelter Grösse In vier Ansichten; der Embryonaltheil ist nach dem in Fig. 9 und 10 abgebildeten Exemplar ergänzt. Dieses Gehäuse stammt aus dem Tegel von Baden. Fig. 9. Vollständiges Exemplar (mit erhaltenem Embryonaltheil) von Lapugy in Ungarn. Fig. IG. Dasselbe, in zweifacher Vergrösserung. Fig. 10a. Embryonaltheil in \ierfacher (linearer) Vergrösserung. Fig. II. Exemplar aus dem Tegel von Baden in natürlicher Grösse. Fig. 12. Das in Fig. 8 in zweifacher Vergrösserung abgebildete Originalexemplar von M. Hörnes in natürlicher Grösse. Fig. 13—16. Vaginella R:^ehaki n. L Fig. 13. Flachgedrücktes Exemplar aus dem Tegel von Polnisch-Ostrau (Josef-Schacht). Fig; 14. Etwas flachgedrücktes Exemplar, gefunden im Tegel des Bohrloches II der Alpinen Montan-Gesellschaft in Poremba (Oesterr.-Schlesien). Fig. 15. Fragmente unzerdrückter Individuen aus dem Tegel des Eleonoren-Schachtes in Dombrau (Oesterr.-Schlesien). Fig. 16. Flachgedrücktes Exemplar (zum Theile nur Abdruck) aus dem Schlierthon von Seelowitz. — Das Original befindet sich in der Sammlung der k. k. technischen Hochschule in Brunn. Fig- 17—20. Vaginella depressa Daudin aus dem Langhien von Leognan. Fig. 17. Grösseres Exemplar mit geradem Mundrande in natürlicher Grösse. Fig. 18, Kleineres bauchiges Exemplar mit ausgebogenem Mundrande in natürlicher Grösse. Flg. 19. Grosses, stark bauchiges Exemplar in doppelter natürlicher Grösse; überdies der Umriss in natürlicher Grösse. Fig. 20. Schlankes Exemplar in natürlicher Grösse. Fig. 21. Dasselbe, zweimal vergrössert, um die Fältelung des Mundrandes zu zeigen. Flg. 22. Vagmella depressa Daudin aus den Mediterranschichten von Forchtcnau in Ungarn; je zwei Ansichten in einfacher und in doppelter Grösse. Fig. 23 — 26. Ralantium Fallauxi n. f. Flg. 23. Hinterseite und grösstcr Querschnitt eines Exemplars vom Albrechl-Schacht in Peterswald aus dem miocenen Tegel in natürlicher Grösse. Fig. 24. Ideal ergänzte Seitenansicht desselben Exemplars. Flg. 25. Vierfach vergrösserter Längsschnitt durch die Schalenoberfläche der Hinterseite. Fig. 26. Flachgedrücktes Exemplar vom Josef-Schacht in Polnisch-Ostrau aus dem mio- cenen Tegel; Hinterseite und grösster Querschnitt in natürlicher Grösse. ji Ernst Kittl. lieber die miocenen Ptcropoden von Oesterreich-Ungarn. Fig. 27. Balantiuin IJittiieri n. f. aus Jen miocenen Mergeln vonTrifail in Steiermark; Vorder- ansicht, Seitenansicht und grösster Querschnitt (nach den in der k. k. geologischen Reichsanstalt befindlichen Exemplaren) in natürlicher Grösse. P'ig. 28 und ■3,2,. Balantium pedemontanum (Mayer). Fig. 28. Hinterseite, ergänzte Seitenansicht und Querschnitt in natürlicher Grösse eines Steinkernexemplars aus einem im miocenen Conglomerate des Pratzer Berges bei Brunn eingeschlossenen Mergelknollen. Das Exemplar lag bei Ausführung der Lithographie nicht vor, weshalb die Figur in der Ornamentik kleine Mängel zeigt. Die Furchen sind etwas weniger scharf eingeschnitten als in der Zeich- nung dargestellt ist, die Ornamentik ist undeutlicher als bei Fig. 33, nähert sich derselben aber mehr als aus der Zeichnung ersichtlich ist. Fig. 33. \^orderseite und restaurirte Seitenansicht nach Exemplaren aus den Schliermergeln (Langhien) von Serravalle di Scrivia bei Novi in Oberitalien in natürlicher Grösse. Fig. 29 — ■:^2. Hyalaea bisulcata n. f. aus dem miocenen Tegel des Josef-Schachtes in Polnisch- Ostrau, nach zwei, etwas verdrückten Exemplaren ergänzt. Fig. 29. \'orderansicht. Fig. 30. Hinterseite. Fig. 31. Seitenansicht. Fig. 32. Querschnitt in halber Höhe. Fig. 34. Vaginella lanceolata v. Koenen aus dem oberoligocenen Sternberger Gestein Mecklen- burgs in einfacher und doppelter Grösse. Fig. 35 und 36. Spirialis stenogyra (Philippi), verkieste Steinkerne aus dem miocenen Salz- thon von Ronaszek in Ungarn in zehnfacher linearer Vergrösserung. Fig. 37. Spirialis Koeneni n. f., verkiester Steinkern aus dem Miocen von Langenfelde in eilffacher linearer Vergrösserung. Fig. 38. Spirialis valvatina Reuss aus den miocenen Steinsalzablagerungen von Wieliczka in Galizien; nach den Originalen von Reuss in fünfzehnfacher linearer Vergrösserung. Fig. 39. Spirialis hospes (Rolle) aus dem oberoligocenen Sternberger Gestein Mecklenburgs in zwölffacher linearer Vergrösserung; nach dem Originalexemplar Rolle's. Fig. 40. Spirialis Tarchanensis n.f. aus sandigem miocenen Thone vom Ufer des Azow'schen Meeres zwischen Cap Tarchan und Gap Chronevi. Schalenexemplar in zehnfacher linearer Vergrösserung. F"ig. 41. Spirialis AiiJnissowi n. f. Steinkernexemplar von Kop-Kotschegen auf der Halbinsel Kertsch aus gypsführendem Thon in zehnfacher linearer Vergrösserung. Ueber neue und seltene Antilopen des k. k. naturhistorischen Hofmnseums. \'on Fran-{ Fricdr. Kohl. Mit vier lithogr. Tafeln (Nr. III— M). Das k. k. naturhistorische Hofmuseum erwarb vor Kurzem von dem Afrika- reisenden Herrn J. M enges einige interessante Säugethiere aus dem Somali-Lande, welche für dieses bisher noch sehr mangelhaft durchforschte Gebiet der äthiopischen Region eigenthümlich sind, und zwar: Gaiella Spekei ßlyth (mas ad.). Ga^ella Pel:[elnii n. sp. (mas ad.). Ga^ella Walleri Brooke (mas ad.). Tragelaphus imberbis Blyth (mas et fem. ad.). Asinus taeniopus var. somalica P. L. Sclater. Die Antilopen dieser Sendung schienen mir einer Abhandlung um so mehr werth, als sich dabei eine passende Gelegenheit darbot, neben anderen Notizen, welche zur Erweiterung der Kenntniss dieser Wiederkäuer beitragen sollten, auch noch die un- bekannten kraniologischen Verhältnisse bekannter Gazellen im Sinne der Systematik zu verwerthen. Um der etwaigen irrthümlichen Meinung, als handle es sich hier um eine erschöpfende vergleichende Untersuchung der Gazellenschädel, vorzubeugen, muss im Vorhinein auf die Einschränkung hingewiesen werden, welche mir durch das etwas spär- liche Materiale überhaupt, besonders aber durch den Mangel von Schädeln in jüngeren Altersstufen auferlegt wurde. Es kamen nur Schädel erwachsener Thiere, und diese mehr in Bezug auf peripherische Configuration als auf Eigenthümlichkeiten der Schädel- räume, zur Untersuchung. Auch schien es mir sehr wünschenswerth, dem Aufsatze einige Tafeln mit Abbildungen der Schädel folgen zu lassen, da ich die Anschauung gewonnen habe, dass bei der Gattung Gaiella Artbestimmungen nach dem Schädel in vielen Fällen in überzeugenderer Weise durchgeführt werden können als etwa nach Färbungsverhältnissen und anderen veränderlichen äusseren Merkmalen. Um die Abbildungen möglichst naturgetreu zu erhalten, wurden ihnen photogra- phische Aufnahmen zu Grunde gelegt, welche Herr J. Langl, Professor an der k. k. Ober- realschule des II. Bez. in Wien, unentgeltlich selbst besorgte.') Ich erachte es für eine angenehme Pflicht, diesem Herrn hiefür den wärmsten Dank auszudrücken. Zu grossem Danke fühle ich mich auch Herrn Gustos Aug. v. Pelz ein verpflichtet für die Liebens- würdigkeit, mit welcher er mich bei diesem Aufsatze durch Rath und That unterstützte. ') Die photographischen Platten weri-len im Museum (zool. Abth., Gruppe für \'ögel und Säuge- thiere) aufbewahrt. 76 Fi'anz Friedr. Kohl. Gazella Pelzelnii Kohl n. sp. (Taf. in, Fii,^ links). Eine kleine Notiz über diese schöne neue Gazelle habe ich in den Sitzungsberichten der zool.-bot. Gesellschaft in Wien (Jänner 1 886) veröti'entlicht und lasse hier eine ein- gehendere Beschreibung folgen. Mas ad. — Stria nasalis j'ufescenti isabellina, in basi obscurior utrinqiie Striae diiae contiguae: siipraocularis alba et ocularis obscure isabellina. Tcrgaeum ad caii- dam nsque rufescenti isabellinnv} , Stria lateralis paiilo obscurior. Ea pars, qiiae con- spicitur inter striam lateralem et tcrgaeum, colore pallidior, praeter tergaei et Striae lateralis colorem eminet. Gastraeum, crnrum superficies interna, nee non pygaeum alba; caiida nigra. Scopae carpi distinctae, in basi fuscae. Cornua capite multo longiora, gracilia, valde compressa, admodum annulata, apice laeva, tantummodo pauhim recurvata, quam in Ga^ella arabica evidenter plus divergentia. Hanc gazellam insignem in honorem Dom. Aug. de Pelzeln, custodis Musei imper. Vindobonensis, gratissimo animo denominare velim. Berberah (terra somallca) 21. Jänner i885. J. Menges legit. M a a s s e : Ganze Körperlänge (ohne Schwanz, am trockenen Balge gemessen) ... ^ .... 103 Cm. Körperlänge vom Ohre bis zur Schwanzwurzel 84 » Länge des Schwanzes mit dem Haarbüschel 13 >■ Abstand des oberen Randes des Foramen occipitale von dem vorderen Ende des Intermaxillare I7"2 Länge eines Hornes vorne, nach der Krümmung gemessen 27 >- Directer Abstand der Hornbasis von der Spitze (vorne) 25-5 >.^ Abstand der Hörner an der Basis i'Q " Abstand der Hörnerspitzen von einander I3*'J Umfang eines Hornes an der Wurzel 8*4 >^ Länge des glatten Spitzentheiles des Hornes 5*2 » Zahl der Ringe 21, die allerletzten nur vorne entwickelt. Pupille länglich, Iris tief dunkelblau (nach Menges). Als nächstverwandte Arten müssen zur Vergleichung G. arabica Ehrenb., Spekei Blyth und G. Granti Brooke herangezogen werden. G. arabica unterscheidet sich von G. Pel:[elnii durch die bedeutendere Grösse und die viel dunklere Tracht. Die Art der Färbung und Zeichnung ist zwar bei beiden Species dieselbe, nur zieht bei letzterer das Isabellfarbige des Körpers stark in einen rosthellen Ton. Viel wichtiger als die Färbung ist zur Erkennung die Bildung und Stellung der Hcirner (Taf. IL, Fig. la und ib); sie sind noch viel schlanker als bei arabica, seitlich stärker zusammengedrückt, verhältnissmässig auch etwas länger, ihre Divergenz und die Zahl der Ringe beträchtlicher. Nach Ehrenberg hat man bei G. arabica (mas) i3 — 17 Ringe beobachtet, unser Stück von Pelzelnii hat dagegen 21 Ringe.') In Folge der grösseren Divergenz bei G. Pelzelnii ist auch der Abstand der Hörner- spitzen voneinander grösser; bei dem vorliegenden Stücke beträgt sie 1 3-6 Cm. (3" 2'" Wiener Mass) gegenüber dem Abstände von 9-5 — 10-4 Cm. (3" 6'" — 3" 10'" Pariser Mass) bei arabica r) I) Im hiesigen Museum ist ein ausgestopftes männliches Exemplar von G. arabica, bei ilem die Zahl der Ringe an jedem Hörne 14 ist. Die Entfernung der Hörner an der Basis beträgt 2 Cm., die der Spitzen 8-8 Cm., die Länge der Ilörncr nach der vorderen Krümmung 25-5 Cm., der direcle Ab- stanil der Basis von der Spitze 24*^) Cm. -) Nach Messungen von FJirenberg (Svmb. pliys.) an Stücken, welche G. Pelzelnii an Grösse bcdeutenil übertrafen. Ueber neue und seltene Antilopen. nn Auf eine Eigcnthüi-iilichkeit des Schädels (Taf. IV, P'ig. f) glaube ich aufmerksam machen zu müssen. Die aufsteigenden Fortsätze der Zwischenkiefer erreichen die Nasen- beine eben noch, ohne sich mit ihrer Breite an sie anzulegen; auf diese Weise kommt es, dass der Oberkiefer zwischen dem Thränenbein und dem Zwischenkiefer eine so beträchtliche Ausdehnung erlangt, wie wir sie nur bei sehr wenigen Gazellen wieder finden; sie übertrifft die Breite des Intermaxillare ungefähr 2-5 mal, während sie bei G. arahica sowohl als Spekei, den nächststehenden Formen, der Breite des Intermaxil- lare ungefähr gleichkommt. Bei arahica ist überdies das Nasenbein viel länger und ge- wölbter; seine Länge entspricht fast dem Abstände der Spitzen seines Vorderrandes vom Zwischenkieferende, was bei G. Pel\elnü, übrigens auch Spekei nicht annähernd der Fall ist. Einsenkung im Thränenbeine wie bei arahica tief — aber nicht ganz in demselben Masse ausgedehnt; Thränenbein verhältnissmässig klein, in der Gesichtsfläche weniger weit nach vorne sich erstreckend. Mit G. Granu V. Brooke (Proc. Zool. Soc. 1872, 601, PL XLI. — Ibid. 1873, 55o. — Sclater, Ibid. 1875, 535. — Brooke, Ibid. 1878, 723) hat sie mehr die Form der Hörner, als die Grössen- und Färbungsverhältnisse gemein. Während G. Pel:[elnii etwa die Grösse eines kleinen Rehes (Schmalrehes) zu erreichen scheint, zeigt G. Granti die stattliche Gestalt der G. dama und dürfte mit dieser, der G. Soemmerringii, vielleicht auch euchore in eine Gruppe gehören, da sich auch bei ihr, ebenfalls zum Unterschiede von Pel:[elnii, das Weiss des Spiegels beträchtlich über den Schwanz hinauf erstreckt und beiderseits winklig in die isabelle Rückenfärbung hineindrängt. Die Hörner sind viel länger, nach Brooke (nach der Krümmung gemessen) beim erwachsenen Männ- chen 24 — 26, beim Weibchen i5 englische Zoll lang. In der Divergenz und den Krüm- mungsverhältnissen der Hörner gleichen sich G. Granti und Pel:{elnii fast vollständig, soweit es die Abbildungen Brooke's (Proc. Zool. Soc. 724 — 725, Fig. i, 2) zu be- urth eilen gestatten. Gazella Spekei Blyth (Taf. in, Fig. rechts). Diese Art wurde im Jahre i856 in Journ. Asiat. Bengal vol. XXIV, p. 296 von Blyth beschrieben. Blyth hatte zu seiner Beschreibung nur Kopf und Hals des Thieres vorliegen, musste sich daher auf Angaben über die Form der Hörner und die F'arbe einiger Kopftheile beschränken. Eine Wiederholung der Beschreibung gab derselbe Autor in Cat. Mamm. As. Soc. p. 172, i863. Später wird von G. Spekei erst wieder im .lahre 1870 Erwähnung gethan. W. T. Blanford liefert nämlich bei Gelegenheit einer Beschreibung der G. Dorcas Licht. (= Isahellae GrayJ in Observ. on the Geology and Zoology of Abyssinia p. 261. PI. I, Fig. 5 — 5 a eine gute Abbildung der Hörner des Männchens und Weibchens (Vorder- und Seitenansicht). In der Monographie der Gazellen von V. Brooke, »On the Antilopes of the Genus Gazella and their distribution« (Proc. Zool. Soc. Lond. p. 543, 1873) erfolgt keine Er- weiterung der Beschreibung, sondern nur eine Wiederholung der Originaldaten Blyth 's mit der ausdrücklichen Bemerkung: »Head and neck of male and female onlv known.« Brooke war von Blanford eine Photographie der Type verschafft worden, und fand, dass die Hörner denen der G. arahica Licht, sehr ähnlich seien, von welcher Art sich G. Spekei übrigens durch die Färbung des Gesichtes, Halses und der Ohren beträchtlich unterscheide. 78 Franz Friedr. Kohl. Das von unserem Museum erworbene Stück ist ein Männchen in vollkommenem Balge mit Schädel und Gehörn und ermöglicht die Vervollständigung der Artkenntniss. Stria nasalis riifescetiti-brunnea, maciila distincta nigrofusca ante nares. Vitta supraocularis alba, ocidaris i'iifesccnti-briinnea, aiires griseo-albidae. Tergaeiim a niicha ad caiidam usquc briinnescenti-isabcllinum. Stria lateralis lata (4-5 Cm.) nigro- fusca. Colins reliqniis et ea pars, qiiae conspicitnr inter striam lateralem et tergaenm, colore pallide-isabellino eminet. Gastracnm, criirnm superficies interna nee non py- gaenm alba. Cauda nigra. Scopae carpi distinctae, in basi fnscae. Ov-niia rnbiista, parum divergentia, quam in G.arabica plus ciirvata, apicibus laevis paiihim recurvatis. Mas. — Gerbati (terra somalica septentrionalis) 14. März i885. J. Mengcs legit. Maasse: Ganze Körperlänge (am trockenen Balge gemessen, ohne Schwanz) 112 Cm. Körperlänge vom Ohre bis zum Schwänze 93 » Länge des Schwanzes mit dem Haarbüschel 13 >■> Abstand des oberen Randes des Foramen occipitale von dem vorderen Ende des Zwischen- kiefers Ii5 » Länge eines Hornes vorne nach der Krümmung 25-5 » Directer Abstand der Basis eines Hornes von der Spitze (vorne) 23-5 » Abstand der Hörner an der Basis 1*2 » Abstand der Hörnerspitzen von einander . I3"6 » Umfang eines Hornes an der Wurzel I0'8 » Länge des glatten Spitzentheiles des Hornes 5'5 » Zahl der Ringe 15, die beiden letzten schwach, nur an der Vorderseite bemerkbar. Pupille länglich, Iris tief dunkelbau (nach Menges). G. Spekei hat sich meines Erachtens als nächste Verwandte an die Seite der G. ara- bica zu stellen. So gross wie diese, hat sie gleichfalls eine dunklere Tracht als G. dorcas oder Pel:{elnii ; nur sind die Randstreifen an den Seiten viel dunkler und auffälliger. Die Hörner (Taf. II, Fig. 3 a und 3 b), von denen Blanford (1. c.) eine ganz richtige Ab- bildung liefert, haben ebenfalls viel Aehnliches mit denen der verglichenen Art, sind aber ein wenig dicker, stärker divergent und erscheinen, von der Seite gesehen, mehr gebogen. Der Schädel von G. Spekei (Taf. IV, Fig. 3) hat grosse Aehnlichkeiten mit denen von G. arabica und G. Bennettii, nur finde ich die Concavität desThränenbeins nicht in demselben Masse ausgedehnt und vom Jochbein nur äusserst wenig an ihrer Bildung betheiligt. Auch bedingen die bedeutendere Dicke der Stirnzapfen, deren Basaltheil sich viel steiler erhebt, besonders aber der von G. arabica und G. Bennettii verschiedene Krümmungsgrad der Hörner ein etwas anderes Bild der vorderen Frontalregion. Gazella mhorr Benn. und Gazella addra Benn. Im Jänner des Jahres 1 872 kam aus der Schönbrunner Menagerie, wo schon seit längerer Zeit die G. addra gehalten worden war, ein verendetes männliches Thier dieser Antilope an das kaiscrl. Museum. Es stimmt mit der Bennett'schen Beschreibung der Mhorr-Antilope (Trans. Zool. Soc. I, t. 8) ausgezeichnet überein, nur möchte ich das Braun des Körpers kein dunkles, sondern ein Rostbraun nennen. Dieses Stück stammt aber aus Ost-Afrika und nicht, wie von G. mhorr angegeben wird, aus West-Afrika. Die übrigen von Ost-Afrika stammenden Exemplare von G. addra unseres Museurns zeigen der Hauptsache nach die Färbung der Rüppel'schen (Atl. Zool. t. 14) und Ehrenberg'schen (Svmb. Phvs.) Abbildung, wenn auch bei einem jungen Weibchen mit brauner Stirnc und einem alten Männchen sich das IsabclJbraun der Körperoberseite Ueber neue und seltene Antilopen. yq in einem breiten, nach hinten mehr verschwindenden Streifen quer über den Schenkel fortsetzt. Bei diesem letzterwähnten Männchen erscheint übrigens nicht nur die Rücken- schabracke mehr ausgebreitet, sondern das Rostbraun an der unteren Halsseite aus- gedehnter und der weisse Kehlfleck mehr ausgeprägt. Auch der Haarschopf auf der Stirne ist verschieden lang und dicht, am längsten bei dem erstgenannten Thiere mit der Mhorr-Färbung aus weissen, schwarzen und braunrothen Haaren gebildet, im Ganzen von grauem Aussehen; auch die Haare des übrigen Körpers sind bei diesen länger als bei allen anderen Stücken, so dass ich glaube, ein Thier im Winterkleid vor mir zu sehen. Da nun aber dieses Stück sich im Uebrigen von G. addra nicht unterscheidet, zwischen G. addra und G. mhon' der Autoren nur Färbungsunterschiede zu herrschen scheinen, und mir die genannten Zwischenfärbungen bekannt geworden sind, so trage ich kein Bedenken, G. mhorr Benn. und G. addra Benn. als zusammengehörig zu be- trachten, umsomehr, als die meisten afrikanischen Thiere über einen grossen Theil der äthiopischen Region, manche fast über deren ganzes Gebiet verbreitet sind. Freilich bleiben noch die Fragen offen, inwieweit die ümfärbung von Jahreszeiten, localen Verhältnissen, von Geschlecht und Altersstadien abhängig ist. Auffallend bleibt nur der Umstand, dass Ehrenberg die verschiedenen Alters- stadien und Geschlechter von G. dama in einem und demselben Kleide darstellt. InRücksicht auf die Priorität muss dieBennett'sche und Gray 'sehe Artbenennung vor der Pallas'schen (»dama«) zurücktreten. Der Schädel von G. dama (Taf. V, Fig. 2) ist sehr eigenartig und nicht leicht mit einer der in diesem Aufsatze berücksichtigten Schädelformen zu verwechseln. Der Gesichtstheil erscheint bei erwachsenen Stücken, wenigstens irn Vergleich zum Gehirn- schädel, aussergewöhnlich entwickelt, so zwar, dass der directe Abstand des Vorderendes des Zwischenkiefers von der Stelle, wo die Thränenbein-Jochbeinnaht über den Augen- rand setzt, grösser ist als die Entfernung dieser Stelle vom Oberrande des Hinterhaupt- loches; bei den übrigen Gazellen ist er etwa so gross als die Entfernung der genannten Stelle von der Hinterhauptschuppen-Schläfenbeinnaht. — Hinterhauptschuppe mit sehr kurzer Horizontalfläche. Backenzähne derb, hoch, die Reihen lang. Im Zusammenhange mit ihrer kräftigen Entwicklung steht die sehr bedeutende Auftreibung der Antlitzseiten (Oberkiefer) einer- seits, die Derbheit der Unterkiefer andererseits. Kronenfortsatz von der Länge des Augenhöhlendurchmessers, am Rande gemessen. Thränenbeine sehr weit, weiter als bei den anderen hier besprochenen Gazellen, ins Gesicht heraustretend und im Vergleich mit diesen ziemlich flach, was auch bewirkt, dass die Augenhöhlenränder weniger auf- fällig hervorragend erscheinen. Zwischenkiefer bis an die Nasenbeine hinaufreichend, mit ihrer Breite sich an sie anlehnend. Oberkiefertheil zwischen Thränenbein und Inter- maxillare, etwa von der Breite des letzteren oder ein w^enig breiter. Nasenbeine etwas kürzer als der Abstand ihrer Vorderspitzen vom vorderen Zwischenkieferende. Litocranius (Gazella) Walleri v. Brooke. Diese Antilope wurde in der Literatur erst zweimal besprochen, das erste Mal in den Proc. Zool. Soc. 1878, p. 929, PI. LVI, wo V. Brooke den durch viele Eigen- thümlichkeiten ausgezeichneten Schädel beschreibt und abbildet, das zweite Mal von P. L. Sclater im Jahre 1884 (Proc. Zool. Soc. p. 538, PI. XLIX). Sclater behandelt die äussere Erscheinung des Thieres, den taxidermischen Theil und liefert eine Ab- bildung des Felles und des Kopfes mit dem Gehörne. AiinaLn des k. U. naturliistorischen Hofmuseiims. 1;J. 1, Heft 2, 1886. 6 Franz Friedr. Kohl. Das Stück des Wiener Museums, ein Männchen, stimmt zwar der Hauptsache nach mit den Angaben Brooke's und Sclater's überein, weicht jedoch in einigen Details davon ab, so dass folgende vergleichende Zusammenstellung der Masse wünschenswerth erscheinen dürfte.') Länge des Körpers bis zum Schwänze (nach dem trockenen Balge) Länge des Körpers vom Ohre bis zum Schwänze Länge des Schwanzes Breite des braunen Rückenstreifens in der Mitte . . Länge eines Hornes nach der Krümmung (vorne) . Gerader Abstand der Hornspitze von der Hornbasis Abstand der Hörnerspitzen von einander Abstand der Hörner an der Basis Länge des glatten, nach vorne gekrümmten Spitzen- theiles der Hörner Umfang eines Hornes an der Basis Länge der Schädelaxe gezogen vom oberen Rande des Hinterhauptloches bis zur vorderen Spitze des Zwischenkiefers V. Brooke's (^ Cm. Wiener Maass 4 2-5 Sclater's cT Cm. 35-6 27-8 77 Wiener Maass 10 7 2" 10-8'" 4"8"' Hofmuseum (^' Cm. 131 20 22 32-5 27-2 13-5 3*9 9-5 1 2-2 Wiener Maass / / 8"4"' I2"4"' io"4"' 5"i-5"' i"6"' 3"7-5"' 4"7-5"' 9 1- Die Zahl der Hornringe wird weder von Brooke noch Sclater angegeben; unser Stück zählt 26 Hornringe. Somali-Land bei Gerbati, 14. März i885. — Pupille länglich, Iris grau (nach J. M enges). Es liegen die Schädel von folgenden Gazellen vor: G. arabica, G. Spekei, G. Pel- yelnii, G.dama, G. Soemmerringii(?), G.Bennettii, G.subgutturosa und G. Walleriyov. Die ersten sieben Arten bekunden, von weniger bedeutenden, nur in der artlichen Verschiedenheit begründeten Unterschieden abgesehen, in der Physiognomie des Schädels eine grosse Einförmigkeit, als Gewähr für ihre generelle Zusammengehörigkeit. Ganz anders verhält es sich mit dem Schädel von G. Walleri (Taf. V, Fig. 3 und Taf. VI, Fig. 2), auf dessen Eigenthümlichkeit bereits V. Brooke und Sclater hinge- wiesen haben. Vor Allem fällt an ihm die aussergewöhnliche Gestrecktheit aller seiner Theilc auf. Ein Axenstück, welches bei geschlossenen Kiefern vom Oberrande der Augenhöhle bis zum Unterrande des Unterkieferastes vertical gezogen wird, würde in anderer Lage etwa von der Ohröffnung bis zur Stelle reichen, wo die Jochbein-Thränen- beinnaht über den Augenhöhlenrand setzt. Von dem durch seine auffällige Abplattung ausgezeichneten Neuraldach zeigt besonders die Occipitalzone im Horizontaltheile der Squamnia occipitale eine so ungewöhnliche Längenentwicklung, dass sie Jener der Parie- talzone nur wenig nachsteht. Die horizontale Fläche der Schuppe verschmälert sich nach hinten stark und bildet hinten einen über den abfallenden Hinterhauptstheil hinaus- quellenden Höcker. Die Bulla ossea tritt zum Unterschied von den genannten Gazellen stark gegen die Mittelaxe zurück, so dass der hinter dem Gehörgange gelagerte Theil des Schläfenbeins und selbst noch das Paramastoideum besonders hervorgehoben erscheinen. An der Verlängerung des Gesichtsschädels betheiligt sicli in geringerem Masse das Thräncnbein als der Oberkiefer; dieser behält zwischen jenem und (.lern aufsteigenden Aste des Intermaxillarc eine Längenausdehnung, welche die Breite des letzteren drei- bis viermal übersteigt. Die englischen Maasse sind in ilas Meter- und Wiener Maass umgerechnet. Ueber neue und seltene Antilopen. Thränenheine vcrhältnissmässig tief ausgehöhlt, nur unter schwacher Betheiligung des Jochbeines die Thränengruben bildend. Thränenbein und Jochbein, an ihrem hintern oberen Theile mit der Bildung des Augenhöhlenrandes beschäftigt und fast vertical auf- gestellt, lassen diese besonders stark heraustreten. Der Zwischenkiefer erreicht, ähnlich wie bei Eleotragiis, Capricornis, Nemor- rhedus und anderen Gattungen, zum Unterschiede von den übrigen Gazellen die Nasen- beine nicht, sondern springt winklig in den Oberkiefer hinein. Dass diese Eigenthüm- lichkeit keine nur zufällige, individuelle ist, scheint mir die Brooke'sche Abbildung des Schädels zu beweisen, da sie genau das nämliche Verhältniss zeigt. Nasenbeine flach, lang, sehr viel länger als der Abstand ihrer mittleren Spitzen des Vorderrandes vom vorderen Zwischenkieferende, etwa dreimal so lang als in der Mitte breit. Ethmoidallücke vorhanden. Backenzähne vcrhältnissmässig sehr klein und ihre Reihen entsprechend kurz; Reihe im Oberkiefer viel kürzer als ihr Abstand vom Vorderende des Zwischenkiefers, jene im Unterkiefer etwas kürzer als ihr Abstand vom hintersten Schneidezahn. Unterkiefer in folgerechter Uebereinstimmung mit den Entwicklungsverhältnissen des Zahnsystems und der von dessen Function abhängigen Kaumuskulatur ungemein schmal und verlängert erscheinend. Seine Verlängerung prägt sich besonders darin aus, dass das Foramen mentale von dem vordersten Backenzahn ungefähr doppelt so weit entlegen erscheint als vom hintersten Schneidezahn. Kronenfortsatz stark verlängert, etwa so lang als der Durchmesser der Augenhöhle am Rande. Entfernung des vorderen Zwischenkieferrandes von der Stelle, wo die Thränen- bein-Jochbeinnaht über den Augenhöhlenrand setzt, grösser als der Abstand der Schläfen- beinschuppcn-Hinterhauptsschuppennaht von ebenderselben Stelle. Auch von oben gesehen bietet der Schädel dieser Antilope ein von den übrigen Gazellenschädeln wesentlich verschiedenes Bild. Abgesehen von der kegelförmig sich zuspitzenden, langen Supraoccipitalschuppe fällt sofort die im Zusammenhange mit dem aussergewöhnlich grossen Basalabstand der Hörner stehende Breite der Stirnzone auf, welche an der Basis der Nasenbeine sich rasch sehr stark verschmälernd in den schmalen Gesichtsschädel übergeht (Taf. VI, Fig. 2); an diesem fallen die verlängerten Nasalia auf. Länge des Gaumentheiles, der Zwischenkiefer und der Kinnsymphyse der übrigen Verlängerung des Gesichtsschädels entsprechend. Alle diese Auszeichnungen des Schädels bewirken nun im Ganzen eine Configu- ration, welche von der der übrigen Gazellenschädeln ganz bedeutend verschieden ist, und zwar nicht nur der Schädel von Gazellenarten im engsten Sinne, sondern auch von Arten jener Gattungen, welche jüngere Autoren aus der meiner Anschauung nach völlig unbegründeten Zersplitterung der natürlichen Gattung Gai^ella gewonnen haben, wie Iragopsis, Antidorcas, Leptoceros, Eudorcas, Antilope. Die Merkmale, auf welche hin die Abtrennung der genannten Gattungen erfolgte, sind doch gewiss zu unbedeutend, als dass sie ernstlich zur Auffassung natürlicher Gat- tungen' verwendet werden könnten; sie scheinen mir vielmehr die eigentlichen Art- charaktere bei der Gattung Gaiella zu sein. Hiefür spricht auch der Umstand, dass von den sechs losgetrennten Gattungen vier nur durch eine einzige, die zwei anderen durch je zwei Arten vertreten werden. Es scheint mir z. B. unlogisch, die Erscheinung der Hörner, die doch nach ihrer Anlage und ihrem physiologischen Werthe nicht verschieden sind, in Bezug auf den 6* Franz Friedr. Kohl. Grad und die Art der Krümmung in dem einen Falle als Art-, in dem andern als Gattungs- merkmal aufzufassen. So wurde Ga:[ella Cuvieri wegen des einzigen Umstandes, dass ihre Hörner ge- streckt sind, zur Gattung Leptocerus'^) gestempelt. Würde man consequenterWeise weiter fahren, Gattungen zu bilden, so müsste auch G. arahica Ehrenb., weil bei ihr die Hörner verhältnissmässig parallel und nur in geringem Masse gekrümmt verlaufen, von der Gruppe der G. dama mit stark gebogenen, leierförmigen Hörnern, G. Spekei wieder von G. arabica wegen des stärkeren Grades der Krümmung generisch geschieden wer- den u. s. w. Wo blieben dann die Arten? Ebensowenig kann ich in der spiraligen Drehung der Hörner bei Cervicapra be:{oartica Aldrov. (Antilope cervicapra) einen generischen W^erth, sondern eben nur einen Krümmungsgrad, der die Art kennzeichnet, erblicken. Sundevall bemerkt in seiner bekannten Arbeit über die Wiederkäuer sehr zutreffend: »Wir müssen nur nicht glauben, wie so oft geschieht, dass Jede kleine Abweichung in der Form der Hörner generischen Unterschied bedingt.« Freilich ist bei Cervicapra ausserdem das Weibchen ungehörnt; es mag aber der Nachweis, dass dieser Umstand hier als generisches Kriterium und nicht nur als art- beständige Aeusserung sexualer Verschiedenheit, welche Ja auch bei den übrigen Gazellen im schwächeren Gehörne der Weibchen Ausdruck erhält, zu betrachten sei, kaum ge- liefert werden können. In dieser Hinsicht äussert sich Sundevall: »Man hat es als von grosser Bedeutung für die Systematik angesehen, dass ein Theil Weibchen Hörner hat, andere nicht; ich kann aber darin nichts Anderes sehen als eine Wirkung derselben Ur- sachen, welche macht, dass Bart-, Haar- oder Federbüschel und andere Zierden oder Farben bei den Weibchen nicht entwickelt werden. Man hat Beispiele vom Auswachsen der Hörner bei alten, sterilen Hirschkühen, und im Fall man eine Rennthiersorte ent- decken sollte, deren Kühe immer hornlos wären, so würde ich nicht allein dieses Um- standes halber für nothwendig halten, diese Thiere als von den gewöhnhchen verschieden zu betrachten, wenigstens nicht als Gattung, gleichwie Antilope subgutturosa nicht um derselben Ursache willen von A. dorcas und den übrigen Gazellen wird getrennt werden können. Man erinnere sich nur der Leichtigkeit, womit hornlose Varietäten unter den Hausthieren entstehen, und dass im Norden alles Rindvieh hornlos wird.« Auch die Entwicklung der Haarbüschel an Hand- und Fusswurzel und die Grössenverhältnisse der Thränengruben scheinen mir nur Artkennzeichen zu bilden. Während nun nach meinem Dafürhalten die erwähnten Gattungen bei einer weiteren, natürlichen Auffassung der Gattung Ga:^ella, welche sich in ihren Arten durch grosse Einförmigkeit des Schädelplanes auszeichnet, werden verschwinden müssen, scheint es mir bei der früher besprochenen Eigcnthümlichkeit des Kopfskcletes noth- wendig, G. Walleri als Gattung oder zum Mindesten als Untergattung abzutrennen. Ich schlage dafür die Bezeichnung Lifocranius vor. TragelaphuS (Strepsiceros) imÖerÖis Blyth, Kleiner Kudu. Wurde zuerst von Blyth als neue Art erkannt und kenntlich beschrieben (Proc. Zool. Soc. i86g, p. 54 — 55, Fig. B). P. L. Sclater-) gab in derselben Zeitschrift (Jahrg. 1884, p. 45, Fig. I und PI. iV) eine erweiternde Beschreibung auf Grundlage neuen Ma- ') Ein in der Zoologie bereits mehrfach veri^ebencr Niime. 2) Die Sei ater'schen Stücke stammen, wie unserige, aus dem Somali-I.amie. Ueber neue und seltene Antilopen, 83 terials. Ebenfalls im Interesse einer nähern Kenntniss des noch sehr wenig bekannten Thieres folgen hier die Masse des von unserem Museum erworbenen Pärchens: Länge des Körpers (ohne Schwanz, am trockenen Balge gemessen) .... Länge des Schwanzes (ohne Haarpinsel) Länge der Hörner (directer Abstand ihrer Basis von der Spitze) Absland der Hörnerspitzen von einander Basalabstand der Hörner: a) an der Stelle, wo die vordere Längskante verläuft ....... b) hinten Gerader Abstand des Oberrandes des Hinterhauptloches vom Vorderende des Zwischenkiefers Zahl der weissen Querbinden Die Masse des Männchens verglichen mit denen Sclater's und Blyth's (i8-5 bis ig-5 engl. Zoll) lassen es als ein erwachsenes, ausserordentlich grosses Exemplar er- scheinen, das in der Entwicklung des Gehörnes dem grossen Kudu (Trag, strepsiceros Pall.) sehr wenig nachgibt, ohne Jedoch dessen Körpergrösse annähernd zu erreichen. Das Weibchen ist viel kleiner und dürfte möglicherweise ein noch nicht vollständig ausgewachsenes Thier sein; seine Rückenfarbe, die beim Männchen graubraun genannt werden könnte, sticht stark ins Rostrothe. Ueber den Hinterrücken zieht sich ein scharf- abgesetzter, linienartiger schwarzer Streifen, der auf dem Rücken in einen über dem Rückgrat bis zum Schwänze verlaufenden weissen übergeht. Beim Männchen wird dieser Streifen von i — 2-5 Zoll langen Haaren gebildet. Gerbati, 14. März i885. — Pupille länglich, Iris dunkelbraun (nach J. Menges). Männchen Weibchen 175 Cm. 130 Cm. 27 » 18 ,> 63 » — 34-5 " — 5 » — 3 » ■ — i 32-5 » 22 » 10 — II II — 12 Hippofragus leucophaeus Pallas. Die Antilope kucophaea Pall., der Blaubock der holländischen Colonisten, wie sie Pallas in seinen Mise. Zool. p. 4 und Spicil. Zool. Fsc. I, p. 1767 beschreibt, ist eine Art, über deren Werth die Meinungen trotz vielfacher Erörterungen noch irnmer sehr getheilt sind. Während sich ein Theil der Autoren (Sundevall, Laurillard, Fitzinger) deutlich gegen die Thunlichkeit einer Vereinigung mit Hippotragiis eqidniis Geoffr. (Rossantilope) ausspricht, wird der Blaubock von anderen (A. Srnith, J. E, Gray, Harris) als kleinere Varietät oder Jugenderscheinung als zu dieser Art gehörig betrachtet. L. Reiche nbach und Wagner enthalten sich eines Urtheils und behandeln die Frage als eine offene. Ein endgiltiges Urtheil hierüber scheint besonders in Folge eines Umstandes schwierig zu werden. Im Jahre 1799 ist näniHch das erinnerlich letzte Stück dieser in der Capcolonie lebenden, aber von jeher seltenen Antilope geschossen worden; seit dieser Zeit hat man von ihr keine sichere Kunde') mehr bekommen, und es scheint, dass man sie zu den vom Menschen in jüngster Zeit ausgerotteten Thieren rechnen kann. I) Nach einem Aufsatze Sclater's (»On the Mamm. coli, and obs. by Capt. J. Speke during the East-Afric. Exped.« — Proc. Zool. Soc. Lond. 503, 1864) soll Aegocerus leucophaeus von Speke bei Kazeh geschossen und ein Kopf mitgebracht worden sein. Da aber aus späteren Aufsätzen Sclater's, von dem die Bestimmung herrührte, hervorgeht, dass ihm der eigentliche Blaubock unbekannt war, muss die Speke 'sehe Notiz, auf den Hippotragus cqiiinus Geoftr. in Anwendung kommen. 84 Franz Fricdr. Kohl. Ausf^estopfte Stücke besitzen nur die Museen von Wien, Paris, Stockholm, Upsala und Leyden. Die einzige Aussicht auf Entscheidung der offenen Fragen kann daher am ehesten noch von diesen Instituten zu erwarten sein. Sowohl L. .1. Kitzinger als Laurillard, ersterer am Wiener, letzterer am Pariser Museum, haben ihrerzeit trotz der bekannten Anschauungen A. Sraith's nicht gezögert, A. leucophaea als selbständige Art zu erklären. Sundevall, der drei Stücke von H. leucophaeus (in Upsala, Stockholm, Paris) gesehen hatte, führt ihn gesondert neben H. equinus als eigene Art an und erklärt ausdrücklich: »Minime animal fictum ut cre- didit A. Smith, sed fere certe, ut docuit Lichtenstein, in fine saeculi prioris extinctum« (Pecora, 1848, p. 72). Das Exemplar des H. leucophaeus im Wiener Museum ist ein Weibchen; da wir auch ein Weibchen des H. equinus besitzen, so war es möglich, folgende Masse zu nehmen und zu vergleichen: H. equinus J. Geoftr. 9 H. leuco- phaeus Fall. 9 200 Cr 61 : 124 : 38 ■■ 33 13-5 16 188 Cm. 49 >> 102 » 51 >' 41 » 12-5 » 13-7 » Körperlänge ohne Schwanz (am ausgestopften Thiere gemessen) .... Länge des Schwanzes mit der Quaste SchuUerhöhe ... Länge eines Hornes vorne nach der Krümmung gemessen Gerader Abstand der Hornbasis (hinten) von der Spitze Umfang eines Hornes an der Basis Glatter Spitzentheil des Hornes Zahl der Ringe bei H. equinus 13, bei H. leucophaeus 26. Nasenrücken bei H. equinus bis über die Wangen herab braunschwarz; zwischen ihm und den Augen zieht sich beiderseits, ganz in der braunschwarzen Färbung liegend, ein weisshcher, fast ganz durch einen weissen Haarbüschel gebildeter Streifen schief in der Richtung gegen den Mundwinkel herab. Dem H. leucophaeus fehlt die schwarze Färbung des H. equinus ganzlich und der Haarbüschel ist nicht weiss, sondern blass- braun und auch schwächer. Da aus der Vergleichung obiger Notizen besonders hervorgeht, dass H. leucophaeus kleiner als H. equinus, die Länge seiner Hörner und die Zahl deren Ringe trotzdem eine sehr viel beträchtlichere ist, so wäre es doch gewiss ungereimt, den kleineren H. leucophaeus als Jugenderscheinung von H. equinus aufzufassen; denn wollte man dies in diesem Falle, dann müsste man auch in allen anderen Fällen, den Erfahrungen zuwider, es aufgeben, das Entwicklungsverhältniss der Hörner zur Beurtheilung des Alters der Individuen länger zu verwerthen. Bringt man zugleich in Anschlag, dass H. leucophaeus im Gesichte anders getäi-bt ist und keine Mähne auf dem Halse trägt wie H. equinus, so kann wohl von der Ver- einigung beider Formen in eine Art keine Rede sein.') Ich halte demnach den H. leucophaeus weder für eine kleinere Varietät, noch für eine Jugenderscheinung, sondern für eine selbständige Art, die nunmehr wahrscheinHch ausgerottet ist. Da von Jüngeren Autoren, wie J. E. Gray, Giebel und Anderen, denen H. leu- cophaeus nur aus Abbildungen und Werken, nicht aber aus eigener Anschauung bekannt war, beide Arten vereinigt werden, so schien mir diese Erörterung sowohl, als auch folgende genaue Sichtung der Synonyma nöthig: I) Ein Unterschied in der Grösse der Hufe, wie ihn Kitzinger angibt, besteht nur insoweit, als eben auch H. leucophaeus dem //. equinus an Grösse bedeutend nachsteht, also nicht absolut. Ucbcr neue und seltene Antilopen. 85 H. leucophaeus Paii. Capra coerulea Kolbc: Capcns. vol. I. ed. germ. 141, cd hclg. i(j(), 1741. Antilope leucophaea Pallas: Mise. Zool. 4, 1766, et Spicil. Zool. Fsc. I. 6, 1767. Blue Antelope Penn.: Syn. Quadrup. 24, Fig. capit. 3(j, 1771. A. leucophaea Erxl: Syst. regn. anirii. 371, 1777. A. leucophaea Zimmermann: Geogr. Gesch. II. lob, 1778 — 1783. Ga^elia l\eiran Buffon: Hist. nat. Suppl. t. VI. 168, 1782. A. leucophaea Gmel. : Syst. Nat. ed. XIII. t. I. 182, 1781). Blaauw bock in Verhandl. Batav. Genoot. 1792. A. leucophaea Shaw.: Gener. Zoology II. P. 2. 35 5, Tab. 195, 1801. ^4. leucophaea Lichtst.: Mag. d. Gesellsch. naturf. Freunde, Berlin, VI. 159, 1807. Blaubock Fichtst.: Reise II. 121, 181 1. A. leucophaea Thunbcrg: Mem. de l'Acad. Petersb. III. 314, 181 i. A. (Oryx) leucophaea Blainv.: Bull. Sc. Phil. 75, 1816. A. leucophaea Desmar. : Nouv. Dict. d'hist. nat. II. 204, 1 816 — 1819. A. leucophaea Cuv. : Regne, anim. I. 262, 1817. A. leucophaea Schreber: Säugeth., V. Abth. ii83, Taf. 278, 1817. A. leucophaea Schinz: Das Thierrcich von Cuvier 394, 1820. A. leucophaea Desmar.: Mammalogie 475, 1820 — 1822. Aegocerus Leucophaea Ham. Smith: Grit!. Anim. Kingd. V. 5io, 1827. A. leucophaea J. B. Fischer: Synops. Manim. 479, 1829. .4. leucophaea Smuts: Enum. Mamm. cap. 68, i832. ^1. leucophaea Ham. Smith: Gritf. Anim. Kingd. V. 817. A. leucophaea L. Reichenb. : Naturgesch. d. Säugeth., 3. Bd. i3o, Taf. XL, Fig. 2 35, 1845. Aigocerus leucophaeus Schinz: Synops. Mamm. 440, 1845. Hippotragus leucophaeus C. S u n d e v all : Meth. Uebers. d. wiederkäuend. Thierc (Linne's Pecora) (Uebersetzung von Dr. C. Fr. Hornschuch) 72, 1848. Aegocerus equinus J. E. Gray: Proc. Zool. Soc. P. XVIII. i33 (var.), i85o. Aegocerus leucophaeus J. E. Gray: Cat. Mamm. Brit. Mus. P. III. 104 (var.), i852. Antilope (Hippotragus) equina var. ß Wagner: Schrcber's Säugeth. Suppl. V. Abth. 436, i855. Aegocerus leucophaeus L. Fitzinger: Naturgesch. d. Säugeth., IV. 3 14, 1859. H. equinus J. Geoffr. Antilope equina J. Geoffr.: Cat. d' Musee. A. (Oryx) equina Blainv.: Bull. Sc. Phil. 75, 1816. A. equina Desmar.: Nouv. Dict. d'hist. nat. II. 204, 1816 — 181 9. A. equina Cuv.: Dict. scient. nat. II. 446, Fig., 1817. A. leucophaea Schreber: Säugeth., V. Abth. 1186, 1817 (ex parte). A. equina Cuv.: Regne anim. I. 203, 1817. A. equina Desmar.: Mamm. 476, 1820 — 1822. A. equina Schinz: Das Thierrcich von Cuvier 394, 1820. A. equina Schinz: Naturg. Abbild, d. Säugeth. 3o5, Taf. i 3o, 1827. A. equina Desmoul.: Dict. class. hist. nat. VI. 446, Fig., 1827. Aegocerus Equina Ham. Smith: Gritf. Anim. Kingd. IV. 177, t. V. 811, 1827. .4. equina .1. P. Fischer: Synops. Mamm. 480, 1829. 35 Franz Fricdr. Kohl. A. equina Smuts: Enuni. Mamm. cap. 69, i832. Aigocerus equinus Andr. Smith: Illustr. of the Zool. of South Africa, n. 12, Tab. 27, 1840 — 1845. A. equina Wagn.: Schreber's Säugeth. Suppl. IV. Abth. 482, 1844. A. equina Schinz: Synops. Mamm. 441, 1845. A. equina L. Reichenbach: Naturgesch. d. Säugeth. 3. Bd. 128, 1845. A. (Aigocerus) equina ?ic\-\inz: Monogr. d. Säugeth. i3, 14. Heft, 37, Taf. 42, 1846. Hippotragus equinus C. Sundcvall: Linne's Pecora, 72, 1848. Aegocerus equinus J. E. Gray: Proc. Zool. Soc. P. XVIII. i32 (excl. var.), i85o. Aegocerus leucophaeus J. E. Gray: Cat. Mamm. Brit. Mus. P. III. 102, i852. A. leucophaea Giebel: Die Säugethiere 296, i855. A. (Hippotragus) equina Wagn.: Schreber's Säugethiere, V. 435 (excl. var.), i855. Aegocerus equinus L. Kitzinger: Naturgesch. d. Säugeth., IV. 3 14, Fig. 2o3, 1859. Als zweifelhafte Synonyma dieser beiden Arten müssen gelten: Täkhit^e Fruter et Sommervillc in Geogr. Ephem. 274, 1807. Bastard Eland Lichten stein: Reise nach Afrika II. 262, 181 1. Bouquetin ä crinicre d' Afrique Cuv. : Regne anim. I. 266, 1817. Capra aeth.iopica Schinz: Das Thierreich von Cuvier I. 403, 1820. Takkai^e DanieU's Afric. Seen. n. XXIV, 1820. Zum Schlüsse sei bemerkt, dass die Arten dieser Gattung, wenigstens .1. leucophaea und A. equina nicht, wie Smuts (Enum. Mamm. cap. i832) zuerst berichtet und andere, besonders jüngere Autoren ihm nachschreiben, blos zwei, sondern vier Zitzen haben. Erklärung der Tafeln. Taf. III, Fig. rechts: Ga:^eUa Spekei B\yi\-i, altes Männchen. Fig. links: Ga:^eUa Peln^elnii n. sp., altes Männchen. Taf. IV, Fig. I : Ga:^ella Pel^elnii n. sp., altes Männchen. Schädel, {^/.y d. nat. Grösse.) Fig. la: Ga~elld Pel:^elnii n. sp., altes Männchen. Gehörn. (^ _- d. n. Gr.) Fig. ib: Ga-ella Pel:ielnii n. sp., altes Männchen. Hörn. Seitenansicht. ('4 ^- "• ^r. Fig. 2: Ga:^ella Bennettii Syk., altes Männchen. Schädel. ('/., d. n. Gr.) Fig. 3: Ga:^ella Spekei Blyth, altes Männchen. Schädel. ('/^ d. n. Gr.) Fig. 3a: Ga:^ella Spekei Blyth, altes Männchen. Gehörn. (\4 J- "• *Ji'-) Fig. 3b: Ga:^el!a Spekei Blyth, altes Männchen. Hörn. Seitenansicht. ('3 d. n. Gr. Taf. V, Fig. I : Ga-ella arabica Ehrenb., altes Männchen. Schädel, (i/.^ d. n. Gr.) Fig. 2: Ga:{^ella dama Fall., altes Männchen. Schädel. ('/,, d. n. Gr.) Fig. 3: Litocranius Walleri Brooke, altes Männchen. Schädel. ('A d. n. Gr.) Taf. VI, Fig. I : Ga^ella Spekei Blyth, Schädel, obere Ansicht. (' .^ d. n. Gr.) Fig. 2: Litocranius Walleri Brooke, Schädel, obere Ansicht. (' 2 ^- "• Gr.) Fig. 3: Tragelapluis imberbis Blyth, altes Männchen, Schädel. (',4 d. n. Gr.) Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. Von Prof. Dr. Friedrich Brauer. Mit zwei photo-zinkogr. Tafeln (Nr. \\\ und VIII). Einleitung. IN och vor wenigen Jahren schrieb H. Credner (Elemente der Geologie 1872, p. 3 10): Es ist ein fremdartiger Anblick, welchen unser Planet während der Silurperiode dem Auge der Geologen bietet. Fast das ganze Erdenrund ist vom Wasser bedeckt, über dessen Spiegel sich nur einzelne felsige Inseln erheben. Sie entbehren noch des Schmuckes einer Pflanzendecke und des Lebens thierischer Bewohner, ■ — todt und starr stehen sie da! — Die Flora und Fauna des silurischen Zeitalters war ausschliesslich marin. Seither hat man Spuren von niederen Land pflanzen (Goss, Ent. m. mag. p. 126, Note, T. XV. Scoville, Rominger) und zweifellose Landthiere entdeckt. Vor zwei Jahren hat die Auffindung eines Scorpions (Palaeophoneus niincius Lindstr.j im oberen Silur allgemeines Aufsehen erregt, und noch überraschender war die Entdeckung eines Insectes im älteren mittleren Silur. Es wurde nämlich ein Flügelabdruck gefunden, der im Ver- gleiche mit jetzt lebenden Insecten mit Vorbehalt als solcher einer Schabe (Blattide) ge- deutet wurde (Brongniart). Gewiss ist, dass beide nicht die einzigen und ersten Formen luftathmender Glieder- füssler waren und dass sie das Vorjiandensein von Pflanzen bedingen. Beide Formen sind schon so weit in ihrer Organisation von den ausschliesslichen Wasserbewohnern und Wasserathmern entfernt, dass es gerechtfertigt erscheint, zahlreiche Zwischenformen und Vorläufer anzunehmen. Auch lassen sich nicht alle späteren luftathmenden Arthro- poden von diesen beiden Typen herleiten. Es scheint uns auch die Aeusserung Brongniart 's etwas voreilig, nach welcher durch die Entdeckung des ältesten Insectes die Ansichten der Biologen verdrängt und widerlegt werden sollten. Denn diese haben als Urtypus eines Insectes, in Uebereinstim- mung mit Fritz Müller 's Ansichten über die Verwandlung, eine Form angenommen, welche zumeist mit den heute lebenden Thysanuren, Machilis, Lepisma (Paul Mayer) oder Campodea (Brauer, Lubbock) verwandt sein sollte. Es ist aber ganz falsch und unwahr, was Scudder (Handbuch der Paläontologie von A. Zittel, p. 825, i885) sagt, dass die Biologen der Ansicht waren, die Hexapoden stammen von fusslosen Vorfahren ab, oder wie Scudder sich ausdrückt: von »fusslosen Hexapoden«. — In der That stellten die Systematiker bisher die Thysanuren in den Kreis der Orthopteren im weiteren Sinne und ganz nahe an die Blattiden, da die Mundwerkzeuge von Blattei und Friedrich Brauer. Z,e/'/5;?z<:z einander sehr ähnlich sehen (Ger st äck er). — Wir haben allerdings keinen Beleg dafür, dass vor den Schaben Lepismiden existirt hätten, da ihr ältester Repräsentant eben auch jetzt von Brongniart erst in der Kohlenperiode entdeckt wurde (Dasyleptus Lukasii Brgt.). Wir wissen aber, dass Formen, welche durch Rückbildung aus anderen ableitbar sind, oft eine Aehnlichkcit mit den Vorfahren vollkommener Formen zeigen können. — Aus Gründen, welche aus der Biologie und Morphologie hervorgehen, scheint es daher gerechtfertigt, die Formen der ersten Insecten so anzunehmen, dass sie eine gewisse Aehnlichkeit mit Thysanuren zeigen (Campodea), da viele Jugendformen der Insecten (Chloe) ganz gut einen Vergleich mit Thysanuren zulassen und diese Jugend- formen den sonst so verschiedenen vollkommenen Insecten aus ganz unähnlichen Ord- nungen gemeinsam sind. — Ebenso zeigt die Gruppe, in welche der Scorpion gehört, eine merkwürdige Beziehung zu den Gigantostraken, wohin Limulus und vielleicht die Trilobiten gehören. Die verschiedenen Forschungsrichtungen müssen sich unterstützen und ergänzen, niemals aber einander feindlich und schrotf gegenüberstellen. Es wird auch hervorgehoben, dass sich ein Vergleich der fossilen Insecten mit anderen fossilen Thiergruppen sehr sonderbar ausnimmt. Während in allen anderen Thiergruppen fast nur fremdartige Gestalten erscheinen, treffen wir in den paläozoischen und mesozoischen Schichten Insectenformen an, die man sofort in die betreffenden, jetzt lebenden Ordnungen oder Familien bisher einreihen konnte, und gar keine in dieser Hinsicht zweifelhafte Form erscheint uns in diesen Perio- den.') Die Classen und Ordnungen anderer Thiergruppen der Silurperiode erlöschen bis in die Jetztzeit fast vollständig, oder sie schmelzen auf wenige Formen zusammen, und diese sind oft so verändert, dass sie nur mit Mühe und spät als Abkömmlinge jener erkannt werden konnten (Limulus) ; nur die Classe der Insecten erscheint gleich vom Anbeginn in der Form eines Orthopteren, einer Blattide, und ist in der mesozoischen Zeit fast durch sämmtliche Ordnungen vertreten, ohne früher irgend welche Zwischen- formen oder Schalttypen gezeigt zu haben. — Ebensowenig kennt man Schalttypen zwischen den einzelnen Classen des Arthropoden-Kreises in den späteren Perioden, wäh- rend Schalttypen zwischen Amphibien und Reptilien, nämlich die Labyrinthe donten oder Froschsaurier, oder zwischenVögeln und Reptilien: dtr Archaeopteryx, Odonto- pteryx, Hesperornis, oder zwischen Reptilien, Fischen und Vögeln: der Ichthyornis, oder zwischen Reptilien und Vögeln: dQv Pterodactylus, zwischen Reptilien und carni- voren Säugethieren: die Theriodonten, oder zwischen den Ordnungen der W'iederkäuer, Dickhäuter und Schweine: die Anoplotherien bekannt wurden etc. Einige solcher Schalttypen leben heute noch, z. B. die einzige Art der Rhyncho- cephaliden, ein Reptil mit vielen Charakteren der Vögel; die Monotremen, eier- legende Säugethiere; die Dipnoi, lungenathmende Fische; die Beutelthiere, eine Schalttvpen-Gruppe zwischen Monotremen und placentalen Säugethieren; die Lepto- cardien, eine Schalttype zwischen Tunicaten und Wirbelthieren; die Placophoren, zwischen Würmern und Mollusken u. m. a. (Neoincnia, Chaetodenna und Placo- phoren, Chiton). Man hat zwar in neuester Zeit auch unter den fossilen Insecten ei^iige als Schalt- tvpen deuten wollen, aber diese bis jetzt nicht zweifellos feststellen können. Auch scheint man dieselben zwischen Insectenordnungen zu suchen, wo sie vielleicht nie gelegen waren. ') Goss gibt einen Vergleicli aus dem englischen I.ias. Man tritii dort nach Westwood Carabiden, Telephoriden, Elateriden, Curculioniden, Chrysomeüden, Blattiden, Gr}llidcn etc., dagegen von Vertebraten die Ilydro-Saurier, den Pterodactylus und gigantische Reptilien. Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. 8q Will man die allmälige Entwicklung eines Thiergcschlechtes verfolgen, so scheint es, wie neuere Untersuchungen festgestellt haben, am zweckmässigsten, von der Jetztzeit auf die jüngsten geologischen Perioden zurückzugehen und die nächsten Schalttypen zuerst in der der gegenwärtigen zunächst liegenden Zeit zu suchen. Auf diese Weise ist man bei höheren Thieren im Stande gewesen, die isolirte Ord- nung der Einhufer von einer ganzen Reihe von Vorfahren abzuleiten, welche den Zu- sammenhang mit heute noch lebenden Unpaarzehern (Tapir, Rhinoceros) herstellt. Lässt sich daher bei Betrachtung der paläontologischen Funde vom Silur angefangen auch ein allmäliger Fortschritt in der Entwicklung der Thierformcn deutlich von nie- deren Typen zu höheren erkennen, so wird doch der genetische Zusammenhang der ver- schiedenen Formen durch morphologische Schalttypen noch weit mehr durch den um- gekehrten Weg veranschaulicht, weil weit mehr Formen erhalten geblieben sind, welche die zuletzt aufgetretenen Gattungen verbinden, als dies bei den höheren Kategorien des Systems der Fall ist, deren höherer systematischer Rang mit dem Alter ihres Ursprunges und der Mangelhaftigkeit ihrer Genealogie im geraden Verhältnisse steht. Mit der Beurtheilung der fossilen Insecten werden wir nicht weit kommen, w^enn wir so engherzig sind und die Formen dieser Classe immer in die wenigen sieben oder neun Ordnungen gruppiren. Unsere jetzt lebenden Insecten sind durch so allgemeine Cha- ractere in wenige Ordnungen untergebracht, dass eben diese auch noch die fossilen Formen ohne Widerspruch aufnehmen können. — Und das ist auch die eine Ursache, warum die fossilen Insecten sich in so auffallendem Widerspruch mit den übrigen Thier- formen befinden; von jenenhaben wir stets nur Orthopteren, Neuropteren, Hemipterenetc, von diesen aber Thiergruppen, die in der Jetztwelt nicht mehr vorkommen, in einzelnen Formationen auftauchen und wieder untergehen, z. B. die Labyrinthodonten, die Trilo- biten, Ammoniten etc. — Eine zweite Ursache liegt aber in dem uralten Ursprünge vieler Insectengruppen, welche wir als Ordnungen unterscheiden, und eine dritte Ursache in der mangelhaften Kenntniss jener Organtheile, welche uns in der Regel am besten er- halten worden sind — der Flügel — und deren Verhältniss zur Gesammtorganisation. Man beschreibt die Flügel nur stets zur Unterscheidung der nächsten verwandten Gattungen und Arten, vergleicht aber nicht die der Ordnungen. Es hat bis jetzt noch Niemand unternommen, eine Charakteristik eines Lepidopteren-, Dipteren-, Neuro- pteren-, Coleopteren-, Ephemeren- oder Orthopterenflügels zu geben, und es darf daher nicht überraschen, dass, als Brongniart zu den Flügeln der für ausgestorben erklärten Paläodictyopteren die Körper fand, diese Phasmiden angehörten, oder dass der Eine dieselben fossilen Flügelabdrücke für solche von Wasserwanzen oder von Cicaden, der Andere für solche von Lepidopteren oder Hymenopteren deutet. Eine vergleichend anatomische Untersuchung der vorzüglich erhalten gebliebenen Theile der Insecten fehlt fast vollständig, während diese bei Wirbelthieren zur Deutung der fossilen Reste selbstverständlich zuerst in Angriff genommen wurde. Ein vierter Grund liegt in der Mannigfaltigkeit der Verhältnisse, denen sich In- secten anpassen können, so dass es immerhin weit begreiflicher ist, wenn wir noch heute Insecten finden, welche mit den ältesten fossilen Formen in eine Ordnung gebracht werden können. Besitzen wir ja auch unter den Placophoren noch eine Form, welche im Silur schon vertreten war, z. B. die Gattung Chiton und unter den Brachiopoden die Gattung Lingula. Das Verzeichniss solcher Formen würde sich bedeutend verrnehren lassen, wenn wir, wie ich schon bemerkte, andere Thiergruppen nach denselben Principien auffassen wollten, wie sie für Insecten geläufig sind. So würden wir den Lunidus und die Trilobiten QQ Friedrich Brauer. in eine Ordnung der Crustaceen stellen, die Schalttypen der Amphibien und Reptilien verschwänden, wenn wir an der alten Classc der Amphibien festhielten, und ebenso die interessanten Zwischenformen, welche die Monotremen und Beutelthiere bilden, würden verloren gehen unter der unrichtigen systematischen Anschauung und durch die Un- kenntniss der Werthe systematischer Kategorien. Ebenso verhielte es sich mit den an- deren Schalttypen, die ich vorhin aufgezählt habe. Fassen wir die Classen und Ordnungen etc. subtiler auf und vereinigen wir • innerhalb der Classencharaktere etc. nicht die heterogensten Formen, zwischen denen gar keine morphologischen Bindeglieder liegen, so tritt die Verschiedenheit der Thier- formen früherer Erdperioden von den jetzt lebenden um so schärfer hervor, und, mit Rücksicht auf die lückenhafte Urkunde der paläontologischen Entwicklung des Thier- reiches, zeigt sich auch die Uebereinstimmung der biologischen Resultate mit den palä- ontologischen. Wir wundern uns allerdings, dass in den ältesten Zeiten schon Wirbel- thiere existirt haben, aber wir begreifen, dass dies Fische waren, und noch mehr begreifen wir, dass diese Fische nur zur Gruppe der Paläichthyes gehörten. Ebenso erregt das Er- scheinen eines Insectes im Silur Aufsehen, aber es erscheint uns sofort natürhch, dass dieses zu den Orthopteren gehört. Wenn von dem ersten Auftreten der Säugethiere ge- sprochen wird, und wir führen die mesozoische Zeit an, so linden wir als sofort bedingend, dass Amphibien und Reptilien diesen in der paläozoischen Zeit vorausgingen und jene Beutelthiere waren u. s. w. Hier ergänzen Paläontologie und Biologie sich durchaus und letztere füüt die leeren Blätter der lückenhaft überkommenen Urkunde. Eine geistige Reise in jene längst entschwundenen Länder zur Erforschung ihrer Fauna kann nur mit Hilfe verschiedener Forschungsrichtungen mit Erfolg gemacht werden, und zwar müssen die entwicklungsgeschichtliche Richtung, die vergleichend ana- tomische Richtung, die vergleichend morphologische Richtung, die zoobiographische Richtung, sowie Zoogeographie über die verschiedenen Hindernisse hinweghelfen, wie man sich auf einer weiten Reise verschiedener Verkehrsmittel bedienen muss, und schHess- lich müssen noch andere Wissenschaften zu Hilfe kommen, um uns über das uralte Vor- kommen von Organismen auf unserem Planeten aufzuklären, deren Formen durch die Zeit vollständig vernichtet wurden. So lehrt uns die Geologie, die Aehnlichkeit zwischen dem Auftreten der Graphitlager und dem jüngeren Kohlengestein, welche so gross ist, sagt Credner, dass die Versuchung nahe liegt, in dem Graphite das Endresultat des Ver- kohlungsprocesses zu erblicken, durch welchen die Holzfaser in Braunkohle, Steinkohle und Anthracit umgewandelt wurde. Damit ist die Andeutung organischen Lebens in der vorsilurischen Laurentischen Periode gegeben und anderseits das plötzliche Auftreten einer immerhin mannigfaltigen Pflanzen- und Thierwelt in der silurischen Periode ver- ständlich. Wenn wir uns an die früher erw^ähnte Mannigfaltigkeit und das Anpassungsver- mögen der Insecten erinnern, so wird es weniger merkwürdig erscheinen, dass uns aus den verschiedenen nacheinander aufgetretenen Gruppen und von den alten Geschlechtern dieser Classe mehr Formen bis in die Jetztzeit erhahen geblieben sind und wir heute viele derselben gleichzeitig nebeneinander sehen, während in anderen Thiergruppen zahl- reiche Geschlechter und Ordnungen ausgestorben sind. Theilweise jedoch ist das, wie erwähnt, eine Täuschung und sehen wir durch ein sehr gefärbtes Glas bei diesem Aus- spruche. Halten wir an den sieben lnseacn-Oi\\nu\vj,cn ( Orthopteni, Rhynchota, Neuro- ptera, Diptera, Lepidoptera,Coleoptera, Hymenoptera) fest und stellen sie in einen Kreis, so könnten sieben Zwischenglieder zu suchen sein; thcilen wir dieselben in zwei Classen Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. qi (Sj-naptera und Pterygogenea) und crstcrc in 2, letztere in 16 unvermittelte Ordnungen, so könnten wir glauben, wir hätten mehr als doppelt so viel verlorene Schalttypen, und zwar solche zwischen zwei Classen und zwischen 18 Ordnungen zu suchen. Doch wäre dies ein grosser Fehler; denn die Schalttvpen zeigen uns ja an, dass dereinst viel weniger Ordnungen existirt haben, indem sie die Charaktere mehrerer Ordnungen vereinigten. Wir haben daher zu erforschen, welche und w^ie viele jetzige Ordnungen auf eine Schalt- type zurückzuführen seien. Wir wissen auch nicht, wie die Abzweigungen der Ordnungen stattgefunden haben, ob 2 oder 3 oder mehrere jetzige Ordnungen einen bestimmten Ausgangspunkt gehabt haben, oder wie viele solche Punkte vorhanden sind. Durch ana- tomische und vergleichend morphologische Untersuchungen kommen wir, von den jetzigen Forrnen ausgehend, auf fünf oder sechs Typen, aufweiche die 16 Ordnungen der geflügelten Insecten zurückzuführen sind, und da die Flügel dieser sechs Typen, an denselben Segmenten liegend, einander homolog sind, so dürften die geflügelten Insecten (Pterj'gogenea) auf einen Ausgangspunkt hinweisen, der uns aber ganz unbekannt ist: 1. Orthoptera polynephria; 2. Orthoptera oligoncphria ; 3. Thysanoptera; 4. Rlij'n- chota; 5. Metabola oligonephria und 6. Metabola polynephria. Von diesen sechs Tvpen oder Phylen enthält das I. die Ordnungen: i. Dermaptera, 2. Ephemeridae, 3. Odonata, 4. Plecoptera, 5. Orthoptera gemiina; das II. Ordo G: Corrodentia ; das III. die 7. Ordo: Thj'sanoptera; das IV. die Ordo 8: Rhynchota ; das V. dieOrdines g: Neuropteras.siv.', 10: Panorpatae; 1 1 : Trichoptera; 12: Lepidoptera; i3: Diptera; 14: Siphonaptera; i5: Coleoptera und das VI. die Ordo 16: Hj-menoptcra. Confer. Syst. zool. Studien. Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch., Wien, Bd. XCI., i885, p. 337. /. Ueber die Bestimmung fossiler Insecten im Allgemeinen. Bei Beurtheilung der mangelhaft erhaltenen fossilen Insecten muss in erster Linie die Kenntniss der lebenden Insecten in vergleichend anatomischer und morphologischer Richtung vorausgesetzt werden. Es niuss dem Beurtheiler bekannt sein, welche lebenden Formen, oder welche der unterschiedenen Ordnungen in diesen Richtungen mit einander zunächst systematisch, das ist auch genealogisch verwandt sind und welche einander hie und da sehr ähnlich sind, aber bei näherer Untersuchung ganz verschieden und gar nicht oder nur sehr entfernt verwandt erscheinen. — Von der Ana- tomie der fossilen Formen ist uns nichts bekannt und können wir dieselbe nur aus der Correlation gewisser Organe (Mundtheile und Darmcanal) erschliessen. — Wenn wir eine jetzt lebende Libelle anatomisch untersuchen, so gleicht ihr Darm jenem eines Heuschrecken viel mehr und ebenso ihre Mundtheile, als jenen des ihr äusserlich oberflächlich betrachtet so ähnlichen Ameisenlöwen, Hätten wir beide nur fossil und könnten über ihren inneren Bau und ihre Entwicklung nichts erfahren, so brächten w'ir sie vielleicht durch eine Menge äusserer, scheinbar verwandtschaftlicher Merkmale in Eine Ordnung. Damit sage ich keineswegs zu viel; denn bevor man ihre Anatomie genau kannte und auch noch später, als man wenig Werth auf diese und die Biologie legte, oder nur ein unnatürliches System auf einzelne Merkmale gründete — gehörten beide in Eine Ordnung, und zwar der Netz- flügler, Neuroptera Linne. Man hatte damals auch nicht darauf Rücksicht nehmen können, dass die reich genetzten Flügel in Bezug ihrer homologen Adern eine ganz verschiedene Vertheilunir zeiiren. 92 Friedrich Brauer. Wenn eine solche Systematik noch von Einigen heute cultivirt wird, so h eis st das auf alle weiteren enthüllten wissenschaftlichen Wahrheiten keine Rücksicht nehmen und seit Linne nicht fortgeschritten sein. — Die aus der Untersuchung hervorgegangene Kenntniss der grossen Verschiedenheit dieser beiden Formen zeigt aber sofort, dass zwischen beiden zunächst keine Schalttvpe zu suchen sei, und dass fossile Funde, wenn sie auch noch so sehr den Schein einer Schalttype gewähren sollten, niemals als solche schlechtweg erklärt werden können. — Die Aehn- lichkeiten beider Thiere beruhen in unserem Falle auf heterophyletischer, gleich reicher Entwicklung des Adernetzes der Flügel, welch' letztere beide von uns unbekannten ge- flügelten gemeinsamen Vorfahren, also homophyletisch, ererbt haben. Die vergleichende Morphologie und Anatomie kommen hier der Deutung zu Hilfe; denn man hat durch sie Anknüpfungspunkte von beiden an ganz andere Gruppen gefunden und die Libellen stellen sich sonach als das Ende einer Entwicklungsreihe dar, als einer Gruppe angehörend, die ihren Höhepunkt wahrscheinlich bereits über- schritten hat und deren Formenreichthum in der Abnahme begriffen ist. Der höher entwickelte Ameisenlöwe kann aber nicht mehr von hier seinen Ausgangspunkt genommen haben, da er, als Neuropteron, das Muskelsystem mit den wahren Orthopteren und den Vorgängern der Libellen, den Ephemeren, und nicht mit den Libellen gemeinsam hat und dessen Thoraxbau mit dem Segmentum mediale an die Hymenoptera erinnert. Nach Scudder sollen die Homothetiden aus dem Devon eine Schalttype zwischen Libelluliden (Odonata) und Neuro pteren (Sialiden) bilden, das nach obigem Beweis aber unmöglich ist. — Brongniart erklärt sie für Ephemeren, nach Hagen sind sie Neuropteren, und zwar echte Sialiden und gar keine Schalttype. Ebenso beweist die Biologie und Anatomie, dass die Ephemeren ein Bindeglied zwischen Libellen und Perliden (Plecopteren) bilden (Wolter), obschon uns eine Zwischenform nicht erhalten geblieben ist. Eine directe Schalttype aber zwischen Ephemeren einerseits und Sialiden (Sialis und Rhaphidia) und Megalopteren (Coniopteryx) andererseits ist weder aus der Biologie, noch aus der Anatomie und Morphologie zu erschliessen. Es können also Xenoneura oder die Xeno- neuriden aus dem Devon kaum als solche angesehen werden. Brongniart erklärt sie als besondere Neuropterenform, Hagen ebenfalls. Ebensowenig kann die Gattung Corydaloides aus der Steinkohle eine Schalttype von Pseudoneuropteren und Neu- ropteren bilden, wenn wir sie mit Brongniart zu den Pseudoneuropteren stellen, wozu Libelluliden, Ephemeren und Perliden gehören. Sie entfernt sich von allen diesen be- trächtlich und steht ganz nahe der Jetzt lebenden Neuropterengattung Sialis. Auch treten Pseudoneuropteren und Neuropteren vollständig nebeneinander im Devon und in der Kohle ohne Vermittlung auf, so dass sie schon damals einander nur durch die genetzten Flügel ähnlich, aber stets nach einem differenten Schema gebaut waren, gerade wie in der Jetztwclt. Die Zurückführung auf einen gemeinsamen Ausgangspunkt ist daher nicht möglich. Sind die Schwanzfäden und die Tracheenkiemen bei Corydaloides richtig ge- deutet, so hat die Gattung doch sonst nichts mit VtrY\den[Pteronarcys u, a.) und Euphaea unter den Odonaten (abdominale Tracheenkiemen) gemeinsam, wohl aber das für Sialis typische Flügelnetz und die Abdominalkiemen entsprechen jenen der jetzt lebenden Sialis- Larve. Wir hätten daher eine Sialide, bei welcher die Tracheenkiemen der Larve per- sistent geblieben wären, wodurch aber noch nicht die Verwandtschaft mit den genannten Pseudoneuropteren erwiesen ist, da derartige Bildungen heterophyletisch entstehen können. — Würden zum Sialidcn-Flügclnetz, die Mundthcile nach Art der Perliden etc. Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. q3 gebildet sein, und wären sie im Fossil erhalten, dann würden die Verhältnisse erst zu Gunsten für Brongniart's Ansicht einer Schalttype sein. Mit Rücksicht auf die Wirbelthiere müssen wir einsehen, dass uns die paläozoi- schen Formen der Insecten in einer Weise erhalten worden sind, dass wir mehr Anhalts- punkte zur Erkenntniss der Classe und zur Unterscheidung von Arten und Gattungen, vielleicht auch Familien haben als zur Feststellung der Ordnung; denn gerade die für diese nothwendigen Merkmale sind ungenügend erhalten geblieben oder können über- haupt nicht ohne Beobachtung lebender Thiere oder anatomische Untersuchung erkannt werden. Auch noch lebende Insecten blieben in Bezug ihrer systematischen Stellung ein Räthsel, so lange ihre Biologie und Anatomie nicht bekannt war, und wurden sie in irgend eine Ordnung, ihrer anderen Merkmale und Erscheinung wegen, gebracht, so war das sehr oft fehlerhaft. — Die Körperform, der Habitus des Thieres, ja selbst das Ver- hältniss einzelner Körpertheile sind nicht massgebend (wie Brongniart irrthümlich meint) und somit sind auch diese Momente nicht mehr werth als der Bau der Flügel und nur secundäre Anhaltspunkte in solchen Fällen, wo war zufällig ein ähnliches lebendes Insect genau kennen. Wäre uns die Gattung Mantispa unbekannt und fänden wir sie im fossilen Zustande so gut erhalten, dass wir den Körper und die Flügel genau verstehen könnten, so würden war sie mit Mantis zusammenstellen, deren Körperbau sie besitzt, und die neuropterenartigen Flügel dürften, ihres verschiedenen Geäders wegen, nicht in Betracht kommen, da nach Brongniart die Verhältnisse der Körper- abschnitte etc. das Wichtigste zur Bestimmung der Ordnung sind. — - Ebenso erging es aber auch den Systematikern bei Entdeckung der lebenden Mantispa, sie wurde für ein Orthopteron gehalten und in die Gattung Mantis gestellt und blieb darin so lange, bis Erichson die für die Ordnungsbestimmung massgebenden Mundtheile untersuchte und sofort die Gattung zu den Neuropteren brachte. Lange nachher bestätigte auch die vom Verfasser entdeckte Verwandlung und Larvenforrn die volle Richtigkeit von Erichson 's Ansicht. — Hier waren also die Mundtheile, die Verwandlung und Larve und ferner auch gerade das Flügelgeäder wichtigere Merkmale als der allge- meine Körperbau. Bei dem fingirten Fossil, an dem man aber weder die Mundtheile erkennen konnte, noch von der Larve etwas waisste, wären also gerade die Flügel das richtige Merkmal zur Erkenntniss der Ordnung gewesen. Wie weit aber durch ähnliche Körperverhältnisse die Aehnlichkeit von zwei, ganz verschiedenen Ordnungen angehörenden, Insecten gehen kann, lehrt uns die Mimicry lebender Formen, aus deren Erscheinung wir doch weit früher die ditferenten Ordnungen erkennen sollten, als aus den Abdrücken und Resten fossiler Thiere. Bei Wirbelthieren sind gerade die zur Erkenntniss der Classe und Ordnung wichtigen Skelettheile, Kiefer, Gliedmassen, am besten erhalten und weit besser, als Gattungs- und Artmerkmale, über welche oft sehr getheilte Ansichten herrschen. Dadurch wird es hier möglich, wirkliche Schalttypen festzustellen. Ist es uns bei einem Insecte der paläozoischen Zeit nicht möglich die Ordnung zu erkennen, weil aus den Resten keine besonders hervorragende Aehnlichkeit mit einem bekannten lebenden Insecte zu entdecken ist, so können wir dessen systematische Stellung ebensowenig feststellen, als bei einem abnorm aussehenden lebenden Insecte, wenn uns die Zergliederung des letzteren nicht gestattet wird. Es bleibt da nur noch der eine Weg, und zwar abzuwarten, ob nicht später Formenreihen gefunden werden, welche allmälig Uebergänge zu gewissen bekannten Formen anbahnen {^Strepsipteren, Tliysa- nopiera). Finden wir aber an den fossilen Fragmenten eines Insectes eine so grosse 94 Friedrich Brauer. Achnlichkeit mit denselben Theilen einer jetzt lebenden Insectengruppe, dass wir jenes in diese stellen können, dann setzen wir auch voraus, dass in den uns unbekannten primären Ordnungscharakteren, zwischen dem ausgestorbenen und den lebenden Repräsentanten dieser Gruppe, kein für die Ordnung etc. wesentlicher Unterschied bestehen darf. Da man nun von den fossilen Insecten der paläozoischen Zeit die Ordnung nur nach secundären Merkmalen und daher zuweilen gar nicht bestimmen kann, so wird man auch nicht im Stande sein, mit Sicherheit eine neue Ordnung aufzustellen, welche in den uns nicht sichtbaren Theilen (Mundtheile, Darm etc.) die Charaktere zweier Ordnungen verbinden soll; denn der allgemeine Körperbau und die Flügel, als secundäre Merkmale, sind schon nicht mehr massgebend gewesen, um diese Insecten irgend einer bekannten lebenden Form anzureihen. Wollten wir bei höheren Thieren nach dieser Methode, ohne Rücksicht auf Ana- tomie und Biologie, nach einzelnen secundären Merkmalen Schalttypen aufstellen, so könnte es geschehen, dass, wenn von allen Nagethieren nur das Eichhörnchen und von den Insectivoren nur der Igel bekannt wären, bei Entdeckung des Stachelschweines dieses, der mit dem Igel gemeinsamen Stacheln wegen, für deren svnthetische Tvpe er- klärt würde. — Genuine Orthopteren, Pseudoneuropteren und genuine Neuropteren stehen aber anatomisch in einem noch entfernteren Verhältnisse, als die Ordnungen der Nagethiere und Insectenfresser, denn die Pseudoneuropteren bilden drei ganz gute Ord- nungen, welche anatomisch weit verschiedener sind als jene Ordnungen der Säuge- thiere. Eine ebensolche Unsicherheit in der Aufstellung von Schalttypen Hesse sich aus ähnlichen Ursachen für den Kreis der Mollusken beweisen, von denen auch nur ein Theil^ des Thieres (die Schale) erhalten geblieben ist. Man vergleiche, was unmittelbar vor Scudder (Zittel, p. 328 a) Ihering über die paläozoischen Prosobranchier sagt und das mit unserer Ansicht ganz übereinstimmt. Sind daher zur Erkennt niss fossiler Formen in erster Linie morpho- logische Studien von gros st er Wichtigkeit, ferner eine umfassende Kennt- niss der lebenden Familien, Gattungen und Arten und ist deshalb gerade bei Insecten, Mollusken und anderen Gruppen die Beherrschung der niederen svste- matischen Kategorien eine Hauptbedingung, weil die fossilen Reste wegen mangelhaft erhaltenen Charakteren zuerst als bestimmten Gattungen angehörend erkannt werden oder mit diesen verglichen werden müssen; so treten Anatomie und Biologie sofort in ihre Rechte, wenn es sich um die Beurth eilung eines Fossils handelt, das scheinbar in keine bekannte Ordnung, Familie oder Gattung passt. — Die Stellung einer solchen Form wird oft nicht von den Paläontologen durch Vergleich mit anderen fossilen Formen, sondern von dem Zoologen aus der Biologie und Anatomie ganz different erscheinender lebender Formen erkannt (Trilobiten-Limulus, Chiton- Würmer) und die S c h a 1 1 1 y p e n k ö n n e n d u r c h d i e U n t e r s u c h u n g 1 e b e n d e r T h i e r c vorhergesagt werden, d. h. man kann gewisse verwandtschaftliche Annäherungen nachweisen und daraus eine einstige Verbindung erschliessen. Die allgemeine Körpcr- gestalt einer Schalttype las st sich aber nicht bestimmen, d. h. ob die Ver- einigung der primären Charaktere zweier Ordnungen auch gerade in der G e s a m m t e r s c h e i n u n g eines Thieres dieser S c h a 1 1 g r u p p e zum Ausdrucke kommt, — und das soll nun gerade bei den Schalttypen der Insecten- ordnungen der Hauptgrund ihrer Aufstellung sein, bei welcher das Vorhanden- sein der combinirten primären Charaktere, die unbekannt sind, nur angenommen wurde; denn Körperform und Flügel sind ja nui" erhalten. • — • Dohrn allein suchte den Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. q5 als Schalttype aufgestellten Eiigereoii auch durch den Bau der Mundtheile zu charakte- risiren, die jedoch von Brongniart und vom Verfasser angezweifelt und anders ge- deutet wurden. Weit bessere Anhaltspunkte für die Verwandtschaft der Jetzigen Insectenordnungen erhält man daher durch morphologische, anatomische und biologische Untersuchungen der lebenden Insecten, und sie werden als Schutz dienen müssen gegen die Ausbrüche der Phantasie. Im gleichen Sinne müssen wir die Schaltordnungen Brongniart's betrachten, da derselbe von der Ansicht Packard's beeinflusst ist, dass Pseudoneuropteren und Neuro- pteren direct von einander abzuleiten seien, und bei seinen Neurorthopteren nicht zu ersehen ist, ob sie nur eine Schaltgruppe zwischen Pseudoneuropteren und genuinen Orthopteren, oder zwischen letzteren und den Neuropteren im weiteren Sinne seien (Neiiroptcra et Pseiidoneuroptera). In der That scheint uns bei Brongniart das Letztere der Fall zu sein, da wir unter seinen Pseudoneuropteren nebst Corydaloides noch als 6. Familie auch die Protomyrmeleoniden mit der Gattung Protascalaphiis Brgt. finden. Einstweilen haben auch Packard und Scudder keine so kräftigen Beweise für die Wiedervereinigung der Neuropteren mit den Libellen, Ephemeren und Perliden ge- bracht, wie jene seinerzeit von Erichson für deren Trennung waren. W^ir halten die Vereinigung daher für einen Rückschritt. Scudder sagt (in Zittel p. 771): »Erichson betrachtet die Pseiidoneuroptera als eine LInterordnung der Orthoptera, während viele (.•') neuere Autoren ohne genügenden Grund (!) eine selbstständige Ordnung dafür errichten etc.« Das Erste dieses Satzes ist richtig, das Zweite aber ganz falsch. Die neueren Autoren betrachten aber die wahren metabolen Neuropteren als gar nicht verwandt mit den Pseudoneuropteren und haben dafür ganz genügende Gründe, die weder Scudder noch Packard verstehen wollen. Die Gruppen der Pseudoneuropteren wurden längst als Zünfte betrachtet und das beweist ihre Selbst- ständigkeit, so dass der Verfasser keinen Anstand genommen hat, sie aus diesen ganz genü- genden Gründen als eigene Ordnungen (nicht als Eine Ordnung) anzusehen. — Wenn man sich zur Charakteristik der Ordnungen so wenig Mühe nimmt, wie das bei den Neuro- pteren und Paläodictvopteren, Paläoblattarien u. a. m. der Fall ist, dass man gar kein bestimmtes, (siehe weiter unten) oder nur sehr oberflächliche Merkmale herausfindet, so ziemt es sich nicht, über wohlbegründete systematische Ansichten Anderer ohne alle Rück- sicht abzusprechen. — Da Unwahrheiten sehr schwer aus der Wissenschaft zu entfernen sind und sich in Handbüchern für Decennien festsetzen, so können wir nur bedauern, dass Wahrheiten, welche deutscher Fleiss festgestellt hat, ohne wissenschaftliche Begründung amerikanischen Ansichten geopfert wurden. — Möge uns doch Herr Scudder die paläontologischen That Sachen nennen, welche für eine so unnatürliche Verbindung der Pseudoneuropteren mit den Netzflüglern bestehen. Wir erfahren in dieser Richtung von demselben aus Zittel's Handbuch ( p. 822): »Einzelne Entdeckungen, wie die der Gattungen Eugereon und Protophasma, haben wichtige Aufschlüsse über die Natur der paläozoischen Insecten geboten. Eugereon besass . . . vier gleichartige, grosse, häutige, nach Art der Libellen (!) netz- förmig geäderte Flügel . . .; auch Protophasma vereinigt mit tvpischen Neuropterenflügeln einen Leib, welcher ... an Orthopteren (Phasmiden) erinnert.« — Da nun aber weder Eugereon noch Protophasma tvpische Neuro- pteren- oder Pseudoneuropterenflügel, sondern ganz solche wie Orthopte- ren zeigen (Mantiden und Phasmiden), so sehen wir einfach, dass Scudder gar nicht berücksichtigt, wodurch sich die Flügel der Insecten unterscheiden und charakterisiren Annalen ües k. k. natarliistorisclicn Hofmuseums, Bd. I, Heft 2, i88ü. 7 96 Friedrich Brauer. lassen. — Warum eine Trennung der wahren Neuropteren und Pseudoneuropteren von dem Erscheinen der Ordnung Hemiptera abhängig gemacht wird, wollen wir nicht weiter verfolgen; denn die Basis bilden zu diesem Dogma alle jene Familien, deren Natur und Existenz gleich problematisch sind (cfr. p. 82 3). Ich meine die Homothetiden, Paläo- pteriden, Xenoneuriden und Gerarinen. DieVerwirrung erreicht durch die Annahme der Palaeodictyoptera ihren Höhepunkt damit, dass die Heuschrecken von den Protophasmiden, also von zweifellosen Heuschrecken, die Homopteren von Fulgorinen, also zweifellosen Homopteren abstammen sollen, was gewiss niemand bezweifeln wird; wie aber die Eintagsfliegen von der gemischten Gruppe der Platephemeriden und die Sialiden von den, mit Mantiden und anderen Orthopteren verwandten, Hemeristinen abstammen sollen, während sie anderseits mit den, von den Platephemeren herkommenden, Pseudoneuropteren (Ephemeren) eine Ordnung Neuroptera bilden müssen, insolange die Welt noch keine Hemipteren ditferenzirt hat, kann schwerlich jemand beweisen. Damit hätte Scudder wohl bewiesen, dass die Ordo Neuroptera s. lat. aus zwei heterophvletischen Reihen, das ist zwei Ordnungen besteht. Nehmen wir eine Sichtung der von Brongniart aufgestellten Schalttypen vor, so können wir die Verdienste dieses Forschers nicht genug hervorheben und würden voll- ständig die Errichtung von neuen Insectenordnungen billigen, nur hätte derselbe zuerst an die Vermehrung der bisher angenommenen Ordnungen der lebenden Insecten gehen müssen, wie wir dies bereits im Vorjahre gethan haben, wodurch wahre Schalttypen unter den neuen Ordnungen erscheinen. Schon aus den früheren Auseinandersetzungen geht hervor, wie die Untersuchung lebender Formen') auf die Verbindung derselben weit besser schliessen lässt und wie vergleichend-morphologische Studien die natürliche Ver- wandtschaft deutlich machen, indem sich die von uns als Ordnungen angenommenen Plecopteren, Ephemeriden und Odonaten von einander ableiten Hessen. Die Plecopteren aber sind anatomisch ebenso verwandt mit den Forficuliden (Ordo Dermapterd) und auch in einer anderen Richtung die Verbindung zu den wahren Orthopteren, in welcher Ordnung wir wieder eine anerkannte Verwandtschaft der niederen Blattiden mit den höheren Mantiden und Phasmiden, sowie Saltatorien finden, während eine andere Linie von den Blattiden zu den damit gewiss nahe verwandten Embiden und Termiten in die Ordo Corrodentia führt. Wir unterlassen nicht zu bemerken, dass unter den homomorphen Insecten mit beissenden Mundtheilen die Corrodentien die einzigen sind, deren Anatomie mit den metabolen Neuropteren eine wirkliche Aehnlichkeit zeigt, während abgesehen von den Mundtheilen die Rhynchoten ebenso viele Beziehungen zu den Dipteren, Orthopteren und Neuropteren zeigen. Die Rhynchoten sind auch die einzige Ordnung der homomorphen Insecten, in welcher wir den Uebergang zu einem ruhenden Nymphenstadium verfolgen können (Cocciden). Die Herkunft der Hymeno- pteren ist wohl ganz in Dunkel gehüllt, aber es scheinen zwei Momente beachtenswerth : I. die zahlreichen Harngefässe, wie bei Orthopteren, und 2. die mit letzteren ganz gleiche Anlage der weiblichen Legeapparate und desBiencnstachels(Dewitz). Natürlicher verwandt scheinen die Ordnungen der Dipteren und Lepidopteren durch die bei beiden auftretende Mumienpuppe und die grosse Aehnlichkeit des Plügelgeäders. Wenn neuester Zeit als eine Zwischenform von Lepidopteren undHymenopteren fossile Formen aus der mesozoischen Zeit aufgeführt werden, die in ihrer Erscheinung weit mehr Aehnlichkeit mit Siriciden (Oryssiis, Tremex) besitzen, namentlich durch die Flügelzellen, welche bei Lepidopteren ') Lange vor Enlilcckung des Archacoptcvyx liat die Untcrsucliung der \'ögel und Reptilien eine solche Schalttype vermuthen lassen und die Kntiieckung war nur der Beweis der richtigen Untersuchung. Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. n-y nicht in dieser Form auftreten (Oppenheim, Die Rhipidorhahdi und Fabellovenae. Berl. Ent. Ztg. i885), so wäre damit nur eine Bestätigung von Walter 's Ansicht gegeben, welcher die Mikropterygiden- Mundtheile (Lepidoptera) mit jenen der Tenthrediniden (Hymenoptera) vergleicht und aus vergleichend-anatomischen Gründen beide Ordnungen von einander ableitet, so dass die Hymenopteren den Lepidopteren vorausgingen. In den niedersten Formen der ersteren (Tenthrediniden, Phytophagen, Symphyta) wären uns die Reste einer Schaltordnung übrig geblieben. Doch erscheint uns diese Ansicht durch- aus noch nicht zweifellos, denn die Anatomie der Hymenopteren ist sehr verschieden von jener der Lepidopteren und Dipteren, und überdies sehen Andere in den Trichopteren Schalttypen von Neuropteren und Lepidopteren, vielleicht aber sind diese nur eine be- sondere Linie gemeinsamer Vorfahren und gewiss näher den Panorpen verwandt. Be- achtenswerth bleibt es, dass gerade bei Panorpen, Tenthrediniden, Uroceriden und Lepido- pteren raupenförmige Larven erscheinen, von denen die ersteren (Panorpen) näher mit den Larven der Trichopteren undSialiden, die Tenthrediniden mit jenen der Lepidopteren Aehnlichkeit zeigen, namentlich die Klammerbeine des Abdomens gemeinsam haben, während erstcre nur kegelförmige Kriechbeine besitzen (Panorpa, Bittacus). Es fehlen aber gänzlich bestimmte Anhaltspunkte über den Ursprung der Coleopteren, welche zuerst in der mesozoischen Zeit in der Trias und dem schwarzen Jura auftreten; während alle übrigen heteromorphen Insecten sich mehr nähern und von einander wenig- stens scheinbar ableiten lassen, bleibt für die Käfer nur die mit den älteren Neuro- pteren gemeinsame, f reigli edrige Nvmphe und eine gewisse Aehnlichkeit mit Corrodentien (Oligouephria) und Orthopteren (Blattidae: Eleiitherodea). Das Erscheinen der Insectenordnungen in den verschiedenen geologischen Perioden stellt sich im Ganzen so dar, wie es auch die biologischen Forschungen erwarten lassen: Im paläozoischen Zeitalter erscheint im Silur nur die als Blattide gedeutete Palaeo- blattiua Douvillei Brgt., also die Ordo der genuinen Orthopteren. Im Devon treten odonatenartige und sialidenartige Formen auf, also die Ordo Odonata und Neurnptera. Wahre Orthopteren sind hier nicht wieder gefunden. In der Kohle erscheinen diese aber zahlreich (Phasmiden, Mantiden, Blattiden), ferner Odonaten, Ephemeriden, Neuropteren (Sialiden), Homopteren (Fulgoriden) undThysanuren (Dasy- leptiis). — Im Perm erscheinen mantidenartige Formen, Eugereon. Im mesozoischen Zeitalter finden sich in der Trias Coleopteren und Neuropteren (sensu lat. Odonata), im Lias und schwarzen Jura Neuropteren, Orthopteren, Coleo- pteren, Hemipteren und Hymenopteren, im Oolith treten fragliche Lepidopteren hinzu, die aber nach Scudder Homopteren sind. Im weissen Jura, obere Lage Oolith, erscheinen auch Diptera und jene siricidenartigen Reste, für die die Ordo Rhipidorhahdi und Fabellovenae aufgestellt wurde, also mit Aus- schluss der Lepidopteren (mit Beziehung auf frühere zweifelhafte Formen) alle Ordnungen. In der känozoischen Zeit erscheinen bereits alle Ordnungen, auch Thysanoptera (Scudder) und viele in jetzt vertretenen Gattungen. Mit dem Auftreten der Blüthen- pflanzen erscheinen Hvmenopteren und Lepidopteren zahlreich. Viele Gattungen wurden zuerst fossil im Bernstein entdeckt und später als noch lebend nachgewiesen, z. B. Elephantomyia, Amphientomum, Epidapiis, Thermopsis u. a. 2. Allgemeines über die systematische Stelluno- der paläozoischen Insecten. Im Folgenden werden die von Scudder und Brongniart charakterisirten paläo- zoischen Insecten besonders aufgeführt und miteinander verglichen, wobei die ver- 98 Friedrich Brauer. schiedenen Ansichten beider Autoren und auch anderer Forscher /Air Geltung gebracht wurden. Ebenso haben wir uns die eigenen Meinungen auszusprechen erlaubt, die jedoch insofern mit Vorbehalt geäussert werden mussten, weil wir die fossilen Funde nur nach den Abbildungen beurtheilen konnten. Anders verhalt sich die Sache aber bei den von jenen Autoren aufgestellten Svstemen, zu deren Beurtbeilung wir uns im gleichen Rechte mit denselben befinden. Obschon wir in dieser Richtung unsere Arbeit getheilt haben, so war es doch nicht immer möglich, ausschliesslich den einen oder den anderen Autor isolirt zu betrachten. Mögen wir auch hie und da im grellen Widerspruch mit den Autoren stehen, so freuen wir uns doch, durch ihren Fleiss so Vieles über die Vorläufer der jetzigen Insecten gelernt zu haben. Im Ganzen schliessen sich unsere Ansichten näher an jene Brongniart's als an die Scudder's an. Fast aus jeder Insectenordnung, sowie auch in jeder Familie und Gattung können wir gewisse Gruppen ausscheiden und als ältere Formen betrachten, nicht immer weil sie weniger differenzirt erscheinen, z. B. die Hinterleibsringe fast gleich entwickelt, die Thoraxringe getrennt und homonom ausgebildet, die Flügel oft gleich gebaut haben etc., sondern weil einige derselben wahrscheinlich auch zuerst aufgetreten sind. So bilden unter den Hvmenopteren die Tenthrediniden und alle Symphyta gleich- sam die Palaeohymenoptera, unter den Lepidopteren die Tineiden die Palacolcpidoptera, unter den Dipteren die Ortliorhapha, insbesondere die Nemocera die Palaeodiptcra, unter den Coleopteren die Malacodermen die Palaeocoleoptcra, unter den Neuropteren die Sialiden die Palaeoneuroptera. Panorpen und Trichopteren gehen wohl als Seiten- linien der Neuropteren aus den Sialiden hervor und von letzteren sind die Isopalpen wohl die älteren. — Unter den Rhynchoten scheinen die Homoptera die Palaeorhj'uchota, unter d^n Corrodentien die Termiten die Protocorrodentia, unter genuinen Orthopteren die cursnria und gressoria (Blattidae, Mautidae, Phasmidae, Embidae?) und die Grvllotalpiden die Palacorthoptera, unter den Odonaten die Calopterygiden die Palaeo- d())iata zu sein. — Ephemeren, Peiiiden und Dermapteren lassen keine älteren Formen mehr unter sich erkennen und gehen letzteren voraus. Bemerkenswerth ist, wieTh. Fuchs hervorgehoben hat, dass auch bei den Insecten die Mehrzahl, der für die älteren angenommenen Formen jeder dieser Gruppen, Däm- merungs- oder Nachtthiere sind. — Dermaptera, Plecoptcra, Ephemeridae, G}yllotal- pidae, Blattidae, Mantidae, Phasmidae, Orthoptera saltatoria (die drei letzteren sind sowohl Tag- als Nachtthiere), Termiten, Hoinoptera (Fulgoriden), Sialidae, Malaco- dermen, Nemocera, Tineiden, Cossiden, Hepialidae, viele Tenthrediniden und Uro- ceriden. Wir schicken diese Ansichten voraus, um zugleich zu zeigen, dass ältere Formen, welche einfacher gebaut, d. h. deren homoplastische Organe, z. B. Gliedmassen, mehr weniger homonom gebildet sind, auch einander häufig weit ähnlicher sehen, als dies bei den in bestimmter Richtung tvpisch ausgebildeten Ordnungs- etc. Repräsentanten der Fall ist, und demzufolge der Weg zur Feststellung von Schalttypen zumeist zwischen den älteren Formen gesucht werden soll. — In eine natürliche Gruppe dürfen aber die älteren Formen nur dann vereinigt werden, wenn sie durch gemeinsame Merkmale von den anderen Formen abgetrennt werden können. Wenn eine Schalttype zwischen Orthopteren und Neuropteren aufgestellt wird, so muss .Teder fragen: zwischen welchen Orthopteren und Neuropteren? Wir haben gezeigt, dass die Orthopteren im Sinne Gcrstäcker's, nach welchem sie nebst den Pseudo- neuropteren und Corrodentien noch die Thysanuren enthalten, über den Ordnungs- A Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. gq begrirt" hinausgehen, und es wäre sehr schwer, sich eine Schalttyi>c zwischen diesen Formen und den wahren Neuroptcren vorzustellen oder diese aus fossilen P>agmenten zu erkennen. Verwandt erscheinen bekanntlich die Blattiden und Mantidcn, dann die Embiden, Blattiden und Plecoptercn, und letztere mit den beiden ersteren, sowie mit Ephemeriden und Odonaten. — Es gibt genuine Orthopteren (Mantiden und Grylloden) mit langen Ccrcis wde Plecopteren, mit ähnlichen Beinen wie Blattiden, kurzem und oft breitem Pronotum und mit dem Flügelgeäder der Blattiden und Embiden, bei welchen zwischen Je zwei convcxen Längsadern eine concave Schaltader verläuft (cfr. Periplaneta, Chac- tessa, Embia). Ebenso gibt es Blattiden (Paranauphneta riifipes^v\\nn.Tcvm.lQ.) , deren Hinterfliigel so geädert erscheint wüe bei Plecopteren, namentlich im Felde vor der con- caven Analader, die den I'ächer abgrenzt, in weichern bei beiden radiär auseinander- weichende Queradern liegen. Hier können Schalttypen gefunden werden, ebenso zwischen Plecopteren und Ephemeriden und diesen und Odonaten. — • Die Embiden schliessen sich durch die Basalzelle näher an die Plecopteren (Isopterj'x) als an die Termiten. Wichtig wäre die Zahl der Malpighi'schen Gefässe festzustellen. Ebenso zeigen sie Be- ziehungen zu Blattiden und Mantiden. Anders gestaltet sich daher die Sache, wenn wir zwischen zwei Reihen, deren Jede wirklich verwandte Formen enthält, z. B. zsvischen Odonaten und Ephemeriden, oder zwischen Perliden und Ephemeriden, oder zwischen Perliden und Orthoptera genuiiia, z. B. Mantiden, oder Mantiden und Blattiden eine Schalttype feststellen oder vermuthen. Wir werden später zeigen, dass wir in solchen Fällen auch berechtigt sind, eine morpho- logische Schalttvpe zu vermuthen, gerade so wie man zwischen Reptilien und Vögeln ein Zwischenglied ahnen konnte. Wir sind ferner überzeugt davon, dass Brongniart in der Folge die systemati- schen Ansichten Packard's aus dem Jahre i863 und Scudder's aufgeben wird, da wenigstens Packard selbst nicht mehr Jener verfehlten, durch Nichtbeachtung des inneren und äusseren Baues entstandenen Eintheilung in seinen späteren Arbeiten gedenkt und der Differcnzialcharakter der Mctabola und Heterometabola Packard's so viele Un- wahrheiten enthält, dass Niemand Insecten nach diesen Charakteren gruppircn könnte. Wenn auch der Charakter der Metabola für Lepidoptera (mit Ausschluss der Tineiden), Diptera und Hymenoptera so ziemlich passt, so haben die Autoren aber ver- gessen, dass unter den Heterometabolen, wohin Brongniart alle übrigen Ordnungen, mit Ausschluss der Coleoptera, stellt, die Cicadcn den Thorax der Dipteren, dass die Rhynchoten überhaupt saugende Mundtheile haben und die Larven der Hemerobiden gewiss der Image sehr unähnlich sind. — Kein einziger Charakter der HcterometabuJa ist für die angegebenen F'ormen wahr. — Wie nun die Coleopteren, welche nach Packard noch Heterometabola sind, eine zwischen diesen beiden vermittelnde Gruppe bilden können, ist nach dem oben Gesagten vollends nicht einzusehen, da sie nur den Metathorax vorwiegend entwickelt haben, oder wie sie dann Heterometabola mit gleich- entwickelten Thoraxringen und dem erwachsenen Zustande ähnlichen Larven sein sollen (nach Scudder). — Wir sehen daher nicht ein, wie diese niemals wahr gewesene Classi- Hcirung diejenige wäre, welche am besten mit den Annahmender Paläontologie, der Embryologie und Morphologie übereinstimmen sollte. — Wir brauchen nicht daran zu erinnern, dass wohl noch Niemand daran gedacht hat, eine Schalttype zwischen Coleopteren einerseits und Lepidopteren, Dipteren und Hymenopteren anderseits zu suchen, wohl aber sind zahlreiche Forscher, darunter auch Packard, dafür eingetreten, unter denTrichopteren und Neuropteren solche Verbindungen mit letzteren zu vermuthen. Q Friedrich Brauer. Der Ursprung der Coleopteren ist uns heute noch völlig unbekannt, und noch weniger sind wir berechtigt, andere, mit ihnen fast gleichzeitig erschienene. Formen daraus abzuleiten. Ich habe (Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch., Bd. XCI, mat.-nat. GL, i885, p. 346) nachzuweisen gesucht, dass die Neuropteren, wie das bereits Andere angeführt haben, die differenten Charaktere der anderen metabolen Insecten in mancher Hinsicht vereinigt zeigen, was man von den Coleopteren nicht behaupten kann, deren Larven und Nvmphen nur einen Vergleich mit jenen der Neuropteren zulassen. Auch stimmen Scudder, Packard, Hagen und Brongniart darin üherein, dass unter den ältesten Funden von den heteromorphen Insecten die Neuropteren im Sinne Erichson's die einzig vorhandenen sind, und ebenso sind es wäeder die Pdlaeoneiiroptera (Sialiden), welche, wie wir gezeigt haben, einen Vergleich mit manchen homomorphen Insecten zulassen. Schon in meinen systematisch-zoologischen Studien (i885) habe ich hervor- gehoben, dass (p. i53) die Larve von Corydalis einen Kaumagen wie Orthopteren (Blatta) oder, weil weniger Harngefässe vorhanden sind, einen Darm wie die Corro- dentien, die Nvmphc den Saugmagen wie Megalopteren (Neuropteren) und die Imago einen Darm wie die Trichopteren besitzt. Wir müssen aber diese Neuropteren aus Packard's Heterometabola ausscheiden und als Metabola betrachten, weil der Thorax bei vielen ganz ähnlich gebaut ist wie bei Tineiden, und weil sie eine Verwandlung mit ruhender Nymphe etc. besitzen. Ueberdies ist die Trennung und Selbstständigkeit der Thoraxringe kein Charakter der Heterometabola Packard's; denn die Odonaten und Cicaden zeigen einen vollständigen Thoraxcomplex, jede Gruppe in ganz besonderer Art. Scudder geht von der Idee aus, dass die Insecten aus dem Devon und der Stein- kohle zw^ar in vieler Hinsicht manche Aehnlichkeit mit jetzt lebenden Insecten zeigen, aber in keine jetzt lebende Ordnung genau genommen gehören, etwa so wie sich bei höheren Thiercn in der Gruppe der Beutelthiere die Formen der Nagethiere, Raub- thiere etc. der placentalen Säugethiere wiederholen. Doch haben wir für die Beutelthiere, abgesehen von ihrer Gesammtform, bestimmte gemeinsame Charaktere, die sie von den placentalen Säugethieren trennen, während solche Charactere bei den Paläodictyopteren Scudder 's gar nicht erwiesen sind. Der von Scudder (Mem. Boston Soc. of Nat. bist. vol. III, Nr. XI, i885, p. 322) gegebene Charakter de.v Palaedictyoptera passt ganz auf die Orthopteren und ist insofern unrichtig, als bei manchen dorthin zu rechnenden Formen (Lamproptilia, Eiigereon) der Hinterflügel fächerfaltig erscheint. Ebenso kann derselbe aber auch auf die Sialiden und Fulgoriden angew^endet w^erden, bei denen auch der Fächer im Hinterflügel nicht sehr zur Entwicklung kommt. Einen Unterschied zwischen diesen jetzt lebenden Reihen und den Paläodictvopteren findet man aus der Beschreibung nicht. Man kann höchstens sagen, dass die hier zusammengefassten Orthopteren, Neuropteren und Hemipteren jenen einzelnen Gruppen in diesen Ordnungen entsprechen, welche wir oben als die älteren Formen erkennen zu sollen glaubten, nämlich den Paläorthopteren (Phasmiden, Man- tiden, Blattiden), denPaläoneuropteren (Sialiden) und den Paläorhynchoten (Fulgoriden), und der gemeinsame Charakter in nichts Anderem besteht als in dem gemeinsamen zeit- lichen Vorkommen, der dieser Zeitfauna einen Habitus verleiht, wie ihn Thiergesell- schaften eines Faunengebietes zeigen können, obschon sie systematisch nicht verwandte Formen enthalten. Nehmen wir an, dass alle unsere jetzt lebenden Insectenordnungcn von den Paläo- dictyopteren ihren Ausgang genommen haben, dann müssten letztere allerdings die Cha- raktere der heutigen homomorphen und heteromorphen Insecten vereinigt gezeigt haben, und ein den Phasmiden sehr ähnliches Insect der paläozoischen Zeit müsste durch einige Ansichten über die paläozoisclien Insecten und deren Deutung. wesentliche Charaktere von den jetzigen Phasmiden abweichen und hierin etwa mit mehreren heute lebenden anderen Ordnungen in Beziehung treten. Ebenso müsste das mit anderen paläozoischen Insecten der Fall sein, weil ja in denselben unsere heutigen differenten Ordnungen noch gleichsam enthalten waren, wie das in ähnlicher Weise in Archaeopteryx für Reptilien und Vogel der Fall ist. Solche Merkmale sind aber bis jetzt nicht nachgewiesen. — Es ist auch nicht zu sagen, warum alle diese alten Formen nur Eine Ordnung gebildet haben sollten. Wir müssen daher annehmen, dass die Insectenordnungen der paläozoischen Zeit, ebenso wie die Placophoren und andere Thiere, bis heute er- halten geblieben sind und jene Formen, von welchen die metabolen Coleopteren, Hymenopteren, Dipteren und Lepidopteren ihren Anfang genommen haben, noch nicht aufgefunden wurden. Eine einzige oder mehrere paläozoische Insectengruppen können es sein, aus deren in besonderer Richtung entwickelten Formen sich jene zuletzt ent- wickelt haben. Da nun die Differenzirung erst in der meso- und theilweise känozoischen Zeit bemerkbar wird, so liegen etwaige Schalttypen vielleicht noch sehr weit von den paläozoischen Formen entfernt, und wir finden sie viel früher zwischen den jetzt lebenden Insecten noch erhalten (Diptera, Lepidoptera, Trichoptera) als zwischen den, ganz differenten Gattungen angehörenden, paläozoischen Formen angedeutet, die wir in be- stimmte Familien einiger jetzigen Insectenordnungen einreihen können. Welche Arten oder Gattungen aus diesen Familien die Zwischengheder zu den später aufgetretenen Insectenordnungen gebildet haben, wissen wir nicht, jedenfalls aber gehören solche Schalt- tvpen nicht der paläozoischen, sondern erst dem Ende derselben und den folgenden Pe- rioden an. Wenigstens ist an den paläozoischen Insectengattungen noch keine Spurvon Merkmalen zu finden, um etwa aus dem einen eine Beziehung zu Hymenopteren, aus dem anderen zu Dipteren oder Lepidopteren oder Coleopteren festzustellen oder nur zu vermuthen. Einzig und allein die Neuroptcren im Sinne Erich son's treten als metabole Insecten auf, und wir haben einen Vergleich dieser mit den Plecopteren in Bezug auf eine Ver- wandtschaft für gewagt erklärt. Die Ordnung der Neuroptera enthält in dieser Periode aber auch noch keine anderen Formen, welche etwa besser als Schalttypen zwischen denselben und anderen Orthopteren im weiteren Sinne erklärt werden könnten als heute noch. Die jetzt lebenden Sialiden verhalten sich in Bezug der Analogien mit den Pleco- pteren ebenso wie damals, nach den Resten von Coiydaloides u. a. zu schliessen. Ebenso- wenig finden wir unter den paläozoischen Neuropteren mehr Beziehungen zu den späteren Insectenordnungen, als zwischen den lebenden und diesen, im Gegentheile bei letzteren viel wahrscheinlichere Schalttypen, und das deutet auf eine sehr späte Ab- trennung der höheren Ordnungen und für die paläozoischen nur auf ein ähnliches Aus- dauern wie etwa für die Gruppe der Chitonen, deren wahre Verbindung zu anderen Typen ebenfalls noch heute lebt. — Die Silur-Chitonen sind darum keine andere Ordnung. Die Merkmale der Ordnungen der Dipteren, Lepidopteren, Hymenopteren und Coleopteren haben also erst bei einigen Nachkommen der paläozoischen Formen zu keimen begonnen und diese Nachkommen sind nicht gefunden und werden es vielleicht mit Sicherheit nie werden, weil jene Körpertheile, welche zur Feststellung einer solcher Schalt- type nothwendig untersucht werden müssen, bei fossilen Insecten möglicherweise nicht erhalten geblieben, oder weil überhaupt solche morphologische Schalttypen nie als ge- schlechtsreife Thiere zur Selbstständigkeit gekommen sind. (Cfr. meine Arbeit p. 295. i885.) Die Untersuchung der lebenden Formen berechtigt aber, die Verwandtschaft gewisser Ordnungen aus anatomischen und vergleichend-morphologischen Befunden fest- zustellen und andere Zwischenformen zurückzuweisen. J02 Friedrich Brauer. Weil es etwa möglich wäre, dass im inneren Bau oeler an den Mundtheilen der paläozoischen Insecten Merkmale gelegen waren, die für diese Frage entscheidend wären, können wir doch nicht behaupten und uns einbilden, dass solche vorhanden sein müssen. Es dürfte auch nicht behauptet werden, dass die paläozoischen Insecten schon darum eine besondere Ordnung bilden müssten, weil einige Gruppen derselben den Ausgangs- punkt für die höheren metabolen Insecten gebildet haben müssen, da letztere erst in späteren Perioden gefunden werden. Wollten wir auch alle Bedenken gegen die Sicherheit solcher Behauptungen unterdrücken und dieselben gelten lassen, so würde es doch mit der Aufstellung einer besonderen Ordnung sein Bewenden haben; denn obschon wir wissen, dass aus Fischen Amphibien und Reptilien und aus diesen Vögel und Säugethiere ihren Ursprung nahmen, bleiben die ältesten Fische doch solche und ebenso Amphibien und Reptilien, Hat doch die Classe der Fische einst jene Reihen enthalten, welche die Keime der höheren Formen bildeten, und ebenso die der Reptilien, gewiss Eigenthümlichkeiten, welche der heute lebenden ganzen Classe abgehen, die aber theilweise sehr spät an morpho- logischen Schalttypen zur Erscheinung kamen (Theriodonten, Archaeopterj-x, Ich- thyornis etc.). Und so wie heute noch Repräsentanten von Fischformen aus früheren Erdperioden oder Kiemenmolche und alle diese früher genannten Classen noch gleichzeitig vorkommen, so ist das auch bei den Insectenordnungen der Fall. Es ist daher kein Grund vorhanden, die paläozoischen Heuschrecken für etwas Anderes als Orthopteren zu erklären; denn man findet an ihnen kein einziges Merkmal, welches diese Trennung rechtfertigen könnte, und ebenso verhält es sich mit den anderen Gruppen. Verwerfen wir die Ordnung Palaeodictyoptera Scudder's und sehen wir darin nur ein Gemische mehrerer, schon damals getrennter Insectenordnungen, dann erscheinen die als erloschen angegebenen Formen der Gruppe der Palaeodictyoptera noch durch viele Arten in der Jetztzeit, und zwar in mehreren Ordnungen (Orthoptera, Neiiroptera, Rhynchota) erhalten, und diese jetzt lebenden Ordnungen reichen eben mit ihren ältesten Formen nicht, wie Sc udder meint, nur in die mesozoische Zeit, sondern bis in die paläo- zoische. Nach den neuesten Entdeckungen Brongniart's liesse sich Jedoch verrauthen, dass eine (Familie) Gruppe innerhalb der Ordnung der Orthoptera genuina existirt habe, welche ein Zwischenglied der Orthoptera gressoria (Mantiden, Phasmiden) und Saltatoria bildete und neben diesen aus früherer Zeit her noch damals erhalten geblieben wäre, nämlich die Dictyoneuren Goldenberg's pro parte. Die Formen mit langen Cercis nähern sich jedoch sehr unseren jetzt lebenden Gryllen und Gryllotalpen. Innerhalb der heute lebenden Familien der Mantiden finden sich ja noch ver- mittelnde Formen zu den Cursorien (Blattiden) und Perlidcn, zu welchen wir Chaetessa ziehen möchten, und diese sind wahrscheinlich fossil durch Hemeristia vertreten. Warum für die Gruppe Palaeodictyoptera zusammenfassende Charaktere dennoch vorhanden sein sollen, ist nicht einzusehen, da nicht alle anderen Thiere aus dem Silur Vorordnungen und andere Classen etc. als die jetzt lebenden bilden, sondern höchstens verschiedenen F'amilien, Gattungen oder Arten angehören (Palaeophonus uunciiis Ldstr.). Wir haben ebenso gezeigt, dass man in jeder Insectenordnung und Familie etc. gewisse noch jetzt repräsentirte Formen als ältere auffassen kann, gerade so, wie das in anderen Typen und Classen, z. B. bei den Fischen und Amphibien (Palaeiehthyies, Pe- rennibranchiaten) der Fall ist. Als weiterer Beweis der Richtigkeit unserer obigen Ansicht erscheinen die höchst interessanten Funtie Brongniart's, nach welchen die typischsten Formen liei- Ortlio- Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. Io3 ptera genuina, die Feldhcuschrecken (Saltatoria), schon in der Steinkohlenperiode reich- lich vertreten waren (Palaeacridiodea sieben Gattungen). Es liesse sich daraus schliessen, dass alle tiefer stehenden Familien (Phasmiden, Mantiden, Blattiden) und die Pseudo- neuropteren (OxdoOdonata, Plecoptera, Ephemeridae) weit früher vorhanden waren oder besondere Entwicklungsrichtungen oder Rückbildungen sind, die den Urformen dadurch wieder ähnlich geworden sind. Letzteres ist jedoch nicht wahrscheinlich, wenigstens nicht für Ephemeren und Perliden, und ersteres wäre höchstens, wie wir bereits hervorgehoben, für die Odonaten anwendbar, weil letztere eine ebenso tvpische Form ausgebildet zeigen wie die Saltatorien. Die Ephemeren und Perliden sind aber in allen Beziehungen den niedrigeren Typen der Hexapoden (Thysanuren) sehr verwandt. Es ist ganz richtig, was Brongniart von dem in vielen Fällen zweifel- haften Werthe des Flügelgeäder s (p. 5i II.) und von der Beachtung des Körperbaues sagt,') aber das rührt wohl daher, weil die Insectenflügel der einzelnen wirklich verwandten Gruppen, wie erwähnt, erstens nicht vergleichend studirt wurden und zweitens bei allen Insecten nach einem Typus gebaut und auch darum homöophyle tisch erscheinen, weil sie stets an den nämlichen Körpersegmenten auftreten. Ein ur- sprünglich oder ein secundär einfaches Flügelgeäder werden sich daher in allen Ord- nungen ähnlich sehen, und daher eignet sich nur der für eine Entwicklungsrichtung tvpisch ausgebildete Flügel zum Erkennen einer Gruppe, weil die weitere Entwicklung desFlügelnctzes nach verschiedenen Richtungen heterophyletisch entsteht. Flügel mit com- plicirtem, aber dennoch ähnlich erscheinendem Flügelgeäder, zeigen bei näherer Unter- suchung nach Adolph 's Theorie sehr bald, dass die ähnlich verlaufenden Adern gewöhn- lich einander nicht homolog sind. Das ist der Grund, warum Homopteren- und Siriciden- flügel als solche von Lepidopteren etc. beschrieben wurden. — Den Untersuchungen fossiler Insectenflügel muss vor Allem eine umfassende Kenntniss der Flügel der lebenden Insecten vorausgehen, und diese müssen mit einander nach Adolph 's Theorie verglichen werden, denn ohne deren Beachtung läuft man Gefahr, bei ganz nahe verwandten Insecten die homologen Adern nicht zu erkennen und verschiedene Adern mit gleichen Namen zu belegen. In Eaton 's ausgezeichneter Ephemeriden-Monographie (Trans, of the Linn. Soc. i885), sind einige Adern des Vorder- und Hinterflügels für homolog gehalten und haben gleiche Namen, obschon sie es nicht sind. Einstmals hatte man keinen Anhaltspunkt für die Homologie zweier Adern, und so konnte Fischer die Adern bei Saltatorien und Mantiden ganz falsch auffassen. Wenn auch die Bestimmung der Homologie zweier Adern heute noch Schwierigkeiten macht, so sollte man doch nicht Convex- und Concavadern mit einander verwechseln. Brongniart führt das von ihm angenommene System Pack'ard's und Scudder's aber dadurch selbst ad absurdum, indem er, wie bemerkt, den Körper- bau der Insecten zur Bestimmung fossiler Formen für wichtiger hält, als jenen der Flügel. In Packard's Abtheilung der Heteromctabola sind aber die Körper fehlerhaft charakte- risirt, und wir müssten, ohne Rücksicht auf die Flügel, die Cicaden, ihrer Mundtheile und ihres Thoraxbaues wegen, zu den Metabolit, oder dieTineiden aus der letzteren Gruppe ausscheiden und zu den heterometabolen Trichopteren Packard's stellen, weil beide einen gleichen Thoraxbau zeigen. Haben ferner die Odonaten nach Packard keinen Thoraxcomplex? 1) Man vergleiche Diapliana Fieberi Brunn., Latindia sii^nata Brn. und Periplaneta nricntalis oder Deropeltis, sämmtlich Blattiden (Brunncr de Wattcnwyl, Nouv. Syst. des Blattaires, \'ienne 1Ö65, Zool.-bot. Gesellschaft, mit 13 Tafeln). I04 Friedrich Biauer. Bieten nun schon die ganzen rcccntcn Flügel Schwierigkeiten bei der Bestimmung, so muss das umsomehr bei den nur fragmentarisch erhaltenen fossilen der Fall sein, und es erklären sich hieraus die verschiedenen Ansichten Scudder's, Hagen 's und Brong- niart's namentlich über die Reste aus dem Devon. Es muss bei solchen Fragmenten vorerst hervorgehoben werden, dass es fast unmöglich ist bei vielen zu sagen, ob wir es mit der Ober- oder Unterseite des Flügels zu thun haben, und dieses ist zur Erkcnntniss der Adern sehr nothwendig, weil sich die Convex- und Concavrippen') oder Berg- und Thal- adern auf beiden Flächen gerade umgekehrt verhalten. 3. Specielle Besprechung einiget^ von Brongniart abgebildeten Formen. Palaeoblatfina Douvillei Brgt. Die Flügelreste dieses ältesten Insectes werden von Brongniart, nicht ohne Zweifel, für solche einer Blattide gedeutet, weil sie mit denselben viele Aehnlichkeiten zeigen, obschon sie mit keiner fossilen und lebenden Gattung eine vollständige oder auch nur zu- nächst die meiste Annäherung gestatten. Die Insectennatur dieses Restes vorausgesetzt, finde ich bei den vielen Vergleichen, welche ich nach der Abbildung gemacht habe, eine grössere Verwandtschaft mit den weiblichen Vorderflügcln der Grvlloden, speciell der Gryllotalpincn, namentlich kehren hier fast sämmtliche Adern im Mittel- und Hinter- felde die concave Seite ihrer Biegung nach vorne, und ebenso laufen in der Mitte vier bis fünf Längsadern parallel vom Grunde zur Flügelspitze. Jedenfalls muss die Auf- findung weiterer Exemplare abgewartet werden. (Confr. Scapteriscus oxydactyla Perty Brasil, und Gryllotalpa.) Es scheint mir nicht zu weit gegangen, wenn ich, durch den Bau des Kopfes und Hinterleibes (lange Cerci), ferner in der Stellung der Fühler (vor den Augen), dem Mangel der Sprungbeine etc., in den Gryllotalpincn eine Mischform von Blattiden, Man- tiden, Grylloden und auch anderen weiter entfernten Gruppen erblicke. Schon einmal (Verwandlungen der Insecten im Sinne der Descendenztheorie 1, 1869, p. 3 11, 3 12) habe ich auf die Beziehungen der jungen Gryllotalpen und Termiten hingewiesen. Ferner zeigt das Vorhandensein eines rudimentären Stimmorganes am Grunde des Hinterleibes die Beziehung zu den ebenso synthetisch aussehenden Pneumora-Ancn, bei denen das Organ ganz entwickelt ist, während es sonst nur als sogenanntes Gehörorgan erscheint (Landois). Die Körper der Neurorthopteren, welche Brongniart entdeckte, zeigen meist lange Cerci nach Art der Plecopteren und Gryllotalpen, und so haben wir viel- leicht in dieser abenteuerlichen Form den letzten Nachkommen der formenreichen Gruppe der Dictyoneuren, die demnach sicher Orthopteren gewesen wären. Die mit Gryllotalpen verwandten D-idactylus-Artcn (Oliv.) haben den Bau und die Stellung der Beine der Plecopteren und leben am Rande von Gewässern und auf dem Wasser. Plecopteren, Dennaptcra, Grvllotalpiden und Phasmiden haben die Fühler unter und vor den Augen, am Rande des Kopfes liegend, bei Blattiden und Grylloden rücken sie etwas aufwärts unter das Auge, bei Mantidcn und Saltatorien liegen sie zwischen den Augen oder über denselben. Wenn auch die Gryllotalpincn zumTheil als Anpassungsformen erscheinen, so zeigen sie doch anderseits Charaktere einer Collectivtype der Gruppen der Cursorien, Gressorien und Saltatorien und sind insofern nicht als reine Anpassungsformen der letzteren auf- ') Die gehobenen und gesunivenen Adern. Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. Io5 zufassen, wie aus der oben erwähnten Kopfbildung und Lage und der Stellung der Antennen (wie bei Phasmiden) und ebenso aus der Lage der Gehör- und Stimm- organe, worin sie Locus tinen und Acridier (da sie das Organ am Hinterleibe und an der Vorderschiene besitzen) verbinden, hervorgeht. Das grosse Präcostalfeld und die submarginale Costa haben sie mit Phasmiden und allen Saltatorien, die langen Cerci mit den Grylloden, vielen fossilen orthopteroiden Dictyoneuren und mit Mantiden gemeinsam, ausserdem charalvterisiren sie sich durch den Mangel einer Lege- röhre(9)- Woodwardia nigra Brgt. Betrachten wir die von Brongniart zu den Pseudoneuropteren gestellten Megase- copteriden, so finden wir allerdings im Flügelgeäder xonWoodwardia und Corydaloides eine gewisse Aehnlichkeit und können in der Heliographie der ersteren sogar Convex- und Concavfelder deutlich erkennen. — Als Pseudoneuropteren haben wir unsere Ord- nungen der Odonaten, Ephemeriden und Plecopteren in Betracht zu ziehen. Das Fehlen eines Nodus am Vorderrande schliesst die sonst ähnlichen Calopterygiden vom Vergleich mit Woodwardia aus, obschon sich die Flügelterminologie Selys' trefflich auf die Nervatur von Woodirardia nigra anwenden lässt. Deuten wir nach dem Bilde und dessen Beleuchtung die erste Ader am Rande als convex, die zweite helle, vorne und hinten von winkelig gegeneinander stehenden Queradern gesäumt, als concave Subcosta, so erscheint die vierte Ader, in der Mitte des Flügelvorderrandes betrachtet, concav. Diese würde demSector principalis (concav) der Odonaten entsprechen, der mit 8 (Sector medius) als gemeinsamer Stamm aus der Basalzelle entspringt. Hinter diesem geht aus der Mitte der Zelle der Sector brcvis (interno-media) hervor. Den Hinterrand der Basalzelle bildet der Sector trianguli superior (lo, subinterno-media) und auf ihn folgt der Sector trianguli inferior mit mehreren Gabelästen zum Hinterrand. Bei Plecopteren fehlt der Sector principalis und vom Sector nodalis ist nur eine Falte vorhanden, dagegen sind der Sector brevis mit zwei parallelen Gabelästen, der Sector trianguli inferior und eine Falte des Sector trianguli superior, sowie der Sector subnodalis entwickelt (confr. Fig. i 5, 4 und lo). Bei Isopteryx ist der Stamm des Sector subnodalis verschwunden und durch eine Concavader (? Sector medius) ersetzt und von ersterem nur die Endgabel erhalten. Von dem Geäder der Odonaten unterscheidet sich das der Woodipardia auch noch da- durch, dass der Vorderrand der Basalzelle nicht vom Radius gebildet wird, sondern durch eine Concavfalte oder Ader von demselben getrennt bleibt, deren Fortsetzung der Sector principalis ist. Bei Plecopteren wird der Vorderrand der Basalzelle auch nicht vom Radius, sondern vom Sector subnodalis (Vorderflügel) oder vom gemeinsamen Stamm des letzteren und des Sector radii (Hinterflügel) gebildet, weil die vorhergehenden Con- cavadern rudimentär geworden sind (nodalis, medius). Nur bei Isopteryx wird auch der Sector subnodalis am Grunde rudimentär und verschmilzt mit dem Radius (confr. Fig. lo), wodurch die Basalzelle, wie bei den Odonaten, auch vorne vom Radius begrenzt wird. Der Hinterflügel von Woodipardia gleicht fast ganz dem Vorderflügel, zeigt daher keinen Fächer am Hinterrande wie bei den meisten genuinen Orthopteren, von welchen Woodwardia auch durch das Auftreten einer Basalzelle abweicht, welche, mit Ausnahme von Grvllotalpiden, dort stets fehlt. Die Flügel von Woodwardia machen den allgemeinen Eindruck jener eines Ca- lopterygiden, sind aber, genau betrachtet, jenen der Orthoptera genuina ähnlicher und lassen auch einen Vergleich mit Perliden zu. — Wenn die beiden Abbildungen wirklich dieselbe Gattung und Art darstellen sollen, so würde zu diesen, einer Calopteryx Io6 Friedrich Brauer. (Vestalis) luctiiosa ähnlichen, Flügehi ein sehr plumper Körper und ein Hinterleih von der Form und mit der eigenthümlichen Lüngsstreifung einer Ephemera vulgata gehören, der mit zwei dicken, langen, genäherten Cercis endigt. Die flügeltragenden Thoraxringe erscheinen mehr getrennt, als dies bei Odonaten der Fall ist. Mit Rücksicht auf die von mir vorgeschlagene Auflösung der Ordnung Orthoptera sensu latiori in sechs Ordnungen erscheint gerade diese Form als eine wahrscheinliche Schalttype zwischen den Plecopteren, Fphemeriden und Odonaten. Halten wir an der alten Eintheilung fest, dann stellt sie nur eine heute nicht mehr vorkommende Gruppe der Orthopteren vor. Gorydaloides Scudderi Brgt. Die Form erinnert auffallend an Sialiden. Mit Woodipardia erscheint sie uns nicht ähnlich, ohschon dies Brongniart behauptet. Vielleicht zeigen die Abdrücke selbst eine grössere Aehnlichkeit, als dies aus den Abbildungen zu entnehmen ist. — Die gleiche Bildung der Vorder- und Hinterflügeln findet sich bei Plecopteren (Isopteryx) und Sia- liden. Es würde sich hier ferner darum handeln, ob die vierte Ader vom Vorderrande ein concaver Sector principalls, wie bei Woodivardia angenommen wurde, oder ein convexer Sector radii, wie bei Sialiden, sei. Plecopteren und Sialiden verhalten sich in letzterem Punkte merkwürdig gleich, namentlich ist es auffallend, dass der Sector radii bei beiden im Vorderflügel vom Radius abzweigt, während er im Hinterflügel als selbst- ständige Längsader vom Grunde zusammen mit der siebenten Ader (subnodalis) ent- springt oder fast stets diesen Ursprung durch eine Verbindung mit der siebenten Ader erkennen lässt, wenn er auch scheinbar aus dem Radius hervorgeht. Bei Corydaloides ist das ebenfalls in der Zeichnung ausgedrückt. In Betreff der genuinen Neuropteren bemerke ich Folgendes: Diese Verbindung fehlt bei Myrmeleonen u. a. m., oder der Sector entspringt wie eine Schaltader aus zwei Queradern (Megistopus). Für die Be- schreibung der Gattungen und auch mancher Arten scheint mir die Verbindung des Sector mit der folgenden Längsader am Grunde des Hinterflügels durch eine meist leicht S-förmig geschwungene Längsader von Wichtigkeit. — Ich rinde diese Verbindung bei Hemerobius, Polystoechotes, Dilar, Psychopsis, Sisyra, Osmylus, Chrysopa ; sie fehlt bei Porismus, Mantispa, Drepaniciis, Stenosmyhis, Nymphes, Myiodactylus, Myr- meleoniden und Ascalaphiden. Bei Nymphes sind im Hinterflügel Ader 5 und 8 am Grunde nur durch eine Falte verbunden, im Vorderflügel erscheint daselbst, verschieden von allen genannten Gattungen, eine Verbindung der fünften bis zehnten Ader durch starke coincidente schiefe Queradern. Bei Sialiden ist die Verbindung des Sectors(5) mit Ader 6 oder 7 im Hinterflügcl fast stets vorhanden, z. B. bei Corydalis, Neuromiis, Sialis und der Mehrzahl der Clhui- liodes-Ancn und Rhaphidien: Rhaphidia afßnis, 7wtata ¥hv., ophiopsis, laticeps., cognata Rbr. cf. Sie fehlt dagegen bei ChauUodes pcctinicornis L., bei Inocellia crassicornis Schum., aber nicht bei der fossilen Art im Bernstein und mehreren Rhaphidia-Artcn, z. B. Rhaphidia oblita Hg. (Californien), Rhaphidia Rat:{cburgi Brauer, Rhaphidia nov. sp. Frankfurt a. M. Rh. xauthostigma, Rh. cognata Rbr. 9 (nicht ^). — In allen diesen Fällen ist eine Verbindung so verstanden, dass die Wurzel des Sector radii gleich anfangs durch eine geschwungene Längsader mit der Wurzel der nächsten Längsader verbunden wird. — Ich bemerke das deshalb, weil bei einigen Rhaphidien diese Ver- bindung durch eine vielleicht homologe Querader hergestellt oder ersetzt wird, die aber den Stamm der nächsten Längsader erst weit vom Grunde ab trifft und nur schiel ver- Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. joy läuft. Solche Formen hätten dann zwar dieselbe Verbindung, aber in anderer Form (nicht der Basalenden beider Adern). Bei Inocellia fehlt aber diese vollständig, und eine quere Verbindung tritt überhaupt nur bei den vorhin genannten Rhaphidien, nicht bei anderen Neuropteren auf. Panorpen fehlt die Verbindung vollständig. Durch dieses Verhältniss entsteht am Grunde eine ähnliche Basalzelle wie bei Plecoptercn, deren vordere Grenze der Sector subnodalis ist. Auf den Sector radii folgt, bei Corydalis nur als Falte, bei Sialis aber als concave Längsader, der Sector medius (8) wie bei Corydaloides, ferner der Sector brevis und die Falte des Sector trianguli superior (Clavalfalte). Vom Sector subnodalis bleiben nur die Endgabeln erhalten, wie bei Isopterj'x (Fig. lo). Co?-)-da!()ides zeigt, ebenso wie Woodwardia, keinen Fächer im Hinterflügel. Von den Sialiden der Jetztzeit zeigt die Gattung Sialis das ähnlichste Flügelgeäder. Die fossile Gattung Corydaloides trennt sich aber davon durch das nicht geäderte leere Rand- feld und das Verschmelzen von Subcosta und Radius lange vor der Flügelspitze, wodurch die vorderen Zweige des Sector radii in den Radius selbst und nicht in den Vorderrand münden. Ferner bleibt die Basalzelle (nach der Abbildung) vorne nur vom Radius be- grenzt, weil der Stamrn des Sector brevis am Grunde einfach bleibt und der des Sector subnodalis ganz verschwunden ist. Doch kann hier ganz gut der concave Sector medius, der auch bei Sialis an die Stelle des Sector subnodalis tritt, übersehen oder undeutlich sein. — Im Radialstreifen zwischen Radius und Sector fehlen bei Corydaloides alle Queradern, nur ani Ende erscheinen die nach vorne gehenden Endgabeln des Sectors. Von allen Sialiden der Jetztzeit unterscheidet sich Corj'daloides durch die oben er- wähnten persistirenden abdominalen Tracheenkiemen und die langen Cerci. Ob letztere richtig gedeutet sind, wäre noch mit Rücksicht der bei Rhaphidien vorkommenden Lege- röhren zu erwägen. Die Analogien der Plecopteren und Sialiden sind jedenfalls zu beachten. Die fast gleich entwickelten Thoraxringe mit gleichen indirecten Flugrnuskeln nähern die Sialiden am meisten den homomorphen Insecten. Zu beachten ist hier allerdings die a. a. O. hervorgehobene Aehnlichkeit des Darm- canales der Co/^^<^//.?-Larve mit jenem von Blattiden und Corrodentien, mit welchen auch die Plecopteren Aehnlichkeit haben. Ich rnöchte daher beide Formen, Woodwardia und Corydaloides, nicht unbedingt in dieselbe Ordnung und Farnilie stellen. Jedenfalls haben die Sialiden mit Corydaloides früher ein Recht Neurorthopteren zu heissen als die Protophasmiden und andere unter diesem Namen vereinigte Familien. Brongniart reiht an diese Pseudoneuropteren sibi mit Corydaloides und zu den Megasecopteriden auch den als Breyeria borinesis beschriebenen Flügel. Derselbe lässt aber auf eine Verwandtschaft dieser Formen nicht schliessen und wurde von M' Lac hl an (siehe meine zool.-syst. Studien i885, p. 1 19) als Ephernerenflügel gedeutet, wofür indess auch keine genügenden Anhaltspunkte vorhanden sind. Vielleicht gehört derselbe einem Homopteron an, deren einige die Flügelform der Tagschmetterlinge haben. Meganeura (Dictyoneura) Monyi Brgt. Das Flügelgeäder erinnert durch die zahlreichen nach vorne strebenden Zweige der Vena interno-media (g) an das der Mantiden und Plecopteren, Bei letzteren sendet aber der vordere Ast der Vena interno-media diese Bogenäste ab. Bei A/(?^a;7ez< o X II > TJ ^ d -p ^ u nn u o o u d p o u d X o O II LO o. "R 5 > d 1 CS O u n o -£2 cn 3 _2: u O -p "cS i) :P u 0) .5 'x o II V u. o -p d P tri to P CO .'s s . £ ^ -^ d D d cS O cu CO 's tj CS u X d o CO o to 'u CS u c3 £ C/2 X P CO O CU CS d 'S CS u > ;— ^^ 1) i> ■o ■p ■p d (-• CS -p ■p d ; 'ri' O > a "cS J2 d o cS w ce P d P o o^ 1 u OJ u o > o C o d o W CS d O a W ■•« 1 5 d o CS w u. C 'j . .- "es Ig 'j CS X CO ■d p CO 1) u CS 'S . C3 t/1 o o u «1 c« .£ T3 O d d P X P O 1) CS CS o CS d < Mediana Brunner D x: u tn d d -d d d ttH II ü CQ "^ o d CS . II C3 .£ '5ß F d (3 o d O o o -p "^ d cAj o o g n _CS £ r1 u ,p "cS d > u 1) b^ C3 C 5 ''S 3 Oh 0) d d _d "cS S D .s <: <; fc oi cd Di 00 ^ "a 3 't ^u„ ; .^ *» Ut ^ J2 d d P U i ä ^ .2 ^ ^ £ ^ , d d "" -p Ut (D , 'J) j:: "^ [i. CQ o .-^ p O .De '-p c CO c3 Q C ."«3 'S 's i^ rt 0) .2 c x: il t^ -5 (u £ •- OJ X' P •P CS u O ^ •- =3 .S cS -U ;— ' '^ d XI ^ XI > 0) Ui "2 CS li :s u: :;:: -p 'S o ö d u. OJ d u d X P CO "cS d CS d 3 CS u I-< 1) > •8 o . E ^ d d oS d 0} in 1 '^ g i CS d CS d CS d Cu X :cS n, n. Ol. u m 5) i> > Di > f> > ^ fc^ 1 - o 'J 1) p d d p «2 Cß P CO .s ■| C3 u CQ Is CS to CS ■p CO 3 3 -yj d "-] O bß bn O O II d o .£ u CS d -p s u. > d d CO 3- £ d d -p o d X p in u X u. CS 'S u O .S u O O II O CS « o u O u ^ cn o o u o O o u ü 2 Ö O u ;-< P- ; C/l (/) Cfi CA) Cfi c/J m t/J >< > >< >■ >< > >< > >< > >< > >< > z 6 t-* fl r^ ■^ lÖ o l-^ c» c^ o (—1 " M r^ rf- 120 Friedrich Brauer. Ansichten über die paläozoischen Insecten und deren Deutung. Erklaruni,^ der Figuren. Fig. I. Defopeltis graiuilifera Krauss. Cap. h. sp. Vorderflügel. Die Punkte bezeichnen die Regionen nach Scudder. Confr. Fig. 8. (Blattidae.) Die Aeste: »false 7« sind solche von Ader Nr. 3, wie hei Fig. 8. Fig. 2. Paranauphoeta riifipes Burm. Molukken. HinterflUgel. (Blattidae.) Fig. 3. Mantis religiosa L. Vorderflügel. {Mantidae.) Fig. 4. Perla marginata P. Hinterflügel. (Plecoptera.) Fig. 5. Chaetessa filata Buvm. Brasil. Vorderflügel. (Mantidae.) Confr. Fig. i. Fig. 6. Protokollaria ingens Brgt. Steinkohlenperiode. Vorderflügel. Confr. Fig. 5 und y.v. [Protoperlidae Brgt.) Fossil. Nach Brongniart. F"ig. 7. Locitsta viridissima L. 9. Vorderflügel. Confr. Fig. 6 .v. (Saltatoria Locustina.) Fig. 8. Etoblattina manebachensisGldbg. Steinkohle. Fossil. {Palaeoblattariae. Ordo Palaeo- dictyoptera Scdd.) Nach Scudder. DieAderästc: »false 7« sind nur solche von Nr. 3. Fig. 9. Schema eines Calopterygiden-Flügels. (Odonata.) B: Basalzelle. Fig. 10. Isopteryx ßava. Hinterflügel. (Plecoptera.) B: Basalzelle. P^ig. I I. Embia Savignyi. Hinterflügel. (Enibidae. Orthoptet-a.) B: Basalzelle. Confr. Fig. 10. Fig. 12. ^^'oodn'ardia nigra Brgt. Nach Brongniart's Heliographie erklärend dargestellt. Confr. Fig. 9, 13 und 1 5. (Pseudoneuroptera. Megasecopteridae.) Fossil. Steinkohle. Fig. 13. Hierodiila pustiilata Ser\il. Q. Madagaskar. Abnorm geäderter rechter Vorderflügel. (Mantidae.) Fig. 14. Lamproptilia Grand' Eiiryi Brgt. Fossil. Steinkohle. Nach Brongniart 's Helio- graphie erklärend dargestellt. (Ordo Neurorthoptera, Subordo Palaeodictyoptera, Familia Platypteridae Brgt.) Vorder- und Hinterflügel. Fig. i5. Diamphipnoa viridescentipennis Blanch. Chile. (^::; lichenalis Gcrst., seciDid.M'l.achl.) Vorderflügel-Basis. Confr. Fig. 5, 6 und 12. (Plecoptera.) Fig. 16. Spilaptera Packardi Brgl. FossW. Steinkohle. Nach Brongniart's Heliographie er- klärend gezeichnet. [Neurorthoptera palaeodictyoptera, Platypteridae Brgt.) Confr. Fig. 14. Fig. 17. Henieristia occideiitalis Scdd. Foss,\\. Steinkohlcnf. Illinois. Nach Scudder 's Zeich- nung. Von der punktirten Linie zur Spitze sind die .Addern von Scudder er- gänzt. Palaeodictyoptera neiiropteroidea, P'amilia Heineristina Scdd., Pseudoneuro- ptera, Homothetidae Brgt. Confr. Fig. i und 5. Fig. 18. Acridium tataricuni I.. Vorderflügel. (Orthoptera saltatoria, Acridiodea.) Fig. I 9. Scapteriscus oxydactyla Perty. 9 . Brasil. Vorderflügel. Confr. Fig. 20. (Gryllotalpina.) Fig. 20. Palaeoblattina Douvillei Brgt. Fossil. Silurformation. Njch Brongniart skizzirt. Confr. Fig. 19. Blattidae? Brgt. ? Scudder. Fig. 21. Bittacus Blanchetti P'ict. Brasilien. Vorderflügel. Confr. Fig. 14. Bei sämmtlichen Figuren bezeichnen die gleichen Zahlen die einander homologen oder für homolog gedeuteten Adern und die Zahlen entsprechen den Nummern der Adern unserer Tabelle. Bestimmung des specifischen Gewichtes von Mineralien. N'oii Dr. Victor Goldschmidt. Uass die Angaben über das specifische Gewicht der Mineralien unter sich so sehr differiren, liegt nicht sowohl in den Methoden der Bestimmung, als in der Auswahl des Materials. Hat man auch möglichst reines, homogenes Material nach dem Augenschein aus- gewählt, so zeigt es sich doch beim Eintragen in schw^ere Lösungen, dass die specifischen Gewichte der Einzelkörner in oft weiten Grenzen schwanken. Die Ursache liegt in manchen Fällen in isomorphen Verwachsungen, in der Regel in Einlagerungen und Hohl- räumen und endlich in Umwandlungen der Substanz (Zersetzungen). Im ersteren Falle ist nur möglich, selbst in dem Einzelkorn ein Durchschnitts- resultat für die verschiedenen isomorphen Bestandtheile zu haben. Will man mit einem solchen Resultat etwas anfangen, so muss es mit der chemischen Analyse, eventuell mit krystallographischen und optischen Restimmungen verbunden sein, und es empfiehlt sich, an gleichfälligen Körnern specifisches Gewicht und Zusammensetzung zu bestim- men, damit auch bei beliebiger Entnahme des Materials zu den weiteren Bestimmungen die Angaben, soweit sich das erreichen lässt, sich auf die gleiche Substanz beziehen. Bei der pyknometrischen Bestimmung, bei welcher man Durchschnittsresultate für verschiedenwichtige Körner erhält, ist eine solcheUebereinstimmungdem Zufalle ausgesetzt. Wichtiger und mit dem ersten Falle noch combinirt sind die Ungleichheiten durch fremde Einlagerungen, Hohlräume und Zersetzungen; fast kein Material ist davon frei, und es besteht die Aufgabe, bei der specifischen Gewichtsbestimmung diesen Einfluss zu eliminiren. Bei pyknometrischen Bestimmungen ist dies nicht möglich, wohl aber bei dem Suspendiren in schwerer Lösung. Nachdem das Material ausgesucht und zerkleinert ist, bringt man die Körner zur Suspension, und es zeigen sich stets in engeren oder weiteren Grenzen sich bewegende Differenzen. Man bestimmt nun das Gewicht der einzelnen Körner, wenn diese grob sind, von Gruppen, wenn sie feiner sind, und unterzieht das Resultat einer natur- gemässen Discussion, die sich darauf bezieht, welches Material zu den weiteren Unter- suchungen zu nehmen sei, und welches Gewicht ihm beizulegen sei. Als Hilfsmittel der Discussion dient die Betrachtung mit Loupeiuid Mikroskop. Zum Beispiel: Eine Substanz enthalte nach mikroskopischem Befund leere Hohl- räume und erscheine sonst homogen, so ist das Gewicht der schwersten Körner anzu- nehmen; es kann aber das ganze Material zur Analyse kommen. Eine andere Substanz enthalte Glaseinschlüssc, und zwar die leichtesten Körner die meisten, so ist wieder das höchste Gewicht anzunehmen, aber zur Analyse nur das schwerste Material auszuwählen. Ich will das Gesagte noch an einigen Beispielen aus der Natur erläutern, die zu- gleich zeigen sollen, in welchen Grenzen sich solche Gewichte bewegen, das heisst, welche Annalen des k. U. iiatuiiiistorisclicn Horin;isciims, Bd. I. Hoft 2, iSSö. 9 j 2g Victor Goldschmidt. Genauigkeit man derartigen Bestimmungen beimessen kann. Das Material ist nach dem Aussehen rein ausgewählt und so, wie man es direct der pyknometrischen Bestimmung unterziehen würde. Die Bestimmungen sind durch Wägen der Lösung in 2 5 Cc. Kölb- chen ausgeführt') und es beträgt die Genauigkeit derselben o-ooi bis 0-002. In diesen Beispielen bedeutet die angeschriebene Zahl das specifische Gewicht, die in Klammer die zugehörige Anzahl von Körnern. Beispiele der Disciission. Adular (Schweiz). Farblos, wasserhcll, theilweise mit weisslicher Trübung. 2-534(2) 2-562(1) 2-565(2) 2-569(2) 2-570(3) 2-571(1). Das specifische Gewicht ist herabgezogen durch die mikroskopischen Hohlräume, welche die milchige Trübung hervorbringen. Es ist das höchste Gewicht 2-571 als das richtige anzusehen. Aktinolith (Zillerthal). Etwa 6 mm. starke Säulen. 3-018(1) 3-020(2) 3-023 (i) 3-o3o(i) 3-o3i (i) 3-o34(i) 3-039(2) 3-O4i(0- Die Ursachen der Verschiedenheit können mehrfache sein, besonders Einlagerungen von Chlorit und Hohlräume, aber auch ungleiche Zusammensetzung durch isomorphe Mischung. Letzteres lässt Spielraum nach beiden Richtungen zu, doch dürfte bis auf specielle Untersuchung das höchste Gewicht 3-041 als das richtige anzusehen sein. Anhydrit (Stassfurt\ Wasserhelle, farblose Krystalle. 2-950 (i) 2-956(1) 2-957(2) 2-961 (i) 2-963 (9). Das Gewicht ist herabgezogen durch Hohlräume, daher das höchste 2-963 als das exacteste anzusehen. Aragonit (Herrengrund). Farblos, wasserhell. 2-919(1) 2-920(1) 2-927(1) 2-936(^2) 2-937(1). Die Ursache der Differenzen liegt in Hohlräumen, und es ist das höchste Gewicht 2-936 — 2-937 als das exacteste anzusehen. Aragonit (BiUn). Klare, weingelbe Krystalle. 2-927(2) 2-933(6) 2-934(6) 2-935(4) 2-936(3). Durch die zwei Körnchen 2-927 zieht sich ein schwacher Spalt, der allein als Er- klärung des niederen Gewichtes dienen könnte. Die anderen Körner sind dem Aussehen nach auch unter Loupe und Mikroskop vollkommen klar und gleich, und es kann 2-933 — 2-936, im Durchschnitt 2-935 als das richtige Gewicht angesehen werden. Dies stimmt sehr wohl mit Her^engrund. Calcit (Rathhausberg bei Gastein ?). Von rother Farbe, herrührend von mikroskopischen rothen Blättchen von Eisenglanz. Andere Partien sind dabei matt und weisslich, herrührend von mikroskopischen Hohlräumen, 2-723 — 2-725(3) 2-725 — 2-727(25) 2-728 2-729(12) 2-729 — 2-731(26) 2-731—2-733(31) 2-733—2-735(3). Die schwersten Partien sind die klarsten, und es ist wohl 2-733 als das richtige Ge- wicht anzusehen, unter der Voraussetzung, dass die eingelagerten Eisenglanzpartikcln I) Vgl. Goldschmidi. Jahrb. 1. Min. 1881, Beilagcb.. I, 196. Bestimmung des specitischen Gewichtes von Mineralien. I2q SO gering sind, dass sie das Gewicht nicht wesentlich hinaufziehen können, die Hohl- räume dagegen starke Veränderung bringen. Darnach wäre zu vermuthen, dass genannter Calcit Mg CO^, respective Fe CO, enthielte. Sicherheit in der Discussion des Gewichtes kann nur die Analyse geben, welche die Menge des F^c.^ O^, sowie des Mg CO^ und Fe CO.^ feststellt. Zu einer solchen kann das gesammte Material, auch das weisslichc verwendet werden. Die analytische Untersuchung ist noch nicht ausgeführt. Calcit (Rabenstein). Klar und wasserhell. 2715(171 Alle Körner gleichfällig. Der Calcit ist ganz rein und ohne Einlagerungen. Daher die schöne Uebereinstimmung. Calcit (Island). Farblos und wasserhell. 2713 (sehr viele Körner). Alle Körner gleichfällig. Vollkommen frei von Einschlüssen. Calcit (Nordmarken). Wasserhell und farblos. 2717 (sehr viele Körner). Alle Körner gleich fällig. Frei von Einschlüssen. Calcit (Lörtschenthal in Wallis). Grobstenglige, aussen gelbe Massen, die inneren Theile farblos, wasserhell und ganz gleichfällig. 2713 (sehr viele Körner). Fassen wir die letzten vier Calcitc zusammen, die alle als rein angesehen werden können, so dürfen wir in Anbetracht dessen, dass die Gewichtsbestimmung in der letzten Decimale um i — 2 Einheiten differiren kann, 'i-j\i\ als das Gewicht des reinen Calcits ansehen. Nordmarken, das um ein Geringes differirt, dürfte vielleicht etwas Mg Co,. oder Fe Co.. enthalten. Eläolith (Rrewig). Röthlich. 2-604(1) 2-6o8(i) 2-609 (i) -'613(1) 2-617(2) 2*620 (4). Die Differenz liegt in beginnender Zersetzimg. Die schwersten Körner erscheinen am frischesten und am stärksten glänzend. Ihr Gewicht 2*620 ist als das exacteste an- zusehen. Heulandit (Island). Farblose, wasserhelle Krvstalle. Sehr schönes Material. 2-201 (3) 2'202(3) 2-206(1). Die Differenz ist sehr unbedeutend, und es darf wohl das Mittel 2-202 als sicher angeschrieben werden. Labradorit (Küste Labrador). Grau mit blauem Farbenschiller. 2-682(1) 2-683(2) 2-685 i^i) 2-689(4) 2-694(2) 2-700(1). Die Körner 2-689 erscheinen als die reinsten und klarsten. Die Differenzen dürften durch Einlagerungen und Veränderungen zu erklären sein. Ob verschiedene Zusammen- setzung der Lamellen mitspricht, bedarf einer speciellen Untersuchung. Bis dahin ist 2-68g als das zuverlässigste Gewicht anzusehen. Leucit (Vesuv). Ziemlich klar, glasig. 2-440(1) 2-456(1) 2-461(1) 2-463(3)2-464(1) 2-465(3). Das erste Korn differirt stark, das zweite wenig von den anderen. Die ersteren bilden geschlossene Krvstalle, die letzteren sind Bruchstücke. Das erklärt die Differenz. Die 9* I 3o Victor Goldschmidt. ganzen Krvstallc bestehen aus einem Kern und einem Mantel, die beim Zerschlagen sich trennen. Die Fuge zwischen beiden zieht das Gewicht herab. Als richtig ist 2-464 an- zusehen. Natrolith (Brevig). Starke, klare Einzelkrystalle. 2*246(5) 2-249(1). Die Uebereinstimmung ist befriedigend, um die Körner für homogen zu halten. In Anbetracht der grossen Körnerzahl ist 2-246 der Vorzug zu geben. Pektolith (Bergenhill). Farblose, glänzende Massen aus feinen, dicht geschlossenen Fasern. 2-865 (i) 2-867(2) 2-870(2) 2-871 (2) 2-876(3) 2-880 (i 3). Die Discussion gibt hier ein besonders interessantes Resultat. Das Material ist durch zwei Ursachen verändert: 1. Verwitterung. Die Handstücke werden beim Liegen an der Oberfläche matt und specifisch leichter. 2. Zerdrückung. Ein Einfluss, der anderwärts nicht so deutlich hervortreten dürfte. Der Pektolith ist schwer zu zerkleinern, da die Fasern, die sich in radiale Bündel ordnen, unter sich, noch mehr aber mit den benachbarten Faserbündeln, mit denen sie verschränkt sind, zusammenhaften. Die Trennung kann nur durch starke Schläge er- folgen, ebenso die Befreiung vom Nebengestein. Nun hat der Pektolith noch die Eigen- schaft, sich bei Druck und Schlag gern in asbestartige Fasern aufzulösen. Tritt nicht vollständige Abtrennung ein, so entfernen sich die Fasern von einander; die Stelle wird matt, weiss und das specifische Gewicht sinkt herab. In der That zeigen die leichteren Körner solche matte Partien, und es bestätigt sich die Auflockerung dadurch, dass sich die gelbe Lösung in die gelockerten Theile hineinzieht. Auch das Mattwerden durch Ver- witterung zieht das Gewicht herab, und es ist deshalb das höchste Gewicht 2-880 als das richtige anzusehen. Quarz (Middleville). Einzelne, rundum ausgebildete wasserhelle Krystalle. 2-650 (6). Alle Körner gleichfällig. Vollkommene Uebereinstimmung wegen Reinheit und Gleichmässigkeit des Materials. Schwefel (Girgenti). Rein und klar. 2-068(6) 2-070(6). Gute Uebereinstimmung. Die leichteren Körner erscheinen etwas heller, doch muss das nicht eben von Bedeutung sein. Wollastonit (Finnland). Farblos, glasglänzend, mit Calcit verwachsen. 2-878 (i) 2-881 (i) 2-889(1) 2-897(2) 2-902(5) 2-904(1) 2-907(5). Die verändernden Einflüsse sind in diesem Falle*. Zersetzung, Einlagerungen be- sonders von Calcit und Faserung mit Hohlräumen. Alle diese Einflüsse suchen das specifische Gewicht herabzuziehen, und es ist das Gewicht der schwersten Körner 2-907 als das richtigste anzusehen. Diese Körner erscheinen auch nach ihrem Aussehen als die reinsten. Es ist jedoch möglich, dass die Zahl für die reine Substanz noch ein wenig zu nieder ist. Aus den angeführten Beispielen geht mit Klarheit hervor, wie die Annahme von Durchschnittswerthen, wie sie bei Pyknometcrbestimmungen nicht umgangen werden kann, unrichtig ist, dass man dagegen für solche Mineralien, die sich zur Suspension bringen lassen, oft sichere, in complicirteren F'ällen der Wahrheit stark genäherte Bestimmung des specifischen Gewichics von Mineralien. i 3 l Resultate erhalten kann. Es ist zu vermuthen, dass bei derartiger Discussion die weiten Grenzen in den Angaben der specifischen Gewichte, wie sie sich am besten in Websky's Zusammenstellung (Die Mineralspecies nach den für das specifische Gewicht derselben angenommenen und gefundenen Werthen. Breslau 1868) übersehen lassen, sich ganz ausserordentlich verengern werden und sich erst dann vergleichbare Zahlen gewinnen lassen. Berücksichtigung der Temperatur. Von manchen Autoren wird bei der Bestimmung des specifischen Gewichtes von Mineralien die Temperatur berücksichtigt, von anderen nicht. Es entsteht daher die Frage, wie weit die Temperatur von Einfiuss sei, um zu beurtheilcn, ob man diese ver- nachlässigen dürfe oder nicht. Die Bestimmungen werden in der Regel bei einer Zimmer- temperatur vorgenommen, die sich in den Grenzen von i3 — 23" C. bewegt. Als Mittel der Bestimmungen können wir 18" annehmen, und es erscheint vortheilhaft, exacte Be- stimmungen auf diese Temperatur zu reduciren, bei allen Bestimmungen aber, wo eine Angabe nicht gemacht ist, diese Temperatur vorauszusetzen. Wir können unsere obige Frage nun dahin präcisiren: Wie ändert sich das Resultat der Bestimmung des specifischen Gewichtes, wenn diese nicht bei 18", sondern bei i3", resp. 2 3'^ vorgenommen wird? Dieser Einfluss ist verschieden je nach der Methode der Bestimmung. Wir wollen nur die beiden wichtigsten Methoden untersuchen: mit dem Pyknometer und durch Suspendiren in schwerer Lösung. P y k n o m e t e r b e s t i m m u n g . Hierbei machen wir die folgenden Wägungen. Wir bestimmen: g =: Gewicht des Minerals, G =: Gewicht des Wassers im vollen Pyknometer, Qf) =r Gewicht des Pyknometcrinhalts von Wasser und Mineral. Ausserdem möge bedeuten: F= Inneres Volum des Pyknometers, V = Volum des Minerals, 3 = spec. Gewicht des Wassers bezogen auf das spec. Gewicht desselben bei 18'^ als Einheit, a = spec. Gewicht des Minerals, z = cubischer Ausdehnungscoefficient des Minerals, z ^= Differenz der Beobachtungstemperatur gegen 18" C. Lassen wir für diese Betrachtungen den untergeordneten Einfluss des Gewichtes der verdrängten Luft bei den Wägungen ausser Acht, so ist: Gewicht des Minerals Spec. Gewicht = Gewicht des verdrängten Wassers g ab ei ist: G =v:2 *•):? daher: a a — y,(V — V -^ ^)^ g 32 Victor Goldschmidt. Wir wollen nun Alles, was sich luil eine andere Temperatur als i8" C. bezieht, mit einem Index bezeichnen, und, wo von einer spcciellen Temperatur die Rede ist, mit der Temperaturzahl als Index, z. B. ^i^ = spec. Gewicht des Wassers für i3"C., bezogen auf 2f|g als Einheit. Es ist dann: und im spcciellen Fall; ffi:} = '13 t^'13 Nun ist r, = r ( i -f zr) = '^ ( i + x i) daher: o", 2,g{i-{-xr) 2, (i + xt) ö-, JS", (l -f 7.t) Der Einfluss des Werthes (i + /. /) ist dem von 3, entgegengesetzt, jedoch schwächer. Es steht daher die Formel = ö-, ^, 3 der W^ahrheit noch etwas näher als 4- Wir wollen an drei Beispielen den Einfluss sehen, den die Anwendung der Cor- recturformeln 2 und 3 gegenüber 4 hat. Bleiglanz. ff, 3 = 7'5 beobachlct ohne Correctur a = 7'5032 nach Formel 2 (7^ = 7'50 57 nach Formel 3 Flussspath. (rj3 = 3'i8 beobachtet ohne Correctur a = 3'i8i5 nach P'ormel 2 er, ■= 3" 1824 nach Formel 3 Calcit. ffj3 = 2'7I5 beobachtet ohne Correctur ff = 2*7 168 nach P'ormel 2 ffj =: 2"7i7i nach Formel 3 ff.,3 = 7'5 beobachtet ohne Correctur ff = /•4948 nach Formel 2 ff, = 7'4y-- r^'^^'h Formel 3 ff23 = 3'i8 beobachtet ohne Correctur ff = 3*1776 nach Formel 2 ffj = 3*1767 nach Formel 3 ff,3 = 2*715 beobachtet ohne Correctur ff = 2*7124 nach Formel 2 ff, =1 2*7122 nach Formel 3 Die cubischen Ausdehnungscoefhcienten sind der Arbeit von Kopp l^Pogg. Ann. i852, 86. i56) entnommen, und zwar: für Bleiglanz /. =. o*oooo68 Flussspath /. = o-oooo63 Calcit /. = o*ooooi8. Aus diesen Berechnungen geht hervor, dass der Einfluss der Temperatur in den Grenzen der Beobachtung sich auf die dritte Decimale beschränkt. Er wächst mit dem speciflschen Gewicht des Minerals, und es beträgt die Differenz der nach Formel 2 corri- girten Werthe a gegen die uncorrigirten Werthe ff^g, also die Maximalditferenz für Bleiglanz o-oo52, » Flussspath 0*0024, » Calcit 0*0026. Formel 2 können wir als exact annehmen, durch Formel 3 ist eine Näherung er- zielt, die wohl dann zur Anwendung geeignet erscheint, wenn man den Ausdchnungs- cocfficienten des Minerals nicht kennt. Statt dessen könnte auch eine empirische Cor- rectur angebracht werden von der Formel, deren Resultat der Wahrheit näher kommt als das aus Formel 3. (7 = ff. -]- 0*0001 ffA wenn /;" unter 18" beobachtet wurde ff =^ ff. o'ooo 1 5 ff i r" über i8' ■3. Bestimmung des specifischen Gewichtes von Mineralien. i33 Zum Beispiel: Beobachtet a^ = 3'i8 (Bleiglanz) bei 23"; a =^ 3"i8 — o'üooi5 . 3'i8 . 5 = 3-1784. Formel 2 würde ergeben haben 3-1776. In beiden Fällen ist zu schreiben 3-178. Es mögen hier noch die Werthe 2 mit ihren Logarithmen folgen für die Tempera- turen von i3 — 23'*, bezogen auf ^,^ = i, und zwar berechnet nach den Angaben von Volkmann (Wicdem. Ann. 1881, 14. 277, resp. Landolt und Born stein, Tabellen, S. 33). Temp. V" lg ^ Tcmp. Z lg ^ 13" 1-000768 00003334 19" 0-999812 99999182 14 1-00.0634 00002755 20 0-999608 99998299 15 I -000401 00002134 21 0-999401 99997099 16 1 -000241 00001482 22 0-999185 99996459 17 I -000176 00000765 23 0-998959 99995474 Bestimmung durch Suspendiren. Bei dieser Bestimmungsmethode (vgl. Jahrb. f. Min. 1881, Beilageb. I, ig6) erhält die Lösung genau das specitische Gewicht des Korns bei der Beobachtungstemperatur. Es wird dann ein Kölbchen mit der Lösung gefüllt, das bei 18" C. ein bestimmtes Volum, am besten genau 2 5 Cc. fasst. Die Temperatur ist insofern von Einfluss, als sie das Mineralkorn ausdehnt und leichter macht, anderseits das Glaskölbchen erweitert und daher mehr Lösung zum Abwägen braucht. Beide Einflüsse wirken einander entgegen. Es sei: a ■= spec. Gewicht des Minerals bei 18", bezogen auf Wasser von 18". ff, z= spec. Gewicht, bei einer andern Temperatur bestimmt, ohne Correctur. (j.^2 = spec. Gewicht, ohne Correctur, speciell bei 23" C. bestimmt. V := Volum des Kölbchens bei 18" C. F, = Volum des Kölbchens bei einer andern Temperatur, z. B. F^s " des Kölbchens bei 23" C. /. = Cubischer Ausdchnungscoefhcient des Minerals. 1 = Cubischer Ausdehnungscoefficient des Glases vom Kölbchen. c = Beobachtungstemperatur über (unter) 18" C. Volum Nun ist ff, ^=^ ff ( 1 — "/. r) F ffF(i — xr) (i \ li) ff (i — zr) (i + 1%) z= (j [i + (X — /.)'•] ffl I -\-il- X). ff = ff, [i -|-(x - i)A 6. Der Ausdehnungscoefflcient des Glases ist verschieden; man kann ihn aber im Durchschnitt = 0-00002 5 setzen. Nehmen wir dieselben Beispiele wie oben, so ist: Flussspath: x = 0-000062. Beobachtet: y, 3 =3 3- 18 ff = 3-1794 fj-.^.j ::::; 3-18 ff = 3-l8o5. Calcit: x = o-ooooi8. ffi, = 2-71 5 '13 '7-23 = 2-715 ff := 2-71 D02 ff ^= 2-71498. I 3a. Victor Goldschmidt. Bestimmung des specitischen Gewichtes von Mineralien. Die Ditieicnzcii zwischen den corrigirten Werthen a und den uncorrigirten (j,^, resp. a-,:i betragen: für Flussspath o-ooo6, » Calcit o*ooo2. Fassen wir die Resultate dieser Betrachtung zusammen, so ergibt sich, zugleich im Hinblick auf die oben dargelegten Schwankungen des specifischen Gewichtes der Einzel- körner, dass für allgemein mineralogische Bestimmungen bei der Methode des Suspen- direns der Einfluss der Temperatur entschieden ausser Acht zu lassen ist. Bei pykno- metrischen Bestimmungen mag er dann berücksichtigt werden, wenn das Material so gleichmässig rein ist, dass die dritte Decirnale gesichert erscheint. Liegt ein solcher Fall vor, so kann man die Correcturformel 2 anwenden, oder auch, wenn der Ausdehnungs- coefiicient des Minerals unbekannt ist, mit genügender Annäherung F'ormel 5. In den meisten Fällen jedoch kann man auch hier den Einfluss der Temperatur vernachlässigen. Dagegen empfiehlt es sich, der Gleichmässigkeit wegen, alle Angaben nicht auf 4" C, sondern auf eine mittlere Ternperatur von 18" C. zu beziehen. F"ür physikalische Special- untersuchungen muss nach Bedarf die Reduction auf 4" C. vorgenommen und eventuell das Gewicht der verdrängten Luft bei den Wägungen berücksichtigt werden. lieber die Krystallform des Tellurit. Von Dr. Äristidcs Breiina. Mit drei Fiiiurcn im Texte. Die nachfolgende Arbeit war bis auf die Nachberechnung einiger von Laspeyres am Valcntinit beobachteten Flächen im Juli 1884 druckfertig gemacht; mancherlei andere Arbeiten kamen dazwischen und verzögerten den Abschluss; unterdessen erschien im April des Jahres i885 die Untersuchung von D. Klein und J. Morel über den Dimor- phismus der tcllurigen Saure, worin eine tetragonale, dem regulären Oktaeder sehr nahe stehende, und eine rhombische, nahe tetragonale Moditication angegeben werden; vorher (December 1884) war eine Arbeit von Mallard erschienen, worin die eigenthümlichen Beziehungen der Formen der Oxyde zu einander besprochen und die Rückführbarkeit derselben auf ein tesserales Netz nachgewiesen wurde. Ich habe gleichwohl meiner Arbeit ihre ursprüngliche Form belassen und nur an den entsprechenden Stellen den Hinweis auf die vorerwähnten fremden Publicationen eingefügt. Die Arbeit von Klein und Morel bestätigt einerseits die von mir aus den Unter- suchungen von Bcrzelius geschöpfte Vermuthung, dass neben der rhombischen eine oktaedrische Modification der tellurigen Säure existire; dass diese aber nur pseudotesscral sei, könnte mit den von Mallard angenommenen Gesetzmässigkeiten der Anordnung zusammenhängen; es wäre aber auch andererseits denkbar, dass eine jede der in Frage stehenden Substanzen (Oxyde) polymorph sei und eine tcsserale ModiHcation besitze, was nach den Entdeckungen der letzten Jahre durchaus wahrscheinlich ist. Auf alle Fälle gehört diese Gruppe zu den interessantesten, welche bisher krystallographisch untersucht wurden, und verspricht bei genauerer Durchforschung reiche Aufschlüsse über die Beziehungen von Form und Mischung. In den letzten Tagen ist, veranlasst durch die Ankündigung meiner vorliegenden Arbeit im ersten Hefte der Annalen, eine Notiz von Krcnner »über den Tellurit von Facebaja« erschienen, worin für das ältere Telluritvorkommen Elemente bekannt ge- macht werden, welche nahe mit den von mir am neuen Anbruche gefundenen überein- stimmen. 1. Aeltere Beobachtungen. Die tcllurige Säure TeOo wurde zuerst von Berzelius ') untersucht, welcher angab, dass sie durch Verdünnen einer salzsauren Lösung des Tellursuperchlorüres mit kochen- dem Wasser in wasserfreien Krvstallen erhalten wird, deren Form oktaedrisch zu sein ') Berzelius, Untersuchung über die Eigenschaften des Tellurs. Pogg. Ann. XXXII, i — 3-» 577—627, 1834. l36 Arislides Brezina. schien. McssLiiigcn wurden nicht angestellt. Oppenheim,') welcher später die Versuche von Berzelius wiederholte, vermochte auf dem angegebenen Wege keine Krystalle zu erhalten. Inzwischen war durch Petz-) die tellurige Säure in Begleitung von gediegen Tellur in Faczebaja im natürlichen Zustande aufgefunden und erkannt worden; »ein Mineral in ganz kleinen Kugeln von feinfaserigem Gefüge, gelblichweisser, ins Grauliche gehender Farbe, welches vor dem Löthrohre, in der offenen Röhre sowohl als auf Kohle, ganz das Verhalten von telluriger Säure zeigte«. Offenbar hat jedoch schon im vorigen Jahrhundert Esmark-^) dieselbe Substanz unter den Händen gehabt, wenn er gelegentlich des sogenannten problematischen Gold- erzes, d. i. gediegen Tellurs, schreibt (a. u. a. O., Seite 91): »Bei ihm traf ich einige sehr kleine Krystalle von gelblichgrauer P'arbe an, welche längliche, sechsseitige Tafeln bildeten, stark glänzend, von Demantglanze und halbdurchsichtig waren, und deren übrige Kennzeichen ich, wegen ihrer Kleinheit, nicht bemerken konnte. Vor dem Löth- rohre verflüchtigten sie sich in Rauchgestalt. Ich halte sie für gelbes Spiessglaserz.« In neuerer Zeit wurde der Tellurit an drei Fundorten Colorado's, der Keystone, Smuggler und insbesondere in Spalten von gediegenem Tellur und als Ueberzug auf demselben auf der John Jay Grube durch F. A. Genth 1) aufgefunden: »kleine, weisse, gelblichweisse und gelbe Krvställchen, einige weisse Krvstallc scheinen spitze rhombische Pvramiden zu sein; meistens prismatisch; häurig der Länge nach gestreift, einzeln oder zu Bündeln vereinigt; Spaltbarkeit sehr deutlich in einer Richtung«. So dürftig die vorstehenden Angaben über die Formen des Tellurit auch sind, deuten sie doch auf eine Dimorphie der Substanz hin, eine rhombische (oder monokline, trikline) natürlich vorkommende und eine tesserale, künstlich erhaltene Modification, falls man nicht annehmen will, dass Berzelius eine oktaederähnliche rhombische Pvramide beobachtet hat.-"') 2. Neues Vorkonunen. Ich erhielt im Juni 1884 durch Herrn Adolf Genzsch eine Stufe gediegen Tellurs von Faczebaja, auf welcher derselbe ausgezeichnete Telluritkrvstalle aufgefunden hatte. Insbesondere zeigten drei miteinander verwachsene Individuen deutliche, gut spiegelnde Endflächen, welche eine genauere Untersuchung gestatteten.*^) Ausserdem fand ich bei Durchmusterung der älteren Tellurstufen des mineralogischen Hofkabinetes nicht nur zahlreiche Exemplare von Tellurit in der von Petz beschriebenen Form von zu Kugeln 1) Oppenheim, Ucbcr das Tellur und einige seiner Verbindungen. Journ. pr. Chem. LXXI, 20Ö— 282, 1857. -) Petz Wilhelm, Zerlegung einiger Siebenbürger Tellurerze. Pogg. Ann. LVll, 467 — 47S, 1842. -^) Es mark Jens., Kurze Beschreibung einer mineralogischen Reise durch Ungarn, Siebenbürgen und das Banal, P^reyberg 1798. I) Genth, F. A., On some Tellurium and Vanadium Minerals. Amer. Philos. Soc. XVll, 118 bis 128, 1877. Darin S. 123: »where it is found in minute white, yellowish-white and yellow crystals, mostly prismatic, often longitudinally striated, isolaled or aggregated in bundles; a fcw of ihe white crystals arc acute rhombic pyramids. Cleavage eminent in one direction«. Auch Zeitschr. lür Kry- slallogr. II, I — 13, 1878, woraus das obige deutsche Citat. ^) Unterdessen haben Klein und Morel (Sur le dimorphisme de I'anhydride tellureux etc. Compt. rendus C, 1 140— 1 143, 1885) eine oktaederähnliche tetragonale Form von der Dichte 5-67 und eine rhombische Form (Grenzform zum tetragonalen System) vom specilischen Gewichte 5-90 erhalten. •') Die Stufe, welche seither vom mineralogischen llofkabinete erworben wurde, trägt die Num- mer D. 196. Der grösste von den ch'ei erwähnten Krystallen beiludet sich noch auf der Stute. Ueber die Ki7stallform des Tcllurit. i 3 7 gehäuften Blättchen, sondern auch auf Stücken des neuen Anbruches (von i883) von Faczebaja ein paar wetzsteinähnliche, kleine Krystallstöcke, welche durch parallele Auf- einanderlagerung von nach aussen immer kleiner werdenden Tellurittafeln erzeugt sind. Die Krystalle sitzen entweder auf Tellurkrystallen oder unmittelbar in Hohlräumen des stark porösen Gesteines, eines spröden, stellenweise fast glasigen Qiiarzsandsteines, wie er als Muttergestein des gediegen Tellur von Alters her bekannt ist. Zuweilen sind die Hohlräume des Gesteines ganz mit blanken oder in den lebhaftesten metallischen Farben angelaufenen Tellurkrvstallen von meist geflossenem Aussehen bekleidet, über welche Baron Heinrich Fou Hon, welchem ich mein diesbezügliches Material zur Bearbeitung überlassen habe, genauere Nachrichten gebracht hat. Die einzeln ausgebildeten Tellurit- krvstallc scheinen mit Vorliebe in Hohlräumen dem Gesteine selbst aufzusitzen, während die (bei Weitem häutigeren) wetzsteinähnlichen Gebilde mehr auf Tellurkrystallen ge- funden werden, welche Höhlungen des Gesteines auskleiden. Die Identität dieser Kry- ställchen mit Tellurit konnte allerdings nur durch einen qualitativen Versuch, das Ver- halten im beiderseits offenen Glasrohr, erhärtet werden, wobei in strenger Rothgluth ein Schmelzen zu braunen Tröpfchen, sodann Verdampfen eintritt; doch stimmen sowohl das Vorkommen als auch alle anderen äusseren Eigenschaften so vollkommen mit den Beschreibungen des Tellurit von Petz und Genth, dass ein Zweifel über die Substanz kaum aufkommen kann. Angaben über die genauere F'undstelle verdanke ich Herrn Bergingenieur J. Heski, über dessen Anrathen Herr k. k. Baurath Friedrich Stach in Wien den seit den Jahren 1848 — 1849 darniederliegcnden Bergbau von Faczebaja wieder aufgenommen hat. Herr Heski schreibt mir über das neue Vorkommen: »Die erwähnten Stufen entstammen einer Bergveste der sogenannten Präpestyenerkluft, welche Bergveste in den Stollen: Präpestyene, Dreifaltigkeit und Sigmund bekannt, derzeit jedoch nur im Präpestyenerstollen bebaut w^ird und nahezu press gehauen ist. Die Stufen des Hof-Mineraliencabinetes stammen aus dem Dreifaltigkcitsstollen vom Jahre i883. Das Vorhandensein dieser Bergveste, sowie mancher kleinerer erklärt sich durch die in Faczebaja von jeher betriebene kunstwidrige Art des Abbaues und wohl auch durch den geringen Halt des Tellurerzes an Gold, speCiell in dieser Bergveste, während z. B. im Jahre 1773 auf der Querenduskluft Tellurerze erschrotten wurden, welche S^/^ Feingold hielten. Die jetzt im Gange befindlichen Arbeiten haben hauptsäch- lich den Zweck, die Querenduskluft mit dem Sigmundsstollen zu erreichen und zu be- bauen, da sie nur bis zur Sohle des Mathiasstollens abgebaut ist, während die Präpestyener- kluft bis 4 M. unter die Sohle des Sigmundsstollens press gehauen ist (abgesehen von einzelnen Bergvestcn und Rücklässen des alten Manns), und deren Aufschluss in weiterer Teufe ein sehr namhaftes Capital erfordern würde. Beide Klüfte streichen Nord - Süd, verflachen 80' morgenseitig und sind von i M. 5o bis 20 Cm. mächtig. Die Gangart ist Quarz (Hornstein), seltener Kalkspath. Accessorisch : metallisches Gold, gediegen Tellur (andere Tellurverbindungen?) und güldischer Pyrit.« Die Farbe der Tellurite ist zumeist honiggelb, nämlich die der schwach durch- scheinenden Stöcke, während die einzelnen Krvstalle durchsichtig und von strohgelber bis honiggelber Farbe sind. Im Ganzen sind die Farben dunkler als beim alten Vor- kommen, das meist stroh- in weingelb war; nur einzelne Kugeln gingen bis honiggelb in der Farbe. 3. Habitus. Flächcnbeschaffcnheit. Die untenstehenden Figuren i und 2 stellen, und zwar die erstere in gewendeter Stellung, b nach vorne, die wichtigsten Combinationcn der frei ausgebildeten Krystalle 38 Aiistides Brezina. Fls. I. dar, mit zonarcni Auf bau aus Schichten von abwechselnd hellerer und dunklerer Farbe, welche den Umrissen der flachen Tafeln, insbesondere deutlich aber den Spuren der Pyramiden p folgen; in Fig. i sind nur die stärker ausgebildeten Formen b, p und o dar- gestellt, nach unten durch die (nicht beobach- tete) Basis geschlossen und so den Habitus der mit dem unteren Ende aufgew^achsenen Kry- stalle wiedergebend; Fig. 2 zeigt die an den untersuchten Telluriten auftretenden Flächen in idealer Ausbildung und in der normalen Stellung (^ vorne, b seitlich). Herrschend ist immer die Fläche b, nach welcher die Krystalle dünntafelig sind, nach welcher auch ausge- zeichnete Spaltbarkeit vorhanden ist. In der aufrechten Prismenzone ab = [00 1 ] tritt ein nahe an b gelegenes Prisma o (3. 16.0) auf, dessen Kante zu (010) durch ein noch stumpferes Prisma }i (3.34.0) abgestumpft wird. Diese Flächen wurden nur einmal beobachtet, in allen anderen Fällen war die Tafel in der Richtung gegen a zu durch vollkommen unbestimmbare, reflexlose Flächen- elemente geschlossen, von denen sich nur angeben lässt, dass sie ausserordentlich steilen, prismaähnlichen Pyramiden angehören dürften, welche etwa als Vicinalflächen zu b und o oder b und n zu deuten wären. Die Umrandung der Tafeln nach oben zu geschieht durch die stets ebenflächig und glänzend ausgebildeten Flächen der Pyramide ^ (i 1 1), von welcher an jedem der beiden Krvstalle ^ und ji?" verhältnissmässig stark entwickelt sind (etwa o-ooi5 bis o'002 Mm. Breite), während p'" kaum ein Drittel dieser Breite hat (0-0004 ^^"<^ 0*0007 Mm.) und die vierte Fläche p' ganz fehlt; an der Unterseite des grösseren Krvstalles ist noch p äusserst klein ausgebildet. Die Gleichheit dieser zufälligen Eigenthümlichkeiten (es liegt keinerlei Grund vor, an eine monokline Symmetrie zu denken) ist eine Erscheinung, welche bei nahe nebeneinander gebildeten Individuen, oftenbar in Folge der gleichen äusseren Umstände, sehr häufig auftritt. In der Zone p b treten Vicinalflächen TT von b auf, deren Lage den Symbolen (1.42. i) entspricht, wie die weiter unten folgendenWinkelangaben zeigen; doch sollen Fi£ lll(3-3'l-0) ;of3-iG-oj diese, sowie die Svmbole der obigen Vicinal- flächen nur die Lage der Flächen darstellen, ohne dass damit gemeint ist, dass diese Flä- chen beständige Formen der Substanz seien. Die wetzsteinähnlichen Formen der durchscheinenden, nach b nicht so stark abgeplatteten Complexe bauen sich durch Aufeinanderlagerung zahlreicher solcher dünner Tafeln mit den Flächen b auf, wobei der Umfang der Tafeln nach aussen immer kleiner wird. Beim Losbrechen der Krystalle entstanden zahlreiche Vicinalflächen von b in der Zone bc ^ [100], für welche ich keine eigenen Symbole berechnet habe; ebenso zeigen Ueher die Krystallform des Tellur it. i 3g sich nahe an c Ansätze zu sehr stumpfen Pyramiden, für deren Symbolisirung keine Anhaltspunkte zu gewinnen waren. Die Flächenaushildung des Tellurit lässt eine EigenthümHchkeit erkennen, welche man an den meisten Substanzen mit ausgezeichneter Spaltbarkeit beobachten kann ; während die ebenflächigen echten Flächen von constanter Lage meist unter grossen Winkeln gegen die Spaltfläche geneigt sind (so wie hier die Pyramide^ mit bp = yi'^ 53), treten zahlreiche Vicinalflächen der Spaltungsebene in verschiedenen Zonen und mit schwankender Symbolisirung auf; denn dass die obigen hochzahligen Indices sich mit anscheinend grösserer Bestimmtheit ergeben, ist nur der geringen Anzahl von beob- achteten Fällen zuzuschreiben. Fig. 3 gibt die Lage aller symbolisirten Flächen in stereographischer Projection. 4. Winkel. Elemente. Die absoluten Dimensionen der beiden gemessenen Krystafle sind o-5 Mm., be- ziehungsweise 0-27 Mm. nach a, 0-02 Mm. nach b und o-8o Mm., respective o-5o Mm, nach c; die Flächen p geben in Folge ihrer Ebenheit und Glätte gute, jedoch durch Beugung langgezogene Bilder; insbesondere bei/»'", welches am schmälsten ist, reicht das Bild beiderseits über das Gesichtsfeld hinaus, woraus sich die grosse Abweichung des Winkels ^Tj»'" vom berechneten Werthe erklärt. Aus den am Krvstall Nr. i gemessenen Winkeln bp und p p" hatte ich zuerst die Parameter a : b : c = 0-4552 : i : 0-4686 berechnet; mit Hinzuziehung der am zweiten Krystafle beobachteten Werthe ergaben sich die genaueren Elemente a : b : c = 0-4566 : i : 0-4693. Kren n er fand für das ältere Vorkommen: a : b : c = 0-45954 : i : 0-46495 und die Formen b (010), m (i 10), r (120), 5 (140), /^ (i i i); (140) von schwankender Position, gegen (4. 17. o) neigend. Mit Zugrundelegung der Elemente des alten und des neuen Anbruches könnte man für den Teflurit das Axenverhähniss a : b : c = 0-458 : i : 0467 annehmen. Eine Abweichung der Symmetrie von der rhombischen war aus den Messungen nicht zu entnehmen; an den Elementen fällt die nahe Gleichheit der Parameter a und c auf, welche eine Annäherung der Elemente an ein tctragonales Axensystem mit b als Hauptaxe bedingt; der Flächenhabitus wiederholt jedoch diese Aehnlichkeit nicht, und demgemäss ist auch keine optische Analogie mit dem tetragonalen System vorhanden, indem auf /? kein Axenbild erscheint; Krenner fand am älteren Vorkommen die Orienti- rung (bnc), Axenebene parallel a (100), negative Mitteflinie senkrecht b (010). Klein und Morel beschreiben die von ihnen für rhombisch gehaltene Modification der künstlichen tellurigen Säure als rechtwinkelige, langgestreckte Nadeln mit den Formen h^ g^ a^ und den Winkeln /^^ a, =90'; 96 55-5-97 2 — bm (010) (110) 65 27-6 - . — — 65 19 — br (010) (120) 47 36-0 — — — 47 25 — bs (010) (140) 28 42-2 — — — 28 33 — bx (010) (4.17-0) 27 14-9 — — — 27 7 bo (010) (3.16.0) 22 19-6 22 26-5 I — — — bn j vT' s y mm' r.v (oiu) (1 .11 .0) (010) (3.34.0) (120) (120) (140) (120) (i lü) (iTo) (120) (4.17-0) II 15-7 10 56-3 84 48-0 18 53-8 49 4-8 20 2I-I iio 57-0 I — — 85 10 18 52 49 22 20 18 85 6 19 1 49 30 20 15 5. Vergleich mit anderen Substanien. Der Tellurit zeigt sowohl im Habitus seiner Combinationcn, als auch in Spaltbar- keit und Winkelverhältnisscn eine grosse Aehnlichkcit mit den rhombischen ModiHca- tionen der arsenigen und antimonigen Säure. Insbesondere mit der ersteren, dem Claudetit, ist die Uebereinstimmung eine ausserordentliche. Die ausgezeichnete Spaltbarkeit nach Z'(oio),') nach welcher dünntafc- lige Ausbildung vorhanden ist, die Vicinalflächen an b in der Prismen- und steilen Pyra- midenzone und die durch dieselben bedingte Krümmung gegen a zu, ferner die Aehn- lichkcit in der Lage der dominirendcn, ebenflächigen Pyramide o, wodurch eine Näherung der beiderseitigen Elemente bedingt wird, endlich die Dimorphie zwischen einer rhom- bischen und einer tesseralen Modificacion (welche allerdings bei der tellurigcn Säure nur mit Wahrscheinlichkeit angenommen werden darf) machen die Analogie zu einer sehr vollständigen; die beiderseitigen Elemente sind: Tellurit a : b : c = 0-45 66 : i : 0-4693 {a : c = 0-9729) Claudetit a : b : c — o-S-SS : i : o-35oo {a : c — 1-0737) 1) P. Grolh, lieber die Isodimorphic lier arsenicen und der antimoiiii,'en Säure, Pogg. Ann. CXXXVII, 414—433, Taf. VII, Fig. 1 — 5, 1860. Ueber die Krystallform des Tellurit. 141 Die Unterschiede zwischen den beiderseitigen Parametern sind allerdings nicht unbeträchtlich; sie werden jedoch minder auffallend, w^enn man den Valentinit zum Ver- gleiche heranzieht. Ueber den letzteren hat kürzlich Laspeyres') zahlreiche Beobachtungen veröftent- licht, aus welchen er jedoch ganz unzulässige Schlüsse gezogen hat. Ich habe deshalb seine und die älteren Angaben über den Valentinit einer Discussion unterzogen, welche im Anhange ausführlich wiedergegeben ist; hier will ich nur als Resultat derselben anführen, dass sowohl den älteren Beobachtungen als auch denen von Laspeyres, soweit dieselben überhaupt in Betracht kommen können, am ungezwungensten ein Parameterverhältniss: a : b : c = 0*391 5 : 1 : o'42o5 (a : c = o-gSio) entspricht, auf welches bezogen die Formen nachstehende Symbole erhalten: a (100) h(oio) TT (3 10) m (210) ff (540) M (i 10) o (160) i)(o.i3.i) d(o.i 1.2) 0(092) e(o4i)/'(o.io.3)/(o95) ^(o53) g{o32) ;z(o54) .v(o98) i{oi i) /(o56) 6(405) ^(102) .v( 1.20. 19) »(4.13.5) 7^(122) Man sieht, dass die Grundform des Valentinit zwischen denjenigen des Claudetit und des Tellurit steht, mit Ausnahme des Verhältnisses a : c, in welchem die Reihen- folge Claudetit, Tellurit, Valentinit ist. Auf alle Falle steht die Form des Tellurit denen der beiden anderen ebenso nahe wie diese beiden einander. Wenn man also Claudetit und Valentinit isomorph nennt, muss man den Tellurit ebenfalls der Gruppe beizählen, umsomehr, als die Spaltbarkeit bei allen dreien dieselbe ist. Man könnte nun versucht sein, die auffallende Thatsache der Isomorphie von TeO,, As^ 0;j und Sb.j^ O;, mit den bekannten, durch A. E. Nordenskjöld-) zwischen der Mehrzahl der rhombischen Oxyde nachgewiesenen Beziehungen zu erklären; derselbe fand, dass CrO-^, V.j O^, MoO.^, WO.^, Sb^^ 0^,Bi^ (\, As.^^ O-^ und TiO.j, also Oxyde von ganz verschiedener chemischer Zusammensetzung sich durch Multiplication einzelner Para- meter mit 2, 3 oder — auf eine gemeinsame Grundform a : b : c =1 0*397 : i : 0*471 beziehen lassen, wobei die Spaltbarkeit zwar nicht für alle Glieder dieselbe, aber doch immer nach einer Fläche der Zone [001] gerichtet ist. Dagegen ist jedoch zu bemerken, dass nach den heute geltenden Anschauungen von einer Isomorphie dieser Oxyde unter- einander in morphologischer Beziehung nicht gesprochen werden kann. Eine Ueberein- stimmung der Elemente nach Multiplication eines oder gar zweier Parameter mit wenn auch einfachen Zahlen bei gänzlicher Verschiedenheit des Habitus und abweichender Spaltbarkeit reicht nicht hin zur Begründung der Isomorphie, wenn sie auch immerhin eine interessante Beziehung darstellt und vielleicht in späterer Zeit zu weiteren Schlüssen ■) H. Laspeyres, Mineralogische Bemerkungen, VIII. Theil, 15. Krystallographische Unter- suchungen am Valentinit. Zeitschr. für Krystallogr., IX, 162 — 185, 1884. 2) Om Vanadin-och Molybdensyrans Kristallformer. Öfv. 1860, Nr. 6, S. 299 — 302; auch Pogg. Ann. CXII, 160 — 163, 1861. In letzterer Uebersetzung sind alle Zehntelgrade irrthümlich als Minuten gesetzt; es ist zu verbessern: S. 161, Z. 13 von oben 133-8 statt 133^8' S. 162, Z. 3 von oben 157*7 statt 157^7' S. 161, Z. 15 » » 92*3 » 92 3 S. 162, Z. 4 » » 148*5 » 148 5 S. 161, Z. 10 » unten 00 p^j^ » p^i^ S, 162, Z. 5 » » 140*3 » 140 3 S. 161, Z. 9 £■ » 00 ;; » P S. 162, Z. 18 » » minder » einander Bidrag tili känncdomen om oxidernas Kristallformer. Öfv. 1860, Nr. 9, S. 439— 452 ; auch Pogg. Ann. CXIV, 612—627, 1861. Nordenskjöld schreibt Naumann 'sehe Zeichen, stellt aber Z vertical (Hauptaxe), X Makro-, Y Brachydiagonale, also c Basis, a Brachy-, b Makropinakoid. j^2 Aristides Brezina. verwendet werden kann. Zudem sind mehrere der obigen Substanzen nur ungenau unter- sucht, die Elemente sind zumTheile nur aus Messungen ebener Winkel unter dem Mikro- skope abgeleitet. Die einzige, wirklich in unsere Gruppe gehörige Substanz scheint, wie schon Breit- haupt') bemerkt hat, die von Letzterem untersuchte Modification der Molybdänsäure Mo O3 zu sein, an welcher derselbe ein Prisma (iio) von 43" 12, ein unbestimmbares Doma (okl), vollkommene Spaltbarkeit nach (i 10), sehr deutliche nach (010) beobachtete; aus dem Prismenwinkel ergibt sich a : b =z o-3g59 : i, auch die Biegsamkeit der Substanz entspricht der Cohäsion in unserer Gruppe. Hingegen scheint die von Nordenskjöld beobachtete Modification der Molybdänsäure mit der von Breithaupt untersuchten di- morph zu sein, er fand nämlich (a und b vertauscht) a : b : c = 0-3872 : i : 0-4792, Formen a (100) &(oio) c(ooi) ?n (430) r(2o3) 5(102) f(io3) Spaltbarkeit äusserst deutlich (010), minder deuthch (100) und (001). Man sieht, dass zwischen beiden Modificationen vollkommen die Beziehungen be- stehen, die man zwischen dimorphen Körpern zu finden gewohnt ist, eine Zone ähnlich (/7m — 73"48 Nord., bp = 68" 24 Breith.), Spaltbarkeit sehr verschieden, so dass beide Substanzen einen ganz anderen Modus der Anordnung besitzen. Es ist offenbar viel un- gezwungener, die von Nordenskjöld untersuchte Modification auf das Parameter- system a ; b : c = 0-2904 : i : 0-2396; in{\\o) r(ioi) .?(3o4) f(io2) zu beziehen. Jedenfalls erfordert die Molybdänsäure eine erneuerte krystallographische Untersuchung. Auch das Verhalten der Vanadinsäure V.^0-^ ist eigenthümlich. Nordenskjöld gibt die Elemente (^a und b vertauscht): a .- /? : c = 0-3832 : I : 0-9590 Formen rt(ioo) b{o\o) c(ooi) m{\ 10) »(1.20.0) r(oi i) ^(014) (.') Spaltbarkeit sehr deutlich (100), minder deutlich (010), (001). Diese Substanz liesse sich ebenso gut auf die Elemente a : b : c ~ 0-3832 : i : 0-4795; in (i 10) ?2 (1.20.0) r(o2i) /(012) beziehen und wäre dann mit unserer Gruppe vollständig isomorph bis auf den Umstand, dass die beste Spaltbarkeit nach (100) anstatt (010) ginge; diese vorzügliche Spaltbarkeit nach (100) ist aber auch aus dem Grunde befremdlich, als das gewöhnliche Prisma m(\ 10) zur besten Spaltbarkeit unter einem kleinen Winkel (am — 20" 58) geneigt ist, hingegen das seltene u, das eher den Charakter einer Vicinalfläche trägt, unter einem sehr grossen (afi = 82034), während es gewöhnlich umgekehrt zu sein pflegt; man könnte allenfalls an eine Verwechslung von a und b denken, allein andererseits stimmt wieder der Cha- rakter von a als dominirende Fläche, nach der die Krystalle abgeplattet sind, besser mit der vorzüglichen Spaltbarkeit nach dieser Hache, Also auch hier sind die Verhältnisse ungewöhnlich, jedoch nicht von der Art, um eine Isomorphic mit unserer Gruppe ohne- weiters annehmen zu lassen. Die Tantalsäure Ta^ (^:, entspricht weder der Vanadinsäure, noch unserer Gruppe dircct; Nordenskjöld fand (^a und /' vertauscht): 1) Aug. Breithaupl, lieber die natürliche Molybdänsäurc uml ihre Homöomorphie mit der natürlichen antimonigen Säure. Berg- und Ilüttenm. Ztg. XN'll, 125 — 126, 1858. lieber die Krystallform des Tellurit. 143 a : /? ; c = 0-8288 : 1 : 0*8239; m (i 10) ;z (loi) o(3oi) ^7(041) Spaltharkeit nicht angegeben. Hier ist die nahe Gleichheit von a und c sehr deutlich ausgesprochen, dagegen die Zurückführung auf die Gruppenwerthe nicht zulässig, obwohl die Verdoppelung von b zu einem entsprechenden Parametersystem 0-4144 : i : 0-4120 führen würde; nachdem jedoch die Formen dann lu (120) )i(ioi) o(3oi) t7(o8i), also minder einfach würden, kann eine solche Aufstellung ohne Kenntniss der Cohäsionsverhältnisse nicht angenommen werden. Auch das Bleioxvd Pb O hat durch nahe Gleichheit von a und c einen pseudo- tetragonalen Charakter, welcher hier in dem einen Typus (Fig. 8 in den Oefversigt, P^ig. 12 inPoggendorff'sAnnalen, zweite Arbeit Nordensk jöld's) auch durch die Flächenaus- bildung zur Geltung kommt. Vertauschen wir Norden skjöld's ^7 und c mit einander, um im zweiten Typus (Fig. g, beziehungsweise i3) die Längserstreckung aufrecht parallel Z zu erhalten, so wird a : b : c = 0-9764 : 0-6706 : i ; Formen b(oio) '"(iii) -^(545) ^(323) Typus I /'(oio) a(\oo) d(hio) L](4h.3.3h) r (2/?.!.//) Typus II Auch diese Elemente lassen sich inUebereinstimmung mit unserer Gruppe bringen, wenn man b verdreifacht; dann wird a : b : c ^= 0-9764 : 2-01 18 : i = 0-4853 : i : 0-4971 rt(ioo) ^(010) ;-(i3i) 5(5.12.5) ^(121) Die Zahlen für die Indices vereinfaclien sich noch, wenn man 5 als (252) annimmt, was mit der Beobachtung Nordenskjold's und den von Rammeisberg') gefundenen Zahlen auch noch vereinbar ist; in der That ist gemessen berechnet für (252) berechnet für (5.12.5) 5S 99" 36' N. aus by 98'i3o'-45'- Rg- 67040 Rg. fast sleich ss' 98" 4 65 25 63 41 100" 24 G6 4T H 55 Allerdings wäre auch hier der Fall denkbar, dass die von Norden skjöld und Rammelsberguntersuchten Krvstalle zwei dimorphen Modificationen angehören, indem die einzige von Letzterem gefundene Pvramide mit einer nicht ganz einfachen Form des anderen Typus und auch da nicht eben befriedigend übereinstimmt. Keinesfalls aber lässt sich eine dieser Formen ohneweiters in unsere Gruppe einreihen, da die obige Axen- wahl nur dann annehmbar wäre, wenn die Substanz eine ausgezeichnete Spaltbarkeit nach b besässe, welche für b einen grossen Parameter erfordern würde; von einer Spaltbarkeit ist aber weder bei Nordenskjöld noch bei Rammeisberg die Rede. Das Quecksilberoxyd Hs;0 wird zwar von Nordenskjöld als mit dem Bleioxyd vollkommen isomorph betrachtet, ist es aber wohl kaum, wenigstens müsste diese Iso- morphie erst durch Auffindung gleicher Cohäsionsverhältnisse erhärtet werden, welche von keiner der beiden Verbindungen angegeben sind; stellt man beide Körper mit der >) Rammeisberg, Krystallographische Chemie, Berlin 1855, S. 30. Aniialen des U. k. naturliistorisclien Hot'museums, Bd. I, Heft 2, i.SSo. 144 Aristides Brezina. Lüngenerstreckiing (nach welcher auch am Hg O alle Prismenflächen gestreift sind) auf- recht, so werden die Elemente Pb O . . . 0-9764 : o'öyoö : i Hg O . . . I : o*6522 : 0*9459 was allerdings mit Nordenskjöld's Annahme auch nicht unvereinbar wäre; aber auch der ganze Charakter der Combinationen ist ein anderer; mit unserer Gruppe hat das Quecksilberoxvd keinen wahrnehmbarenZusammenhang; wollte man es auf ein isomorphes Axensystem beziehen, so wäre b zu verdreifachen (also a : b : c ^^ o-5 1 1 i : i : 0-4834), wodurch die Prismen (welche allein ihr Zeichen ändern würden) anstatt (43o) (iio) (280) (120) (i3o) die Symbole (490) (i3o) (290) (160) (190) erhielten; eine solche Auf- stellung wäre kaum zu rechtfertigen. Das Wismutoxvd Bi^ 0,_ hat nach N o r d e n s k j ö 1 d die Elemente (a und b vertauscht) a : b : c = 0-81 65 : i : 1-0640; c(ooi) 711 (i 10) (034) 7-(oi i) .?(o32)(o3 um es mit dei" Gruppe isomorph zu machen, wäre /' zu veriloppeln, wodurch wir erhielten a : b : c = 0-4083 : i : o-532o; c(ooi) »2 (i2o)(o32) r(o2i) .>» (o3i) (061) Die Symbole würden also etwas complicirter, das einzige vorhandene Prisma er- hielte das Zeichen (120), was auch wieder nur zu rechtfertigen wäre, wenn eine ausge- zeichnete Spaltbarkeit nach b vorhanden wäre. Die Chromsäure CrO^ hat ein herrschendes Pinakoid /' (010) und die Elemente a : b : c =z i : 0-6920 : 0-6285; b(oio) vi (i 10) 1/(120) .v(i 1 1) r(33i) hier fällt wieder die nahe Gleichheit der Axen /' und c auf; während dies aber bei den meisten übrigen Oxvden von den zwei zum ausgedehntesten Pinakoide parallelen Axen gilt, ist dies hier anders; auch lässt die Chromsäure kaum eine mit der Gruppe isomorphe Aufstellung zu. Die Wolframsäure ^V'Oj hat nach Nordenskjöld die Elemente a : b : c ^= i : 0-6966 : 0-4026; b(oio) vi (i 10) n (210) (201) (301") (401) (5oi) (801) durch Verdreifachung von b und Verdoppelung von c erhielte man a : b : c ^=. I : 2-0898 : o*8o52 = 0-4785 : i : 0-3853 b{o\o) ?;2(i3o) » (23o) (loi) (3o2)(2oi)(5o2)(4oi) also eine unbedeutende Erhöhung der Zahlen für die Indices, dafür aber complicirte Ver- hältnisse in der Prismenzone. Auch hier ist eine Einreihung in unsere Gruppe nicht gut thunlich. Wie man sieht, bedürfen noch viele Umstände in der Gruppe der Oxyde eine ge- nauere Untersuchung; von vielen Gliedern derselben fehlen Angaben über die so wich- tigen Eigenschaften der Spaltbarkeit, und auch eine grosse Zahl von Formen sind nur sehr angenähert, durch mikroskopische Messungen festgestellt. Es wäre deshalb auch noch verfrüht, Schlüsse aus der anscheinenden Isomorphie des Tellurit mit den beiden oder drei anderen Gliedern, oder aus den Beziehungen zwischen den übrigen Oxyden und den genannten vier ziehen zu wollen. Es wäre aber eine lohnende Aufgabe, an reinem Materiale die so wichtigen Formen dieser Körper von Neuem zu bestimmen. Die Annahme Mallard's würde allerdings für die auffallenden Erscheinungen der obigen Elemente eine Erklärung geben. Ueber die Krystallform des Tellurit. 145 Anhang. Die Elemente des Valentinit. Im Nachfolgenden stelle ich chronologisch die auf die Formen und Elemente des Valentinit bezüglichen Publicationen zusammen; der Uehersichtlichkcit halber füge ich Flächensignaturen bei, und zwar, soweit dies möglich, die von den Entdeckern der be- treffenden Flächen gebrauchten. Die Originalaufstellungcn sind in den Axenlängen bei- behalten, die Axen aber immer so gedreht, dass das Spaltungsprisma als Prisma (hko), das Spaltungspinakoid (parallel der kurzen Diagonale des Prismas) als (010) erscheint. Behufs grösserer Uebersichtlichkeit stelle ich die für den Valentinit bisher angege- benen Formen in die untenstehende Tabelle zusammen; in erster Colonne steht die Flächensignatur, die folgenden Colonnen enthalten in chronologischer Ordnung die von den einzelnen Autoren gegebenen Formenreihen mit den von ihnen gebrauchten Signa- turen; ein Punkt (.) an Stelle einer Signatur deutet an, dass der betreffende Autor die Fläche erwähnt, ohne sie zu signiren; ein Strich ( — ), dass er eine vorher schon bekannt ge- machte nicht erwähnt. Aus der Anordnung der Tabelle ist sofort zu ersehen, welcher Autor eine Fläche zuerst bekannt gemacht hat. _0 ;o ^ '3 (010) (210) (012) (018) (III) M P (010) (110) (OII) (014) (121) (041) (013) (043) (012) ^^4 M P III (010) (110) (041) (Oll) (481) (0.16.1) (043) (0.16.3) (021) (032) (1.20. 15) (100) (310) (210) (540) (t6o) (071) r (0.27.4) (092) (073) (0.15.8) (054) (101) (508) (3-10.3) (5-10.8) IV (010) (HO) (0.10.3) (05^') (361) (0.13.1) (098) (092) (053) (054) (t.2o.i'); (100) (310) (210) (540) (160) (0.11.2) (O. II .2) (041) (095) (032) (on) (40 s) (102) (4.1 (i: S) (010) (HO) (052) (035) (241) (o . 1 o . I ) (05^^) (0.16.5) (054) (0.9.10) (i .20.25) (100; (310) (210) (540) ( 1 60) (041) ? (041) (031) (075) (098) (034) (305) (308) (3-10.5) (3f'8) 146 Aristides Brezina. Phillips Williams, An elementarv introduction. 3. ed. London i823. 33i. >-It yields to mechanical division parallel to the sides ofa rhomhic prism of i 37*^43' and 42" 17', bv the reflective goniometer, but the principal cleavage is parallel to the lesser diagonal of the prism.« Mohs Fr., Grundriss der Mineralogie. Dresden 1824. II, 168 — 171. Die Axen nach obiger Regel vertauscht, werden die Elemente: a : b : c = Y'l-11 • |^i2-5 : 10 = 07884 : i : 2-8283 h{o\o) = Pr \ 00; A/(2io) = {Pr -f- 00)^ Spaltungsprisma; /»(012) = Pr — i; P(i 1 1) := P =: io5"38 : 79" 44 : i55" 17; ferner die Winkel M =r (2io)(2To) — 43 "2 ('Normalenwinkel) Refl. gon.;/» = (01 2) (012) = 109^28 Annäherung. Spaltbarkeit M sehr vollkommen. Zu letzterer fügt Haidinger in der Uebersetzung hinzu: »scarcely traces parallel to Pr -f cc.« (Treatise on mincralogy by Fr. Mohs, translated by W. Hai- dinger. Edinburgh 1825. II, i52.) Beudant, Traite de mineralogie. 2 ed. Paris i83o. II, 61 5. »Masses clivables parallelement aux pans d'un prisme rhomboidal de 137" 43', et aussi suivant les diagonales de ce prisme.« Laspeyres führt unter den Angaben Beu- dant's nur die Spaltbarkeit nach [\\o) und (oio\ nicht die nach (100) an, während Beudant solche nach beiden Diagonalen angibt. Breithaupt, Vollständige Charakteristik. 3. Aufl., i832, S. 62 (damit überein- stimmend Vollständiges Handbuch, 1841,11, i85)gibtan: »Pc«o=^- o =io9"28 ib ; 3 ' ^ 8 " ooP = ^— ooO' = 43" 2' 21" (109" 28'; 43" 2' Hdgr). Spaltbarkeit prismatisch, voll- 36o kommen, brachvdiagonal unvollkommen.« Nachdem Breithaupt innere Winkel und für die Domen Polkantenwinkel verwendet, wäre obiges Doma allerdings ein flaches, während Mohs-Haidinger's Doma steil ist. Allein Breithaupt hat ohne Zweifel ein- fach übersehen, dass Mohs ein steiles Doma gemeint hat; dafür spricht vor Allem, dass er die Haidinger'schen W^erthe zum Vergleich neben seine ohne weitere Bemerkung setzt, also offenbar voraussetzt, dass sie dieselben Gestalten betreffen. Die Täuschung ist wahrscheinlich dadurch entstanden, dass er in Folge des Mohs'schen Zeichens Pr — i an ein flacheres Doma dachte und nicht bemerkte, dass bei der Länge der von Mohs ge- wählten aufrechten Axe auch das flachere Doma noch immer ein steiles ist. Der Irrthum war um so leichter möglich, als Breithaupt offenbar keine Messung vornahm; seine gegen Mohs veränderten Winkel beruhen auf Rechnung, er gab nämlich für das Doma den genauen Oktaederwinkel statt des auf Minuten abgerundeten, welcher bei Mohs er- scheint, und für das Prisma den aus seinem Svmbol .^-r^ 00 O' berechneten (43 "2 iq-5 ). .■>bo Nachdem also jedenfalls Breithaupt in einem Irrthum befangen war, ist seine Angabe einfach zu streichen. Es scheint mir deshalb auch nicht gut anzugehen, dass man, wie Groth gethan hat, die Angaben von Mohs in Zweifel stellt; Mohs kann ja nichts dafür, dass Breithaupt eine Confusion gemacht hat, und auch der zufällige Umstand, dass der Domenwinkel dem des regulären Oktaeders gleich gefunden wurde, lässt noch nicht mit Bestimmtheit die Deutung zu, dass diese Gleichheit nur auf Schätzung beruhe, wenn- gleich die Möglichkeit davon zugegeben werden muss. Und selbst wenn dies erwiesen wäre, kann man noch nicht daraus schliessen, dass die Schätzung eine ungenaue sei; sie kann im Gejientheil viel genauer sein als eine Messung mit dem Anlegegoniometer, Ueber die Krystallform des Tellurit. iaj welche man Ja ohne Bedenken als Grundlage einer Elementenbestimmung annehmen würde. Mohs, Leichtfassliche Anfangsgründe. 2. Auflage. Wien i83(). II, i55 fügt nach Beobachtung Haidinger's zu den früheren Flächen noch Pr — 3 = 38" 36 = (018) hinzu. Bis hierher sehen wir somit ausschliesslich die erste, Mohs-Haidinger'sche Aufstellung im Gebrauche: f Mohs-Haidinger. a : b : c ^= 07884 : i : 2-8283 ^" 1 /z(oio)/V/(2io)jL7(oi2)^(oi8) P(iii); /zM=68029'; /^^^ = 35" 16'; /i^ = 70^3-2' Senarmont H. de, Note sur l'antimoine oxvde naturel de forme octaedrique. Ann. chim. phvs. i85i, XXXI, 504 — Soy. Gibt keine neuen Messungen, welche zur Be- stimmung der Elemente beitragen könnten ; er bezeichnet die M o h s'schen Formen p{o\2) und P( I I O mit e^ = (01 1) und {b^/.^h^b'^') == (121), setzt also a : b : c = 0*3942 : i : i'4i42 und gibt die neuen Formen e^ = (014) mit 38'^ und (^V'i ^^Vi'2 ^0 = (1.3.24) mit der brachvdiagonalen Polkante 34*^ und dem Winkel zum Grundprisma 5 7" an; das Zeichen dieser Pvramide stimmt, wie schon Laspeyres bemerkt, nicht mit den zwei an- gegebenen Winkeln (es würde nämlich den Polkantenwinkel 22*^0 und den Winkel zum Prisma 77'^ 17' erfordern); Laspevres vermuthet deshalb, dass das Zeichen (b^/^ ^'Vi'i^O = (2.3.12) heissen sollte, was aber auch nicht zulässig ist, da dieses Zeichen den Pol- kantenwinkel 36" I 3' (nicht 32" 33', wie Laspevres angibt) und denW^inkel zum Prisma 52"48' erfordern würde, also Winkel, welche von den Senarmont'schen um 2 bis 4 Grade abweichen; der Winkel für das Doma e^ stimmt bei Senarmont zwischen Rech- nung und Messung auf einen Grad (38" gemessen, 38" 56' berechnet), und man darf nicht einen um so viel grösseren Spielraum bei den zwei Pvramidenwinkeln voraussetzen. Aus Senarmont's zwei Winkeln berechnet sich für die Pyramide das Zeichen (4.7.28), näm- lich k : h = 1-758 und l : h ^ 7'o83, oder (^'/ii ''* '2s ^'Z:?)' ^'^ dieses Zeichen keinerlei Beziehung zu dem von Senarmont gegebenen erkennen lässt, kann man heute nicht mehr entscheiden, ob sich dieser Autor in den Winkeln oder im Symbol geirrt hat, und es bleibt nichts Anderes übrig, als diese Form bis auf neuerliche Beobachtung zu streichen. Wir haben also Jetzt die zweite Aufstellung: f Senarmont. a : b : c =: 0-3942 : i : 1-4142 1 /;(oio) .\/(i 10) j7(oi i) (^(^014) P(i2i); Winkel wie unter I. Miller W.H., Elementarvintrod. London i852. S. 253 — 2 54 gibt die Fundamental- winkcl [a und b vertauscht) 01 i.ooi = 54"44'; 1 10.010 = 68"29 h (o 10) i- (o I 3) j7 (o I I ) r (04 1 ) A/ ( I I o) P ( I 2 1 ) Mi 11 er 's Signatur a 's r r lu x worunter ,s' und r neu, bezieht also die Krvstalle auf dieselben Elemente wie Senarmont; Miller gibt nur die aus den M oh s'schen W^erthen berechneten Winkel, so dass zur Dis- cussion der von mir gewählten Elemente nur die Svmbole seiner neuen Flächen ver- wendet werden könnten. Fellenberg E. v.. Neues Jahrb. 1861, S. 3o2 erwähnt Valentinit von Felsöbanya mit den Flächen 00 /*(i io\ o P (001), P 00 (01 1), 2 P 00 (021), 00 Poo (010), ooP 00 ? (100). Hievon wäre (021) neu; es ist zwar misslich, dass gar keine Messungen angeführt sind, was bei dem complicirten Baue der Valentinitkrvstalle die Vermuthung entstehen lassen könnte, dass die Zeichen nur auf Schätzung beruhen, umsomehr, als Fellenberg nicht einmal angibt, auf welches Axenverhältniss seine Svmbole bezogen sind; da jedoch 148 Aristides Bi'ezina. derselbe Uebelstand auch bei vielen anderen Formen des Valentinit vorliegt, wird man auch diese von Fellenberg angegebene nicht gut ausschliessen können. Dasselbe giltvonDescloizeaux, Nouvelles recherchcs (Savants etrang. XVIII, 568, 1867), welcher für Bräunsdorf die Formen c^''(oi3) und ^^(014) anführt, also offenbar auch die Senarmont-Miller'sche Aufstellung adoptirt, und ausserdem eine neue Form gibt, e-V4 = (0-^4)? Descloizeaux führt ausser dem Prismcnwinkel keinen weiteren an. Mit Hinzunahme der neu beobachteten Flächen lautet somit die zweite Aufstellung: II. Senarmont. a : b : c ~ 0-3942 : 1 : 1-4143 j li{oio) c(ooi) M{i 10) d{oi4.) ^(oi3) t'(o34) p{oi i) ^7(021) {'(041) P(i3i) \ JiM — 6S^2g;hd := 7ü'»32; /ks = 64'>4(3; he ^ 43" 19; /ii?^35"i6; liq=: i9"28; hv = 10" 2. Groth, Ueber die Isodimorphie etc. Pogg. Ann. CXXXVII, 414 — 433, 1869, be- spricht die Angaben von Mohs-Haidinger, Breithaupt, Dana und Descloizeaux; was die ersteren Autoren betrifft, wurde schon oben erwähnt; bezüglich Dana's vermisst Groth einen Nachweis über die Flächen (01 3) und (041); diese sind wohl aus Miller entnommen. Von Descloizeaux erwähnt Groth die neue Fläche - Pcc. Als neu beobachtet erscheint — auf Senarmont's Elemente bezogen Poo =/(oi2) mit dem Endkantenwinkel 110", also hf^ 55'^ (berechnet nach Mohs' Werthen 54" 44). Groth hat den Prismenwinkel neu gemessen und mit Beibehaltung des Mohs- schen Winkels hp ein neues Parametersystem gegeben (wobei c, wie Laspeyres be- merkt hat, durch einen Druckfehler verändert wurde); ich gebe seine Aufstellung, welche er zur Parallelisirung mit dem Claudetit vorgenommen hat und worin c ein Viertel des Senarmont'schen Werthes beträgt, mit Bezugnahme auf die Mohs-Haidinger'schen W' inkel : I Groth. a : b : c = 0-3942 : i : 0-3535 III. /;(oio;),M(iio),rf(oii),5(o43),/(o2i),e(o3i),^^(o4i),^(o8i),i'(o.i6.i),P(48i) I Winkel wie unter II, nebstdem /?/= 54" 44'. In seiner zweiten Veröffentlichung über den Valentinit (Tabellarische Uebersicht. Braunschweig 1874. S. 84—85) berechnet Groth auf Grundlage neuer Messungen (^M M' = 41" 5o, Mf = 78" 19) die Elemente a : b : c = 0-3822 : i : 0-3443, gibt ein neues Doma ^ Poo = g (o32) und eine Pyramide ^f P 20 =: .v ( i . 20 . i 5) und fünf ge- messene Winkel, gg', xx', xx'" nebst obigen Fundamentalwinkeln an; die Bemerkung Groth's, dass die in seiner früheren Arbeit nachgewiesene Fläche/ (021) mit dem Mohs'schen Doma identisch sei, hat nur dann Geltung, wenn man annimmt, dass Mohs Pol- und Scitenkantenwinkcl verwechselt habe, für welche Annahme jedoch, wie ich oben gezeigt habe, kein Grund vorliegt. Laspeyres, Mineralogische Bemerkungen VIII. Zeitschr. Kryst. IX, 162 - 195. 1884; darin krystallographische Untersuchungen am Valentinit, S. 162 — 1 85. Ich will nicht die sämmthchen Beobachtungen von Laspeyres hier einzeln be- sprechen, sondern gleich vorausschicken, dass unter allen von ihm gemessenen Formen nur zwei an einer grösseren Zahl von Krystallcn ausgebildet waren; das Grund-, resp. Spaltungsprisma M(p), für das sehr zahlreiche Werthe an allen Valentinitvorkommnissen ermittelt wurden, und das Doma /, das an acht verschiedenen Krystallen, welche zwei Stufen von Bräunsdorf entstammten, mit befriedigender Ucbereinstimmung gemessen Ueber die Krystallform des Tellurit. j^q werden konnte; unter den übrigen zwölf von Laspeyrcs angegebenen neuen Formen sind sieben, nämlich / (h), u, f, e, a, yf und vi nur je einmal beobachtet, (> und i^ je zweimal (g mit einem Unterschiede von i jGrad zwischen den zwei Messungen) und nur d viermal mit sehr nahe übereinstimmenden Werthen (b d zwischen 23" 47 und 23" 59). Schon hieraus geht hervor, dass die Mehrzahl der neuen Formen kaum Anspruch auf Selbstständigkeit besitzen, und dass daher bei der Wahl der Grundform wenig Rücksicht aul dieselben genommen werden kann. Es erscheint deshalb angezeigt, die zwei Formen p und / als Grundprisma und -Doma anzunehmen, keinesfalls aber der Fläche i ein so complicirtes Symbol (054) bei- zulegen, wie Laspeyres gethan hat, lediglich der von Groth ausgesprochenen Ver- muthung zu Liebe, dass eine (nicht beobachtete) Grundform (iii) des Valentinit von ähnlichen Abmessungen wie am Claudetit existire; denn solche Beziehungen zwischen den Formen haben nur dann einen Werth, wenn sie aus der Natur herausgelesen werden; in dieselbe hineininterpretirt sind sie bedeutungslos. Unter der Annahme M (i 10) und / (01 i) werden die Elemente des Valentinit (aus hM = 68" 37-3 und hi ^ 67" 1 1-5 berechnet) a : b : c =z o*3qi5 : i : o'42o5. Man sieht sogleich, dass die einzige Fläche, welche ausser Mund i an einer grösseren Zahl von Krystallen beobachtet wurde, das Doma d nicht gleichzeitig mit / ein einfaches Zeichen besitzen kann, da aus h d = 23" 53 (Mittel von vier Werthen) ein Svmbol (o . 16.3) folgt [h d berechnt 24*^ 2). Es ergibt sich nämlich das Verhältniss der Indices k : l = 5*3707, was, in einen Kettenbruch entwickelt, der Reihe nach die Näherungs- brüche — , — , -^, also die Svmbole (o5i), (o. 11. 2), (o. 16. 3) ergibt, denen die Winkel h d ^= 25" 26, 23" 23 und 24" 2 entsprechen. Da die gemessenen W^erthe zwischen 23" 47 und 23" 59 liegen, können die beiden Svmbole (o5 i) und (o . 1 1 . 2) nicht gut ge- wählt werden. Wollte man die Hochzahligkeit des Symbols von d auf die beiden Formen d und i vertheilen, so könnte man diese mit / (034) und (^(041) bezeichnen, wodurch die Elemente ^ (7 : £7 : c rzz o\"'9i5 : i : 0-5007 würden. Die letztere Annahme entspricht, wie weiter unten gezeigt werden wird, den Beobachtungen minder gut als die erstere und ist somit zu verwerfen. Bevor wir nun die den Formen unter den verschiedenen Annahmen zu ertheilen- den Symbole und die daraus berechneten Winkelwerthe mit den gemessenen zusammen- stellen, sind noch einige Bemerkungen über die Formen und Beobachtungen vorauszu- schicken. Wenn wir die Reihe der für den Valentinit angegebenen Plächen durchgehen, so sehen wir zunächst, dass die Formen der aufrechten Zone a ( 1 00) ;t (3 I o) m (2 1 o) ff (540) M ( i i o) ^) ( 1 60) h (o i o) in den Aufstellungen von Groth und mir gleiches Zeichen behalten, also für die Dis- cussion der Elemente ohne Belang sind. Von den übrigen Formen sind v (t) und .v fk) Miller, o Descloizcaux und P M o h s von den betreffenden Autoren ohne Angabe gemessener Winkel eingeführt, kommen also bei der Wahl der Elemente ebenfalls nicht in Betracht. Die von Laspeyres angegebene Fläche x(h) ist nur einmal beobachtet, mit einem gemessenen Winkel yi »von etwa 44"3u<. Derselbe Winkel für die viermal beobachtete j 5o Aristides Brezina. Fläche d ist di = 43" 26*5; da nun Winkelditferenzcn von ein bis anderthalb Graden am Valentinit etwas ganz Gewöhnliches sind, so ist ohneweiters klar, dass diese beiden Flächen vereinigt werden müssen, beziehungsweise dass die offenbar schlecht ausgebildete Fläche X(h) zu streichen ist. Bei den Formen u und _/" hat Laspeyres eine arge Verwirrung angerichtet. Er gibt Seite 174 als gemessen an: /i (^J Mfj^j = 68"^ 37 (68« 41 bis öS*' 3 3), uM(p) =45 "49 (45 "'S 8 bis 45 "45), uh(b) — 49 '^ 18 (49" 20 bis 49*" 16), »sowie unsicher«: M(p)f=z 75 "49 (76" 35 bis 75'' o) »daraus« /z< = 3o**o. Ferner wird die Tautozonalität von M (p) «/übereinstimmend mit der Zeichnung Fig. 9, Taf. V angegeben und für u das Symbol (3. 10. 3), für/ (0.20. 9) abgeleitet. Das ist schon an sich unmöglich, da aus der Zone M(i 10) 11 (3. 10. 3) für/ das Symbol (073) folgt. Ferner berechnen sich aus den obigen Winkeln liM, Mu, uh mit Rücksicht auf Zone Muf d\Q Winkel Mf = y6^ 52 (in hinlänglicher Uebereinstimmung mit dem un- sicher gemessenen Werthe 75'' 49), hf= 5i"26-5 und ff = 77"7- Hingegen gibt nun Laspeyres auf Seite 175 an: ///gerechnet 53'^ 18, was offenbar mit einem kleinen Rechen- fehler aus dem Symbol (0.20.9) abgeleitet wurde, da dieses Symbol unter Annahme der Laspevres'schen Grundform ergäbe A/= 53'^ ^^7 ff = 7^*^ -^4- Weiter aber (Seite i85) findet sich die Angabe// = 73" 36 berechnet, 73*' 24 beobachtet, was für/// die W'erthc 53*^12 berechnet, 53'^ 18 gemessen liefern würde. Bei dem vielfachen Widerspruch in den Angaben ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen, wie es sich mit diesen Flächen ver- hält, doch ist das Wahrscheinlichste, dass die ersten vier als gemessen angegebenen Winkel und die Tautozonalität Mz// Bestand haben, wonach/ mit (073) nach Laspevres'scher Aufstellung zu bezeichnen ist. Zur Discussion der Elemente kann aber/ unter solchen Umständen nicht benutzt werden. Die Formen/ q, g, n(q'), s (k) und / bilden eine Reihe, in welcher die benach- barten Glieder einander sehr nahe stehen; es ist hf = 5 i*' 26*5 (aus der Position von ii und der Tautozonalität A//// berechnet), hq =55" (aus qq' = 70"^ hg = 56''47 bis 58*^ i 5 (zwei Messungen von Laspeyres), lui — 62" 36*5 (aus nn' = 54''47), hs = 64'' 46, hi = by^^ 1 1-5. Eine solche Erscheinung zeigt sich häufig in Zonen, welche auf eine aus- gezeichnete Spaltfläche zulaufen, oder welche überhaupt zu Treppenbildung hinneigen. In einem solchen Falle ist doppelte Vorsicht bei Annahme von Flächen nothwendig, da die Abstände benachbarter Formen zuweilen auf das Maass der Ausbildungsfehler der Flächen herabsinken. Hiezu kommt, dass die obige Reihe um denjenigen Werth oscillirt, welchen der Winkel (010) (01 i) nach meiner zweiten Aufstellung besitzt, nämlich 6o"43. Damit soll natürlicherweise nicht gesagt sein, dass innerhalb des Abstandes f bis / nur diese eine Fläche anzunehmen sei; es ist vielmehr eine charakteristische Eigenschaft solcher oscillirenden Flächenfolgen, dass um eine Form von sehr einfachem Symbol (welche entweder wirklich beobachtet wird oder in Wirklichkeit nicht auftritt, so wie hier) Formen von complicirtem Zeichen in grösserer Zahl auftreten, deren Existenz aller- dings dem Bestreben des Krystalles zu entspringen scheint. Formen von einfachen Ver- hältnissen hervorzubringen. Den Flächen g. entsprechen nach meiner zweiten Annahme alle zwischen (087) und (o. i5. 14) gelegenen Symbole, während für n solche zwischen (o . () . I o) und (o . I 5 . 1 6) annehmbar sind ; man sieht, wie nahe einander und dem Symbole (01 1) dieselben rücken. Ich habe nun in der folgenden Tabelle die Flächensignatur, das Laspeyres 'sehe Symbol, den Winkel, der zur Symbolisirung verwendet wurde, seinen gemessenen und den nach Laspeyres berechneten Werth, sowie die Differenz gemessen — berechnet, ferner die entsprechenden Werthe nach meinen beiden Annahmen zusammengestellt. Lieber die Krystallform des Tellurit. l5l S lO -oSö >< ^ CO rj- CO ^ ^ o lO HH 1 lO LO CO ro o oo /J ro ri ri " i-^ O '"' 1 " ri '"' d Q -T3 1) cj /-) o> ro ro o o o (?) O^ o^ o__ 2, o^ 3 o_ ro _ro -o •+ ro ^ o O CO _ 1 o c^ M ^ o oo '^ Q CO r'l n ri ^ M '-' '-' LO " LO . ;3 -a d .__ N 'j LO a i) CO I-O t^ M CO o LO M O LO t^ 1-1 CQ d ^ "tj -d D ■^ LO ^ n " CO " 1 LO "^ n CO ro >* o 0^ l^ o t^- lO l^ CO o LO l^ o lO lO o O LO • o 'O ro ■=1- ■^ "^ ^ 23 J2 i-O LO y C\ 1 H4 t-^ M O o ^ o 00 o CO CN 3 LT) LO ri hH 1 m ■=t- "-• LO ro 1 " •^ ^ ■^ S ri c^^ CO O i^ -h 1-^ CO O o CO o lO l^ rO -j M ro o l-^ l^ LO o ro ■+ •"^ *"* LO lO 00 o O H^ o ^_4 o M o hH >^ -1- o o 1* in hH |-o >— 1 l-i O -^ •— ' O O o " O o O o O ri in ^ • G '^ ^ J? - ^ tl 'rr ^ IJJ, 'Cn ^ rO "ro oo "^ j; 1-^ M rl- M r) lO ri ■rt- lO ^ o o 6 o O o lO o w O O o o *^ o o o M d . . s -s II II II II II II II 11 II II o N II II ■■o II II II II D Xj -« >~, "sj • — ■ W *■ > * ;i O . u ■rr CO lO ro oo ymb nach spc} •ü^ n lO n ro lO " o o O O O n o o *"* O O o »o ri CA) ^ _o_ O^ — -o 3 -^ ^ si. ^ ir^ =: •~ - ^ "J. 1 = - ■u S •-^ p d SD CA) rVJ j52 Aristides Brezina. lieber die Krystallform des Tellurh. Die Summe der Indices und der Differenzen gemessen — berechnet wird nun hei Laspeyres: Summe der Indices 179, der Differenzen 735 Minuten » Brezina I: » » » 145, » » 5g8 » » Brezina 11: » » » 175, » » 6o5 » es ist also die Annahme Brezina I mit a : b : c ^= 0-391 5 : i : 0-4205 beizubehalten, da sie die niedrigsten Symbole und gleichzeitig die beste Uebereinstimmung zwischen ge- messenen und berechneten Winkeln ergibt. Kiltl, Miocene Pteropoden ItI .n }3 /f ^ -^^ T 19 t- /.,Wien, Annal.d.k.k.Nalurhist. Hofmuseums, Band 1.1886. rO .^4, r .^ ^i^ni^ •^-1/ CO 00 CO t3 c CS cö C c Fr. KoM : Über neue u seltene Antilopen Tafel IV a2^i "'*'*~**«te,.^ 'Li^ K'i\f^ Konopicfor n.a.ITatur cfez.u.Tita. Lith . Ajis'i.- v: Th. B aünwarth 'VTku. Annal.d.k.k.Naturhist. Hofmuseums Band 1. 1886. Fr. Kolli •. Über neue ii seltene Antilopen Tafd Y X, n Annal.d.k.k.Naturhist. Hofmuseums Band I 1886. Fr. Kohl •• Über neue u. seltene Antilopen Tafel VI. V ■^zr^-^- '-^"^i^sftfc. k. ri Konopiclty n.ä.Kafcr : l. _..:':_ Iith. ÄBst. v Th.Baimvartli.,TC€ii, Annal.d.k.k.Nalurhist. Hofmuseums Band 1.1886. Brauer, Paläozoische Insecten. Tafel VII. falsc 7. Autor del. Photozinkographie von C. Angerer & Göschl. Annalen des k. k. naturhistorischen Hofmuseums, Band I, 1886. Brauer, Paläozoische Insecten. Tafel VIII. s 3 r Autor dcl. Photozinkographie von C. Angerer iS (iöschl. Annalen des k. k. naturhistorischen Hofmuseums, Band I, 1886. Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. Von Josef Redtenbacher, Suppk'iit ;ni der (Iiimpendoii'cr Communal-OLierrcalschiilc in Wien. Mit zwOlf lithogr. Tafeln (Nr. IX— XX). Oclbst dem oberflächlichsten Beobachter kann es nicht entgehen, dass die Ver- theilang der Adern im Flügel der Insecten, trotz der manchmal verwirrenden Mannig- faltigkeit, doch für die Arten und Gattungen, Ja selbst für grössere Formenkreise, einen bestimmten Charakter erkennen lässt. Es war daher nur natürlich, dass die Vertreter der systematischen Entomologie das Flügelgeäder als eines der wesentlichsten Kriterien für die Abgrenzung der Arten, Gattungen etc. in Anw^endung brachten und demgemäss für jede der einzelnen Insectenordnungen, resp. Unterordnungen eine eigene, freilich oft nicht sehr glückliche Nomenclatur schufen. Da ausserdem die Mehrzahl der beschrei- benden Entomologen sich vorwiegend oder ausschliesslich mit der einen oder anderen Insectenordnung beschäftigten, ohne auf die übrigen Abtheilungen Rücksicht zu nehmen, so entstand eine Nomenclatur, welche nicht nur für jede Ordnung, sondern selbst für kleinere Abtheilungen eine verschiedene war. Die Verwirrung, welche dadurch ent- stand, ist jedem genugsam bekannt, der sich je mit der Bestimmung von Insecten ver- schiedener Ordnungen befasste; dennoch scheint es mir nicht überflüssig, an einem Beispiele zu zeigen, welche verschiedenen Namen eine und dieselbe Ader (der Cubitus oder die VII. Convexader) in den einzelnen Insectenordnungen erhalten hat. Dieselbe heisst bei den Ephemeriden: Vena praebrachialis (Vorderflügel), Cubitus (Hinterflügel), Odonaten: Sector brevis, Perlid en: Cubitus posticus, Blattiden: Vena ulnaris posterior, internomedia, Mantiden: Vena ulnaris anterior, internomedia -|- subinternomedia, Gryllodeen: Vena dividens, ulnaris (Hinterflügel), internomedia, Locustiden: Vena dividens (Vordcrflügel), ulnaris anterior, internomedia, Acridiern: Vena ulnaris anterior, internomedia, Termiten: Submediana, externomedia (?), Embiden: Vena discoidalis pr. p., Psociden: Cubitus -j- Hinterast des Sector radii, Hemipteren: Costae lineatae, Homopteren: Radius medius, Sialiden, Megalopteren und Panorpen: Cubitus posticus, Trichopteren: Ramus divisorius cubiti antici (Vorderflügel), Cubitus posticus (Hinterflügel), Lepidopteren: Hintere (innere) Mittel- (Subdorsal-) Rippe, Annalen des k. k. naturhistorischen Hofmuscums, Bd. I, Heft '5, 1886. II i54 Josef Redtenbacher. Coleopteren: Cubitus, internomedia, vordere Nebenader etc., Hvmenopteren: Discoidalader + Cubitalader (pr. p.) + innere rücklaufende Ader, Dipteren: Submediana, 5. Längsader, Posticalader. Dadurch, dass einzelne Monographen sich selbst eine eigene Nomenclatur schufen, wurde die Verwirrung noch grösser, und es war daher kein Wunder, dass mehrfach, wie z. B. von Hagen, Versuche gemacht wurden, eine einheitliche Bezeichnung der Adern durchzuführen. Diese Versuche blieben jedoch zum grössten Theile unbeachtet; noch in einem der neuesten Lehrbücher der Zoologie wird eine einheitliche Adernbezeichnung als »kaum möglich« bezeichnet, ja Dr. V. Graber (»Die Insecten«, I. Theil, Natur- kräfte, XXI. Band, p. 196) äussert, dass solchen Versuchen von vorneherein eine wissen- schaftliche Bedeutung nicht beigelegt werden könne. Ich glaube mich keiner Anmassung schuldig zu machen, wenn ich Prof. Graber 's Ansicht doch für eine ver- frühte halte, denn durch Dr. E. Adolph 's Untersuchungen über die Entwicklung des Flügelgeäders hat, wie Prof. Brauer mit Recht bemerkt, die Bezeichnung der Adern aufgehört, eine willkürliche zu sein. Bei der Vergleichung von Adern hat man in erster Linie darauf Rücksicht zu nehmen, ob dieselben concav oder convex sind, da beide Arten in ihrer Entwicklung wesentlich von einander abweichen, und daher concave Adern niemals Convexlinien gleichwerthig oder deren Aeste sein können. Damit ist demnach für die Beurtheilung des Flügelgeäders ein völlig neuer Gesichtspunkt gewonnen worden, und von diesem aus dürfte es keineswegs ein unmögliches oder un- wissenschaftliches Unternehmen sein, eine einheitliche Bezeichnung der Adern zu ver- suchen. Freilich ist die Aufgabe eine riesige, der Erfolg zweifelhaft; denn in jeder Insectenordnung ist die gebräuchliche Nomenclatur so eingelebt, dass vielleicht Jahr- zehnte vergehen werden, ehe nur ein Theil der Entomologen sich zu einer neuen, ein- heitlichen Bezeichnung bec^uemen wird. Adolph und Brauer haben indess den Anfang gemacht, und wenn ich es wage, in ihrem Sinne weiter zu schreiten, geschieht es nicht, um die zahlreichen Bezeichnungen der Flügeladern noch zu vermehren, sondern um zu zeigen, dass eine morphologische Vergleichung des Flügelgeäders durchaus nicht ausser- halb des Bereiches der Möglichkeit liegt. Diese Aufgabe vollkommen zu lösen, würde freilich ein Lebensalter erfordern, und aus diesem Grunde können die vorliegenden Zeilen auch nur als ein Bruchstück aufgefasst werden, welches in vielen Richtungen einer Ver- vollkommnung bedarf; Sache der Monographen wird es sein, auf Grund dieser Studien eine detaillirte, einheitliche Bezeichnung der Adern und Flügelfelder für die einzelnen Insectenordnungen auszuarbeiten. Es bedarf keiner Erwähnung, dass man sich dabei nie auf eine einzelne Ordnung beschränken darf, sondern dass stets auch die übrigen, namentlich die nächst verwandten Insectenordnungen entsprechend berücksichtigt werden müssen. Bei allen Mängeln, welche die Arbeit enthalten mag, wird mir der unbefangene Leser nicht das Zeugniss ehrlichen Strebens versagen können, und wenn es mir, wie ich hoffe, gelungen ist, etwas Verdienstliches damit geleistet zu haben, dann verdanke ich dies jedenfalls in erster Linie der liberalen Unterstützung, die mir von Seite der hoch- löblichen Direction des k. k. naturhistorischen Hofmuseums zu Theil gewor- den ist, welcher ich daher an dieser Stelle meinen ehrfurchtsvollsten Dank abstatte. Ausserdem fühle ich mich verpflichtet, den Herren Prof. Dr. Friedrich Brauer, Gustos A. Rogenhofe r und meinen Freunden L. Ganglbauer und F. Kohl, welche mir in jeder Weise mit Rath und That an die Hand gingen, an dieser Stelle den besten Dank auszusprechen. Betreffs der Zeichnungen strebte ich nach der möglichsten Genauigkeit; Vergleichende Studien über das Flügelgeader der Insecten. i $ 5 allein gerade bei der Untersuchung des Charakters einer Ader ergeben sich oft solche Schwierigkeiten, dass man selbst nach wiederholten Versuchen nicht ins Reine kommt. Namentlich bei älteren, getrockneten oder gespannten Insecten ist es manchmal unmög- lich, unter den vielen Falten, welche durch das Spannen oder Eintrocknen entstehen, jene herauszufinden, welche als Reste von Adern anzusehen sind, und dass dabei nicht selten Irrthümer unterlaufen können, ist selbstverständlich. Manche Insecten, nament- lich seltenere, wurden nur schematisch gezeichnet, ebenso wurde bei Formen mit reich entwickeltem Zwischengeäder (L i b e 11 e n, F u 1 g o r i d e n etc.) dasselbe theilweise oder voll- ständig vernachlässigt, umsomehr, als es ohnediess meist nur von geringer Bedeutung ist. Vergleicht man die Flügel verschiedener Insectenordnungen miteinander, so lässt sich nicht verkennen, dass die Zahl der Adern keine zufällige, sondern von verschiedenen Factoren abhängig ist. Die geologisch älteren Orthopteren und Neuropteren zeigen ein viel reicheres Geäder als die Coleopteren, Lepidopteren, Hymeno- pteren und Dipteren; ebenso besitzen unter den Rhynchoten gerade die ältesten Formen, die Cicaden und Fulgoriden, viel zahlreichere Adern als die Hemipteren. Es erscheint demnach unzweifelhaft, dass die ältesten Insectenformen gewissermassen mit einem Ueberschuss von Adern versehen waren, dass dagegen im Laufe der Entwick- lung durch Reduction alles üeberflüssige entfernt und auf diese Weise ein einfacheres System des Flügelgeäders geschaffen wurde. Ebenso leicht lässt sich erkennen, dass auch die Grösse des Flügels von bedeutendem Einfluss auf die Zahl der Adern ist, weshalb kleine Formen fast ausnahmslos ein viel spärlicheres Geäder besitzen als Insecten mit grossen Flügeln. Beispiele dieser Art gibt es unzählige; ich erwähne nur unter den Neuropteren Coniopterix, unter den Orthopteren Tettix, unter den Dipteren Cecidomyia, die Hippobosciden etc., unter den Coleopteren Ptiiius, Cis, Corticaria, Batrisus, Scydjnaernis, Sacium etc., unter den Hymenopteren Cynips, Pteromalus etc. Auch das Verhältniss zwischen Vorder- und Hinterflügel bestätigt diese Anschauung. V/o der Vorderflügel den Hinterflügel an Grösse übertrifft, überragt er denselben stets auch an Zahl der Adern (Hymenopteren); wo das Entgegengesetzte der Fall ist, ist auch im Hinterflügel das Geäder reicher entwickelt als im Vorderflügel (Orthopteren, Neuro- pteren etc.). Endlich spielen ohneZweifel auch die Consistenz der Flügelhaut, sowie die Stärke der Adern selbst eine Rolle, da wenige, aber kräftige Adern denselben Dienst leisten (Coleopteren) als zahlreiche, zarte Adern (Chrysopen etc.), andererseits eine derbere, elastische Flügelhaut (Hymenopteren) eine geringere Adernzahl erheischt als eine zarte (Hemerobiden, Chrysopenj oder spröde (Odonaten). Ein Ueberzug von Schuppen, Haaren oder ein Wachsbeleg scheint eine ähnliche Wirkung wie Verdickung der Flügelhaut herbeizuführen, darum sind die Flügel der Trichopteren oder Lepido- pteren mit weniger Queradern versehen als die sonst so ähnlichen Flügel der Panorpen. Dass schliesslich auch durch Anpassung und Mimikry ein reicheres Geäder entstehen kann, wo man ein spärliches vermuthen sollte, und umgekehrt, braucht kaum erwähnt zu werden. Ueber die Entstehung der Flügel sind verschiedene Ansichten verbreitet worden. Während die Einen (Carus, Gerstäcker) die Flügel für sackartige Ausstülpungen der Körperhaut halten, nennt sie Fritz Müller »seitliche Fortsätze der Rückenplatten«, Oken, Graber, Gegenbauer, Landois und Palmen sehen in denselben metamor- phosirte Kiementracheen. Weiss mann ist der Ansicht, dass sich die Flügelkeime aus der Peritonealhülle von Tracheenstämmen bilden und erst secundär eine Ausstülpung der Körperhaut bewirken. Dass die Insectenflügel den Tracheenkiemen der Ephemeren- Larven gleichwerthig sind, dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen; oh sie jedoch aus j56 Josef Redtenbacher. Tracheenkiemen entstanden sind, ist noch fragHch, denn auch der entgegengesetzte F'all, dass Flügel durch Metamorphosirung zu Tracheenkienien werden, liegt nicht ausser dem Bereich der Möglichkeit. Dass die Flügel der Insecten ursprünglich nicht active, sondern blos passive Bewegungsorgane waren, also wie der Pappus der Compositen etc. zum Schwärmen und zur Verbreitung der Brut an entfernte Orte dienen, ist nicht blos möglich, sondern sogar wahrscheinHch. Den Flügeln ähnliche Gebilde stellen jeden- falls auch die netzartig geäderten, dreieckigen Ausbuchtungen an den Seiten des Pro- thorax mancher Mantiden (Choraedodis, Lithomantis) dar. Auch eine Tingis-Art aus Texas zeigt am Prothorax glashelle Fortsätze von dreieckiger Gestalt und einem ähn- lichen netzartigen Geäder, wie es die Deckflügel besitzen. Dem Wesen nach stellt der Flügelkeim einen hohlen Sack dar, der mit Blutflüssig- keit erfüllt ist, Nerven und Tracheenbüschel enthält, und dessen beide Platten erst vor der letzten Häutung mit einander verwachsen. Nach Adolph stellen nun jene Tracheen- büschel die Grundlage des Adernetzes, und zwar der Concavadern dar, indem der Ver- lauf derselben im Flügelkeime vollständig mit dem Netz von Concavadern im ausgebil- deten Flügel übereinstimmt. Erst später wird jedes Tracheenrohr von Chitinmasse ein- geschlossen und dadurch zur Rippe umgewandelt. Gleichzeitig treiben die Tracheen nach Adolph die beiden Flügelplatten auseinander und erzeugen eine Verdünnung der Flügelhaut, welche sich unter Anderem auch dadurch zeigt, dass die Flügel durch Druck oder Zug regelmässig längs der Concavadern zerreissen. Zwischen diesen pri- mären oder Concavadern treten später Verdickungen der Flügelhaut in Form von Chitinlinien auf, denen sich endlich auch Tracheenrohre und Blutgefässe zugesellen, und welche die secundären oder Convexadern bilden. Beide Arten von Adern stehen demnach im directen Gegensatz zu einander, da erstere eine Verdünnung, letztere eine Verdickung der Flügelhaut bewirken, und bei jenen das Tracheenrohr, bei diesen die Chitinleiste das primäre Gebilde darstellt. Ein Umstand, welcher von Adolph nicht erklärt wurde, ist der, dass die beiden Aderformen eine verschiedene Oberflächenlage einnehmen, indem die primären in einem tieferen Niveau verlaufen als die secundären, weshalb jene als Concav- oder Thaladern, diese als Convex- oder Bergadern bezeichnet werden. Bei regelmässiger Aufeinander- folge der Adern muss demnach der Querschnitt des Flügels eine Zickzack- oder Wellen- linie bilden, welche schon beim ersten Anblick den Gedanken erregt, dass eine Faltung die Ursache dieser Erscheinung sein muss. Geht man nun von der Annahme aus, dass die Flügelplatten rascher wachsen als die sie einschliessende Flügelscheide, welche den- selben nur einen engen Spielraum bietet, so ist es wohl denkbar, dass der Flügel sich in ziemlich regelmässige Falten legen muss, umsomehr, als ja die primären Adern Verdün- nungen der Flügelhaut bewirken, welche sich in Folge dessen gerade an diesen Linien am leichtesten biegen und knicken lässt, während die dazwischen liegenden Felder anfangs nur schwach convex erscheinen, später bei fortgesetztem Seitendruck aber immer stärker zusammengepresst werden. Am besten lässt sich dieser Vorgang ver- sinnlichen, wenn man einen Streifen Kartenpapier zwischen zwei fixirte Glasplatten zusammenschiebt; wählt man die richtige Papierstärke, so legt sich derselbe in regel- mässige Wellenfalten zusammen, namentlich dann, wenn man durch Einschnitte in gleichen Abständen »Verdünnungen« des Papiers erzeugt, welche den primären Adern entsprechen. An diesen Einschnitten biegt sich das Papier leichter und bildet spitze Winkel, während die dazwischen liegenden Theile sich anfangs nur schwach, später aber immer stärker wölben. Dass beim Flügel nicht auch der Quere nach eine ähnliche Faltung eintritt, erklärt sich daraus, dass die primären Adern eben nur der Länge nach Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 157 verlaufen. Uebrigens ist es nicht unmöglich, dass die zahlreichen wellenförmigen Quer- falten im Flügel der grösseren Cicaden durch eine ähnliche Faltenbildung entstanden sind; die Queradern dagegen dürften kaum auf diese Weise gebildet worden sein. Neben dieser Faltung »im Kleinen« tritt häufig noch eine zweite Art auf, welche zur Folge hat, dass der Flügel in der Scheide oft in unregelmässigen Lappen zusammen- gelegt erscheint, etwa wie wenn ein »plissirter« Stoff unregelmässig zusammengebauscht würde. Mit der Vertheilung der Adern und ihrer Oberflächenlage steht diese Faltung »im Grossen«, soweit uns bekannt ist, ausser Zusammenhang; doch wären hierüber neuere und ausgedehnte Untersuchungen nöthig, da sich vielleicht manche Unregel- mässigkeit des Flügelgeäders auf diese Weise erklären liesse (Cicaden). Als Endergebniss jener Faltung in Folge des Seitendruckes vertheilen sich dem- nach die Adern in zwxi übereinanderliegende Schichten: die primären verlaufen in den Vertiefungen, während die secundärcn auf dem Rücken der einzelnen Falten zu liegen kommen. Damit ist aber auch bereits die Bildung des Fächers, der ursprünglichen Form des Insectenflügels, gegeben, wie er im Hinterflügel der ältesten Insectenformen, nament- lich der Orthopteren und Neuropteren, wenn auch nicht mehr in der ursprünglichen Vollkommenheit und Regelmässigkeit noch vorhanden ist. Bei vielen Insecten, z. B. Lcpidopteren oder Dipteren, ist es mit einiger Schwierig- keit verbunden, den Charakter einer Ader festzustellen. Concave Adern erscheinen oft convex (Subcosta der Schmetterlinge), Convexadern nehmen umgekehrt den Charakter von concaven an (Hinterast des Cubitus im Vorderflügel von Pachytylus), und dort, wo Concav- und Convexadern in nähere Verbindung treten, wie bei den Fliegen, lässt sich oft kaum der wahre Charakter einer Ader erkennen. Im Allgemeinen laufen Concav- adern vertieft, treten auf der Unterseite stärker hervor als auf der Oberseite, Queradern werden häufig von ihnen unterbrochen, und am Rande des Flügels münden sie sehr häufig in einen einspringenden Winkel oder wenigstens in eine Einbuchtung. Die Convex- adern sind dagegen in der Regel erhaben, sie durchbrechen Queradern niemals und enden auch nur ausnahmsweise in einen einspringenden Winkel, erzeugen im Gegentheile am Ende oft Ausbiegungen der Flügelhaut. In allen Fällen ist es gut, auch die Unterseite des Flügels zu betrachten, da sich auf demselben nicht selten der Charakter der einzelnen Adern viel deutlicher ausprägt als auf der Oberseite (Deckflügel der Blattiden etc.). Manchmal aber lassen alle diese Eigenschaften im Stich, und es bleibt dann nichts übrig, als durch Vergleich mit verwandten Formen den Charakter einer Ader zu erschliessen. So läuft, wie oben erwähnt, bei Pachytylus der hintere Cubitalast vertieft, während alle anderen Acridier denselben convex zeigen. Umgekehrt wird die concave Analader, da sie gerade an der Grenze zwischen dem horizontalen und verticalen Theile des Deck- flügels läuft, oft so herausgedrückt, dass sie bei manchen Acridiern convex erscheint. Aus dem verschiedenen Ursprünge concaver und convexer Adern erklärt es sich, dass sich dieselben in mancher Beziehung fast wie positive und negative Grössen verhalten, indem eine Concavader eine benachbarte Convexader gewissermassen unter das Flügelniveau herabdrückt, und wenn dieselbe ihr zu nahe rückt, sie sogar vollständig auszulöschen im Stande ist. Bei den Hjaiienopteren z. B. läuft die Analader nur als con- cave Falte dicht hinter dem Cubitus und zieht denselben manchmal so in die Tiefe, dass derselbe fast concav erscheint. Ja bei manchen Cicadeen, Fulgoriden etc. ist es oft nicht zu erkennen, ob man es mit der Analader oder nur mit dem herabgedrückten Cubitus zu thun hat. Die erwähnte Aehnlichkeit mit positiven und negativen Grössen wird noch dadurch bestärkt, dass man in mancher Beziehung von einer »Intensität« der Adern sprechen kann, insoferne als concave Adern das eine Mal Corivexlinien blos durch- 58 Josef Redtenbacher. brechen, ein andermal vollständig auslöschen oder aber dieselben gar nicht beeinflussen, so dass in dem einen Falle der concaven, im andern der convexen Ader eine grössere Intensität zugesprochen werden muss. Demgemäss ist es nicht anders als natürlich, dass zwei concave Adern, wenn sie einander nahe rücken, die dazwischen liegende Convex- ader verkürzen oder auslöschen, während das Umgekehrte eintritt, wenn zwei Convex- adern eine concave Linie einschliessen. Beispiele der ersten sowohl als der zweiten Art sind in Hülle und Fülle vorhanden. Da die Adern des Flügels nicht blos Rippen, d. h. mechanische Stützen, sind, son- dern auch Blutgefässe etc. enthalten, ist es geradezu nothwendig, dass dieselben zur Er- leichterung der Circulation durch Qu er ädern miteinander in Verbindung treten, und dort, wo Convexadern an der Wurzel von Concavlinien abgeschnitten werden, sind die- selben daher fast ausnahmslos durch Queradern mit den benachbarten Convexadern ver- bunden. Ob die Queradern nur als modificirte Aeste der Längsadern anzusehen sind, ist schwer zu erweisen, doch spricht hiefür der Umstand, dass Queradern häufig durch veränderte Lage den Charakter von Längsadern annehmen und umgekehrt (Li- bellen, Mvrmeleoniden, Hemipteren, Hymenopteren). Häuflg kommt es vor, dass Queradern selbst wieder der Quere nach durch Adern verbunden sind, und wenn sich solche secundäre Queradern in eine Reihe ordnen, nehmen sie das Aussehen von Längsadern an, bei denen jedoch entweder Anfang oder Ende blind sind. Solche Adern bezeichne ich als Venae spuriae; doch kommen unter diesem Namen auch echte Venen vor, die in der Regel als Reste verschwundener Längsadern anzusehen sind (Vena spuria der Dipteren). Dagegen sind wirkliche Venae spuriae besonders häufig zu finden in der Area raediastina und discoidalis der Acridier etc. — Rücken zwei benachbarte Queradern, deren Lage überhaupt sehr variabel zu sein scheint, sehr nahe aneinander, dann kommt es auch häufig zu einer theilweisen Verschmelzung, welche zur Bildung gegabelter Queradern führt, wie sie bei Perliden, Hymenopteren etc. häufig zu finden sind. Verschmelzen dieselben völlig mit- einander, dann sind sie meist durch ihre Stärke noch erkennbar; auf diese Weise dürften die Stege und der Nodus im Libellenflügel entstanden sein. Nicht selten treten auch hinter einander gelegene Queradern miteinander in Verbindung, namentlich dann, wenn die dazwischen liegende Längsader auf irgend eine Art ausgelöscht wird. Auf diese Weise sind z. B. die Queradern entstanden, welche im Flügel der Hymenopteren zwischen Radius und Cubitus verlaufen, da hier mit wenigen Ausnahmen die V. Ader vollkommen verloren gegangen ist. Da Queradern wahrscheinlich nur Aeste von Längsadern sind, erleiden sie auch von Seite der Concavadern dieselben Veränderungen wie Convexadern, d. h. sie werden häufig durchbrochen oder vollkommen aufgelöst. Umgekehrt kann aus dem Vorhanden- sein solcher Einschnitte und Durchbrechungen von Queradern auch immer geschlossen werden, dass hier eine concave Ader oder Falte ursprünglich vorhanden war. Treffen convexe Längsadern auf Queradern, so zeigt sich häufig eine Ausbiegung oder Knickung der letzteren, die selbst dann noch bestehen kann, wenn die betreffende Längsader re- sorbirt wurde. Umgekehrt sind auch Queradern nicht ohne Einfluss auf Längsadern, besonders Convexadern, sondern erzeugen auf denselben verschiedenartige Ausbuchtun- gen und Knickungen. Treten solche Queradern in grösserer Anzahl und abwechselnd auf beiden Seiten einer Längsader auf, dann wird diese häufig zickzackförmig hin- und her- gebogen, wie dies z. B. bei den Längsadern der Hemerobiden, Libelluliden etc. der Fall ist. Wie oben erwähnt wurde, ist der ursprüngliche Insectenflügel fächer- artig, das ist aus regelmässig alternirendcn Concav- und Convexadern gebildet. Ein Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. i5n solcher Fächer könnte jedoch nur dann der complicirten Flugbewegung fähig sein, wenn jede oder wenigstens die Mehrzahl seiner Convexadern mit separaten Muskeln versehen wären. Da dies offenbar aus nahe liegenden Gründen nicht denkbar ist, so bleiben nur zwei Auswege. Entweder wird überhaupt nur ein Theil des Flügels bewegt, der andere passiv mitgezogen, oder es muss eine solche Vereinigung und Gruppirung der Flügel- adern platzgreifen, dass auch eine geringere Menge von Muskeln genügt, um den Flügel entsprechend zu bewegen. Im ersteren Falle ist ein ordentlicher activer Flug schlech- terdings unmöglich, der Flügel wirkt vielmehr in aufsteigender Richtung wie ein Papier- drache, in absteigender als Fallschirm, wie wir dies in der That bei allen Insecten, welche den Fächertvpus des Flügels noch annähernd zeigen, z. B. bei den springenden Orthopteren und den Ephemeriden beobachten können, deren Flug weder geschickt, noch ausdauernd genannt werden kann. Bei der grössten Masse der Insecten tritt der zweite Fall ein, indem die Adern des ursprünglichen Fächers sich in einige wenige Gruppen vereinigen, welche sowohl selbstständig als gemeinsam bewegt werden können und doch nur eine geringe Anzahl von Muskeln erfordern. Der Flügel zerfällt dadurch in eine Anzahl von Theilen, welche hinter einander gelegen und durch eine Art von Charnieren miteinander verbunden sind. Letztere können nur aus concaven Adern oder Falten bestehen, da nach Adolph gerade diese concaven Züge Verdünnun- gen der Flügelplatten darstellen. Da die einzelnen Adern des Fächerflügels vermöge ihrer Convergenz an der Basis auf einen verhältnissmässig winzigen Raum zusammengedrängt würden, erscheint es nothwendig, dass einzelne Concav- und Convexadern schon vor der Basis erlöschen, da- für aber durch Queradern mit den benachbarten Adern in Verbindung treten. Da aber zwei einander genäherte Concavadern eine dazwischen gelegene Convexader ganz oder theilweise auflösen können und umgekehrt, so ist die Möghchkeit gegeben, dass einzelne Adern, sowohl concavc als convexe, ja selbst ganze Adersysteme ausfallen, während die bleibenden durch Queradern oder durch Verschmelzung und Aneinanderlagerung in um so engere und festere Verbindung treten. Die Differenziruhg und Vereinfachung (Reduction) des Flügelgeäders erscheint demnach zugleich eine physiologische und mechanische Nothwendigkeit. Die Folge dieser Arbeitstheilung — sit venia verbo ■ — ist, dass ursprünglich getrennte Adern mindestens an der Wurzel sich vereinigen und auf diese Weise mehrfach verzweigte Aderstämme (Systeme) bilden, von denen ohne Zweifel jeder seinen bestimmten Antheil an der Totalbewegung des Flügels besitzt. In erster Linie gilt dies von den convexen Adern; dass jedoch auch Concavadern aus einem ganzen Adercomplex durch Vereinfachung und Auslöschung gebildet werden können, beweist das Verhalten der Analader bei Schmetterlingen und Eintagsfliegen, wo- von später die Rede sein wird. Die Zähigkeit, mit der manche concave Adern, besonders die Subcosta und Analader, wie schon Adolph bemerkt, erhalten bleiben, scheint ge- radezu für diese Anschauung zu sprechen. Wie also die ursprünglich gleichartigen Wirbel der Vertebraten durch Differenzirung in eine Anzahl von Regionen zerfielen, von denen jede einer bestimmten Function dient, so hat sich auch der Fächerflügel der Ur-Insecten in eine Anzahl von untergeordneten Organen gegliedert, wovon höchst wahr- scheinlich jedes eine bestimmte Rolle beim Fluge spielt. Dadurch aber ist überhaupt der Flügel erst zum Flugorgan geworden, während er in seiner ursprünglichen Form nur als Fallschirm oder im besten Falle als Drache verwendet werden konnte. Da bekanntlich bei den meisten Insecten der Vorderflügel das Geäder des Hinter- flügels und umgekehrt beeinflusst, so lässt sich wohl vermuthen, dass man den normalen Typus eines differenzirten Flügels bei solchen Insecten finden wird, deren Vorder- und i6o Josef Redtenbacher. Hinterflügel einander an Grösse und Gestalt am ähnlichsten sind. Dies ist beispielsweise bei vielen Hemerobiden {Megalomus, Micromus etc.) der Fall, daher möge auch das Geäder dieser Insecten zunächst erörtert werden. Am Flügel von Micromus lassen sich nun fünf Felder und ebensoviele Convexstämme unterscheiden, die durch concave Adern oder Falten von einander getrennt werden: i. das Costalfeld mit der Costa, 2. das Radialfeld mit dem Radius und seinen zahlreichen Aesten oder Sectoren, 3. ein Feld, welches bisher theils zum Radius, theils zum Cubitus gezogen wurde und vor- läufig als das Feld der V. Ader bezeichnet werden möge, 4. das Cubitalfeld mit dem Cubitus, endlich 5. das Analfeld. Die in den einzelnen Feldern verlaufenden Sy- steme von Convexadern bezeichne ich nun mit den aufeinanderfolgenden ungeraden römischen Ziffern, die Costa also mit I, den Radius mit III, dann folgen die V.Ader, der Cubitus (VII) und die Adern des Analfeldes (IX, XI u. s. w.). Für die V. Ader Hesse sich vielleicht die Bezeichnung Media, und für das von ihr durchlaufene Feld der Name Medialfeld verwenden, da sie, das Analfeld als ein Ganzes betrachtet, in der That als die »Mittelader« erscheint. Die einzelnen Aeste einer Längsader Hessen sich durch den römischen Zahlen beigefügte Indices bezeichnen, und zwar mit arabischen un- geraden Ziffern, so dass also III,, III3, III5 u. s. w. die aufeinanderfolgenden Aeste (Sectoren) des Radius, den ersten mit eingerechnet, bedeuten, während unter III das System des Radius schlechtweg zu verstehen ist. Die zwischen den fünf Convex- stämmen verlaufenden Concavzüge (Adern oder Falten) bezeichne ich mit den ge- raden römischen Ziffern, also die Subcosta mit II, die Analader mit VIII, zwischen welchen noch IV und VI verlaufen. Treten, wie dies häufig der Fall ist, zwischen den Aesten eines Convexstammes concave Falten oder Adern auf, so bezeichne ich sie mit der römischen Ziffer des betreffenden Convexsystems, füge aber als Index die geraden arabischen Ziffern hinzu. III2 ist demnach eine Concavlinie zwischen den beiden ersten Aesten des Radius, VII 4 wäre eine solche zwischen dem zweiten und dritten Aste des Cubitus etc. Umgekehrt müssen dort, wo z. B. die Analader ein ganzes System von Adern bildet, wie bei Ephemeriden und Lepidoptercn, VIII,, VIII 3 etc. tüs Concav- lini-en, VIII 2, VIII 4 etc. als die dazwischenliegenden Convexadern aufgefasst werden. Ich gestehe, dass diese Bezeichnungsweise etwas Unbequemes an sich hat, allein sie wird durch die Consequenz erfordert, und ich kann versichern, dass man sich sehr bald daran gewöhnt.') Nach Pettigrew soll ein vollkommen entwickelter Flügel einen starken, aber ela- stischen Vorderrand besitzen, um die Luft durchschneiden zu können, er soll oben con- vex, unten concav und gleichzeitig etwas spiralig um seine Längsachse drehbar sein. Diesen Anforderungen entspricht nun der Flügel der meisten, namentlich der höheren Insecten, vollkommen, indem die als Charniere fungirenden Concavfalten sowohl eine Wölbung nach oben, als auch eine spiralige Drehung ermöglichen, und die vordersten Convexadern, Costa und Radius, entweder sehr nahe aneinander rücken oder voll- kommen verschmelzen. Der letztere Fall findet sich bei vielen Hemipteren und Hymc- nopteren; bei den Coleopteren und Lepidoptercn ist die Verschmelzung nur theilweisc vorhanden. Die Subcosta geht dabei theilweise oder völlig verloren, aber auch dort, wo sie erhalten ist, hat die Natur dafür gesorgt, dass sie nicht störend wirken kann, und zwar auf verschiedene Weise. Bei Perliden und Megalopteren erscheint sie ganz unter I) Als mnemotechnisches Hilfsmittel mag noch angeführt werden, dass bei concaven Adern die Summe aus der römischen Ziffer und dem Index stets eine ungerade Zahl ist (IIU = III -j- 2 = 5; Yill^ = \-Ill _|_ I = 9 etc.), während bei Convexadern diese Summe eine gerade Zahl gibt (III3 = III _j- 3 = 6; VIII2 = VIII + 2 = IG). Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. i6l den Radius geschoben, häußg ist sie durch zahh-eiche Queradern fest mit Costa und Radius verbunden, welche namenthch bei den Odonaten zum Theil stark verdickt er- scheinen und die sogenannten »Stege.< bilden. Nur selten setzt sich die Flügelhaut noch über die Costa hinaus fort und bildet dann ein sogenanntes Präcostalfeld, wae es z. B. die Orthoptera saltatoria, manche Käfer {Silpha etc.) und viele Schmetterlinge zeigen. Bei den ersteren ist dasselbe meist nur im Vorderflügel, seltener im Hinterflügel ausgebildet, die Käfer, Schmetterlinge und manche Hcmipteren dagegen besitzen das- selbe nur im Hinterflügel. Der Radius ist meistens mehrfach verzweigt, die einzelnen Sectoren in der Regel durch Queradern verbunden, welche namentlich bei Insecten mit zahlreichen Radialästen (Megalopteren) oft treppenartig angeordnet sind. Die V. Ader zeigt eine auffallende Tendenz zur Reduction, indem sie entweder theilweise oder völlig verschwindet oder sich so innig mit dem Radius, resp. seinen Sectoren (Mj-nneleon) oder mit dem Cubitus (Perliden) verbindet, dass es oft schwer hält, sie davon zu trennen. Gerade bei den älte- sten Insectenformen, den Orthopteren und Neuropteren etc., erscheint sie in der Regel deutlich ausgebildet. Der Cubitus ist wie der Radius meist verzweigt oder wenigstens gegabelt, kann aber durch Reduction auch auf eine einfache Ader beschränkt werden oder ganz ausfallen (Acridier, Hemipteren etc.). Am mannigfaltigsten verlaufen die Adern des Analfeldes, bald einzeln und regel- mässig durch Concavadern getrennt, bald mehr oder weniger in Gruppen vereinigt. Dazu kommt, dass das Analfeld sehr häuflg, namentlich bei den höheren Insecten, eine Reduction erfährt, welche die Deutung der einzelnen Ader oft geradezu unmöglich macht. Da dasselbe ausserdem in der Systematik nur eine untergeordnete Bedeutung hat, ist eine detaillirte Behandlung desselben auch nicht unbedingt nöthig. Von den concaven Adern erweisen sich die Subcosta und Analader als die resi- stentesten, während die IV. und VI. oft entweder nur als Falten angedeutet sind oder völlig fehlen, oder endlich mehr oder minder verschmelzen und dadurch die einge- schlossene V. Ader theilweise oder völlig auslöschen. Es wurde bereits erwähnt, dass die ursprüngliche Fächerform in keinem Insecten- flügel vollkommen erhalten ist, da dieselbe eine selbstständige Flugbewegung nahezu unmöghch erscheinen lässt. Eine vergleichende Beobachtung des Insectenflügels zeigt uns im Gegentheil, dass derselbe eine unverkennbare Tendenz zur Arbeitstheilung, gleichzeitig aber auch zur Vereinfachung und Reduction des Geäders offenbart. Die Natur stattet eben ihre Geschöpfe in der Regel mit einem Ueberschuss gleichartiger Or- gane aus, welcher einerseits eine grosse Summe von ernährenden und bewegenden Kräften voraussetzt, andererseits aber auch eine unendlich mannigfaltige Art der Diffe- renzirung und Reduction ermöglicht und herbeiführt. Auf diese Weise wird Ueberflüs- siges nachträgHch wieder entfernt, das Bleibende mannigfach umgebildet, so dass die Fähigkeit des Thieres gesteigert wird, ohne dass ein grösserer Kraftaufwand nÖthig wäre. Aus diesem Grunde erscheint es gerechtfertigt, jene Insecten für geologisch jünger und höher organisirt zu halten, deren Geäder scheinbar einfacher, aber zweckentsprechen- der ist, gerade so wie das sechsfüssige Insect auf einer höheren Stufe steht als die viel- beinigen Myriopoden. Während also einerseits durch Differenzirung ursprünglich gleich- artige Gebilde sich zu einem Organ vereinigen, welches neuen und höheren Aufgaben gewachsen ist, wird gleichzeitig durch Reduction Alles entfernt, was überflüssig oder gar den veränderten Zwecken hinderlich erscheint. In vielen Fällen ist diese Vereinfachung von einer Verkleinerung der Flügelfläche begleitet, ja es fragt sich, ob nicht gerade dieser Umstand die Ursache jener ist. jg2 Josef Redtenbacher. So\vohl concave als convexe Adern unterliegen der Reduction, zeigen aber dabei ein ganz verschiedenes Verhalten, welches von Adolph (»Ueber Insectenflügel«, Nova acta d. kais. Leop. Carol. Akad. XLI, pars II, Nr. 3, 1880) ausführhch erörtert wird. Con- vexe Adern hinterlassen nämlich als Spuren dunkle Chitinlinien oder erhabene Falten, welche durch Rückschlag wieder in wirkliche Adern übergehen können; con- cave Adern dagegen werden zu hellen durchscheinenden Streifen oder blos zu concaven Falten, welche die Eigenschaft zeigen, dass die von ihnen getroffenen Quer- und Längsadern oft resorbirt oder durchbrochen werden. Auch diese Falten können durch Rückschlag wieder in Concavadern übergehen. Die Reduction betrifft nicht alle Adersvsteme in gleichem Masse, sondern vorwiegend das System der V. Ader und das Analfeld, während Radius und Cubitus erhalten bleiben. Umgekehrt zeigt bei den Co- leopteren und Hemipteren gerade die V. Ader eine ziemHch kräftige Entwicklung, wäh- rend der Cubitus mehr minder schwach ausgebildet ist oder ganz fehlt. Da Vorder- und Hinterflügel sich gegenseitig beeinflussen, ist es eine gewöhnliche Erscheinung, dass bei ersterem das Analfeld, bei letzterem dagegen das Costal- und Radialfeld reducirt sind. Betrifft die Vereinfachung auch das Analfeld des Hinterflügels, so können beide Flügel gleiche Gestalt und Grösse annehmen, wie dies z. B. bei Isopteryx der Fall ist. Da eine Verringerung der Flügelfläche stets auch eine Reduction des Geäders herbeiführt, so er- klärt es sich auch sehr einfach, warum kleine Formen ein viel einfacheres Adersystem zeigen als grössere, verwandte Formen. Die Vereinfachung der Hugwerkzeuge kann sogar so weit gehen, dass die Vorderflügel {Tettix, Strepsipteren) ganz verkümmern oder wenigstens nur in untergeordneter Weise beim Flug verwendet werden (Coleopteren); umgekehrt können auch die Hinterflügel völlig ausfallen (Dipteren etc.) oder sie werden von den Vorderflügeln ins Schlepptau genommen, was zur Folge hat, dass ihre Mus- kulatur sowohl als ihr Geäder eine wesentliche Reduction gegenüber dem Vorderflügel erfährt fLepidopteren, Hymenopteren etc.). Abnorme Abweichungen vom oben erwähnten Adertypus kommen bekannter- massen häuflg genug vor. Mimikry oder die Umwandlung eines Flügels oder Flügel- feldes zum Stimmorgan bringen in erster Linie ganz unregelmässige und oft schwer zu enträthselnde Geäderformen hervor; Psychopsis, Apochrj'sa, Phyllium, die Gryllodeen und Locustiden bieten eine Menge von Beispielen hiefür. Ebenso kann die eigenthüm- liche Faltung eines Flügels ganz ungewöhnhche Veränderungen des Geäders herbei- führen (Forficula, Eleiitherodea). Eine schwer zu erklärende Abnormität bilden ferner die gelötheten oder zusammengesch weissten Längsadern im Vorderflügel der grösseren Cicaden. Eine Durchbrechung von Längs- und Queradern unter gleichzeitiger Verschiebung derselben findet sich bei Pteronarcys, Thyridienbildung tritt bei vielen Insecten {Paiiorpa, Trichopteren, Lepidopteren, Mantis etc.) auf und wird offenbar durch die auflösende Wirkung der IV. und VI. Concavader hervorgerufen; die Erklärung jener Adernunterbrechungen aber, wie sie die Cicaden zeigen, ist noch ausständig. Unter keinen Umständen genügt es, die Adern eines Flügels einfach nach arith- metischen Grundsätzen zu deuten; die erste Ader eines Flügels kann die Costa, die Subcosta, der Radius oder gar eine Verschmelzung mehrerer Adern sein. Es muss in Folge dessen bei jeder Ader vor Allem die Oberflächenlage constatirt werden, die Gleich- werthigkeit derselben aber lässt sich nur durch zahlreiche Vergleiche mit anderen nahe verwandten Formen feststellen, freilich ein oft mühsamer Weg, aber doch der einzige, welcher zu einem sicheren Resultate führen kann. Studien dieser Art führen nebenbei zu oft merkwürdigen Ergebnissen, namentlich in Bezug auf Verwendbarkeit des Geäders zu svstematischen Zwecken. Wer z. B. nur eine beschränkte Anzahl von Käferflügeln Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. i63 untersucht, kann leicht der Meinung sein, dass eine allgemeine Charakteristik derselben keine Schwierigkeiten bietet. Sobald man aber eine grössere Anzahl von Formen ver- gleicht, erkennt man bald, dass eigentlich kein einziges Merkmal als allgemein charakte- ristisch gelten kann. Namentlich ist es der Flügel von Atractocerus, welcher Jede Ver- allgemeinerung unmöghch macht; denn würde man den Käferflügel so charakterisiren, dass auch Atractocerus mit einbezogen ist, dann hindert uns nichts, den Flügel von Oligoneura als Käferflügel zu bezeichnen. Dieses Beispiel zeigt, dass das Flügel- geäder zu einer scharfen Charakteristik der Ordnungen überhaupt unbrauchbar ist, dass man im besten Falle Familien oder Unterordnungen mit Hilfe desselben von einander trennen kann. Nach meiner Ansicht erhellt daraus aber auch unzweifelhaft, dass dem Flügelgeäder der Insecten ein gemeinsamer Plan zu Grunde hegt. Der Flügel von Oligoneura sowohl, als der von Atractocerus sind ohne Zweifel durch Anpassung und Reduction entstanden; wenn aber diese beiden Factoren in ganz verschiedenen Insecten- ordnungen so übereinstimmende Aderformen erzeugen, dann ist man wohl berechtigt zu schliessen, dass das ursprüngliche Material ein ähnliches gewesen sein muss, oder dass mit anderen Worten dem Flügel der Käfer und Ephemeren, sowie aller übrigen Insectenordnungen, ein ursprünglich gleichartiges Flügelgeäder zukommt. Wenn es in einzelnen Fällen nicht gelingt, die Homologie der Adern durchzuführen, ist dies nach meinem Dafürhalten noch kein genügender Grund, die morphologische Vergleichung der Adern verschiedener Insecten von vorneherein als unmöglich oder unwissenschaft- lich zu bezeichnen. Es verhält sich eben mit dem Flügelgeäder der Insecten in vieler Beziehung ähnhch wie mit den Larven derselben;') so wie diese ist auch das Flügel- geäder nur zur Charakteristik kleinerer Formenkreise, nicht aber ganzer Ordnungen verwendbar. Die Hemerobiden Hessen sich ziemlich leicht charakterisiren, wenn nicht Coniopterj-x etc. dies unmöglich machen würden. Aehnlich verhält es sich bei den Lepidopteren, Orthopteren s. str. u. s. w. Andererseits wird man das Flügelgeäder nie ausser Acht lassen können, wenn es sich darum handeh, die Verwandtschaft eines In- sectes festzustellen. Auf Grund des Flügelgeäders lässt sich behaupten, dass die Man- tiden den Blattiden nahestehen, dass dagegen die Phasmiden durch den Besitz des Präcostalfeldes viel mehr an die Locustiden erinnern; aus demselben Grunde stellt Brauer mit Recht Eugereon BÖckingii zu den Mantiden. Ueberhaupt dürfte sich das Geäder in erster Linie als Hilfsmittel bei der Bestimmung fossiler Insecten verwenden lassen, da von denselben gewöhnlich die Flügel besser als andere Körper- theile erhalten sind und nicht selten sogar die Oberflächenlage der aufeinanderfolgenden Adern erkennen lassen. Da ferner die Flügel vieler Insecten (Dipteren, Hymeno- pteren etc.) offenbar aus viel reichlicher geäderten Formen hervorgegangen sind, bietet die Untersuchung des Geäders auch oft Gelegenheit zu entscheiden, welche von meh- reren Insectenformen als älter, d. h. der Stammform ähnlicher zu betrachten ist. Reiches Zwischengeäder, regelmässig alternirende Concav- und Convexzüge, sowie ein mächtig ausgebildetes Analfeld kennzeichnen die Flügel der ursprünghchen Formen, während alle jüngeren Insectengruppen ein spärHches Zwischengeäder, wenige und meist convexe Adern zeigen, wohingegen die concaven Adern meist durch Falten ersetzt erscheinen. So erweisen sich die Neuropteren und Orthopteren als geologisch älter als die Dipteren, Coleopteren etc., die Cicadinen und Fulgoriden älter als die Hemipteren; unter den Odonaten scheinen die Caloptervgiden die Vorläufer der Libelluliden, Gomphiden und I) Man vergleiche die ausgezeichnete Arbeit Prof. Fr. Brauer"s: Systematisch -zoologische Studien. Sitzungsber. d. kais. Akad, d. Wissensch., Wien, XCl. I. Abth., Mai-Heft, p. 323 (87) etc. lÖA Josef Redtenbacher. Agrionidcn zu sein; Pteronaixys kann als Ausgangspunkt für die Perliden, Corydalis für die Sialiden gelten. Freilich wird man bei solchen Untersuchungen sich nicht auf das Geäder allein stützen dürfen, anderseits wird dasselbe aber stets ein wesentliches, ja geradezu unentbehrliches Hilfsmittel bilden.. I. Dermaptera. Taf. IXFig. 1—4. Die Vorderflügel sind zu kurzen, hornigen Schuppen umgewandelt, die keine Ner- vatur erkennen lassen und an die Deckflügel der Blattiden, Termiten und Coleopteren erinnern; zur Flugbewegung untauglich, dienen sie als Schutzmittel für die darunter ver- borgenen Hinterflügel, welche durch ihre complicirte Faltung und Nervatur von denen aller übrigen Insecten abweichen. Der ausgebreitete Hinterflügel lässt fünf Theile unterscheiden, nämlich das schmale lanzettförmige Marginalfeld am Vorderrand, welches gewöhnlich etwas nach unten umgeschlagen ist. Unmittelbar hinter ihr liegt die breite, hornige Schuppe (squama), durch eine Gelenkfalte von dem spitz zulaufenden, hornigen Apicalfeld getrennt, welches selbst wieder durch eine Längsfurche in zwei Theile zerfällt. Von der genannten Gelenkfalte aus entspringt eine ziemlich kräftige Ader, welche parallel mit dem Hinter- rand der Schuppe gegen die Flügelwurzel verläuft und ein schwach verhorntes Feld, die Nebenschuppe, begrenzt. Diese zerfällt durch eine schräge Furche, welche die directe Fortsetzung der Längsfalte im Apicaltheil bildet, in zwei Hälften, von denen die eine gegen die Flügelwurzel zu gelegen ist, während die andere mit dem Apicaltheil in Ver- bindung steht. Der fünfte Theil des Flügels ist von dem glashellen Fächer eingenommen und wird von einer Anzahl divergirender Adern durchzogen, welche ohne Ausnahme von dem äusseren Theile der Nebenschuppe ihren Ursprung nehmen und unter S-för- miger Krümmung gegen den Flügelsaum verlaufen. Zwischen ihnen ziehen ähnliche, aber abgekürzte Adern, die wohl als losgetrennte Aeste der Fächerstrahlen aufzufassen sind. Untereinander sind diese Adern durch eine parallel mit dem Flügelsaume verlau- fende Vena spuria verbunden, welche als eine Verbindung von Queradern bezeichnet werden muss. Jeder der ausgebildeten Fächerstrahlen ist vorne von einer concaven, hinten von einer convexen Falte begrenzt. Der Fächer selbst entspricht ohne Zweifel dem Analfeld der Orthopteren, welches ungewöhnlich stark erweitert ist, während Mar- ginalfeld, Schuppe und Apicaltheil das System der I. bis Vll. Ader vertreten, aber stark reducirt und verhornt erscheinen. Die Faltung dieses merkwürdig gebauten Hinterflügels erfolgt in drei Stadien. Das erste derselben besteht darin, dass der Fächer sich regelmässig zusammenfaltet und der Apicaltheil des Flügels sich gleichzeitig mit der Spitze gegen die Flügelwurzel nach unten umschlägt. Hervorgerufen wird diese Faltung wahrscheinlich nur durch die Elasticität der Fächerstrahlen. Diese liegen nämlich im Ruhezustande parallel der Flügel- ebene, werden aber bei der Entfaltung des Flügels um 180" gedreht, wie man sich am besten an einem aus Papier verfertigten Modell überzeugen kann, und streben natürlich, sobald der Streckmuskel des Flügels erschlafft, ihre ursprüngliche Lage wieder einzu- nehmen. Vermöge ihrer S-förmigen Krümmung aber werden auch die Felder, welche sie durchlaufen, mitgedreht, so dass die concaven F'alten alle gegen die Flügelbasis, die convexen dagegen nach der entgegengesetzten Seite zu liegen kommen. Die von den abgekürzten Fächerstrahlen durchlaufenen Felder müssen sich selbstverständlich im Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. l65 entgegengesetzten Sinne drehen. In zweiter Linie wirken die vollständigen Fächeradern auch insoferne wie elastische Federn, als sie sowohl untereinander als auch mit dem Aussenrande der Nehenschuppe ziemlich fest verbunden sind und in der Ruhelage bei- nahe parallel laufen, während sie im ausgebreiteten Flügel unter einem deutlichen Winkel divergiren und sich demnach beim Falten des Flügels wieder parallel zu stellen suchen. Da die Entfernung des Fächermittelpunktes von der Flügelwurzel viel kleiner ist als die Länge einer Fächerader, so muss der regelmässig zusammengelegte Hicher bei der gleichzeitigen Rückwärtsbewegung des Flügels am Seitenrande des Hinterleibes an- stossen, was zur Folge hat, dass der vorstehende Theil des Fächers nach unten umge- schlagen wird, und ?war um eine Achse, welche durch die Flügelwurzel geht und parallel mit der zwischen Schuppe und Apicaltheil befindlichen Gelenkfalte verläuft. Selbstver- ständlich ist das Einschlagen des Fächerrandes nach unten nicht ohne Einfluss auf die dabei betroffenen Adern ; dieselben zeigen vielmehr gerade an der Stelle, wo sie geknickt werden, eine hornige, verschwommene Erweiterung. Im dritten Stadium endlich schlägt sich das Flügelpaquet noch einmal nach unten um längs der Furche, welche die Neben- schuppe in zwei Hälften theilt, und gleichzeitig wird auch der Apicaltheil, der schon im ersten Stadium auf die Nebenschuppe zurückgelegt wurde, der Länge nach zusammen- gefaltet. Die Ursache zu dieser letzten Faltung ist vielleicht ebenfalls in dem Anstreifen des Flügels an den Hinterleib zu suchen; übrigens sollen die Forficuliden hiebei auch die Hinterleibszangen in Anwendung bringen, was ich jedoch trotz mehrfacher Versuche nie beobachten konnte. Durch die erwähnte dreifache Faltung ist der Flügel auf eine Grösse reducirt, welche genau der Schuppe nebst dem anstossenden Basaltheile der Nebenschuppe ent- spricht. Bei der Entfaltung des Flügels scheint der erste Impuls ebenfalls von der Elasti- cität der Chitinadern auszugehen, welche sämmtlich der Länge nach geknickt sind, wäh- rend die Entfaltung des Fächers wohl nur mit Hilfe eines Streckmuskels geschehen kann. Die Faltung des Forficuliden-Flügels ist einzig in ihrer Art; ein Vergleich wäre höchstens mit dem Flügel mancher Blattiden (Eleiitherodea) möglich, der sich ebenfalls der Länge und Qiierc nach zusammenlegt, doch wird hier der Spitzentheil des Flügels nach oben zurückgeschlagen und die Faltung des Fächers erfolgt genau so wie bei den übrigen Orthopteren, , II. Ephemeridae. Taf. IX Fig. 5 und 6. Es gibt kaum eine zweite Insectcngruppe, deren Flügel den ursprünglichen Typus, die Fächerform, noch so deutlich zeigt als die Eintagsfliegen. Von der marginalen Costa angefangen bis zum mehr minder reducirten Analfeld wechseln concave und convexe Adern in regelmässiger Reihenfolge miteinander ab, wenn auch hie und da die begin- nende Differenzii'ung des Flügels zur Vereinigung zweier oder mehrerer Adern zu einem Adercomplex führt. Ein zweiter Charakter des Ephemeriden-Flügels, wenn auch nicht diesem ausschliesslich eigenthümlich, liegt in der grossen Anzahl von Queradern. Nur wenige Arten, wie Oligoneura oder Lachlania, machen hievon eine Ausnahme. Im Vorderflügel erkennt man leicht hinter der concaven Subcosta den unver- zweigten Radius, ebenso den gegabelten Cubitus; zwischen beiden entspringt eine Con- cavader, die sich bald in zwei Aeste theilt, von denen der vordere abermals gegabelt ist und einige Concav- und Convexadern einschliesst. Letztere sind als die abgekürzten , gg Josef Redtenbacher. Sectoren des Radius, erstere als die Reste der zwischen ihnen verlaufenden concaven Fächerstrahlen aufzufassen, während kleinere Convexadern, die nur ein kurzes Stück saumeinwärts laufen, als Vereinigung von Queradern oder alsVenae spuriae anzusehen sind. Die hinter den Sectoren gelegene concave Gabelzinke entspricht demnach der IV. Ader, die vor dem Cuhitus gelegene der VI. Concavader, und die zwischen ihnen eingeschlossene abgekürzte Convexader dem Ende der V. Ader. Hinter dem Cubitus zeigt sich eine gegabelte Concavader mit eingeschlossener Convexader und kann als System der VIII. Ader bezeichnet werden, welche durch Ver- einigung der beiden Concavzüge unter gleichzeitiger Auslöschung der eingeschlossenen Convexader zur Bildung einer scheinbar einfachen Concavader (v/ie bei manchen Lepi- dopteren) führen könnte. Die nächstfolgende Convexader sammt ihren Zweigen ent- spricht der IX. Ader, hinter ihr folgt die X. Ader, die bald einfach concav ist (Ephemera), bald wie die VIII. Ader gegabelt erscheint (Heptagenia) ; die letzte Convexader ist die XL, und hinter ihr folgt manchmal noch eine Reihe von kleinen Concav- und Convexzügen, welche meist mehr oder weniger reducirt erscheinen. Schon bei Polymitarcys virgo Pict. sind die Queradern äusserst feine Linien, bei OUgoneura endlich sind ihrer nur 5 —7 zwischen Radius und V. Ader vorhanden. Das Analgeäder ist bei letzterer Gattung auf die einfache IX. und die gegabelte XL Convex- ader reducirt und die Concavadern mit Ausnahme der Subcosta verschwunden. Der Hinterflügel ist, wenn überhaupt vorhanden, stets viel kleiner als der Vorder- flügel und demgemäss manchmal so reducirt, dass sein Geäder nur aus 2—3 schwachen Linien besteht. Ausser der eingangs erwähnten Fächerform und den reichlich ausgebildeten Qu er ädern wären die Ephemeren-Flügel der Mehrzahl nach noch durch folgende Merkmale charakterisirt. Der Radius ist einfach, die Sectoren nicht unmittelbar mit ihm verbunden, sondern durch eine Concavader (IIIj) von ihm getrennt, ein Charakter, welcher sonst nur bei den Odonaten und Dipteren vorkommt. Auch die Media (V. Ader) ist durch die Vereinigung von IV und VI von den benachbarten Con- vexlinien getrennt. Der Hinterflügel ist stets viel kleiner, demgemäss auch sein Geäder viel einfacher oder ganz reducirt. Hiedurch sind die Ephemeren von den Odonaten, deren Adervertheilung sonst sehr ähnlich ist, wesentlich verschieden. Formen mit redu- cirtem Geäder, wie OUgoneura etc., weichen jedoch bedeutend vt)n dem oben ange- führten Schema ab, indem die Sectoren ganz verloren gegangen sind, ausserdem auch die Schaltadern, sowie die zahlreichen Queradern fehlen. IIL Odonata. Taf.IXFig. 7— q. Obwohl die Odonaten durch eine Reihe von Merkmalen, wie z. B. den Mangel der indirecten Flügelmuskel, von allen übrigen Insecten scharf getrennt sind, so lassen sich doch eine Anzahl von (^liaraktercii nachweisen, durch welche sie sich den echten Orthopteren und Perliden, namentlich aber den Ephemeriden nähern. Directe Ueber- gangsformen fehlen zwar vollständig, dennoch zeigt gerade das Flügelgeäder solche Aehnlichkeit mit dem der Ephemeren, dass man einen gemeinsamen Ursprung beider Ordnungen vermuthen muss, umsomehr, als die fossile Ephemera procera Hagen aus dem lithographischen Schiefer von Eichstätt durch ihre vier muthmasslich gleich grossen Flügel vielleicht eine Uebergangsform zu den Odonaten bildet. Auf jeden Fall stellen Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 167 die Odonaten (sowie die Ephemeren) eine Insectengruppe von hohem geologischen Alter dar, wie das Auftreten von angeblich gomphidenartigen Formen im Devon un- zweifelhaft beweist. Auch der grosse Reichthum an Queradern, das häufige Auftreten von Venae spuriae, und der geringe Grössen- und Formunterschied zwischen Vorder- und Hinterflügeln sprechen entschieden für diese Ansicht. Ob gerade Gomphiden als die ältesten Formen der Odonaten anzusehen, scheint mir zweifelhaft, vielmehr glaube ich im Flügel der Calopte/yx -Arien jene Form zu er- kennen, von der sich die Plügelformen der übrigen Odonaten ableiten lassen, und welche deshalb zunächst besprochen werden soll. Vorder- und Hinterflügel erscheinen reich geädert, an Grosse und Form einander «bleich. Die Costa ist marginal und durch zahlreiche Queradern mit dem unverzweigten Radius verbunden. Eine dieser Queradern ist stärker, winkelig geknickt und ward als Nodus bezeichnet. Charakteristisch ist das Verhalten der concaven Subcosta, welche beim Nodus scheinbar erlischt, in Wirklichkeit aber sich gegen den Vorderrand biegen und dicht hinter der Costa verlaufen soll (Hagen). ^ Hinter dem unverzweigten Radius verläuft genau wie bei den Ephemeriden eine Concavader, welche scheinbar aus dem Radius entspringt und sich bald in zwei con- cave Aeste gabelt, w^elche zwischen sich das System der Sectoren des Radius, aus ab- wechselnden Concav- und Convexadern zusammengesetzt, einschliessen. Ausser diesen normalen Adern, die den alternirenden Strahlen des ursprünglichen Fächerflügels ent- sprechen, schieben sich noch kleine Adern ein, welche vielleicht nur als Verbindungen von Queradern, also als Venae spuriae zu bezeichnen sind. Die nächste Ader ist convex und als die V. anzusehen, ebenfalls von mehreren abgekürzten Concav- und Convex- adern begleitet. Die vor ihr verlaufende Concavader ist demnach die IV., die ihr folgende die VI. Ader. Letztere ist bei den Ephemeren mit der concaven Gabelader hinter dem Radius unmittelbar vereinigt und schneidet dadurch die Wurzel der V. Ader ab, während sie hier getrennt aus dem Stamme der darauffolgenden Cubitalader entspringt. Die V. Ader dagegen nimmt ihren Ursprung scheinbar aus der III., ebenso der Cubitus, der anfangs schief gegen den Hinterrand verläuft, dann aber plötzlich mehr gegen die Flügel- spitze umbiegt. Auch er ist von einer Anzahl concaver und convexer Adern, Resten der Fächerstrahlen, begleitet und steht durch mehrere Queradern, von denen zwei etwas verdickt erscheinen, mit der IX. Ader in Verbindung. Zwischen beiden verläuft die VIII. Concavader (Analader), von einigen abgekürzten Concav- und Convexadern be- gleitet, so dass sie auch hier wie bei den Ephemeren nicht als einzelne Ader, sondern als ein ganzes System von Adern erscheint. Ein ähnliches Verhältniss scheint hier auch die IV. Ader, welche bei den Ephemeriden einfach ist, zu zeigen. Hinter der IX. Ader ist noch eine Spur der XI. in P'orm einer zickzackförmigen, abgekürzten Längsader vor- handen, die durch eine kräftige Querader mit jener verbunden ist. Unmittelbar vor ihr ist auch ein Rest der concaven X. Ader sichtbar. Abweichungen von diesem Flügelbau sind meist unbedeutend, aber insoferne interessant, als sie Uebergangsbildungen zum Flügel der übrigen Odonaten darstellen. So nimmt bei Hetaerina cnientata Rbr. die Wurzel der gegabelten Concavader ihren Ursprung aus der VI. Ader, ist aber von der V. Ader so an den Radius angedrückt, dass sie förmlich in zwei Theile getrennt erscheint. Bei Epallage entspringt die IV. Ader aus der V. und diese wieder aus der VI., ohne dass sie sich an den Radius anlegt. Bei Rhinocypha fenestrata Burm. und l'hora fasciata Hagen ist die Vereinigung von IV und VI complet geworden und dadurch der Stamm der V. Ader abgeschnitten. Bei Thora rückt die Querader, welche die »viereckige Zelle« innen begrenzt, so weit gegen die Hügehvurzel, dass eine Ecke derselben den Radius j58 Josef Redtenbacher. berührt. Die XI. Ader ist hei lliora und Hetaerina nur ein Ast der IX., hei ersterer aher durch eine deutliche Concavader (X.) von ihr getrennt. Bei Epallage steht XI nicht in unmittelbarem Zusammenhange mit IX, und hinter ihr verläuft noch eine Concav- ader (XII.), bei Rhinocj'pha endlich fehlt XI vollständig. Euphaea, Anisopleura zeigen einen ähnlichen Bau wie Epallage. Dem breiten Flügel der Calopteryginen gegenüber erscheint der der Agrioniden stark verschmälert; demgemäss hat auch eine entsprechende Reduction von concaven und convexen Längsadern stattgefunden und die Venae spuriae sind fast vollständig ausgefallen. So erscheint der Sector radii ebenso wie die Media als einfache convexe Längsader, die nur am äussersten Ende von kleinen Venae spuriae begleitet ist. IV. und VI. Ader sind ein ziemlich langes Stück vereinigt, so dass die V. Ader bedeutend verkürzt ist. Die das Flügelviereck (Trapez) begrenzende äussere Querader nimmt durch ihre Stärke und schiefe Richtung schon mehr den Charakter eines Cubitalastes an, weshalb hier auch die VIII. Concavader, die bei den Calopteryginen noch vollständig Äcrade oder ganz w^enig (Rhinocypha) gekrümmt verläuft, mehr oder weniger ausge- buchtet wird. Die IX. Ader steht mit der erwähnten hinteren Cubitalzinke oft derartig in Verbindung, dass sie selbst als eine Fortsetzung derselben erscheint. Nicht selten ist sie durch die Verschmälerung des Flügels mehr oder weniger reducirt, so dass sie bei Agriocnemis und noch mehr bei Disparoneura stark verkürzt erscheint, bei Palämuema nur durch eine dreispaltige Querader repräsentirt ist, bei AUoneura endlich vollständig fehlt. Bei Paraphlebia \oe Selys. hingegen ist hinter der IX. noch die X. und XI. Ader ausgebildet. Ischnura, Micromerus, Lestes, Synlestes, Platycncmis und Agriocnemis zeigen im Wesentlichen denselben Bau wäe Agrion. Im Gegensatz zum Flügel der Agrioniden entsteht derjenige der Gomphiden, Aeschniden und Libelluli den durch Complication des Calopteryginen-FIügels in Folge einer Vergrösserung der Flügelbreite, namentlich am Grunde des Hinterflügels. Der Flügel von Gomphus zeigt demnach ein dichtes Netzwerk von Adern, an dem Jedoch die ursprünglichen Fächerstrahlen so innig mit einander verbunden und zickzack- förmig gekrümmt erscheinen, dass sie sich nicht mehr so scharf wie bei den Caloptery- ginen von einander sondern lassen, sondern ein mehr minder unregelmässiges Netzwerk bilden. Die IV. und VI. Ader sind eine bedeutende Strecke hindurch vereinigt, die V. Ader daher stark abgekürzt. Die Wurzel des Cubitus verläuft anfangs quer zur Längsaxe des Flügels, knickt aber dann bald unter einem rechten Winkel um. In seinem weiteren Verlaufe entsendet der Cubitus eine schief nach hinten und gegen die Flügelbasis zu ver- laufende Zinke, die offenbar aus einer abnorm entwickelten Querader hervorgegangen ist. Die darauffolgende VIII. Concavader wird dadurch ebenfalls rechtwinkelig geknickt und ist durch eine schiefe, scheinbar concave Querader mit der Gabel des Cubitus ver- bunden, so dass die viereckige Zelle der Calopterygiden und Agrioniden in zwei Theile zerfällt, wovon der gegen den Hinterrand gelegene als »Flügeldreicck« bezeichnet wird. Einen ähnlichen Querast entsendet die darauffolgende IX. Ader in den Winkel von VIII. Der Hinterflügel zeigt denselben Bau wie der Vorderflügel, mit dem einzigen Unter- schiede, dass bei ersterem das hinter IX gelegene Analfeld viel stärker entwickelt ist, und daher auch ein dichtes Netz von Längs- und Queradern zeigt. Progomphus obscurus Ramb. zeigt im Vorderflügel eine Spur einer XI. Ader, bei Cordulegaster ist die V. Ader deutlich gegabelt und zeigt ebenso wie der Cubitus eine an beiden Enden abgekürzte Concavader. Der Flügel der Aeschniden zeigt im Wesentlichen denselben Bau wie derjenige der Gomphiden. Die concaven Adern hinter der V. Ader und dem vorderen Cubitalast Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 169 sind hier viel stärker ausgebildet als bei Cordidegaster. Die erstere von beiden verliert sich bei Anax im Flügelfelde, ohne den Hinterrand zw erreichen, während sie sich bei Aeschna deutlich bis zum Hinterrande verfolgen lässt. Anax weicht auch insoferne ab, als die VI. Concavader die Vorderzinke des Cubitus abschneidet, während letztere bei Aeschna bis zum Hinterrande parallel zur VI. Ader verläuft. Neuraeschna und Staiiro- phlehia sind dadurch ganz abweichend, dass sich die Subcosta noch ein kurzes Stück über den Nodus hinaus fortsetzt. Das Analfeld, namentlich des Hinterflügels ist viel unregelmässiger geädert als bei den Gomphiden. Der Flügel der Cordulina ist ähnlich wie bei den vorhergehenden Abtheilungen gebaut; bei Cordulia ist insoferne ein Unterschied erkennbar, als aus dem Stamm der IX. Ader im Hinterflügel noch eine kurze Concav- und eine Convexader entspringen, die vielleicht als Spuren der X. und XI. Ader anzusehen sind. Nach demselben Typus ist endlich auch der Flügel der LibelluUna gebaut. Der Stamm der vereinigten IV. und VI. Ader unterbricht nicht selten den Stamm des Cubitus, so dass derselbe in zwei Theile getrennt ist. Die IX. Ader ist bald gegabelt, bald einfac/i und meist hinter ihr noch eine Concavader (X.), manchmal sogar noch eine XI. Ader sichtbar (Libellula), bei retrathemis dagegen ist die X. und XI. Ader nicht entwickelt. Nannophya, Nannothemis und I^annodythemis sind ähnlich gebaut wie Libellula. Es Hessen sich demnach drei Typen im Flügelgeäder unterscheiden: I. Der Typus der Calopterygiden, aus dem sich der II. Typus der Agrioniden durch Verein- fachung, der III. Typus der Gomphiden, Aeschniden, Corduliden und Libellu- liden dagegen durch Complication unter gleichzeitiger Verbreiterung der Flügel ent- wickelt hat. Charakteristisch für die ganze Ordnung ist vor Allem das Verhalten der Subcosta, die nach Hagen am Nodus sich an die Costa anschmiegt und daher scheinbar erlischt oder sich nur ein kurzes Stück über den Nodus hinaus fortsetzt. Der Radius ist wie bei den Ephemeriden einfach, durch zahlreiche, oft verdickte Queradern (Stege, Nodus) mit der Costa verbunden und seine Sectoren durch eine Concavader vollständig abgetrennt. Diese ist mit der IV. Ader vereinigt und ihre gemeinsame Wurzel meist auch mit der VI. Ader verschmolzen. Die V. Ader entspringt entweder aus der III., oder ihre Wurzel ist abgeschnitten. Der Cubitus entspringt stets aus dem Radius, so dass man an der Flügelwurzel blos zwei concave Adern, die Subcosta und den Stamm der VIII. Ader, sowie zwei bis drei Convcxadern, nämlich die Costa, die gemeinsame Wurzel von III. und VII., eventuell die IX. Ader unterscheiden kann. Das dichte Zwischcngeäder, das häufige Auftreten von Schaltadern am Flügelsaume sind Merkmale, wodurch Ephemeriden und Odonaten entschieden einander ähnlich erscheinen, während sie anderseits durch den Thoraxbau, sowie ihre Musculatur schart getrennt sind. Allgemein sind die Hinterflügel der Odonaten von ähnlicher Grösse und Gestalt wie die Vorderflügel, während die Ephemeriden stets reducirte oder ver- kümmerte Hinterflügel besitzen. IV. Plecoptera (Pciiariae). Taf. X, Fig. 10—12. Als tvpisch für die ganze Ordnung kann man den Flügel von Ncmnra ansehen, ohne dass damit gesagt sein soll, dass diese Gattung etwa den Urtypus der Perliden bilden soll. Es lässt sich im Gegentheil vermuthen, dass Formen mit reicher entwickeltem Annalcn des k. k. naturliistorisclien Hol'museums. lid. I, Heft 3, i8Si3. I - lyo Josef Redtenbacher. Geäder, wie z. B. Pteronarcys, dem ursprünglichen Typus viel näher stehen, aus dem sich durch Vereinfachung und Reduction das Geäder der übrigen Perliden entwickelt hat. Im Vorderflügel von Nemiira erkennt man hinter der marginalen Costa die concave Subcosta, welche an einer Querader, die dem Nodus der Odonaten vergleichbar ist, auf- hört. Eine zweite Querader ist an der Basis zwischen Costa und Subcosta sichtbar. Der Radius verläuft gerade bis zur Flügelspitze und entsendet nach rückwärts einen gega- belten Sector, der durch eine Querader sowohl mit dem Radius, als mit der darauf- folgenden V. Ader verbunden ist. Diese entspringt aus dem Radius, entsendet gleich nach ihrem Ursprung eine Querader zum Sector radii und in ihrem weiteren Verlaufe eine Reihe von Queradern gegen den Cubitus, um sich am Ende in zwei Gabelzinken zu theilen. Unmittelbar vor ihr verläuft eine kurze Concavfurche, welche als Rest der IV. Ader anzusehen ist, während die VI. Concavader vollständig verschwunden ist. Der Cubitus ist an der Wurzel ausgelöscht und theilt sich bald in zwei Aeste, die durch eine Reihe von Queradern miteinander in Verbindung stehen. Die VIII. Ader ist als deutliche Concavfurche unmittelbar hinter dem Cubitus sichtbar und durchbricht die Querader, welche die Wurzel des Cubitus mit dem reducirten Analfeld verbindet. Die IX. Ader bildet an der Wurzel eine elliptische Zelle, welche auf eine Vereinigung von zwei Aesten deutet, während sie im weiteren Verlaufe als einfache Convexader erscheint. Dicht hinter der elliptischen Zelle, und an der Wurzel sogar mit ihr vereinigt, entspringt die gegabelte XI. Ader, während die X. Concavader fehlt. — Der Hinterflügel zeigt denselben Bau wie der Vorderflügel, doch ist sein Analfeld zu einem deutlichen Fächer ohne Concavadern ausgebildet und die V. Ader entspringt aus dem Sector radii. Leuctra zeigt im Wesentlichen den Flügelbau von Nemura, bei Capnia ist die Zahl der Queradern, die vom Vorderaste des Cubitus entspringen, auf zwei oder drei reducirt, dagegen die Subcosta durch vier Queradern mit der Costa verbunden. Taenio- pteryx ist dadurch ausgezeichnet, dass der Vorderast des Cubitus sich am Ende in drei bogenförmige Aeste spaltet. Bei Chloroperla ist der Vorderast des Sector radii am Ende gegabelt, der Hinterast aber durch die Querader, welche gegen V. in schiefer Richtung verläuft, in eine rechtwinkelige Ecke ausgezogen. In ähnlicher Weise ist auch der Hinterast von V. durch eine gegen den Cubitus verlaufende Querader geknickt. Das- selbe Verhalten zeigt Isoptei-yx, welche ausserdem durch die geringe Anzahl von Quer- adern im Cubitalfeld, sowie durch Reduction des Analfeldes im Hinterflügel ausge- zeichnet ist, der dadurch die Grösse und Gestalt des Vorderflügels angenommen hat. Perla und Dictyopteryx zeigen eine reichere Entwicklung des Geäders als Nemura, indem die Zahl der Queradern zwischen Costa und Subcosta eine viel grössere ist, und sowohl der Sector radii als der Vorderast des Cubitus sich am Ende in eine Reihe von Aesten spaltet. Den extremsten Grad zeigt Pteronarcys durch die Entwicklung eines reichen, aber ziemlich unregelmässigen Zwischengeäders, welches durch die als Concav- falte ausgebildete IV. Ader vielfach eine Unterbrechung und theilweise Verschiebung erleidet. Der Hinterast des Cubitus scheint durch die als Concavader ausgebildete VIII. Ader vollständig ausgelöscht worden zu sein. Hier wie bei Perla ist das Analfeld bedeutend mehr entwickelt als bei Ne^nura, und speciell im Hinterflügel vereinigen sich Gruppen von Fächerstrahlen zur Bildung mehrfach verzweigter Convexadern, die durch vereinzelte Queradern miteinander verbunden sind. Gerade dieselbe Bildung findet man auch im Hinterflügel der Blattiden und Mantiden, während das unregel- mässigc Netzwerk des Vordcrflügels an die Acridier erinnert. Bei Chloroperla entspringt die V. Ader im Hinterflügcl aus dem Sector radii, ebenso bei Perla, Dictyopteryx und Pteronarcys; hier scheint auch der Vorderast des Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. Cubitus aus dem Sector zu entspringen, da die Queradcr zwischen beiden ungewöhnlich kraftig ist. Während B r o n g n i a r t und S c u d d e r zwischen Pteronarcys und P h a s m i d e n eine Uebereinstimmung des Flügelgeäders herausfinden, scheinen mir die Perliden viehiiehr an die nahe verwandtenBlattiden und Mantiden, sowie auch an die Embiden zu erin- nern. Doch ist ihr Zwischengeäder mit Ausnahme von Pteronarcys nur aus vereinzelten (lueradern gebildet, und das Analfeld zeigt bei den Perliden weder die vielen Radien, noch die zahlreichen Queradern, welche die Fächer der genuinen Orthopteren charakterisiren. Als charakteristisch kann auch das Verhaken des Sector radii und der V. Ader an- gesehen werden, die im Hinterflügel mit gemeinsamer Wurzel entspringen, während im Vorderflügel der Sector aus dem Radius, die V. Ader aber selbstständig dicht hinter oder aus dem Radius entspringt. Stets ist die V. Ader sowohl mit dem Radius, resp. seinem Sector, als auch mit dem Cubitus durch eine Querader verbunden, so dass eine deutliche Basalzelle eingeschlossen wird. Bei den meisten Perliden entsendet der vordere Cubitalast eine Reihe fiederförmig gesteüter Queradern gegen die V. Ader sowohl als gegen den Hinterast. Im Vorder- und Hinterflügel ist die IV. und VIII. Ader als Concav- falte entwickelt, nur bei Pteronarcys nimmt der hintere Cubitalast vollkommen den Charakter einer Concavader an. Die VI. Ader fehlt vollständig. V. Orthoptera genuina. Taf. X, XI und XII. I. Farn. Embidae. Taf. X, Fig. 13. Sowohl in ihrem Körperbau, als auch im Flügelgeäder stehen die Embiden eine ganz eigenthümliche Gruppe dar, welche Jedoch Beziehungen zu den Termiten und Blattiden, sowie auch zu den Perliden zeigt. Concave Adern fehlen mit Ausnahme der stark ver- kürzten und undeutlichen Subcosta durchwegs, w^ohl aber sind zwischen Je zwei Convex- linien concave Falten sichtbar, welche zum Theil die von ihnen getroff'encn Queradern durchbrechen, also jedenfalls als Reste von Concavadern anzusehen sind. Die Convex- adern sind als breite hornige Streifen ausgebildet, unter denen namentlich einer beson- ders auffällt, welcher hinter dem Vorderrande verläuft und wohl als Radius zu deuten ist. Bald nach seinem Ursprünge gibt er eine zwei- bis dreizinkige Ader ab, welche dem Sector entspricht und durch eine Querader mit einer unverzweigten Längsader in Ver- bindung steht, welche ich für die V. Ader halte. Auf diese folgt der ebenfalls stark ver- hornte, gegabelte Cubitus, der bei Embia im Hinterflügel i — 2 abgekürzte Adern zwi- schen seinen Zinken zeigt. Eine kurze Ader hinter dem Cubitus ist als Rest der IX. Ader anzusehen. Queradern sind spärlich vorhanden und verbinden den Sector mit dem Radius und der V. Ader, sowie die einzelnen Zinken desselben untereinander. Die Vertheilung der Adern gleicht ungemein derjenigen der Perliden, denen die Embiden mit Ausnahme des reducirten Analfeldes wohl nahe stehen dürften. Der Ur- sprung des Sectors und seine Querader zur V. Längsader finden sich fast in derselben Weise bei den Perfiden; die abgekürzten Adern in der Cubitalgabel des Hinterflügels von Embia würden dann den Aesten entsprechen, welche der hintere Cubitalast im Vorderflügel vieler Perliden nach vorne entsendet. Dagegen lassen sich ausser der hor- nieen Beschaffenheit des Flügels und dem Mangel concaver Adern wenig Aehnlichkcits- I y2 Josef Redtenbacher. punkte mit dem Termitenflügel auffinden. Auf Grund der inneren weihlichen Organe weist Dr. H. Hagen (Canad. Entomologist, i885, Nov., Monograph of thc Embidina) die von Mac Lachlan angegebene Verwandtschaft der Embiden und Perliden zurück und behauptet, dass das Geäder der Embiden sich nur mit dem der Termiten vergleichen lasse, eine Ansicht, welche ich nicht theilen kann. Ucber die Bezeichnung der Adern bei Hagen (1. c.) konnte ich nicht vollkommen ins Reine kommen. 2. Farn. Blattidae. Taf. X, Fig. 14—16. Ohne Zweifel gehören die Blattiden zu den ältesten Insecten; ein angeblicher Ver- treter derselben (Palaeoblattina) findet sich bereits im Silur. Am nächsten den Mantiden verwandt, erinnern sie in mancher Beziehung auch an die Termiten, Dermaptera und Perliden. Die wechselnde relative Breite der Flügel, namentlich der stark verhornten Vorderflügel, bringt es mit sich, dass die Ausbildung des Geäders eine sehr verschiedene ist. Ist der Hinterflügel nicht blos der Länge nach, sondern auch der Quere nach faltbar, wie bei Eleutherodea etc., dann tritt eine Com- plication des Geäders ein, welche die Deutung der Adern oft ungemein erschwert. Am klarsten ist der Flügelbau demnach bei Formen mit relativ breiten Vorderflügeln und nur der Länge nach gefalteten Hinterflügeln, wie z. B. Periplaneta, deren Geäder zuerst besprochen werden möge. Am hornigen Vorderflügel erkennt man nebst der marginalen Costa die tief con- cave, auf der Unterseite wulstig verdickte Subcosta, die schief gegen die Mitte des Vorder- randes verläuft und einige undeutliche, schiefe Zweige (Queradern) gegen den Vorder- rand abgibt. Der Radius ist mit einer grossen Anzahl von Aesten (Sectoren) versehen, die ausnahmslos dem Vorderrande zustreben. Die nächste Ader ist concav, erlischt aber in der Mitte des Flügelfeldes, nachdem sie den Stamm der folgenden, mehrfach ver- zweigten V. Ader ausgelöscht hat. Sie ist demnach als IV. Ader oder als Verschmelzung der IV. und VI. Ader zu bezeichnen. Nun folgt der Cubitus, der sich in eine grosse An- zahl von Aesten theilt, und hinter diesem die concave VIII. Ader, die im Bogen gegen die Mitte des Hinterrandes verläuft und das Analfeld mit zahlreichen, der Längsachse des Flügels fast parallel verlaufenden Convexadern begrenzt. Im Hinterflügel mündet die Subcosta mehr gegen die Flügelspitze, weshalb der folgende, mehrfach verzweigte Radius auf einen kleineren Raum zusammengedrängt ist als im Vorderflügel. Unmittel- bar hinter ihm zieht die erst am Ende gegabelte V. Ader, deren Wurzel von der darauf- folgenden, glashell durchscheinenden Concavfalte (VI.) ausgelöscht ist. Der Cubitus ist reich verzweigt und nimmt ungefähr dieselbe Fläche ein als der Radius sammt der V. Ader; beide zusammen bilden etwas mehr als ein Drittel der ganzen Flügelfläche. Eine concave Ader (VIII) begrenzt das mit zarten, spärlichen Queradern versehene Anal- feld und unmittelbar hinter ihr zieht eine undeutliche Convexader, welche wohl als ein mehr minder aufgelöster Ast der IX. Ader anzusehen ist. Längs derselben schlägt sich das fächerartige Analfeld nach unten und gegen den Vorderrand um, da aber das ganze Analfeld fast die doppelte Breite der vorderen Flügelpartie zwischen der I. und VIII. Ader hat, wird die hintere Hälfte des Analfeldcs abermals nach hinten zurückgeschlagen, so dass ticr ganze Flügel in der Ruhelage aus drei übereinanderliegenden Blättern besteht. In der vorderen Hälfte des Analfeldcs ist auch das Geäder insoferne verändert, als die einzelnen Fächcrstralilen nicht wie in der hinteren Hälfte von einander getrennt, sondern Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten, X73 ZU einer mehrfach verzweigten Ader vereinigt sind. Einen ganz ähnhchen Flügelbau zeigen Ischnoptera morio Burm. u. A, Bei Phyllodromia erscheint der Vorderflügel relativ sehr verschmälert, und dadurch sind auch einzelne Adern, besonders das System des Cubitus wesentlich reducirt, sonst aber das Geäder ganz ähnlich wie bei Periplaneta. Im Hinterflügel ist cbenfaüs in Folge der geringen Breite des Deckflügcls eine Reduction des Geäders eingetreten, in Folge deren die V. Ader als unverzweigte Längsader, der Cubitus nur mit einer einzigen Gabel am Ende erscheint. Auch hier wird der Vordertheil des Analfeldes nach unten umge- schlagen und sind seine Adern wie bei Periplaneta, um ein festeres Ganzes zu bilden, zu einer mehrfach verzweigten Ader vereinigt. Die hintere Hälfte wird theilwcise fächer- artig zusammengeschoben und dann nach rückwärts umgeschlagen. Ectobia zeigt wieder einen anderen Typus, indem die V. Ader mit dem Radius zu einer einzigen Ader verschmolzen ist, welche nach beiden Seiten schiefe Aeste ent- sendet. Dafür ist hier der Cubitus wieder etwas mehr ausgebildet als bei Phyllodromia. Noch abweichender ist das Geäder des Hinterflügels, der an Stelle der Subcosta nur eine concave Falte zeigt. Die IV. und VI. Ader, die bei Phyllodromia nur als schwache Con- cavfurchen ausgebildet sind, haben sich hier zur Bildung einer an der Wurzel ausge- löschten Concavader vereinigt und dadurch die V, Ader verdrängt. Der Cubitus bildet eine einfache Convexader, die sich am Ende mit dem Radius zu einem unregelmässigen Netzwerk vereinigt und durch eine deutliche Concavader vom Analfeld getrennt ist. Am Ende dieser VIII. Ader liegt jenes aderlose durchsichtige Feld, welches als cam- pus apicalis triangularis bezeichnet wird und nach Saussure's geistreicher Arbeit (Ann. d. scienc. nat., 5^ ser., zool., tome lo) die Querfaltung des Flügels von Eleu- therodea etc. einleitet. Auch bei Ectobia sind die ersten Fächerstrahlen mehr minder fest miteinander verbunden, der 2. und 3. Strahl schliessen durch Verwachsung eine längliche, beiderseits zugespitzte Zelle ein. Die Qiieradern des Analfeldes sind hier wie bei Periplaneta sehr zart, und sind zwischen den einzelnen Fächerstrahlen ziemlich aus- gebildete Concavadern eingeschaltet, welche bei Periplaneta und Phjdlodromia nur durch concave Furchen vertreten sind. Wo der Hinterflügel auch der Quere nach gefaltet wird, w^ie bei Eleutherodea dytiscoides Serv., ist natürlich die Deutung des Geäders bedeutend schwieriger, doch erkennt man die concave Subcosta und hinter ihr den von der Wurzel an gegabelten Radius, hinter dem die einfache V. Ader bis zur Flügelspitze verläuft. Unmittelbar hinter dieser zieht an der Wurzel eine concave Falte, sowie der anfangs einfache, im Spitzen- theil aber gegabelte Cubitus, der durch eine concave Ader vom Analfeld getrennt ist. Dieses zerfällt wieder in eine vordere Partie mit kräftigen, durch zahlreiche Queradern verbundenen Längsadern und in einen hinteren fächerförmigen Theil mit spärlichen, zarten Queradern. Bei der Faltung legt sich der Hinterflügel einmal der Länge nach zusammen und gleichzeitig schlägt sich der Analfächer nach unten um, worauf endlich der Spitzentheil des Flügels sich nach oben gegen die Flügelbasis zurücklegt. Charakteristisch für den Blattidenflügel sind die marginale Costa, die abgekürzte, in die Mitte des Vorderrandes mündende Subcosta und die im Bogen gegen die Mitte des Hinterrandes laufende VIII. Ader. Vorderflügel mit Ausnahme der Concavadern, die im durchfallenden Lichte als helle Streifen erscheinen, verhornt, ebenso der Hinterflügel bis zur VIII. Ader, während der Analfächer häutig und glashell bleibt. Queradern sind zwar in ziemlicher Anzahl vorhanden, aber undeutlich und fein. Das Analfeld des Vorder- flügels ist stets von mehreren Adern durchzogen, welche entweder gerade oder im Bogen parallel der Längsachse des Flügels verlaufen, wodurch die Blattiden ungemein an die . „ . Josef Rcdtenbacher. Mantiden erinnern; doch fehlt jenen die für letztere charakteristische Membranula des Analfeldes ausnahmslos. Die V. Ader entspringt selbststiindig, aber mit ausgelöschter Wurzel, nur manchmal verschmilzt sie mit dem Radius. Ausser der Subcosta und Anal- ader findet sich von concaven Linien noch die VI. als Falte oder Ader ausgebildet, nicht selten mit der IV. vereinigt. 3. Farn. Mantidae. Taf. X, Fig. 17. Wie die Mantiden durch Kopf, Hinterleib, Eierablage etc. an die Blattiden erin- nern, so lassen sich auch im Flügelgeäder eine Reihe von Merkmalen feststellen, durch welche beide FamiHen mit einander verwandt sind. Als Beispiel möge Mantis dienen. Die Costa verläuft wie bei Blattiden marginal, dagegen erreicht hier die Subcosta die Flügelspitze und in Folge dessen erscheint der Radius nur spärlich und am äussersten Ende verzweigt. Eine seichte Concavfurche dicht hinter dem Radius trennt ihn von der mehrfach gegabelten V. Ader, welche wieder durch eine kurze, undeutliche Furche vom reich verästelten Cubitus getrennt ist. Als eine Wirkung Jener beiden Falten, die der IV. und VI. Concavader entsprechen, müssen die eigenthümlichen, weisslichen Flecken an- gesehen werden, die bei vielen Mantiden etwa in der Mitte der V. Ader liegen und offen- bar den Thyridien der Pa-norpen und Trichopteren entsprechen. Hinter dem Cubitus verläuft die concave VIII. Ader wie bei den Blattiden im Bogen gegen den Hinter- rand. Auch das Analfeld ist dem der Blattiden ähnlich, doch fehlt denselben die Mem- branula der Mantiden. Die IX. Ader beginnt mit zwei Aesten, die sich vor dem Hinter- rande vereinigen und auch die concave VIII. Ader aufnehmen. Die nächste gegabelte Ader wäre als XL, die beiden folgenden als XIII. anzusehen. — Im Hinterflügel erkennt man wieder die concave Subcosta, hinter ihr den unverzweigten Radius und die ihm parallel laufende, ebenfalls einfache V. Ader, welche durch eine Concavader (VI.) vom mehrfach gegabelten Cubitus getrennt ist. Hinter diesem verlauft abermals eine Concav- ader (VIII.), auf welche das fächerförmige Analfeld folgt. Wie bei den Blattiden ist die erste Fächerader einfach, hinter ihr aber verläuft eine wiederholt gegabelte Ader, welche durch Vereinigung von mehreren Fächerstrahlen entstanden ist. Zwischen je zwei Adern eine concave Falte. Der Vorderflügel zeigt ausser den normalen Adern noch eine Reihe von eingeschalteten, abgekürzten Convexadern, die wohl als Venae spuriae zu deuten sind, wie sie bei den Ephemeriden und Odonaten so häufig auftreten. Fast dasselbe Geäder, aber einfacher, zeigt Humbertiella ceylonica Sauss. Bei Iris oratoria L. ist auch der Cubitus im Hinterflügel eine einfache, unverzweigte Ader. Hoplophora valida Perty zeigt im Wesentlichen das Geäder von Mantis, im Hinter- flügel jedoch scheint die V. Ader durch die darauf folgende VI. ausgelöscht zu sein. Eigenthümlich sind die breiten, dreieckigen, netzförmig geäderten Seitenfortsätze des Pronotums von Choraedodis boidea StolL, die sich auch bei Lithomantis carbo- naria finden. Der selhstständigc Ursprung der V. Ader, die Bildung des Cubitus, sowie der Bau des Analfeldes und die marginale Costa sind Merkmale, wodurch sich die Mantiden ent- schieden den Blattiden nähern. Von concaven Adern treten in beiden Familien nur die Subcosta und Analader regelmässig auf, während die VI. Ader oft nur durch eine Falte angedeutet ist, die IV. Ader meist gänzlich fehlt. Auch zu den Perliden ergaben sich Beziehungen. Von diesen sowohl als von den Blattiden weichen die Mantiden dadurch ab, dass der Sector radii entweder ganz fehlt oder wenigstens verkümmert ist, die V. Ader Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. iy5 demnach last parallel dem Radius verläuft; von den Blattiden speciell aber unterscheiden sie sich durch den Besitz der Membranula und durch die bis zur Flügelspitze gehende, gerade Subcosta. 4. Farn. Phasmidae. Taf. X, Fig. 18; Taf. XI, Fig. 19 und 20. Gleich den Mantiden gehören auch diePhasmiden zu den ältesten Insectengruppcn; früher mit jenen in der Gruppe dQv Gressoria vereinigt, werden sie mit Recht von Brau er als eigene Familie betrachtet, die mit den Locustiden viel näher verwandt ist als mit den Mantiden. Brauer stützt seine Ansicht auf meine Beobachtung, dass den Phasmiden, so- wie den Gryllodeen, Locustiden und Acridiern ein sogenanntesPräcostalfeldzukommt, indem die Costa nicht am Vorderrand des Flügels, sondern im Flügelfeld selbst verläuft, so dass vor ihr ein mehr minder breiter Streifen sichtbar ist, welcher bald nur im Vorder- flügel (Phyllhim) , bald in beiden Flügeln auftritt (Tropidoderiis). Letzteres ist nament- lich dann der Fall, wenn die Vorderflügel, wie bei Tropidoderiis, verkümmert sind und nur kleine schuppenartige Deckflügel bilden. Dieses Präcostalfeld mangelt aber den Blattiden und Mantiden vollständig, und da diese beiden Gruppen auch anderweitig (Hinterleib, Eicrablage etc.) miteinander verwandt sind, ist es wohl nur gerechtfertigt, wenn die Mantiden zu den Blattiden, die Phasmiden dagegen zu den ihnen wohl am nächsten verwandten Locustiden gestellt werden. Die mächtige Entwicklung des Prä- costal- und Anal- (Postcostal-) Feldes sowohl, als das Geäder im Hinterflügel lassen auch Beziehungen zwischen Phasmiden und Gryllodeen erkennen. Die lederartigen Vorderflügel sind verschieden entwickelt und lassen sich aus dem Flügel von Prisopus ableiten, der im Praecostalfeld eine schief nach dem Vorderrand verlaufende Costa, aber keine Subcosta zeigt. Hinter derselben und durch eine kleine, concave Furche von ihr getrennt, verläuft der Radius, dessen hinterer Ast als V. Ader zu deuten ist, so dass Sectoren, wie im Hinterflügel der Mantiden, vollständig fehlen. Zwischen der V. Ader und dem Radius verläuft abermals eine concave Furche, ebenso zwischen V und dem mehrfach verästelten Cubitus, hinter dem noch zwei abgekürzte schiefe Con- vexadern sichtbar sind (IX und XI). Denkt man sich nun die concave Furche zwischen III und VII stark vertieft, so dass sie eine förmliche Spalte bildet, und die beiden Ränder der Spalte einander genähert, so hat man das Bild des schuppenförmig verkürzten Deck- flügels von Tropidoderiis u. A. Derselbe zeigt die schlitzförmige Falte, welche den Flügel der Länge nach in zwei Hälften theilt und sich gegen die Spitze etwas erweitert. Der Vorderrand der Falte ist vom Radius, der Hinterrand vom Cubitus gebildet, während vor ersterem im breiten Präcostalfeld noch die schiefe Costa, hinter dem Cubitus da- gegen im Postcostal- oder Analfeld die IX. und XI. Ader verlaufen. Die V. Ader aber ist in der Falte verborgen und nur am Ende des Schlitzes als convexe Ader sichtbar. Wieder eine etwas andere Gestalt zeigt der Deckflügel von Phyllium, der in Folge einer Art von Mimikrv die Form von fledernervigen Blättern nachahmt. Man erkennt wieder im Präcostalfeld die schief nach vorne verlaufende Costa, während die Subcosta fehlt; ebenso hat auch die folgende Ader, die ich für den Radius halte, sammt ihrem Hinteraste, der V. Ader, die Neigung, gegen den Vorderrand zu verlaufen. Dann folgt eine in der Längsachse des Flügels verlaufende concave Furche (VI.) und hinter ihr der Cubitus, der die Mittelrippe des scheinbaren Blattes bildet und am Ende sich in vier, ebenfalls schief nach vorn verlaufende Aeste theilt. Im Analfeld, welches relativ schmal erscheint, laufen wieder wie bei Prisopus die abgekürzte, schiefe IX. und XI. Ader. lyö Josef Redtenbacher. Der Hintcrflügel von Tropidoderus erinnert ziemlich an den der Mantiden. Doch verlauft hier die Costa, wie im Vorderflügel, nicht marginal, sondern im breiten Prä- costalfelde. Die nächste Ader ist der unverzweigte Radius, aus dem als hinterer Ast die V. Ader entspringt, und dieser folgt der gegabelte Cubitus, dessen Hintcrast jedoch durch die VIII. Concavader fast ganz ausgelöscht ist. Hinter dem Cubitus beginnt das fächer- artige Analfeld, dessen erste Adern, wie bei den Blattiden, Acridiern und Locustiden, stärker verdickt und einander genähert sind. Fast genau denselben Bau zeigt Prisopus, w^ährend PhylUum wieder ein etwas abweichendes Geäder zeigt. Vor Allem fehlt hier im Hinterflügel das Präcostalfeld; unmittelbar hinter der marginalen Costa verläuft demnach die Subcosta und der am Ende verästelte Radius, hinter diesem wieder die bogenförmig geschwungene VII. Ader, deren Wurzel von der folgenden VIII. Concav- ader ausgelöscht ist. Die V. Ader scheint vollständig zu fehlen oder ist als letzter Ast des Radius ausgebildet. Die ersten Strahlen des Analfeldes verschmelzen wie bei den übrigen Orthopteren zu einer dreizinkigen Ader, welche gegen die Flügelspitze hin läuft. Podäcanthus And. Serv., Phocylides Stäl, Necroscia And. Serv., sowie Prexaspes Stal, und Isagoras Stäl. stimmen im Geäder mit Tropidoderus überein. Charakteristisch erscheinen demnach das Präcostalfeld des Vorder-, manchmal auch des Hinterflügels während die Subcosta im Vorderflügel regelmässig, meist auch im Hinterflügel, fehlt. Radius und V. Ader einfach, letztere als Ast des ersteren erscheinend. Cubitus mindestens zweizinkig, meist aber im Hinterflügel der hintere Ast ausgelöscht. Analfeld im Vorderflügel reduciert, im Hinterflügel fächerartig ausgebildet, die ersten Adern etwas verdickt und miteinander vereinigt. Zwischen den Hauptadern des Vorder- flügels befindet sich ein dichtes, unregelmässiges Netzwerk von Adern, wie es bei den Locusten in gleicher Weise entwickelt ist. Ebenso ist auch der vordere Theil des Hinter- flügels mit einem feinen, unregelmässigen Zwischengeäder versehen, während der Anal- fächer ähnlich wie bei den Locustiden und Acridiern mit zahlreichen Queradern ver- sehen ist. 5. Farn. Saltatoria. a. Gryllodeac {Twi. XI, Fig. 21 und 22): Durch das Geäder der Flügel, durch die Verwendung des Analfeldes als Stimmorgan und durch andere Merkmale erscheinen die Gryllodeen am nächsten mit den Locustiden verwandt, mit denen sie auch durch Uebergangsformen (Gryllacris) verbunden sind. Am einfachsten stellt sich das Geäder bei Oecanthus und ähnlichen Formen dar, weshalb jene Art als Typus dienen möge. Der Vorderflügel des Weibchens ist fast symmetrisch gebaut und wird durch eine concave Längsfurche in zwei beinahe gleiche Hälften zerlegt, deren vordere zum grössten Thcile von dem Präcostalfeldc eingenommen wird. Nach vorne entsendet die Costa eine Anzahl schiefer Zweige und verschmilzt in der Mitte des Flügels mit dem darauffolgen- den unverzweigten Radius. Eine Subcosta fehlt vollständig, dagegen ist die V. Ader als unverzweigte Linie hinter dem Radius erkennbar und mit demselben durch einige Quer- adern verbunden. Die nun folgende concave Längsfalte ist demnach als Rudiment der VI. Ader anzusehen und durchläuft ein dreieckig sich erweiterndes Feld, welches am Flügelsaume einige kurze Venae spuriae zeigt. Der Cubitus verläuft anfangs einfach, verschmilzt aber von der Plügelmitte an mit dem Vorderast der darauffolgenden IX. Ader, welche eine Reihe von schiefen Aesten nach rückw'ärts entsendet. Eine weitere, von der Basis an gegabelte Ader wäre demnach als XI. zu bezeichnen. Ein wesentlich verändertes Bild aibt der zum Stimmorgan umgewandelte Vorderflügel des Männchens. Im Präcostal- Vergleichcnilc Studien über das Flügclgeädcr der Insecten. 177 Feld erkennt man leicht die Costa, die mit dem Radius durch eine Idcine Querader m Verbindung steht, während dieser wieder durch eine Querader mit der ebenfalls unver- zweigten V. Ader verbunden ist. Nun folgt die als VI. zu deutende Concavfalte und hinter ihr der einfache Cubitus, so dass der eigentliche Tonapparat blos von der IX. Ader gebildet wird. Diese lauft nämlich von der Flügelbasis schief zum Hinterrand, bildet da- selbst eine knotenartige Verdickung und wendet sich plötzlich wieder gegen den Cubitus, mit dem sie ein kurzes Stück vereinigt lauft und ein dreieckiges Feld (harpa) begrenzt, in dem einige kleine unregelmässige Adern, sowie eine rechtwinkelig geknickte Concav- ader (VIII), die parallel mit IX verläuft, sichtbar sind. Ausserhalb der IX. Ader erkennt man ein eiförmiges Feld (Tympanum), welches von drei schiefen Aesten der IX. Ader durchzogen ist und von zwei parallel im Bogen verlaufenden Radadern, die ebenfalls Aeste von IX darstellen, begrenzt wird. Im Hinterflügel fehlt das Präcostalfeld, die Costa lauft also marginal und unmittel- bar hinter ihr die Subcosta und der unverzweigte Radius. Mit Minder Wurzel entspringt die dreizinkige V.Ader und hinter ihr der fast von der Basis an gegabelte Cubitus, zwischen dessen beiden Aesten die Flügelhaut etwas hornig verdickt ist. Nun folgen eine abge- kürzte Concaväder (VIII), die gegabelte IX. Ader und der übrige Theil des Analfächers, zwischen dessen Strahlen je eine abgekürzte Concaväder eingeschaltet ist. Q_ucradern finden sich zwischen je zwei Adern, jedoch nicht in übergrosser Anzahl. Nach dem Typu« von Oecanthus lässt sich auch der Flügel von Grvlhis leicht deuten. Costa submarginal mit zahlreichen schiefen Aesten, die durch Queradern mit- einander in Verbindung sind. Radius verdickt, am Ende mit unregelmässigem Netzwerk von Adern; V. Ader dünn, in zwei Aeste auslaufend. Cubitus wieder verdickt, durch Queradern mit der IX. Ader verbunden, welche mit ihren zahlreichen Aesten und Quer- adern ein dichtes Netzwerk darstellt. Einige Längsadern, welche von der Flügelbasis gegen den Hinterrand verlaufen, sind als XI zu bezeichnen. Beim Flügel des Männchens sind die homologen Adern ebenfalls leicht zu erkennen. Hinter der vielästigen Costa sieht man den Radius, die V. Ader und den Cubitus, während das breite, unregelmässig geäderte Analfeld von der winkelig geknickten IX. Ader und der unmittelbar vor ihr ver- laufenden concaven VIII. Ader durchzogen wird. Ein Rest der XI. Ader zieht als kurze, schiefe Linie von der Wurzel zum Hinterrand. Im Hinterflügel erkennt man die margi- nale Costa, die Subcosta, den stark verdickten Radius, ferner die dreizinkige V. Ader und den hornigen, gegabelten Cubitus. Hinter diesem folgt eine Längsader mit oblite- rirtcr Wurzel, dann der eigenthche Fächer, von dessen Strahlen einer sehr verdickt und an der Basis mit den zwei folgenden Adern vereinigt ist. Die hinter dem Cubitus ge- legene Ader ist wohl auch als Fächerstrahl aufzufassen. — Die feste Verbindung und An- ordnung der Fächerstrahlen erinnert ungemein an den Flügel der ForflcuHden. Der Deckflügel von Gryllotalpa erinnert vollständig an den von Giyllus, nur ist das Gcäder nicht so dicht netzartig als bei dieser. Der Radius endet in drei Zinken, die V. Ader ist einfach, aber S-förmig gebogen, der Cubitus am Ende gegabelt, an der Wurzel eine kurze Strecke mit der dreitheiligen IX. Ader vereinigt. Eine Gabelader am Hinterrande ist als XI. Ader anzusehen. Der Hinterflügel stimmt vollständig mit dem von Gryllus überein. Der Deckflügel des Männchens von Cachoplistus Rogenhof eri Sauss. ist ganz nach dem Typus von Gryllus geädert, mit dem einzigen wesentHchen Unterschiede, dass die submarginale Costa nicht einmal die Hälfte des Flügels an Länge erreicht und schief gegen den Vorderrand verläuft, dafür aber die Subcosta als concave Ader ausgebildet ist. Wie bei Gryllus erscheint das harfenförmige Feld verhältnissmässig kurz und breit, das Tympanum mehr rundlich als bei Oecanthus. 78 Josef Redtcnbachcr. Der Deckflügel der Gryllodeen ist demnach ausgezeichnet durch den fast parallelen Verlauf der Convexadern (I — IX) und dadurch, dass der Radius, Cubitus und die V. Ader entweder einfach oder nur spärlich verästelt sind, während die I. und IX. Ader ein reiches, netzartiges Geäder im Präcostal-, resp. Analfelde abgeben. Concave Adern fehlen mit geringen Ausnahmen, sind aber manchmal (Gryllus, Gryllotalpa) durch concave Furchen vertreten. Im Hinterflügel ist die Costa marginal, dafür die Subcosta stets entwickelt, der Radius einfach und stark verhornt, ebenso der gegabelte Cubitus, während die V. Ader aus mehreren feinen Zweigen zusammengesetzt ist. Der Analfächer ist im Hinterflügel stark ausgebildet, aus convexen Adern und dazwischen eingeschalteten, mehr minder abgekürzten Concavadern zusammengesetzt. Im Ruhezustande werden die Hinterflügel fächerartig gefaltet und ausserdem spiralig eingerollt, so dass sie als hornige Spitzen unter den Deckflügeln hervorragen. Die Gryllodeen dürften den Locustiden am nächsten stehen, unterscheiden sich aber von ihnen im Geäder, namentlich dadurch, dass im Vorderflügel des Weibchens alle Convexadern dicht nebeneinander in paralleler Richtung gegen die Flügelspitze ziehen und vorne und hinten das dicht geäderte Präcostal-, resp. Analfeld frei lassen. Die Analader geht demnach auch hier nicht zum Hinterrande, sondern zur Flügelspitze; doch ist sie meist nur durch eine Falte angedeutet. Beim Männchen entwickelt sich das Analfeld viel kräftiger als das Pracostalfeld und wird zum unrcgelmässig geäderten Stimmapparat. Die V. Ader entspringt in beiden Flügeln frei, Radius und Cubitus sind im Hinterflügel mehr minder verhornt. b. Lociistidae (Taf. XI, Fig. 23 und 24; Taf. XII, Fig. 25 — 3o): Durch das Spring- vermögen, den Bau der Abdominalanhänge etc. schhessen sich die Locustiden am nächsten an die Gryllodeen. Der Habitus der Gryllodeen ist am meisten von Gryllacris und einigen verwandten Gattungen nachgeahmt, welche auch im Flügelgeäder von den echten Locustiden etwas abweichen. Die Costa verläuft bei Gryllacris submarginal, schief gegen die Mitte des Vorderrandes. Die Subcosta ist deutlich ausgebildet, und un- mittelbar hinter ihr verläuft der am Ende mehrfach verzweigte Radius. Die V. Ader ent- springt als hinterer Ast des Radius und theik sich ebenfalls am Ende in mehrere Zweige. Die nächste Ader ist concav und als VI. zu deuten, dann folgt der Cubitus, von der Mitte an in mehrere Aeste getheilt, und hinter ihm die concave VIII. Ader. Das Anal- feld zeigt die vom Grunde an getheilte IX., sowie die gegabelte XI. Ader. Im Hinterflügel verläuft die Costa marginal, hinter ihr die Subcosta und der am Ende gegabelte Radius, aus dem die mehrfach verzweigte V. Ader entspringt, deren Stamm jedoch theihveise concav erscheint und sich am Grunde als concave Ader fortsetzt. Diese Concavader, welche die V. Ader quer durchsetzt, muss demnach aus zwei Stücken zusammengesetzt sein, von welchen das basale hinter V liegt und als VI anzusehen ist, während das äussere Stück derselben die IV. Ader darstellt, welche dem Stamm der V. so nahe gerückt ist, dass sie denselben mit Ausnahme der Aeste verdrängt. Die Wurzel dieser V. Ader erscheint als schiefe, gegen den Radius verlaufende Querader. Die hinter V laufende Ader ist convex und als gegabelter Cubitus anzusehen, dessen Vorderast am Grunde ausgelöscht ist und sich dann mit dem Hinterast vereinigt. Dann folgt die concave VIII. Ader und der aus abwechselnden Convex- und Concavadern zusammengesetzte Analfächer.') 1) In manchen Punkten ist meine Deutung des Flügelgeäders nicht ganz sicher, vielleicht sogar unrichtig, da mir zur Untersuchung nur Exemplare mit zerknitterten Flügeln vorlagen. Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. i yc) Unter den Locustiden bildet Moristiis eine interessante Form dadurch, dass nicht blos im Vorder-, sondern auch im Hinterflügel ein Präcostalfeld erscheint. Im Vorder- flügel läuft die Costa dicht neben dem Radius, so dass die Subcosta unterdrückt ist. Unter den zahlreichen schief gegen den Vorderrand verlaufenden Zweigen der Costa fällt ein von der Wurzel entspringender durch seine Stärke auf. Der Radius entsendet eine Reihe von Sectoren nach rückwärts, ebenso die V. Ader, die aus dem Cubitus ent- springt und fast parallel dem Radius verläuft. Der Cubitus selbst theilt sich in zwei Aeste, von denen der vordere der V. Ader parallel zieht und nach hinten eine Anzahl von schiefen Zweigen abgibt, während der hintere einfach gegen den Hinterrand ver- läuft. Die nächste Ader ist die concave VIII., welche das reducirte Analfeld begrenzt, dessen Adern schwer zu deuten sind. Im Hinterflügel zieht die Costa, wie im Vorder- flügel, dicht neben dem Radius, dann folgt eine schwache Concavfurche (IV) und die am Ende mehrfach verzweigte V. Ader, an der Wurzel mit dem Cubitus vereinigt, dessen beide Gabelzinken anfangs fast parallel laufen. Eine feine Concavlinie (VIII) hinter dem Cubitus begrenzt den Analfächer. Aus dem Flügel von Moristiis lässt sich derjenige von Locusta, Terpnistria, Decticiis, Platycleis etc. ohne Schwierigkeit ableiten. Die Costa erreicht schon in der Mitte ungefähr den Vorderrand, dafür ist die Subcosta als deuthche Concavader unmittel- bar vor dem Radius erkennbar, der einen am Ende mehrfach verzweigten Sector nach rückwärts entsendet. Auch die V. Ader ist mit zahlreichen Zweigen nach rückwärts ver- sehen und entspringt aus dem Cubitus, der entweder einfach gegen den Hinterrand zieht (Dccticus), oder eine kleine schmale Gabel erkennen lässt (Locusta). Im Hinterflügel fehlt das Präcostalfeld, und parallel der marginalen Costa ziehen die deutlich entwickelte Subcosta, sowie der oft unverzweigte Radius. Die V. Ader entspringt, wie im Vorder- flügel, aus dem Stamme des Cubitus und theilt sich am Ende in eine Reihe von Aesten. Möglicherweise Jedoch gehören diese Aeste zum Theile einem Sector radii an, dessen Wurzel als kräftige, schiefe Qiierader ungefähr in der Mitte des Radius entspringt, in ihrem weiteren Verlaufe aber mit den Enden der V. Ader verschmilzt. Der Cubitus selbst bildet eine schmale Gabel, deren vordere Zinke sich an die Aeste der V. Ader anlegt. Die VIII. Ader ist deuthch concav, aber nur zur Hälfte ausgebildet, da sie von der Mitte an bis zum Flügelsaume mit dem hinteren Aste des Cubitus vereinigt ist. Der Anal- fächer besteht aus abgekürzten Concav- und Convexadern, von denen die vordersten zwei bis drei gewöhnlich stark verdickt sind. Der Flüael der Phaneronterid en stimmt im Wesentlichen mit dem von Locusta, Platycleis etc. überein. Im Vorderflügel legt sich die Costa dicht an die Subcosta an, so dass das Ende der letzteren convex erscheint. Der letzte Sector radii ist am Ende verzweigt, dafür aber verläuft die V. Ader ohne stärkere Zweige; der Cubitus erscheint einfach. Im Hinterflügel legt sich der Vorderast des Cubitus nicht blos an die Aeste der V. Ader an, wie bei Platycleis, sondern durchsetzt dieselben sogar in schiefer Rich- tung bis zur Flügelspitze. Bei Meronidius nimmt der Vorderast des Cubitus das Aus- sehen einer schiefen QjLierader gegen die V. Ader an. — Hier sowohl als bei Arantia erscheint die gemeinsame Wurzel von V und VII fast concav, offenbar durch die ver- loschene IV. und VI. Concavader unter das Flügelniveau hinuntergedrückt. Einen etwas abweichenden Typus bildet Akicera euryscelis Schaum, durch die gewundene Costa, sowie dadurch, dass die V. Ader im Vorderflügel als separater Stamm aus der Flügelwurzel entspringt, anfangs dicht hinter dem Radius verläuft, dann aber sich in zwei stärkere, schief nach hinten ziehende Aeste theilt. Hinter dem mehrfach verästelten Cubitus und der concaven VIII. Ader erkennt man die einfache IX. Ader, I 8o Josef Redtenbacher. während die XI. nach hinten eine Reihe schiefer Zweige entsendet. Im Hinterflügel entspringt die V. Ader als Ast des Radius und steht durch eine schiefe Querader mit dem gegabelten Cubitus in Verbindung. Hinter der concaven VIII. Ader beginnt der aus ab- wechselnden Concav- und Convexlinien zusammengesetzte Analfächer. Schon bei den Locustiden und Phaneropteriden sind Fälle von Mimikry Iveine Seltenheit, noch mehr ist dies in der Zunft der Pterochrozeen der Fall, deren Flügel oft auf das Täuschendste Blätter verschiedener Pflanzen sammt den darauf befindlichen Rostflecken etc. nachahmen. Die Folge davon ist, dass auch das Geäder derartige Ver- änderungen erleidet, dass eine allgemeine Charakteristik des Locustidenflügels bedeutend erschwert, wenn nicht gar unmöglich erscheint. Als eines der vielen Beispiele dieser Art sei Cyrtopliyllus perspicillatus Burm. erwähnt, dessen Flügel die im Bogen gegen die Mitte des Vorderrandes verlaufende submarginale Costa und dahinter die concave Subcosta erkennen lassen, die jedoch bald mit dem unregelmässig verzweigten Radius verschmilzt. Der Cubitus entsendet bald nach seinem Ursprung die am Ende gegabelte, dem Radius parallel verlaufende V. Ader und gibt kurz vor seinem Ende am Hinter- rande einen vorderen, gegabelten Ast ab, der ebenfalls ungefähr die Richtung des Radius nimmt. Die concave VIII. Ader begrenzt das kleine, dreieckige Analfeld. Phyllopho7-a media Wlk. weicht insoferne ab, als durch Aneinanderlagerung von Costa und Radius die Subcosta wie bei Moristus vollkommen unterdrückt wird. Wie bei den Gryllodeen sind auch bei den männlichen Locustiden die Flügeldecken zum Stimmapparat geworden, und wie bei jenen ist auch hier das Analfeld dazu umge- wandelt w^orden. Thamnotri:[on zeigt den extremsten Fall, da hier der Flügel durch Re- duction ausschliesslich die Function eines Toninstrumentes übernommen hat, während gleichzeitig die Hinterflügel vollkommen verkümmert sind. Beide Deckflügel stellen rundliche Schuppen dar, welche am Aussenrande zuerst eine concave Furche als Rudiment der Subcosta, dann drei kräftige, am Ende unregel- mässig und dicht netzartig verzweigte Convexstämme erkennen lassen. Letztere stellen den Radius, die V. Acler und den Cubitus dar und sind durch eine concave Falte vom Analfelde getrennt. Die IX. Ader lauft, ungefähr parallel dem Cubitus, im Bogen gegen den Hinter- (Innen-) Rand und gibt nach hinten zwei Aeste ab, die sich im Bogen wieder mit der Hauptader vereinigen, so dass sie ein rundliches oder polygonales Feld ein- schliessen, welches auf dem linken Flügel unregelmässig geädert, auf dem rechten da- gegen glashell erscheint. Jene beiden Aeste sind auf dem rechten Flügel zart, auf dem linken aber, besonders der gegen die Flügelbasis zu gelegene, stark verdickt und letzterer ausserdem auf der Unterseite fein gerippt, so dass er gewissermassen als Fidelbogen er- scheint, während der erhabene Rand des glashellen Feldes auf dem rechten Flügel als Saite dient. Am Grunde ist endlich auch die XI. Ader, wenn auch nur undeutlich, er- kennbar. Bei den übrigen Locustiden ist im Wesentlichen der Stimmapparat nach dem- selben Plane angelegt wie bei Thamnotriion. Durch die Verwendung des Flügels als Stimmapparat, namentlich aber durch die Nachahmung von Blättern, erscheint, wie oben erwähnt, eine allgemeine Charakteristik des Locustidenflügels fast unmöglich. Ein Präcostalfeld ist im Vorderflügel ausnahmslos, im Hinterflügel manchmal (Moristus) vorhanden. Die Subcosta häufig verschwunden, im Hinterflügel dagegen meist vorhanden, bei Moristus fehlt sie auch im Hinterflügel. Radius sehr verschieden ausgebildet. Die V. Ader entspringt entweder selbstständig, dicht hinter dem Radius (Vorderflügcl von Akicera), oder aus dem Radius (Gryllacris), oder, namentlich im Hinterflügel, aus dem Cubitus. Dieser meist eine schmale Gabel bildend, selten mehrfach verästelt. Analfcld im Vorderflügel reducirt oder zum Stimmorgan ver- Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. wendet, im Hinterflügel als F'ächer ausgebildet und aus abwechselnden Concav- und Convexadern zusammengesetzt; von letzteren sind namentlich die vordersten häufig ver- dickt, erstere oft abgekürzt oder durch Falten ersetzt. — Concave Adern sind ausser der Subcosta und VIII. Ader in der, Regel nicht ausgebildet oder durch Falten ersetzt, nur bei Akicera und einigen anderen Arten sind je zwei Convexadern durch eine mehr minder abgekürzte Concavader getrennt. Zwischengeäder im Vorderflügel und theil- weise auch im Hinterflügel (Phancroptera) dicht, netzartig, unregelmässig. Von den Phasmiden und Grvllodeen sind die Locustiden dadurch verschieden, dass ihre Convexstärame nicht so enge zusammengedrängt erscheinen, der Sector radii in Folge dessen viel deutlicher entwickelt ist als bei jenen. Dagegen ist der Cubitus in der Regel auf eine schmale Gabel reducirt, selten (Moristus) reichlicher verzweigt. Die V. Ader zeigt ein sehr verschiedenes Verhalten. Die Analader mündet im Vorderflügel nicht wie bei den Grvllodeen an der Flügelspitze, sondern nahe der Basis; nur bei Gryl- lacris und Akicera ist das Ende derselben mehr gegen den Apicaltheil des Flügels hin- ausgerückt. Die hornigen Radial- und Cubitalfelder im Hinterflügel fehlen den Locusti- den durchwegs. c. Ac?-ididac (Taf. XII, Fig. 3i — 34): Wenn auch die Locustiden sich von den Acridiern durch die Fühler, den Bau des Stimmapparates, sowie durch die Legerühre des Weibchens und andere Merkmale leicht unterscheiden lassen, zeigt doch das Flügel- geäder eine solche Achnlichkeit, dass sich in dieser Beziehung eine scharfe Grenze nicht ziehen lässt. Gerade die Gattungen Bulla und Pneumora, die durch ihren Zirpapparat und den Mangel des Sprungvermögens von den übrigen Acridiern scharf getrennt sind, zeigen ein Geäder, wie wir es auch bei Akicera und anderen Locustiden finden. Bei Bulla verläuft die Costa in schiefer Richtung durch das deutlich entwickelte Präcostal- feld. Hinter der concaven Subcosta lauft der Radius, am Ende in mehrere Aeste getheilt, und dicht neben ihm die gegabelte V. Ader, während der Cubitus als einfache Ader gegen den Hinterrand zieht. Möglicherweise ist jedoch sein Hinterast durch die darauf- folgende Concavader (VIII) ausgelöscht worden. Das Analfeld zeigt die einfache IX. und XI. Ader. Im Hinterflügel fehlt das Präcostalfeld; hinter der Subcosta lauft der am Ende mehrfach getheilte Radius, der an seiner Wurzel mit der gegabelten V. Ader verwach- sen ist, die bei den meisten Locustiden mit dem Cubitus an der Wurzel vereinigt ist. Dieser ist wie im Vorderflügel einfach, hinter ihm die concave VIII. Ader, auf welche der Analfächer folgt, der aus zahlreichen Convexadern und dazwischen eingeschalteten, undeutlichen Concavadern besteht. Wie bei den Locustiden sind auch hier die drei ersten Convexadern inniger miteinander verbunden und besonders die mittlere der- selben stärker verdickt ; sie durchziehen ein Feld , welches sich nach vorne um- schlägt, während der übrige Theil des Analfeldes fächerartig nach rückwärts zusammen- gelegt wird. Die grosse Masse der Acridier zeigt ein äusserst übereinstimmendes Geäder, welches am Flügel von Psophus sich folgendermassen zeigt. Das besonders am Grunde erweiterte Präcostalfeld enthält die Costa, sowie eine mehr minder ausgebildete Vena spuria vor derselben. Hinter der concaven Subcosta zieht der am Ende mehrfach verästelte Radius, an den sich die gegabelte V. Ader an der Wurzel so dicht anlegt, dass sie fast als Ast desselben erscheint. Der Ursprung dieser V. Ader erscheint fast concav, w^ohl in Folge der obliterirten IV. und VI. Ader. Der Cubitus erscheint ebenfalls am Ende in zwei Aeste getheilt und steht durch eine Querader mit den Zinken der V. Ader in Verbindung. Venae spuriae treten zwischen je zwei convexen Zweigen sowohl des Radius und der V. Ader, als auch des Cubitus auf. Die VIII. Ader ist deutlich concav und begrenzt das §2 Josef Redtenbacher. Analfeld, welches von zwei am Ende verschmolzenen Convexadern (IX und XI) durch- zogen wird, denen gelegentlich noch eine Vena spuria folgt. Der Hinterflügel entbehrt des Präcostalfeldes, der Radius erscheint daselbst ärmer an Zweigen, und die V. Ader ist an der Wurzel völlig mit demselben vereinigt. Der Cubitus erscheint als einfache Ader, gefolgt von der concaven VIII. Ader, welche in einen einspringenden Winkel mündet. Im Analfelde sind die drei vordersten Convexadern etwas stärker ausgebildet und begrenzen eine Fläche des Flügels, welche sich hei der Faltung nach vorne umlegt. Venae spuriae sind auch in diesem Felde besonders zwischen dem ersten und zweiten Fächerstrahl vorhanden. Der übrige Theil des Analfeldes besteht aus regelmässig ab- wechselnden Concav- und Convexadern. Das Geäder der übrigen Acridier zeigt nur geringe Abweichungen. Bei Stetho- phyma, Stenobothrus elc. erscheinen im Vorderflügel auch concave Adern zwischen den Enden der Convexäste, sie sind als Reste des ursprünglichen, fächerartig gebildeten Flügels anzusehen. Im Hinterflügel von Pachytyliis ist der Cubitus am Grunde durch die vorhergehende VI. Ader concav, bei Stenobothmis nigromaculatus scheint derselbe vollständig zu fehlen. Bei Gomphocerus, Pachytjdiis, Oedipoda etc. treten auch im fächerartigen Theile des Analfeldes zahlreiche Venae spuriae, namentlich am Flügel- saume, auf. Bei lYtixalis ist der Cubitus im Hinterflügel obliterirt durch das Aneinan- derrücken der VI. und VIII. Concavader. Bei Petasia ist wohl der Cubitus ausgebildet, dafür aber die V. Ader in Folge der Vereinigung der IV. und VI. Ader wenigstens am Grunde ausgelöscht. Bei derselben Gattung ist auch der Vordertheil des Analfeldes eigen- thümlich gestaltet, indem die zweite und dritte Fächerader durch eine Querader in Ver- bindung treten, welche ein lanzettförmiges Feld mit zahlreichen parallelen Queradern begrenzt, das einigermassen dem Discoidalfeld mancher Stenobothrus -Arten ähnlich sieht. Bei Tettix besteht der Hinterflügel fast nur aus dem Analfelde. Da nämlich bei den ver- kümmerten Deckflügeln die Hinterflügel nur von dem langen, aber schmalen Scutellum bedeckt werden, hat der vorderste Theil des Flügels, von der Costa bis zur VIII. Ader, eine weitgehende Reduction erfahren, welche eine Deutung der Adern sehr erschwert. Das Präcostalfeld ist obliterirt. Hinter der Subcosta zieht der unverzweigte Radius, der an der Wurzel mit der nur am äusscrsten Ende gegabelten V. Ader vereinigt ist. Der Cubitus bildet eine einfache, schiefe kurze Ader und scheint bei manchen Arten (T. de- pressa) ganz zu fehlen. Nun folgt die concave VIII. Ader und der regelmässige, zier- liche Analfächer. Ein allgemeiner Charakter lässt sich für das Flügelgeäder der Acridier ebenso wenig als für die Locustiden aufstellen; Bulla und Pneumora bilden einen Uebergang zu manchen Locustiden {Akicera etc.). Das Präcostalfeld ist stets, aber nur im Vorder- flügel vorhanden und häufig von einer Vena spuria durchzogen. Die V. Ader entspringt im Vorderflügel frei, legt sich aber dann dicht an den Radius an, mit dem sie im Hinter- flügel am Grunde eine Strecke völlig verschmilzt. Der Cubitus ist im Vorderflügel meist gegabelt, im Hinterflügel dagegen stets einfach und manchmal durch die Einwirkung der VI. und VIII. Ader ganz ausgelöscht. Letztere erreicht den Hinterrand nahe der Flügelspitze; das Analfeld selbst ist im Vorderflügel lang und schmal, im Hintcrflügel regelmässig fächerartig, die drei ersten Strahlen etwas kräftiger und miteinander theil- weise vereinigt. Ausser dem dichten netzartigen Zwischengeäder des Vorderflügels treten häufig zwischen je zwei Convexadern noch kleine, wellenförmig gekrümmte Venae spu- riae auf. Als Zirporgan fungiren bei den Acridiern der Radius nebst der V. Ader, die von den innen gerippten Schenkeln gestrichen werden, wobei das oft stark erweiterte Feld zwischen der V. und VII. Ader als Resonanzboden dient. Bulla und Pneumora Versleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. i83 bilden eine Ausnahme, indem nicht die Flügelrippen, sondern gezähnclte Chitinleisten an den Seiten des hlasenförmig aufgetriebenen Hinterleibes von den Hinterfüssen ge- strichen werden. VI. Corrodentia. Taf. XII, Fig. 35-38. Brauer vereinigt in dieser Ordnung nebst den flügellosen Mallophagen die Familien der Termiten und Psociden, die, miteinander in mancher Beziehung ver- wandt, im Flügelgeäder wesentlich von einander abweichen. Andererseits erinnern die Termiten, wie bereits Hagen ausgesprochen hat, durch ihre trüben, stark chitinisirten, undeutlich geäderten Flügel an die Blattiden. Als Beispiel für die Termiten möge der Flügel von Termes lucifugns gelten, der mehr minder glashell und durchsichtig ist. Derselbe zeigt parallel der marginalen Costa drei convexe Längsaderstämme, nämlich den unverzweigten Radius, die am Ende verästelte V. Ader und den Cubitus, der nach rückwärts eine grosse Anzahl von Aesten entsendet. Concave Adern fehlen vollständig, nur vor und hinter der V. Ader ist eine sehr undeutliche, flache Furche als Stellvertreter von Concavadern zu erkennen. Venae spuriae dagegen treten zwischen Radius und V. Ader, zwischen V. Ader und dem Cubitus, endlich zwischen den einzelnen Aesten des letzteren auf. Das Analfeld ist in beiden Flügelpaarcn obliterirt. Bei Termes dives Hg. verzweigt sich die V. Ader viel reicher als bei Termes lucifugus, noch mehr ist dies auf Kosten des Cubitus bei Hodotermes briinneicornis Hg. der Fall, während sie bei Termes testaceus als einfache Ader zur Flügelspitze geht. Bei Calotermes legt sich die V. Ader weit vor der Flügelspitze an den Radius an, und dieser entsendet eine Reihe von schiefen Aesten nach vorne. (Quieradern scheinendenTermiten vollständig zu fehlen.) Eigenthümlich ist ferner die quere Theilungsfalte am Grunde der Flügel, längs welcher sie abfallen. Eine Erklärung dieser Bildung ist noch ausständig, bei der oben erwähnten Verwandtschaft mit den Blattiden aber wäre zu erwägen, ob nicht diese Theilungsfalte durch ein Aneinanderrücken der Subcosta und der VIII. Concavader, die ja bei Blattiden gleich von der Wurzel an gegen den Vorder-, resp. Hinterrand verlaufen, entstanden ist. Da Concavadern nach Adolf eine Verdünnung der Flügelplatten erzeugen, wäre ein Abbrechen der Flügel längs dieser Adern erklärlich. Im Flügel von Caecilius flavidiis Steph., wenn wir denselben als Vertreter der Psociden wählen, erkennt man ebenfalls drei Convexstämme, den Radius, der am Ende mit dem nach rückwärts abgehenden Sector ein trübes Pterostigma einschliesst, ferner den Cubitus mit zwei Aesten, von denen der vordere in drei, der hintere in zwei Zinken getheilt ist, endlich die einfache IX. Ader. Die V. Ader entspringt als Ast aus der Mitte des Radius, legt sich ein kurzes Stück an den vorderen Ast des Cubitus und endet in eine kleine Gabel. Von concaven Adern ist nur die VIII. ausgebildet, IV und VI sind durch seichte Falten angedeutet, die Subcosta scheint vollständig zu fehlen. Im Hinter- flügel erkennt man leicht den einfachen Radius mit der gegabelten V. Ader, die auch hier eine kurze Strecke mit dem vorderen Ast des gegabelten Cubitus verschmolzen ist. Dann folgt noch die concave VIII. Ader, während das Analfeld vollständig fehlt. — Bei Stenopsocus sind Radius und V. Ader durch zwei Queradern verbunden, letztere berührt nur in einem Punkte den Vorderast des Cubitus, der durch eine Querader mit dem hinte- ren, gegabelten Aste verbunden ist. Die IX. Ader ist hier auch im Hinterflügel vor- handen. Bei Psociis tritt auch die Subcosta iüs kurze Concavader im Vorderflügel auf. Die äussere Querader zwischen Radius und V. Ader ist von der durchgehenden Concav- i84 Josef Redtcnbacher. taltc aufgelöst, und im Cubitus legt sich der hintere Gabelast eine kurze Strecke an den dreizinkigen vorderen Ast an, so dass eine viereckige Zelle zwischen den beiden Cubital- ästen abgeschnitten wird. Bei Thyrsophonis pennicornis Burm. erscheint diese Zelle unregclmässig und dicht netzartig geädert. Vergleicht man demnach die Flügel der Termiten und Psociden, so ergibt sich kaum ein anderer Aehnlichkeitspunkt als die geringe Anzahl von Concavadern. Wäh- rend der Termitenflügel mehr minder trübe, verhornt ist und wenige Hauptstämme mit undeutlichen Acsten zeigt, ist der Flügel der Psociden durchsichtig, mit verhältnissmässig grossen Flügelzcllen, nur selten mit einem dichten, netzartigen Zwischengeäder im Cubital- svstem. Hinterflügel kleiner und noch einfacher geädert als der Vorderflügel. — Manche Psvlliden und Aphiden zeigen ein ähnliches Geäder wie die Psociden, ebenso auch manche Hvmenopteren ; doch dürfte diese Aehnlichkeit nicht auf wirkliche Verwandt- schaft, sondern auf gleichartige Anpassung zurückzuführen sein. VII. Thysanoptera. Diese Gruppe, von Brauer als eigene Ordnung betrachtet, besitzt schmale, lange, am Rande gewimperte Flügel, die entweder gar keine oder nur vereinzelte Adern be- sitzen und daher eine sichere Deutung unmöglich machen. VIII. Rhynchota. A. Homoptera. Taf. XIII, Fig. 39-43- 7. Fulgoriua. Unter den sämmtlichen Hemipteren treten die Fulgoriden am frühe- sten auf und erweisen sich auch durch das mehr minder reiche Zwischengeäder als Formen von älterem Ursprünge als die Cicadincn, Heteropteren etc. Am Vorderflügel von Fiili^ora laternaria L. erkennt man leicht zwei concave Adern, die Subcosta und die VIII. (Anal-) Ader, welche letztere den dreieckigen Clavus vom Vordertheil des Flügels abtrennt. Aus gemeinsamer Wurzel entspringen drei am Ende reich verästelte Hauptstämme, welche dem Radius sammt seinem Sector und der V. Ader entsprechen. Der ebenfalls reichlich verzweigte Cubitus ist an seiner Wurzel obliterirt, steht aber da- für durch eine kräftige Querader mit dem gemeinsamen Ursprung des Radius und der V. Ader in Verbindung. Untereinander sind die Aeste und Zweige der Längsadern durch zahlreiche Queradern verbunden, so dass ein dichtes Netz von Adern entsteht. Der Clavus entspricht dem reducirten Analfelde, wie es sich auch bei Orthopteren, Hymenopteren etc. vorfindet, und ist von zwei Adern durchzogen, die als IX. und XI. Ader aufgefasst wer- den können. Im Hinterflügel sind Radius und V. Ader von der Wurzel an getrennt und durch eine schwache Concavfurche geschieden. Ebenso ist der Cubitus, der sich in zwei Aeste gabelt, von der V. Ader durch eine Falte getrennt, welche theilweise den Charakter einer Concavader annimmt. Auch die folgenden Convexadern sind regelmässig durch mehr oder weniger ausgebildete Concavadern getrennt, von welchen die der VIII. Ader entsprechende in einen einspringenden Winkel mündet. Nur die Subcosta ist als deut- liche Concavader ausgebildet. Im Analfelde laufen vier Convexadern, je zwei an der Wurzel vereinigt, weshalb das erste Paar als IX., das zweite als XI. Ader zu bezeichnen ist. Ccncstra circulata zeigt im Geäder grosse Aehnlichkeit mit Fiilgom. Im Vorder- flügel bestellt der Cubitus aus einem vonlercn, vielfach verästelten, und aus einem Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insectcn. l85 hinteren, einfachen Theile. Im Hinterflügel fehlt die Suhcosta, der Cuhitus ist viel mäch- tiger ausgebildet als bei Fulgora, die VIII. und X. Ader deutlich concav. Die beiden Aeste der IX. Ader sind eine Strecke an der Wurzel vereinigt, die XI. Ader bildet erst am äussersten Ende eine kleine Gabel, und ihr Stamm ist durch die concave X. Ader zum Theil obliterirt. — Poiocera, Poeciloptera, Pocha:{ia, Nephesa, Phrictiis, Glado- diptera und Pseudophana zeigen ebenfalls das Geäder von Fiilf^ora mit untergeordneten Abweichungen. Die Subcosta ist Allen verloren gegangen, sowohl im Vorder- als im Hinterflügel. Bei Phrictus zeigt der zweite, reich verzweigte Längsstamm im Vorder- flügel den Bau der V. Ader von Fulgora und Cenestra, so dass dann als Cubitus die ein- fache vor VIII verlaufende Convexader anzusehen ist. Bei Poiocera scheinen V. Ader und Cubitus aus gemeinsamer Wurzel zu entspringen und legen sich auch mit ihren Aesten so aneinander, dass es schwer hält, beide von einander zu trennen, dagegen ist der Radius scharf von ihnen gesondert und nur durch eine kräftige Querader am Grunde mit ihnen verbunden. Bei Phrictus und Gladodiptcra ist die IX. Ader im Hinterflügel einfach, die XI. dagegen wie bei Fulgora von der Wurzel an in zwei Aeste getheilt. — Cixius, Otiocerus und Derbe lassen die drei Stämme des Radius, der V. Ader und des Cubitus sowohl im Vorder- als im Hinterflügel leicht erkennen. Die V. Ader ist hier am reichsten verzweigt und durch concave Furchen vom Radius sowohl als vom Cubitus getrennt. Die Subcosta fehlt, die Analader deutlich ausgebildet. Der Hinterflügel er- scheint bei Otiocerus und Derbe, theilweise auch bei Cixius reducirt und demgemäss alle Convexadern schwach verästelt, die IX. Ader meist einfach und der XI. sehr nahe gerückt, so dass die dazwischen liegende X. Ader entweder ganz fehlt oder nur durch eine Concavfalte ersetzt ist. — Sowohl bei Phrictus als bei Fulgora entspringt vom Ende der VIII. Ader eine eigenthümliche, fast concav erscheinende Falte, welche unter S-förmiger Krümmung quer gegen den Vorderrand zieht. Bei Pseudophana, Derbe und an- deren Gattungen fehlt sie und dürfte als eine Verbindung von Qiieradern anzusehen sein, wie sie auch bei Panorpen, namentlich aber im Vorderflügel der Trichopteren erscheint. 2. Cercopiua. Im ziemlich stark verhornten Oberflügel von Aphrophora erkennt man dicht hinter dem Vorderrande eine seichte Furche als Spur der Subcosta und die tief eingeschnittene, gegen den Hinterrand verlaufende VIII. oder Analader. Zwischen beiden ziehen zwei Convexstämme, von denen der erste dem Radius sammt Sector, der zweite dem Cubitus mit der V. Ader entspricht, welche als einfacher Ast aus demselben entspringt, während dieser am Ende eine kleine Gabel bildet. Der Radius ist mit seinem Sector, dieser mit der V. Ader und diese wieder mit dem Cubitus durch eine Querader verbunden. Hinter der Analader und parallel mit ihr zieht die einfache IX. Ader, welcher noch die abgekürzte XI. folgt. Im Hinterflügel läuft dicht hinter dem ausgebuchteten Vorderrande der Radius, der bald nach seinem Ursprung einen Sector abgibt. Dieser steht durch eine Querader mit der einfachen V. Ader, und diese wieder durch eine Quer- ader mit dem am Ende gegabelten Cubitus in Verbindung. Nun folgen die concave VIII. Ader, eine von der Mitte an gegabelte Convexader (IX), dann eine Concavfalte als Rest der X. Ader, endlich die einfache XI. Ader und eine kurze Concavfurche als rudi- mentäre XII. Ader. Die I. bis IX. Ader erreichen den Flügelsaum nicht, sondern sind vor demselben durch eine aus Queradern zusammengesetzte Randader vereinigt. Cer- copis und andere Gattungen zeigen kaum nennenswevthe Abweichungen. — Die S-fÖr- mige Falte im Vorderflügel fehlt. ^. Cicadina. Concavadern fehlen scheinbar im Vorderflügel von Zammara voll- ständig. Unmittelbar vor dem Radius aber verläuft eine in der Mitte des Vorderrandes verschwindende Ader, welche zwar scheinbar convex ist, die ich aber dennoch für die Aunalen des k. k. naturhistorischen Hofmuseums, Bd. I, Heft 3, i88(i. 13 j36 Josef Redtenbacher. Subcosta halte, weil auch bei vielen Lepidoptcren Costa und Radius so nahe aneinander- tretcn, dass die Subcosta gewissermassen gehoben wird und das Aussehen einer Convex- adcr gewinnt. Am Ende der Subcosta ist der Radius unterbrochen und gibt einen dicht neben ihm verlaufenden Sector ab, der nach rückwärts zwei schiefe Aeste entsendet. Die V. Ader entspringt als kurzer Stamm dicht hinter dem Radius und endet an einer scheinbaren Querader, die als Fortsetzung jenes Stammes anzusehen ist und nach einer rechtwinkeligen Knickung als doppelt gegabelter Convexstamm gegen den Saum ver- läuft. Zwischen den beiden Endgabeln befindet sich eine Querader, ebenso sind dieselben auch mit den Aesten des Radius und mit dem Cubitus durch i —2 Queradern verbunden. Letzterer entspringt selbstständig und theilt sich bald in zwei Aeste, von denen der hintere am Ende mit der unmittelbar darauffolgenden VIII. Ader zusammenfällt, während der vordere sich an die Knickung der V. Ader anlegt, dann aber wieder schief nach rück- wärts läuft und in eine Gabel endet. Im Clavus erkennt man die dicht hinter VIII ver- laufende IX. Ader und vor dem Hinterrande die kurze XI. Ader. Wie der Radius ist auch die V. Ader bald nach ihrer Gabelung entzweigeschnitten, die Stücke aber gewisser- massen wieder zusammengclöthet; im geringeren Grade ist dies auch beim Vorderast des Cubitus der Fall. Eine Erklärung für diese räthselhafte Bildung ist nicht vorhanden. — Im Hinterflügel sind Radius und Costa fast verschmolzen, die Subcosta daher völlig unterdrückt. Die V. Ader ist als aus zwei vom Grunde an getheilten Aesten bestehend anzusehen, von denen jeder sich am Ende gabelt. Da der hintere Ast aber concav ist, muss angenommen werden, dass er von der darauffolgenden VI. ausgelöscht wurde, welche sozusagen seinen Platz einnimmt. Der Cubitus mit seiner Endgabel steht ebenso wie der Radius durch eine Querader mit den Endgabeln der V. Ader in Verbindung. Die nächste Ader ist die concave Analader, dann folgt die einfache concave IX. Ader, an welche sich der Vorderast der von der Wurzel an getheilten XI. Ader so eng anlegt, dass die dazwischen eingeschlossene X. Ader auf eine concave Falte reducirt wird. — Cicada, Cicadetta und andere Gattungen zeigen dasselbe Geäder wie Zammara. Bei den Cicadinen erreichen die Adern weder im Vorder- noch im Hinterflügel den Flügel- saum, sondern sind durch eine als Vena spuria aufzufassende Randader miteinander ver- bunden. Eigenthümlich sind ferner die wellenartigen Querfalten zwischen den Längs- adern. Im Hinterflügel laufen häufig zwischen den Enden der Convexadern kleine Con- cavfalten, welche gegabelt sind und zwischen den Zinken eine Convexfalte einschliessen. Sic deuten jedenfalls darauf hin, dass das Geäder eine beträchtliche Reduction erfahren hat. Bei Cicada imperatoria WesXw. u. a. laufen von der Randader ringsum noch kleine Adern gegen den Flügelsaum, während sonst in der Regel nur feine glänzende Linien an ihrer Stelle sichtbar sind. Die oben erwähnte S-förmige Linie, welche eine Durchbrechung oder Verwerfung der von ihr getroffenen Längsadern bewirkt, ist bei Tacua Serv., Polyneiira Westw., Platypleiira Serv. und anderen Gattungen durch eine geschwungene Folge von erha- benen Queradern repräsentirt, während die Fulgoriden an dieser Stelle nur eine concave oder convexe Falte zeigen. Sowohl hei letzteren als bei Cicadinen ist häufig der Flügel innerhalb dieser S-förmigen Linie anders gefärbt als ausserhalb derselben. So ist z. B. Hcmisciera maculipcnnis Lap. an der Basis der Vorderflügel grün, im apicalen Theile dagegen roth gefärbt. 4. Membracina. Die Flügel von Ceutrotus zeigen fast denselben Bau wie diejeni- gen von Cercopis oder Aphrophora. Subcosta obliterirt, Radius am Ende in 2—3 Zweige getheilt, nach hinten mit einem Sector, der sich bei Centrotus cornutiis eine kurze Strecke an die einfache V. Ader anlegt und ausserdem i — 2 Queradern gegen dieselbe abgibt. Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. I 87 Der Cubitus ist an der Wurzel mit der V. Ader vereinigt, am Ende gegabelt. Clavus mit zwei Längsadern, durch die concavc VIII. Ader vom übrigen Flügel getrennt. Im Hinter- flügel gibt der Radius blos einen einfachen Sector ab, der entweder durch eine Querader mit der sclbstständig entspringenden V. Ader verbunden ist oder (Centrotiis corniitiis) am Ende mit ihr verschmilzt. Die concavc VIII. Ader trennt den gegabelten Cubitus von der ebenfalls zw'eizinkigen IX. Ader, welche wieder durch eine Concavfalte von der einfachen XI. Ader getrennt ist. Randader wie bei den Cicadinen ausgebildet. — Bei Umbonia spinosa F. ist die hintere Zinke der Cubitalgabel fast verkümmert, im Hinter- flügel verschmelzen Sector radii und V. Ader am Ende. Bei Enlylia sp. entspringt die V. Ader nicht aus dem Cubitus, sondern aus dem Radius und bildet an der Flügelspitze eine kleine Gabel. Im Hinterflügel dieser Gattung erscheint die vordere Zinke des Cubitus concav, da sie von der als Falte angedeuteten VI. Concavader unter das Flügelniveau hinabgedrückt wird. Bei Polyglypta dorsalis läuft die V. Ader bis in die Mitte vereint mit dem Cubitus und endet wie bei Entylia in eine kleine Gabel. 5. Jassina. Der Flügel von Tetügonia erinnert ebenfalls sehr an den von Aphro- pliora etc. Die V. Ader entspringt aber hier aus dem Radius, im Hintcrflügel selbst- ständig; stets ist sie unverzweigt und verschmilzt im Hinterflügel manchmal mit dem Ende der vorderen Cubitalzinke. Die VIII. Adt-r deutlich ausgebildet. IX. Ader im Vorder- flügel einfach, im Hintcrflügel gegabelt und durch eine Concavfalte von der einfachen XI. Ader getrennt. B. Phytophthires. Taf. XIII, Fig. 44, 45. Der gleichartigen Flügel wegen werden die Aphiden, Cocciden etc. meist an die Homoptera angeschlossen, unterscheiden sich jedoch von denselben im Flügelgeäder sehr bedeutend und erinnern, wie oben erwähnt, theilweise an die Psociden. Bei Plero- chlorus longipes Du f. erkennt man die Subcosta und dicht hinter ihr den Radius mit einem einfachen Sector. Hinter der Wurzel des Radius verläuft eine feine Concavfalte, welche den Stamm des Cubitus auslöscht, von dem daher nur die beiden Gabelzinken übrig sind. Die V. Ader fehlt, doch ist an ihrer Stelle eine dreizinkige Concavader vor- handen, welcher wohl das Fehlen der V. Ader zuzuschreiben ist. Die vorderste Concav- zinke halte ich für die IV. Ader, die dritte Zinke für die VI. Ader, während die mittlere jener Concavader entsprechen würde, welche häufig zwischen den Gabelästen der V. Ader auftritt. Hinter dem Cubitus ist an der Flügelwurzel eine kurze Concavfalte sichtbar und wohl als Rest der Analader anzusehen. — Im Hinterflügel fehlt der Sector radii, ebenso die dreispaltige Concavader; dagegen erkennt man die durch eine Concavfalte abgeschnittenen Aeste des Cubitus, die Analader in Form einer im Bogen gegen den Hinterrand ziehenden Concavfalte, sowie eine Spur einer IX. Ader. Im Wesentlichen dasselbe Geäder zeigt Aphis; Pemphigus weicht insoferne ab, als die dreitheilige Concav- ader auf eine einfache reducirt ist, welche in ihrer Wurzelhälfte sogar nur als Falte er- scheint. Der Hinterflügel von Pemphigus zeigt blos den einfachen Radius, den Vorder- ast des Cubitus, eine Convexfalte als Rudiment des hinteren Astes, endlich eine Spur der IX. Ader. Ganz anders gestaltet sich das Geäder der Psylliden, Bei diesen, z. B. Psylla alni L., sieht man einen einzigen convexen Längsstamm, der sich aber wieder- holt theilt. Der vorderste Ast, welcher in der Mitte des Vorderrandes endigt, entspricht dem Radius, der zweite, der an der Spitze mündet, dem Sector. Die V. Ader und der Cubitus sind gegabelt und entspringen mit gemeinsamer Wurzel aus dem Radius. Vor 13* Josef Redtenbacher. dem Hinterrandc verläuft noch die IX. Ader. Von concaven Adern ist nur die VIII. vor- handen, die Subcosta durch eine Falte angedeutet, ebenso die IV. Ader zwischen Sector und V. Im Hinterfiügel sieht man ebenfalls die VIII. und IX. Ader und einen dreitheili- gen Längsstamm, wovon der erste Ast als Radius, der zweite als V. Ader, der dritte, ge- gabelte als Cubitus aufzufassen ist. iyio:{a und Aplialera haben dasselbe Geädcr wie PsyUa. Bei Psj'Uopsis ist die V. Ader im Vorderflügcl einfach. — Cocciden konnte ich nicht untersuchen. C. Heteroptera. Taf. XIII, Fig. 46—51; Taf. XIV. Fig. 5^ — 55. Von den Homoptercn ist die Abtheilung der Heteropteren dadurch unterschieden, dass der Vorderfiügel halb häutig, halb hornig erscheint, obwohl auch hier Ausnahmen mit glashellen Vorderflügeln, wie Cnpius, vorkommen. Der Clavus ist stets durch die concave Analader scharf vom Flügel getrennt, der in die hornige Elytra und die häutige Ala zerfällt. Die Grenze zwischen beiden bildet eine mehr minder stark erhabene, ge- schwungene Linie, welche als eine Vereinigung von Qiieradern anzusehen und offenbar mit der S-förmigen Linie der meisten Cicaden identisch ist. Die hornige Beschaffenheit der Elytra bringt es mit sich, dass eine Deutung der darin verlaufenden Adern schwer oder unmöglich wird. Doch erkennt man bei den meisten Arten dieser Gruppe drei Con- vexstämme, von denen der erste nahe dem Vorderrande verläuft und als Radius anzu- sehen ist. Nicht selten zeigt der Flügel vor ihm eine concave Furche, welche einer ver- kümmerten Subcosta entspricht. Die mittlere der genannten Längsadern ist meist reich verästelt und stellt die V. Ader dar, während die dritte derselben dem Cubitus entspricht. Jede dieser drei Convexadern gibt in der Ala eine geringere oder grössere Anzahl von Zweigen ab, die sich aber meist zu einem so dichten Netzwerke von Adern vereinigen, dass eine Sonderung unmöglich ist; dazu kommt, dass der Verlauf dieser Aeste durch die erwähnte bogenförmige Querlinie oft erheblich gestört wird, was die Schwierigkeiten in der Deutung der einzelnen Adersysteme noch vermehrt, umsomehr, als die einzelnen Adern oft mehrmals geknickt und von schief gezogenen Qiieradern dann nicht zu unter- scheiden sind. Selbst glashelle Vorderflügel, wie die von Copius, geben keinen Aufschluss, trotzdem hier sowohl als bei manchen Plataspiden etc. eine concave Längsfurche auftritt, die wahrscheinlich die Grenze zwischen der V. Ader und dem Cuhitalgeäste darstellt. Für die Systematik kann daher auch das Geäder der Vorderflügel von keiner Bedeutung sein. Die merkwürdigsten Formen kommen wohl im Vorderflügel der Plataspiden vor, da dieselben mehr oder weniger gefaltet und eingeschlagen werden können, was begreiflicherweise nicht ohne Einfluss auf den Verlauf der Adern sein kann. Im Hinter- flügcl von Plataspis coccinelloides Lap. sind Costa und Radius zu einer dicken, am Ende oft knopfartig verdickten Längsader vereinigt, deren Ende als blasse Ader im Bogen gegen die Flügclspitzc verläuft. Durch eine concave Furche vom Radius getrennt, ver- laufen zwei divergirende Längsadern, von denen die vordere am Ende unter S-fÖrmiger Krümmung der hinteren sich nähert. Eine grosse, bogenförmig geschwungene Querader verbindet diese beiden Stämme, die zusammen die V. Ader darstellen. Zwischen zwei Con- cavfurchen, die in einspringenden Winkeln endigen, ist eine abgekürzte Convexader sicht- bar, welche neben der vorderen Concavfurche verläuft und als verkümmerter Cubitus zu bezeichnen ist, während die beiden Falten die VI. und VIII. Ader vertreten. Nun folgt eine gegabelte Convexader (IX) und eine einfache, welche die XI. Ader darstellt. Zwischen beiden verläuft eine Falte, die in einen einspringenden Winkel mündet und Vergleichende Studien über das Fiügelgeäder der Insecten. I gn als Rest der X. Ader anzusehen ist. Ganz ähnlich ist das Geiider bei den übrigen Plata- spiden. Bei Coptosoma cribrarinvi Fab. ist der zweite Ast der V. Ader durch die con- cave VI. in der Mitte ausgelöscht, so dass nur sein Wurzel- und Endstück vorhanden ist. Der Cubitus ist bei dieser Art ganz obliterirt. Bei CalUpJiora nobilis ¥. verbindet eine schiefe Querader V mit dem Radius, ist aber durch die hinter dem letzteren ver- laufende Concavfalte durchbrochen. Der Hinterast der V. Ader ist hier nur im Endstücls: vorhanden, dagegen der Cubitus deutlich als gegabelte Ader ausgebildet. Bei Chlaeno- coris ist der Vorderast von V geknickt und mit dem blassen Endtheile des Radius in Verbindung getreten, der hintere Ast derselben dagegen verschwunden. Der Cubitus auf ein kurzes Strichel reducirt. Denselben Bau des Hinterflügels zeigen die Eurygastriden und Pentatomiden, wie Rhaphigaster, Pentatoma etc. Der hintere Ast der V. Ader ist hier häufig, wie bei Clilae- nocoris, vollständig verschwunden, die Querader aber als S-förmiger Zweig des vor- deren Astes ausgebildet, der an der Stelle, wo die Querader abzweigt, eine mehr minder tiefe Einbuchtung zeigt. Der Cubitus ist hier überall als zweizinkige Gabel, aber ohne Stiel ausgebildet, die IX. Ader stets aus zwei von der Wurzel an getrennten Aesten be- stehend, die XI. Ader einfach. Bei Strachia, Mormydea, Elasmosthetus etc. ist der hin- tere Ast der V. Ader mehr minder deutlich sichtbar, der Vorderast eine kurze Strecke mit dem Ende des Radius vereinigt. Bei den Spartoceriden, Anisosceliden, Coreiden und Lygaeiden etc. ist der Hinterflügel, namentlich in Bezug auf die Form der V. Ader verschieden, deren Aeste in der Mitte sich vereinigen, dann aber wieder von einander trennen, so dass der vordere Ast den Charakter einer Querader annimmt, die bei Syromastes eine kleine nierenförmige Zelle begrenzt, welche durch die hinter dem Radius verlaufende Concav- ader durchbrochen ist. Der Cubitus bildet bei Petascelis (Spartoceriden) eine von der Wurzel an getheilte Gabel, bei PacJiymerus fehlt der Stiel, bei Syromastes (Coreiden) und Copiiis (Anisosceliden) ist er durch zwei abgekürzte Strichel angedeutet, bei Lygaeiis und Pyrrhocoris fehlt er gänzlich. Bei Miris und Calocoris ist der Radius ganz an den Rand gerückt, die beiden Aeste der V. Ader durch eine Querader verbunden, der vordere mit dem Radius vereinigt; der Cubitus eine einfache Längsader, welche durch die Vereinigung der VI. und VIII. Con- cavfalte an der Wurzel oft ausgelöscht ist. Die IX. Ader ist wie gewöhnlich gegabelt, während die XL fehlt. Dieselben Verhältnisse zeigen andere Capsiden, wie Poecilo- scytus, Molanonion etc. Bei den Phymatidcn, z. B. Phymata erosa Wolf, ist die V. Ader mit einem schiefen Aste des Radius am Ende verbunden, der Cubitus eine einfache, abgekürzte Ader, bei Macroctplialus crassimaniis Fab. gegabelt. Die übrigen Adern fehlen. Bei den Harpactoriden {Ploeogaster mauivwsus etc.) sind beide Aeste der V. Ader vorhanden, aber an der Wurzel ausgelöscht, dafür ist der vordere durch eine schiefe Queraeier mit dem Radius verbunden. Cubitus, IX. und XI. Ader wie bei den Pentatomiden. Bei Pygolampis sp. (Reduvidae) ist der vordere Ast der V. Ader an der Wurzel und ausserdem noch vor dem Ende in einem Punkte mit dem Radius in Verbindung und schliesst dadurch eine dreieckige Zelle hinter dem Radius ein. Ein ganz eigenthümliches Geäder zeigen die Gerridae. Bei Limnometra annata Spin, erkennt man den Radius nebst seinem Sector, ferner den gegabelten Cubitus, durch eine Concavfalte von ihm getrennt, aber durch eine Querader mit ihm verbunden. Die V. Ader fehlt, die VIII. stellt eine concave Falte dar, hinter welcher noch die ein- jQQ Josef Redtenbacher. fache IX. Ader verläuft. Die Randader, welche die einzelnen Convexadern verbindet, erinnert an die Cicaden. Im Hinterflügel ist der einfache Radius durch eine schiefe Querader mit der ebenfalls einfachen V. Ader verbunden. Die VI. und VIII. Ader stellen Concavfalten dar, welche den gegabelten Cubitus mit einer Querader zwischen seinen beiden Zinken einschliessen. Die IX. Ader ist einfach, ebenso die XI., und zwischen beiden lauft eine Concavfalte (X\ die in einem einspringenden Winkel endigt. Die Hvdrocoriden enthalten zwei Flügeltvpen, die durch Notonecta und Naii- coris einerseits, durch Nepa, Ranatra und Belostomiim andererseits repräsentirt werden. Bei Notonecta theilt sich die V. Ader bald nach ihrem Ursprung in zwei Aeste, die sich dann wieder nähern und durch eine kleine Querader in Verbindung treten, um am Ende wieder auseinanderzutreten, wobei der Vorderast mit dem Ende des Radius verschmilzt. Dann folgen zwei am Grunde vereinigte Concavfalten (VI und VIID, zwischen denen jedoch der Cubitus fehlt. Die beiden Aeste der IX. Ader vereinigen sich kurz vor ihrem Ende und sind durch eine Concavfalte von der von der Wurzel an getheilten XI. Ader getrennt. Bei Naucoris legt sich der vordere Ast der V. Ader im ersten Drittel an den Radius an, in seinem weiteren Verlaufe aber zeigt er dieselbe Form wie bei Notonecta. Der Cubitus ist auch hier verschwunden, die Aeste der IX. Ader aber am Ende nicht vereinigt, und die XI. Ader einfach. — Bei Nepa sind beide Aeste der V. Ader am Ende vereinigt und verschmelzen am Ende auch noch mit dem Radius. Der Cubitus ist eine einfache, aber starke Ader; sowohl vor als hinter ihr verläuft eine Concavfalte, welche die VI., resp. VIII. Ader repräsentirt. Ebenso ist auch die einfache IX. Ader von der ebenfalls unverzweigten XI. durch eine Concavfalte getrennt. Bei Belostomiim ist das Geäder nur insoferne verändert, als die IX. Ader von der Wurzel an getheilt ist und sowohl vor als hinter ihr eine ausgebildete Concavader verläuft. Bei Ranatra dagegen ist die IX. Ader von der Mitte an erst gegabelt und zwischen beiden Zinken eine Con- cavader eingeschaltet, während die VIII. Ader nur durch eine Falte vertreten ist. Vergleicht man den Flügelbau der Homoptera, Heteroptera und Phytophthires, so wird man vergeblich nach einem gemeinsamen Merkmal suchen. Der Flügel ist bald lederartig, bald häutig. Die Subcosta bald vorhanden, bald fehlt sie; der Clavus, den fast alle Hemipteren besitzen, fehlt den Aphiden, während er andererseits vielen Ortho- pteren, Trichopteren und Hymcnoptcrcn zukommt. Sowohl die V. Ader als der Cubitus können fehlen, der Analfächer ist meist reducirt und enthält nur die IX. und XI. Ader, kommt aber in dieser Form auch bei Lepidopteren etc. vor. Für die drei Mauptgruppcn der Rhvnchoten lassen sich die Flügel etwa durch folgende Merkinale charakterisiren: Homoptera : Vorderflügcl meist lederartig, bei den grösseren Arten dicht, bei den kleineren spärlich geädert. Von concavcn Adern ist die Analader (VIII) meist vorhanden, die Subcosta fehlt häuhg oder ist nur durch eine Falte angedeutet. Ebenso sind auch die übrigen Concavadern meist durch Falten ersetzt. Radius meist an der Wurzel mitV, oft auch noch mit dem Cubitus vereinigt. Bei den grösseren Formen sind alle drei Adern reichlich verästelt, bei den kleineren dagegen meist nur Radius und Cubitus gegabelt. Der dreieckige Clavus enthält die einfache IX. und XI. Ader. - Im Hinterflügel ist iler Analfächer auf das System der IX. und XI. Ader reducirt. Die Subcosta fehlt in der Regel, oft ist auch die Analader nur durch eine F'altc angedeutet, ebenso die übrigen Concavadern. Radius, V. Ader und Cubitus wie im Vorderflügel, meist aber einfacher verzweigt. IX. und XI. Ader häufig gegabelt. Zwischengeäder im Hinterflügcl reducirt oder fehlend. — Die S-förmige Linie, bald nur eine concave oder convexe Falte, bald deutlich als eine Verbindung von convexen Queradern ausgebildet, durchbricht die Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. igi getroffenen Längsadern namentlich bei den grösseren Cicaden; manchmal lehlt sie vollständig. Phytophthires : Flügel glashell, mit wenigen Convexadern ohne Queradern. Von Concavadern ist bei den Aphiden die Subcosta, bei den Psylliden die Analader in der Regel ausgebildet. Bei den Aphiden ist der Clavus durch Reduction des Analfeldes ver- schwunden, an Stelle der V. Ader nur eine einfache oder dreispaltige Concavader. Bei den Psylliden ist der Clavus nur von der IX. Ader durchzogen, die V. Ader einfach oder gegabelt. Hinterllügel kleiner als der Vordertiügel, daher auch sein Geäder noch einfacher. Hcteroptcra: Vorderflügel aus drei Theilen zusammengesetzt, dem Clavus, der hornigen Elytra oder dem Corium, endlich der häutigen Ala oder Membrana. Die Sub- costa fehlt oder ist nur als Furche angedeutet. Analader meist vorhanden, trennt den Clavus von der Elytra; manchmal auch eine Concavfurchein der Ala als Grenze zwischen V. und VII. In der Elytra drei, oft sehr undeutliche Convcxstämme, die in der Ala sich unregelmässig verzweigen. Als Grenze zwischen Elytra und Ala eine gebogene Convex- linie, welche der S-förmigen Linie der Homoptera entspricht. Im Hinterflügel fehlt die Subcosta, die Costa mit dem Radius verwachsen. V. Ader aus zwei verschieden aus- gebildeten Zweigen bestehend. Cubitus gegabelt, häufig an der Wurzel ausgelöscht oder ganz fehlend. Analader meist nur eine Falte. Der Analfächer enthält blos die meist ge- gabelte IX. und die in der Regel einfache XI. Ader. — Zwischengeäder im Vorderflügel undeutlich, im Hinterflügel nicht ausgebildet. Die Limnometriden erinnern durch den Besitz einer Randader im Vorderflügel, sowie auch durch das Geäder des Hinterflügels vielfach an die Cicadinen, wodurch Schi öd te 's Ansicht über die Verwandtschaft der beiden genannten Gruppen bestätigt wird. Das Geäder der Rhynchoten im Allgemeinen zeigt zum Theile Aehnlichkeit mit dem der Panorpen, Trichopteren, Lepidopteren etc. sowohl durch die Ausbildung der V. Ader, als auch durch die Form des Analfeldes (Clavus) im Vorderflügel. Eine directe Verbindung der Rhynchoten aber mit irgend einer der genannten Ordnungen lässt sich nicht constatiren; ja es ist sogar fraglich, oh nicht die Rhynchoten, wie dies zum Theil bereits versucht wurde, in mehrere Ordnungen aufzulösen sind. IX. Neuroptera s. str. Taf. XIV und XV. In dieser Ordnung vereinigt Brauer blos die Sialiden und Megalopteren, zwischen denen Corydalis einerseits, i)z7arandererseitsUebergangsformen bilden. Als die ältere der beiden Gruppen sind die Sialiden anzusehen, die bereits im Devon auftreten. 1. Sialiden (Taf. XIV, Fig. 56 — 58): Durch die grosse Anzahl von Queradern und die Entwicklung des Analfächers erweisen sich Coiydalis und Chauliodes als Formen, deren Geäder dem ursprünglichen Typus am nächsten steht. Erstere zeigt von Concav- adern blos die Subcosta ausgebildet, alle übrigen sind durch Falten ersetzt. Der Radius entsendet nach hinten drei Stämme, deren erster sich in eine grosse Anzahl von parallelen Aesten mit zahlreichen Queradern thcilt; er ist als Sector radii zu bezeichnen und durch eine Concavfalte (IV) von dem zweiten, ebenfalls in einige Aeste gethcilten Stamme ge- trennt, der die V. Ader darstellt und abermals durch eine schwache Furche, als Rudiment der VI. Concavader, vom Cubitus getrennt ist. Dieser entsendet nach hinten eine Reihe paralleler Aeste und ist durch eine Concavfalte (VIII) vom reducirten Analfeld getrennt, welches drei gegabelte, durch einzelne Queradern verbundene Convexadern enthält. JQ2 Josef Redtenbacher. welche die IX., XI. und XIII. Ader darstellen, denen sich am Grunde noch eine einlache Ader (XV) anschliesst. Im Hinterllügel erkennt man leicht die entsprechenden Adern. Der Sector ist durch eine lange Querader mit dem Stamm der V. Ader verbunden, der Cubitus von der Wurzel an in zwei Aeste getrennt, deren vorderer eine Reihe von Zweigen nach rückwärts abgibt. Das Analleld ist von grösserer Ausdehnung als im Vor- derflügel und zeigt die IX. und XIII. Ader gegabelt, die XI. und XV. einfach. — Chau- liodes zeigt fast denselben Bau. Die V. Ader ist nur in zwei, der Cubitus in drei Zinken getheilt, im Analfeld ist die IX. und XI. Ader gegabelt, die XIII. einfach, XV. fehlt. Im Hinterflügel tritt die der IV. Ader entsprechende Falte so nahe an die V. heran, dass so- wohl der Stamm als die vordere Zinke derselben concav erscheint. Im Analfelde sind IX, XI gegabelt, XIII in drei Zinken getheilt, XV einfach. — Auch Sialis zeigt im Wesent- lichen das Geäder von Corydalis, nur ist die Verästelung, sowie die Zahl der Queradern einfacher. Die V. Ader entspringt bei S.fuliginosa aus dem Radius, legt sich dann eine kurze Strecke an den Vorderast des gegabelten Cubitus und wird in ihrem weiteren Ver- laufe durch die vorhergehende IV. Ader concav. Die VIII. Ader ist wie bei Corydalis eine Falte, das Analfeld zeigt die kräftige, aber einfache IX., sowie die gegabelte XI. Ader. Im Hinterflügel ist die V. Ader an der Wurzel ausgelöscht und nicht unmittelbar, son- dern nur durch Queradern mit dem Cubitus und Sector radii in Verbindung. Im Anal- felde sieht man ausser der einfachen IX. und gegabelten XI. Ader auch noch die abge- kürzte XIII. - Inocellia stellt ein Bindeglied zwischen Sialis und Raphidia dar und zeigt im Wesentlichen das Geäder der ersteren. Der Sector ist durch eine kurze, seichte Furche von der V. Ader getrennt, die sich so mächtig entwickelt, dass der Cubitus da- durch beeinträchtigt wird, und im Vorderflügel blos eine am äussersten Ende gegabelte Ader bildet, während er im Hinterflügel sich von der Wurzel an in zwei Aeste theilt, deren vorderer eine Endgabel bildet. Das Analfeld, durch die als Falte ausgebildete Anal- ader begrenzt, zeigt die IX. und XI. Ader, im Hinterflügel beide, im Vorderflügel nur die letztere gegabelt. ■ — Raphidia weicht von Inocellia vorwiegend durch die kleinen Endgabeln der Convexadern ab und erinnert dadurch an die Hemerobiden. Die V. Ader ist wieder durch eine seichte Concavfalte vom Sector getrennt und im Vorderflügel gleich vom Ursprünge an getheilt und reich verästelt. Der Cubitus ist im Vorderflügel eine ein- fache Ader, durch zwei Queradern mit V verbunden. Vor ihm verläuft eine sehr schwache Furche (VI), hinter ihm eine Concavfalte als Rest der Analader, welche seine Wurzel auslöscht. Sowohl die IX. als die XI. Ader gegabelt und eine der beiden Gabelzinken noch mit einer kleinen Endgabel. Im Hinterflügel treten Anal- und VI. Ader so nahe zusammen, dass der von ihnen eingeschlossene Cubitus an der Wurzel concav erscheint und sich erst am Ende in drei convexe Zinken theilt. Die IX. und XI. Ader legen sich mit ihren Endgabeln eine Strecke aneinander, und hinter ihnen ist noch eine Spur der XIII. Ader sichtbar. 2. Megaloptera (Taf. XIV, Fig. 59 und 60; Taf. XV, Fig. 61 — 67): Vergleicht man die verschiedenen Gattungen der Megalopteren in Bezug auf das Flügelgeäder, so treten uns solche Extreme in der Ausbildung der einzelnen Concav- und Convexadern entgegen, dass ein gemeinsamer Plan in der Anlage der Adern für den ersten Augenblick kaum zu finden ist. Die Hemerobiden scheinen mir jenen Tvpus des Flügclgeäders zu besitzen, auf den sich das Geäder iler ganzen Megalopterenlamilie zurückiührcn lässt, und als Beispiel mag Mcgalomus hirtiis Fab. dienen. In dem reichen Geäder erkennen wir blos eine Concavader, die Subcosta, während die IV., VI. und VIII. Ader als schwache, undeut- liche Furchen ausgebildet simi. Die erste derselben trennt den Radius mit seinen zahl- reichen Sectoren von der ebenfalls mehrfach verästelten V. Ader, die abermals durch eine Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. Iq3 Concavfurche vom reich verzweigten Cubitus geschieden ist. Hinter der Analfalte folgen noch die IX. und XI. Ader, jede am Ende in mehrere Zweige getheilt. Im Hinterflügel sind die homologen Adern leicht erkennbar. Die der VI. Ader entsprechende Falte ist kaum er- kennbar, sonst das Gciider wie im Vorderflügel. — Fast genau denselben Aderbau zeigen Hemerobius, Micromus und Drepaiiopteryx, von den Osmylidcn die Gattung Sisyra. Der Flügel von Couiopteryx ist wesentlich vereinfacht. Ausser der Subcosta er- kennt man wieder die IV., VI. und VIII. Ader als Falten ausgebildet, dazwischen den Radius mit dem gegabelten Sector, die ebenfalls am Ende getheilte V. Ader, ferner den gegabelten Cubitus und im Analfeldc blos die gegabelte IX. Ader. Dass ich erst die dritte Gabel als Cubitus bezeichne, beruht darauf, dass der Cubitus in der Regel frei ent- springt, während die von F. Low (Sitzungsbcr. der kais. Akad. der Wissensch., i885, März-Heft) als Cubitus bezeichnete Ader ihren Ursprung aus dem Radius nimmt und meiner V. Ader entspricht. Die Os myliden, mit Ausnahme von Sisyra, weichen nament- lich in Bezug auf die V. Ader von den Hemerobiden ab. So zeigt Dilar ganz das Geäder von Hemerobius oder verwandten Gattungen, die IV. Concavader aber, als Falte aus- gebildet, rückt dem Vorderast der V. Ader so nahe, dass derselbe im Vorder- und Hinter- flügel als Concavader erscheint, wie bei Sialis. Ein eigenthümliches Verhalten zeigt Be- rotha, indem der Vorderflügel das normale Geäder der Hemerobiden, im Hinterflügel aber bedeutende Abweichungen zeigt. Hier sind IV. und VI. Ader zusammengerückt, so dass die V. Ader an der Wurzel concav erscheint und nur in ihren Endverzweigungen erhalten ist. Der Cubitus ist normal ausgebildet, dagegen ist die IX. Ader in ihrem Stamme von der concaven Analader ausgelöscht, so dass sie selbst concav erscheint und nur ihre zahlreichen Zweige erhalten bleiben. Bei Osmylus endlich ist im Vorderflügel, wie bei Dilar, der Vorderast der V. Ader concav in P'olge der Einwirkung der IV. Ader, die an der Wurzel als F'alte sichtbar ist; im Hinterflügel ist die V. Ader voHständig ausgelöscht worden, die nächste Ader also, wie bei den meisten Nemopteriden, Ascalaphidcn und Myrmeleoniden, als Cubitus zu deuten. Die darauf folgende Convexader ist demnach die IX. und durch die hier ausgebildete X. Ader von XI getrennt. Etwas abweichende Formen besitzen Polystoechotes, Porismus etc. Erstere zeigt hinter der concaven Sub- costa den Radius mit zahlreichen parallelen Sectoren ; aus ihr entspringt ferner am Grunde die gegabelte V. Ader, deren Hinterast mehrere Zweige nach hinten abgibt und durch eine concave Falte vom mehrfach verzw^eigten Cubitus getrennt ist. Aehnliche Furchen trennen denselben von der IX. Ader und diese wieder von der XI. Ganz nach demselben Princip ist auch der Flügel von Psychopsis mimica Newm, gebaut, so sehr derselbe auch scheinbar abweicht. Bei Porismus stri^atus Burm. ist die IV. Ader deutlich als Concav- ader ausgebildet. V. Ader und Cubitus laufen im Vorderflügel anfangs parallel, ohne durch eine Falte oder Ader getrennt zu sein; die Analader ist nur als Falte ausgebildet. Im Analfeld sind die beiden Aeste der XI. Ader bald nach ihrem Ursprung zu einer ein- fachen Ader vereinigt, die im weiteren Verlaufe auch noch mit der IX. Ader verschmilzt. Im Hintcrflügel sind IV und VIII als Concavadern ausgebildet und die V. Ader wie bei Osmylus ausgelöscht. Der F'lügel von Nymphes myrmeleonoides Lcach. erinnert an den von Polystoe- chotes, doch scheint im Vorderflügel der Stamm und Vorderast der V. Ader durch die IV. Concavader ausgelöscht zu sein, während dieselbe im Hinterflügel vollständig ob- literirt ist, wie bei Osmylus oder Porismus. Im Analfelde trennt bei Nymphes eine Con- cavader (X) die mehrfach verzweigte IX. von der reducirten XI. Ader. Der Flügel von Chrysopa lässt sich von dem der Os myliden ableiten, indem die beiden Aeste der V. Ader bald nach ihrem Ursprung sich wieder vereinigen und die so- 104 Josef Redtenbacher. genannte »Cubitalzellc« einschliessen. Ihr weiterer Verlauf ist durch die concave IV. Ader abgeschnitten, die am Grunde, unnullelbai- vor iler Cubitalzelle als Falte sichtbar ist. Der Cubitus ist wie bei (hnij-liis gestaltet, die Analader aber entspringt als b'alte und geht im Bogen zum Hinterrand. Im Hinterliügel ist die V. Ader ganz verschwunden, wie dies auch bei Os})ij-liis der Fall ist. Denselben Aderbau wie Clirysopa zeigen ferner //;7?o- chrj'sa, Ankj^loptcrjw und Notochrj''sa. Der Hügel von Apochrysa dagegen, schon äusserlich sehr aulfallend, weicht insoferne vom Clvysopa-Vlüs^cl wesentlich ab, als die V. Ader nicht nur im HinterHügel, sondern auch im Vorderflügel obliterirt ist, die vor dem Cubitus verlaufende Concavader demnach der IV. Ader oder der Vereinigung von IV und VI entspricht. Von den M antispiden erinnert Drepanicus im Flügelgeäder noch sehr an Henie- robius, namentlich in Bezug auf den Vorderflügel, in dem man den Radius nebst den Sectoren, sowie die V. Ader leicht erkennt, ohne dass dieselben durch Falten oder Con- cavadern abgegrenzt wären. Im Hinterflügel ist die IV. Ader als Falte vor der V. Ader sichtbar, VI. und VIII. Ader dagegen am Grunde zu einer kurzen Concavader vereinigt, welche den Stamm des Cubitus unter das Flügelniveau hinabdrücken. IX. und XI. Ader sind, wie im Vorderflügel, durch eine Concavfalte getrennt. Eine Reduction der Adern lässt den Flügel von Mantispa leicht aus dem von Dre- panicus ableiten, doch ist die Sonderung der einzelnen Adersysteme durch das Fehlen von Concavfalten ziemlich erschwert. Im Vorderflügel liegt vor der der Analader ent- sprechenden Falte der Cubitus als mehrfach verästelte Ader, während er im Hinterflügel zickzackförmig gekrümmt und nur am Flügelsaume gegabelt erscheint. Eine kleine Con- cavfalte vor dem Cubitus ist im Vorderflügel als Rest der VI. Ader, im Hinterflügel aber als rudimentäre IV. Ader anzusehen, da sie hier die V. Ader von den Sectoren, dort aber vom Cubitus trennt. Der Flügel der Nemopteriden, Ascalaphiden und Myrmeleonidcn stimmt im Wesentlichen überein und lässt sich am besten aus dem Flügel von Cordulcccrus i'ulpeciila Burm. ableiten. Der Vorderflügel dieser Art zeigt hinter der Subcosta den Radius mit seinem vielfach verzweigten Scctor. Von diesen Aesten des Sectors fällt der letzte (hinterste) sowohl durch seine Theilung, als auch dadurch auf, dass vor ihm eine Concavader verläuft, die am Grunde als Falte erscheint. Ich halte nun diese Concavader für die IV., die hinter ihr liegende Ader demnach als die mit dem Sector radii mehr oder minder vereinigte V. Ader. Die darauf folgende Concavader erweist sich dann als VI., auf welcher der reich verzweigte Cubitus, sowie die concave Analader folgen. Letztere löscht den Stamm der IX. Ader aus, so dass nur die Endzweige convex erscheinen ; an der Flügelwurzel folgt endlich auch noch die XI. Ader. ') — Bei Ascalaphus fehlt jene IV. Ader vollständig, daher ist auch die V. Ader vom Sector radii nicht zu unterscheiden, wenn man nicht das Geäder von Cordiilecerus vergleicht. Im Uebrigen sind beide Gat- tungen in Bezug auf das Flügelgeäder vollkommen übereinstimmend, nur ist der Cubitus bei Cordiilecerus im Hinterflügel wenig und nur am Ende verzweigt, während bei^l^'c^r- laplius ilas Geäder des Cubitus im Vorder- und Hinterflügel gleich stark entwickelt ist. Bei 'rhcleproctophylld ist das Analfeld noch mehr als bei Cordulecerus reducirt, namentlich die IX. Ader im Vorderflügel am Grunde, im Hinterflügel aber fast der ganzen Länge nach durch die mit ihr zusammenfallende VIII. Ader ausgelöscht. Nemoptera sinuala Oliv, hat im Vorderflügel das Geäder von Ascalaphus, nur sind IX. und XI. Ader bald nach ihrem Ursprung der Länge nach verwachsen. Der lange, 1) Ganz ähnlich verhaken ;^ich /Vr«.v. HaplDiioiiiis etc. Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. ig5 schmale Hinterflügel dagegen zeigt eine weitgehende Rcduction des Geäders, welches blos aus einer convexen und zwei concaven Längsadern zu bestehen scheint, deren Deutung daher unsicher ist. Das Geäder der Mvrmcleoniden stimmt im Wesentlichen mit dem der Ascala- phiden überein, erinnert aber andererseits auch an das von Nj'inpiws. Während jedoch hier die V. Ader hinter einer Goncavader liegt, welche demnach als IV. zu bezeichnen ist, muss bei den Mvrmeleoniden nach Analogie des Cordnlccei-iis-Flü'^eh angenommen werden, dass die V. Ader mit dem Sector radii vereinigt ist, die folgende Goncavader daher der VI. entspricht. Dass diese Deutung richtig ist, beweist Pdlpcires, bei welcher Gattung die V. Ader stärker entwickelt ist als bei anderen Mvrmeleoniden. Hier folgt auf die V. Ader die VI. Goncavader, wie bei den Ucbrigen, aber auch die IV. Ader ist hier, wie bei Cordulecerus, als deutliche Goncavader vor der V. sichtbar, während sie bei anderen Gattungen nur als eine seichte Furche oder gar nicht angedeutet ist. A:{esia mag als erste Form erörtert werden, da sich aus ihr die Flügel der übrigen Mvrmeleoniden ableiten lassen. Im Hinterflügel folgt auf die VI. Goncavader der Gubitus als einfache Gonvexader mit zahlreichen Queradern gegen die im Bogen hinter ihr ver- laufende Analader, auf welche noch die zickzackförmig gebogene IX. Gonvexader folgt. Im Vorderflügel dagegen ist der Gubitus gegabelt, und es hat den Anschein, als ob eine jener Queradern des Gubitus, wie bei den Odonaten, sich stärker verlängert und verdickt und dadurch den Gharakter eines Gabclastes angenommen hätte. Palpares erinnert im Vorderflügel vollkommen an A^csia, nur ist hier, wie bei Cordulecerus, auch die IV. Goncavader und überdies eine Reihe von concaven Schalt- adern zwischen den einzelnen Gonvcxzweigen sichtbar, wie dies bei Odonaten, nament- lich Calopteryx, der Fall ist. Im Hinterflügel ist die Analader durch den Hinterast des Gubitus winkelig ausgebuchtet und setzt sich dann parallel dem Vorderast als Goncav- falte fort, die auch im Vordcrflügel zwischen den beiden Guhitalzinken, wenn auch weniger deutlich, sichtbar ist. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass an der Bildung dieser Goncavfalte sich nicht blos die Analader, sondern auch eine zwischen den beiden Guhitalzinken ursprünglich vorhandene Goncavader (VII. J betheiligt hat. Diese eigen- thümliche Knickung der Analader hat ebenfalls ein Analogon im Flügel der Odonaten, besonders der Gomphiden, Aeschnidcn etc., so dass sich zwischen diesen Insectengruppen einige Aehnlichkeitspunkte ergeben, ohne dass man deshalb an eine directe Verwandt- schaft denken müsste. Stenares und Tomatares zeigen dasselbe Verhalten wie Palpares. Bei Binares ist nur der Vorderflügel dem von Palpares ähnlich, und selbst hier ergeben sich Unterschiede, indem die V. Ader viel weniger deuthch vom Sector radii gesondert ist, da die IV. Goncavader fehlt und, wie es scheint, nur durch eine concave, flache Falte angedeutet ist. Auffallend ist, dass diese Furche nicht parallel den Gonvexästen verläuft, sondern dieselben schief durchsetzt und dabei eine förmliche Verwerfung der- selben hervorbringt, wie im Vorderflügel von Pteronarcys. Der Hinterflügel von Dina- res erinnert mehr an den von A^esia, indem der Gubitus sich erst am Ende in mehrere Zweige theilt, und die Analader nicht geknickt ist, sondern parallel dem Gubitus ver- läuft. Die IV. Ader ist wie im Vorderflügel nur durch eine Goncavfurche angedeutet. Bei Acanthaclisis ist im Vorder- und Hinterflügel der Gubitus in zwei divergirende Zinken getheilt, aber sowohl die IV. Ader als die Fortsetzung der Analader zwischen den beiden Zinken des Gubitus sind nur als concave Falten ausgebildet. Creagris erin- nert am meisten an Binares, besonders durch das Geäder des Hinterflügels. Myrme- caelurus, Fonnicaleo, Megistopus, Myrmeleon und Gjmnocnemia dagegen stehen Acanthaclisis am nächsten. Bei den ersteren Gattungen ist sowohl die Goncavfalte igö Josef Redtenbacher. zwischen den Cubitalzinken, als auch jene, welche der IV. Ader entspricht, mehr minder deutlich ausgebildet, namentlich im Vordertliigel, bei GymnucucDiia dagegen sind die- selben fast vollkommen verloren gegangen. Die Hügel der Neuropteren s. str. sind daher mit wenigen Ausnahmen (Drepa- noptcryx, Ascalaphus) häutig, Vorder- und HinterHügel meist wenig an Grösse und Form verschieden, nur manchmal die Hintertiügel sehr lang und schmal (Nemaptera) oder ganz verkümmert. Geäder meist dicht netzartig, die Queradern zahlreich und namentlich im Gebiete der Sectoren des Radius oft in treppenartigen Linien angeordnet. Die oft reich verzweigten Gonvexadern enden bei den Megalopteren meist in kleine Gabeln, bei den Sialiden einfach. Von Concavadern ist die Subcosta ausnahmslos, die Analader meist vorhanden, bei den Megalopteren häufig auch die IV. oder VI. Concav- ader ausgebildet. Bei den Sialiden dagegen sind die Concavadern, mit Ausnahme der Subcosta, fast regelmässig durch Falten ersetzt. Das Analfeld ist meist von geringer Grösse, auf das Gebiet der IX. und XI. Ader reducirt; Fächerbildung und Faltung kom- men nur bei einigen Sialiden [Corydalis etc.) vor, bei denen auch die XIII., sowie eine Spur der XV. Ader entwickelt ist. Von dem Flügel der Orthopteren unterscheidet sich der der Neuropteren im Allgemeinen durch den Mangel der Venae spuriae, durch das reducirtc Analfcld im Hinterflügel, sowie dadurch, dass die Sectoren des Radius und die V. Ader unter einem deutlichen Winkel vom Radius divergiren, während sie bei den Orthopteren dichter zusammengedrängt, daher mehr minder parallel erscheinen. Dem- zufolge sind auch die Sectoren des Radius im Allgemeinen bei den Neuropteren viel reichlicher entwickelt als bei den Orthopteren. X. Panorpatae. Taf. X\', Fig. 68. Die kleine Gruppe der Panorpen, von Brauer als eigene Ordnung aufgestellt, zeigt vier gleich gestaltete, häutige Flügel mit ziemlich grossen Maschen und häufig ver- loschenen Queradern. Panorpa und Bittaciis stimmen so überein, dass es genügt, eine der beiden Formen zu betrachten. Bei Panorpa erkennt man nur zwei ausgebildete Con- cavadern, die sich als Subcosta und Analader leicht erkennen lassen, dagegen verlaufen zahlreiche Concavfalten regelmässig zwischen den einzelnen Gonvexadern und sind wohl als Reste des ursprünglichen Fächers anzusehen. Hinter der Subcosta zieht der Radius und entsendet einen mehrfach verästelten Sector gegen die Flügelspitze. Am Grunde des Radius entspringt ferner eine dreitheilige Ader, welche am Beginne der Gabelung ausgelöscht ist und das sogenannte Thyridium bildet. Sie ist als V. Ader zu deuten, und jener milchige Fleck, an dem die beiden Gabeläste unterbrochen ist, muss als eine Wir- kung der auflösenden Kraft angesehen werden, welche concave Adern oder Falten so häufig zeigen, sobald sie auf convexe Adern stossen. Diese Wirkung muss demnach hier der IV. und VI. Concavader zugeschrieben werden, welche als Falten den Stamm der V. Ader begleiten, seine beiden Gabeläste aber theilweise durchbrechen, gerade als ob sie auf Queradern stossen würden. Diesen beiden Concavfalten muss es auch zuge- schrieben werden, dass namentlich bei Bittacus die V. Ader fast concav erscheint. Die nächste Ader ist convex, am Ende gegabelt und stellt den Cubitus dar; dann folgt die concave Analader und das in beiden Flügeln reducirte Analfeld, das die einfache IX. und die gegabelte XI. Ader enthält. Im Vorderflügel von Panorpa i^cnnanica L. vereinigen sich die beiden Zinken der XI. Aiier und umschlicssen eine kleine elliptische Zelle. Bei Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. i gy ßittacus ist die XI. Ader im Vorderflügel einfach, im Hinterflüge] fehlt sie ganz. Quer- adcrn finden sich fast zwischen je zwei Adern mehrere, sind aber grösstentheils blass und undeutlich, was wohl auf Rechnung der sie durchsetzenden Concavfalten zu schreiben ist. Im Hinterflügel von Panorpa ist das Geäder im Ganzen ähnlich wie im Vorder- flügel, mit dem Unterschiede, dass die V. Ader ihren Ursprung nicht dicht hinter dem Radius aus der Flügelwurzel, sondern aus dem Cubitus nimmt. Der Cubitus entsendet eine S-förmige Querader gegen die Plügclbasis und die IX. Ader gabelt sich nicht schon an der Wurzel, sondern im ersten Drittel ihrer Länge. Die Analader ist im Hinterflügel nur durch eine Falte angedeutet. Vergleicht man das Flügelgeäder der Panorpcn mit dem anderer Insectenordnun- gcn, so müssen die Trichopteren als die ähnlichsten angesehen werden, sowohl in Bezug auf die Adervertheilung als auch auf die Bildung des Thyridiums, d. h. die Durch- brechung der V. Ader. Da aber die übrigen Merkmale der Panorpen sie ziemlich weit von den Trichopteren entfernen, muss es vorläufig dahingestellt bleiben, ob die Aehn- lichkeit des Flügelgeäders auf eine gemeinsame Abstammung zurückzuführen ist. 'ts^^r»^ XL Trichoptera. Taf. XV, Fig. 09; Taf. XVI, Fig. 70 und 71. Unmittelbar an die Panorpen schhesst sich die von Brauer als eigene Ordnung angesehene Gruppe der Trichopteren, die wieder anderseits den Lepidopteren, ins- besondere den Tinciden wenigstens in Bezug auf das Flügelgeäder verwandt erscheint. Welche Abtheilung in dieser Ordnung als älteste zu bezeichnen ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander, indem die Einen die Hydrops^'chiden und Andere die Limnophiliden dafür halten. Für diese letztere Ansicht würde das ziemlich stark ent- wickelte, faltbare Analfeld stimmen, während die Mystacididen und Hydropsychiden sich mehr an die Lepidopteren anschliessen und als Jüngere Formenreihen anzusehen wären. Bei Limnophilus sind von Concavadern nur die Subcosta und Analader entwickelt. Dazwischen laufen zwei convexe Stämme, welche als Radius und Cubitus aufzufassen sind. Der erstere gibt bald nach seinem Ursprünge den Sector ab, der sich wieder in zwei gegabelte Aeste theilt, die durch eine Quierader miteinander verbunden sind. Aus dem Cubitus entspringt nach vorne eine am Ende in drei Aeste getheilte Convexader, welche durch eine Querader sowohl mit der hinteren Gabel des Sector radii, als auch mit der vorderen Zinke des gegabelten Cubitus in Verbindung steht und die ich als V. Ader betrachte. Sie zeigt an der Stelle, wo sie sich gabelt, eine mehr minder deut- liche Auslöschung, das Thyridium, wie es bei den Panorpen sichtbar ist. Auch hier ist diese Bildung auf die Einwirkung der nur als Falten angedeuteten IV. und VI. Ader zurückzuführen, welche den Stamm der V. Ader bis zu seiner Theilung begleiten und denselben so unter das Plügelnivcau herabdrücken, dass er concav erscheint. Das Anal- feld erinnert vollkommen an den Clavus der Hemipteren und ist von drei Adern durch- zogen, deren erste als IX. Ader anzusehen ist, während die beiden anderen, die bald nach ihrem Ursprung miteinander und in ihrem weiteren Verlaufe auch mit der IX. ver- wachsen, die XI. Ader darstellen. Im Hinterflügel ist ebenfalls nur die Subcosta und Analader als ausgebildete Concavader vorhanden. Der Radius sammt dem zweimal ge- gabelten Sector, sowie der gegabelte Cubitus mit der dreitheiligen V. Ader sind wie mi Vorderflügel gebildet. Das Analfeld enthält vier Adern, die einfache IX. und XV. Ader, 198 Josef Rcdtenbacher. ferner die gegabelte XI. und XIII. Ader, zwischen denen concavc Furchen verlaufen. Manchmal {^Limnophiliis auriciila Crt.) erscheint auch die IX. Ader gegabelt. Die Thv- ridiumbildung fehlt im Hinterflügel, doch erscheint die V. Ader an der Theilungsstelle etwas blasser und wie im Vorderflügel fast concav. — Die Reihe von Queradern, welche im Vorderflügel die Gabeln des Sectors mit der V. Ader und diese wieder mit dem Cu- bitus verbinden, bilden eine S-förmig geschwungene Linie, welche fast concav erscheint und offenbar der bei den Hemiptercn so häufig auftretenden und ähnlich gelegenen, bald concaven, bald convexen Linie entspricht. — Halesus, Ecclisopteryx, Grammotaulius, Glj'photacUus und Chaetotaulius weichen nur wenig von Limnophiliis ab. — Auch die Phrvganiden zeigen im Wesentlichen dasselbe Geäder, nur im Hinterflügel ist das Analfeld auf die gegabelte IX. Ader und die einfache XI. Ader reducirt. Die Ursprung- stelle des Sectors liegt fast an der Wurzel des Radius und der Stamm der V. Ader ist tief concav. Phryganea, Neuronia und Holostomis sind einander sehr ähnlich. Am nächsten schliessen sich daran die Hydro psychiden, deren Analfeld bei Philopotamus noch mehr verkleinert ist, aber dieselben Adern wie hei Neuronia etc. zeigt, während Hydropsyche ein ziemlich entwickeltes Analfeld besitzt. Sericostoma zeigt ebenfalls die V. Ader tief eingeschnitten, aber sowohl im Vorder- als im Hinterflügel nur zwei- zinkig, und erinnert dadurch an viele Lepidopteren. Ebenso ist auch bei Leptocenis, Mystacides etc. die V. Ader am Ende nur in zwei Aeste gespalten und ihr Stamm tief concav eingedrückt. Das Analfeld enthält bei Mystacides die gegabelte IX. und die ein- fache XI. Ader, während es bei Leptocerus viel mehr entwickelt ist und sowohl die IX. als die XI. Ader gegabelt zeigt. Die Qiierader, welche IX. mit VIII. regelmässig verbindet, ist hier so schief gestellt, dass sie fast den Charakter einer Längsader annimmt. — Bei Rhyacophila sind Vorder- und Hinterflügel fast an Grösse gleich, da das Analfeld des letzteren nur die gegabelte IX. Ader enthält, im Uebrigen ist das Geäder ähnlich dem der anderen Gattungen. Vergleicht man den Flügel der Trichopteren mit dem der Panorpen, so ergeben sich folgende, freilich nicht sehr wesentliche Unterschiede. Bei den Panorpen ist die Zahl der Queradern grösser, indem zwischen je zwei Längsadern 3 — 4, wenn auch oft un- deutliche Queradern verlaufen, während bei den Trichopteren nie mehr als eine Quer- ader zwischen zwei Längsadern auftritt. Der Ursprung des Sector radii liegt ferner bei den Panorpen nahe der Mitte des Radius, bei den Trichopteren dagegen nahe der Wurzel desselben. Endlich tritt bei Aqw Panorpen niemals ein faltbarer Analfächer auf, während er vielen Trichopteren zukommt, und der Clavus ist bei jenen nie so deutlich ausgebildet als bei diesen. — Der Clavus sowie die Queraderverbindung im Vorderflügel erinnern an die Rhynchoten, ob aber eine wirkliche Verwandtschaft zu Grunde liegt, ist fraglich. In ähnlicher Weise stimmt das Geäder der Trichopteren in vieler Beziehung auch mit dem der Lepidopteren, insbesondere der Tineiden, Zygaenen, Sesiarier etc., sowie auch mit dem der Dipteren überein, ohne dass jedoch eine directe Verbindung der genannten Ordnungen nachgewiesen werden könnte. XII. Lepidoptera. Tat". XVK Fig. 72— 70; Taf. XVII, Fig. 80— 82. So scharf sich die Schmetterlinge durch ihre Mundtheile, Entwicklung u. s. w. von den übrigen Insecten unterscheiden lassen, so schwierig ist es, im Flügelgeäder derselben einen specifischen Charakter zu finden. Namentlich die Panorpen und Trichopteren Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. igg zeifren eine Adcrvcrthcilung, welche von manchen Tineiden etc. last bis ins kleinste Detail cdpirt wird. Am deutlichsten zeigt sich nach meiner Ansicht der ursprüngliche Bau des Lepidopterenflügels bei Hepialus. Derselbe ist von zwei concaven Adern durch- zogen, von denen die eine als Subcosta, die andere als Analader zu deuten ist. Zwischen beiden entspringen zwei Convexstämme, Radius und Cubitus, wovon ersterer nach rück- wärts den dreizinkigen Sector abgibt. Der Cubitus theilt sich im Hintertiügel gleich an der Wurzel, im Vorderflügel bald nach seinem Ursprung in zwei Aeste, wovon der hin- tere sich nochmals gabelt und durch eine Querader mit dem vorderen verbunden ist. Aus diesem vorderen Cubitalaste entspringt ferner eine, besonders an der Wurzel blasse, zarte Convexader, die sich in ihrer Mitte gabelt, durch eine Querader sowohl mit dem Sector radii als auch mit dem Cubitus verbunden ist und die V. Ader darstellt. Vor ihr verläuft eine Concavfalte als Vertreter der IV. Ader, während die VI. fehlt und sich höchstens durch die fast ausgelöschte Wurzel der V. Ader verräth. Eine Spur derselben ist ausserdem als kurze Concavfalte am Flügelsaume erkennbar. Aehnliche Falten be- finden sich zwischen je zwei Convexästen und sind ebenfalls als Reste der zahlreichen Concavadern anzusehen, welche im ursprünglichen Fächerflügel vorhanden waren. Das Analfeld zeigt im Hinterflügel nur eine Convexader, die als IX. zu betrachten ist, und im Vorderflügel mit der darauffolgenden XI. Ader bald nach ihrem Ursprünge ver- schmilzt. Vergleicht man diesen Flügel mit demjenigen von Cossus ligniperda, so findet man, dass hier im Vordcrflügel Cubitus und Radius einander viel mehr genähert sind als bei Hepialus, und dass in Folge dessen eine Reduction der V. Ader stattfinden musste. Die Subcosta ist bei Cossus im Vorderflügel als deutliche Ader ausgebildet, im Hinter- flügel durch eine Falte ersetzt, die Analader dagegen in beiden Flügeln ausgebildet. Ein eigenthümliches Verhalten zeigt ferner die Costa, die im Vorderflügel marginal verläuft, im Hinterflügel aber nach innen gerückt erscheint, so dass ein ziemlich breites Praecostal- feld entsteht. Der Radius gibt nach rückwärts den Sector ab, der in fünf Zinken am Ende getheilt ist und die sogenannte »Anhangszelle« einschliesst, deren Entstehung ich mir folgendermassen erkläre. Der Sector radii gabelt sich, wie bei Panorpen und Trichopteren, in zwei Aeste, von denen der eine sich in zwei, der andere in drei Zweige theilt. Diese beiden Endgabeln, die bei jenen nur durch eine Querader verbunden sind, legen sich hier eine kurze Strecke aneinander und schlicssen dadurch eben jene »Anhangszelle« cin._ Deuthcher noch als bei Cossus ist diese Verschmelzung der beiden Endgabeln bei Zeu^era und den meisten Noctuinen zu erkennen; bei Tineidien dagegen sind dieselben wie bei den Trichopteren oder Panorpen wirkhch durch eine Querader miteinander verbunden. Der Cubitus erscheint bei Cossus als einfacher Stamm, der sich in der Mitte in vier Zweige theilt, wovon aber nur drei zum Cubitus gehören, während der vorderste als Rest der V. Ader zu betrachten ist, welche stark reducirt erscheint. Zwischen Radius und Cubitus nämlich liegt eine concave Längsader, die sich in ihrer Mitte in zwei Zweige theilt, deren vorderer ausserhalb der Querader, welche das Discoidalfeld, wie bei Hepialus, begrenzt, als Falte weiter läuft, während der hintere von dieser Stelle an convex erscheint. Man hat sich demnach vorzustellen, dass jene gegabelte Concavader durch theilweise Verschmelzung der IV. und VI. Längsader entstanden ist, und dass dadurch der Stamm und vordere Ast der V. Ader ausgelöscht wurde, während der hintere erhalten und mit den Zweigen des Cubitus in Verbindung blieb. Der Vorderast des Cubitus aber, wie ihn Hepialus zeigt, erscheint durch eine Concavfalte ausgelöscht, welche unmittelbar hinter jener Concavader verläuft und offenbar ursprünglich zwischen den beiden Cubitalästen verlief. Im Analfeld sieht man die IX., sowie die abgekürzte XI. Ader. Der Hinterflügel erscheint noch mehr reducirt als der Vorderflügel, indem, wie oben erwähnt, die Sub- 200 Josef Redtenbacher. Costa durch eine Falte ersetzt ist, ausserdem auch der Radius sich am Ende nur in drei Zweige theilt, wovon der vordere wohl durch die der Subcosta entsprechende Concav- falte gleich nach seinem Ursprung abgeschnitten ist. Auch die Anhangszelle fehlt. V.Ader und Cubitus sind wie im Vorderflügel gebaut, ebenso die durch Verschmelzung von IV. und VI. entstandene Concavader im Discoidalfeld, welche die sogenannte »eingeschobene Zelle« zwischen ihren kurzen Gabelzinken einschliesst. IX. und XI. Ader sind im Hinter- flügel vollständig entwickelt und durch eine Concavfalte von einander getrennt, welche als Rest der X. Concavader anzusehen ist. Zeu^era aesciili L. scheint im Wesentlichen dasselbe Geäder wie Cossus zu haben; doch kann ich leider nichts Bestimmtes hierüber angeben, da mir ein einziges, sehr defectes Stück zu Gebote stand, und beschuppte Exemplare über Aderverhältnisse keinen sicheren Aufschluss geben. Der Flügel der Tineiden erinnert am meisten an den von Leptocerus oder Mj"-- stacides unter den Trichopteren. In beiden Flügeln sind Subcosta und Analader als Con- cavadern ausgebildet, die Costa marginal. Der Sector radii im Vorderflügel wie bei Jenen zweimal gegabelt und die beiden Endgabeln durch eine Querader verbunden; der Cubitus dreizinkig, durch eine Querader mit der V. Ader in Verbindung, deren Stamm fehlt, während die beiden Gabelzinken erhalten sind. Die IV. und VI. Ader sind durch Falten ersetzt, die denselben Verlauf zeigen wie bei Cossus. Im Analfeld sind die IX. und XI. Ader bald nach ihrem Ursprung verwachsen und laufen als einfache Ader weiter, ver- schmelzen aber bald darauf noch mit einer XIII. Convexader. Im Hinterflügel gibt der Radius nur einen einfachen Sector ab, der Cubitus ist dreizinkig, zwischen ihnen und durch Queradern mit ihnen in Verbindung läuft eine einfache Ader als Rest der V. Ader. Die IV. und VI. Ader sind als Concavadern ausgebildet, die denselben Verlauf wie die entsprechenden Furchen im Vorderflügel zeigen. Im Analfeld sind IX. und XI. Ader von einander getrennt. Ganz ähnlich ist das Geäder der Choreutiden, z. ß. Simaethys nemorana. Die IV. und VI. Ader wie im Vorderflügel von Tinea gebildet, von der V. Ader nur die bei- den Gabelenden vorhanden; am Sector radii erkennt man die beiden Endgabeln, dagegen ist der Stiel der hinteren im Hinterflügel nur durch eine erhabene Falte angedeutet, im Vorderflügel ganz verschwunden. Die Analader ist im Vorderflügel durch eine Falte er- setzt, im Hinterflügel laufen an ihrer Stelle zwei Concavfurchen, welche eine abgekürzte Convexader einschliessen. Es scheint demnach auch bei den Lepidopteren, wie bei den Ephemeriden, die Analader durch Verschmelzung von zwei Concavlinien und Aus- lüschung der dazwischen liegenden Convexader entstehen zu können. Sie bildet in dieser Beziehung ein Seitenstück zur IV. und VI. Concavader, welche so häufig, namentlich bei den höher entwickelten Insectengruppen, die Neigung zeigen, mit einander zu ver- schmelzen und die zwischen ihnen liegenden Convexlinien theilweise oder völlig aus- zulöschen. Die IX. und XI. Ader verschmelzen bald nach ihrem Ursprünge, sowohl im Vorder- als im Hinterflügel. — Den Tineiden und Choreutiden stehen in Bezug auf das Flügelgeädcr am nächsten die Tortriciden und, wie es scheint, die Psvchiden, die in Bezug auf Lebensweise und Entwicklung manche Achnlichkeit mit den Trichopteren zeigen und demnach der Stammform der Lepidopteren sich zu nähern scheinen. — Der Vorderflügel von Tortrix zeigt vollständig das Geäder von Simaethj's, der Hinterflügel dagegen erinnert mehr an den von Tinea, indem der Sector radii einfach ist und auch die V. Ader nur durch eine einfache, abgekürzte Ader vertreten ist, die sich hier dicht an den dreizinkigen Cubitus anschliesst, während sie bei Tinea mehr dem Sector radii genähert ist. Es scheint demnach hier die vordere, bei Tinea die hintere Zinke der V. Ader ausgelöscht zu sein. Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 20I Von den Psvchidcn standen mir nur beschuppte oder beschädigte Exemplare zur Verfügung, weshalb ich das Geäder nicht in dem Masse untersuchen konnte, um ge- nauen Bescheid darüber zu geben; doch scheint mir dasselbe, namentlich im Vorder- flügel, grosse Aehnlichkeit mit dem der Tineiden zu besitzen. IV. und VI. Ader scheinen manchmal der ganzen Länge nach verschmolzen zu sein. Auch Zygaena zeigt grosse Aehnlichkeit mit Tinea und Tortrix, namentlich im Vorderflügel, in welchem die marginale Costa, ferner die concave Su'bcosta und Analader leicht erkenntlich sind. Vom Sector radii fehlt, wie bei Tortrix, der Stiel der zweiten Gabel, und diese scheint mir, wie bei Cossiis oder Zeu:iera, mit der vorderen eine Strecke verwachsen zu sein. Von der V. Ader sind nur die beiden Gabelenden vorhanden, der Stamm durch eine Concavlinie ausgelöscht, welche theilweise den Charakter einer Con- cavader annimmt und als Vereinigung von IV und VI aufzufassen ist. Im Analfeld sind IX. und XI. Ader, wie bei Simaetliys etc., verwachsen. Im Hinterflügel verläuft die Costa submarginal und verschmilzt bald nach ihrem Ursprung mit der concaven Subcosta, welche sich in ihrem Verlaufe wieder mit dem Radius vereinigt, der einen einfachen Sector abgibt. Der Stamm der V. Ader ist, wie im Vorderflügel, durch die Vereinigung von IV und VI ausgelöscht; im Analfelde IX. und XI. Ader getrennt, dazwischen eine Convex falte, längs welcher sich der Fliigel nach unten umschlägt. Sesia apiformis erinnert im Vorderflügel an Z^gaena, doch entspringt die zweite Gabel des Sector radii aus der ersten und die Analader ist durch eine Falte ersetzt. Der Hinterflügcl erscheint gegen den von Zj-gaena sehr verschmälert, so dass die V. Ader auf eine Endzinke reducirt wird. Die IV. und VI. Ader sind durch Concavfalten ver- treten, die Analader ebenfalls durch eine Falte ersetzt, die Subcosta dagegen ausgebildet, parallel dem Radius verlaufend. Das Geäder der Eulen lässt sich aus dem von Cossus ableiten. Der Vorderflügel von Cerastis vaccinii^) zeigt blos eine Concavader, die Subcosta. Die IV. und VI. Ader sind ebenso wie die Analader durch Falten ersetzt. Ausserdem verläuft zwischen Je zwei convexen Adern am Flügelsaume eine kurze Concavfalte, wie dies bei fast allen Lepidopteren mehr minder deutlich der Fall ist. Der Sector radii theilt sich in einen zweizinkigen und einen dreizinkigen Gabelast, die bald nach ihrer Trennung sich wieder so aneinander legen, dass sie eine rhombische Anhangszelle einschliessen. Die V. Ader ist abgekürzt und steht durch eine Querader mit dem dreizinkigen Cubitus in Verbin- dung, IX. und XI. Ader sind bald nach ihrem Ursprünge vereinigt. Im Hinterflügel ist die Costa submarginal, und zwischen ihr und dem gegabelten Radius ist die Subcosta in Form einer sehr kurzen Concavader an der Flügelwurzel sichtbar. Die V. Ader lässt sich als äusserst feine Convexlinie zwischen den die IV. und VI. Ader vertretenden Con- cavfalten bis zur Flügelwurzel verfolgen. Cubitus und Analader wie im Vorderflügel, IX. und XL Ader vollständig, durch eine concave Falte von einander getrennt. — Die übrigen Noctuinen stimmen im Geäder mit Cerastis in allen wesentlichen Merkmalen überein. Bei Rivida sericealis fehlt die Anhangszelle, die sonst allen Eulen eigenthüm- lich ist. Analader im Vorder- und Hinterflügel stets nur als Falte ausgebildet. Die Sub- costa fehlt im Hinterflügel regelmässig oder ist nur durch eine kurze Falte angedeutet. Die V. Ader ist im Hinterflügel meist sehr zart und abgekürzt, bei Grammesia trigram- niica, Agrotis u. A. ist sie vollständig obliterirt. Die IV. und VI. Ader sind entweder der ganzen Länge nach vereinigt oder am Ende gegabelt, meist durch Falten ersetzt, nur I) In der Abbildung (Taf. XVII, Fig. 80) ist im Vorderflügel der Sector imhümlich sechszinki, gezeichnet und die kurze Subcosta im Hinterflügel ausgelassen worden. Annaleii des k. k. naturhistorisclien Hofmuseums, Bd. I, Heft 3, 188Ö. 14 202 Josef Redtenbacher, bei einigen (Agrotis) theihveise als Ader ausgebildet und häufig von einer vorderen und hinteren Concavfalte begleitet, die als Reste jener Concavadern anzusehen sein dürften, welche im ursprünglichen Flügel zwischen dem Radius und seinem Sector, sowie zwischen den beiden Cubitalzinken verliefen. Die IX. und XI. Ader sind im Hinterflügel stets getrennt; im Vorderflügel ist die XI. Ader abgekürzt und entweder frei (Agrotis), oder durch eine Querader mit der IX. verbunden (Hadena), oder wie bei Ce7^astis mit der- selben verwachsen, oder sie fehlt ganz (Rhnila, Catocala). Hinter der IX. Ader schlägt sich das Analfeld, wie bei Zj-gaena, nach unten um. Die Drepanulinen (Platypteryx falciila) erinnern im Flügelgeäder an die Eulen, namentlich durch das Verhalten des Sector radii, der in zwei Gabeln getheilt ist, die sich jedoch nicht unmittelbar aneinanderlegen, sondern nur durch eine Querader miteinander verbunden sind. Ebenso zeigen die Notodontinen (Harpyja vimila) eine Anhangszelle, indem sich der hintere, einfache Gabelast des Sector radii an den vorderen, viertheiligen eine kurze Strecke anlegt und auf diese V^eise eine dreieckige Zelle einschliesst. Die V. Ader erscheint hier dem Sector radii genähert und durch eine kleine, schiefe Querader mit demselben verbunden. Bei Plialera bucephala sind beide Gabeläste des Sector radii so miteinander an der Wurzel verschmolzen, dass die Anhangszelle verschwindet. Von den Lithosiiden zeigt Leptosojua plagiatum die Anhangszelle wie bei den Eulen, während bei Nola strigula der Sector radii in einen vorderen, gegabelten und einen hinteren, einfachen Ast getheilt ist, die jedoch nicht miteinander in Verbindung stehen, w^eshalb die Anhangszelle entfällt. Ebenso zeigt von den Geometrinen Cidaria die Anhangszelle; bei Venilia ist der vordere, einfache Ast des Sector radii durch eine kurze Querader mit dem hinteren, vierzinkigen verbunden, bei Psodos, Hibernia und Amphidasis fehlt die Anhangszelle vollständig. Unter den Pyralidinen (Botys polygonalis) ist der Sector radii in einen gega- belten und einen einfachen Ast gespalten, ohne dass es zur Bildung einer Anhangszelle kommt. Eigenthümlich verhält sich bei dieser Art das Analfeld, welches im Vorderflügel die IX. und XI. Ader von einander getrennt zeigt. Im Hinterflügel laufen hinter dem Cubitus drei Convexadern, durch je eine Concavfalte von einander getrennt, so dass eine doppelte Auffassung möglich ist: entweder sind diese drei Convexadern als IX., XI. und XIII. zu bezeichnen, oder man hat die Analader als zweitheilige Concavader anzunehmen, welche eine Convexader einschliesst. Da diese Ausbildung der Analader sowohl bei Ephemeriden als auch bei Lepidopteren (Simaetltys) vorkommt, halte ich die letztere Auffassung wenigstens für möglich. Brephos piiella zeigt den Sector radii in einen dreizinkigen und einen einfachen Ast gespalten, ohne Spur einer Anhangszelle. Die V. Ader ist sowohl im Vorder- als im Hinterflügel vollständig ausgelöscht, dafür an ihrer Stelle eine Concavader vorhanden, welche sich im Discoidalfeld als Concavfalte fortsetzt. Im Hinterflügel ist die Costa sub- marginal, der Radius, wie gewöhnlich, gegabelt, die Analader durch eine Falte vertreten. Im Vorderflügel ist blos die IX., im Hinterflügel auch die XI. Ader ausgebildet. Die B o m b y c i d e n , S a t u r n i d e n , A r c t i o i d e n und L i p a r i d e n entbehren durch- wegs der Anhangszelle. Bei Satiinüa gibt der Radius nach hinten blos zwei Aeste ab, bei Gastropacha ist der Sector radii in zwei gegabelte Aeste getheilt, welche aber nicht miteinander in Verbindung stehen. Bei Bombj-x, Liparis und den Arctioidcn dagegen sind beide Aeste so miteinander vereinigt, dass der Sector wie bei Psodos oder Amphi- dasis 4 — Sspahig erscheint. Die V. Ader ist stets einfach und bald mehr dem Sector Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 2o3 radii (Saturnia), bald mehr dem dreispaltigen Cuhitus genähert; hei Bombyx setzt sie sich noch ein kurzes Stück im Discoidalfeld fort. Die Analader ist bei Bombyx in beiden Flügeln, bei Gastropacha im Vorderflügel theilweise als Concavader, bei den übrigen Spinnern nur als Falte ausgebildet. Im Vorderflügel ist entweder die IX. Ader allein, oder die XI. nur als kurze ConvexHnie ausgebildet (Bombyx), im Hinterflügel sind in der Regel IX. und XI. Ader vollständig entwickelt und von einander durch eine Concav- falte getrennt, oder die XI. Ader fehlt (Saturnia). Dicht hinter der IX. Ader verläuft bei ersteren eine Convexfalte, längs welcher das Analfeld nach unten umgeschlagen wird. Im Hinterflügel ist der Radius bei Gastropacha mit der submarginalen Costa durch eine schiefe Querader verbunden und die Costa gibt zur Stütze des Präcostalfeldes 2 — 3 Aeste nach vorne ab. Die Sphingiden, noch mehr die Dhirna, ahmen im Allgemeinen das Geäder von Bombyx nach. Bei ersteren sind die Vorderflügel mächtiger entwickelt als die Hinter- flügel, schmal und zugespitzt, sonst aber ist das Geäder sehr übereinstimmend. Die Costa ist bei den Sphingiden im Vorderflügel marginal, im Hinterflügel submarginal; die Sub- costa im Vorderflügel vollständig entwickelt, während sie im Hinterflügel eine schiefe, concave Qiierader zwischen der Costa und dem gegabelten Radius darstellt. Der Sector radii ist im Vorderflügel durch Aneinanderlegen beider Gabeläste vierspaltig, der Cubitus in beiden Flügeln dreizinkig, die V. Ader einfach, abgekürzt, durch eine schiefe Querader sowohl mit dem Sector radii als mit dem Cubitus in Verbindung. Die Analader ist in beiden Flügeln durch eine Falte ersetzt, die IX. und XI. Ader im Hinterflügel durch eine Falte von einander getrennt, im Vorderflügel bald nach ihrem Ursprünge verwachsen. Die Analader ist häufig vorne und hinten von einer kurzen Concavfalte begleitet, welche dar- auf hindeuten, dass die Analader durch Verschmelzung aus mehreren Concavadern unter gleichzeitiger Auslöschung der dazwischenliegenden Convexadern hervorgegangen ist. Die Tagfalter erinnern, wie erwähnt, am meisten an Bombyx, deren Larve durch das Hörn am Hinterleibsende Beziehungen zu den Sphingiden zeigt. Die Costa läuft im Vorderflügel stets marginal, im Hinterflügel submarginal. Die Subcosta ist nn Vorderflügel eine ausgebildete Concavader, welche an der Unterseite manchmal stark ver- dickt ist (Satyrus), im Hinterflügel ist sie meist durch eine Concavfalte angedeutet, nur bei Papilio stellt sie eine kurze, schiefe Concavader dar, welche die Wurzel des Radius mit der Costa verbindet. Zur Stütze des oft stark erweiterten Präcostalfeldes entsendet die Costa häufig einen kurzen, gekrümmten Ast nach vorne, wie bei Gastropacha. Der Sector radii erscheint im Hinterflügel stets als einfacher Ast des Radius, im Vorderflügel aber bildet er eine 4 — öspaltige Ader, welche durch Verschmelzung von zwei Aesten entstanden sein dürfte. Die V. Ader ist immer als abgekürzte, einfache Ader vorhanden, welche bald dem Cubitus (Papilio), bald dem Sector radii (Gonopteryx, Vanessa) ge- nähert ist und nicht selten sich ein kurzes Stück im Discoidalfeld fortsetzt (Danais, Heliconiiis, Limenitis, Satyrus etc.). Die Queradern, wodurch die V. Ader mit dem Cubitus und Sector radii in der Regel verbunden ist, erscheinen manchmal durchbrochen (Argynnis, Vanessa), manchmal sind sie ganz ausgelöscht (Limenitis, Apatura). Im Discoidalfelde verlaufen stets zwei Concavadern, welche sich nicht selten mehr minder vereinigen, manchmal eine undeutliche Convexfalte (Rest der V. Ader?) einschliessen und als Vertreter der IV. und VI. Ader anzusehen sind. Häufig ist auch vor und hinter denselben noch eine mehr minder deutliche Concavfalte sichtbar. Der Cubitus ist in beiden Flügeln dreizinkig; hinter ihm folgt die stets als Falte ausgebildete Analader und das Analfeld. Die IX. und XI. Ader sind im Hinterflügel meist von einander durch eine Concavfalte getrennt, im Vorderflügel bald nach ihrem Ursprung verschmolzen. Die 14* 204 Jpsef Redtenbacher. XI. Ader fehlt im Vorderflügel von Satj-riis, Vanessa, Doritis etc., bei Papilio mündet sie frei in den Hinterrand; im Hinterfiügei fehlt sie bei Papilio, Thais, Doritis etc. Den Tineiden offenbar verwandt erscheinen die Pterophoriden, deren Flügel in 2 — 3 Theile mehr minder tief zerschnitten ist. Stets fallen diese Einschnitte mit der Richtung von Concavadern zusammen, die ja überhaupt Linien bilden, längs welchen der Insectenflügel leicht zerreisst. Bei Leioptilus luniganus entspricht der Einschnitt der als Falte ausgebildeten Ver- einigung von IV und VI; im Hinterflügel ist noch ein zweiter Einschnitt längs der Analader vorhanden. Die V. Ader fehlt in beiden Flügeln vollständig, der Radius ist vorne in vier, hinten in zwei Aeste getheilt, während der Cubitus im Vorderflügel drei, im Hinterflügel zwei Zinken zeigt. Das Analfeld enthält vorne nur die IX. Ader, im Hinterflügel ist auch die XI. ausgebildet. Die Subcosta fehlt im Hinterflügel, im Vorder- flügel ist sie deutlich als Concavader entwickelt. Bei der Verschiedenheit im Geäder der Lepidopteren lassen sich nur wenige charakteristische Merkmale angeben. Die Mehrzahl der Schmetterlinge ist durch eine grosse, nur von Falten durchzogene Mittel- oder Discoidalzelle ausgezeichnet; bei Hepia- liis, Cossus etc. aber ist sie von einer ausgebildeten Ader durchzogen und entspricht dann vollkommen der gleichgelegenen Zelle im Flügel der Trichopteren. Queradern finden sich sehr spärlich, meist nur jene, welche die abgekürzte V. Ader mit dem Cubitus und dem Sector radii verbinden. Von Concavadern ist nur die Subcosta und auch diese nur im Vorderflügel stets vorhanden; manchmal verschmelzen IV. und VI. Ader zu einer einfachen oder gegabelten Concavader, hie und da ist auch die Analader ausgebildet. Ausser diesen Concavlinien sind fast ausnahmslos kleine Concavfalten sichtbar, welche regelmässig mit den Convexadern alterniren und häufig einspringende Winkel am Flügel- saume erzeugen. Der Radius ist in der Regel mit einem 3 — 6spaltigen Sector ausge- stattet, dessen Verhalten aber sehr verschieden ist. Der Cubitus erscheint mit wenigen Ausnahmen dreizinkig, die Costa im Vorderflügel stets marginal, im Hinterflügel häufig {Diurna, Spinner p. p., Schwärmer p. p.) submarginal. Im Analfelde ist nur die IX. oder auch die XI. Ader vorhanden, nicht selten, besonders im Vorderflügel, beide mit- einander verwachsen. Die Flügel sind blos hei den Pterophoriden faltbar; bei Zygaena, den Sphingiden, Bombyciden und Eulen schlägt sich das Analfeld des Hinterflügels längs einer hinter der IX. Ader gelegenen Convexfalte nach unten um. Der charakte- ristische Schuppenbelag der Flügel bewirkt eine Verstärkung der Flughaut und demzu- folge eine Reduction der Adern in einer solchen Weise, dass der Mangel von Queradern und das grossmaschige Geäder namentlich gegenüber den netzadrigen Flügeln der Ortho- pteren und Neuropteren höchst auffallend erscheint. Da der Hinterflügel vom Vorder- flügel gewissermassen im Schlepptau geführt wird, ist sein Geäder meist noch mehr als im Vorderflügel vereinfacht. Als nächste Verwandte der Lepidopteren sind jedenfalls die Trichopteren anzu- sehen, denen die Mikrolepidopteren (Tineiden) sowohl im Flügelgeäder, als auch in der Ausbildung und Vertheilung der Flügelmuskulatur näher stehen als die Macrolepido- pteren. Diese sind daher als jüngere Glieder, jene als die Stammformen der ganzen Ord- nung anzusehen. XIII. Diptera. Taf. XVII, Fi-. 83—05; Tat". XVIII, Fig. 06—100. Die Zweiflügler sind die einzige Insectenordnung, bei denen die Flügel in Bezug auf die Qualität der Adern (ob concav oder convex) untersucht wurden, und zwar von Prof. Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 2o5 Fr. Brauer (Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch., Wien, 1882, pag. 59, mathem.- naturw. Classe) und von Dr. E.Adolph (Nova acta d. königl. Leop. Carol.-Akad. XLVII, Nr. 6, i885, p. 271). Beide sind zu ziemlich übereinstimmenden Resultaten in Bezug auf die Homologie der Adern gekommen, weichen aber insoferne von einander ab, als Adolph den Diptcrenflügel auf den ursprüngHchen Fächertypus zurückführt und von diesem Standpunkt aus die Flügel miteinander vergleicht. Die von ihm dabei angewendete Bezeichnungsweise scheint mir nicht sehr glücklich gewählt und macht die Leetüre seiner sonst verdienstlichen Arbeit ziemlich mühsam. Auch mit dem seiner Arbeit beigegebenen Schema des Dipterenflügels, nach welchem derselbe in drei Felder: Area antica, media wnd postica zerfällt, kann ich mich nach meinen über alle Insectenordnungen angestellten Untersuchungen nicht vollkommen einverstanden erklären. Die obige Eintheilung des Flügels ist, wie Adolph erwähnt, nicht neu, und die drei genannten Flügelfelder ent- sprechen dem, was ich als Svstem des Radius, Cubitus und als Analfeld bezeichne. Aber sowohl die Neuropteren und Orthopteren, also gerade die ältesten Insecten, als auch die Lepidopteren, Coleopteren etc. veranlassen mich, zwischen Radius und Cubitus noch ein selbstständiges System von Convexadern zu unterscheiden und demgemäss auch eigens zu bezeichnen. Dieses System, bald aus einer einfachen, bald mehrfach ver- zweigten Ader bestehend, hat selten einen specifischen, selbstständigen Ursprung, sondern lehnt sich bald an den Radius, bald an den Cubitus in einer Weise an, dass man es bald als Ast des einen, bald des anderen angesehen hat, nicht selten aber mit dieser An- schauung in eine Klemme gerieth. Alle diese Verlegenheiten verschwinden, wenn auch nicht völlig, doch grösstentheils, wenn man diese von mir als V. bezeichnete Ader als selbstständigen Convexstamm auffasst. Auch bei den Dipteren lässt sich dieses System leicht erkennen, doch ist dasselbe selten vollständig ausgebildet, sondern meist nur in seinen Endgabeln erhalten oder vollständig verschwunden. Vollständig ausgebildet erscheint diese V. Ader blos bei manchen Psychodiden, ferner bei Sciara und Lonchoptera; durch Aneinanderrücken der sie begleitenden IV. und VI. Ader aber wird sie in ihrem Stammtheil vollständig oder theilweise unterdrückt, so dass nur die Endgabeln noch erhalten bleiben, wie bei Bibio, Tipula, Stratiomys etc. Noch weiter geht die Vereinigung dieser IV. und VI. Ader, resp. Falte bei Ptychoptera, Culex etc., bis endlich durch das völlige Verschmelzen derselben die V. Ader vollkommen ausfällt oder nur durch Spuren angedeutet ist, wie bei DoUchopus, Syrphus, Tachina, Trypeta etc. Die »sogenannte« Vena spuria der Syrphiden ist offenbar nur ein verloschener Zweig des Radialsystems, der bald als abgekürzte Convexader, bald nur als erhabene Falte auftritt und manchmal mit den Zinken der V. Ader in Verbindung steht. Alle diese Erscheinungen weisen darauf hin, dass der Dipterenflügel durch aus- gedehnte Reduction, namentlich auf dem Gebiete der V. Ader, aus einem viel reicher geäderten Flügel entstanden ist, von dem sich noch Spuren in den zahlreichen, oft schwer zu entwirrenden b'alten erkennen lassen. Das Geäder der Psychodiden ist bei der geringen Grösse des Flügels schwer zu entziffern; meine und Adolph 's Zeichnungen stimmen daher auch nicht überein. Eine mexikanische, leider nicht näher bestimmte Psychodide, welche ich der Güte des Herrn Prof. F. Brauer verdanke, lässt die Adern ihrer Natur nach deutlich erkennen und zeigt ein Geäder, welches dem ursprüngHchen Typus des Dipterenflügels ziemlich nahe stehen dürfte. Von concaven Adern zeigt dasselbe blos die Subcosta (Hilfsader), dafür aber sind je zwei Convexzweige durch eine concave Falte von einander getrennt. Von Con- vexadern erkennt man leicht den Radius (erste Längsader), der nach hinten den ge- gabelten Sector (dritte Längsader) abgibt, und aus diesem entspringt abermals eine zwei- 2o6 Josef Redtenbacher. zinkige Ader, welche ich als V. Ader bezeichne. Durch eine Querader ist sie mit dem gegabelten Cubitus (fünfte Längsader) verbunden, auf welchen noch eine zweitheilige (IX) und eine einfache Convexader (XI) folgen. Vergleicht man diesen Flügel mit dem Schema, welches Adolph 1. c. Taf. I, Fig. i gibt, so wird man eine geradezu frappirende Uebereinstimmung trotz der abweichenden Bezeichnungsw^eise finden. Der Radius sammt seinem convexen Sector entspricht den von Adolph mit Ib, Ub,Ulb bezeichneten Adern. Die V. Ader ist gleichwerthig der Ader IV^ in der Area antica und der Ader I^ in der Area media. Der Cubitus entspricht den Adern IIb und III ^ der Area media, während die drei Convexadern der Area postica der gegabelten IX. und einfachen XI. Ader nach meiner Zeichnung entsprechen. Bei den M Y c e t o p h i 1 i d c n(Sciara viatica Wi n n.) erkennt man leicht die homologen Adern, nämlich die verkümmerte Subcosta, den Radius mit seinem einfachen Sector, aus dem wieder die gegabelte V. Ader entspringt. Die Wurzel dieser Ader erscheint fast aus- gelöscht, offenbar durch die als schwache Falten angedeutete IV. und VI. Ader. Die nächste convexe Gabelader ist der Cubitus, die Analader (sechste Längsader) durch eine Falte vertreten, endlich folgt noch eine abgekürzte Convexader (IX). — Bei Lonchoptera spec. sieht man ausser der Subcosta noch eine zweite Concavader, welche zwischen Radius und seinem Sector verläuft und für die meisten Dipteren ein äusserst charakteristisches Merkmal bildet. Da sie zum System des Radius gehört, wäre sie als IIIj zu bezeichnen und entspricht dem Sector principalis der Odonaten, während der Radius selbst als III, und der Sector als III j anzusehen ist. Nun folgt eine Convexgabel (V), die vorne und rückwärts von einer Concavfalte begrenzt ist und ausserdem eine concave Furche zwischen den beiden Zinken zeigt. Erstere wären als IV. und VI. Ader zu bezeichnen, letztere als Vj. Der Stamm dieser V. Ader entsendet unter gleichzeitiger winkeliger Knickung eine Quer- ader gegen III., und legt sich dann eine Strecke an den ebenfalls gegabelten Cubitus an, dessen Zinken bei der von mir untersuchten Art vor ihrem Ende verschmelzen. Eine weitere Convexader (IX) verschmilzt nach kurzem Laufe mit dem Cubitus und ist durch eine seichte Concavfalte von ihm getrennt. Adolph 's Zeichnung weicht insoferne von meiner ab, als dort die Wurzel der V. Ader als concave Linie, ihr mittlerer Theil zweifel- haft gezeichnet ist und die Aeste des Cubitus miteinander nicht verschmelzen. Bcii^/Zj/o ist ausser der Subcosta auch die IV. und VIII. Concavader entwickelt, während III2, V2 und VI nur als Falten erscheinen; auch das Ende von IV ist durch eine Furche ersetzt, welche unmittelbar vor V, läuft. Die V. Ader ist nur in ihren beiden Zinken er- halten, während der Stamm obliterirt ist. Der Cubitus ist gegabelt und dicht hinter ihr die concave Analader, aufweiche noch eine kurze IX. Ader, sowie die Spur einer X. und XI. Ader folgt. — Ryphus zeigt ausser der Subcosta noch III.^, IV, VI und X als Con- cavadern entwickelt; IV und VI sind an der Wurzel vereinigt, dann getrennt und löschen den Stamm der, wae es scheint, dreizinkigen V. Ader aus, so dass blos die Enden der- selben sichtbar sind. Die Analader ist durch eine Falte ersetzt. — Bei Ptychoptera sind IV. und VI. Ader vereinigt und löschen die V. Ader so weit aus, dass nur eine convexe Gabel übrig bleibt. Vorher verläuft eine Convexfalte, welche der Vena spuria der Syr- phiden entspricht und als ein verloschener Ast des Radius anzusehen ist. Ganz ähnlich verhält sich auch Culex, doch ist die Vena spuria am Ende als Con- vexader ausgebildet. - Chironomus zeigt die Adern II, III 2, IV und X ausgebildet, während VI und VIII durch Falten ersetzt sind; die V. Ader fehlt ganz. — Bei Simulia sieht man von Concavadern II, III2 und III ,,IV und VIII, von Concavfalten VI und VIl2- Convex sine! III, und VII, V fehlt vollständig, der Sector radii ist nur als Convexfalte entwickelt. — Noch weiter geht die Reduction bei Cccidovijna, welche Gattung blos Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 207 drei Convexadern und eine Concavfalte zeigt. Erstere sind als Radius sammt Sector und Cubitus, letztere als Rest von VI anzusehen. — Bei Tipiila ist der Sector radii am Grunde durch eine Falte ersetzt, am Ende gegabelt, durch i — 3 Queradern mit dem Radius in Verbindung. Von V sind nur die Endzinken und ein Theil des Stammes sichtbar, da die Wurzel durch die Vereinigung von IV und VI ausgelöscht erscheint, welche theils als Falten, theils als wirkliche Concavadern ausgebildet sind. Hinter dem Cubitus die con- cave Analader; eine zweite Concavader, welche Adolph dicht hinter VII abbildet, kann ich nicht sehen. Ganz ähnlich dem Tipulidengeäder ist auch das der Limnobiden. Von den Orthorrapha brachycera wurden die Lonchopteriden bereits erwähnt. Bei den Stratiomyiden (Subula) sind von Convexadern der Radius mit dem gegabelten Sector (dessen Vorderast Adolph concav zeichnet), eine Zinke der V. Ader und der Cubitus, nebst einer Spur der IX. Ader vorhanden, von Concavadern finden sich vor II, III ,, IV und VI an der Wurzel verwachsen, endlich VIII. Bei Stratiomys ist der Sector radii sehr klein und ganz an den Vorderrand des Flügels gerückt, weshalb die übrigen Adern, namentlich IV, V und VI, fast an der Flügelspitze enden. Die IV. Ader ist in der Wurzelhälfte mit VI vereinigt, die beiden getrennten Enden schliessen die abgekürzte V. ein. Hinter dem Cubitus folgt die concave VIII. und die schwache IX. Ader. Von den Xylophagiden zeigt Coenomyia den Radius nebst dem Sector, der sich gegen die Wurzel in Form einer Convexader fortsetzt, dieV. Ader, durch die am Grunde vereinigte IV. und VI. Ader ausgelöscht, Cubitus und IX. Ader wie bei Stratiomys. Die vordere Zinke des Sector radii ist durch eine Concavader ersetzt, welche als III ^ zu be- zeichnen ist. — Tabaniden und Leptiden stimmen im Wesentlichen überein. Sector radii gegabelt, der Stamm nur als Convexfalte ausgebildet. IV. und VI. in der Wurzel- hälfte vereinigt, nur die letztere erreicht den Flügelsaum, während die erstere in zwei Convexadern endigt, welche als die Zinken der grösstentheils ausgelöschten V. Ader zu bezeichnen sind. Die VI. Ader steht mit der vorderen Cubitalzinke durch eine kurze Querader in Verbindung. VIII. und IX. Ader normal. — Acrocera zeigt von Concav- adern nur die Subcosta ausgebildet; IIIj und III,, IV und VI, sowie die Analader sind durch Falten ersetzt. Von Convexadern sind der Radius sammt seinem gegabelten Sector, der fast von der Wurzel an gegabelte Cubitus und die IX. Ader ausgebildet; V ist nur durch eine kurze Falte angedeutet. Die Mydaidae, Apioceridae, Asilidae und Bombylidae haben ein im Wesentlichen übereinstimmendes Geäder. IV und V. sind stets am Grunde vereinigt, dann aber ge- trennt, ihre convexen Enden als Zinken der V. Ader aufzufassen, und bei den Bombv- liden legt sich die VI. Ader eine Strecke an die vordere Cubitalzinke, während sie bei Mydas, Apiocera und den Asiliden nur durch eine Querader mit ihr vereinigt ist. Bei Usica aurata Fab. ist nur die IV. Ader entwickelt, die VI. (Theilungsader) dagegen durch eine Falte ersetzt, welche vor dem Cubitus verläuft. Die V. Ader scheint hier völlig obliterirt zu sein. Bei Mydas laufen sowohl IV. und VI. Ader, als auch die convexen Gabelenden der V. Ader, deren eine durch eine Falte ersetzt ist, nicht wie gewöhnlich gegen den Hinterrand, sondern gegen die Flügelspitze, was dem Geäder ein eigenthüm- liches Gepräge gibt. — Scenopimis lässt sich von Mydas einfach dadurch ableiten, dass man die IV. und VI. Ader der Länge nach verwachsen annimmt, so dass als V. Ader nur das convexe Ende jener aus IV und VI zusammengesetzten Concavader anzusehen ist. Empis unterscheidet sich von Bombylius etc. vorwiegend durch die Gestalt des Cubitus, der ursprünglich, wie bei Acrocera, fast von der Wurzel an gegabelt angenom- men werden muss. Während nun der vordere Ast vollkommen erhalten blieb, ist der hintere fast vollständig durch eine Convexfalte ersetzt. Die schief gegen die Analader ,Qg Josef Redtenbacher. verlaufende Ader fasse ich als Querader zwischen den beiden Zinken auf. — Bei Doli- c/iopus ist die Subcosta stark verkürzt, die IV. Ader mit der VI. vereinigt und die Anal- ader nur durch eine Falte repräsentirt. Die V. Ader ist obliterirc, der Cubitus einfach, seine hintere Zinke durch eine Falte ersetzt. Bei Liancalus erscheint eine Spur der V. Ader als Convexende der IV. Ader, während die VI. durch eine Falte ersetzt ist. Unter den cvclorrhaphen Dipteren zeichnen sich die Syrphiden durch das Vorhandensein einer »Vena spuria« aus, welche zwischen Sector radii und Cubitus ver- läuft und als ein Ast des Radius aufzufassen ist. Die Unterbrechung, welche sie meist in der Mitte zeigt, ist vielleicht auf ähnliche Weise entstanden wie das Thyridium der Panorpen und Trichopteren, und in der That endet an dieser Stelle eine Concav- falte. Bei Volucella ist die Vena spuria durch eine Falte ersetzt. Der Cubitus ist deutlich gegabelt, hinter ihm die concave Analader und die einfache oder gegabelte IX. Ader. — Bei Pipunciilus fehlt die V. Ader bis auf ein kurzes convexes Aderstück am Flügelsaume vollständig; die IV. Ader ist hier deutlich entwickelt, die VI. dagegen durch eine Concav- falte vor dem gegabelten Cubitus ersetzt. Gegen die Basis des Flügels scheinen IV. und VI. Ader verwachsen zu sein. Phora zeigt von Concavadern nur die Subcosta und die abgekürzte Analader. Die VI. Ader ist durch eine Concavfalte angedeutet, vor welcher die einfache V. Ader ver- läuft, die ihren Ursprung aus dem Radius nimmt. Die Eumyiden zeigen ein ziemlich übereinstimmendes Geäder, welches als charakteristisches Merkmal einen einfachen Cubitus zeigt, indem der Vorderast desselben entweder vollkommen fehlt oder durch eine Convexfalte angedeutet ist. Bei Scatophaga zeigt die vom Cubitus schief nach vorne verlaufende Qiierader einen kurzen Ansatz zu einer Längsader, der wohl als Ast des Cubitus zu deuten ist. Die V. Ader ist nur bei wenigen Gattungen {Tachina, Chloria etc.) spurenweise angedeutet, in der Regel ist sie durch eine Concavader, welche ich für die vereinigte IV. und VI. halte, ausgelöscht. Concave Falten, die sowohl vor als hinter dieser Concavader verlaufen, sind als Reste jener Concavadern zu betrachten, welche zwischen den einzelnen Aesten der V. Ader verliefen. — Trypeta, Ornithomyia stimmen im Wesentlichen mit den übrigen Gattun- gen überein. Bei Hippobosca sind die meisten Concav- und Convexadern abgekürzt, dafür aber eine grosse Anzahl von Concav- und Convexfalten sichtbar, welche als die Gabelenden jener zu betrachten sind. Bei Stenopteryx und Oxypterum ist der Flügel stark reducirt, lässt aber dieselben Aderstämme wie Ornithojnyia unterscheiden. Deutlich erkennt man Radius sammt Sector, sowie den gegabelten Cubitus, die V. Ader ist nur durch eine Convexfalte vertreten. Die Concavader III2 ist stets deutlich, die Subcosta dagegen bei Oxypterum stark eingeengt und bei Stenopteryx durch Vereinigung von Costa und Radius verschwunden. Wie schon Brauer (Denkschr. der kais. Akad. d. Wissensch., Wien 1882, p. gS) erwähnt, ist bisher im Flügelgeäder ein scharfer Unterschied zwischen cyclorhaphen und orthorhaphen Dipteren noch nicht gefunden worden. Es zeigt sich eben auch hier, dass das Flügelgeäder für grössere Formenkreise, wie Ordnung oder Unterordnung, nicht mehr als charakteristisches Merkmal verwendet werden kann, sondern höchstens zur Abgrenzung einer Familie oder Unterfamilie brauchbar ist. So leicht sich eine Pa- norpa von einer Trlchoptcre oder ein Acridier von einer Locustide unterscheiden lässt, so schwierig, ja geradezu unmöglich ist es, einen scharfen, durchgreifenden Unter- schied im Flügelgeäder zu finden. Für die Mehrzahl der Dipteren lassen sich als charakte- ristische Merkmale anführen, dass der Sector radii (III3) vom Radius (Uli) durch eine Concavader getrennt ist, welche dem Sector principalis der Odonaten und Epheme- Vergleichende Studien über das Fiügelgeäder der Insecten. 209 riden entspricht. Die V. Ader ist ähnlich wie bei den Schmetterlingen mehr minder ausgelöscht, so dass häuhg nur die Gabelenden derselben erhalten sind. Die Analader erreicht häutig den Flügelsaum nicht und bildet mit dem Radius einen ziemlich stumpfen Winkel, während z. B. bei den Hymenopteren Radius und Analader einen spitzen Winkel einschliessen. In den meisten Fällen ist das Analfeld durch einen tief einsprin- genden Winkel als eiförmiges »Analläppchen« vom Vordertheil des Flügels getrennt. Die Hinterflügel fehlen, die Vorderflügel haben allein die Flugbewegung übernommen und zeigen in Folge dessen einen hohen Grad von Reduction. Als XIV. Ordnung bezeichnet Brauer die Siphonaptera, welche durchwegs ungeflügelte Formen enthalten. XV. Coleoptera. Taf. XVIII, Fig. 101-116; Taf. XIX, Fig. 117— 138; Taf. XX, Fig. 139— 151. Dr. Otto Roger: Das Hügelgeäder der Käfer, 1S75. H. Burmeister: Untersuchungen über die Plügeltypen der Coleopteren. Abh. der naturf. Gesellsch., Halle. 1854, II, p. 125. Dr. Oswald Heer: Insectent'auna der Terliärgebilde von Ocnningen und Radoboj, 1847. Während bei den Dipteren die Hinterflügel verkümmert sind, bei den Lepidopteren, Hymenopteren etc. nur eine untergeordnete Rolle beim Fluge spielen, stellen sie bei den Coleopteren die eigentlichen Flugorgane dar, wogegen die stark verhornten Flügeldecken zum Schutze der unter ihnen befindlichen Weichtheile des Körpers dienen und bei der Flugbewegung nur nebenbei Verwendung finden. Dem entsprechend erscheinen bei den Käfern auch die Hinterflügel fast ausnahmslos grösser als die Deckflügel und werden in der Ruhelage derart zusammengefaltet, dass sie unter jenen vollkommen verborgen wer- den können. Diese Faltung ist nicht blos eine longitudinale oder fächerartige, sondern meist noch eine transversale oder Qiierfaltung, und wo diese eintritt, wie bei manchen Blattiden und Hemipteren (Coptosoma), muss nothwendigerweise der normale Ader- verlauf mehr minder alterirt werden. Aus diesem Grunde schon bildet der Käferflügel mancherlei Schwierigkeiten bei der Deutung der einzelnen Adern, umsomehr, als die Faltung nach verschiedenen Methoden erfolgen kann. Tritt in Folge geringer Grösse des Flügels noch eine Reduction der Adern hinzu, dann ist es oft geradezu unmöglich, die einzelnen Adern zu deuten. Auf den Deckflügeln erscheinen durch die starke Ver- hornung die einzelnen Adern mehr minder undeutlich, oft nur durch Punktstreifen und schwache Furchen angedeutet; dennoch lassen sich nach Herr (1. c.) auch hier die ein- zelnen Adern, wenn auch oft nur schwierig, unterscheiden. Da jedoch die Nervatur der Deckflügel für die Systematik nur von untergeordneter Bedeutung sein kann, wird im Folgenden nur von den Hinterflügeln die Rede sein. Nach dem oben Gesagten ist bei jenen Käfern, deren Hinterflügel irgendwie der Quere nach gefaltet werden, ein normaler Aderverlauf schon von vorneherein nicht zu erwarten; glücklicherweise ist dies nicht bei allen Käfern der Fall, sondern einige wenige Arten zeigen blos der Länge nach gefaltete F'lügel, und bei diesen ist der Verlauf der Adern auch sehr einfach. Am Flügel von Atractoceru,^ z. B. erkennt man die Costa und den Radius, die so dicht nebeneinander verlaufen, dass die Subcosta, die einzige Concavader des ganzen Flügels, auf einen schmalen Raum eingeengt wird. Die nächste Convexader entspringt mit sehr feiner Wurzel, ist vorne und hinten von einer Concavfalte begleitet und durch 2 I o Josef Redtenbacher. eine Querader mit dem Radius verbunden. Sie stellt die V. Ader dar. Der Cuhitus ist eine zweizinkige Gabel, deren Stiel gemeinsam mit der in der Mitte angeschwollenen IX. Ader entspringt. Die folgende Ader (XI) ist von der Wurzel an in zwei weit diver- girende Aeste getheilt, deren vorderer wie die IX. Ader in der Mitte verdickt erscheint und sich an die Anschwellung derselben dicht anlegt. Die zwischen den einzelnen Con- vexadern verlaufenden Concavfalten lassen sich leicht als Reste der IV. —X. Ader er- kennen, während hinter dem Vorderast der XI. Ader eine Convexfalte sichtbar ist, längs welcher sich das Analfeld nach unten umschlägt. Vergleicht man mit dem Flügel von Atractocerus denjenigen von Campyhis denti- collis oder einer verwandten Art, so zeigt sich bereits ein wesentlicher Unterschied. Costa und Radius nebst der eingeschlossenen Subcosta sind leicht wieder zu erkennen. Dagegen erscheint der Raum zwischen Radius und der folgenden Convexader (V) be- deutend breiter als hoi Atractocerus, weshalb hier noch zwei abgekürzte Längsadern ein- geschaltet sind, welche in der Regel als »rücklaufende« Adern bezeichnet wurden. Ich halte sie für nichts Anderes als Aeste des Radius, resp. der V. Ader, welche sich vor dem Ende mit der Hauptader vereinigen, wie dies z. B. auch bei der V. Ader im Hinterflügel von Belostovnim etc. der Fall ist; die Wurzel dieser Aeste aber wird ausgelöscht durch die concaven Falten, welche zwischen Hauptader und Nebenast verlaufen. Zwischen Radius und seinem Aste ist wie bei den meisten Käfern eine Qiierader vorhanden, ebenso zwischen den beiden »rücklaufenden« Adern, während zwischen V. Ader und ihrem \'orderast eine solche nur angedeutet ist. Dass zwischen den rücklaufenden Adern viel- leicht noch andere Aeste des Radius eingeschaltet sein können oder konnten, schliesse ich erstens aus den »Strahladern«, undeutlichen, hornigen Streifen, welche im Apical- theile des Flügels divergirend verlaufen und als Reste von aufgelösten Convexadern an- zusehen sind (Adolph), ferner aus einem breiten trüben Streifen, welcher häufig zwischen jenen Aesten gegen die Flügelbasis zu verläuft und ausserdem von ihnen durch eine Con- cavfalte getrennt ist. Da nach der Entstehung des Flügels zwei concave Adern nicht un- mittelbar auf einander folgen können, sondern durch eine Convexlinie getrennt sein müssen, so ist anzunehmen, dass jener hornige Streifen einer oder vielleicht sogar meh- reren erloschenen Convexadern entspricht. Bei der Faltung des Flügels legt sich die V. Ader genau auf den Radius, das dazwischenliegende Feld aber wird nicht blos einfach der Länge nach zusammengelegt, sondern der Apicaltheil ausserdem auf eine ziemlich complicirte, durch Worte schwer wiederzugebende Art gefaltet. Diese Faltung ist auch die Ursache, warum die Querader zwischen den beiden »rücklaufenden« Adern mehr minder unterbrochen erscheint, die Strahladern im Apicaltheil fächerartig gestellt und durch Falten von einander getrennt sind, so dass sie mit dem oben erwähnten hornigen Streifen nicht mehr in dem ursprünglichen Zusammenhange stehen. — Der Cubitus ist wie bei Atractocerus gegabelt, durch eine Querader mit der V. Ader sowohl als mit der folgenden Convexader verbunden, gleichzeitig aber durch Concavfurchen von ihnen getrennt; er entspringt mit ausgelöschter Wurzel, nicht wie bei Atractocerus aus der IX. Ader. Diese ist, wie der Cubitus, gegabelt, mit einer Querader zwischen den beiden Zinken und durch eine schiefe Querader mit der weitgespaltenen XI. Ader in \'erbindung. Ausser der abgekürzten Subcosta sind wieder sämmtliche Concavadern durch Falten ersetzt. Von diesen beiden Flügeltvpen lassen sich die Flügel der meisten übrigen Coleo- pteren ohne Schwierigkeit ableiten, nur kleine Individuen mit reducirtom Geäder sind oft schwer oder gar nicht zu entzirtern. Vergleicht man das Geäder von Atractocerus mit dem von Oligoneura, so ergibt sich eine überraschende Aehnlichkeit; so wenig ein Käfer mit einer Ephemeridc verwandt sein kann, so sicher müssen wir aus dieser Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 21 I Aehnlichkeit schliessen, dass den Flügeln der Insecten ein gemeinsamer Bau zu Gru n d e li egt, welcher jedoch solche Abänderungen erleiden kann, dass der ursprüngliche Plan oft nicht mehr zu erkennen ist. Würde es keinen Käfer mit ungefalteten Flügeln gehen, so wäre eine richtige Deutung des Geäders im Käferflügel jedenfalls eine sehr schwierige, wenn nicht unmögliche Aufgabe. Der Flügel von Atractocerus ist daher von um so grösserem Werthe, als er einerseits eine Deutung der homologen Adern innerhalb des Käferflügels möghch macht, gleichzeitig aber einen glänzenden Beweis für die ge- meinsame Anlage des Flügelgeäders aller Insecten bildet. Würde man blos auf den Ver- lauf der Adern Rücksicht nehmen, so müsste man in der That Atractocerus eher zu den Ephemeriden als zu den Coleopteren stellen. Die Carabiden, Cicindeliden, Dytisciden, Gyriniden, Paussidcn und Rhvsodiden stellen eine Gruppe dar, welche sowohldurch ihre Mundtheile und Larven- form, als auch durch den Charakter des Flügelgeäders enge miteinander verwandt sind. Wählt man den Flügel von Pelobius Hermaniü als Beispiel, so erkennt man sofort den Radius nebst der Costa, die im Basaltheil die concave Subcosta einschhessen, am Ende dagegen miteinander verwachsen. Die V. Ader, schon durch ihre kräftige Entwicklung erkennthch, zeigt am Ende eine eiförmige Zelle, die von Roger (1. c.) als »Oblongum« bezeichnet wurde. Von dieser Zelle laufen einerseits zwei gebogene Strahladern gegen den Flügelsaum, während andererseits eine Längsader gegen die Flügelwurzel zieht und durch eine geknickte Qiierader mit der pterostigmaartigen Vereinigung von Radius und Costa in Verbindung steht. Diese Längsader betrachte ich als Vorderast der V. Ader, die Strahladern als ihre Ausläufer, das Oblongum dagegen dürfte dadurch entstanden sein, dass zwischen den beiden Aesten der V. Ader zwei Queradern ausgebildet wurden, während bei Campj-lus sich beide Aeste unmittelbar in einem Punkte vereinigen, die Querader dagegen nur angedeutet ist. Die vordere rücklaufende Ader fehh; Spuren derselben finden sich in einem kleinen Aderansatz am Winkel der geknickten Querader, sowie in einer verwischten undeutlichen Strahlader hinter dem Vorderrande. Uebrigens ist die ganze Partie des Flügels zwischen Radius und dem vorderen Ast der V. Ader sehr un- deutlich, da gerade hier der Flügel auf ziemlich unregelmässige Weise zusammengefaltet wird, weshalb alle davon betroftenen Adern mehr minder ausgelöscht und verwischt werden. Hinter der V. Ader verläuft eine Concavfalte als Rest der VL Ader und löscht den Stamm des gegabelten Cubitus aus, der dafür durch eine Querader mit der V. Ader in Verbindung steht. Eine zweite Querader verbindet letztere ausserdem mit der IX. Ader, deren beide Aeste in der Mitte getrennt sind, dann aber wieder sich vereinigen und auf diese Weise eine kleine viereckige Zelle einschhessen, wx-lche von Roger als »keilför- miges Feld« bezeichnet wurde. Die VIII. Ader läuft als kurze Concavfalte vor der IX. Ader, die durch eine schiefe Querader mit der gegabelten XI. verbunden ist, deren Hinterast im Bogen gegen den Hinterrand des Flügels läuft. — Cybister zeigt das Geäder von Pelobius, nur erscheint am Ende des Radius eine kleine dreieckige Zelle; auch Colym- betes erinnert vollkommen an Pelobius. Bei Dytiscus erscheint das Oblongum mehr dreieckig, und die XI. Ader theilt sich in drei Zweige. Im Flügel von Gyrimis ist die V. Ader vor dem Oblongum geknickt und ihre directe Fortsetzung durch einen kleinen Aderansatz angedeutet. Die IX. Ader ist einfach, daher auch das keilförmige Feld nicht ausgebildet. — Bei den Carabiden ist das Oblongum trapezförmig, der Cubitus sowohl mit derV. als mit der IX. Ader durch eine Querader verbunden. Das keilförmige Feld in der IX. Ader fehlt bei Omophron, bei Paiigus ist es nur von geringer Grösse. Die XI. Ader ist entweder nur zweispaltig (Calosoma, Omophron) oder dreispaltig, der mittlere Ast aber abgekürzt. Bei Calosoma zeigt sich im Cubitus noch eine abgekürzte Mittelzinke. 2 1 2 Josef Redtenbacher. Die Cicindeliden zeigen am Ende des Radius ein ovales durchsichtiges Feld, da- gegen fehlt ihnen das Oblongum, indem nur eine Querader zwischen den beiden Aesten der V. Ader ausgebildet ist. Das keilförmige Feld ist klein, viereckig, die XI. Ader wie bei Pelobius. — Paussiis zeigt ein ähnliches Geäder wie Gyrinus. Das Oblongum ist klein, eiförmig, der Vorderast der XI. Ader legt sich eine Strecke an das keilförmige Feld der IX. Ader an. Die V. Ader setzt sich bis zum Flügelsaume fort, dagegen treten nur zwei Strahladern auf, die eine vom Radius, die andere vom Oblongum ausgehend. — RJiysodes erinnert an die Cicindeliden durch das Fehlen des Oblongums; die IX. Ader erscheint einfach. Die Hydrophiliden, von Roger mit den Staphylinen, Silphiden und Histe- riden in die Gruppe der Rypophagen zusammengefasst, stellen sich als eine Gruppe dar, welche sowohl von den Adephagen (Carabiden, Dytisciden etc.), als auch von den Silphiden, Histeriden etc. entschieden zu trennen ist. Ausserdem scheinen unter den Hydrophiliden Gattungen zu sein, welche wie Helophorus im Flügelgeäder wesentlich von den anderen abweichen. Bei Hydrophihis pistaceus sind beide rücklaufende Adern ausgebildet, gegen die Flügelwurzel zu aber ausgelöscht. Die vordere derselben ist mit dem Radius durch eine Querader verbunden, welche eine kleine Endzelle ahschliesst, die hintere ist mit der kräftig entwickelten V. Ader, ohne ein Oblongum zu bilden, ver- einigt. Der Cubitus ist gegabelt und entspringt mittelst einer Querader aus der V. Ader, während der Stamm ausgelöscht ist. Der Ursprung der Gabel legt sich dicht an das keil- förmige Feld der IX. Ader an. Die XI. Ader ist zweitheilig und ihr Vorderast durch eine schiefe Querader mit der IX. Ader, resp. dem keilförmigen Felde verbunden. Die Strahl- adern im Apicaltheil sind undeutlich ausgebildet. — Hydrobius und Berosus zeigen fast dasselbe Geäder wie Hydrophiliis) Helophorus weicht dagegen insoferne ab, als die Gabel des Cubitus sich nicht unmittelbar an die IX. Ader anlegt, sondern nur durch eine Querader mit ihr in Verbindung ist. Am nächsten schhesst sich Parnus durch das Flügel- geäder an die Hydrophiliden an, doch fehlt die kleine Zelle am Ende des Radius. Hete- rocerus und Georyssiis dagegen zeigen ein so reducirtes Geäder, dass sich nur schwer Verwandtschaftsbeziehungen darauf gründen lassen. Die Zelle am Ende des Radius fehlt beiden. Bei Heteroceriis ist der Cubitus nur durch ein kurzes Strichel angedeutet, die IX. Ader einfach, durch eine Querader mit V. verbunden, die XI. Ader von der Wurzel an getheilt und durch eine schiefe Querader mit IX. in Verbindung. Bei Georyssiis ent- springt der gegabelte Cubitus aus der IX. Ader, die ein keilförmiges Feld einschliesst, während die XI. Ader vollständig zu fehlen scheint. Die Staphyliniden bilden mit den Pselaphiden, Scydmaeniden, Clavige- riden, Histeriden, Silphiden und Scaphidiiden eine Gruppe, welche durch ein gleiches oder ähnliches Flügelgeäder ausgezeichnet ist, und an welche sich vielleicht noch die Clambidenund Trichopterygier anschliessen. Ob auch die Corvlophiden mit jener Gruppe verwandt sind, kann bei der winzigen Grösse der Flügel und der da- mit verbundenen Reduction des Geäders nicht bestimmt behauptet werden. Die Faltung der Flügel ist in dieser Gruppe dadurch eine cigenthümliche, dass das Gelenk nicht wie bei den Adephagen und Hydrophiliden nahe der Spitze liegt, sondern mehr gegen die Plügclbasis gerückt ist, so dass der Flügel zweimal der Quere nach gefaltet wird, wo- durch der Apicaltheil des Flügels wieder nach vorne umgeschlagen wird. Herr bezeichnet diese Art der Faltung als die gegenläufige (anatrope), während jene der Carabiden, Dytisciden, Hydrophiliden etc. als querläufige bezeichnet wird. Eine scharfe Grenze lässt sich jedoch zwischen diesen beiden Faltungsformen nicht ziehen, da die Lage des Gelenkes eine wechselnde ist, und je mehr dasselbe gegen die Flügelspitze rückt, desto Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 2 1 3 mehr nähert sich die anatrope F'altung der querliiutigen. Ueherdies ist hei verkümmerten Flügehi die Spitze blos etwas eingebogen, wie bei Phosphiiga atrata, obscura etc. Bei Einiis maxillosus sind Costa und Radius nur an der Basis getrennt und schliessen daselbst die kurze Subcosta ein. Vor der Costa zeigt sich an dieser Stelle noch ein kleiner häutiger Saum, der als Präcostalfeld zu bezeichnen ist und am deut- lichsten bei den Silphiden auftritt. Die V. Ader besteht aus zwei Aesten, deren vorderer eine ausgelöschte Wurzel zeigt und daher nicht unmittelbar mit dem hinteren in Ver- bindung steht. Der Radius zeigt keinen deutlichen Ast, wohl aber kann ein denselben begleitender horniger Streifen als Andeutung eines solchen aufgefasst werden. Eine Querader ist in der Regel zwischen Radius und V. Ader nicht vorhanden, nur bei Staphy- linus fiilvomaculatus Nordm. zeigt sich eine schwache Spur derselben. Bei dieser Art ist der Cubitus als undeutlicher dreizinkiger Chitinflecken ausgebildet, bei Emus dagegen nur durch zwei kurze Hornstrichel angedeutet. Die IX. Ader ist einfach, die XI. von der Wurzel an in zwei kurze Aeste getheilt, wovon der vordere in einen einspringenden Winkel mündet, der hintere mehr minder undeutlich verwaschen ist. Queradern fehlen vollständig, Concavfalten sind vor und hinter der V. Ader, sowie vor der IX. Ader sichtbar. — Fast dasselbe Geäder nur mit unbedeutenden Abweichungen zeigen die Silphiden. Das häutige Präcostalfeld endet bei Silpha und Necrophoriis in eine kleine hornige Spitze. Am Gelenk verschmelzen Radius und Costa zu einer Art Ptero- stigma, laufen aber dann wieder als parallele, hornige Streifen weiter. Die V. Ader ist wie bei den Staphylinen gegabelt, und vor derselben sind einige Hornstreifen als Andeu- tungen von Strahladern sichtbar. Der Cubitus ist deuthch gegabelt, die IX. Ader einfach, ebenso die XI. Ader, deren Hinterast verkümmert ist. Concavadern laufen vor und hinter der V. und IX. Ader; Queradern fehlen. — Bei Catops fehlt der Cubitus voll- ständig, ebenso bei Amphicyllis, während er bei Agathidium durch ein kurzes Strichel angedeutet ist. Die IX. Ader ist stets einfach, bei Catops entsendet sie nach vorne eine Querader, bei AmphicylUs ist sie in der Mitte geknickt. Von der XI. Ader ist höchstens eine schwache Spur vorhanden. — Das Geäder von Scaphidium und Clidicus (Scyd- maeniden) ist kaum von dem der Silphiden zu unterscheiden. Bei ersterer ist der Cubitus durch zwei Strichel angedeutet, bei Clidicus fehlt er völlig. Die IX. Ader ist einfach, die XI. fehlt. Bei Scjrdmaenus tarsatus ist der Apicaltheil des Flügels ungewöhnlich ent- wickelt, von Adern sind ausser Costa und Radius nur zwei schwache Linien sichtbar, die vielleicht als V. und IX. Ader zu deuten sind. — In ähnlicher Weise ist auch der Flügel von Batrisus reducirt. — Hister erinnert am meisten an Silpha sowohl durch die Form als durch das Geäder des Flügels. Das Präcostalfeld ist jedoch hier nicht ausge- bildet. Zwischen Radius und der gegabelten V. Ader sind zwei deutliche Strahladern eingeschaltet. Der Cubitus ist gegabelt, der Vorderast aber durch eine Concavfalte abge- kürzt, die IX. Ader einfach, von der XI. nur der vordere, stark gekrümmte Ast ent- wickelt. — Der Flügel von Sacium gleicht dem von Scj-dmaenus und zeigt ausser Radius und Costa die einfache V. Ader, zwischen denen sich das massig entwickelte Apicalfeld ausbreitet, welches ausser zwei seichten Concavfalten eine sehr schwache hor- nige Linie als Rest einer Strahlader zeigt. Hinter der V. Ader zieht eine Concavfalte und dicht daneben der äusserst schwache Cubitus, der vor dem Ende unter einem rechten Winkel eine kleine Zinke nach hinten entsendet. An der Wurzel endlich ist auch eine Spur der IX. Ader sichtbar, die XI. Ader fehlt vollständig. Die Nitiduliden nehmen eine zweifelhafte Stellung ein, scheinen mir aber in Bezug auf das Flügelgeäder noch am meisten Aehnlichkeit mit den Silphiden, Histeriden etc. zu haben. Bei Soronia grisea sind Costa und Radius wie bei jenen gestaltet. Vom 21 A Josef Redtenbacher. Pterostigma weg zieht eine ziemlich kräftige Strahlader gegen die Spitze. Die V. Ader ist gegabelt wie bei Silpha, von der Theilungsstelle aber lauft hier eine kurze, schiefe Ader nach rückwärts gegen den Radius zu und ist vielleicht als Basaltheil des Vorder- astes von V anzusehen. Ausserhalb derselben stellt ein horniger Flecken vielleicht einen Rest einer Querader zwischen Radius und V. Ader dar, wie sie ähnlich bei manchen Staphvlinen angedeutet ist. Der Cubitus ist eine abgekürzte, einfache Ader, welche durch eine Querader sowohl mit der V. Ader als auch mit der nachfolgenden einfachen IX. Ader verbunden ist. Die erstere Querader ist durch eine Concavfalte unterbrochen, welche hinter V verläuft und als Rest der VI. Ader anzusehen ist. Die XI. Ader fehlt. Der Flügel von Cychramus erinnert vollständig an den von Soronia. Rhi:[ophagus scheint nach Bur meist er mehr mit den Trogositiden verwandt zu sein; ich selbst habe diese Gattung nicht untersucht. Auch die Phalacriden, deren kleine Flügel ein sehr reducirtes Geäder zeigen, scheinen mir den Trogositiden näher zu stehen als den Nitiduliden, Phalacrus zeigt Radius und Costa bald nach ihrem Ursprung verwachsen und nicht über das Gelenk fortgesetzt. Die V. Ader besitzt einen kurzen Vorderast, der in Form eines Hakens gegen die Flügelwurzel läuft. Der Radius gibt keinen Hinterast ab, weshalb auch eine Endzelle nicht ausgebildet sein kann. Cubitus und IX. Ader sind als blasse, einfache Adern entwickelt; Strahladern fehlen. Wie schon Bur meist er angibt, zeigen die Crvptophagiden Verwandtschaft zu den Nitiduliden, weichen aber doch in manchen Punkten von denselben ab. Vor Allem ist sowohl am Radius als auch an der V. Ader ein paralleler Ast erkennbar, der mit der Hauptader durch eine schiefe Querader verbunden ist. Dagegen fehlt eine Querader zwischen diesen beiden Aesten völlig, während sie bei den Trogositiden bald mehr, bald minder deutlich entwickelt ist. Die V. Ader ist in der Mitte unterbrochen, setzt sich aber dann als schwacher Chitinstreifen fort. Der Cubitus ist hier dreizinkig und durch eine Querader mit der einfachen IX. Ader verbunden. Die XI. Ader steht durch eine kurze Querader mit IX in Verbindung. Die Trogositiden zeigen im Flügelgeäder Aehnlichkeit mit den Colvdiern und Mycetophagiden, theilweise auch mit den Lathridiern. Bei Alindria spectabilis sendet sowohl der Radius als auch die V. Ader einen kurzen hakenförmigen Ast nach rückwärts. Zwischen Radius und seinem Aste eine schiefe Querader, welche eine drei- eckige Endzelle abschliesst; ausserdem sind beide rücklaufende Aeste durch eine Quer- ader verbunden, welche von einem vorne gespaltenen Chitinstreifen durchsetzt wird, der sich in eine Strahlader fortsetzt. Der gegabelte Cubitus ist an der Wurzel obliterirt, dafür durch eine Querader mit der IX, Ader verbunden, welche in der Mitte eine eiför- mige Zelle einschliesst und durch eine schiefe Querader wieder mit der zweizinkigen XI. Ader zusammenhängt. Bei Nemosoma fehlt die Zelle am Ende des Radius, bei Thymalus die Querader zwischen den rücklaufenden Aesten; bei Peius grossa ist die Zelle in der Mitte der IX. Ader klein, dreieckig, bei Peius ferruginea fehlt sie ganz. Hier sind ausserdem die beiden Aeste des Cubitus von einander getrennt, zeigen aber kleine Ansätze zu einer Querader, welche otfenbar durch die dazwischenliegende Con- cavader durchbrochen wurde. Bei Temnochila caerulea ist die Endzelle des Radius sehr klein und zwischen den Zinken des Cubitus eine Querader angedeutet. — Eine auffallende Aehnlichkeit mit den Trogositiden zeigt das Geäder von l'rigonodera, welche vielleicht von den Rhipi phoriden, wohin sie bisher gestellt wurde, zu trennen ist. Von den Colvdiern zeigt eine australische Species namentlich durch den Besitz der Endzelle am Radius und den Verlauf des Cubitus grosse Aehnlichkeit mit den Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 2 1 5 Trogositiden. Schon hei dieser Art endet die vordere Cubitalzinke in einen blassen, verschwommenen 'Hornflcck. Noch viel deutlicher ist dieser Flecken bei Colydium elongatum, Tarphiodes etc. sichtbar, liegt aber hier vor dem Cubitus und wird von der der VI. Ader entsprechenden Concavfalte in der Mitte in Form einer blassen Linie durchbrochen. Diesen beiden Gattungen fehlt die Endzelle des Radius, dagegen ist namentlich hei Tarphiodes die Querader zwischen Radius und V. Ader deutlich ent- wickelt und lang. Der gegabelte Cubitus ist durch eine Querader mit der keilförmigen Zelle der IX. Ader verbunden und diese steht wieder durch eine kurze Querader mit der zweitheiligen XL Ader im Zusammenhang. — Auch bei Mj'cetophagus, Triphyllus ist der Bau des Geäders ähnlich wie bei den Trogositiden; die Endzelle des Radius entwickelt, aber sehr klein, dafür aber die Querader zum Vorderast der V. Ader sehr lang. Vor dem gegabelten Cubitus befindet sich auch hier ein verschwommener Chitin- flecken. Sehr deutlich tritt derselbe bei Byturus und Diplocoelus auf, von denen ersterer schon von Bur meist er in die Nähe der Trogositiden und Mycetophagiden gestellt wurde. Die Endzelle des Radius, die Querader, sowäe überhaupt das Geäder ist bei Byturus ähnlich wie bei den genannten Familien. Charakteristisch ist, dass die Zelle der IX. Ader so w^eit gegen die Flügelbasis rückt, dass die vom Cubitus entsendete Querader die IX. Ader weit unterhalb jener eingeschlossenen Zelle trifft. Diplocoelus /ag-/ stimmt im Geäder so vollkommen mit Byturus überein, dass ihre von GangL bauer entdeckte Verwandtschaft wohl ausser Zweifel ist. Schon Burmeister stellte die Lathridier in die Nähe der Trogositiden, Myceto- phagiden etc. Das reducirte Geäder ihrer kleinen Flügel macht es aber unmögHch, die Verwandtschaft in Bezug auf das Geäder zu untersuchen. Ausser dem Radius nämhch zeigt Corticaria nur die V. Ader mit einem kurzen, undeutlichen Haken, ferner den ein- fachen Cubitus. Ein ähnlicher Haken wäe an der V. Ader entspringt auch am Ende des Radius, ohne eine Zelle zu bilden. Die Querader fehlt. Zwischen Cubitus und V. Ader ist hier wie bei Colydium etc. ein undeutlicher Chitinflecken sichtbar, der jedoch nur schwach ausgebildet ist. Viel deutlicher erscheint derselbe bei Cis, welches auch sonst im Geäder vml Corticaria derartig übereinstimmt, dass eine Vereinigung beider Gattungen vielleicht nicht unbegründet wäre. Die Cucujiden bilden eine Gruppe, welche durch das Flügelgeäder am meisten an dieTelephoriden, Elateriden etc. erinnert. Bei Cucujus imperialis unterscheidet sich das Geäder von dem der Elateriden vorwiegend dadurch, dass der Hinterast des Radius (III3) viel kürzer und demgemäss auch die Endzelle viel kleiner ist als bei jenen; ferner fehlt die Querader zwischen den beiden Aesten der IX. Ader und die beiden Zinken des Cubitus sind von einander getrennt. Bei Hectarthrum brevifossum fehlt die Endzelle und der Hinterast des Radius vollkommen, die beiden Aeste des Cubitus nicht getrennt. Brontes erinnert an Hectarthrum, nur ist der Vorderast der IX. Ader vom hinteren durch eine Concavfalte getrennt, und die vordere Zinke der XI. Ader ist in der Mitte geknickt. Psammoecus besitzt ein ziemlich reducirtes Geäder, Cubitus und IX. Ader sind einfach. Thorictiden wurden von mir nicht untersucht. Dermestes zeigt mit Ausnahme der kleinen Endzelle des Radius fast vollkommen das Geäder von Campylus etc. Die Querader zwischen Cubitus und IX. Ader geht hier nicht von der Gabel, sondern vom Stamm des Cubitus aus. Die IX. Ader entsendet eine Querader direct zur V. Ader, und die hintere Zinke der XL Ader bildet wie bei den Ade- phagen eine bogenförmige Schleife. Die Byrrhiden werden von Burmeister in die Nähe der Dermestiden gestellt, unterscheiden sich aber doch im Flügelgeäder ziemlich bedeutend von denselben. Noso- 2 1 6 Josef Redlenbacher. dcndron zeigt eine grosse dreieckige Endzelle des Radius, der vordere Ast der V. Ader (V, )ist sehr kurz. Die IX. Ader zeigt in der Mitte eine kleine eingeschlossene Zelle, von welcher einerseits eine schiefe Querader zur Gabel des Cubitus, anderseits zur IX. Ader führt, deren Hinterast verkümmert ist. Bei Byrrhiis ist die Endzelle des Radius klein, schief dreieckig, beide rücklaufenden Adern sehr kurz, die IX. Ader einfach und durch eine schiefe, lange Querader, welche fast den Charakter einer Längsader annimmt, mit der zweitheiligen XI. Ader verbunden. Bei Chelonariiivi sind die rücklaufenden Adern (III.j und V,), besonders letztere viel stärker entwickelt als bei Byrrhus, daher auch die Endzelle grösser. Die IX. Ader gibt eine vordere, rechtwinkelig geknickte Zinke ab, welche mit dem abgekürzten Stamm des Cubitus durch eine Querader verbunden ist. XI. Ader wie bei Byrrhus. Die Lamellicornier bilden eine ziemlich scharf abgegrenzte Gruppe, welche jedoch durch den Mangel der Querader zwischen Radius und Cubitus, die beiden deutlich ausgebildeten Strahladern, sowie durch den Verlauf des Cubitus, der IX. und XI. Ader Beziehungen zu den Histeriden nicht verkennen lässt. Bei Gnorimus fehlt IILj und ist nur durch einen schief nach hinten gerichteten Haken angedeutet, ebenso ist V, gegen die Flügelbasis erloschen. Die Querader zwischen beiden ist nicht ausgebildet; im Apical- theil zwei Strahladern, von denen die vordere wohl dem Radius, die hintere der V. Ader als Ast zuzutheilen ist. Der Cubitus ist ziemlich reducirt, indem sowohl der Stamm als die Vorderzinke desselben verkümmert sind. Die IX. Ader ist einfach, die XL in zwei Aeste getheilt, deren vorderer eine Querader gegen die IX. Ader abgibt. Oxjthjrrea stimmt im Wesentlichen mit Gnorimus überein, doch fehlt die Querader zwischen IX. und XL Ader. Letztere zeigt einen kleinen dritten Zweig an der Flügelbasis, der übrigens auch bei Gnorimus angedeutet ist. Rhi^i^otrogiis ist ebenfalls ähnlich Gnorimus. Bei Geo- trupes sind beide Zinken des Cubitus entwickelt, aber von einander getrennt, die Quer- ader zwischen XI und IX nur angedeutet. Bei Onitis und Ateuchus ist die vordere Strahl- ader gegabelt, am Grunde des Flügels ein förmliches Analläppchen abgetrennt. Rhyso- notus erinnert an Gnorimus, bei Hyloti-iipes Gideon ist der Vorderast der XI. Ader ge- gabelt und entsendet eine abgekürzte Querader zur IX. Ader. Bei den Lucaniden ist die schiefe Querader zwischen IX und XI stark entwickelt, vom Cubitus ist entweder nur eine Zinke (Pholidotus) oder beide Aeste ausgebildet {Aesalus, Lucanus, Phanaeus etc.). Bei Aesalus fehlt die Querader zwischen IX und XI vollständig, die Strahladern sind nur schwach ausgebildet. Die Passaliden, welche nach Blanchard einen Uebergang von den Lucaniden zu den Scarabaeiden bilden, sind dadurch ausgezeichnet, dass beide rücklaufende Adern fehlen, oder die hintere nur durch eine Convexfalte angedeutet ist. Cubitus und IX. Ader sind einfach, die Querader zwischen IX und XI fehlt, doch zeigt der Vorderast der XL Ader eine Knickung in der Mitte. Die Strahladern sind zarter als bei den Lucaniden und Scarabaeiden. Syntelia histeroides und Sphaeritcs glabratus zeigen eine unverkennbare Aehn- lichkeit des Geäders mit den Lamellicorniern; wie Lewis angibt, dürften daher diese beiden Formen wirklich mit den Lamellicorniern verwandt sein. Ein wesentlicher LJnter- schied liegt jedoch darin, dass bei Syntelia und Sphaerites die Querader zwischen Radius und V. Ader mehr minder deutlich entwickelt ist. Cubitus und IX. Ader einfach, letztere wie bei den meisten Lamellicorniern durch eine Querader mit der zweitheiligen XI. Ader in Verbindung. Die Buprestiden erweisen sich gerade durch das Flügelgeäder als mit den Ela- teriden, in deren Nähe sie auf Grund der äusseren Körpergestalt häufig gestellt werden. Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 217 nicht verwandt. Nach Heer sind sie durch die geradläufige oder orthotrope Flügel- faltung ausgezeichnet, indem sich die Flügel vorwiegend der Länge nach zusammen- legen, so dass die V. Ader auf die Costa zu liegen kommt. Indessen wird auch hier die Flügelspitze etwas eingebogen, und damit ist eine strenge Unterscheidung zwischen querläufiger und geradläufiger Faltung unmöglich gemacht. Die Endzeile des Radius erscheint bei den Buprestiden stets sehr schmal, die rücklaufenden Adern convcrgiren nach rückwärts, die Strahladern sind schwach ausgebildet. Der Cubitus ist stets drei- zinkig und durch eine Querader mit V verbunden, die IX. Ader gegabelt und beide Aeste entweder frei (Julodis) oder zur Bildung einer eingeschlossenen Zelle wieder ver- einigt (Ancylocheira, Chalcophora etc.). XI. Ader zweitheilig, der Vorderast durch eine Querader mit der IX. Ader verbunden. Ancylocheira weicht insoferne von Julodis etc. ab, als zwischen den beiden rücklaufenden Aesten eine Spur einer Querader sichtbar ist. Rhipicera erinnert durch den Bau des Cubitus, sowie der IX. und XI. Ader voll- kommen an Ancylocheira etc., dagegen ist die Endzelle des Radius dreieckig, die hintere rücklaufende Ader fast bis zur Flügelwurzel verlängert, und der Apicaltheil wie bei den Adephagen, d. i. querläufig gefaltet. Auch die Rhipiphoriden erinnern thcilweise an die Buprestiden, theilweise an Atractocerus. Bei Emenadia sind Radius und V. Ader wie bei Julodis gestaltet, die Endzelle schmal, aber nicht geschlossen, im Apicaltheil sind drei Strahladern sichtbar, Cubitus, IX. und XI. Ader sind einfach und ohne Queradern. Bei Myodites fehlt die End- zelle des Radius völlig, da III3 nur durch einen schwachen Längsstreifen angedeutet ist. Der Cubitus scheint zu fehlen und nur durch einen trüben, verschwommenen Chitinflecken angedeutet zu sein. Die zwei folgenden Adern wären dann als IX. und XI. zu bezeichnen. Sowohl durch ihre Larven, als auch durch das Flügelgeäder stellen sich die Lyci- den, Lampyriden, Telephoriden, Elateriden, Eucnemiden und Cebrioniden als eine Gruppe von nahe verwandten Familien dar, dagegen weichen die Melvriden und Throsciden in Bezug auf das Flügelgeäder ziemlich beträchtlich ab. Im Allgemeinen zeigen alle oben genannten Familien denselben Adertypus wie der anfangs beschrie- bene Campyhis denticollis. Als charakteristisch kann die zweizinkige IX. Ader, die mit dem gegabelten Cubitus und der zweitheiligen XI. Ader durch Queradern verbunden ist, ferner die mächtige Ausbildung der rücklaufenden Adern, sowüe die grosse, meist lang- gestreckte Endzelle des Radius angesehen werden. Bei Lyctis und Telephorus ist der Vorderast der XI. Ader mit der hinteren Zinke der IX. Ader am Ende vereinigt. Die Strahl- adern sind durchwegs undeutlich und verschwommen. Mit wenigen Ausnahmen sind die Zinken der IX. Ader durch eine Querader verbunden. Drapetes stimmt im Wesent- lichen mit den Elateriden etc. überein. Throsciis habe ich nicht untersucht. — Die Melyriden zeigen einen wesentlich verschiedenen Adertvpus und weichen auch unter- einander ziemlich beträchtlich ab. Die Endzelle des Radius fehlt vollständig; sowohl vom Radius als von der V. Ader geht Je ein F'ortsatz aus, der den gegenüberliegenden unter einem sehr stumpfen Winkel trifft. Die rücklaufenden Adern fehlen vollständig, die Strahladern sind schwach und undeutlich. Bei Melyris ist die IX. Ader in der Mitte getheilt und schliesst eine elliptische Zelle ein, aus welcher der dreizinkige Cubitus ent- springt. Bei Malachius ist nur eine Cubitalzinke ausgebildet, die IX. Ader einfach. Danacaea weicht von beiden durch die Endzelle des Radius ab. — Bei der geringen Anzahl von Formen, welche ich untersucht, wage ich es nicht, über die systematische Stellung der Melyriden eine Meinung zu äussern. Unter den Dascilliden stimmt Atopa cervina im Flügelgeäder ausserordentlich mit Rhipicera überein. Bei Helodes dagegen ist die Endzelle des Radius gross, unregcl- Annalen dos k. k. naturhistorischen Hotmuseums, Bd. I, Heft 3, 1866. 15 2 I 8 Josef Redtenbacher. massig fünfeckig, die hintere rücklaufende Ader kurz; ferner ist die eingeschlossene Zelle der IX. Ader gegen die Flügelbasis hinaufgerückt, der Cubitus aus drei getrennten Zweigen gebildet, deren längster aus der erwähnten Zelle entspringt. Der Hinterast der XI. Ader bildet eine Bogenschleife. Bei Scyrtes sind Cubitus, IX. und XI. Ader ziemlich reducirt, daher nicht sicher zu deuten. Eucinetus erinnert durch die rechtwinkeligen Fortsätze des Radius und der V. Ader an Melyris; der Cubitus ist gegabelt, die IX. Ader schliesst eine kleine elliptische Zelle ein und steht mit der XI. durch eine schiefe Querader in Ver- bindung. Die Cleriden zeigen ein ziemlich variables Geäder, welches einerseits an die Mely- riden (Danacaea), anderseits auch an Lymexyloniden erinnert. Die rücklaufenden Adern sind kurz, die Endzelle des Radius klein, dreieckig, die Querader ziemlich deutlich. Von Strahladern ist hier sowohl als bei den Apatiden nur eine deutlich entwickelt. Bei Cleriis ist der Cubitus aus zwei Zinken gebildet, die durch zwei Queradern unter ein- ander, ferner durch Je eine Querader mit der V. Ader und der einfachen IX. Ader ver- bunden sind, während der gemeinschaftliche Stamm fehlt. XI. Ader zweitheilig, der Vorderast durch eine kurze Querader mit IX. verbunden. Bei Trichodes ist der Hinterast des Cubitus derartig durch eine schiefe Querader mit IX. verbunden, dass er fast als Vorderast derselben betrachtet werden könnte. Lymexylon schliesst sich am nächsten an Trichodes', doch ist V, viel länger als bei Cleriden, die IX. Ader umschliesst eine längliche Zelle, an welche sich der Vorderast der XI. Ader dicht anlegt. — Apate, Psoa, Ligniperda etc. sind ausgezeichnet dadurch, dass der Radius am Ende sich einwärts biegt, so dass vor der kleinen dreieckigen Endzelle noch ein kleiner, häutiger Saum sichtbar ist. V, krümmt sich im Bogen nach rückwärts, ist aber nur kurz; Cubitus gegabelt, bei Ligniperda beide Aeste getrennt, aber mit kurzen Ansätzen zu einer Querader. IX. Ader mit eingeschlossener Zelle, durch eine lange, schiefe Querader mit XI. in Verbindung, deren Hinterast bei Ligniperda angelartig am Ende gekrümmt ist. Hendecatoniis stimmt mit Ausnahme des dreizinkigen Cubitus vollkommen mit Apate überein. Ptinus zeigt ein stark reducirtes Geäder, welches daher keinen sicheren Aufschluss gibt; doch dürften die Ptiniden und Anobium mit den Apatiden verwandt sein. Die Heteromeren bilden eine sowohl durch die Zahl der Fussglieder als auch durch das Flügelgeäder ziemlich übereinstimmende natürliche Gruppe. So zeigen nament- lich die Oedemeriden, Meloiden, Pvthiden, Lagriiden und Pyrochroiden fast dasselbe Geäder, während andererseits die Tenebrioniden niit den Melandrviden und Cisteliden übereinstimmen. Die Anthiciden und Pediliden scheinen sich mehr der ersteren Gruppe, die Mordelliden den Melandrviden zu nähern. Die rücklaufen- den Adern sind bei der ersten Gruppe meist deutlich ausgebildet, die hintere gewöhnlich viel länger als die vordere. Die Endzelle des Radius meist klein, nur bei Mordella er- reicht sie eine bedeutendere Grösse, bei Tetratoina ist sie undeutlich entwickelt. Strahl- adern 2 — 3, aber stets sehr verschwommen. Der Cubitus ist regelmässig gegabelt, durch Queradern mit der V. und IX. Ader verbunden, die Wurzel desselben bald mehr bald weniger ausgelöscht. Die IX. Ader schliesst in der Regel eine eiförmige oder lanzettliche Zelle ein, bei Mordella und Hallomeniis ist sie einfach; XI. Ader stets zweitheilig, ge- wöhnlich durch eine schiefe Querader mit der IX. verbunden. Tetratovia zeigt zwischen V. Ader und Cubitus einen ähnlichen Chitinfleck wie die Colvdier etc., bei Eiistrophus ist derselbe kaum erkennbar. In der zweiten Gruppe ist die vordere, rücklaufende Ader oft sehr kurz (Lagriiden) oder sie fehlt ganz fNotoxiis, Zonitis, Epicantaj; bei letzterer Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 2 1 9 ist auch die hintere (V,) winzig, während sie sonst kräftig entwickelt ist. Strahladern wie hei der ersten Gruppe meist undeutlich. Cuhitus bald gegabelt (Oedemeriden, Pythiden, Pvrochroiden etc.), bald einfach (Epicauta, Zonitis, Notoxus). IX. Ader ursprünglich mit eingeschlossener Zelle, die aber durch Verkümmerung des Hinterastes verschwindet (Notoxus) oder nur angedeutet ist (Epicauta, Zonitis). XI. Ader wie bei der ersten Gruppe. Von den Telephoriden, Elateriden etc. sind die Heteromeren im Flügel vorwiegend durch den Bau der IX. Ader verschieden; dennoch liegt die Vermuthung nahe, dass namentlich die weichflügeligen Lampyriden und Telephoriden mit den Me- landrviden und Meloiden etc. aus gemeinsamer Wurzel entstanden sind, und dass sie die Stammformen für alle Käfer mit hornigen Flügeldecken bilden, demnach viel älter als diese sein müssen, eine Vermuthung, welche von Roger auch auf Grund der Ausbildung des Bauchgangliensystems ausgesprochen wurde. Sowohl durch den Bau der Mundtheile, als auch durcli die Larvenform erweisen sich die Curculioniden, Brenthiden, Bruchiden und Scolytiden als näher mit- einander verwandt, zeigen jedoch in den Einzelnheiten des Flügelgeäders einen solchen Wechsel, dass ausser der lanzettlichen Gestalt des Flügels und der stets unverzweigten IX. Ader kaum ein gemeinschaftliches Merkmal zu erkennen ist. Während die Curculioni- den theilweise an die Cerambyciden, die Bruchiden an die Chrysomeliden erinnern, zeigen die Scolvtiden und Brenthiden einen ähnlichen Bau des Flügelgeäders wde die Histeriden und Silphiden. Die rücklaufenden Adern fehlen völlig bei Bostrychus, bei Bruchus ist nur die hintere (Vj vorhanden, aber kurz; bei den Curculioniden und Brenthiden sind zwar beide ausgebildet, aber nur von geringer Länge. Die Qiierader zwischen beiden ist entweder sehr blass und undeuthch (Caryoborus, Hylobius, Rhiunmacer etc.), oder sie fehlt vollständig (Rhynchophorus, Brenthus, Bruchus). Die Endzelle des Radius ist zwar vorhanden, aber klein bei Attelabus, Rhynchites, Hylobius, Rhinomacer, Caryo- borus, sie ist gegen die Flügelspitze offen bei Anthribus und Platyrhinus und fehlt voll- ständig den Scolytiden, Brenthiden und Bruchus. Strahladern sind meist zwei vor- handen, oft aber sehr blass und undeutlich. Der Cubitus fehlt vollständig bei Bostrychus, Dendroctonus, Rhynchophorus, oder erscheint als ein einfaches oder doppeltes Strichel bei Attelabus, Hylobius, Anthribus, Brenthus, Bruchus, selten ist er gegabelt (Rhino- macer). IX. Ader stets einfach; die XI. Ader fehlt bei Bostrychus und Brenthus, meist ist sie zweitheilig und der Vorderast entweder unmittelbar mit der IX. Ader zusammen- gewachsen (Bruchus, Eutrachelus, Anthribus), oder durch eine Querader mit ihr ver- bunden (Rhinomacer), oder frei (Attelabus, Hylobius, Rhynchites, Dendroctonus). Der Hinterast der XI. Ader fehlt bei Rhynchophorus und Dendroctonus. Das Flügelgelenk liegt entweder in der Mitte oder gegen die Flügelbasis zu. Das Geäder der Cerambyciden stimmt mit dem der Chrysomeliden derart überein, dass strenge Unterschiede nicht zu finden sind. Im Allgemeinen hegt das Gelenk bei den Cerambyciden nahe der Flügelspitze, weshalb der Apicaltheil verhältnissmässig klein erscheint, während bei den Chrysomeliden das Gelenk gegen die Flügelmitte ge- rückt, der Apicaltheil daher viel grösser erscheint. Die Cerambyciden besitzen ferner nur mit einzelnen Ausnahmen (Trictenotoma) eine ungetheilte IX. Ader, während dieselbe bei einem beträchtlichen Theile der Chrysomeliden eine grosse, eingeschlossene Zelle zeigt. Die rücklaufenden Adern sind stets entwickelt, aber kurz, die Querader zwischen denselben meist undeutlich, oft nur als helle Linie angedeutet. Die Endzelle des Radius ist meist vorhanden, klein, dreieckig, fehlt dagegen bei Molorchus minor und Parandra grandis. Strahladern sind gewöhnlich zwei vorhanden, oft aber die vordere undeutlich. 220 Josef Redtenbacher. Der Cubitus ist dreizinkig bei Monochamus, Necydalis Pan^eri, Astynomus, gegabelt bei Cerambyx cerdo L., Parandi'ci, Trictenotoma, Pachyta, Sagra, Megalopus, En- molpiis; bei Carpophaga, Donacia ist er durch zwei getrennte Adern, ht\ Aj'omia ,Clytus , Lema, Oreina, Lina, Clythra, Aplosoma, Polychalca, Mesomphalia, Alurnus durch eine einfache Linie ersetzt. V^ollständig fehlt der Cubitus bei Molorchiis minor. Die XI. Ader ist stets vom Grunde an in zwei Aeste getheilt, von denen der vordere in der Regel durch eine schiefe Querader mit der IX. Ader verbunden ist oder dieselbe un- mittelbar berührt. Die eingeschlossene Zelle der IX. Ader ist vollständig entwickelt bei Aliwnus, Clythra, Carpophaga, Eiimolpus, Polychalca und Mesomphalia, theihveise aufgelöst, daher offen erscheint sie bei Aplosoma, den Cerambyciden fehlt sie, so viel ich untersuchen konnte, durchwegs mit Ausnahme von Trictenotoma, die auch durch die heteromeren Fussglieder und den Fühlerbau von den Cerambyciden wesentlich ab- weicht. Eiimolpus zeigt zwischen Cubitus und V. Ader einen verschwommenen Chitin- fleck, der von einer hellen Linie halbirt wird. Da derselbe bei so verschiedenen Familien auftritt wie Chrysomeliden,Colydiern etc., dürfte demselben eine systematische Bedeutung wohl nicht zukommen. Dem Flügelgeäder nach schliessen sich die Coccinelliden am nächsten an die Chrysomeliden, speciell an Aplosoma und Polychalca an, unterscheiden sich jedoch von ihnen durch den Mangel der Querader zwischen Radius und V. Ader, durch die völlige Reduction des Cubitus und durch das deutlich abgesetzte Afterläppchen. Die Endzelle des Radius ist vorhanden bei Coccinella, fehlt dagegen bei Synonycha ; von Strahladern ist meist nur die hintere deutlich entwickelt. Die von der IX. Ader eingeschlossene Zelle ist wie bei Aplosotna vorne offen, der Cubitus blos durch einen kleinen hornigen Flecken angedeutet. Die XI. Ader besteht aus zw^ei kurzen Aesten, deren vorderer durch eine Querader mit IX verbunden ist. Bei Synonycha ist auch das Ende der IX. Ader resorbirt, so dass dieselbe eine S-förmig geschwungene Ader bildet. Eine merkwürdige Form bildet Nilio, deren Flügel durch das eingebogene Ende des Radius und die Form der V. Ader dem der Apatiden ähnelt, während Cubitus und IX. Ader an Polychalca, Aplosoma und die Coccinelliden erinnern. Die Erotyliden zeigen im Flügelgeäder den Typus der Melandryiden, Cisteliden und Tenebrioniden mit kaum merklichen Abänderungen, so dass es geradezu unmöglich ist, einen unterscheidenden Charakter zwischen beiden anzugeben. Einen ganz eigenthümlichen Bau zeigen die Flügel der Endomychiden, die sich in Folge der Reduction, welche das Geäder zeigt, mit keiner der oben angeführten Familien vergleichen lassen. Die rücklaufenden Adern sind kurz, blass und convergiren unter einem spitzen Winkel. Die Querader zwischen beiden fehlt ebenso wie die Endzelle des Radius. Strahladern sind nicht oder nur sehr undeutlich ausgebildet. Die IX. Ader ist S-förmig geschwungen, einfach, der Cubitus ein einfacher Strich, der entweder mit der IX. Ader in Verbindung ist (Endomychus sp. ) oder nicht (Endomychus coccineus), der Vorderast der XI. Ader ist am Ende mit der IX. unmittelbar verwachsen, ihr hinterer Ast fehlt bei Endomychus coccineus vollständig. Aus dem Gesagten wird ersichtlich, dass auch bei den Coleopteren eine solche Mannigfaltigkeit des Geäders besteht, dass es kaum möglich ist, eine scharfe Charakte- ristik für den Käferflügel festzustellen. Für die Mehrzahl der Käfer Hessen sich etwa folgende Merkmale angeben: Radius mit der Costa in oder vor der Flügelmitte ver- wachsen, daher die Subcosta so eingeengt, dass sie leicht übersehen wird; die Flügelspitze nur von undeutlichen Chitinstreifen (Strahladern) durchzogen oder ganz ungeadert; V. Ader kräftig ausgebildet, selten einfach, meist aus zwei Aesten gebildet, welche sich I Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 221 entweder in der Wurzelhälfte (Staphylinen etc.) oder in der Endhälfte vereinigen (Cam- pylus etc.); Cubitus verschieden gebildet, meist blass und zart, erscheint oft nur als ein Anhängsel (Nebenader) der V. oder IX. Ader; diese einfach oder gegabelt, oder mit ein- geschlossener Zelle (keilförmiges Feld), die XI. Ader aus zwei weit divergirenden Aesten bestehend, hinter dem Vorderast eine Convexfalte, längs welcher sich der Flügel nach unten umschlägt. Mit Ausnahme des Cubitus sind alle Convexadern stark und kräftig entwickelt, die Concavadern dagegen ausser der kurzen Subcosta durchwegs nur als Falten ausgebildet. Schon eine oberflächliche Betrachtung der Käferfiügel lehrt Jedoch, dass die an- gegebenen Charaktere zwar für die Mehrzahl, aber nicht für die Gesammtheit der Käfer zutreffen; der Flügel von Atractocerus allein beweist dies zur Genüge. Für kleinere Gruppen wird sich daher das Flügelgeäder recht wohl verwenden lassen, wie ja z. B. die Verwandtschaft von Paussiis oder Rhysodes mit den Adephagen durch die Bildunc^ der V. Ader unzweifelhaft bewiesen wird, zur Charakteristik der ganzen Ordnung da- gegen ist das Geäder allein nicht hinreichend. ■ — Ebenso unmöglich erscheint es, auf Grund des Flügelgeäders die Abstammung der ganzen Ordnung zu ermitteln. Mög- licherweise standen die Urformen der Käfer den Orthopteren nahe, einen sicheren Beweis hiefür können wir Jedoch nicht erbringen. Eigenthümlich ist, dass manche Cara- biden [Silphomorpha etc.) im Habitus ungewöhnlich an Blattiden erinnern. Es wäre sehr wünschenswerth, auch das Geäder der Strepsipteren genauer zu untersuchen, leider stand mir aber kein Exemplar zu Gebote, welches eine halbwegs sichere Deutung des Geäders erlaubt hätte. XVI. Hymenoptera. Taf. XX. Fig. 152—160. Adolph, Dr. E.: Nova acta der k. Leop.-Carol. Akad., XLI, pars II, Nr. 3 und 4, und XLVI, Nr. 2, Schon bei den Trichopteren, Lepidopteren und Dipteren sind Fälle häufig, wo die V. Ader entweder bedeutend abgekürzt oder vollständig ausgelöscht wird. Noch mehr ist dies bei den Hymenopteren der Fall, bei denen der Ausfall der V. Ader mit wenigen Ausnahmen ein geradezu typisches Merkmal des Flügelgeäders bildet. Durch die relative Entwicklung des Analfächers im Hinterflügel erweisen sich die Tenthrediniden als Formen, welche den ursprünglichen Flügeltypus der Hvmeno- pteren noch am getreuesten beibehalten haben. Im Vorderflügel von Lyda verlaufen ausser der Costa vier Con\'^xstämme ; der erste bildet am Ende das Pterostignia und ist als Radius anzusehen. Kurz vor dem Pterostigma entsendet er nach rückwärts einen Ast (Sector, III3), der durch eine Querader mit dem Pterostigma verbunden ist. Der zweite Convexstamm endet in eine Gabel, deren Zinken durch eine Qtierader verbunden sind; er entspricht dem Cubitus und steht durch eine Anzahl von Queradern mit den benachbarten Con- vexadern in Verbindung. Die dritte und vierte Convexader sind als IX und XI zu be- zeichnen und sind ebenfalls durch eine Querader verbunden. Von Concavadern ist blos die Subcosta ausgebildet, alle übrigen durch Falten ersetzt. Eine derselben läuft dicht vor der IX. Ader, durchbricht alle von ihr getroffenen Queradern und entspricht der Analader. Zwei undeutliche Concavfalten laufen zwischen den beiden Zinken des Cubitus und deuten daraufhin, dass zwischen ihnen eine mittlere Convexzinke verloren gegangen ist. Endlich verlaufen auch zwischen Sector und dem vorderen Cubitalast zwei Concav- falten, die sich nach innen vereinigen und die von ihnen getroffeneJi Queradern durch- Josef Redtenbacher. schneiden. Sie entsprechen der IV. und VI. Concavader und nöthigen 7A1 der Annahme, dass zwischen ihnen ein ganzer Convexstamm, nämlich die V. Ader, ausgefallen ist. Von Queradern sind ausser den bereits genannten noch folgende vorhanden: Der Stamm des Cubitus gibt nach hinten zwei Queradern ab, eine dritte entspringt vom hinteren Aste desselben. Vom Radius weg entspringen aus einem gemeinschaftlichen Punkte zwei divergirende, kräftige Queradern, von denen die eine den Stamm, die andere den Vorder- ast des Cubitus trifft. Endlich entsendet der Sector radii noch drei Queradern, näm- lich zwei zum vorderen Cubitalast, eine dritte gegen die äussere Zinke jener oben er- wähnten zweispaltigen Querader. Mit Recht gibt Adolph (1. c.) an, dass diese Querader, welche bei vielen Hymenopteren drei Zinken, eine vordere, äussere und innere, besitzt, aus mehreren Queradern zusammengesetzt sei und ausserdem Reste einer ver- schwundenen Längsader enthalte, welche keine andere als die V. Ader sein kann, die bei den meisten Hymenopteren fast völlig verloren gegangen ist. Unzw'eifelhafte Reweise für ihre ursprüngliche Anwesenheit finden wir bei manchen Exemplaren von Ammophila dives Brüll., seltener auch hti Ammophila sabulosa L., indem sich hier zwischen den genannten Falten (IV und VI) wirklich Bruchstücke einer Längsader vorfinden, welche sich gegen die Flügelspitze als Convexfalte fortsetzt. Auch bei Stilbum splendidum läuft von der äusseren Querader zwischen Sector radii und Cubitus eine kurze Längsader gegen die Flügelspitze, und bei zahlreichen Hvmenopteren findet sich an dieser Stelle eine Convexfalte als Rest der verschwundenen V. Ader. Dadurch erklärt sich nun auch die mächtige Entwicklung der genannten 2 — Sspaltigen Querader, welche demnach offenbar durch Vereinigung von wenigstens vier primären Queradern entstanden ist. Bei Cimbex und TentJwedo ist sie durch zwei schiefe, von einander getrennte Queradern ersetzt, von denen jede als aus zwei hintereinander gelegenen Queradern entstanden zu denken ist. Durch Aneinanderrücken verschmelzen diese beiden Queradern zunächst in einem Punkte (Lyda) oder in grösserer' Ausdehnung und damit erhält man das Bild einer dreispaltigen Querader, wie sie bei Athalia und vielen anderen Hymeno- pteren auftritt; dass nun an der Bildung derselben auch Bruchstücke der verschwundenen V. Längsader theilgenommen haben, ist immerhin möglich, ja sogar wahrscheinlich. — Im Hinterflügel von Lyda erkennt man leicht die concave Subcosta, sowie den Radius mit seinem Sector. Die IV. und VI. Ader sind wie im Vorderflügel durch Falten ersetzt, ausserdem der ganzen Länge nach vereinigt und so nahe an den Cubitus gerückt, dass dessen Vorderast theilweise ausgelöscht wird. Die beiden Aeste des Cubitus sind wie im Vorderflügel durch eine Querader verbunden und hinter demselben verläuft die Analader als Falte. Die IX. Ader ist von der Wurzel an in zwei Aeste getheilt, die sich jedoch vor dem Ende vereinigen; hinter ihr folgt eine Convexfalte, längs welcher sich wie bei den Coleopteren, Cicaden etc. das Analfeld nach unten umschlägt. Endlich folgt noch die einfache XI. Ader, von der IX. durch eine schwache Concavfalte getrennt. Die übrigen Tenthrediniden zeigen im Wesentlichen dasselbe Geäder wie Lyda. Dadurch aber, dass Costa und Radius aneinander rücken oder geradezu verschmelzen, wird die Subcosta im Vorder- und Hintcrflügel entweder völlig unterdrückt (Hylotoma), oder sie erscheint nur als Falte ausgebildet. Bei Hylotoma vereinigen sich Radius und Sector vor der Plügelspitzc miteinander; bei Xyela Dalii erscheint der Sector gegabelt. Die innere Querader zwischen Radius und Cubitus ist nach hinten gegabelt oder dreizinkig bei Athalia, Fenusa etc.; der Stiel (die vordere Zinke) derselben fehlt bei Hylotoma, Lopliyrus, Dolerus etc.; bei Cimbex u. A. trennen sich die beiden Zinken vollständig. Im Hintcrflügel verlässt der Radius die Costa, mit der er ein kurzes Stück verschmolzen ist, wieder, um sich mit dem Sector vor dem Ende zu vereinigen (Athalia, Hylotoma). Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 22 3 Die dreispaltige Querader fehlt im Hinterflügel durchwegs. Die IV. und VI. Concavfalte sind bei Lj^da und Xj^ela der Länge nach vereinigt, bei Hylotoma, Tenthredo, Athalia etc. dagegen von der Mitte an getrennt. Die IX. Ader bildet bei Xyela, Cimbcx etc. zwei von einander getrennte Aeste, die nur durch eine Querader verbunden sind. Das Flügelgeäder der Uroceriden ist nur unbedeutend von dem der Tenthredi- niden verschieden. Bei Sirex vereinigt sich der Radius mit dem Sector an der Spitze; die erste Querader hinter dem Sector trifft die äussere Zinke der dreispaltigen fast am Ende bei Cephiis, nahe dem Gabelpunktc bei Xylotcrus, während sie bei Sirex sogar den Stiel Jener Querader trifft. Die beiden Cubitalzinken sind wie bei den Tenthrediniden mit Ausnahme von Oryssus durch eine Querader miteinander verbunden. IX. und XI. Ader sind nie verwachsen, sondern nur durch eine Querader miteinander verbunden. Auch der Hinterflügel zeigt fast genau dasselbe Geäder wie bei den Tenthrediniden. Bei den Cvnipiden ist der Flügel in Folge der geringen Grösse stark reducirt. Concavadern sind durchwegs durch Falten ersetzt, welche im Allgemeinen denselben Verlauf wie bei Lyda nehmen. Der Sector radii ist im Hinterflügel oft nur durch eine Convexfalte ersetzt, im Vorderflügel erscheint er winkelig geknickt und entsendet zwei Qiieradern zur vorderen Cubitalzinke, welche eine kleine dreieckige Zelle einschliessen. Die dreispaltige Ader ist durch eine grosse, einfache Querader ersetzt. Das Analfeld ist stark reducirt und höchstens von einer einzigen Längsader (IX.) durchzogen. Im Hinter- flügel sieht man ausser dem Radius und eventuell seinem Sector meist nur die grosse schiefe Querader und eine Concavfalte, welche der Analader entspricht. Die Proctotrupiden erinnern theilweise an die Cynipiden. Bei Helorus erkennt man leicht den Radius sammt dem winkelig geknickten Sector, ferner den gegabelten Cubitus und die IX. Ader. Der Cubitus ist mit dem Radius durch eine dreispaltige, mit dem Sector durch eine einfache, schiefe Querader verbunden. Im Hinterflügel ist nur eine Spur des Radius, der gegabelte Cubitus und eine Concavfalte als Rest der Analader sichtbar. Der Flügel der Pteronialinen ist meist noch mehr reducirt als der der Cvnipiden. Sowohl im Vorder- als im Hinterflügel ist eigentlich nur der Radius und eine Spur des Sectors nebst einer schiefen Querader sichtbar. Der Cubitus fehlt im Hinterflügel ganz, ist aber im Vorderflügel durch eine Convexfalte angedeutet, hinter welcher die concave Analfalte läuft. Eine schief gegen die Plügelspitze ziehende Concavfalte entspricht jener, welche bei Cynips unmittelbar hinter der vorderen Cubitalzinke verläuft. Unter den Braconiden zeigen die grösseren F"ormen ein Geäder, welches sich leicht auf das der Tenthrediniden zurückführen lässt, während die kleineren Formen, wie Microgaster, durch Reduction fast den Tvpus der Cvnipiden zeigen. Der Radius ist stets der Costa sehr nahe gerückt, der Sector oft am Ende avisgelöscht. Cubitus ohne Querader zwischen den beiden Zinken; IX. Ader einfach, XI. fehlt regelmässig. — Im Hinterflügel sieht man den Radius in der Mitte mit der Costa vereinigt, ferner den Sector, der durch eine Querader mit dem einfachen oder gegabelten Cubitus verbunden ist, endlich die einfache IX. Ader, die ebenfalls durch eine Querader mit dem Cubitus zu- sammenhängt. Von Concavfalten findet man die IV. und VI. im Vorder- und Hinter- flügel bis zur Mitte vereinigt, ferner die Analader, und im Vorderflügel ausserdem noch zwei Falten zwischen den beiden Cubitalzinken. Die Ichneumoniden zeigen im Allgemeinen das Flügelgeäder der Braconiden. Zwischen Sector radii und der vorderen Cubitalzinke ist bei Hemiteles etc. eine einzige Querader, bei Pimpla, Epiüaltes etc. sind deren zwei vorhanden, bei Tryphon etc. ver- schmelzen sie zu einer gegabelten Querader; bei P()ri:[on berühren sich Sector und Cubitus 224 Josef Redtenbacher. unmittelbar in einem Punkte, bei Xylonomiis verschmelzen sie sogar eine kurze Strecke. Die äussere Zinke der dreispaltigen Ader ist bis auf ein kurzes Rudiment an der vorderen Cubitalzinke reducirt. Bei l'rogiis und Tryphon ist eine Spur einer mittleren Cubital- zinke vorhanden, die IX. Ader ist stets einfach, die XI. fehlt. Unter den Evaniaden schliesst sich Aulacus mit Ausnahme der vollständig ent- wickelten dreispaltigen Querader vollkommen an die Ichneumoniden an. Bei Gaste- ruption assectator F. erscheint das Geäder insoferne verändert, als der Stiel des Cubitus zweimal geknickt ist und die dreispaltige Querader unter gleichzeitiger Reduction der inneren Zinke sich an die erste Knickung des Cubitus derartig anlegt, dass eine kleine viereckige Zelle zwischen beiden entsteht. Der Hinterflügel ist stark reducirt und zeigt blos eine Längsader (Cubitus?), dann eine Concav- und Convexfaltc, welche als Reste der VIII. und IX. Ader aufzufassen sein dürften. — Eine ganz abweichende F"orm zeigt Pclecinus politurator Drury, indem vom Sector zwei lange, schiefe Adern nach ent- gegengesetzten Seiten ausgehen, ohne sich mit dem Cubitus zu verbinden. Ich meine Jedoch nicht zu irren, wenn ich dieselben als abnorm entwickelte Queradern ansehe, ob- wohl es nicht ausgeschlossen erscheint, dass auch die V. Ader an der Bildung derselben betheiligt ist. Der Formicidenflügel zeigt im ^^'escntlichen das Geäder der vorhergehenden Familien. Bei Formica fiiUginosa Latr. berühren sich Sector und Cubitus unmittelbar, bei Fonnica riiäiiiudis sendet die Querader einen schief nach innen laufenden Zweis ab, der als eine zweite Querader anzusehen ist; hc'i Fo)-inica ligniperda ist die dreispaltige Querader durch eine einfache ersetzt, welche den vorderen Cubitalast trifft, i — 2 Quer- adern verbinden den Cubitus mit der einfachen IX. Ader, von welcher die Analader als Falte verläuft. Im Hinterflügel muss entweder der Sector radii als fehlend oder mit dem vorderen Cubitalast verwachsen angenommen werden; da die beiden Concavfalten IV und VI fehlen, ist letztere Ansicht wahrscheinlicher. Der Stamm des Cubitus ist durch eine Querader mit der einfachen IX. Ader verbunden, vor welchen die Analfalte verläuft. Bei Tetramorhim erscheint die IX. Ader abgekürzt, so dass sie mit dem Cubitus eine kleine eiförmige Zelle einschliesst, welche von einer Concavfalte (VIII.) durchsetzt wird. Der Flügel der Chrvsididen weicht vom allgemeinen Tvpus durch den Mangel der Querader zwischen den beiden Cubitalzinken ab. Ausserdem fehlen die Queradern zwischen Sector radii und Cubitus entweder vollständig (Chrysis) oder es ist nur eine einzige vorhanden, von welcher manchmal eine kurze Ader als Rest der V. Längsader entspringt (Stilbiim splendidiim F.). Der Hinterflügel ist noch mehr reducirt als der Vor- derflügel, indem bei Clwysis der Sector nur durch eine Convexfalte angedeutet ist und der Cubitus entweder einfach ist (Stilb um) oder nur eine Spur von einer Gabel zeigt (Chrysis). Die IX. Ader ist einfach, die XI. fehlt im Vorder- und Hinterflügel. Bei den Scoliidcn bildet der Sector mit dem Radius eine rhombische Zelle, von welcher zwei Queradern ausgehen, die äussere zum Vorderast des Cubitus, die innere zur dreispaltigen Ader. Bei Tenf^yra ist die IX. Ader im Vorderflügel abgekürzt und die Querader zwischen den beiden Cubitalzinken zeigt einen Ansatz zu einem Mittelaste. Bei Mutilla etc. sind drei Queradern zwischen Sector und Cubitus entwickelt. Bei den Fossoria verschmelzen Radius und Sector vor dem Ende und schliessen eine lange elliptische Zelle ein, welche der rhombischen von Scolia entspricht. Ausser der dreispaltigen Querader sind Sector und Cubitus noch durch eine (Crabro) bis drei Qiieradern {Ammophila, Pompiliis, Pelopoeus etc.) verbunden. Zwischen den beiden Cubitalzinken meist eine Querader. Bei Ammophila divesBvuU. und Ammophila sabii- losa L. flndet sich, wie oben erwähnt, manchmal eine Spur der V. Ader. Im Hinter- Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 22 5 flügel ist der Cubitus gegabelt, ohne Querader zwischen den beiden Zinken, dagegen durch Je eine Querader mit dem Sector und der einfachen IX. Ader verbunden. Bei Oxj^- telus ist im Vorderflügel der äussere Ast der dreispaltigen Ader reducirt, wie bei den Ich- neumoniden. Bei Sphex tritt im Hinterflügel eine Andeutung einer mittleren Cubitalzinke auf; die XI. Ader fehlt oder ist nur durch eine Convexfalte angedeutet. Die Vespiden und Apiden zeigen fast denselben Bau des Geäders wie die Fos- soria. Xylocopa zeigt im Vorderflügel auch die XI. Ader ausgebildet, im Hinterflügel dagegen fehlt sie vollständig. Die IX. Ader erscheint bei Vespa, Polistes und Xylocopa im Hinterflügel ganz oder theilweise durch eine Convexfalte ersetzt. Bei Apis, Bombus etc. zeigt sich zwischen den beiden Cubitalästen eine Spur einer Mittelzinke, die jedoch nur als Convexfalte ausgebildet ist. Directe Verbindungen des Hymenopterenflügels zu dem anderer Insectenordnungen fehlen. Wenn auch, wie Brauer mit Recht angibt, die Bildung des Analfeldes an den Clavus der Hemipteren eriimert, so zeigen sich doch andererseits wieder so manigfaltige und erhebliche Verschiedenheiten im Flügelgeäder, dass an eine nähere Beziehung zwischen den beiden Ordnungen nicht zu denken ist. Namentlich ist es der Ausfall der V. Ader, durch welchen die Hvmenopteren eher zu den Trichopteren und Panorpen, sowie zu dtn Dipteren und Lepidopteren Beziehungen zeigen. — Als charakteristisch für den Hymenopterenflügel ist vor Allem zu erwiihnen, dass die Concavadern mit wenigen Ausnahmen durch Falten ersetzt sind, und dass die V. Ader ganz erloschen oder nur spurenweise angedeutet ist. Reste derselben sind auch vielleicht in der kräftigen, aus mehreren Queradern hervorgegangenen »dreispaltigen« Ader enthalten, von der ein- zelne Zinken, namentlich die vordere und äussere (gegen die Flügelspitze gewendete) verschwinden können, sodass sie dann das Aussehen einer einfachen schiefen oder zweier divergirender Queradern annimmt. Das Analfeld erreicht nur im Hinterflügel derTenthre- diniden und Üroceriden eine ansehnlichere Entwicklung. Im Vorderflügel bildet die Anal- ader mit dem Radius einen viel spitzeren Winkel als bei den Dipteren oder Lepidopteren. Vergleicht man den Flügel der verschiedenen Insectenordnungen miteinander, so lässt sich folgendes Schema für das Flügelgeäder ableiten. Von der Flügelwurzel ent- springen etwa II — 13 Adern, die von einander nach Art der Fächerstrahlen divergiren und abwechselnd concav und convex erscheinen. I, III, V, VII, IX und XI (eventuell XIII etc.) sind convex, die dazwischenliegenden, mit geraden Zift'ern bezeichneten Adern concav. Jede der genannten Adern kann entweder einfach und unverzweigt sein, oder einen ganzen Adercomplex bilden; umgekehrt können alle Concav- und Convexadern mehr oder minder reducirt werden oder völlig verloren gehen. Dies ist Jedoch nicht bei allen Adern in gleichem Masse der Fall, vielmehr zeichnen sich gewisse Adern (Costa, Radius und Cubitus, Subcosta und Analader) durch eine gewisse Resistenz aus. Am häufigsten wer- den die IV., V. und VI. Ader reducirt, seltener der Cubitus (Coleopteren, Hemipteren); der Radius fehlt im Vorderflügel niemals und im Hinterflügel nur bei einigen kleinen Hvmenopteren etc., bei denen der Vorderflügel allein den activen Flug bewirkt, während der Hinterflügel passiv mitbewegt wird, daher auch die weitgehendste Reduction des Geäders erlaubt. Von concaven Adern sind die Subcosta und Analader in der Mehrzahl der Insectenordnungen ausgebildet oder wenigstens durch Falten angedeutet. Hand in Hand mit der Reduction der Längsadern geht die Verminderung der Queradern, so dass gerade die höchst entwickelten Insecten (Dipteren, Hvmenopteren etc. ) Flügel mit spärlichem 120 Josef Redtenbacher. und scheinbar einfachem Geäder besitzen, welches aber in Wirkhchkeit durch eine tief- greifende Reduction aus einem viel reicheren hervorgegangen ist. Gerade das Gegentheil zeigen die Orthopteren, Neuroptercn etc., deren zahlreiche Längs- und Queradern schein- bar oft einen viel complicirteren Verlauf nehmen, bei genauer Untersuchung aber sich leicht auf das erwähnte Schema zurückführen lassen; diese beiden Ordnungen besitzen auch noch einen deutlichen Rest des ursprünglichen Fächerflügels in dem mehr oder minder entwickelten Analfelde. Bei der Mehrzahl der Insecten schliesst sich der Sector innig an den Radius; bei den Odonaten, Ephemeriden und Dipteren aber erscheint derselbe vom Radius deutlich durch eine Concavader getrennt, und in diesem Falle läge es nahe, den Sector, gleich der V. Ader, als selbstständigen Adercomplex zu betrachten. Er würde dann mit V, die genannte Concavader (zweite Längsader der Dipteren, Sector princi- palis der Odonaten) mit IV zu bezeichnen sein; Jede folgende Ader überhaupt erhielte eine Ziffer, die um zwei höher ist als in der von mir angewendeten Nomenclatur. Der Cubitus wäre demnach mit IX, die Analader mit X zu bezeichnen. Dass ich dennoch diese von Prof. Brauer acceptirte Bezeichnungsweise nicht angewendet habe, hat darin seinen Grund, dass bei zahlreichen Insecten (Megalopteren, Lepidopteren etc.) Radius und Sector so innig miteinander verbunden sind, dass es oft unmöglich ist, beide von- einander zu trennen. Es liegt auf der Hand, dass die vorliegende Terminologie noch nicht zur Syste- matik innerhalb der einzelnen Ordnungen verwendet werden kann; sie muss zu diesem Zwecke von Fachmännern weiter ausgeführt und auch auf die Queradern und Flügel- felder ausgedehnt werden. Diese Arbeit aber würde meine Kraft sowohl als die mir zu Gebote stehende Zeit übersteigen, und aus diesem Grunde wird jeder Fachentomologe die bisher gebräuchlichen Nomenclaturen auch für die nächste Zukunft nicht entbehren können, so lange es sich um Unterscheidung von x\rten, Gattungen etc. innerhalb einer und derselben Ordnung handelt. Wer jedoch vom vergleichenden Standpunkte aus die Insecten behandelt, wird die alte Terminologie über Bord werfen und sich einer einheit- lichen , für alle Insectenordnungen geltenden Nomenclatur bedienen müssen. Auch innerhalb mancher Ordnungen wird eine Regeneration der bisherigen Terminologie unumgänglich nothwendig sein, namentlich dort, wo eine und dieselbe Concav- oder Convexader im Vorder- und Hinterflügel verschiedene Namen führt, ferner wo Theile einer und derselben Ader mit verschiedenen Namen belegt werden oder umgekehrt Theile verschiedener Adern mit demselben Namen bezeichnet erscheinen. Gerade in diesen bei- den letzten Fällen wird eine übersichtliche, vergleichende Zusammenstellung der älteren Terminologie mit der von mir angewendeten eine äusserst schwierige und complicirte Aufgabe. Dennoch habe ich es versucht, um das Auffinden homologer Adern zu er- leichtern, die lür die einzelnen Insectenordnungen (im Sinne Brauer's) gebräuchlichsten Terminologien mit der von mir vorgeschlagenen tabellarisch nebeneinander zu stellen. Der Fachmann wird sich nach meiner Ansicht auch dort, wo diese Zusammenstellung Lücken hat, mit Hilfe der Abbildungen und des Textes zurecht finden. Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 227 Vergleichende Uebersicht über die Terminologie des Insectenfliigels. Odonaten (De Sclys Long- c h a m p s) : I ■= Nervus costalis. II = » SLibcostalis. III[ = » medianus. III2 = Sector principalis. IIL Sector intercalaris. IV = » nodalis. V = » SLihnodalis. VI = » raedius. VII = » hrevis. VIII = » trianguli superior. IX = » » inferior. Perliden (Brauer und Low) I = Costa. II = Subcosta. III, IIL Radius. Sector radii. V = Cuhitus anticus. VII — » posticus. Ephemeriden (Eaton): Vorderßügel : I = Costa (i). II = Subcosta (2). III, = Radius (3). III, = Sector (4). VI = Cubitus (5). Präbrachialis (6). Postbrachialis (7). Analis (8~). VII VIII IX X = — XI = Axillaris (g) Hinterflügel: I = Costa (i). II = Subcosta (2). \\\ ■= Radius (3). III2 = Sector (4). VI - Sector (4,). VII = Cubitus (5). VIII = Präbrachialis (6). IX = Postbrachialis (7). X = Analis (8). XI = Axillaris (9). Blattiden (Brunn er v, Wattenwyl): Vorderflügel: II = Vena mediastina. III = » radiahs = scapularis (Fi- scher). V = Vena ulnaris anterior (bei TTc/oZ^m = Vena radialis) = Vena cxtcrno- media (Fischer). VII = Vena ulnaris posterior (bei /:c^o^;tT = Vena ulnaris) = Vena interno- media (Fischer). VIII = Vena dividens = Vena analis (Fischer). IX = Vena axillaris. Hinterflügel: II = Vena mediastina. III = » radialis. V = » spuria (bei Ectobia = IV + vn. VII = Vena ulnaris. VIII = » dividens. IX = » plicata. Mantiden (Brunner): Vorderflügel: II = Vena mediastina (scapularis Fischer). III = Vena radialis anterior fexterno- media Fischer). V = Vena radialis posterior (subexter- nomedia Fischer). VII = Vena ulnaris anterior (interno- media+ subinternomedia Fisch.). VIII = Vena ulnaris posterior (analis Fischer) IX = Vena dividens (rami venae analis Fischer). XI -= Vena plicata (axillaris Fischer). 228 Josef Redtenbacher. Hinterflügel: II = Vena mediastina. III = » radialis anterior. V = » radialis media, VI = » radialis posterior. VII = » ulnaris anterior. VIII = » ulnaris posterior. IX = » dividens. XI = » plicata. Gryllodeen (Brunn er): Vorderflügel: I = Vena radialis (mediastina Fi- scher). II = — III = Vena ulnaris anterior (scapularis Fischer). V = Vena ulnaris posterior (externo- media Fischer). VII = Vena dividens (internomedia Fi- scher). IX = Vena plicata (axillaris, analis Fi- scher). Hinterflügel : I = — II = Vena radialis anterior. III = » radialis media. V = » radialis posterior. VII = » ulnaris. IX = » dividens -f plicata. Locustiden (Brunn er): Vorderflügel: I = Vena mediastina. 11 = » radialis anterior (scapularis Fischer). III = Vena radialis posterior (externo- media Fischer). V — Vena ulnaris (internomedia Fi- scher). VII = Vena dividens (^internomedia Fi- scher). VIII = — (Vena analis Fisch.). IX = Vena axillaris (suturalis Fischer). Hinterflügel: I II = Vena mediastina. III = » radialis. V - » VII = » ulnaris anterior. VIII = » » posterior. IX = » dividens. Acridier (Brunner): Vorderflügel : I = Vena mediastina. II = » radialis anterior. III = » » media. V = » » posterior VII = » ulnaris anterior. V^III = » » posterior. IX = Vena dividens. XI = » phcata. Hinterflügel: I = — II = Vena mediastina. III = V = VII = VIII = IX = XI = radialis. » ulnaris anterior. » posterior, dividens. axillaris. Fischer: Vorderflügel: I = — II = Vena scapularis. III = » externomedia. V = » subexternomedia. VII = » internomedia. VIII = » subinternomedia. IX = » analis. XI = » axillaris. Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 229 Embiden (Wood-Mason): I = Vena costalis. II = » subcostalis. ni,= » radialis. nig 4- V + VII = Vena discoidalis. IX = Vena analis. Psociden (Brauer und Low): l = Costa. II = Subcosta. III = Radius. V = Sector radii. VII = Cubitus -f hinterer Ast des Sector radii. VIII = Cubitus posticus (postcosta). Termiten: III = Subcosta (Hagen), scapularis (Heer). V = Mediana (Hagen), internomedia (Heer). VII = Subniediana (Hagen), externo- media (Herr). Hemipteren (Fieber): I -f- III = Costa primaria -{- Costa apicalis. V = Costa subtensa + Costa decur- rens -\- Costa connectens -\- hamus. VII = Costae lineatae. IX + XI = Costae radiantes. Homopteren (Kolenati): Vorderßügel : III = Radius principalis. III, = Sector apicalis. IIIj= » nodalis. V = Radius internodalis. Vi= Sector subnodalis. Vg^ » medius. VII = Radius medius -|- Sector brevis. VIII - — IX = — XI = — Hinterflügel : III = Radius principalis. III,= - 1113== - V = Radius dichotomus. V,^ - VII = Radius medius. VIII = » posticus. IX = » brevis. XI = » suturalis -[- arculus. Sialiden (Brauer und Low): I = Costa. II = Subcosta. III = Radius + Sectoren. IV = Ramus thyrifer (cubiti antici). V = Ramus divisorius. VII = Cubitus posticus. Megalopteren und Panorpaten: I = Costa. II = Subcosta. III = Radius + Sectoren, IV- — V = Cubitus anticus. VII = » posticus. Phryganiden (Brauer und Low): Vorderflügel: I = Costa. II = Subcosta. III ■= Radius + Sectoren. V = Ramus thyrifer (cubiti antici). VII = » divisorius (cubiti antici). VIII = Cubitus posticus. IX, = - 1X3- — XI, = - Xl3= — XIII = — 23o Josef Redtenbacher. Hinterßü^el: I = Costa. II = Subcosta. III = Radius + Ramus discoidalis. V = Ramus suhdiscoidalis. VII = Cubitus posticus. VIII = Costula trochlearis. IX, = » gemina antica. 1X3= » » postica. XI, = » tendinis antica. Xl3 = » » media. III = » » postica Lepidopteren (Heinemann etc.): II = Costalrippe. III = Subcostalrippe, vordere (äussere) Mittelrippe. I\', \' und VI verschieden bezeichnet. VII -= Subdorsalrippe, hintere (innere) Mittelrippe. VIII, IX und XI = Dorsalrippen. Coleopteren: Heer: I II III V VII IX XI I II III V VII IX XI Costa. Subcosta. Radius, Sector. Cubitus. Internomedia. Analis. K i r b y : Neura mediastina. Postcosta. Externomedia. Internomedia. Neura analis. Dipteren : Hagen: I = Costa. [I = Subcosta. III III III IV V VI VII VIII IX X Mediana (Radius). 2-= Sector (V'orderast). 3= Sector (Hinterast). Vorderast der Submediana. Submediana. Postcosta. M e i g e n : I = — II = Hilfsader. IIIi= I. Längsader. 111.2= Stamm der 2. und 3. Längsader. 1113= 3. Längsader. IV = 4. Längsader. V = i VI = — . VII = 5. Längsader. VIII = 6. Längsader. IX = 7. Längsader. X = ? Seh in er (1864): I = — II = Mediastinalader. IIIi= Subcostalader. IIl2= Radialader. 1113= Cubitalader. IV = Discoidalader (4. Längsader). V = ? VI ^ Theilungsader. VII = Posticalader. VIII = Analader. IX = Axillarader. X = Angularader. Hymenopteren: P" ö r s t e r : I = — II = Vena intercalaris. 111^= » submarginalis. 1113= » radialis. VII = » media. Vergleichende Studien über das Flügelgeäder der Insecten. 23l VII,= Vena cubitalis -j- Vena transverso discoidalis. VIl3 = Vena media. IX = » postica. XI = XIII = » accessoria. Thomson: I = Vena costalis. II = » mediastina. nii= » postcostalis. 111,= » marginalis. VII = » cubitalis. VII,= » submarginalis -[-Vena basa- IIIi-= Vena postcostalis. lis (recurrens). VIl3= — IX = Vena brachialis. XI = >■> humeralis. XIII = » axillaris. S h u c k a r d I = Vena costalis. II = — 111,=. VII - V1I,= radialis, externomedia. cubitalis -|- Vena recurrens. VII.5— » discoidalis -|- Vena subdis- coidalis. IX = Vena analis. XI = XIII = — S c h e n c k : I = Vena marginalis. II = III|= » submarginalis. 1113= » radialis. VII = Vena medialis. VIIi= » cubitalis + Discoidal-Quer- ader. VII.,= \'ena discoidalis -j- Vena sub- medialis. IX = Vena analis. XI = — XIII = — Erklärung zu Tafel IX. (Con vexatlern sind durch kräftige, Co ncav ädern durch feine Linien bezeichnet; Concav- falten sind durch punktirte, Conv ex falten durch Strich linien angedeutet.) g. I. Hinterflügel von Forficula aiiricularia, ausgebreitet. V. = yYo- g. 2. » » » » nach der ersten Faltung. g. 3. » » » » nach der zweiten Faltung. g. 4. » » » » vollkommen zusammengelegt. g. 5. Flügel von Heptagenia forcipida. V. = 5. g. 6. Vorderflügel von Oligoneura anomala Pict. V. ■= Jf.'^|^. g. 7. » » Calopteryx splendeus. V. ■= 2. g. 8. » » Agrion sp. V. ■— 5. g. 9. Flügel von Aeschua cj'cDiea. V. = 2^.^. Redtenbacher: Flirgelgeäder der Insecten. Tafel IX . AutOT. del. litTi-Anstiv.OTreTtag&Bsrndt.'Vfien. Annal.d.k.k.Naturiiist. Hofmuseums, Bandl. 1886. Erklärung zu Tafel X. Hg. lo. Flügel von Nemiira variegata. V. = 5. Fig. II. » » Pterona?'cj's reticulata Burm. Fig. 12. Vorderflügel von Pej'la cephalotes. V. = 2'/3. Fig. i3. Flügel von Embia Savignyi. V. = 6. Fig. 14, » » Periplaneta orientalis. V. = 4'/2- Fig. i5. » » Ectobia lapponica. V. = 6. Fig. 16. Hinterflügel von Eleutherodea dytiscoides Sew. V. - 2. Fig. 17. Flügel von Mantis religiosa. V. = 2. Fig. 1 8. Vorderflügel von Tropidoderiis Childreny Gray (schem.). Kedtenbactier: Flügelgeäder der Insecten. TafelX A-u-toT del. lith An5^-; SJreTjUg i-Bsindt,"W5eiL. Annal.d.k.k.Natuphist. Hofmuseums, Bandl. 1886. Erklärung zu Tafel XL Fig. 19. Flügel von P)'isopus Berosiis Westw. V. = i\l^ (schem.). Fig. 20. » » PhylUuni crurifolium Serv. V. = i. Fig. 21. » » Oecanthus pellucens. V. = 5. Fig. 22. » » Gryllus campestris (9)- Fig. 2 3. » » Decticus verrucivorus. V. = 4\'2- Fig. 24. » » Moristus spec. (V. = Y^, schem.). Redtenl)acher: Flügelgeäder der Insecten. Tafel::!. Axi-tor del. lith Anstrv (jJre^tig &B6rndt,Wi«}L. Annal.d.k.k.Naturiiist. Hofmuseums, Band 1.1886. Erklärung zu Tafel XII. Fig. 2 5. Flügel von Phaneroptera falcata Scop. V. = 27^. Fig. 26. Vorderflügel von Gryllacris spec. nov. (schem.). Fig. 27. Hinterflügel von Ctenocnemus pallidus Koll. (schem.). Fig. 28. Vorderflügel von Cyrtophyllus perspicillatus Burm. (schem.). Fig. 29. Flügel von Akicera euryscelis Schaum, (schem.). Fig. 3o. Vorderflügel von Thamnotri:[on apterus F. V. = 4^4. ^f. Fig. 3i. Flügel von Bulla ocellata Thunb. (schem.). Fig. 32. » » Psophiis stridulus. V. = 2^1^. Fig. 33. Hinterflügel von Petasia siiperba Stal. (schem.). F"ig. 34. » » Stenobothrus nigromaculatus H.-Sch. V. = 4V2' Fig. 35. Flügel von Tcnnes lucifiigus. V. = 4. Fig. 36. » » Hodotcrmes briinneicornis Hg. (schem,). Fig. 37. » » Caloterines nodiilosus Hg. (schem.). Fig. 38. » » Caeciliiis ßavidus Stcph. V. ■= 9. Redtenbacher: Flügelgeäder der Insecten. TafelM. /m A-utor del. lit}i.An5;*v.^'Tre-ytig.?rB6:r.dt,V/)eji Annal.d.k.k.Natuphist. Hofmuseums, Band 1.1886. Erklänino- zu Tafel XIII. Fig. ?<). Fig. 40. Fig. 41. Fig. 42. Fig. 43. Fig. 44. Fig. 45. Fig. 46. Fig. 47- Fig. 48. Fig. 49. Fig. 5o. Fie. 5 I. Flügel von Fuls^ora laternaria L. V. = i (schem.). » » Derbe us:j'ops Guer. V. = S'^. » » Aphrophora spumaria. V. — 5 '/2. » » Zammara strepens Serv. » » Centrotus coniutus. V. ■= 6'/2- » » Pterochlorus longipes Duf. V. = yV-i- » Psylla alni L. V. = 7I/.. Hinterflügel von Plataspis coccinelloidcs Lap. (sclicm.), Flügel von Mnrmydea nigricornis ¥. V. = 6. Hinterflügel von Phymata erosa Wolf. V. = 4' '2- Calocoris vandaliciis Rossi. V. = 7' y 2- Flügel von Copiiis maculatus Thunbg. V. = 5 y^' » » Limnometra annata Spin. V. = 6' 2- Kedteiil)aclier: Flügelgeäder der Insecten. Tafel Xm. AiitOT del. lifb. Inst^j rjjre-ytag <5:B6indt,'W)e!i. Annal.d.k.k.Natuphist. Hofmuseums, Band 1.1886. Erklärung zu Tafel XIV. Fig. 52. Hinterflügel von Phloeogaster inammosus Serv. V. = 4'/2- Fig. 53. Flügel von Lygaeus equestris L. V. = 6. » » Notonecta glauca. V. = 4V4. » » Nepa rubra L. » » Corydalis sp. (schem.). » » Raphidia not ata F, V. = j'/j- » » Sialis fuliginosa. V. = 5. Fig. 59. » » Megalomus hirtus F. V. = 5. Fig. 60. Vorderflügel von Nj-mphes myrrneleonides Leach. (schem.). Fig. 54. Fig. 55. Fig. 56. Fig. 57- Fig. 58. Kedtenbacher: Flügelgeäder der Insecten 52. Tafel xrr. AutOT del. lifl.J!:;. Annal. d.k.k.Naturhist. Hofmuseums, Bandl .1886. Erklärune zu Tafel XV. Fig. öl. Plügel von Dilar turcicus Hg. V. = 5. Fig. 62. » » Cordulecerus vulpeciila Burm. (schem.) Fig. 63. » » Chrysopa vulgaris. V. = 5. Fig. (J4. » » DrepaJiicus Gajri Blanch. F"ig. 65. » » Mantispa styriaca. V. = 5. Fig. G6. Hinterflügel von A:{^esia napoleo (schem.). Fig. 67. Flügel von Palpares cephalotes Klug, (schem.). Fig. 68. Vorderflügel von Paiiorpa montana. V. = 5. Fig. 6(). » » Philopotamus variegatiis. V. = 5. ■Redtenl) acher: Flügelgeäder der Insecten. Tafel XV. A-utoi del. litli. Ans t ^;. 5 Jrs7tag> B emdt.'Wien . Annal.d.k.k.Naturhist. Hofmuseums, Band 1.1886. Erkläriino- zu Tafel XM. Fig. 71. Fig. 70. Flügel von Limnophihis griseus L. V. = 4^/4. ■> » Leptoccriis venosus F. V". = ^^l^. > » Sphinx Galii. V. ^ i i/j. > » Hepialus sylvinus. V. = 47^. Fig. 72. Fig. 73. Fig- 74- Fig. 75. Fig. 76. Tinea vastella. V. ,1/, /2- > » Gonopterj'x rJiamni L. V. = i Yj. > » Cossus ligniperda F. V. = i '/j- Fig. 77. Hinterflügel von Siviaethys nemorana. Fig. 78. Flügel von Zygaena minos. V. = 472- Fig. 7(j. » » Bombj'x mori. V. = 2. Redtenbacher: Flügelgeäder der In^ecten. Tafel Xyi. iutoT del. lith.Anstv.&Jreytag&Berndt.'Wieii. Annal. d. k.k.Natuphist. Hofmuseums, Band 1 .1886. Erklärung zu Tafel XML Fig. 8{). Flügel von Cei-astis vaccinii. V. = 4V2' Fig. 81. \'orderflügel von Brephos piiella. V. = 2^4- Fig. 82. Flügel von Sesia apiformis. V. = 474- Fig. 83. » » Psychoda sp. (Mexico). V. = y'/j- Fig. 84. » » Sciara viatica Winn. Fig. 85. » » Ptychoptera (n. Brauer). Fig. 86. » » Lonchoptera sp. V. = i5. Fig. 87. » » Bibio hortiilaniis L. V. = 6. Fig. 88. » » Tipula quadrifaria (p. p. nach Adolph). Fig. 8(). » » Stratiovij's fiircata F. V. = 6. Fig. 90. » » Tabamis sp. V. = 5 'A^. Fig. 91. » » Coenomyid fcrruginea (n. Adolph). Fig. 92. » » Dolichopus. V. = J^li- Fig. 93. » » Usica aiirata F. V. = J^/i- Fig. 94. » » Anthrax flaviis Mg. V. = 4^/2. Fig. 95. » » Sj-rphus pyrastri L. V. = 6. Redtentacher: Flügelgeäder der Insecten. TafelXVK. AutOT del. litK.ATistv.5.Pre7tag&B6rndt,WieJi. Annal.d.k.k.Natuphist. Hofmuseums, Bandl. 1886. Erklärung zu Tafel XMII. / i- Fig. 96. Flügel von Tachina tesselata F. V. = 6. > » Trj-peta arctii Deg. V. = J^j^- > » Ornithnmj'ia avicidaria. V. > » Culex (n. Brauer). » » Empis ciliata (n. Adolph). Ol. Hinterflügel von Atractncerus. V. = 4' '2. » » Campylus denticollis. V. = 4"4' » » Rhysodes exaratiis Illig. V. = 6. » » Paiissus annatus Westw. V. = 4' .^. » » Pelobiiis Hermanni. V. = b^j^. » » Heterocenis marginatiis. V. = 5^/2- » » Geo?j^.ssus pygmaeiis. » » Parnus prolifericornis.N . = j^l^. » » Hydrophiliis pistaceus. V. = i Vi- » » Helophorus grandis. V. = 6. » » Emus maxillosus. V. = -^yi^. » » Clidicus grandis Lap. V. = 5^/.,. » » Hister inaequalis. V. = 2^^. » » Necrnphorus grandis F. V. = i ' .,. » » Scaphidium quadrimaculatum. V. = 5'/.2. » » Cychravnis qiiadripiinctatiis. V. = 4'/2' Fig. 97- Fig. 98. Fig. 99. Fig. 100. Fig. Ol. Fig. 02. Fig. o3. Fig. 1 04. Fig. I o5. Fig. I 06. Fig. 1 07. Fig. 08. Fig. . 09. Fig. 10. Fi^. 1 I I. Fig. I 12. Fig. I 3. Fig. 14. F'ig. 1 1 5. Fig. 1 16. Redtentacher: HügelgeädeT der Insecten. Tafel XVIil AutOT del. !i!r. Anst.v GJreytag &B6rndt,Wien. Annal. d.k.k.Naturhist. Hofmuseums, Bandl .1886. Erkl:iriini>" zu Tafel XIX. Fig. '7- Fig. i8. Fig. ig. Fig. 20. Fig- 21. Fig. 22. Fig. 123. Fig. 24. Fig. 25. Fig. 26. Fig. 1 27- Fig. I 28. Fig. 29. Fig. 3o. Fig. 3i. Fig. i 32. Fig. 1 33. Fig. 34. Fig. 35. Fig. 36. Fig. -V- Fia. 38. 17. HintcrtUigel von Alindria spectabili.s. V. = 2V'i- » » Aiitherophcii^us nigricnrnis. V. = yV-^. » » Cuciijiis imperialis Lew. V. = 2V2. » » Dyliirus toviciitosiis. V. = J^l-i- » » Passaliis intcrruptus. V. = i ^-i- » » Sj'ntelia histeroides Lew. V. = 5. » » Lucaniis cennis. V. = i '/2- » » Julodis laevicostata. V. -= 2^/2. » » Emenadia flabellata. V. = 5'^. » » Rhipicera marginata L. V. = 2Y2- » » Ancyloclieira rustica. V. = 47^. 28. Flügel von Hclodes pallida V. = yVj- ■> » ßyrrhus pilliila. V. = 4'/2. ■> » .4^-'i7/e capucina. V. = 4'/2. ■> » Trichodes apiarius. V. = 4. > » Dermestes lardariiis. Y. = y'/j- > » Teiratoma fungnrum. V. = dYo. > » Epicauta sp. V. = 2 ' 2. > » Mnrdella decemguttata. V. =^ 4^ 2- » » Oedemera podagrariae. Y. = 6. > » Eiitracheliis Temmiiiki. Y. = i 'Ai- » » Altt'labus curculioiiides. Y. = 7'/2. Redtenbacher: nügelgeäder der Insecten. Tafel XX. AulOT del. liTh,Anst-v.ö.FT97tag&Berndt,¥ien. Annal.d.k.k.Naturhist. Hofmuseums, Bandl. 1886. Erklärung zu Tafel XX. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fig. Fi-. ?9. Flügel von Caryoboriis bactris. V. = 2'/.,. 40. » » Anthribiis albiniis. V. = 4'/.,. 41- » » Clytiis arcuatiis. \. = ^^j.^. 4-2. » » Trictenotoma Childrcni. V. = 2. 43. » » Molorchus Pan:;^eri. V. = 2. 44. » » Oreina gloriosa. V. = 3. 45. » » Sagra femorata. V. = 2. 46. » » Eumolpus ciipreiis, V. = 2. 47. » » Aplosoma albicornis. V. = SVj- 48. » » Polychalca variolosa. V. = 3 '/j. 49- » » Coccinella septempunctata. V. = 6V2- 5o. » » Nilio spec. V. = 4^ 2' 5i. » » Endovij'chus spec. V. = 5^2. 52. » » Cynips rosae. V. = y'^. 53. » » Heloriis anomalipes Pz. 54. » » Lyda hypotrophica Hart. V. ^ 5V2- 5 5. Vorderflügel von Gasteruption assectator F. V. = y'/j. 56. » » .4z//cTcz;5 sp. TBrasilien). V. = 7'/.^. 57. Flügel von Formica fuUgiiwsa Latr. V. =-■ 6. 58. » » Xjdocopa violacea. V. = 2 ' 2- 59. Vorderflügel von Ainmophila dives Brüll. V. = 4'/.^. 60. Flügel von Stilbum splendiduiu F. V. = 5 '/.2. Redtenl)ac"her: Flügelgeäder der Insecten. TafelXX. Autor del. llth-AIlr.^'.^JTre■5tag&Bern(it,■Wlen. Annal.d.k.k.Natuphist. Hofmuseums, Bandl. 1886. Goldsand mit Demantoid vom alten Ekbatana und Hamadan. Von Arthur Gehmachcr in Wien. Am Nordahhange des Berges Eivend, ungefähr vier Kilometer von ihm entfernt. Hegt auf Trümmerboden der Ort Hamadan. Wie schon Baratier vor mehr als i5o Jahren nachwies, bezeichnet uns Hamadan ziemlich sicher die Stelle, wo sich einst die Hauptstadt des alten Mediens, Ekbatana, erhob. Nach der Ansicht Ker Porter's dürften hier, namentlich an der Stelle des alten Konigspalastes, weit mehr Reste des liciheren Alterthums zu finden sein als in irgend einer andern Perserstadt. Schon seit vielen Jahren nimmt man in den Trümmerfeldern Ekbatanas Ausgrabungen behufs Gold- gewinnung vor. ') Als der k. persische Leibarzt Herr Dr. Polak auf einer seiner Reisen im Jahre i88'2 die Stadt Hamadan besuchte, kaufte er für drei Napoleond'ors von den Gold- wäschern eine geringe Quantität des dortigen gewaschenen, Goldstaub führenden De- tritus, welcher auch eine beträchtliche Menge Edelsteintrümmer enthielt. Bevor er seine Reise fortsetzte, verschaffte er sich auch einen Sack voll Ackererde der nächsten Um- gebung Hamadans. Diese Aufsammlungen erhielt ich von meinem hochgeehrten Herrn Professor Schrauf zur Bestimmung. Bevor ich aber an die Detaillirung der Unter- suchung gehe, will ich mir erlauben, die Resultate derselben anzuführen. Demnach ent- hielt der Detritus (sammt der Ackererde) vom alten Ekbatana an Metallen: Gold, Silber, Eisen, Kupfer, Blei; » Edelsteinen: Spinell, Granat (incl. Demantoid); » Steinen: Granit, F'eldspath, Quarz, Glimmer, Thon, Thonschiefer; » Erzen: Magneteisenstein, Rotheisenstein, Zinnober; » technischen Producten: Eisenschlacke, Bleischlacke, Mennige, Ziegelsteine. /. Die Ackerkrume. Die grössere Masse von Thon und Erde wurde zuerst durch Schlemmen entfernt. Der Rückstand trug den Charakter eines Gerölles. Er bestand aus Quarz (meist Geschiebe mit einigen Fragmenten von Milchquarz), Feldspath, erhärtetem Thon und Thonschiefer, Granit mit schwarzem, metallisch schimmerndem Glimmer. Beigemengt waren Stücke von gebrannten Ziegeln. Der vorhandene Milchquarz wurde Stück für Stück mit der Lupe be- trachtet, um etwa eingesprengtes Gold zu entdecken, es zeigte sich Jedoch keine Spur davon. //. Untersuchung des Detritus. I. Gold. Die Form der grösseren, etwa ' ^mm Durchmesser haltenden Goldpar- tikelchen war sehr verschieden, doch zeigten sie sämmtlich Spuren einer künstlichen Bearbeitung. Unterm Mikroskop erschienen sie meist als kugelförmige, seltener als lorm- lose Körner, manchmal als geschnittene, scharfkantige, drei- bis vierseitige Platten. Da- neben fanden sich mehrere Stücke von schraubenförmig gestrickter Gestalt, deren un- gemein zartes und zierliches Aussehen lebhaft an feine venezianische Arbeit erinnerte. 1) C. Ritter: Die Erdkunde von Asien, 1840, vol. IX, 3, loi. Annalen des \i. k. luiturhjstorisclicn 1 lol'nnisiiiims, Bd. I, Heft 3, 1886. 2 34 Arthur Gehmacher. Hie und da traten auch cylindrischc, scharf abgeschnittene Drähte auf. Natürliches Gold, wie Goldschüppchen oder dergleichen, fehlte gänzlich. Der feinste Theil des Detritus bestand fast ausschliesslich aus durchscheinenden, braunrothen Granatfragmenten und aus eigenthümlicli geformtem Goldstaub. Eine solche Goldprobe besteht, wie das Mikro- skop lehrte, aus lauter vollkommenen Kugeln. Merkwürdigerweise war die Grösse der- selben nicht viel verschieden. Zur Feststellung dieser Thatsachc wurden 22 Messungen vorgenommen. Der Diameter war unsrefähr 65 Mikron bei 4 Kugeln 75 » ^'7 ^^ 85 » »5 » 95 Mikron bei 3 Kugeln io5 » »2 » 1 1 5 » »I » Hieraus ergibt sich als häufigster Werth jb Mikron, also weniger als ein Zehntel- millimeter. Das ganze Gold machte ungefähr den Eindruck wie die Abfälle einer Gold- schmiede oder Goldgiesserei. Wahrscheinlich waren die Goldkügelchen SpratzgoM. 2. Silber. Bei Gelegenheit der mikroskopischen Betrachtung war es aufgefallen, dass nicht alle Goldtheilchcn gleich gefärbt waren, dass namentlich einige der kleinen Kugeln ganz silberhell erschienen. Die Untersuchung 'derselben ergab, dass man es mit einer silberreichen Goldlegirung zu thun hatte.') Mehrere andere Kügelchen erwiesen sich als Electrum. Die Mehrzahl aber bestand aus fast absolut reinem (etwa 98 per- centigem) Gold.-) Dies wurde durch Vergleichen der Strichproben mit denen eines öster- reichischen Dukatens, eines Zehnmarkstückes und eines Dollars festgestellt.-^) 3. Eisen. Mit einem starken Magneten wurden dreierlei Bestandtheile heraus- gezogen: I. Rothbraune, äusserlich erdige, innen metallische Stücke von manchmal Stangen- bis drahtförmiger Gestalt: metallisches Eisen. 2. Schwarze, schieferige Massen, welche an die Bruchstücke eines Schmelztiegels ihrem Aussehen nach erinnerten; ihr Strich war schwarzbraun bis schwarz: Magneteisenstein oder durch Brand magnetisch gew^ordener Rotheisenstein. 3. Schwarze , stark magnetische Kugeln von der Grösse des sogenannten Vogeldunstes: Eisenschlacke. 4. Kupfer. Das aussen mit Malachit überzogene Kupfer war entweder in form- losen Stücken oder in kugeliger, draht- bis ringförmiger Gestalt vorhanden. Ein einziges Stück hatte eine andere Form, es war vollkommen würfelförmig. Dieser Würfel war durchbohrt und an den Seiten mit einer eigcnthümlichcn ©-förmigen Pressung versehen. Sein Gewicht betrug o-33 ^^r, also nahezu zwei Karat. Wahrscheinlich ein Gewicht. 5. Blei. Das metallische Blei fand sich meist in rundlichen oder stänglichen Kör- nern vor, die aussen von gelblichweissen Vervvitterungsproducten umgeben waren. Eine ähnliche Form, oder mehr tropfenartig, zeigten glasartige, undurchsichtige, spröde, dunkel- I Nach den Ansjabcn des Herrn Dr. Polak sammeln die Goldgräber von Hamadan auch Platin. Unser Material war frei von Platin, da die platinähnlichcn Kugeln aus einer Gold- Silber -Lcgirung bestanden. Doch kommt der betreffende Käufer des scheinbaren Platins keineswegs zu Schaden, denn wegen des Gehaltes dieser Legirung an Gold ist der Werth derselben dem des Platins äquivalent. -) Des späteren Vergleiches halber erwähne ich, dass in der Nähe von Jekaterinenburg reinstes, 99%igcs, Waschgold vorkommt. G. Rose: Reise nach dem Ural. Berlin 1837. I, 238 seq. 'i) Herr Dr. Polak erzählte mir über die Verhältnisse der Goldgräber in Hamadan Folgendes: Es sind dort im Ganzen 150 Arbeiter, in fünf Gruppen eingethcilt, mit dem Graben und Waschen des Goldes beschäftigt. Um sein Auskommen zu finden, muss jeder derselben täglich mindestens vier Francs verdienen, wovon er einen halben Franc für die Erlaubniss, zwei Francs dem Grund- besitzer und dem Aufseher zusammen, u. s. w. zu zahlen hat, so dass ihm ein Franc Reingewinn bleibt. Schon diese Zahlen beweisen, wie reich der Detritus des alten Ekbatana an Gold ist. Ausser dem Gold ge- winnt man noch nebenbei Keilschriftcylinder, geschnittene Steine, Münzen und altgriechische Schmuck- gegenstänJe, welche origineller Weise (vergl. oben) mit kleinen Goldpcrlen, \-,>u»i, verziert sind. Goldsand mit Demantoid vom alten Ekbatana und Hamadan. 235 braun gesprenkelte, aussen von braunen Zersetzungsproducten umgebene Körper, die Bleischlacke waren. Einige gelbe, erdige Stücke waren Mennige. 6. Zinnober. Mehrere rothe, weiche, fast erdige Körner waren Zinnober. Es scheint mir das Vorkommen von Zinnober im Detritus vom alten Ekbatana bemerkens- werth, weil dies ein eigcnthümliches Streiflicht auf die Anwesenheit des in 9. zu be- sprechenden Demantoidcs in demselben Detritus wirft. Ich behalte mir vor, später noch- mals darauf hinzuweisen. 7. Spinell (Rubin-ßalais). Vierzehn der vorhandenen rothen Steine waren trotz ihrer Rubinfarbe nicht Rubine, sondern Spinelle, und zwar jener Sorte, die man als Rubin-Ralais zu bezeichnen pflegt. Sic waren sämmtlich einfach brechend, nicht dichroi- lisch, ihre Harte war 8. Mehrere von ihnen zeigten sich angeschlitfen und einige sogar durchbohrt. Die Nuance der Farbe wechselte, sie ergab sich nach Radde: violett: 23 /, 23 ir, 24 /V; purpur: 25 h, 25 k, 25 r, 26 /, 27 g. Sie dürften vielleicht aus Badag- schan stammen, da Baktra schon zu Darius' Zeiten die wichtigste Handelsstadt des Osten war und diese bis 1220 blieb. 8. Granat. Die grosse Masse der Granaten war von schwarzer bis braunrother Farbe. Bei einigen schöneren Exemplaren wurde dieselbe mit Hilfe der Radde'schen Farbenscala näher bestimmt, sie war purpur: 2 5 A", 2 5 p. Die Mehrzahl von ihnen war undurchsichtig, nur wenige durchsichtig. Einige waren in ihrer natürlichen Form, einem vollkommen ausgebildeten Rhombendodekaeder, erhalten. Sie zeigten sich einfach brechend, nicht dichroitisch. Vor dem Löthrohr erhitzte Proben der rothbraunen Varietät wurden zuerst schwarz und schmolzen dann ganz leicht am Rande. Dies, wie auch ihre Härte 7*5 licss sie unzweifelhaft als Granaten erkennen. Eine bemerkenswerthe Granatvarietät bildeten sechs gelbe, ebenfalls einfach brechende und nicht dichroitische Stücke, deren genauere Farbe war: orange: 5 /, dp, 6 t', gelb: 85. Ihre Härte war 7-5, die mit Probeflüssigkeit bestimmte Dichte grösser als 3-1. Beim Erhitzen vor dem Löthrohre veränderte sich die Farbe zuerst von Gelb in Schwarz, dann trat an den Kanten ein leichtes Schmelzen ein. Erkaltet kehrte die ursprüngliche gelbe Farbe wäeder vollkommen zurück. (). Demantoid (Kalkeisengranat). Im Detritus fielen besonders drei schön grüne, lebhaft glänzende Steine auf, welche nicht in ihrer natürlichen Form vorlagen, sondern Spuren einer Bearbeitung erkennen Hessen. Zwei von ihnen waren grasgrün (Radde): 14/, 15/7, der dritte rein smaragdgrün: i3 m. Sie zeigten einen schwach muschligen Bruch und waren fast vollkommen durchsichtig. Sie glichen Smaragden, sind aber in Wirklichkeit nur eine Granatvarietät. Ihre Härte zeigte sich als 7-5, ihre Dichte grösser als 3-1, da sie in einer Cadmiumborowolframatlösung von 3-i sehr rasch untersanken. Sie zeigten keine Spur von Dichroismus oder Aufhellung bei gekreuzten Nicols, trotz- dem sie zuerst in Luft, dann in Wasser und schliesslich in Canadabalsarn eingebettet, untersucht wurden. Sie gehören unbedingt einem isotropen Minerale an. Ein dem smaragdgrünen Stücke abgebrochenes Splitterchen wurde nun mittelst Löthrohr noch weiter geprüft. Beim Erhitzen schlug die Farbe zuerst von Grün in Schwarz um, beim Erkalten kehrte jedoch das schöne Grün wieder vollkommen zurück. In der Phosphor- salzperle trat allmälig eine Auflösung ein. Die so erhaltene Perle war im heissen Zustande gelblichgrün, im kalten vollständig farblos. Demnach ist nur Eisen, nicht aber Chrom vorhanden. Das restirende Kieselskelet bewies den Silicatcharakter. Nach diesen Eigenschaften können die Steine nichts Anderes sein als Demantoide (Kalkeisen- granaten). Die bisher veröffentlichten Beschreibungen dieses Edelsteines stimmen in der That mit dem oben angeführten Charakter unserer Steine fast vollständig überein. Nur 2 36 Arthur Gehmacher. ein scheinbarer Widerspruch ist vorhanden und dieser hetrirt't den Fundort. Die vier Ab- handlungen, ') welche von den Forschern Rammeisberg, \\'aller, vom Rath und Lösch herrühren, weisen nämlich sämmtlich auf den Ural, als einziges Vorkommen, hin. Nils Nordenskiöld sen. war es, der zuerst den lichtgrünen Demantoid von Ta- gilsk benannte. Erst viel später, als man den diamantglänzenden Granat von Tagilsk beinahe vergessen hatte, wurden im Goldsande des Baches Bobrowka^) im Quellgebiete der Tschussowaja ebenfalls Demantoide gefunden. Diese zeichnen sich durch ihre <2;ras- bis rein smaragdgrüne Färbung aus. Sie werden jetzt in Jekaterinenburg zu Schmuck- steinen verschliffen und sind chromfreie Kalkeisengranaten , die ebenso wie unsere Exemplare den Smaragden gleichen. In Anbetracht dieser Facta kommt man unwillkürlich zu dem Gedanken, dass auch unsere Demantoide vom Ural abstammen könnten. So viel ist gewiss: dort, wo sie aus- gegraben wurden, waren sie von der Natur nicht gebildet, sondern erst durch Menschen hingebracht worden. Hamadan ist jetzt nach Ritter im Verfall begriffen, es müssen also die Edelsteine aus einer längst vergangenen Zeit stammen, vielleicht aus jener fernen Zeit, aus der auch die grossen Massen von Goldstaub herrühren, als an Stelle Hamadans das alte, prächtige Ekbatana der Meder stand; denn Plinius-') bespricht bereits die be- rühmten »medischen« Smaragde, wobei er aber ausdrücklich hervorhebt, dass sich die- selben von allen anderen Smaragden durch wesentliche Abänderungen, die er Fehler nennt, so namentlich durch die wechselnde Farbe, unterscheiden. Zweifellos waren die »medischen« Smaragde des Plinius ident mit unseren Deman- toiden. Zur Blüthezeit Ekhatanas war der Handelsverkehr mit dem Ural vielleicht inten- siver als später zur Zeit des Mittelalters. Es sei diesbezüglich blos an den Zug des Darius (514) gegen die Scvthen, an Alexander den Grossen erinnert. Nach Norden zu ist überdies der Verkehr durch Flüsse begünstigt. Von der an der Westküste des Kaspi- sees gelegenen Hafenstadt Cvropolis, dem jetzigen Rescht, konnte sich der Handel ungehindert nordwärts ausbreiten. Sicherlich war damals auch bereits die Mündung der Wolga durch Küstenfahrer erreicht worden. Diese führt in die Kama und Tschussowaja. Im Qiiellgebiete der letzteren befinden sich gerade die ältesten Goldwäschereien des ganzen Urals, hier trifft man neben Gold auch Zinnober und hier liegt auch Sissersk, der bekannte Fundort der Demantoide. Dort haben wir genau dieselbe Association, die wir heutzutage im Detritus von Ekbatana finden. Wenn das von Herrn Dr. Polak er- wähnte Vorkommen von Platin in Hamadan der Wahrheit entspricht, so ist dies nur ein weiterer Hinweis auf den Ural. Es mag die Annahme solcher für die damalige Zeit immerhin sehr weiten Handels- reisen vielleicht anfangs etwas gewagt erscheinen. Wenn man aber bedenkt, dass erstere keineswegs besonders beschwerlich und gewiss schon wegen des Goldes allein sehr lohnend waren, so muss man sicherlich die Berechtigung dieser Hvpothese zugeben. Sie allein bietet ja die Möglichkeit, das Vorkommen eines specifischen Minerals von Sissersk im Detritus vom alten Ekbatana zu erklären. >) Rammeisberg: Deutsche geol. Gesellscli., XXIX, 1877, 819. Ueber den Kalkeisengranat von Sissersk. J. Waller: Zeitschr. f. Kryst. 187(1. 'II> -*^5- Analyse vom Demantoid. G. vom Rath: Naturwiss. Stud. Bonn 1879. 130, \'orkommen des Demantoides. A. L(')sch: Jahrb. I. Min. 187Q. 785. Ueber Kalkeisengranat. 2) Im Süden von Jekaterinenburg und ßeresowsk, i '/2 Meilen vom Dort Poldnewa, Hütte Polews- koi, Bezirk Sissersk in Sibirien. 3) C. Plinius, 1. XXX\'II, c. 16. 17. 18. Uebersetzt von Wittstein, 1882. VI, 256. Universität Wien, 1886. Ueber ein neues Euklas -Vorkommen aus den österreichischen Tauern. Von R. Koch Uli. Mit einer iiihogr. Tafel (Nr. XXI). Im Jahre 1881 wurde das seltene Mineral Euklas zum ersten Male in unseren Alpen aufgefunden und dieses Vorkommen von Becke'^) in seiner Arbeit >^ Euklas aus den Alpen« beschrieben. Damit war natürlich die regste Aufmerksamkeit der Mineralogen und Sammler auf dieses seltene Vorkommen gelenkt; aber erst im .Tahre 1884 gelang es dem Mineralienhändler Herrn Anton Otto, abermals mehrere Euklas-Stufen in den Alpen aufzufinden. Brezina hat eine dieser Stufen, welche von dem k. k. Hofmineralien-Cabinete erworben worden war, in einer Notiz') beschrieben und zugleich seine Absicht kund- gegeben, eine ausführliche Beschreibung dieses neuen Vorkommens folgen zu lassen. Durch andere Arbeiten jedoch zu sehr in Anspruch genommen, hatte Herr Dr. Brezina die Güte, mir diese Arbeit zu überlassen. Herr Otto brachte später noch mehrere Stücke desselben Vorkommens in den Handel; als Fundort des neuen Euklas-Vorkommens ist auf der Etiquette eines der neueren Stücke »Möllthal, Kärnthen-Tyroler Grenzkamm, Graden«, auf der des ersten >-Gams- grube gegenüber dem Grossglockner« angegeben. Zur näheren Bezeichnung der Lage dieses letzteren Fundortes muss ich anführen, dass die Gamsgrube jenes Kaar ist, das sich vom Fuscherkaarkopfe in nordnordwestlicher Richtung gegen den Pasterzengletscher hinzieht und an dessen unterem Ende die Hofmannshütte liegt. In Bezug auf die paragenetischen Verhältnisse der Stufen kann ich nur wieder- holen, was schon Brezina in der obenerwähnten Notiz darüber gesagt hat. Die genetische Reihenfolge auf dem Stücke aus der Gamsgrube, auf das ich mich hauptsächlich beziehen werde, ist folgende: Periklin, dann Qiiarz, Euklas und Rutil, sodann Calcit. Darüber ist theilweise eine Decke von kleinen Schüppchen eines weissen, margaroditähnlichen Glimmers mit Calcit und Rutil ausgebildet. Die Unterlage bildet eine Scholle von Glimmerschiefer. Es sind hier also ziemlich ähnliche Verhältnisse wie bei dem von Becke beschriebenen Vorkommen. Der Periklin ist in Krystallen bis zu 2 Cm. Länge ausgebildet, die theilweise von gelben Häuten überzogen sind. Der Quarz tritt in der Form von Bergkrystall auf und bildet Krystalle bis zu 4 Cm. Länge. Bemerkenswerth ist, dass er jene steilen Rhomboeder, die Becke erwähnt, nicht zeigt. Häufig ist er von feinen Rutilkrystallen durchwachsen. Dieselbe Erscheinung sieht man auch bei dem Euklas, der mit dem Qiiarz gleichzeitig gebildet sein dürfte. Die Euklas-Krystalle, deren grösste über i Cm. lang sind, haben einen schilfähnlichen 1) F. Becke: Euklas aus den Alpen. Min.-pelr. Milih. Wien 1881, IV, pag. 147. 2) A. Brezina: Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanstalt. Wien 18S4. Nr. iS, pag. 3S9. Anualen des k. k. naturhistorischcn Hofmuseums, Bd. I, Heft 4, 1886. 17 2 38 R. Köchlin. Habitus; dadurch unterscheiden sie sich wesentlich von dem von Becke beschriebenen Vorkommen, das sich gerade durch ebenmässigc Flächenentwicklung auszeichnet. Auf diese Verhältnisse komme ich unten noch zurück und will hier nur noch erwähnen, dass bei dem neuen VorkomTnen die Euklas-Krystalle bald auf dem Periklin, bald auf dem Quarz, zwei derselben sogar direct auf dem Glimmerschiefer aufgewachsen sind, und dass eine bestimmte Orientirung nicht besteht, während Becke bei dem älteren Vorkommen hervorhebt, dass der Euklas nur auf dem Periklin, und zwar nur auf den nach einer Seite gewendeten Flächen desselben aufsitzt und auch nur auf einem Rande der Stufe auftritt; ferner ist noch bemerkenswerth, dass das alte Vorkommen eine grosse Anzahl kleiner Krystalle zeigte, während dieselben bei dem neuen Vor- kommen im Allgemeinen gross, aber viel spärlicher sind. Der Calcit bildet grosse, bis 4 Cm. lange Skalenoeder, die auf der Oberfläche stark corrodirt und schmutziggrau gefärbt sind. Aehnliche Verhältnisse zeigt der Ankerit des älteren Vorkommens. Während dieser aber vor dem Quarz gebildet ist, scheint bei unseren Stücken der Calcit die letzte Bildung zu sein. Doch sind die einzelnen Bildungen nicht scharf geschieden, sondern greifen ineinander über. Eine zweite Stufe, die aus dem Möllthal stammt, zeigt fast nur Periklin, der hier in grösseren Krvstallen auftritt. Auf einem derselben sitzt ein kleiner, aber schön aus- gebildeter Euklas-Krystall, der einzige auf dieser Stufe. Er hat denselben Habitus wie die Krystalle der Stufe aus der Gamsgrube. Zur speciellen Untersuchung des Euklases wurden mir zwei Krystalle zur Verfügung gestellt; der eine, den ich mit I bezeichnen will, von Herrn Dr. Brezina, der andere, den ich mit II bezeichnen will, von Herrn Hofrath F. Ritter von Friese. Mit Ver- gnügen ergreife ich hier die Gelegenheit, den genannten Herren für ihre Güte meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. Beide Krystalle sind abgebrochen. Der Krystall I schräg gegen die c-Axe, so dass die Prismenflächen auf der Seite des vorderen Pinakoides ganz kurz sind; der Krystall II ungefähr parallel zur Basis. Der Krystall I ist 5 Mm. lang, 2-5 Mm. breit und rS Mm. dick, vollkommen wasscrklar, nur im unteren Theile, wo er aufgewachsen war, etwas getrübt. Der Krystall II ist 3-5 Mm. lang, 2 Mm. breit und o-5 Mm. dick, ebenfalls wasserhell und hat Einschlüsse von röthlichen, feinen Rutilnadeln. Die Messung der Krystalle wurde im Universitätslaboratorium des Herrn Dr. Brezina ausgeführt, unter dessen Leitung ich daselbst Krystallographie studirte. Zu den Messungen wurde ein Verticalinstrument mit zwei Fernrohren mit kleiner Apertur der Einlassblendung benützt, wie dasselbe in Brezina's Methodik der Krystallbestim- mung pag. 5 1 beschrieben ist. Alle Zonen wurden zweimal gemessen; manche, die wegen besonders schlechter Ausbildung der Flächen es nothwendig erscheinen Hessen, dreimal. Diese Messungen differirten bei einigcrmassen guten Reflexen im Allgemeinen gar nicht oder nur um o'5', selten bis zu 2'. Bei Reflexen, die sich wegen Lichtschwäche oder grosser Ausdehnung bei Mangel an marcanten Punkten schwer einstellen Hessen, kamen Differenzen bis zu 10', bei Schimmermessungen bis zu 40' vor. Leider mussten thcilweisc auch solche Messun- gen mitbenutzt werden. Aus den Resultaten dieser wiederholten Messungen ein und derselben Zone wurde das Mittel genommen, und es kommt die Anzahl der Einzel- messungen desselben Winkels, sowie deren Differenzen in den Rubriken der Winkel- tabelle »Zahl der Kanten« und »Grenzwcrthe« nicht zum Ausdrucke. Wie die unten folgende Winkeltabelle zeigt, ergaben die Messungen symmetrischer Zonen an demselben Krvstalle oder entsprechender Zonen an den beiden olt recht Ucber ein neues Euklas-\'ürkommen aus den österreichischen Tauern. 23q bedeutende Differenzen, sowie auch die gemessenen Werthe mit den gerechneten meist nicht gut stimmen. Diese Erscheinungen erklären sich aber leicht, wenn man die unvoll- kommene Ausbildung der Krystalle in Betracht zieht. Von den Flächen derselben sind nämlich viele gekrümmt oder auch gewellt, andere sehr klein ausgebildet, wieder andere durch feinere oder gröbere Combinationsstreifung gestört, oder es treten neben den Flächen oder an Stelle derselben Vicinalflächcn auf. Alle diese Umstände erschwerten oder verhinderten natürlich eine genaue Messung. In den seltenen Fällen aber, wo die Flächen vollkommen gute Reflexe gaben, stimmen die gemessenen Werthe mit den aus Kokschar ow's Elementen gerechneten fast ganz genau überein. Die Aufstellung und die Buchstabenbezeichnung wurden von Kokscharow ent- lehnt, die nothwendigcn Rechnungen auf Grumi seiner Hllemente tkn-chgeführt. Das angenommene Axcnverhältniss ist demnach : a : b : c ^= 0-97135 : 3-ooo(S6 : i := 0-32369 : i : 0-33324 und der Axenwinkel jy = 100" i5' 56" oder [i = 79'^ 44' 4". Nachdem an den von mir untersuchten Krystallen neue Flächen auftreten, war es noth- wendig, Buchstaben für sie zu wählen. Ich folgte dabei den von Dr. V. Goldschmidt') aufgestellten Grundsätzen; in Folge dessen sind die neugewählten Buchstaben solche, die in dessen Index für Formen des Euklases noch nicht verwendet sind. Neue Flächen, die nur einmal auftreten und nur annähernd bestimmt werden konnten, bekamen keinen Buchstaben, sondern werden im Folgenden nur durch das Mi 11 er 'sehe Zeichen ausgedrückt werden. Die an den gemessenen Krystallen auftretenden Formen sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt, in welcher neben dem Symbole Miller auch das Symbol Goldschmidt und an letzter Stelle der Autor angegeben ist, welcher die betreffende Fläche zuerst beobachtet hat. 1. Das Klino-Pinakoid 7' =r (010) = o 00 (Hauy) 2. „ Ortho- „ A/ = (100) ^ 00 o (Levy) 3. „ Prisma .... 5 =^ (120) ■= 00 2 (Hauy) 4- „ „ ..../? = (23o) = 00 f (Schabus) 5. „ Klino-Doma . 71 = (01 1) = 01 (Hauy) 6. „ „ „ . o = (02 1 ) = 02 (Hauy) 7- V ,, ;, • '7 = («3i) = o3 (Weiss) 8. Die Pyramide . . . r = (iii)=-}- i (Hauy) 9. „ „ . . . i = (141) = + 14 • • • • (Hauy) 10. „ „ . . . rf = (tu) .^ — I (Hauy) 11. „ „ ... /.--(.3i) = - i3 .... (Hauy) Dazu kommen als neue Flächen, die genügend sicher bestimmt sind: 1 2. Die Pyramide ... A = (i5i) = -f-i5 i3. „ „ . . . ii = (211) = - 21 14. „ „ ... X = (221) r= - 2 Weniger sicher sind i5. Die Pyramide ... ro =^ (Tö.6.5) = — 2| 16. „ „ ... (,.41.31) = + ^^fi 1) V. Goldschmidt: Index der Krvstailformen der Mineralien. Berlin i«86, pag. 131. 17* 240 R. Köchlin. Ganz unsicher sind endlich 17. Das Prisma (1.12.0) =0012 18. „ „ ( I . I o . o) = 00 I o 19- „ ,, (i-9-o) -- 009 20. „ „ (2-7-«) = ^i 21- „ „ (12.I.0) =00^ 22. „ „ (23.1.0) =00^ 2 3. Die Pyramide (494) = + i f 24- „ „ (i3i) =+i3 25. „ „ (643) =-2f Von diesen Flächen treten am Krystalle I (Fig. 2 a und 2 b) folgende auf: 7' =(010) (i 2.1.0) d= (Tii) 5 = (120) (23.1.0) /= (t3i) (1.12.0) r = (iii) i"= (211) ( I . I O . o) /? =: (o I I ) (I) = (lO.().5) (2.70) o = (o2i) z= (221) (23o) (1.41 -3.) (h3) An dem Krystalle II (Fig. 3 a und 3 b) treten auf: 7'= (010) r = (iii) / = (i5i) Af=(ioo) (494) o = (021) .9 = (120) ('3i) ^ = (o3i) (i.io.o) / = (i4i) /=(t3i) (1.9.0) In den Figuren 2 und 3 sind nur jene Flächen eingezeichnet, die als ganz sicher gelten können. Die Resultate der Messungen und Rechnungen sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt. Winkeltabelle. Zeichen-Symbole der Flächen Kokscharow gerechnet gemessen Zahl der Kanten Grenzwerthe s:M s : s' T:ß TA T:i (010) : (120) (120) : (100) (120) : (120) (0 1 0) : ( 1 . 1 2 . 0) (010) : (1 . lo.o) (0 I 0) : ( I 90) (üio) : (270) (010) : (2 3o) (010) : (12. I .0) (010) : (23. I .0) (0 1 0) : ( 1 5 1 ) (010) : (141) 57" 3o' 8" . 32 29 52 1 1 5 16 14 39 43-*-- 17 2 5 49* 19 i3 53* 41 53 36* 64 27 48* 88 28 47* 89 I 2 24* 43 32 i3* 49 54 1 5 57" 32 ii5 '4 16 18 40 64 88 89 43 49 44' 35 29 3o 49 40 37 2 3 28 i3 48 40 8 4 4 I 2 2 2 57'^ 18' — 58" 29' 32 3i — 32 43 114 37 — 116 40 16 45 — 16 53 43 16 — 44 21 48 46 — 5o 34 Uebcr ein neues Euklas -Vorkommen aus den österreichischen Tauern. 241 Z c i c h e n - S y ni h o 1 e der Flächen Kokscharow gerechnet gemessen Zahl der Kanten Grenzwerthc r-.r i-.v i : i' r : r' l:i i : r T\ o T:u q : q' o : o' n : ;z' q:o : n T-.d /■■/' d : d' f-ä T-.y. l'-.u, T-.i, / : x' (') '. iii' a '. n' •/. '. (I) (I) '. II N : /•' N : o' N:f r' : o' (010) (i5i) ('40 (.11) (i5i) (•41) (010) (010) (III (i5i (141 (.11 (141 (.11 (i3. (494 (010): (1.4 (i.4i.3i):(i.4 (010) (010) (010) (03 (021) (oii) (o3i) (ü2l) (010) (010) (•30 (iii) (i3i) (010) (010) (010) (010) (220 (10.6.5) _ (21O 18. 10.9) (221) (ro.6.5) (10.(3.5) (010) (o3i (021 (01 1 (031 (021 (01 1 (021 (01 I (i3i (III (131 (III (III (-221 (.0. (211 (fS. (221 (To. (211 (.8. (75. (211 (18. (643 (i 10) : (i 1 1 (i 10) : (02 I (i 10): (131 (i 1 1) : (021 .3i) •30 .5) 0.9) ,.5) 0.9) •5) 0.9) 78" (3'4'j" 92 5 5 34* 80 II 3o 2 3 46 22 6 22 2* 28 12 34 57 43 ^Cy'- 64 39 3o'''" GG 41 24* 46 37 12* 45 28 14 56 44 34 71 5o 44 89 3 32 66 3o 52 36 18 32 II I 6 20 1 5 610 52 54 32 75 5i 19 74 10 56 28 1722 22 56 47 72 49 79 29 81 82 H 21 17 I ."> 5 20 00 33 i5 49 6 40 1 43 2 35 78 2 1 52* 5 3* ()* 3* 1 6* 14* 48* 54* 42- 48 40 26 91 24 00 I 3 2 52 4 42 43 34 78" 3' 92 22 80 39 23 54 5 52 28 18 57 8 64 25 66 59 45 58 45 5 56 46 71 16 89 40 66 18 37 2 3 II 16 14 56 53 00 75 48 73 58 28 20 22 48 72 49 79 46 82 4 34 5 20 I I i5 35 6 57 2 18 78 i3 48 33 90 54 i32 3o 42 2 1 77" 22' — 78" 35' 52 74 l32 42 2 3 45 5 2() 28 o 66 38 44 lo 56 18 70 48 65 28 37 16 10 9 14 48 25 25 73 47 28 10 21 58 72 43 79 33 81 42 5o 48 27 90 45 24 2 6 14 28 36 67 46 00 57 8 71 37 67 9 37 3o 12 23 i5 4 53 77 74 28 2 3 25 3 8 3o 38 72 55 79 59 82 26 7 4 2 27 48 46 91 8 i32 43 42 39 242 R. Köchlin. Z c i c h e n - S y 111 b o 1 e der Flächen Kokscliarow gerechnet gemessen Zahl der Kanten Grenzwerthe /'■■^^ N:o N : d o:d M:r M:n M:d M:ii r '. n r:d r : lA n:d n : n d : jt/ .V : / s : o i : o o : v N:i N : q (■•4 in) 021) 131) 1 10) 1 10) 1 10) 03l) 021) TU) 201) 210) 210) OTl) 221) 100) 100) 100) 100) I I I O o) o) o) •) .3i) 221 ) (131 (13' (tto (021 (TU (201 (TU (201 (201 (tto (oTl (221 (221 (iTO (III (01 1 (TU (211 (01 I (III (211 (TU (211 (211 (100 (ITI (1.4 (221 (••4 (221 (221 (3T0 120) : (141 120) : (021 141) : (021 02 1) : (120 I 10) : (141 I 10) : (o3i 3i) 84" II' 38" 41 28 4 47 7 56 72 2 9* 122 I 44 * 147 35 37* 49 59 35* 75 33 28* 25 33 53* 3 2 24 23 * 83 12 36* i5i 56 28* 68 43 52* 28 3 32* 40 39 2 3 * 80 i5 2* 1 29 22 40 i5i 7 29* 39 35 39 88 43 17* I I o 28 6 * 49 7 38* 70 52 27* 21 44 49* 28 52 3i* 42 53 29* 81 22 10* i5o 48 37* 38 28 41* 107 55 8* 60 26 27* 2() II 23* 32 II 52 65 8 28 32 56 36 114 5 1 32 40 29 17 70 29 44 83" 56' 41 35 47 3o 72 38 122 44 147 42 5o 5 75 4 24 59 32 10 83 12 I 52 32 69 22 27 48 40 36 80 22 1 29 3ü I 5 I 17 39 46 88 52 HO 38 49 6 70 52 21 46 28 43 42 5 1 81 14 i5o 58 38 2 3 108 7 69 43 29 4 32 65 32 36 I 2 5 114 49 42 33 70 57 83" 40' 41 16 47 16 72 27 122 32 147 35 5o 5 74 59 24 54 32 10 69 20 27 24 40 28 80 5 129 2 5 I 5 I 14 39 37 88 5o 1 10 28 48 55 70 33 21 38 28 41 42 5o 81 i3 i5o 55 38 21 108 3 69 41 29 4 3i 58 65 I 3i 47 114 39 42 2 3 70 1 3 — 84" i3' 4> 49 — 47 45 — 72 49 — 122 55 — '47 49 — 5o 5 — 75 8 — 25 3 — 32 I I 69 2 3 28 II 40 44 80 39 129 36 i5i 19 39 55 88 55 HO 49 49 '8 71 12 21 54 28 45 42 81 i5i 38 108 69 29 52 16 I 25 I I 45 33 14 65 I 33 3 1 1 5 59 42 43 71 41 Ueber ein neues Euklas-Vorkommen aus den österreichischen Tauern. 243 z e i c h e n - S y m b 1 e Kokscharow Zahl der Flächen gerechnet gemessen der Kanten Grenzwerthe T.q (i4i):(o3i) 3o" 00' 27" 28" 24' 2 27'^ 3o' — 29" 18^ q :N (o3 1) : (i lü) loq 3o 16 108 58 2 108 18 — 109 37 s:l (120) : (i 5 1) 32 52 12* 3i 3o 2 3i 28 - 3i 33 s:q (120) : (o3i) (u 3 28 60 34 2 60 32 — 61 16 l:q (i5i):(o3i) 28 I I 16* 29 24 2 29 4 — 29 43 q:s (o3 1) : (120) 118 56 32 1 19 6 2 118 43 — I 1 9 28 M:o (100) : (ü2 i) ( I 00) : (494) 81 25 47 45 3i .4->= 81 I') I 46 54 I Die unter der Rubrik »Kokscharow gerechnet« stehenden Winkel, die mit einem Sternchen bezeichnet sind, wurden von mir auf Grund der oben angeführten Elemente berechnet. Ich will nun die Krystalle etwas eingehender besprechen und dabei zonenweise vorgehen. Ani Krystalle I ist die Zone der autrechten Prismen 7', s, M theilweise sehr gut und theilweise sehr schlecht ausgebildet. Die beiden Flächen 7" sind breit, eben und glänzend und geben vollkommen scharfe Reflexe; ebenso ist von 5- ein schmaler Streif, und zwar der an 7' angrenzende Theil dieser Fläche, glatt und eben. Die Messung dieses Winkels ergab denn auch einen genauen Werth, nämlich 57'^ 3o', was nur um 8" von dem gerechneten Werthe abweicht. Die übrigen Flächen dieser Zone sind aber durch Combinationsstreifung derart gestört, dass man beim Ansehen des Krystalles kaum eine Vorstellung von der Anzahl und Lage der Flächen bekommt. Es geht scheinbar eine geriefte Rundung von 7' zu 7". Erst am Goniometer losen sich die einzelnen Flächen heraus, wenn auch nicht scharf bestimmbar. Die Reflexe bilden einen fast ununter- brochenen Streifen mit einzelnen undeutlich begrenzten, meist sich allmälig verlaufenden Lichtmaximis. M erscheint ersetzt durch die Fläche (23.1.0), M durch (12^. 1.0); die dazu symmetrischen Flächen gaben, wenn sie überhaupt ausgebildet sind, keine wahr- nehmbaren Reflexe. Weiters scheinen noch (1.12.0), (i.Tö.o), (270) und ß = ('23o) ausgebildet zu sein, jedoch sind sie, wie schon oben erwähnt, nicht sicher bestimmbar und können daher auch nicht als neue Formen aufgestellt werden. Der Krystall II zeigt diese Zone im Allgemeinen besser ausgebildet. Die Flächen 7' und 7' sind allerdings so schmal, dass sie keine wahrnehmbaren Reflexe gaben und daher Schimmermessung angewendet werden musste, die übrigen Flächen gaben aber gute Reflexe. Die Combinationsstreifung ist zwar auch hier ziemlich stark, die Mittel- streifen der einzelnen Flächen sind aber gkttt. Die Flächen (i<)o) und ( i . lo.o) scheinen vorhanden zu sein, sind aber nicht sicher bestimmbar. In der Zone 7', r ist am Krystalle I nur die positive Grundpyramide fr', r'-) ent- wickelt; r^ (iTi) ist voflkommen eben und glatt und gibt einen sehr scharfen Reflex; auch in diesem Falle kommt der gemessene Werth dem gerechneten sehr nahe; denn, wenn ich den Winkel zwischen 7' und r- angebe, weil 7' in der Richtung ilieser Zone in Folge einer Stufe, die durch das Loslösen eines kleinen Spaltblättchens entstanden ist, nicht einen einzelnen Reflex gibt, so steht dem Winkel von 101" 53' 3o" der Messung 2j^j^ R. Köchlin. der von loi" 53' i i" der Rechnung gegenüber. /' (i i i) ist in der Richtung der Kante zwischen r' und /- in sehr flache Falten gelegt. Am Krystalle II ist diese Zone weit reicher entwickelt, r' und r'- sind auch hier gross und glänzend ausgebildet, aber nicht vollkommen eben, sondern ähnlich wie ;■' am Krystalle I gefaltet, weshalb auch die gemessenen Winkelwerthe ziemlich ungenau sind. Weit ungünstiger für die Messung sind aber die anderen Flächen dieser Zone; denn erstens sind sie durchwegs schmal, zweitens durch Combinationsstreifung, die quer zur Längenerstreckung der Flächen verläuft, gestört und drittens sind die Flächen theilweise oder ganz durch VicinalBächen ersetzt. Ich habe von 7' nach 7' zu gemessen; dabei war es mir nicht möglich, die Reflexe genau auf dem Verticalfaden des Faden- kreuzes wandern zu lassen. Wenn die Reflexe von 7', r', r- und 7' auf den Faden ein- gestellt waren, so fielen die Reflexe der Flächen Ä' und l\ die etwa wie Kometen aus- sahen, etwas nach rechts, und zwar so, dass das Lichtmaximum, der Kopf, gegen i ^ vom Faden abstand, während der Schweif den Faden noch etwas kreuzte; bei derselben Ein- stellung fielen die Reflexe von / in ganz ähnlicher Weise nach links. Da die Abweichung so klein ist, glaube ich wohl annehmen zu dürfen, dass die Formen / und l wirklich an dem Krystalle auftreten, wenn auch theilweise durch sehr nahe liegende Vicinalflächen ersetzt, und ich glaube auch ohne Bedenken die neue Form l (i5i) als genügend be- stimmt aufstellen zu können. In dieser Zone sind noch zwei Flächen vorhanden. Die eine, deren Position an- nähernd der Form (i3i) entspricht, ist ähnlich wie i durch Combinationsstreifung sehr gestört; sie konnte in Folge dessen nur durch Schimmermessung bestimmt werden. Die andere, der das Zeichen (494) zukömmt, ist zwar klein, aber vollkommen eben aus- gebildet und gab deshalb einen einstellbaren Reflex. Beide Flächen sind nach derselben Seite wie i etwas aus der Zone geschoben. Die Verschiebung der Flächen i ist in der Richtung der Zone N, i, q gegen q, die der Flächen X in der Richtung der Zone s, 1, q gegen i- erfolgt; wenigstens muss ich aus der Form und Lage der Reflexe so schliessen. Dieser Verschiebung entsprechen an- nähernd auch die Winkelvcrhältnisse in den ebengenannten Zonen. Es ist nämlich der gemessene Winkel N : i zu gross, i : q zu klein; der Winkel M : (494) ebenfalls zu gross; umgekehrt ist .v : X zu klein, l : q zu gross. Die gemessenen Winkel der Zone s, i, o stimmen damit allerdings nicht besonders überein, doch zeigen die Grenzwerthe, dass die Messung in dieser Zone besonders unsicher war. Die Formen (i3i) und (494) sind ebenso wie l noch nicht beobachtet; doch kann ich die ersten zwei nicht als sicher bestimmt hinstellen, umsomehr, als sie nur auf je einer Seite der Symmetrieebene wahrzunehmen sind; immerhin mag aber durch diese Angabe vielleicht für spätere Fälle auf sie aufmerksam gemacht werden. Da die Form (494) der schon beobachteten und mit dem Buchstaben 11 bezeichneten Form (121) nahe steht, so habe ich in die Zeichnungen u aufgenommen, um dadurch dem Charakter des Krystalles, der ja offenbar die Tendenz hat, zwischen / und r eine Pläche zu bilden, möglichst nahe zu kommen, ohne so unsichere Formen wie (4<)4) oder (i3i) aufnehmen zu müssen. In der Zone 7 , o, n sind die Flächen o an beiden Krystallen am grössten ausge- bildet und bestimmen dadurch den Charakter des Krvstallkopfes. Sic sind zwar glatt und glänzend, aber stark geweflt; und zwar ziehen die Wellen, wenigstens am Krystalle I, mit parabelförmigen Umrissen in der Richtung von M gegen M. Die Flächen //, die nur am Krystalle I sichtbar sind, sind ebenfalls etwas gewellt. Ausserdem zeigt n- noch eine schmale, kaum bemerkbare VicinalHäche, die sich gegen t {oo\) neigt, aber nicht ganz in der Zone liegt, somlern etwas gegen die Zone 7', r geschoben ist. Ganz ähnlich Ueber ein neues Euklas- Vorkommen aus den österreichischen Tauern. 245 liegen, die Ecke zwischen o, n und /■ abstumpiend, die Flächen ( i . 41 . 3 1 ) und ( i . 4T. 3 i ). Von diesen ist ( i .4T. 3i) zwar klein, aber vollkommen eben, glatt und scharf begrenzt, während (i .41 .3i)nicht eine einzige Fläche bildet, sondern sich in Stufen von ;/i gegen o', etwas gegen r' geneigt, hinzieht. Es ist wohl kaum zu zweifeln, dass man es hier mitVici- nalflächen von (043), das übrigens noch nicht beobachtet ist, zu thun hat; und zwar sind dieselben nach der Zone r, (i . 41 . 3 i), x (Hg. 4) entwickelt. Am Krystalle II treten noch die Flächen q auf, die ziemlich klein, quer gefaltet und nach 7' zu gekrümmt sind. Von der Zone T, f, d ist am Krystalle I /•' sehr schmal, /' etwas grösser, aber ge- krümmt; die Flächen d?'' und d^ sind schön und gross entwickelt, aber ungelähr parallel der Richtung der Kante zwischen beiden schwach gefaltet. Am Krystalle II fehlen cf'' und d\ wogegen /■' und /' gross entwickelt sind. Die beiden letzten sind ungefähr in der Richtung der Zone/, n in je zwei VicinalBächen ge- brochen. Der Winkel zwischen den inneren Vicinalflächen ist 73** 36', der zwischen den äusseren 74" 56'. Das Mittel daraus, das 74" 1 1' beträgt, entspricht fast genau dem gerechneten Werthe für /•' : /', der 74" 10' 56" ausmacht. Interessanter als die bisher besprochenen Zonen ist die folgende, nur am Kry- stalle I ausgebildete, erstens weil bisher aus dieser Zone erst eine Fläche bekannt war, während die Zone hier ziemlich stark entwickelt ist, und zweitens weil in ihr die Com- binationsstreifung ganz ungewöhnhch stark ist. Bekannt ist aus dieser Zone die Form (23i), die von Levy mit a\ von Hauy mit c,') von Descloizeaux mite, von Mohs, Schabus und Kokscharow mit e bezeichnet ist. e tritt zwar am Krystalle I nicht auf, aber x := (22 i ) und ^i =1 (2 1 1 ) schön, 10 = (To .6.5) und (643) nur schlecht entwickelt. Dabei ist zu bemerken, dass 1^1 durch eine sehr naheliegende Vicinaltläche ersetzt ist. Während nämlich der gerechnete Werth für 7' : a 8i"i3'6" beträgt, ist das Mittel der gemessenen Winkel 82*^4'; diesem entspricht genauer das Symbol (18. 10.9), für welches der gerechnete Werth 82" 5' 3" ist. Jedenfalls glaube ich die Existenz der Form f^i (211) unbedingt annehmen zu können, und werde im Folgenden der Kürze halber immer ,« statt (18. 10. 9) setzen. In Folge der eigenthümlichen Combinationsstreifung, die hier auftritt, vertauschen /.r' und /t ' ihre Plätze bezüglich der Symmetrieebene des Krystalles, wodurch zwei einspringende Winkel entstehen. Würden wir senkrecht zu den Kanten dieser Zone eine Ebene legen, so würde diese von den Flächen in einer Zickzacklinie geschnitten. Gehen wir von 7' gegen 7' vor, so ist der erste aufsteigende Theil der ge- brochenen Linie x-', dann folgt als absteigender Theil |ft'; der nun folgende aufsteigende Theil ist aus vielfacher Combination von x' und ot'^ gebildet, während der folgende ab- steigende Theil von (f>' und x' gebildet ist; hier scheint an der Combination auch (643) theilzunehmen; nun folgt fi^ als aufsteigender Theil; dann kommt absteigend x'; sodann nochmals, aber nur untergeordnet, /r\ Die Flächen x und u sind verhältnissmässig gross, glatt und eben, at und (G43) nur in sehr schmalen Streifen entwickelt. I) In Hauy's Traite de Mineralogie, i8or, Taf. XLV, Fig. 52, ist nicht nur diese Fläche, sondern fälschlich auch die Kante zwischen den Prismen li und fi', die e heissen soll, mit c bezeichnet. Derselbe Fehler ist in Karsten's Uebersetzung dieses Werkes (Paris, Leipzig 1804) übergegangen. Dagegen ist in der zweiten Auflage von Hauy's Traite (1822), Taf. 72 in der Fig. 153 dieselbe Fläche fälschlich mit e bezeichnet, während sie in Fig. 154 richtig c heisst. Hier ist wieder die Fläche / irrthümlich auch mit c bezeichnet. Ich möchte hier zugleich auch auf einige Fehler in Schabus' Monographie des Euklases (VI. Band, Denkschr. der kais. Akad. iler Wissensch., Wien 1854) aufmerksam machen. Auf Seite 15 soll nämlich die Zone richtig r, o, f, N statt r, o, f, h heissen, -dann richtig r' , n, b, f, s statt r, n, c, f, s, ferner r, ii\ b',f', s' statt /•, »'. /", s' und endlich 3/,/, iii, c statt M. m, f, e. Auf Seite 19 soll die Neigung von 7" zu ,0' nicht 116" 32', 11" sondern 115" 32' 11" sein. 246 R. Köchlin. Wie aus der Wiiikeltabelle ersichtlich ist, habe ich in der Zone N, o, d auch die Winkel zu der Mäche (201), dem Doma der Zone 11, o)., x ü;emesscn, obwohl diese Fläche in Wirklichkeit nicht entwickelt ist. Dies war dadurch möglich, dass in Folge der feinen Combinationsstreilung von z und u) an der Stelle von (201) ein Reflex entstand, der sich als Streifen schräg über das Gesichtsfeld zog. Dass dieser Reflex auftrat, erklärt sich daraus, dass die Combinationsstreifung in Folge der geringen Neigung von x zu m sehr flach ist, und dass die Zone N, o, d die Richtung der Streifung unter einem ziem- lich spitzen Winkel trifft. In der Zone 7', z, o>, /t selbst gab die Streifung an der Stelle von (201) keinen Reflex, weil nun die Zonenrichtung senkrecht gegen die Richtung der Streifung verlief. Aus Letzterem geht aber zugleich deutlich hervor, dass die Fläche (201 ) am Krystalle in der That nicht entwickelt ist. Genau so verhält es sich mit den Prismen iV= (i 10), (210) und (3 10), die auch an den Krystallen nicht vorhanden sind, zu denen aber dennoch Winkel gemessen werden konnten. Ich will nun noch die Euklas-Krvstalle der Stufe im Allgemeinen beschreiben und sie zugleich mit den von ßecke beschriebenen, die ich der Kürze halber »Rauriser« nennen will, vergleichen. Die Krystalle schwanken in der Grösse von 0-2 Cm. bis 1-2 5 Cm., doch halten sich die meisten zwischen den Grenzen o-5 Cm. und o-yS Cm.; alle sind farblos. Die Rauriser Krystalle sind im Allgemeinen kleiner (der grösste erreicht kaum 0-4 Cm.) und alle sind blass weingelb. Die meisten Krystalle sind nach dem Typus des Krystallcs II ausgebildet, haben also nach der a-Axe sehr geringe Ausdehnung; ferner ist die Mehrzahl nur an einem Ende ausgebildet, da sie meist nach einer ungefähr der Basis entsprechenden Fläche aufgewachsen sind. Davon machen nur einige wenige, aber gerade die grössten und schönsten eine Ausnahme, indem sie beiderseitige Entwicklung zeigen. Die Rauriser Krystalle sind, wie schon anfangs hervorgehoben w'urde, nach allen Axen ziemlich gleich ausgedehnt, wodurch sie kurz und dick erscheinen; ferner sitzen fast alle so auf, dass wenigstens ein Theil der Flächen des unteren Endes ausgebildet ist. Die Flächen 7' sind meist sehr schmal im Gegensatze zu denen an den Rauriser Krystallen, und wo sie breit entwickelt sind, dürften sie durch Spaltung entstanden sein; wenigstens deuten deutliche Spaltrisse bei vielen Krystallen mit schmalem 7' darauf hin. Diese Risse setzen meist zwischen o und q an, wodurch das Fehlen der Flächen q am Krystalle I sich erklärt. Eine Fläche T, wahrscheinlich auch durch Spaltung entstanden, ist ungefähr parallel zur Kante zwischen 7' und q etwas gewellt; das erinnert an eine Angabe B ecke 's, wonach an Stelle der Fläche T an dem von ihm gemessenen Krystalle zwei sehr wenig geneigte Flächen auftreten, die beinahe, aber nicht genau, in der Zone T, o liegen. Die übrigen Flächen der Prismenzone sind durchgehends durch starke Combinationsstreifung gestört. Nur der an T angrenzende Theil von s ist regelmässig glatt. Dass diese Erscheinung nur an den Krvstallen mit schmalem 7' zu sehen ist, spricht wohl auch dafür, dass die breiten T nur durch Spaltung entstanden sind. An den Rauriser Krystallen ist die Prismenzone meist glatt; nur die Flächen A'(iio), die hier zu fehlen scheinen, da sie an den beiden von mir gemessenen Krystallen auch nicht in Spuren entwickelt sind, erscheinen etwas gestreift. Die Flächen r sind an allen Krystallen ausgebildet, und zwar in den meisten Fällen sehr gross; eine Fläche, die u sein dürfte, habe ich an einem Krystalle gross entwickelt gesehen und ebenso A an mehreren beobachtet. Häuflg tritt / auf, das aber immer sehr schmal ist. Während diese Zone hier sehr stark entwickelt erscheint, findet sich davon an den Rauriser Krvstallen nur /■, und auch dieses nur untergeordnet. Ueber ein neues Euklas- Vorkommen aus den österreichischen Tauern. 247 Die Flachen o und ^] sind an beiden Vorkommen gross entwickelt; n scheint an den Rauriser Krvstallen ganz zu fehlen und ist auch hier ziemlich untergeordnet, o geht meist allmälig in lJ über, was ebenso wie das Auftreten der Form (1.41.31) am Krystalle I auf das Bestreben hindeutet, zwischen o und q eine Fläche zu bilden (wahr- scheinlich (043), dessen Vicinalfläche (1.41.31) sein dürfte), q ist ausserdem meist gegen T zu gekrümmt; an einem Krystalle habe ich sogar eine sehr scharf begrenzte Fläche zwischen 7' und q wahrgenommen, die vielleicht R (041) oder //(061) ist, die beide von Kokscharow beobachtet sind. d tritt nicht häufig auf; f hingegen immer, aber meist sehr schmal. An den Rauriser Krystallen fehlt diese Zone. Die Zone x, (^i konnte ich noch an mehreren Krystallen deutlich wahrnehmen, wenn auch nicht so stark entwickelt wie am Krystalle I. Auch an diesen Krystallen ist sie durch starke Combinationsstreifung ausgezeichnet. Diese Zone fehlt ebenfalls an dem Rauriser Vorkommen, das überhaupt grosse Flächenarmuth zeigt. Ausser diesen gemessenen Zonen von 7' nach 7' scheint noch eine aufzutreten; wenigstens konnte ich an einem Krystalle deutlich eine Fläche zwischen 11 und q wahr- nehmen. Diese Zone würde keiner bisher beobachteten entsprechen. Von anderweitigen Vorkommen des Euklas entspricht ein von L e v y ') be- schriebener und abgebildeter Krystall fast vollständig dem Typus des Krystalles II. Leider ist der Fundort desselben nicht erwähnt. Dem Typus des Krystalles I entspricht keiner der bisher beschriebenen Krystalle genau, doch scheint, wie schon erwähnt, dieser Typus kein ursprünglicher zu sein, sondern erst durch Spaltung aus dem Typus des Krystalles II hervorgegangen zu sein. Schliesslich muss ich noch einige Erläuterungen betretfs der Figurentafel anfügen. Herr Dr. V. Goldschmidt hatte die Güte, mich in die neuen, von ihm ausge- arbeiteten, aber theilweise noch nicht veröft'entlichten Methoden der Projection und perspectivischen Darstellung der Krystalle einzuführen, und ich habe die Figurentafel unter seiner Leitung gezeichnet. Dadurch wurde die Arbeit vervollständigt und wesent- lich erleichtert. Für diese freundliche Bemühung sei hiemit dem genannten Herrn mein verbindlichster Dank gesagt. Die näheren Angaben über die erwähnten Methoden finden sich theils in der Ein- leitung zu dessen Index der Krystallformen, ") theils in seiner in Vorbereitung befind- lichen Publication »Ueber Projection und graphische Krystallberechnung«. Da ich den ebengenannten Mittheilungen nicht vorgreifen kann, und da solche Ausführungen dem Zwecke der vorliegenden Arbeit auch nicht entsprechen würden, sei nur noch Folgendes zum Verständniss der Tafel gesagt. Figur I der Tafel XXI enthält das gnomonische Projectionsbild und eine Ver- zerrung desselben. Ersteres ist direct aus den Symbolen gewonnen, ^) letzteres aus diesem abgeleitet. Aus dem gnomonischen Bilde ergeben sich die Kantenrichtungen derVerticalprojectionen (Fig. 2 b und 3 b) als Normale auf die Zonenlinien, und analog aus dem verzerrten Bilde die Kantenrichtungen der parallelperspectivischen Bilder (Fig. 2 a und 3 a). Letztere sind jedoch nicht in der Lage belassen, in der sie sich aus >) Levy: On Euclase. Edinb. Phil. Journ, 1826, vol. XIV, pag. 129 und plate VI, Fig. 3. 2) V. Goldschmidt: Index der Krystallformen der Mineralien. Berlin 1886, pag. 12. 3) Goldschmidt, a. a. O. 248 R. Köchlin. Ueber ein neues Euklas- Vorkommen aus den österreichischen Tauern. dem verzerrten Projectionsbilde ableiten, sondern in der Papierebene so gedreht, dass die Prismenkanten aufrecht stehen. Aus dem gnomonischen Projectionsbilde ist ferner das stereographische (Fig. 4) ebenfalls durch Construction abgeleitet. Alle diese Ab- leitungen geschehen auf höchst einfache und bequeme Art. In Figur i bilden die mit stark ausgezogenem Ringe und liegenden Buchstaben bezeichneten Punkte das gnomonische Projectionsbild der an den Krystallen I und II beobachteten Formen, die mit schwach ausgezogenem Ringe und stehenden Buchstaben bezeichneten Punkte das verzerrte Bild. Wenn ich Figur i mit Erlaubniss des Autors dieser Constructionen noch vor deren Publication gegeben habe, geschah es deshalb, weil ich glaubte, Solchen, die später über den Euklas arbeiten werden, damit einen Dienst zu erweisen, da dieselben aus dem (allenfalls vervollständigten) verzerrten Projectionsbilde sich auf schnelle Art perspecti- vische Zeichnungen ableiten können. Literatur. 1799. Hauy, Journ. d. Mines. Paris, second trimestre, no. 28, pag. 25b. 1801. Hauy, Traite de Mineralogie, I.Auflage, Paris, II. Band, pag. 551 — 540. 1819. Hauy, Memoire sur la cristallisalion et sur Ics proprietcs physiques de 1' Euclasc. Paris, Mus. Hist. Nat. Mem. V, pag. 278 — 293. 1819. Berzelius, Analyse chimique de l'Euclase. Paris, Mus. Hist. Nat. Mem. V, pag. 294 — 296. 1822. Hauy, Traite de Mineralogie, 2. Auflage, Paris, II. Band, pag. 528 — 537. 1825. Kupffer, Preisschrift über genaue Messungen der Winkel an Krystallen, Berlin, pag. 112 — 114. 1826. Levy, On Euclase. Edinburgh, Edinb. Phil. Journ. XIV, pag. 129 — 131. 1827. Levy, On Euclase. Leipzig, Pogg. Ann. IX, pag. 283 — 285. 1829. Weiss, Bemerkungen über den Euklas (1820). Berlin, Ges. Nat. F'reunde, Verh. I, pag. iio — 119. 1837. Levy, Description d'une collection de mineraux formee par M. Heuland, Londres, II, pag. 88. 1839. Mohs, Anfangsgründe der Naturgeschichte des Mineralreiches, bearbeitet von Zippe, 2. Auflage, Wien, II, pag. 351—353- 1841. Weiss, Ueber das Krystallsystem des Euklases. Berlin, Abhandlungen pag. 249 — 282 und Be- richte pag. 355-357- 1843. Haidinger, Ueber den Pleochroismus der Krystalle. Prag. Böhm. Ges. Abb. 111, pag. 585 — 603. 1845. Haidinger, Ueber den Pleochroismus der Krystalle. Leipzig, Pogg. Ann. LXV, pag. i — 29. 1845. Shepard, Neues Jahrbuch für Mineralogie etc., Stuttgart, pag. 204. 1847. Breithaupl, Vollständiges Handbuch der Mineralogie, Dresden, Leipzig, 111, pag. 738 — 740. 1847. Berzelius, Neues System der Mineralogie, herausgegeben von Rammeisberg, Nürnberg, pag. 54. 1852. Schabus, Monographie des Euklases. Wien, Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch., VI. Band. 1852. Phillips, Mineralogy, London, pag. 335 — 336. 1850 — 1853. Maltet, On an analysis of Euklase. Doublin, Gcol. Soc. Journ. \', pag. 206 — 208. 1854. Mallet, On an analysis of Euklase. Edinb. New Phil. Journ. L\'I, pag. 103—106. 1858. Kokscharow, Materialien. St. Petersburg, HI, pag. 97 — 138. 1862. Kokscharow, Materialien. St. Petersburg, IV, pag. 51—53, 100—101. 1862. Descloizeaux, Manuel de Mineralogie, Paris, 1, p. 480 — 484. 1878. Plattner, Die Probirkunst mit dem Löthrohr, 5. Auflage von Richter, Leipzig, pag. 217, 219. 1879. Kulibin, Verh. der min. Ges. St. Petersburg, II. S., XIV. Band, pag. 147 — 149. 188 1. Guyot, Zeitschrift für Krystallographie etc., Leipzig, V, pag. 250. 1881. Becke, Euklas aus den Alpen. Wien, Min.-pelr. Millh. IV, pag. 147 — L53- 1882. Descloizeaux, Bull. soc. min. de France, Pai is, V, pag. 317 — 320. 1884. Brezina, Verh. geol. Reichsanstalt, Wien, pag. 389. Typen der ornithologischen Sammlung des k. k. natur- historischen Hofmuseums. Anfällst von Pcl-elu und Dr. Ludivif;; von Loreii:^. Z.U den wesentlichsten Momenten, welche den wissenschaltlichenWerth einer natur- historischen Sammlung bedingen, gehört die Zahl und Wichtigkeit der darin enthaltenen Originalexemplare oder Typen. Diese bilden den sichersten Anhaltungspunkt zur Kenntniss und Feststellung der einzelnen Arten. Sie sind die unerschütterlichen Felsen, welche aus dem Meer von Synonymen, irrthümlichen und zweifelhaften Bestimmungen hervorragen. Wäre es möglich, die Typen sämmtlicher bekannten Species vereinigt zu überblicken, dann würden die zahllosen Schwierigkeiten und Hindernisse, welche den Forscher nur zu oft bei jedem Schritt beirren, sich beheben. Da die Erfüllung dieses Wunsches in ihrer Vollständigkeit jedoch nicht im Bereiche der Möglichkeit liegt, so könnte doch ein Streben walten, sich diesem Ziele theilweise und allmälig zu nähern; es wäre daher in hohem Grade erwünscht, wenn alle jene Samm- lungen, welche eine grössere oder geringere Zahl von Tvpen umschliessen, eine Ueber- sicht derselben bekannt machen würden. Diese Erwägungen haben in uns den Entschluss hervorgerufen, die vorliegende Uebersicht der in der ornithologischen Sammlung des k. k. naturhistorischen Hof- museums enthaltenen Typen zu verfassen. Es schien uns dies um so mehr wünschenswerth, als die Wiener Sammlung zu den ältesten ihrer Art gehört und theils durch die Publicationen der an derselben wir- kenden Ornithologen, theils seit Beginn des Jahrhunderts bis zur Gegenwart durch regen wissenschaftlichen Verkehr mit auswärtigen Museen und P'achmänncrn eine lange Reihe von Original-Exemplaren aufzuweisen hat. Als wirkliche »Typen« sind jene Exemplare zu betrachten, nach welchen der Autor seine erste Beschreibung entworfen hat; jedoch beanspruchen auch alle jene Individuen, welche dem Begründer der Art zur Zeit der Aufstellung derselben vorgelegen haben, eine erhöhte Bedeutung, da angenommen werden muss, dass sie sämmtlich von ihm genau untersucht und vollkommen übereinstimmend befunden worden sind. Solche Exemplare, welche von dem Autor unter der Bezeichnung der von ihm begründeten Species bezogen worden sind und deren Bestimmung daher als sicher zu betrachten ist, wenn sie auch vielleicht nicht zur ursprünglichen Veröffentlichung gedient haben sollten, möchten wir als »authentische« Exemplare bezeichnen. Auch in jenen Fällen, in welchen eine Art von späteren Schriftstellern niclit bei- behalten, sondern nur als Synonym einer anderen betrachtet worden ist, oder ihr Name nach dem Princip der Priorität einem früher gegebenen weichen musste, scheint es uns wichtig, die betreffenden typischen oder authentischen Exemplare anzuführen. Die Anschauungen über die Begrenzung einer Species sind so verschieden und Ott Wandlungen unterworfen, dass eine als Synonym betrachtete Form sich endlich 25o August von Pclzcln und Dr. Ludwig von Lorenz. dennoch als selbständige Art erweist, und auch die Deutungen von Schilderungen früherer Autoren sind in vielen Fällen nicht sicher und l^onnen oft mit Recht angefochten werden. Aus diesen Gründen ist es wünschenswerth, feste Anhaltspunkte zur Beurtheilung der erwähnten Formen benützen zu können. Der hier vorliegende erste Theil unseres Verzeichnisses von Typen umfasst die Rixpaces und von den Passeres die Gruppen der Fissirostres und Tenuirostres. Die An- ordnung ist die in Gray's Handlist of Birds mit einigen Modificationen; so wurden z. B. die Epirnachinac bei den Upiipidae weggelassen, um sie später den Paradiseiden einzu- reihen, die Derpaninen zu den Melliphagiden übertragen und die Dendrocolaptidae nach Sclater und Salvin's Nomenciator avium neotropicolium eingethcilt. Wien, im .luli 1886. Ordo: Rapaces. Subordo: Rapaces diurni. Familia : Vulturidae. Gyps Rueppellii. Vitltiir Kolbii av. hornot. et juv. Rüppell, Atlas 47, t. 32. Vultur Rüppellü Natter er, Mus. Vindoh. et Synops. msc. (1838). Gyys Rüppellü Bon aparte, Rev. d. ZooL (1850) 477. Vultur Rüppellü A. Brehm in Naumannia II, 3, 40 et 4'— 44 (1852). Gj'ps Rüppellü A. Brehm ^ L, Brehm in Caban. Journ. {1853) 197—198 (Beschreib, d. Alters- stufen) et (1854) 72. — Bonaparte, Rev. d. Zool. (1854) 530, (1855) 74. — A. Brehm, Caban. Journ. (1856) 409. — Strickl, Orn. Syn. I, 10. — Herzog von Württemberg? — Heuglin, Sitzungsber. k. Akad. Wien XIX, 256. — Sharpe, Cat. Birds Brh. Mus. I (1874), 9. Vultur Rüppellü Heuglin, Orn. v. Nordost-Afrika I {1869), 5. Vultur fulvus Rüppellü, Schlegel, Susemihl, Vögel Eur. 11. Gyps fulvus partim Gray, Gen. I, 6. Gyps Vierthaler, Naumannia II, l, 57 (1852). Gyps magnificus B. Müller, Beitr. Orn. Afr., Lief. II, t. 5. — Idcm, Caban. Journ. (1854) 74. Ein alter und ein junger Vogel aus Kordofan von Hrn. Kotschy gesammelt (1839), welche als Vult. Rüppellü Natterer etiquettirt waren, sind jedenfalls als authentische Exemplare anzusehen. Die eigentliche Type ist ein von Natterer im September i838 in St. Petersburg beschriebenes Individuum, welches von Clot Bey bezogen worden. Sarcoramphiis Giyphiis (Linne). Ein Männchen und ein Weibchen des Condors wurden im Jahre 1806 bei der Auction des Leverianischen Museums erworben; es war dies das erste Pärchen, welches nach Europa gebracht worden war. Das Männchen ist das Original zu Shaw's Abbildung Vultur Condor (Mus. Lever. N. 6, p. i, t. 61) und nach Tem- minck auch zu der in seinen Planches colories t. i 33 et 494, während das Weibchen die Type von Shaw's Vultur magellanicus (Mus. Lever. 1, p. i, pl. 1, 1792) bildet. Cathavtcs Uriibutinga. Cathartes Urubutinga Natterer, Pelzeln, Sitzungsber. k. Akad. Wien XLIV (1861), 7 et Orn. Bras. (1871) r. Oenops urubitinga Pclzcln, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 28, PI. II, Fig. 2. Zwei Männchen, ein altes und ein junges Weibchen von Forte do Rio branco (Spanisch-Guyana), ferner ein Männchen von Sapitiva und ein junges Weibchen von Irisanga (Südbrasilien); Original-Exemplare. Typen der ornithuli>i^ischeii Sammlung des k. k. naturhislorischen Hotmuseums. 25 I F a m i li a : Fa Ico 1 1 ida e. Milvago a 'assii -ostris. Milva^a crassimstris Pelzein, Silzungsber. k. Akad. Wien X\AV (1861), <) und Orn. d. »Novara« (i8^'5) 3-5, t. I. Ibyctcr megalnptcrus Sharpe, Cat. Birds Hrit. Mus. I, },(> (KS74), ex parte. Die Type dieser Art bildet ein von Herrn Frank (1847) bezogenes Exemplar aus Chile. Später erhielt die Sammlung durch die Novara-Expedition aus dem- selben Lande drei erwachsene, drei im Uebergangskleid befinillichc und zwei junge Individuen. Butco brachyptcriis. Biiteo braclirptcntfi Pelz ein, Naumannia (1858) 496. — Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 183. — Grandidicr et E. A. Milne Edw., Ois. de Madagascar 84, t. XXll, XXIII et XXVI A. Ein Exemplar von Frau Ida Pfeitfer auf Madagascar gesammelt; Type. Butco desertonim. Buteo minor Heuglin, Sitzungsber. k. Akad. Wien XIX (1856), 257. Biiteo desertonim Daud., Heuglin, Orn. v. Nordost-Afrika I, 90. — Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, i/'). Ein Weibchen von Heuglin ah Buteo m/;/or aus Nordost-Afrika i856 erhalten. Buteo liventer, Falco liventer Temminck, PI. Col., t. 438. Biitastiir liventer Temminck, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 296. Zwei authentische Exemplare als Falco liventer aus dem Leydener Museum erhalten. Biiteola brachyiwa. Buteo minutits Natterer, Pelzeln, Sitzungsber. k. Akad. Wien XEIV (1862), 14. — Derselbe, Orn. Bras. 3 und 396. Biiteola brachyura Vieillot, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 201. Ein Weibchen aus Süd-Brasilien (Ypanema) von Oberlieutenant Varnhagen, ein Weibchen aus West-Brasilien (Matogrosso), ein Junges aus Para; Typen von Buteo mirutus Natterer. Leucoptcniis palliata. Lcucoptcrnis palliata Natterer, Pelzeln, Sitzungsber. k. Akad. Wien XLIV {1861), ii; Orn. Bras. 3. Uriibitinga palliata Pelzeln, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 218. Ein Weibchen von Natterer bei Ypanema in Süd-Brasilien im Juli ge- sammelt; Type. Leucopteruis supcrcilian's. Leiicopternis siiperciliaris Natterer, Pelzeln, Sitzungsber. k. Akad. Wien XLIV (i86i), 10 und Orn. Bras. 3. Asiurina Kiihli Bonaparte, Schlegel, Mus. Pays-Bas, Asturinae 104. Uriibitinga Kaiipi Bon aparte, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 219. Ein Weibchen aus Borba am Madeira im Mai und ein Weibchen aus Para in Brasilien von Natterer gesammelt; Typen für L. siiperciliai-is. Urubitinga anthracina. Falco antliraciniis Lichtenstein, Preisverz. mexican. Vögel (1830) und Mus. Berol. und Nitzsch, Pteryl. 83. Urubitinga anthracina Sharpe, Cat. Birds, I5rit. Mus. I, 215. Ein Männchen vom Berliner Museum (i83o) als F. anthracinus Lichtst. erworben, von Deppe und Schiede in Mexico gesammelt; authentisches Exemplar. 2 52 • August von Pclzeln und Dr. Ludwig von Lorenz. Urubiitinga hemileucura. Urubitinfna hemileucura Lichtenstein (ohne Beschreibung). Ein Stück aus Montevideo vom Berliner Museum mit der obigen Bezeich- nung erhalten. Spiiaetus limnactus (Horsf.). Falco unicolor Temminciv, Manuscript. Faico niveus Temminck, PI. Col. I, t. 127 (1823). Zwei authentische Exemphire des F. nii'eus (1821 und 1822) aus Java durch Temminck erhahen. Gypoh icrax ango lensis. Angola Vulturc Pennant, Tour in Wales 228, t. 19. — Latham, Gen. Syn. I, 18, 14. Falco angolensis Gmelin, Syst. nat. I, 552, n. 37. Vultur angolensis Latham, Ind. Orn. I, 7, 17. — Shaw, Mus. Levcr. IV, 153, t. 37. Gypohierax angolensis Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 312 (1874). Ein von Fichtel gekauftes Exemplar scheint eines der beiden von Pennant beschriebenen oder vielleicht das Original von Shaw's Abbildung zu sein. Falco Feldeggii. Falco Feldeggii Schlegel, Abhandl. Geh. Zool. 3, t. 10, 11 (1841). — Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 389. Ein Männchen, wahrscheinlich eines der von Baron Feldegg aus Dalmatien eingesendeten Original-Exemplare. Hypotriorchis femoralis. Falco femoralis T evnminc^, PI. Col., t. 343. Hypotriorchis femoralis Temminck, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 401. Sieben authentische Exemplare, Männchen und Weibchen, von Natterer in Brasilien gesammelt; das ebenfalls von Natterer eingesendete Original-Exemplar zu Temminck's Abbildung und Beschreibung befindet sich im Leydener Museum. Tinunculus alopex. Tiuunculus alojwx Heuglin, Syst. Uebers. (1856) 10. — Derselbe Orn. v. Nordost- Afrika 1 (1869), 41. Ccrchneis alopex Heuglin, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 432, t. 14, Fig. i. Ein Männchen aus Doka, O. Sennaar, i855 von Heuglin als spec. nov. er- halten; Type. Schon früher (i83()) war durch Kotschy ein Exemplar dieser Art aus Nubien in die Sammlung gelangt. Ba-a Reiiiivardti. /jt77<7 7?c'z)ni'<3[j-J// Müller et Schlegel, Verhandl. Naturl. Gesch. (1839 — 1844)35, ^- S- ~ Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 358. Ein Weibchen aus Amboina vom Leydener Museum unter obigem Namen im .lahre i865 erhalten; authentisches Exemplar. Astur Novae Hollaudiae. Astur Novae Hollandiac Gmelin, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. 1, !i8. Ki/co albus White, .lourn. Voy. New South -Wales 250 c. t. Ein durch Fichtel 1806 erhaltenes Exemplar in weissem Gefieder ist wahr- scheinlich das Original zu White's Beschreibung unil Abbildung. Astiir griseiceps. Astiir griseiceps Schlegel, Mus. Pa}s-Bas 23. — Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, loö. Ein Männchen und ein junges Weibchen von Celebes im .Tahre i8(J5 aus dem Levdener Museum durch Schlegel erhalten; authentische Exemplare. Typen der ornithologischen Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. 253 Astur cuculoides. Falco cuculoides Temminck, PI. Col. I, t. iio, 12g. Astuv cuculoides Temminck, Sharpc, Cat. Birds Brit. Mus. I, 115, t. 1\', Fig. 2. Zwei authentische Exemplare von Temminck 1822 und 1823 erhalten. Astiirina nificauda. Astuvina ruficauda Sclater et Salvin, P. Z. S. (1869) 133. — Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 205. Zwei authentische Exemplare durch Whitely bei S. Pedro in Hondouras gesammelt, von Mr. Sclater erhalten. Micrastur macrorhynchiis. Micrastuv macrorhynchus Natterer, Pelzeln, Novara-Expedition, Vögel, 11. Ein Männchen und ein Weihchen von Natterer in Para und Maria do Rio branco gesammelt. Dieselben dürften nach den in dem citirten Werke angegebenen Gründen nicht mit Micrastur Mirandollei Schleg. zu identificiren sein. Micrastur ruficollis. Micrastur ruficollis Vieillot, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 76. Falco xanthothorax Temminck, PI. Col. I, t. 92. Falco leucauchen Temminck, PI. Col. I, t. 306. Temminck's Abbildung des Falco leucauchen PI. Col. t. 3o6 ist nach einem der jüngeren von Natterer mitgebrachten Exernplare angefertigt. Micrastur semitorquatus. Micrastur semitorquatus YiciUoX, Nouv. Diction. d'Hist. Nat. 322 (1817). — Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 75. Falco brachypterus Temminck, PI. Col. I, t. T16, 141. Ein Männchen und ein junges Weibchen sind die Originale zu Temminck's angeführten Abbildungen. Accipiter virgatus. Falco virgatus Temminck, PI. Col. I, t. 109. Accipiter virgatus Temminck, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 150. Ein authentisches Exemplar aus Java i833 durch das Leydener Museum erhalten. Melier ax poly{omis. Falco poly^onus Rüppel, Neue Wirbelthiere 36, t. 15 (1835). Melierax poly:{onus Rüppel, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 88. Ein authentisches Exemplar 1826 aus dem Frankfurter Museum erhalten. Circus aeruginosus. Circus acruginosus L., Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 69. — Heuglin, Orn.v. Nordost-Afrika 103. Circus umbriuus Heuglin, ibid. Ein Exemplar; Type von C. umbriuus. Circus cinereus. Circus cinereus Vieillot, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 56. Strigiceps canescens Lichtenstein, Nomencl. Av. Mus. Berol. 6. Ein Männchen im Jahre 1839 aus dem Berliner Museum als Falco canescens Licht, erhalten; authentisches Exemplar. Circus maculosus. Circus maculosus Vieillot, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. I, 62. Folco rufiventris Lichtenstein, Manuscript. Ein Weibchen im Jahre 1824 vom Berliner Museum als Falco rußventris Licht, erhalten; authentisches Exemplar. Annalen des U. U. naUirliistorischcn Hot'muscums, l!j. 1, Hcti 4, i88b. 18 2 54. August von Pelzeln und Dr. Luilwig von Lorenz. Circus maunis. Falco maunis Tcmminck, IM. Col. I, t. 461 (1828). Chciis maunis Tcmminck, Sharpc, Cat. Birds Brit. Mus. I, 60. Ein Weibchen i83o durch Tcmminck erhalten; authentisches Exemphir. Subordo: Rapaces nocturni. ^r- ■ -1 Familia: Strwidae. Ninox squamipila. ^ Athene squamipila Bonaparte, Consp. Gener. Av. I, 41. Ni>wx squamipila Bonaparte, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. II, 184. Ein Exemplar von Ceram durch Schlegel erhalten; da die Art von Bonaparte aus dern Leydener Museum beschrieben und unser Exemplar von dem Director dieses Institutes erhalten wurde, so kann dasselbe als ein authentisches betrachtet werden. Btibo lacteus. Strix lactea Temminck, PI. Col. II, t. 4, Bubo lacteus Temminck, Sharpc, Cal.BirtlsBrit.Mus.il, 33. Ein authentisches Exernplar aus dem Leydener Museum i833 durch Tem- minck erhalten. Biibo Orientalis. Bubo Orientalis Horsfield, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. II, 39. Strix strepitans Temminck, PI. Col. II, t. 174. Ein authentisches Exemplar der Str. strepitans i833 aus dem Leydener Museum erhalten. Otus habessinicus. Otus habessinicus Guer., Heuglin, Orn. v. Nordost-Afrika 107. Otus montanus Heuglin, Syst. Uebers. 89. Oslo abyssinicus Guer., Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. II, 227. Ein Exemplar von Heuglin i855 als Type von Otus montanus erhalten. Scops semitorqiies. Otus semitorques Temminck et Schlegel, P'auna .lapon., Avcs 25, pl. 8. Scops semitorques Temminck et Schlegel, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. II, 83. Ein authentisches Exemplar aus Japan vom Leydener Museum (i863) durch Schlegel erhalten. Scops atricapilla. Strix atricapilla Natterer, Tcmminck, PI. Col. II, t. 145. Scops brasiliensis var., Schlegel, Mus. Pays-Bas 21. Scops brasilianus Gmelin, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. II, 108. Das von Natterer herrührende Original zu Temminck's Beschreibung und Abbildung befindet sich ini Leydener Museum, während unsere Sammlung an typischen Exemplaren sechs Männchen und zwei Weibchen besitzt. Syniium superciliare. Srrnium superciliarc Pelzeln, Verhandl. zool.-hot. Gescllsch. Wien (1863), 1125. — Derselbe, Orn. Bras. 10. — Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. II, 271. Zwei Männchen am Rio Guapore (i82(J) von Natterer gesammelt; typische Exemplare. Strix insiilaris. Strix insularis Pelzeln, Journ. f. Orn. (1872) 23. Strix ßammea L., Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. II, 291. Ein typisches Exemplar; 1836 von Natterer in London gekauft. Typen der ornithologischcn Sammlung des k. k. naiuihistüiischcn Hofmuscums. 255 Ordo: Passeres. T r i b LI s : F i s s i r o s t r e s. Familia : Capriinulgidac. Acgotheles Novae Hollandiae. Caprimiilgus Novae Hollandiae Latliam, Ind. Orn. II, 588. — Pelzeln, Ibis (1873) 107. Ein wahrscheinlich typisches Exemphir durch Plchtl aus dem Museum Le- verianum erhalten. Caprimn Igus rufico llis. Caprimultiiis ruficollis Tcmminck, Manuel d'Orn. I, 438, III, 304. - Gray, Handlist, spec. 614. Ein Männchen und ein Weibchen zu Algeciras in Spanien 181 7 von Natterer gesammeh; Typen zu Temminck's Beschreibung. Caprimiilgus nubicus. Caprimiilgus nubicus Lichtenstein, Doubl.-Verz. (1823) 150. — Gray, Handlist, spec. 639. Ein authentisches Exempku- 1826 aus dem BerHner Museum erhalten. Caprim u Igus aegyptius. Caprimiilgus aegyptius Lic ht enslei n, Doubl.-Verz. (1823) 59. Ein Weibchen im Jahre 1826 vom Berliner Museum erhalten; authentisches Exemplar. Hydropsalis Ypanemae. Hydropsalis Ypanemae Pelzeln, Sitzungsbcr. zool.-bot. Gescllsch. Wien (1865) 985. Macropsalis Ypanemae Pelzeln, Gray, Handlist, spec. 655. Ein Männchen aus Ypanema, von Natterer gesammelt; Original-Exemplar. Hydropsalis pallescens. Hydropsalis pallescens Pelzeln, Sitzungsber. zool.-bot. Gesellsch. Wien (1865) 986. — Gray, Handlist, spec. 651. Ein Männchen und fünf Weibchen von Natterer in Forte do Principe ge- sammelt; Original-Exemplare. Hydropsalis trifurcata. Hydropsalis trifurcata Natterer, Sclater, P. Z. S. (1866) 141. -- Pelzeln, Orn. Bras. 11. Diplopsalis trifiircatus Natter er, Gray, Handlist, spec. 656. Drei Männchen und vier Weibchen von Natterer am Rio Guapore und Madeira in Brasilien gesammelt; Original-Exemplare. Antrostomiis rutiliis. Antrostomus rutilus Lichtenstein, Burmeister, Thiere Brasiliens il (1856), 385. Antrostomiis Cortapau Nattcrer, Pelzeln, Orn. Bras. 13,53- Vier Männchen und vier Weibchen von Natterer am Rio Negro und Guapore gesammelt; Originale von A. Cortapau. Stenopsis candicans. Stenopsis candicans Sclater, P. Z. S. (1866) 588. — Pelzeln, Orn. Bras. ] 2, 49. Ibijau aux alles et queue blanches Azara, Nr. 314. Caprimulgus leucurus Vieillot, Nouv. Dict. X, 246 partim. — Gray, Handlist, spec. 680. Ein Männchen aus Irisanga in Süd-Brasilien von Natterer (Nr. 53o) gesam- melt; Tvpe. 18* ^56 August von Pelzein und Dr. Ludwig von Lorenz. Stenopsis Langsdorß. Stoiopsis Langsdorß Pelzcln, Orn. Bras. 12, 52. — Sclntcr, P. Z. S. (1866) 58'). — Gray, Handlist, spec. 681. Das typische Exemplar von Langsdoii in Cujaba durch Natterer erhalten. Stenopsis platura. Stenopsis platitva Sclater, P. Z. S. 589. — Natterer, Pelzein, Orn. Bras. 12, 53. — Gray, Handlist, spec. 679. Ein Junges Weibchen aus Ypanema in Süd-Brasilien von Natterer (Nr. 42 1 ) erhalten; Type. Liirocalis Nattereri. Capiimulgtis Nattereri Temminck, PL CoL, t. 107. Luracalis Nattereri Temminck, Gray, Handlist, spec. 605. Zwei Männchen und vier Weihchen von Natterer in Brasilien gesammelt; authentische Exemplare. Familia: Cypsclidac. Cypselus caffer. Cypselus caffer Lichtenstein, Doubl. -\'erz. 58. — Gray, Handlist, spec. 721. Cypselus pygargus Temminck, PI. CoL, t. 460. Ein Exemplar von Temminck 1822 erhalten; authentisches Exemplar für C. pygargus. Cypselus parvus. Cypseliis parvus Lichtenstein, Doubl.-^'crz. 58. — Gray, Handlist, spec. 732. Ein authentisches Exemplar 1823 aus dem Berliner Museum erhalten. Dendrochelidon Klecho. Dendrochelidon Klecho Horsfield, Sclater, P. Z. S. (1865) 616. — Gray, Handiist, spec. 740. Hirundo Klecho Horsfield, Trans. Linn. Soc. Xlll, 143. Cypselus longipennis Temminck, PL CoL, t. 83. Ein Exemplar von Temminck 1821 erhalten; authentisches Exemplar von C. longipennis. Dendrochelidon comata. Cypselus comatus Temminck, PL CoL, t. 268. Dendrochelidon comatus Temminck, Gra}", Handlist, spec. 743. Ein authentisches Exemplar 1841 aus dem Leydener Museum erhalten. Chaetura caudacuta. Hirundo caudacuta Latham, Ind. Orn. II, Suppl. L^'II, i. Chaetura caudacuta Latham, Gray, Hamilist, spec. 770. Das durch Fichtel erhaltene Exemplar unserer Sammlung aus der Dalrymple- Bay, stammt wohl aus dem Museum Leverianum und dürfte Latham's Type sein. Chaetura biscutata. Chaetura biscutata Sclater, P. Z. S. (18G5) 6o<), t. 34. — Pelzeln, Orn. Bras. 15. Zwei Männchen und zwei Weibchen in Süd -Brasilien von Natterer ge- sammelt; Original-Exemplare. Chaetura Sclater i. Chaetura Sclatcri Pelzeln, Orn. Bras. 15, 57, Ein Männchen von Natterer, aus Borba am Madeira in Brasilien; Original- Exemplar. Typen der ornithologischen Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. 267 Nephocaetes fumigatus (Natterer). Ncphocetes finnigatus Natter er, Pelz ein, Orn. Bras. 16. Hemiprocne fumigata Streubel, Isis (1848) 366. Cypsdoidcs fumigatus Nattcrer, Sclater, P. Z. S. (1865) 615. Zwei Männchen und drei Weibchen von Natterer in Süd-Brasihen ge- sammelt; Typen. Familia: Hiriindinidac. Hininda cahirica. Hirunda cahirica Lichtenstein, Doubl. -Verz. 58. — Gray, Handlist, spec. 789. Hiriindo Riocoiiri Savigny, Descript. de l'Egypte, t. 4, 4. Ein authentisches Exempk\r aus Egypten durch das Bcrhner Museum 1823 erhalten. Hiruiido rußceps. Hinindo rußceps Lichlcnstein, Doubl.-Verz, 58. — Gray, Handlist, spec. 821. Ein authentisches Exemplar aus Nubien 1823 vom Berliner Museum erhalten. Pclrochclidon albilineata. Plcrochclidon albilineata Lawrence, Ann. Lyc. New-York (1863) VIII, 2. Ein Exernplar aus Guatemala von Mr. Salvin als P. albilinca Lawr. = P. littorca Salv. erhalten; authentisches Exemplar. Cotile fit Hg lila. Cotile fuligula Lichtenstein, Leveillant, Ois. d'Afrique, t. 246, i. Ein Exemplar aus Süd-Afrika von Berhner Museum 1826 erhalten; authen- tisches Exemplar. Familia: Eiuylaimidae. CymbirliYnchus macrorhynchus. Cymbirhrncinis macrorliynclius Gmelin, Syst. nat. I, 446, 15. Todus nasutus Latham, Ind. Orn. I, 268, 14. Ein Exemplar aus dem Museum Leverianum 1806 ist das Original von T. nasutus Lath. Familia : Todidae. Todus hypochondriacus. Todus hypochondriacus Bryant, Proc. Boston Soc. Nat. Hist. (1866), Todus multicolor Gould, Gray, Handlist, spec. 927. Ein Exemplar aus dem Nachlasse von Dr. Henry Bryant, 1870 von der Smithsonian Institution erhalten; Original-Exemplar.' Familia: Momotidac. Momotus Nattereri. Momotus Nattereri Sclater, P. Z. S. (1857) 251. — Pelzeln, Orn. Bras, 19. Vier Männchen und fünf Weibchen aus Central-Brasilien, Madeira und Rio Negro von Natterer gesammelt; Original- Exemplare. Jenes im Besitze von Sclater stammt aus Goyaz. Familia: Trogonidae. Trogon chvysochlorus. Trogon chrysochlorus Natter er, Pelzeln, Sitzungsber. k. Akad. Wien XX (1856), 496, 505 und Orn. Bras. 20. Fünf Männchen und fünf Weibchen von Natterer in Brasilien gesammelt; Originale. 2 58 August von Pelzein und Dr. Ludwig von Lorenz. Harpactes Reinjpardtii. Tro^on Reinvvardtii Temminck, PI. Col., t. 124. Ein authentisches Exemplar, durch Temminck 1822 erhalten, dürfte wahr- scheinlich von Reinwardt's Reise herrühren. Harpactes orcskios. Trogon oreskios Temminck, PI. Col., t. 181. Harpactes oreskios Temminck, Gould, Trogons, t. 36. Zwei Männchen aus dem Leydener Museum erhalten; authentische Exemplare. Familia: Biicconidae. Bucco hyperrhyuchiis. Bucco hyperrhynchus Sclater, Ann. Nat. Hist. scr. 2, XIII, 357 und Monogr. Galb. et Buccon. (1882) 71. Bucco (Capito) giganteus Natterer, Pelzein, Sitzungsbcr. k. Akad. Wien XX (1856), 511 und Orn. Bras. 20. Vier Männchen und sechs Weibchen von Natterer am Rio Negro und in Para gesammelt. Typen von B. giganteus. Bucco striolalus. Bucco striolatus Natterer, Pelzeln, Sitzungsber. k. Akad. Wien XX (1856), 209 und Orn. Bras. 22. — Sclater, Monogr. Galb. et Buccon. 107. Drei Männchen und zwei Weibchen von Natterer in Brasilien, Provinz Mato- grosso, gesammelt; Original-Exemplare. Familia: Alcedinidae. Halcyon melanorhynicha. Halcyon melanorhyncha Temminck, PL Col., t. 391. — Gray, Handlist, spec. 1102. Ein authentisches Exemplar durch Temrninck i833 aus dem Leydener Museum erhalten. Halcyon concreta. Halcyon concreta Temminck, PI. Col., t. 346. — Gray, Handlist, spec. 1134. Ein authentisches Exemplar durch Temminck i833 aus dem Leydener Museum erhalten. Halcyon chloris. Ceryle abyssinica Lichtenstein, NomencL Av. (1854) 64. Halcyon abyssinica Lichtenstein. Pelzeln, Sitzungsber. k. Akad. Wien XX, (1856) 500. Dacelo chloris Schlegel, Mus. Pays-Bas 32. — Heuglin, Orn. v. Nordost-Afrika IQ4. Halcyon chloris Bodd., Gray, Handlist, spec. 11 16. Ein Exernplar 1826 aus dem Berliner Museum als Original von Ceryle (Alcedo) abyssinica. lodirhamphus sacer. Alcedo Sacra Gmelin, Syst. nat. I, 453. — Latham, Ind. Orn. 1, 250, 15. Halcyon sacra Gmelin, Pelzeln, Ibis (1873) 19. Todirhamphus sacra Gmelin, Gray, Handlist, spec. 1130. Ein Exemplar aus dem Museum Leverianum 1806 acquirirt; Original. Todirhamphus pener atus. Alcedo venerata Gmelin, Syst. nat. I, 453, 29. — Latham, Ind. Orn. I, 251, 16. Todirhamphus venerat us Gmelin, Pelzeln, Ibis (1873) 20. Ein Exemplar aus dem Museum Leverianuni im Jahre i 806 acquirirt; Original. Typen der ornilhologischen Sammlung ites k. k. naturhistorischen Hofmuseums. 25q ^ ,, , ,, , . Familia: Galbulidac. Galbula albogulans. Galbula albogtilaris Spix, Av. 15ras. (1S24) I, Sj, t. 57, Fig. i. — Sclalcr, Monogr. Oalb. et Buccon. 45, t. XIV. Ein authentisches Exemplar aus dem Münchencr Museum 1841 erhalten. , Familia: Meropidac. Merops cyanoplirys. ^ Phlotliriis cyanophrys Gabanis, Mus. Hein. 11, 137. Merops citpreus Ehrenberg, Lichtenstein, Mus. licrol. Merops cyanophrys Dresser, Meropidae 41. Ein authentisches Exemplar des M. cuprcus aus x\byssinien, otlenbar von Ehrenberg's Reise herstarnmend, aus dem Berliner Museum (1826) erhalten. Melittophagiis Boleslapskii. Melittophaga Boleslavskii P c\zc\n, Sitzungsber. k. Akad. Wien XXXI (1H58), 320. — Dresser, Meropidae 137. Ein von Major v. Boleslavski gesammeltes Exemplar aus Sennaar, im Jahre 1861 erhalten; Original. Tribus: Tenuirostres. Familia: Upupidac. Upitpa minor. ^ ^ Upupa minor Shaw, General Zoology VIII, 139. Upupa africana Lichtenstein, Doubl. -Verz. 16. Ein authentisches Exemplar der U. africana (i 82 3) aus dem Berliner Museum erhalten. ^r . • ■ ^ n- Familia: Promeropidae. Nectarinia metailica. ^ Nectarinia metailica Lichtenstein, Doubl.- Verz. 15. — Gadow,Cat. Birds Brit. Mus. (1884) IX, 8. Ein Männchen und zwei Junge; authentische Exemplare, aus dem Berliner Museum (182?) acquirirt. Cinnyris habessinica. Nectarinia pcctoralis Ehrenberg, Manuscript. Nectarinia habessinica Hemprich et Ehrenberg, Symb. Phys. Zool. I, Av., t. 4 (1828). Cinnyris habessinica Hemprich et Ehrenberg, Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX, 52. Zwei Männchen aus dem Berliner Museum; das eine vom Jahre 1826 mit der Etiquette N. pectoralis, das andere vom Jahre iSSg mit der Original-Eliquette N. habessinica H. et E. Beide sind authentische Exemplare, da der Name pecto- ralis offenbar ein später abgeänderter Musealname ist. Cinnyris pectoralis. Nectarinia pectoralis Horst'ield, Trans. Linn. Soc. XIII (1820), 167. Nectarinia eximia Temminck, PI. Col., t. 138, Fig. i, 2. Cinnyris pectoralis Bonaparte, Conop. Gen. Av. I, 408, Nr. 43 (1850). — Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX, 88. Ein Männchen und ein Weibchen aus Java, (i823) von Temminck als N. eximia erhalten, sind authentische Exemplare für dieses Synonymum. Cinnyris erythroceria. Nectarinia erythroceria Heu gl in, Syst. Uebers., Vögel, Nordost-Afrika 20 (1856) und Orn. v. Nordost-Afrika 226, Cinnyris crythroceriiis Shelley, Monogr. Nect. 209, t. 64, Fig. 2. Cinnyris mariqitensis Smith, Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX, 44. oßo August von Pelzein und Dr. Ludwig von Lorenz. Ein Original-Exemplar aus Nordost-Afrika, von Heuglin (i856) erhalten, befindet sich in der Sammlung neben einem jungen Vogel dieser Art aus Central- Afrika von P. Knoblecher (i85q) und ein Männchen ebendaher (1880) von Dr. Emin Bey, egvptischem Gouverneur zu Lado. Cinnyvis sanghirensis. Clialcostctha sa)if;lii}-cnsis Meyer A. B., Silzungsber. k. Akad. Wien LXX (1874), 124. * Ciiiiiyris sauf(hire)tsis Meyer, Shelley, Monogr. Nect. 97, l. 33.' — Gadow, Cat. Binls Brit. Mus. IX, 74. Ein Männchen und ein Weibchen von den Sangi-Inseln durch A. B. Meyer (1877) erhalten; authentische Exemplare. Äethopyga eximia. Nectarinia eximia Horsfield, Trans. Linn. Soc. XIII (1820), 168. Nectarinia Kuhlii Temminck, IM. Col., t. 376, Fig. 1,2. Äethopyga eximia Horsfield, Gab. Mus. Hein. I, 103. — Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX, r". Ein Männchen und ein Weibchen, von Temminck (i83o) erhalten, sind authentische Exemplare der N. Kiihlii. Äethopyga mystacalis. Nectarinia mystacalis Temminck, PI. Col., t. 126, Fig. 3. Äethopyga mystacalis Temminck, Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX, 23. Ein Männchen aus Java (1822) durch Temminck erhalten; authentisches Exemplar. Chalcostetha insignis. Nectarinia pectoralis Temminck, PI. Col. 138, Fig. 3 (1823 nicht Horsfield). Nectarinia insignis Jard., Monogr. Sun. birds 274. Chalcostetha insignis Jard., Waiden, Ibis (1870) 44. — Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX, 12. Ein Männchen aus Java, von Temminck (1823) erhalten, ist ein authenti- sches Exemplar der A'. pectoralis. Familia : Coercbidae. Dacnis nigripes. Dacnis nigripes Pelzeln, Sitzungsber. k. Akad. Wien (1856) XX, 154, t. i, Fig. i, 2 und Orn. Bras. 25. — Sclater, Cat. Birds Brit. Mus. XI (1886), 21. Zwei Männchen und zwei Weibchen von Beske zu Neu-Freiburg in Brasilien 1847 gesammelt; Original-Exemplare. Ausser den von Beske erbeuteten sechs Männchen und vier Weibchen ist nur das vom Grafen Berlepsch im Journ. f. Orn. (1873) 237 erwähnte Exemplar bekannt geworden. Diglossopis cacndescens. Diglossnpis caerulescens Sclater, Ann. Mag. Nat. Hist. ser. 2, XVII, 467. Diglossa caerulescens Berlepsch, Journ. f. Orn. (1884) 286. Ein authentisches Exemplar aus Caracas (Venezuela) 1 87 1 von Sclater erhalten. Certh io la p orto rice 1 1 sis. Certhiola ßaveola, var. portoricensis, Bryant, Proc. Boston. Soc. Nat. Hist. X (1866), 252. Certhiola portoricensis Bryant, Sclater, Cat. Birds Brit. Mus. XI, 41. Zwei authentische Exemplare von Bryant's CoUection aus Portorico (1870) durch die Smithsonian Institution erhalten. Typen der ornilhologischen Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. 261 Familia: Tvochilidac. Phaetornis squalidus. Trocliilits squalidus Natterer, Temminck, PI. C<>\ , u 120, Fig. i. Phaetornis squalidus Elliot, Classification Trochillus (1879) 12. Zehn typische Exemplare von Natterer zu Paor, Matodcntro, Ypanema, h-isanga in Süd -Brasilien und zu Engcnho do Capt. Gama in Central -Brasilien gesammelt. Phaetornis Boiircicri. Trocliilus Bourcieri Lesson, Trochilus (1832) 62, t. 18 Amctroniis abiiormis Reichenbach, Journ. f. Orn. (1853) 14. — Pelzcln, Orn. Bras. 27, 56. Phaetornis Bourcieri \.es.son, Salvin et Elliot, Ibis (1873) 13. — Ellioi, Ibis (1874) 262 und Classification Troch. (1879) 12. Ein Männchen aus Marahitanas in Brasilien durch Natterer gesammelt; Original-Exemplar von A. abnoDiiis. Thaumasiiis TaCyanojvskii. Thaumasius Tac^anowskH Sclatcr, P. Z. S. (1879) 145. 239. Thaumatias Tac^anowskii Sclatcr, Taczanowski, Orn. Peru, I. Bd. (1884) 405. Ein Männchen und ein Weihchen durch Stolzmann in Nord-Peru gesammelt, 1880 von Taczanowski erhalten; authentische Exemplare. Agyrtria tobaci. Trochilus tobaci Gmelin, Syst. Av. 498. Ollorestes Malvina Reichenbach, Aut'z. d. Colib. (1853) 7. — Derselbe, Troch. Enum. (1855) 4, t. 696. Agyrtria tobaci Gmelin, Elliot, Classification Troch. (1879) 206. •Ein typisches Exemplar des Ch. Malvina (1847) "^^n Beske aus Brasilien acquirirt. Ptochoptera iolaema. Riccordia iolaema Natterer, Reichenbach, Aufz. d. Colib. (1853) 8. Thaliirania iolaema Natterer, Pelzein, Orn. Bras. 57. Ptochoptera iolaema Natterer, Elliot, Ibis (1874) 2O1. — Derselbe. Classification Troch. (1879) 130. Ein Männchen von Natterer zu Ypanema in Süd -Brasilien gesammelt; Original-Exemplar. Uranomitra cyanicollis. Uranomitra cyanicollis Reichenbach, Aut'z. d. Colib. (1853) 10. — Elliot, Classification Troch. 198. Leucolia Pel^elni Taczanowski, P. Z. S. (1879) 239. Ein Weibchen und ein junges Männchen in Peru durch Stolzmann gesam- melt, (1880) von Taczanowski erhalten; authentische Exemplare von /.. Pel^^clni. Docimastes ensiferus. Ornismya ensifera Boissoneau, Rev. Zool. (1839) 354. Docimastes ensiferus Boissoneau, Goukl, Monogr. Troch. vol. IV, t. 233. — Elliot, Classi- fication Troch. 86. Ein Männchen als authentisches Exemplar (1842) von Boissoneau acquirirt. Heliomaster furcifcr. Le Bec-fleur a queue en ciseaux Azara, Voy. Am. Merid. CCXCIX. Trochilus furcifer Shaw, Gen. Zool. VIII, 280. Trochilus regis Schreibers, Vers. d. Naturforscher in Wien (1832). — Derselbe, Collcctanea ad Faun. Bras., Fase. 1 (1833), i, t. i, Fig. i. 262 August von Pelzeln und Dr. Ludwig von Lorenz. ÜDiisiHva aiigelae Lesson, lllustr. Zool. (1X33), t. 45, 46. CaUipcvidia furcifer Shaw, Sclater et Salvin, Nomencl. 90. Heliomastcr regis Schreibers, Pelzeln, Orn. Bras. 301. — Elliot, Classitication Troch. (1879) 86. Sechzehn Exemplare verschiedenen Alters und Geschlechtes, von Natterer in Central-Brasilien zwischen Goyaz und Matogrosso gesammelt; Originale zu Schreibers' 7'r. }-cgis. Oreopyra calolaema. Oreopyra calolaema Salvin, P. Z. S. (1864) 584. — LI Hol,- Classitication Troch. 33. Ein Männchen; authentisches Exemplar, von Salvin (1869) erhalten. Pterophanes Temminckii. Oniismya Temminckii Boissoneau, Rev. Zool. (1839) 354. Pterophanes Temminckii Boissoneau. Gould, Monogr. Troch. vol. lli, t. 178. — Elliot, Classitication Troch. 66. Ein Männchen und ein Weibchen aus Bogota (i 842) von Boissoneau acquirirt ; authentische Exemplare. Heliangelus clarissae. Ornismya clarissae De Long, Rev. Zool. (1841) 306. Heliangelus clarissae Bonaparte, Consp. Gen. Av. 76. — Elliot, Classification Troch. 89. Heliangelus Tac^anowskii Pelzeln, Ibis (1877) 338 juv. q"'- Ein typisches Exemplar des H. Tac^anoirskii aus Bogota. Mctallura tyrianthina. Trochilus tyrianthinus Loddiges, P. Z. S. (1832) 6. Ornismya Paulinae Boissoneau, Rev. Zool. (1839) 354. Metallura tyrianthina Loddiges, Elliot, Classification Troch. 166. Ein Männchen und ein Weibchen als authentische Exemplare der 0. PauU)iac aus Bogota (1842) von Boissoneau acquirirt. Rliamphomicron heteropogon. Ornismya heteropogon Boissoneau, Rev. Zool. (1839) 355. Rhamphomicron heteropogon Bonaparte, Consp. Gen. Av. 1 (1850), 79. — Elliot, Classitication Troch. 158. Zwei Männchen aus Bogota 1842 von Boissoneau aquirirt; authentische Exemplare. Lophoniis Gouldi. Ornismya (jouldi Lesson, Troch. (1831 — 1833) 103, t. 36. Trochilus reginae Schreibers, Collect. Faun. Bras. (1833), t. i, Fig. 2. Lophornis gouldi Lesson, Elliot, Classitication Troch. 134. Ein Männchen von Natterer aus der Provinz Matogrosso in Brasilien einge- sendet; Original-Exernplar von Schreibers' Tr. reginae. Cephalolepis Beskii. Cephalolepis Beskii Pelzeln, Orn. Bras. 58. Caphalolepis Delalandi Vieillot, Elliot, Classitication Troch. 180. Ein Männchen von Beske (1847) aus Brasilien als 7'r. Delalandi var. acquirirt; Original-Exemplar. Allgastes superbiis. Trochilus superbiis Vieillot, Ency. Mith. II, 561. Trochilus scutatus Natterer, Temminck, PI. Col., t. 299, Fig. 3. Augastes superbiis Vieillot, Elliot, Classitication Troch. 171. Ein Exernplar von Schlich aus Minas in Brasilien an Natterer gesendet; Original von 7r. scutatus. f Typen der ornithologischea Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. 203 Familia: Alcliphamdac Drepanis pacißca. Certliia pacißca Gmclin, Syst. nat. I, 470. — Latham, Ind. Orn. I, 2.S1. Drepanis pacißca Temminck, Man. d'Orn. I (1820), LXXXVI. — Pclzeln, Joui 11. 1. Orn. (1872) 26 und Ibis (1873) 21. — Sharpc, Cat. Birds Brit. Mus. X (1885), 5. Ein Männchen und ein Weibchen. Diese beiden typischen Exemplare aus dem Museum Leverianum, als deren Heimat Owhyhee angegeben wird, dürften wohl von Cook's Reisen herrühren; eines dieser Exemplare diente auch als Original zu Vieillot's Ois. Dor. II, t. 63. — Ein drittes Exemplar befand sich in der Sammlung von Levaillant und wird jetzt im Leydener Museum aufbewahrt. Unseres Wissens ist ausser den. drei erwähnten seither kein anderes Individuum nach Europa ge- langt. Diese merkwürdige Art, deren Federn zur Anfertigung der Mäntel für Häuptlinge sehr gesucht waren, scheint seit Decennien ausgerottet zu sein. Psittirostra psittacea. Parrot-billcd Grosbcak I-atham, Gen. Syn. III, 108, t. 42. Parroquet, Cook's Last. Voy. III, 119. Loxia psittacea Gmelin, Syst. nat. I (1788), 844. — I.atham, Ind. Orn. 1, 371. Psittirostra psittacea Gmelin, Temminck, Man. d'Orn. 1 (1820), LXX. — Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. X, 51. Ein Männchen ist das Original von Latham's Beschreibung und Abbildung des oberen gelbköpfigen Männchens. Es war mit Nr. 79 (Verkaufskatalog 4270) bezeichnet und als dessen Heimat die Sandwichinseln angegeben. Temminck (PI. Col. 457) theilt mit, dass er zwei Exemplare in Lewer's Sammlung sah und der Meinung sei, dass sie unzweifelhaft während Cook's Reise gesammelt worden waren. Ueber das Schicksal des zweiten von Latham abgebildeten Vogels ist uns nichts bekannt. Acanthorhynchus tenuirostris. Slender billed Creeper Latham, Gen. Synops., Suppl. II, 1G5, 22, t. 129. Certliia tenuirostris Latham, Ind. Orn., Suppl. XXXVI, 5. Acanthorhynclius tenuirostris Latham, Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX, 144. Ein Männchen von Fichtel (1806) aus dem Museum Leverianum acquirirt; wahrscheinlich Latham's Original. Melirrhophetes leucostephes. Melirrhophetes leitcosteplies Meyer A. B., Sitzungsber. k. Akad. Wien LXX (1874), 110. — Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX, 289. Ein authentisches Exemplar dieser z\rt aus Ncu-Guinca (1878) von Mever erhalten. Melitograis gilolensis. Melipliaga gilolensis Temminck, Mus. Lugd. (teste Salvad.). Tropidorliynchiis gilolensis Temminck, Bon aparte, Consp, Gen. Av. 390. Melitograis giloloisis Temminck, Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX, 282. Ein Männchen von Gilolo (i863) aus dem Leydener Museum erhalten; authentisches Exemplar. Anthoniis melanura. Certliia melanura Sparrmann, Mus. Carlson (1786), t. 5. Anthornis rußceps Pelzein, Verh. zool.-bot. Gesellsch. Wien (1867) 316. Anthoniis melanura Sparrmann, Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX, 255. Ein typisches Exemplar von A, ruficeps (1866) von Dr. Haast aus Neu-See- land erhalten. 204 August von Pelzein und Dr. Ludwig von Lorenz. Pliilcinon tiinorlaocnsis. Philcmon timorlaooisis .Mcycr A.B., Isis, Abliandl. (1884) I, 7, 41. Ein authcntisclies Exemplar von Timorlaut (1S84) durch Mever's Vermitt- lung erhalten. Zoster ops einer eiis. DrcyiDiis ciiiox'a Kittlitz, Mcm. Alafrcsnay, Mag. Zool. (1832), t. 7. Xenops anabatoides Temminck, PI. Col., t. 150, Fig. 2. Anabatoidex fiisciis Vieillol, Sclater et Salvin, Nomencl. Av. Neotr. 66. Zwei Männchen und drei Weibchen von Nattcrer in Süd-BrasiHen (Mato- dentro, Ypanenia) t^esammelt; Originale von A'. anabatoides. Xenops approximans. Xenops approximans Pelzcln, Sitzungsbcr. k. Akad. Wien XXXIV (1859), 113 und Orn. Bras. 41. Zwei Männchen und ein Weibchen von Natterer am Rio Madeira, Rio Negro (Marabitanas) und an dessen Nebenfluss Icanna gesammelt; Original-Exemplare. Xenops mexicanns. Xenops mexicanns Sclater, P. Z. S. (1856) 28g. — Gray, Handlist, spec. 2356. Ein Männchen aus Vera Paz, 1 866 von Salvin erhalten, stimmt nach Angabe dieses Forschers mit Sclater's Type überein. Xenops temiirostris. Xenops temiirostris Pelzeln, Sitzungsber. k. Akad. Wien'XXXlV (1859), 112. — Gray, Handlist, spec. 2360. Ein Männchen durch Natterer vom Rio Madeira (Salto Girao) erhalten ; Original-Exemplar. Sittasomus stictolaemiis. Sittasomns stictolaemii-i Pelz ein, Orn. Bras. 42, 59. Ein Weibchen von Natterer zu Borba am unteren Madeira gesammelt; Original-Exemplar. Margarornis brunescens. Margarornis brunescens Sclater, P. Z. S. (1856) 27, t. CXVI. Ein Exemplar aus Bogota 1 869 von Sclater erhalten; authentisches Exemplar. Glyphorhynchus major. Glrphorliynchus pectoralis Sclater et Salvin, P. Z. S. (1860) 299. Gh'pliorlirnclnis major Sclater, P. Z. S. (1862) 369. Ein Exemplar aus Vera Paz von Salvin 1 866 mit der Bestimmung G. pecto- ralis erhalten; authentisches Exemplar. Dendrocincla minor. Dendrocincla minor Pelzeln, Orn. Bras. 42, 60. — Gray, Handlist, spec. 2456. Ein Weibchen aus S.Vincente (Provinz Matogrosso) durch Natterer erhalten; Original. Dendrocincla longicauda. Dendrocincla longicauda Natterer, Pelzeln, Orn. Bras. 42, 60. — Sclater et Sal\in, Nomencl. Av. Neotr. 67. Drei Männchen und ein Weibchen am unteren Madeira (^Borba) und Rio Negro (Marabitanas und Barra) von Natterer gesammelt; Original-Exemplare. Bendrocolaptes pallescens. Dendrocolaptes pallescens Pelzeln, Orn. Bras. 43, 61. — Gray, Handlist, spec. 2381. Ein Männchen und ein Weibchen von Natterer nahe der bolivischen Grenze (Estiva und Engenho do Capt. Gama) gesammelt; Original- Exemplare. Typen der ornithologischen Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums. 26g Dendrocolaptes concolor. Dcndrocolaptes concolor Pelz ein, Orn. Bras. 43, 62. — Sclater et Salvin, Nomencl. Av. Neotr. 67. Vier Männchen und ein Weihchen von Natterer in der Provinz Matogrosso und ani Rio Madeira gesammelt; Original-Exemplare. Dendrornis erythropygius. Dendroi-nis erytltropygiiif: Sclater, P. Z. S. (1859) 366. — Sclater et Salvin, Ibis (1860) 35. Ein authentisches Exemplar aus Vera Paz 1866 von Salvin erhalten; dasselbe stimmt nach Angabe dieses Forschers mit Sclater's Type überein. Dendrornis elegans. Dendrornis elegans Pelzeln, Orn. Bras. 45, 63. — Sclater et Salvin, Nomencl. Av. Neotr. 68. Drei Männchen und ein Weibchen von Natterer in Brasilien nahe der bolivi- schen Grenze gesammelt; Original-Exemplare. Dendroplex similis. Dendroplex similis Natter er, Pelzeln, Orn. Bras. 46, 64. — Gray, Handlist, spec. 2399. Sieben Männchen und zwölf Weibchen in Brasilien längs des Madeira und Rio Negro von Natterer gesammelt; Original-Exemplare. Picolaptes fuscicapillus. Picolaptes fitscicapillus Pelzeln, Orn. Bras. 44, 63. — Sclater et Salvin, Nomencl. Av. Neotr. 69. Zwei Männchen und zwei Weibchen von Natterer aus West-Brasilien (Engenho do Capt. Gama) erhalten; Original-Exemplare. Oxyrhamphus f rater. Oxyrhamphus frater Sclater et Salvin, P. Z. S. (1868) 326. — Gray, Handlist, spec. 2372. Ein Männchen ausVeragua 1 871 von Salvin erhalten; authentisches Exemplar. Familia : Sittidae. Sitta europaea j'ar. iiralensis. Sitta uralensis Lichtenstein, Gloger, Handb. 377 (nota). Ein authentisches Exemplar der S. uralensis 1826 aus dem Berliner Museum erhalten. Sitta Krüperi. Sitta Kriiperi Pelzeln, Sitzungsber. k. Akad. Wien XLVIJI (1863). — Sclater, Ibis (1865) 306, t. 7. Zwei von Krüper bei Srayrna gesammelte Exemplare (Männchen und Weib- chen) von diesem i863 und i865 acquirirt; Originale. Sittella chrysoptera. Orange winged Niithatch Latham, Synops., Suppl. 11, 146, 3, t. 227. Sitta chrysoptera Latham, Ind. Orn. II, Suppl. XXXII. Sittella chrysoptera Latham, Gray, Handlist, spec. 2502. Ein Exemplar 1806 durch Fichtel aus dem Museum Levcrianum bezogen; Latham's Original. Xenicus Stokesi. Xeniciis Stokesi Gray, Ibis (1862) 219. Xenicus gilviventris Pelzeln, Vei'handl. zool.-bot. Gesellsch. Wien (1867) 316. Ein Exemplar 1866 durch Haast aus Neu -Seeland erhalten; Original von X. gilviventris. Aimalen des U. k. naturhistorischeii Hotmuscums, Bd. I, Helt 4, 1886. 19 270 I A. V. Pelzein 11. Dr. L. v. Lorenz. Typen der ornith. Samml. des k. k. naturhist. Hofmuseums. Familia: Certhidae. Certhia brachydactyla. m Certhia brachydactyla Brehm, Beitr. I (1820), 570—587- " Ein Männchen von L. Brehm 1 858 erhalten; authentisches Exemplar. Familia: Pteroptochidae. Hylactes megapodius. ^ Ptcroptochus megapodius Kiitlitz, Kupfert., t. 16, Fig. i. Ein authentisches Exemplar aus Chile i83q durch das Petersburger Museum erhalten. Familia: Troglodytidae. Troglodytes solstitialis. Troglodytcs solstitialis Sclater, P. Z. S. (1858) 550. — Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. VI, 260. Ein authentisches Exemplar aus Bogota 1871 durch Sclater erhalten. Thiyophilus minor. Thryothonis minor Pelzeln, Orn. Bras. 47, 66. Thryophiliis minor Pelzeln, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. VI, 207. Drei Männchen und zwei Weibchen durch Natterer aus Matogrosso in West- Brasilien erhalten; Original-Exemplar. Odontorhynchus cinereus. Opetiorhynchiis cinereus Natterer, in Mus. Vindob. Odontorhynchus cinereus Natterer, Pelzeln, Orn. bras. 48, 67. — Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. VI, 184, 403. — Taczanowski und Berlcpsch, P. Z. S. (1885) 67. Ein junges Weibchen, durch Natterer am Salto do Girao des Rio Madeira gesammelt, ist Tvpe der Gattung und Art. Campylovhynchus variegatus. Turdus variegatus Gmelin, Syst. Nat. I, 817. Tiirdus scolopaceus Lichtenstein, Doubl.-Verz. 39. Campylorhynchus variegatus Gmelin, Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. VI, 188. Ein Weibchen aus Brasihen im Jahre iBig vom Berliner Museum in Tausch erhalten; authentisches Exemplar von T. scolopaceus. Campylorhynchus pinetorum. Troglodytes pinetorum Lichten st ein, in Mus. Berol. Campylorhynchus pinetorum Lichtenstein, Nomencl. Av. (1854) 35. Ein authentisches Exemplar aus Mexico 1826 vom Berliner Museum gekauft. Ileleodytes bicolor. ? Ileleodytes griseus Baird, Rev. Amer. B. 96 (nee Swains). Ileleodytes bicolor Pelzeln, Ibis (1875) 330. Campylorhynchus bicolor Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. VI, 187. Das typische Exemplar, ein Männchen, wurde im .Tahrc 1875 von Hodek gekauft und ist von Münzherg in Spanisch-Guiana gesammelt. . Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. Nach den Ergebnissen einer dahin im Jahre i885 unternommenen Reise und den in der Literatur vorhandenen Angaben bearbeitet von Dr. Günther Beck. Einleitung. Was hier als eine »Flora von Südbosnien« geboten wird, möge als ein Versuch betrachtet werden, das über dieses Land in botanischer Beziehung bisher Bekannte mit den Ergebnissen meiner Reise in ein einheitliches Ganze zu vereinen. Er entsprang aus dem Bewusstsein, nicht Unwesentliches zur Erforschung dieses Landes beitragen zu können, aber auch unter der Erkenntniss, der obwaltenden Umstände wegen nur Un- vollständiges liefern zu können, das vielleicht den Vorwurf eines verfrühten Beginnens nach sich zu ziehen vermag. Möge demnach unter dieser Voraussetzung das Gebotene beurtheilt und die von mir gehegte Zuversicht Bestätigung finden, dass es mir gelang, durch die Verknüpfung der älteren, namentlich aus den Thälern entnommenen Beob- achtungen mit den von mir im Hochgebirge gesammelten Aufzeichnungen ein Werk zu schaffen, aus dem wenigstens in allgemeinen Zügen der Charakter der südbosnischen Vegetation erkannt werden kann. Allgemeiner Theil. /. Begreniiing des Gebietes. Da Südbosnien") weder ein politisch noch geographisch abgeschlossenes Terri- torium in sich begreift, mögen der Umgrenzung desselben einige Zeilen gewidmet werden. Bei der Festsetzung derselben können die geologischen Verhältnisse dieses Theiles Bosniens an vielen Stellen, namentlich in der westlichen Hälfte, wohl verwerthet werden, nur im Südosten und Süden schafft die politische Landesgrenze Bosniens gegen Serbien und den Sandschak von Novibazar künstlichen Abschluss. Die nördliche Grenze um- schreibt das Gebiet von der 2epa (einem linken Nebenflusse der Drina) über die Kraljevo Planina nach Vlasenica und von dort südwestlich gegen den Ozren, wobei fast das ganze nordöstlich von Sarajevo liegende, aus Triaskalken gebildete Bergland dem Gebiete I) Diese Bezeichnung wurde lediglich zur Bezeichnung der geographischen Lage des Gebietes in Anwendung gebracht. 19* 2-72 ^^' Günther Beck. zufällt. Durch die Verlängerung der Grenze vom Ozren längs der Bosna am nordwest- lichen Rande des Sarajevsko polje, dann entlang der Zujevina über BlazuJ, Pazaric nach Tarcin und von hier über den Ivan weiter nach Konjica in die Herzegovina wurden hier wie gegen Serbien die paläozoischen Schiefer (von Foinica und Kresevo) ausge- schieden und dem Gebiete das Kalkland zugewiesen. Der Lauf der Neretva von Konjica aufwärts zu deren Quellen und weiter bis an die montenegrinische Grenze schliesst das Territorium zweckmässig gegen Südwesten ab. Ausserdem wurde jedoch noch der gewaltige, von den Fluthen der Neretva umschlungene Gebirgsstock der Prenj Planina einbezogen, weil hiedurch wie im obersten Laufe der Neretva eine naturgemässe Um- grenzung des Gebietes durch die Scheidelinie der Trias- und Jurakalke von den Kreide- kalken im Süden der Prenj Planina geschaffen wird. Durch diese Begrenzung Südbosniens werden im Norden die Flyschcomplexe, im Nordosten und Nordwesten die paläozoischen Schiefer, im Südwesten die Kreidekalke ausgeschlossen, und man erhält ein von ziemlich natürlichen Grenzen umschriebenes, vorwiegend aus Trias- und Jurakalken gebildetes Areale, welches eine grosse von Wer- fener Schiefern umsäumte Insel paläozoischen Gesteines in sich einschliesst. //. Oro- und hydrographische Verhältnisse. Südbosnien verdient in vollem Masse ein Bergland genannt zu werden, denn mit Ausnahme des nur 14 Kilom. langen und etwa 6 Kilom. breiten Sarajevsko polje und des an manchen Stellen etwas erweiterten Drinathales weist es gar keine nennenswerthen Thalflächen auf und besteht nur aus Berg- und Hochgebirgsland. Im westlichen Theile zwischen den von Südost nach Nordwest gerichteten Läufen der Neretva und Bosna (mit der Zeljesnica) tritt der Hauptzug der dinarischen Kalkalpen in das Land ein und durchsetzt es in mehreren ziemlich parallelen, von Nordwest nach Südost streichenden Zügen bis zur Landesgrenze gegen den schon in Montenegro liegen- den Dormitor (2606 M.). Er beginnt mit der in jähen Felsabstürzen gegen Tarrin ab- stürzenden Hranicava (circa 1900 M.) und dem langen Rücken der Bjelasnica (2067 M.), welch' erstere sich durch die Jelica und Visoeica Planina (1964 M.) in grossartigem Bogen mit dem gewaltigen Gebirgsstocke der Treskavica (2128 M.) verbindet und die zusammen das malerische Hochplateau von Umoljane und Ledici umrahmen. Während die Treska- vica gegen letzteres in steilen, zumeist unzugänglichen Wänden abstürzt, fällt sie auf der anderen Seite in sanfteren Böschungen gegen das Hochplateau der Zagorje ab, welches wieder im Süden von der Fortsetzung des Hauptzuges, von der sich hochaufthürmen- den Leljia (2034 M.) und Dumos Planina (1877 M.) umschlossen wird. Es folgen sodann in gleichem Zuge die Treskovac Planina (Tovarnica, 1871 M.) und die gigantischen, zerklüfteten Hochgipfel des Volujak und der Maglic Planina (2888 M.), die nach Monte- negro übertreten und deren Zug die Sutjeska durch eine wildromantische Schlucht quer durchbrochen hat. Parallel mit dieser Hauptkette der dinarischen Alpen läuft am rechten Ufer der Zeljesnica ein Bergzug, der als Fortsetzung der Bjelasnica gelten kann, aber von dieser durch die von Trnovo bis zum Sarajevsko polje tief eingerissene Schlucht der Zeljesnica getrennt erscheint. Er beginnt mit dem Crni vrh (181 3 M.) und setzt sich über den mächtigen Rücken der Gola Jahorina (Korjen Planina, 191 1) einerseits über den Stolac zur Drina, andererseits gegen Westen in bewaldeten Kuppen gegen das Praca- thal fort. Unter den nach Nordwesten ziehenden Ausläufern dieser Kette ist der südöst- lich von Sarajevo bis zu i63o M. ansteigende Rücken des Trebovie zu erwähnen. Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. 273 Im Osten des Gebietes erreichen die Berge geringere Höhen und besitzen mehr den Charakter von minderzerklüfteten Massivgebirgen. Die Romanja Planina (1628 M.) mit ausgedehnten Hochebenen, der von Westen nach Osten streichende Gebirsszua nördlich von Sarajevo mit dem Ozren (1452 M.), der Babinska, Kuta-, Kopita-, Ploca-, Kraljevo-, Javor (1406 M.) Planina sind von diesen als hervorragend zu bezeichnen und bilden die Wasserscheide der Bosna und Drina. Aehnlich verhalten sich die Gebirge südlich der Drina, die Kovac Planina (1439 M.) und die zwischen der Tara und Ceho- tina eingekeilte Ljubicna Planina (2236 M.). Der mächtige Gebirgsstock der in das Gebiet einbezogenen Prenj Planina (2102 M.) gehört einer mit dem erwähnten Hauptzuge der dinarischen Alpen gleichlaufenden Kette an, welche in ihrem Verlaufe durch die hercegovinischen Höhen der Vranj- (2074 M.), Maglenica-, Cvrstnica- (2227 M.) und Plasa- (circa 2000 M.), Prenj-, Porim-, Velez- (1968 M.) und Cervanj Planina (1920 M.) festgesetzt werden kann. In hydrographischer Beziehung gehört Südbosnien durch die Drina und Bosna dem Stromgebiete der Donau, durch die in die Neretva zueilenden Wasseradern jenem der Narenta an. Der bedeutendste Fluss des Gebietes ist die Drina, dem wohl zwei Dritttheile des ganzen Territoriums zufällt. Entstanden aus dem Zusammenflusse der aus Montene^Tro kommenden Tara und Piva betritt sie das Land an der Vereinigungsstelle der letzteren bei Hum an der Südgrenze und durchströmt es in zahlreichen Windungen zuerst in nördlicher, dann von Foca an in nordöstlicher Richtung in einer Länge von circa i5o Kilom. Als bedeutendere Nebenflüsse derselben sind zu nennen: am linken Ufer die Sutjeska, in der Lebrsnik Planina (1859 M.) entspringend und bei Bastaci ein- mündend, die Bistrica, vom Vratlo (Treskavica) ihren Ursprung nehmend und bei Brod sich ergiessend, die von der Gola Jahorina kommende Praca und die von der Kraljevo Planina abfliessende Zepa; auf dem rechten Ufer die wilde Cehotina und der mächtige Lim, beide aus dem Sandschak von Novibazar der Drina zuströmend. Die Bosna entspringt aus einer mächtigen Quelle am Fusse des Igman bei Blazuj, am Ostrande des Sarajevsko polje und schwellt ihre Gewässer bald durch die von der Treskavica kommende viel stärkere Zeljesnica und durch die der Romanja Planina entstammende Miljacka noch in demselben. Nach einem etwa i5 Kilom. langen Laufe verlässt sie das Gebiet, gegen Nordwesten fliessend. Das Quellgebiet eines ihrer stärksten rechten Nebenflüsse, der Krivaja, liegt noch im Gebiete auf der Nordseite der die Landeshauptstadt im Norden umgebenden Kalkberge. Der Narenta (Neretva) gehören blos die vom Hauptzuge der dinarischen Alpen in südwestlichem Laufe derselben zueilenden Wasseradern an, unter welchen die Ra- kitnicaund Ljuta, der Treskavica und dem Hochplateau von Umoljane entstammend, sowie die vom Ivan abfliessende Tesanica (Trstenica) aufzuführen sind. An Seen finden sich nur einige kleine vor. So der Jezero bei Borke in der Herce- govina und die »tri jezera« in der Alpenregion der Treskavica, welche eigentlich aus einer einzigen, an dem Fusse einer Endmoräne eines alten Gletschers ausgebreiteten Wasserfläche bestehen. Letztere dürfte kaum einen halben Kilometer Länge erreichen. Auch auf dem Volujak an der montenegrinischen Grenze findet sich ein kleiner Gebirgs- see. Sümpfe gibt es nur im Sarajevsko polje in etwas grösserer Ausdehnung, namentlich am Fusse des Igman, wo zahlreiche Quellen aufsprudeln und bei mangelnder Ableitung die vorlagernden Wiesen in periodisch unzugängliche Moräste verwandeln. Torfmoore konnte ich nirgends auffinden. 74 Dr. Günther Beck. ///. Geologische Uebersicht. ') Schon bei der Begrenzung des zu Südbosnien gehörigen Territoriums wurde durch Scheidehnien geologischer Formationen dem Gebiete fast aller Kalkboden der Trias- und Juraformation zugewiesen. Aus der Betrachtung der geologischen Ueber- sichtskarte von Bosnien-Hercegovina ergibt sich unter Berücksichtigung der vollführten Umschreibung Südbosniens, dass das ganze Hochgebirgsland aus den genannten Ge- steinsarten sich zusammensetzt, und zwar in der Weise, dass dem Triaskalke der Fuss derselben, dem Jurakalke aber die Gipfel derselben zufallen; für die Vegetation nur insoferne belangreichere Thatsachen, als sich im festen Jurakalke die der Vege- tation tauglichen Standorte in auffallender Weise verringern. Die karstbildenden, vege- tationsarmen Kalke der Kreideformation treten im Gebiete nicht mehr auf,-) Umschlossen von den fast drei Viertheile des Gesammtareales einnehmenden Kalkbergen befindet sich zu beiden Seiten der Drina eine ausgedehntere Insel paläo- zoischer Schiefer, welche, da sie eine Reihe von besonderen Pflanzen birgt,^) Auf- merksamkeit verdient. Diese Schiefer reichen von Gorazda bis Foca und von Cajnica bis an die Gola Jahorina und bilden überdies die Thalhänge an der Cehotina und an der Drina bis an die Landesgrenze. Auch in der näheren Umgegend von Praca, an der Zepa und im oberen Tesanicathale gegen den Ivan finden sich noch kleinere Areale dieser paläozoischen Schiefer. Sie bestehen aus »schwarzen, grösstentheils sehr eben- flächigen, überaus fein gefältelten, zarten Thonschiefern, die mit silbergrauer Farbe zu verwittern pflegen, ein mattglänzendes Aussehen besitzen und mit gröber gefältelten, mehr thonghmmerschieferartig glänzenden, knolligen und unebenen Lagen wechseln. Etwas mehr glimmerig-sandige Beschaffenheit ist ebenfalls nicht selten und vermittelt _gewissermassen das Auftreten von mächtigen Einlagerungen massig geschichteter Sand- steine und Quarcite«. Diese Schiefer werden überall überlagert von Werfener Schiefer, welcher ausser- dem die Thalhänge der Miljacka sammt deren Seitenschluchten, sowie jene der Zeljesnica bekleidet. Sie besitzen ebenfalls eine Reihe dem Kalkboden fremder Gewächse +) und bestehen aus rothen und grünen Schiefern, an der Miljacka aus feineren oder gröberen, weissen Glimmer führenden hellgefärbten Sandsteinen, die mit mehr mergeligen oder sandig-thonigen Schichten wechsellagern, an der Zeljesnica aus Schiefer und Sandsteinen mit eingelagerten Kalkschichten. ') Vergleiche: Karte und Grundlinien der Geologie von Bosnien-Hercegovina; Erläuterungen zur geologischen Uebersichtskarte dieser Länder von Dr. E. v. Mojsisovics, Dr. E. Tietze, Dr. A. Bittner. Wien, 1880. 2) Es könnte immerhin nicht unmöglich sein, wie es schon Bittner in: Grundlinien der Geo- logie von Bosnien-Hercegovina, pag. 229, bemerkt, dass auf der Prenj Planina Kreidekalke nachge- wiesen wurden. Die grosse Verwandtschaft der Vegetation dieser Planina mit jener der aus Kreide- kalken aufgebauten Hochgebirge der Hercegovina scheint dies wahrscheinlich zu machen. Es finden sich z. B. nur auf der Prenj Planina und den herccgovinisch-montenegrinischen Gebirgen, nicht aber auf den bosnischen Hochgebirgen Pinus leiicodcvmis, Senecio Visianianus, Paronychia imbricatci; Scrophularia laciniata, Calamintha croatica, Stachys sitbcrenata, Asperula hexaphylla. 3) Galega ofßcinalis, Sedum cepaea, Cytisus austriacus, Silene Armeria, Festuca montana, Phegopteris polypodioides, Sambuciis racemosa, Dianthiis arnicria, Trifolium ochroleucum, Aristo- lochia Clematitis, Atropa Belladonna, Salvia amplexicaiilis, Campanula cervicaria. 4) Ornithogalum pyrenaicum, Viscaria vulgaris, Lychnis coronaria, Dianthus deltoidcs, Orcliis saccigera, Malva moschata, Polygala comosa, Polygala major. Sedum dasyphyllum, Sedum glaucum. Rubus hirtus, Trifolium pannonicum. Calluna vulgaris. Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. 275 In der südöstlichen Ecke des Gebietes bei Visegrad tritft man Eruptivgesteine in geringer Ausdehnung an, die der Hauptmasse nach aus Ohvingabbro bestehen; der- selbe enthält ausser Olivin und Labradorit auch Diallag als herrschenden Gemengtheil und ist dort, wo derselbe als frisches Gestein zu Tage steht, in Serpentin umgewandelt. Leider ist über die Flora dieser Gegend noch nichts bekannt geworden. Neogene Süsswasserbildungen finden sich im Gebiete nur in geringer Menge vor, so am Ostrande des Sarajevsko polje, bei Tarcin, auf der Hochebene von Glasivac bei Rogatica, endlich bei Lisisic an der Narenta. Sie bestehen aus blauen Thonen, Sand, Sandsteinen, sandigen Mergeln, Schotter und Conglomeration und bieten in ihrer Vege- tation nichts Bemerkenswerthes dar. IV. Klima. lieber die klimatischen Verhältnisse Südbosniens wurde bisher nur wenig bekannt. Nach Hunn') »kommen die mittleren Lufttemperatur-Verhältnisse Sarajevos jenen von Wien sehr nahe, indem die Landeshauptstadt bei 540 M. Seehöhe als mittlere Lufttem- peratur — i-4"C. im Jänner, i8-4*' C. im Juli und 9-2*^ C. im Jahre aufweist. Hingegen sinken die Kälteextreme im Winter viel tiefer herab und werden — 20 bis — 25" C. nicht selten beobachtet. Schneefälle scheinen bis um die Mitte des Mai regelmässig vor- zukommen; der erste Schnee fällt schon Ende October. Auf diese Zeit fällt auch der erste Frost, der letzte hingegen auf die Mitte des April. Durchschnittlich zählt man zu Sarajevo 19-4 Schneetagc. Die jährliche Niederschlagsmenge ist ziemlich beträchtlich, der grösste Theil davon fällt im Sommer«. Soweit die Vegetation Aufschluss über die klimatischen Verhältnisse Sarajevos erlaubt, insbesondere aus dem Grunde, dass in unmittelbarer Nähe der Landeshaupt- stadt, wie erwähnt, zahlreiche Voralpengewächse sich angesiedelt haben, Wein und süd- lichere Obstbäume nicht mehr im Freilande gut gedeihen, dürfte die oberwähnte mittlere Jahrestemperatur der Luft nach längerer Beobachtungsreihe wohl unter 9" C. sinken. Die von J. Zoch in den Jahren 1880 bis 1882 vollführten phytophänologischen Beobachtungen-) gestatten ausserdem einige weitere Aufschlüsse über das Klima daselbst abzuleiten, wenn dieselben mit jenen von Wien in Vergleich gebracht werden. Zu diesem Zwecke mögen dieselben hier nebeneinander gestellt werden. Entwicklung der ersten Blüthe (B.) und Frucht (F.) bei Eintrittszeit (Mittel) Sarajevo-) (1880 -1882) Wien-') In Sarajevo um Tage früher später Corylus Avellana B. Galantims invalis B. Viola odorata B. Corniis mas B. Prunus Anueiiiaca B. 4. März 5- „ 12. „ 21. „ 7. April 7. März 22. 25. I. April 10 4 1) Hann in: Die österreichisch-ungarische Monarchie, Uebersichtsb., pag. 181 (1886). ^) Zoch J., Phytophänologische Beobachtungen in Godisne izvjesce c. k. Realne Gimn. Sarajevu, 1881 — 1882, pag. 28. 3) P'ritsch K., Ergebnisse mehrjähriger Beobachtungen über die periodischen Erscheinungen in der Flora und Fauna Wiens, 1865. 276 Dr. Günther Beck. EntNvicklung der ersten Blüthe (B.) und Frucht (F.) bei Eintrittszeit (Mittel) Sarajevo (1880—1882) Wien In Sarajevo um Tage früher später Persica vulgaris B. Prunus Avium B. Pirus malus B. Prunus spinosa B. Cytisus Laburnum B. Convallaria. niajalis B. Aesculus hippocastanum ... B. Sambucus nigra B. Robinia pseudoacacia .... B. Triticum vulgare B. Fragaria vesca F. Seeale cereale B. Hordeum vulgare B. Vitis vinifera B. Prunus Armeniaca F. Zea Mays B. Sambucus nigra F. Vitis vinifera F. Colchicum autumnale .... B. Aesculus hippocastanum ... F. Fagus silvatica F. Quercus pedunculata F. i5. April 16. „ 16. 7. Mai 16. „ 19- n 7. Juni 8. „ o o o 1. Juli II. „ 16. August 7. Sept. 25. „ 2. Oct. 4- „ i3. „ 10. April 10. „ I. Mai 10, April 10. Mai 28. April 17. Mai 23. „ 6. Juni o ->. ;: 20. Mai I 5. Juni 12. „ g. Juli 26. „ I. August 7- ;, 12. „ 8. Sept. 18. „ 16. „ 4 19 8 i5 ib 3i 44 24 16 27 Aus dieser Tabelle kann mit Rücksicht auf die Temperaturverhältnisse Wiens, die hier eingeschaltet werden mögen, Wien (Stadt) 194 Meter. Dec. Jan. Febr. März April Mai Juni Juli Aug. Sept. Oct. Nov. — o'8 — 1*3 o"4 4'2 lo'o i5*i i8*ö 20'3 ig'ö lö'i io'5 3*7 Jahr: g'7. Folgendes entnommen werden. Im ersten Frühjahre (März) scheinen in Sarajevo höhere Lufttemperaturen zu herrschen, sodann folgt ein kühlerer Frühling, gewöhnlich mit Schneefällen im Mai (nach Zoch 20. Mai 1880, 10. Mai 1881, i5. Mai 1882). Hierauf steigt die Temperatur allmälig bis zu den heissesten und trockensten Monaten Juli und August, in welchen nach Zoch die Weiden vergilben. Diese Augusthitze und Dürre erklärt wohl zur Genüge die auffällige starke Verspätung aller phänologischen Erscheinungen im August und September obiger Tabelle. Das Drinathal zwischen Foca und Gorazda dürfte nach meinen Beobachtungen ein Jahrestemperaturmittel von 9 bis 10" C. besitzen und ohne Zweifel dem daselbst durch türkische Wirthschaft vernichteten Weinbau zugänglich sein. Höhere Temperaturen und gewiss ein viel heisserer Sommer kommt dem ober- sten Narentathale bei Konjica zu. Das massigere Auftreten der Mediterranflora, von Flora von Südbosnien und der angrenzenden Herccgovina. 277 Kastanien, südlichen Obstbäumen etc. lässt ein Jahrestemperaturmittcl von 12^ C. wohl als wahrscheinlich vermuthen. Es möge noch gestattet sein, die von mir gemachten Qucllentemperaturmessungen hier anzufügen, aus denen immerhin einige Anhaltspunkte für Boden- und Lufttempe- ratur entnommen werden können. (Es sind in diesem Verzeichnisse nur solche Quellen aufgenommen, die unmittelbar aus der Erde hervorbrechen, daher keine Alteration ihrer ursprünglichen Temperatur erlitten.) Quelle Grö5 Höhen- lage in Metern Hans Tag der Messuns Grad Celsius Am Fusse des Kobilji brdo an der Zeljesnica Am Fusse des Orlovac im Miljackathale . . . Auf dem Gradonj bei Sarajevo »Johanna«-Quelle am Ausgange der Lapisnica- schlucht bei Sarajevo Am Fusse des Mojmilo bei Svrakino selo nächst Sarajevo Am Brdo nördlich des Bahnhofes von Sarajevo Ober Hrit auf dem Trebovic )) )7 11 5? 11 Unter Han Setluci gegen die Miljacka Unter Starigrad an der Miljacka Auf dem Poprenik nächst Han Setluci .... Unter Ilovici an der Zeljesnica Bei Mrkovic nördlich von Sarajevo »Glisura« bei Dodici »Omerova cesma« an der Strasse Sarajevo — Mokro Bei Hresa an der Strasse Sarajevo — Mokro . Bei Brezovica an der Strasse Sarajevo — Mokro »Dobra voda« auf dem Trebovic Am Hange der Hranicava »Bolja novac« an der Treskavica bei Toäici Auf dem Trebovic »Bjela voda« Südhang der Bjelasnica Bei Na Romanja auf der Romanja Planina . Beim See auf der Treskavica Unter der Baumgrenze auf der BjelaJnica . . In der Alpenregion der Prenj Planina . , . . klein sehr stark klein stark ziemlich stark klein ziemlich stark klein stark klein stark klein ziemlich stark stark klein stark ziemlich stark klein 580 ca. 600 „ 600 „ 600 „ 600 „ 700 „ 750 „ 700 „ 700 „ Soo „ 850 „ 900 „ 1000 1041 „ 1000 „ 1 1 00 „ II 00 „ 1200 ,, 1 200 :, 1300 1400 „ 1400 ,, 1450 „ 1 600 .. 1 700 sw. NO. SSW. w, NW. s. NO. NO. SO. w. w. \v. s. s. N. NW. SO. NO. NW. NO. O. S. NW. N. O. 5- Juni 10-5 0. Mai 9-0 6. II-8 28. 3- Juni 9-8 7- „ iro 31. Mai 10-0 31. „ 9-0 13- Juni 10-3 13- „ 10-2 13. „ II -0 27. „ lo-o 26. „ 9-2 -3- " 10-2 II. „ 9-8 0. „ ii-o 1 1. „ 10-8 27. Mai 8-5 16 Juni 7'5 28. ., 6-;, 10-3 Mai Juni 10. 28. Juli 6-5 7-0 3-5') 5-8 5'2 Da das Wärmemittel der Quellen im Juni nach W. Gümbel-) ihrer mittleren Jahrestemperatur zunächst steht, dürfte es gestattet sein, aus den vorliegenden Quellen- messungen doch wenigstens Anhaltspunkte zu gewinnen, um die mittleren Jahrestempe- raturen anderer Orte und Höhenregionen annäherungsweise durch die Benützung der von Gümbel aufgestellten Tabelle^) zu bestimmen. Man erhält ein Resultat, das mit dem von Hann ziffermässig abgeleiteten in der ersten Colonne merkwürdigerweise vollkommen übereinstimmt. (Siehe nächste Seite.) ') Offenbar durch Schmelzwasser erkältet. 2) W. Gümbel: Wärme des Bodens in Sendtner's \"egetationsverhältnisse Südbaierns, 1854, pag. 74. 3) Gümbel l. c, pag. 74, Tabelle XV. 278 Dr. Günther Beck. Höhe in Metern Lufttemperatur . Höhe in Metern Lufttemperatur , 500 — 600 9-2 — 700 9-3 -800 9-1 -yoo 87 ■1000 9-6 -IIOÜ 87 — 1 20 J 57 -1300 47 - 1400 5-' — 1500 — 1600 — 1700 V. Pflanienregionen. In Folge der allgemeinen höheren Elevation des Bodens und des Mangels ausge- dehnteren Tieflandes kann man in Südhosnien nur zwei Pflanzenregionen schärfer von einander gliedern. Die eine hievon ist die Voralpenregion, welche fast das ganze Land bis an die Baumgrenze umfasst, die andere die Alpenregion, von der oberen Grenze des Baumwuchses bis auf die Spitzen der Hochgebirge reichend. Eine Bergregion son- dert sich nicht ab. Es finden sich zwar in den wärmeren Thälern vielfach Gewächse vor, die ihr eigenthümlich sind, jedoch unmittelbar neben ihnen auch schon massiger auftretende Voralpenpflanzen, die physiognomisch schärfer hervortreten und demnach mehr berechtigen, auch dieses Terrain der Voralpenregion zuzurechnen. Solche Stellen gibt es mehrere; am auffälligsten jedoch tritt diese Vermengung von Berg- und Vor- alpenpflanzen bei Sarajevo vor Augen, wo die Hänge des Trebovic von typischen Vor- alpen- (präalpinen) Gewächsen (Lonicera alpigena, Vaccinium vitis idaea, Doronicum Columnae, Saxifraga ai:{oon, Saxifraga rotundifolia, Arctostaphylos officinalis, Vale- riana monta}ia, Veronica latifolia, Orchis Hostii, Aspidium lonchitis etc.) in Masse bekleidet werden, neben ihnen aber mehrere wärmeliebende (mediterrane) Pflanzen (Rhus cotinus, Fraxiniis orniis, Coronilla emei-oides, Scrophiilaria canina, Priinula Columnae, Onosma stellidatiim, Cojydalis ochroleuca, Trichocrepis bifida, Malcolmia maritima, Genista procumbens, Grammitis ceterach, Thymus dalmaticiis, Achillea virescens, Galium purpureum, Marrubium candidissimum u. A.) mit den ungleich zahlreicheren Vertretern der baltischen und pontischen Flora zusammenstossen. Aehnliche Verhältnisse findet man an den Gehängen rings um das Sarajevsko pol je, im oberen Drinathale und an der Neretva. Die Voralpenregion, welche einstens in ganz Südbosnien mit dichtem Wald- kleide bedeckt war, hat im Laufe der Zeiten durch den Menschen bedeutende Verände- rungen erfahren. Cultur und Viehzucht, namentlich aber unbeschreibliche Waldver- wüstungen in der Nähe der menschlichen Ansiedlungen haben deren Charakter so viel- fach verändert, dass oft nur die kümmerlichen Reste ihrer Vegetation noch über die ehemalige A.usbrcitung derselben Zeugniss ablegen können. Diese physiognomisch be- sonders auffälligen Veränderungen können zu einer Gliederung derselben benützt werden. Das Fehlen hochstämmigen Waldes und hiefür das Eintreten ausgedehnter später zu besprechender Buschwälder, dazwischen Weideland und Culturen kennzeichnen den einen Theil derselben, die Culturzone. Hingegen kommen einer zumeist oberen Höhenlage ausgebreitete Wälder zu, die selten aus einer einzigen Bestand bildenden Holzart aufgebaut sind, sondern gewöhnlich den Charakter starker Mischwälder in sich tragen. Diese Waldzone umgürtet namentlich die steileren Gehänge der Hochgebirge; ncbstbei breitet sie sich über jene Gegenden aus, wo eine spärliche Bevölkerung das Waldland in fast urweltlichem Zustande beliess. Schärfere Grenzen zwischen beiden lassen sich übrigens weder in Bezug auf die Bedeckung des Bodens, noch nach verticaler Ausbreitung ziehen. Als obere Grenze der Voralpenregion kann im Allgemeinen die Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. 279 Baumgrenze bezeichnet werden, zu welcher in Bosnien gewöhnHch nur Buchen und Fichten auf freien Hängen bis 1625 M. (im Mittel) ansteigen. Die einzelnen Gebirge verhalten sich in Bezug auf die genannten Waldbäume, welche bis zur Baumgrenze ansteigen, verschieden. Man kann im Allgemeinen be- haupten, dass, da ein ausgeprägter subalpiner Nadelholzgürtel nicht cxistirt, der Laub- wald gewöhnlich bis zur Baumgrenze reicht. Aus der ungleichen Zusammensetzung des subalpinen Mischwaldes entspringt aber auch die Thatsache, dass bald geschlossener Laub-, bald Nadelwald, an anderen Orten wieder eine sehr starke Mengung derselben bis zu der oberen Grenze des Baumwuchses emporrücken. So kommt es auch, dass Nadelwälder oft unter einer höheren Laubholz- rcgion zu liegen kommen, weil in dem oberen Theile des subalpinen Mischwaldes der dem Nadelholze zukommende Percentsatz aus irgend einer Ursache erheblich reducirt wurde. Jedenfalls ist in den Gebirgen Bosniens ein unter der Baumgrenze und ober der Laubwaldregion sich vorfindender Nadelholzgürtel (oder voralpiner Mischwald mit über- wiegendem Antheile an Nadelhölzern) wie in den nördlichen Kalkalpen nirgends wahr- zunehmen. Auch eine Krummholzregion ist nicht typisch ausgebildet. Es fehlt zwar die Leg- föhre (Pinus Pumilio) auf allen von mir besuchten Gebirgen nicht, aber nur selten erlangt sie durch grössere Bestände Bedeutung. Gewöhnlich schliesst die Waldregion über der Baumgrenze mit krüppelhaftem Buschwerk (Buchen) nach oben sehr bald ab und nur selten, wie auf einigen Stellen derTreskavica, sah ich eine schmale Zone einer artenarmen Buschformation ausgebildet, die sich aus den strauchigen Vertretern der Waldzone {Fagiis silvdtica, Picea vulgaris, Rhamnus fallax) und jenen der Krummholzregion (Pinus pumilio, Juniperus nana, Ribes petraeum, Lonicera alpigena) aufgebaut hatte. Die Mittelwerthe meiner diesbezüglich gemachten barometrischen Messungen ergaben: Für das Aufhören des geschlossenen Voralpenwaldes . ... i55oM. Für die untere Grenze von Krummholzbeständen i56o „ Für die Baumgrenze 1625 „ Für die obere Grenze der Buchen in Strauchform 174° n Die nun über der Waldzone folgende Alpenregion ist auf allen Hochgebirgen Bosniens überwiegend durch felsliebende Pflanzen bevölkert, welche den überall an- stehenden Felsboden oft noch reichlich bekleiden. Von alpinen Matten ist verhältniss- mässig viel weniger Areale der Alpenregion bekleidet. In kurzer Wiedergabe können in Bosnien folgende Regionen abgegliedert wer- den: eine Voralpenregion von der Thalsohle (3oo — 5oo M.) bis zur Baumgrenze (1625 M. im Mittel), bestehend aus einer unteren oder Culturregion mit Buschwäldern, Culturen und Weideland und aus einer oberen oder Waldregion mit voralpinem Mischwalde; Alpenregion von der Baumgrenze (i65o M.) bis auf die Gipfel der Hochgebirge (2 388 M.). Anders gliedern sich die Regionen in der benachbarten Hercegovina, um Konjica von der Neretva aufwärts zur Prenj Planina. Die unterste Region, welche der hier wohl am tiefsten in das bosnisch-hcrcego- vinische Festland eingreifenden Mediterranflora angehört und namentlich die Sohle des 28o Dr. Günther Beck. Ncrctvathalcs umfasst, hat südlichen Charakter. Es gedeihen in ihr die Weinrebe, Prirsiche, echte Kastanien, zahlreiche Maulbeeren, hie und da Feigen zwischen zahl- reichen Bürgern der Mittelmeerflora. Weizen und Mais werden in derselben vornehm- lich gebaut und wohl 2 — 3 Wochen früher als im Sarajevsko polje geerntet. Deren obere Grenze fand ich bei 400 M. Sodann beginnt ziemlich gleichförmig zusammengesetztes Buchwerk die Hänge zu bekleiden. Zwischen demselben vermindern sich die Felder auf Kosten von Wiesen, auch die mediterranen Elemente verschwinden allmälig. Das Buschwerk wird höher und birgt unter zahlreichen verwilderten (?) Nussbäumen, Mannaeschen und breitblätte- rigen Ahornen (Acer obtusatum) auch schon einzelne Buchen. Die Wiesen jedoch ent- behren zumeist des voralpinen Schmuckes. Die höchstgelegenen stabilen menschlichen Ansiedelungen und die obere Grenze des Feldbaues (zumeist Gerste, Korn, Hanf, Kar- totfel) schliessen diese zweite Region bei 920 M. ab. Nun betritt man die Voralpenregion. Neben üppigen Wiesen mit vielen Voralpen- kräutern (z. B. Myrrhis odorata, Telekia speciosa, Rinnex alpinus, Saxifraga rotiindi- folia, Sco)-:[onera rosea, Tanacetiim macrophylhiin, Thalictrum aquilegifoliiun, Viola declinata etc.) erhebt sich allmälig ein üppiger Voralpenwald, der fast nur aus Buchen besteht, welche mit weit umherkriechendem Wurzelgeflechte den überall anstehenden Felsboden umstricken. Im oberen Theile dieses voralpinen Laubwaldes finden sich neben wenigen Fichten zuerst einzeln, dann aber immer massiger und zahlreicher schöne und kräftig gewachsene Föhren (Pinus leucodermis Ant.) vor, denen die Buche zuletzt ganz das Terrain einräumt. Auf diese Weise bildet sich auf den Hängen der Prenj Planina gegen Konjica (rings um die Bjelasnica, auf den östlichen und nördlichen Gehängen der Prenj, ebenso an den Quellen der Bjela, wie es scheint auch auf der Boroznica) ein schmaler Nadelholzgürtel aus, der etwa von 1400 — i65o M. reicht. Wenn auch riesige Felsmassen seinen Bestand vielfach zerstückeln, so ist doch dessen Vorhandensein klar ausgeprägt und für die Prenj Planina sehr charakteristisch. Auf dem Alpenboden der Tisovica sieht man ringsum nur Bestände von Pinus leucodermis Ant. Besonders bemerkenswerth ist daselbst ein davon ganz bekleideter Felsblock in mitten der öden Steinwüste dieses Alpenbodens. Auffällig ist es auch, dass die genannte Föhre wie ihre Stammesschwestern niemals legföhrenartig höher gegen die Gipfel emporsteigt; sie ist ein mit der Zirbe (Pinus cembra L.) zu vergleichender Alpenbaum, der auch noch in einer Höhe von i65o M. auf uralten, prächtig gewachsenen Stämmen sein dunkles Geäste nach allen Seiten gleichförmig ausbreitet und nur selten Legföhren unter sein Schirmdach aufnimmt. Buchen sah ich mit denselben nicht zur Baumgrenze aufsteigend. Ueber dieser Föhrenregion beginnen die fast vegetationslosen Steinwüsten der Alpenregion, in denen noch im Juli alle Mulden und Vertiefungen mit tiefem Schnee erfüllt sind. Nur hier und da unterbrechen kärgliche Alpenmatten oder sehr gelockerte Bestände von Legföhren (Pinus pumilio) die trostlosen w^eissgebleichten Felsen und Steinmassen mit einigem Grün; auch die spärlichen Felsenpflanzen können sich nur an wenigen Stellen in Ritzen und Spalten der festen, schwerverwitternden Kalkblöcke an- siedeln und verschwinden zuletzt gegen die wildzerrissenen, aus den Schneefeldern emporragenden Gipfel. In übersichtlicher Darstellung kann daher an der Prenj Planina unterschieden werden: eine Bergregion von der Thalsohle tlcr Neretva (NarentaJ 200 — 3oo M. bis zu den höchst- gelegenen ständigen menschlichen Ansiedelungen und zur oberen Grenze des Feldbaues circa 920 M., mit zwei Unterabtheilungen, einer Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. 281 unteren Region, welche ganz der Mediterranflora zufällt und bis circa 400 M. Höhe reicht, und einer oberen, mit Wiesen und Buschwerk bekleideten; Voralpenregion, ebenfalls mit zwei Abschnitten, einer Laubwald- oder Buschregion von circa 900—1400 M., entsprechend der in Bosnien verbreiteten Waldregion, und einer über derselben liegenden Nadelholz- oder Föhrenregion von circa 1400 — i65o M., gebildet aus den Beständen der Piniis leucodennis Ant. ; Alpenregion von der Baumgrenze (i65o M.) bis zu den Gipfeln (2102 M.). Im Vergleiche zu den in Bosnien gefundenen Regionen ersieht man eine Vermeh- rung derselben durch eine Bergregion und durch die der Voralpenregion angehörige Föhrenregion. VI. Vegetationsfomiationeii. Unter allen Vegetationsformationen des südbosnischen Berglandes verdient wohl jene des Buschwaldes am meisten Beachtung. Sie entsteht nach gänzlicher Ausrodung aller baurabildenden Elemente überall an Stelle des Voralpenwaldes durch gesellige Ver- einigung des strauchartigen Unterwuchses des Waldes mit den Vorhölzern. Durch das Ueberwiegen der Sträucher, auch durch die stete Entfernung des etwa zwischen ihnen auftauchenden Baumwuchses durch Menschenhände, nicht minder aber auch durch die fortgesetzten Beschädigungen von Seite der zahlreichen Weidethiere behält die Forma- tion des Buschwaldes ihren Charakter als Strauchformation bei, bedeckt fast alle dem Menschen mehr zugänglichen Abhänge der Berge und entwickelt sich an schwer zu- gänglichen Stellen oft üppig zu undurchdringlichen, etwa mannshohen Dickichten. Nach dem gewöhnlich überwiegenden Antheile, welcher dem nie fehlenden Haselnussstrauche an der Bildung dieser aus zahlreichen Sträuchern zusammengesetzten Pflanzengenossen- schaft zukommt, könnte man versucht sein, dieselbe auch als Corylus-Formation zu bezeichnen. Jedoch ist die vorherrschende Strauchart in diesen Buschwerken gerade solchem Wechsel unterworfen wie die die Farbe einer Wiese bestimmenden Kräuter. Fast alle weiter unten aufgezählten Sträucher können im überwiegenden Auftreten den Charakter des Buschwaldes bestimmen, und es mögen als häufig blos Corylus avellana, Ligustrum vulgare, Rhus cotinus, Acer tataricum, Rhamnusfallax, Crataegus mono- gyna, Carpinus duinensis, Juniperus communis angeführt werden. Hie und da ge- winnen sogar die baumbildenden Gewächse, aus den obengenannten Ursachen in Strauch- form verbleibend, dieUeberhand im Buschwalde; so an vielen Stellen : Fraxinus ornus, Pirus communis, Fagus silvatica, Carpinus betulus ; seltener: Betula alba, Qiiercus- Arten, Populus tremula. Aus dem reichen Unterwuchse, der der grösseren Hälfte nach auch in den benachbarten Buchenwäldern sich vorfindet, aber auch viele Felsenpflanzen und Bewohner der Bergwiesen enthält, macht sich an vielen Stellen der Adlerfarn (Pteris aquilina) bemerkbar. Von den Weidethieren nicht berührt, entwickelt sich derselbe manchmal so üppig und in so kolossaler Menge, dass er das kümmerliche Buschwerk hoch überwächst und einen Pteris-\Ni\\d darstellt, in welchem Mensch und Thiere voll- ständig verschwinden. Der Buschwald umrandet in gleicher Beschaffenheit die Wälder als Vorholz und zeif^t auch als Hecke nur unwesentliche Veränderungen, die sich in der Zusammen- setzung seines Unterwuchses erkenntlich machen, indem die schattenliebenden Ge- wächse des Waldes den Vertretern der Wiesen- und Ruderalflora Platz räumen. 282 ^^' Günther Beck. Unter den Waldformationen Südbosniens verdient jene der Buche (Fagus) die meiste Beachtung. Obwohl dieselbe eigentlich jener des voralpinen Mischwaldes anderer Alpengegenden entspricht, möge doch die Buche dieser im Allgemeinen ziemlich gleich- massig aufgebauten Genossenschaft den Namen leihen, weil sie in derselben gewöhnlich in Uebermacht auftritt und so des Oefteren zu reinen Beständen sich emporschwingt. Dann stellt sich auch der südbosnische Buchenwald seinem nordischen Gefährten fast in Allem und Jedem ebenbürtig an die Seite, nur mit dem Unterschiede, dass derselbe durch Wild- heit und Undurchdringlichkeit seinen Urzustand zu erkennen gibt. In seinem Innern umfängt den einsamen Wanderer unter schlanken und mächtigen Stämmen mit hoch- gewölbtem Laubdache bald kühlendes Waldesdunkel, bald steht man des Weges unent- schlossen vor einem wirren Durcheinander von Aesten und Stämmen, das nur dämo- nische Naturkräfte in solcher Wildheit zu schaffen vermögen. Riesige niedergestreckte Bäume thürmen sich mit ihrem Astwerke übereinander, andere strecken ihr ausge- bleichtes, verwittertes Skelet noch hoch in die Lüfte, während hie und da ein wetter- fester, von Kraft noch strotzender Baum seinen fallenden Bruder, dem schon riesige Baumschwämme die letzten Säfte seines Lebens entnommen haben, stützt und hält. Aber an allen arbeiten bohrend und nagend Schaaren von Ameisen und anderen In- secten, hämmern von aussen buntfarbige Spechte, und bald blinkt ihr weisser morscher Leib durch die klaffende Rinde. Zerfressen und vermodert sinkt eine Baumsäule nach der andern und zerschellt in Trümmern an seinen gebetteten Gefährten. Die Natur aber schmückt erneuert ihre modernden Leichen. Grünes Moos breitet sie über sie aus in sammtartigen Polstern und Teppichen, webt bunte Flechten und vielfarbige Pilze in dieselben. Und zwischen diesem mit zierlichen Wedeln der Farne geschmückten Kleide schiesst abermals die neue Generation empor und erhebt in üppigem Wüchse seine Kronen auf den zusammensinkenden Trümmern seiner Ahnen. Wieder an anderen Orten gewinnt der Buchenwald lieblichere Formen. Massig drängt sich das Gekraute anstossender Wiesen in sein helleres Innere und schafft an- muthige Haine, die, aus verschiedenen Hölzern gebildet, treffend an Wildparke erinnern. Das Hochplateau der Romanja Planina mag hiefür ein passendes Beispiel bieten. Zwischen den grünenden, namentlich die Dolinen umgürtenden Wiesen streuen sich Buchenhaine ein und zierliche Birkengruppen; an anderer Stelle wieder herrschen silbergraue Sahl- weiden vor, die eine Strecke weiter prächtigen Fichten den Platz räumen; und wo der Felsboden seine Kronen emporsendet, da haben sich rothästige Föhren angesiedelt, die von Schwarzföhren begleitet werden, welche an den jähen, weit ins Land blickenden Felsabstürzen wagrecht ihre dunklen Schirmkronen in die Luft hinausstrecken. Aus der schon früher erwähnten Thatsache, dass der Buchenwald Südbosniens einem voralpinen Mischwalde mit überwiegendem Vorkommen der Buche entspricht, erklärt sich ebenfalls, dass dort, wo die Buche dem Nadelholze den Vorrang abgibt, wo es daher zur Bildung einer Formation der Fichte kommt, keine sonstigen Verände- rungen im Aufbaue der Genossenschaft eintreten, Unterholz und Niederwuchs gleich- bleiben. Als weitere Formationen, deren Zusammensetzung an anderer Stelle gegeben wird, mögen genannt werden: die Wiesenformation mit Thal-, Berg- und Sumpfwiesen, von denen wieder den Bergwiesen die weiteste Verbreitung und Ausdehnung zukommen, da sie das Weideland abgeben. An höhergelegenen Orten nehmen dieselben allmälig mehr voralpine Elemente in sich auf und werden zu Voralpenwiesen, welche wieder stufenweise in die Alpenmatten übergehen. Mit Ausnahme der Thal- und Sumpf- wiesen kommt den genannten Wiesenformen gemeinsam zu, dass sie in Folge der Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. 283 Bodenverhältnisse mit der F" eisen flora innig verbrüdert sind. Je iiöher gegen die Gipfel der Hochgebirge, desto mehr Boden gewinnt die letztere und stellt endlich auf den felsigen Gipfeln als einzige Pflanzengenossenschaft den auf wenige Stellen be- schränkten Pflanzenwuchs dar. Wasserpflanzen spielen in Südbosnien eine nur untergeordnete Rolle; auch die Culturen, in welchen in primitiver Weise Korn, Gerste, Weizen, Hafer, Mais, an manchen Stellen Tabak, seltener Kartoffel, Hirse, Hülsenfrüchte, Lein gesäet und ge- erntet werden, treten gegenüber dem Weideland stark zurück. Futterkräuter wairden bisher nicht gebaut. Obst- und Gemüsebau stehen bei den einheimischen Bewohnern noch auf der untersten Stufe. Schlechte Sorten von Birnen, Aepfeln, Zwetschken, Wallnüssen, seltener Kirschen sind das Erträgniss halb wilder, ohne Pflege aufwachsen- der Obstbäume. Dagegen möge die Blumenzucht bei der türkischen Bevölkerung Er- wähnung finden. Uebersicht der hauptsächlichsten Bestandtheile einiger Vegetations- formationen. (Die durch gesperrten Druck hervorgehobenen Namen gehören jenen Pflanzen an, die nicht nur die ein- zahlen Formationen charakterisiren, sondern auch zu wiederholten Malen in denselben beobachtet wunien.) Formation des Buschwaldes. Strauchwuchs. Sträucher: Acer tataricum, Carpinus duinensis, Cohitea arboi'escens, Corniis mas, Cornus sanguinea, Corylus avellana, Crataegus monogyna, Evonynnis europaea, Evotiymiis verrucosus, Juniperus communis, Ligustrum vulgare, *Lonicera alpigena, *Lonice}-a nigra, Lonicera xylosteum, Prunus spi- nosa, '^Rhamnus fallax, Ritus cotinus, Rosa repens und andere Arten (beson- ders in Hecken), Sambucus nigra, Spiraea cana, Viburmim Lantana. Bäume in Strauch form: Acer campestre, Acer obtusatum, Betula alba, Car- pinus betulus, Fagus silvatica, Fraxinus excelsior, Fraxinus ornus, Ju- glans regia, Picea vulgaris, Pirus communis, Pirus malus, Populus tremula, Prunus avium, Prunus insititia, Quercus -Arten, Sorbus aria, Tilia alba. Halbsträucher: Calluna vulgaris, Cytisus austriacus, Vaccinium myr- tillus, Vaccinium vitis-idaea. Clematis vitalba, Tamus communis, Vitis vinifera, Humulus lupulus (an Hecken). Nied erwuchs. Aspidium filix mas, ''^Aspidium lobatum, '^-Aspidium lonchitis, Phegopteris calcarea, Polypodium vulgare, Pteris aquilina. Achillea virescens, Actaea spicata, Adoxa moschatellina, Aegopodium podagraria, Agrimoyiia eupatoria, Ajuga genevensis, Anemone nemo- rosa, Aposoeris foetida, Aquilegia vulgaris, Aremonia eupatorioides, Arum maculatum, Asarum europaeum, Astragalus glycyphyllos, Drunella laciniata, Brachypodium pinnatum, Bri:^a media, Buphthalmum salicifolium, Campanula 284 ^^- Günther Beck. bononiensis, Campaniila persicifolia, Campaniila rapunciilus, Campanula rapun- culoides, Campanula tracheliiim, Cardaminc impatien:'., Carex digitata, Carex flacca, Carex silvatica, Carex verna, Cetitaurea axillaris, Cephalanthera ensifolia, Cephalanthera rubra, Cineraria Fussii, "^-Cirsium erisythales, Clinopodium vulgare, Convallaria majalis, Cyelamcn europaeum, Dentaria biilbifera, Dian- thus barbatus, Digitalis ambigua, Digitalis ferruginea, '^Doronicum Columnae , Dorycniiim herbaceum, Euphorbia amy gdaloides, Euphorbia cyparissias, Ervum cracca, Erythroniujn dens canis, Ferulago silvatica, Fragaria moschata, Fragaria vesca, Galega officinalis, Galium corrudae- folium, Galium cruciatum, Galium lucidum, Galium phaeum, Galium san- guineum, Galium silvaticum, Galium vernum, Genista sagittalis , Gen- tiana cruciata, Geuvi rivale, Geiiin urbaiiinn, Glechoma hirsuta, Heli- anthemum vulgare, Helleborus odorus, Hepatica triloba, Heracleum spondylium, Hieracium pilosella, Inula cony^a, Lactuca muralis, Lapsana com- munis, Leiicanthemum montanum, Lilium martagon, Linum catharticum, Litho- spermum purp ureo-coeruleum, Lu:[ula silvatica, Lu^iila vernalis, Lychnis coronaria, Majanthemum bifolium, Melam pyrum nemorosum, Melampyrum pratense, Melittis melissophylluni, Milium effusum, Moehringia trinervia, Myo- sotis sylvatica, Nasturtium lipicense, Neottia latifolia, Nepeta nuda, Orchis maculata, Orchis speciosa , Orchis tridentata , Origanum vulgare, Orlaya grandiflora, Orobanche caryophyllacea, Orobanche gracilis, Orobus varie- gatus, Orobus vernus, Oxalis acetosella, Paris quadrifolia, Pirola rotundifolia, Plantago lanceolata, Piatanthera bifolia, Polygonatum multißorum, Potentilla micraniha, Potentilla silvestris , ^-Prenanthes purpurea, Primula acaulis, Primula Columnae, Pulmonaria officinalis, Pulmonaria montana, '^Ranun- culus aconitifolius, '-^'-Salvia glutinosa, Sambucus ebulus, Sanicula euro- paea, *Saxifraga rotundifolia, Scabiosa leucophylla, Scutellaria altissima, Silene nutans, Silene inflata, Silene nemoralis, Smyrnium perfoliatum, Stachys alpina, Stellaria holostea, Symphytum tuberosum, Tanacetum macrophyllum, Teucrium chamaedrys, '^Thalictrum aquilegifolium, Thy- mus montanus, Trifolium alpestre, Valeriana officinalis , Veratrum album, Veratrum nigrum, Verbascum austriacum, *Veronica austriaca, Vero- nica chamaedrys, Veronica latifolia, Veronica officinalis, '^Vicia oro- boides, Vicia sepium, Viola silvestris. (Die mit * bezeichneten Pflanzen sind prä- alpin.) Niederwuchs der Hecken: Agrimonia eupatoria, *Agropyrum repens, '^ Anchusa officinalis, Anthrisciis vulgaris, Artemisia vulgaris, Ballota nigra, Calamintha pannonica, Campanula rapunculus, Carduus acanthoides, Cichorium intybus, *Cirsium arvense, '^Cirsium lanceolatum, Coronilla varia, Crepis biennis, Dactylis glomerata, '^Dipsacus silvestris, Echinops sphaerocephalus, *Echium itali- cmn, '■■Echium vulgare, Euphorbia platyphyllos, Galium mollugo, Galium verum, Hypericum perforatum, Inula britannica, Inula salicina, Lappa tomentosa, Litho- spermum officinale, Malva moschata, Melandrium pratense, Parietaria erecta, *Picris hieracioides, Pteris aquilina, Pulmonaria montana, Salvia verticillata, *Sambucus ebulus, Scabiosa leucophylla, Stellaria graminea, Teucrium chamae- drys, Thalictrum angustifolium, llialictrum elatum, lorilis anthriscus, "Urtica dioeca, Verbascum blattaria, Verbascum Ij-chnitis u. a. (Die mit * bezeichneten Pflanzen sind Ruderalpflanzen.) Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hcrcegovina. 285 Formation der Buche. O herholz. Lauhholz: Acer campestre, Acer obtusatum, Acer pseudoplataniis, Betula alba, Carpiniis betulus, Fagiis silvatica, Fraximis ormis, Pirus com- munis, Prunus avium, Salix capraea, Sorbus aria , Sorbus aucuparia, Ulmus campestris. Nadelholz: Abies alba. Picea vulgaris, Pinus silvestris, Taxus baccata. Unterholz. Nachwuchs der obengenannten Bäume und Cnrj'lus avellana, Crataegus ox]'acantha, Daphne me^^creum, Juniperus communis, Lonicera alpigena, Rhamnus fallax, Ribes alpinum, Ribes petraeum, Rubus idaeus, Rubus hirtus, Vaccinium myrtillus. Niederwuchs. Aspidium filix mas, Aspidium lobatum, Aspidium spinulosum, Athy- rium filix fem i na, Phegopteris polypodioides, Poljyodium vulgare, Pteris aquiliua, Scolopendrium vulgare. Aconitum lycoctonum, Adenostyles albida, Adoxa moschatellina, Aego- podium podagraria, Ajuga genevensis, Anemone nemorosa, Aposeris foetida, Aremonia eupatorioides, Arum maculatum, Asarum eiiropaeum, Asperula odorata, Asperula taiirina, Campanula trachelium, Campanula trichocalycina, Carduus personatus, Carex digitata, Cerinthe alpina, Cirsium pauciflorum, Con- vallaria majalis, Dentaria bulbifera, Dentaria enneaphylla, Dentaria trifolia, Doronicum austriacum, Doroniciim Columnae, Epilobium montatium, Euphorbia amygdaloides, Euphorbia angulata, Fragaria vesca, Gentiana asclepiadea, Geranium macrorhi^^on, Geranium phaeinn, Geranium Robertianum, Geranium silvaticum, Gnaphalium norvegicum, Helleborus odorus, Hieraciiim leptocephalum, Hj-pericum hirsutum, Mercurialis perennis, Milium effusum, Moehringia muscosa, Mulgedium alpinum, Myosotis silvatica, Myrrhis odorata, Neottia nidus avis, Oxalis acetosella, Paris quadrifolia, Prenanthes pur- purea, Ranunculus aconitifolius, Ranunculus lanuginosus, Salvia gluti- nosa, Sanicula europaea, Saxifraga rotundifolia, Senecio nebrodensis, Stellaria nemorum, Symphytum tuberosum, Tanacetum macrophyllum, Telekia speciosa, Valeriana montana, Valeriana tripteris, Veratrum album, Veronica cha- maedrys, Veronica latifolia, Vicia oroboides, Viola silvestris. ^A/iesenfo^mation. Thalwiesen, Ajuga genevensis, Anthoxanthum odoratum, Anthriscus silvestris, Arrhe- naterum elatius, Bri^a media, Bromus erectiis, Campanula patula, Campanula rapunculus, Carum carvi, Centaurea jacea, Cichorium intybus, Colchi- cum autumnale, Crepis biennis, Cynosurus cristatus, Dactylis glomerata, Festuca elatior, Filipendula hexapetala, Galium cruciatum, Galium verum, Annaku des U. k. naturhistorischcn Hofmuseums, Bd. I, Heft 4, 18S6. 20 286 Dr. Günther Beck. Geraniinn inolle, Gei'anhnn phaeiim, Geranium pyrenaiciim, Hypochoeris radi- cata, Knaiitia arvensis, Lathynis pratensis, Leucanthemiim vulgare, Liniim catharticum, Lotus corniculatus, Medicago arabica, Medicago lupulina, Nepeta pannonica, Orchis coriophora, Orchis saccigera, Ornithogalutn pyrenaicum, Pastinaca sativa, Phleum pratense, Plantago lanceolata , Plantago media, Poa pratensis, Poterium sanguisorba, Ranunculus acer, Ranunciilus bulbosus, Raniinciilus Frieseanus, Ranunculus repens, Rhinanthus major, Rhinanthus minor, Rumex acetosa, Salvia pratensis, Salvia verticillata, Stellaria graminca, Trifolium campestre, Trifolium pratense, Trifolium repens. Sumpfwiesen. Berula angustifolia, Caltha spec, Cardamine amara, Carex leporina, Carex tomentosa, Carex vulpina, Eqiiisetum palustre, Eriophorum latifolium, Filipendula ulinaria, Galium palustre, Geranium palustre, Glyceria plicata, Holcus lanatus, Iris pseudacorus, Juncus bufonius, Juncus effusus, Juncus glaucus, Lychnis /Jos cuculi, Lycopus europaeus, Lysimachia nemorum, Lythrum salicaria, Mentha aquatica, Myosotis strigulosa, Oenanthe media, Oenanthe thracica, Orchis incar- nata, Pedicularis palustris, Petasites officinalis, Phragmites communis, Pulicaria dysenterica, Ranunculus Boraeanus, Ranunculus repens, Sanguisorba officinalis, Scilla pratensis, Scirpus caricis, Scirpus paluster, Scirpus silvaticus, Scrophu- laria aquatica, Solanum dulcamara, Thalictrum angustifolium, Trifolium hybri- dum, Trollius europaeus. Bergwiesen. Achillea millefolium, Achyrophorus maculatus, Aira capillaris, Alchemilla hybrida, Alsine vcrna, Antennaria dioeca, Anthoxanthum odoratum, Arabis hir- suta, Bellis perennis, Brachypodium pinnatum, Bri:{^a media, Bromus erectus, Calamintha rotundifoUa, Campanula glomerata, Campanula rapunculoides, Carex verna, Cerastium tauricum, Cirsium acaule, Cirsium eriophorum , Cirsium lanceo- latum, Cynosurus cristatus, Dactylis glomerata, Dianthus croaticus, Dianthus carthusianorum, Dorycnium herbaceum, Ervum cracca, Eryngium amethystiman, Eyyngium campestre, Euphorbia cyparissias, Filipendula hexapetala, Fragaria collina, Genista sagittalis, Gentiana angulosa, var, aestiva, Gen- tiana cruciata, Gentiana utriculosa, Gymnadenia conopsea, Helianthemum vulgare, Helleborus odorus, Hieracium pilosella, Inula hirta, Inula salicina, Knaiitia arvensis, Koeleria cristata, Lathyrus latifolius, Linum catharticum, Linum flavum, Linum hologynum, Linum tenuifolium, Malva moschata, Medi- cago lupulina, Melittis melissophyllum, Nepeta pannonica, Ophrys cornuta, Orchis morio, Orchis sambucina, Orchis speciosa, Orchis tridentata, Orchis ustu- lata, Ornithogalum pyrenaicum, Orobanche Pancicii, Picris hieracioides, Plan- tago lanceolata, Plantago major, Plantago media, Polygala comosa, Polygala oxyptera, Potentilla pedata, Potentilla rubens, Potentilla silvestris, Poterium sanguisorba, Primula Columnae, Prunella la ciniata, Prunella vulgaris, Pteris aquilina, Ranunculus millefoliatus, Rhinanthus major, Rhinanthus minor, Salvia verticillata, Saxifraga Blavii, Scabiosa leucophylla, Scleranthus imbri- catus, Scor:[onera glastifolia, Scrophularia canina, Senecio crassifolius, Senecio Fussii, Stachys germanica, Suc eis a pratensis, Teucrium chamacdrys, Trifolium Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. 287 campestre, Trifolium dalmaticiim, Tj-ifoliiim ochroleucum, Trifolium pan- noniciim, Trifolium pratense, Verbascum blattaria, Verbascum lychnites, Verbascum thapsiforme, Veronica chamaedrys, Veronica multifida. Formation der Voralpenkräuter und Wiesen. (Die mit einem * versehenen Arten finden sich auch in liöher gelegenen Bergvviesen.) Adenostyles albifrous, Älchcmilla glabra, Anthriscus alpestris , An- thyllis alpestris, Aspidium filix mas, Aspidium lob a tum, Aspidium loii- chitis, Bellis perennis, Bri:[a jnedia, Calamintha alpina, Campanula patula, var, paucißora, Carum carvi, Centaurea Kotschyana, Colchicum autumnale, Crepis grajidiflora, Echium vulgare, Ferulago silvatica, Galium silvaticum, Gentiana crispata, Gentiana lutea, Geranium phaeum, Geranium silvaticum, Geiim rivale, Hieracium pilosella, Knaiitia dipsacifolia, Lathyrus pratensis, ^-Leucan- the7num montanuvi, Lilium carniolicum, Lilium martagon, ■^■Linuin capita- tiim, Lotus alpinus, Lu'^ula silvestris, Melandrium silvestre, Myrrhis odorata, '■^Orchis globosa, '^-Orchis speciosa, Origanum vulgare, Pedicularis verticillata, Phyteuma orbiculare, Phyteuma spicatnni, Polygala major, Polygonum bistorta, Polygonum viviparum, Potentilla aurea, Ranunculus aconitifolius, *Ranun- culus montanus, Ranunculus nemorosus, Rhinanthus major, Rumex alpinus, Sal- via glutinosa, '^-Saxifraga rotundifolia, Scolopcndrium vulgare, Scor:^onera glastifolia, *-Scor:(onera rosea, Silene Sendtneri, Stachys alpina, Tana- cetum macrophyllum, Telekia speciosa, '^Thalictrum aquilegifolium, Trollius europaeus, Valeriana montana, Veratrum album, Veratrum Lobelianum, Verbascum lanatum, Verbascum nigrum, Veronica chamaedrys, *Viola declinata. Ackerunkräuter und Flora der Brachen. Achillea millefolium, Agrostemma githago, Agrostis vulgaris, Ajuga gene- vensis, Alchemilla arvensis , Anagallis arvensis, Anthemis arvensis, Anthyllis polyphylla, Bellis perennis, Bromus arvensis, Brunella vulgaris, Carduus acan- thoides, Centaurea cyanus, Centaurea scabiosa, Cerastium triviale, Cerinthe minor, Cirsium arvense, Convolvulus arvensis, Coronilla varia, Crepis biennis, Delphiniiim consolida, Echium italicum, Echium vulgare, Equisetum ar- vense, Erodium cicutarium, Euphorbia helioscopia, Euphorbia platyphyllos, Ervum hirsutum, Filipendula hexapetala, Geranium disscctum, Geranium columbinum, Hieracium ßorentinum, Lapsana communis, Lathyrus tuberosus, Lepidium cam- pestre, Linaria vulgaris, Lithospermum arvense, Medicago lupulina, Melam- pyrum arvense, Melilotus officinalis, Moenchia mantica, Muscari comosum, Nigella arvensis, Papaver rhoeas, Picris hieracioides, Pisum arvense, Plantago lanceolata, Plantago media, Poa trivialis, Potentilla argentea, Poterium sanguisorba, Ranunculus bulbosus, Ranunculus sardous, Roripa lipii:{ensis, Rubus caesius, Ru- mex acetosella, Salvia verticillata, Senecio vulgaris, Sherardia arvensis, Silene cucubalus, Sinapis arvensis, Sonchus arvensis, Sonchus asper, Stachys arvensis, Stellaria media, Trifolium arvense, Trifolium repens, Urtica dioeca, Veronica arvensis, Veronica Tournefortii, Vicia sativa, Viola tricolor. Die Flora älterer Brachen geht allmälig in jene der Bergwiesen über, indem die meisten einjährigen Kräuter durch perennirende ersetzt werden. 20* 288 Dr. Günther Beck. VII. Literatur :{iir Flora von Südbosnien. Rohrbach P., Monographie der Gattung Silene. 872. Engler A., Monographie der Gattung Saxifraga. 877. Blau O., Reisen in Bosnien und der Hercegovina. 878. Kern er A,, Monographia Pulmonariarum. 881. Zoch J., Phytophänologische Beobachtungen in Jahresbericht des k. k. Real- gymnasiums in Sarajevo 1880/81, pag. 33. 882. Zoch J., Phytophänologische Beobachtungen 1881 in Godisnje izvjesce c. k. realne Gimnaz. u Sarajevu 1881 82, pag. 28. 882. Zoch J., Nekoliko izleta u okolicu Sarajevsku; ebendaselbst, pag. 17. 882. Hof mann F., Beitrag zur Kenntniss der Flora von Bosnien in Gestern hotan. Zeitschr., pag. 73 ff. 882. Ha ekel E., Monograph. Festucac. curop. 883. Heimerl A., Monograph. sect. Ptarmica Achilleae generis in Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch., Wien, XLVIII. 883. Schaarschmidt J., Fragmenta phycologiae bosniaco-serbicae in Magy. Növenyt. Lapok, VII, pag. 33. 884. Haussknecht C., Monographie der Gattung Epilobium. 886. Beck G., Versuch einer Ghederung des Formenkreises der Caltha palustris L. in Verh. der zool.-botan. Gesellschaft, Wien, pag. 347 ff. Karten: Karte von Bosnien im Massstabe i : 3oo.ooo (Ausgabe 1882). Umgebungskarte von Sarajevo im Massstabe i : 37.500. Beide ausgegeben vom k. k. militär.-geogr. Institute Wien. Geologische Uebersichtskarte von Bosnien -Hercegovina, herausgegeben von der k. k. geolog. Reichsanstalt Wien. Besonderer Theil. Aufzählung aller bisher in Südbosnien und der Hereegopina beobachteten Pflanzen und deren Vorkommen. KRYPTOGAMAE. I. Myxomycetes (Schlcimpilze). FuUgo septica Gmelin, Svst. nat., II, pag. 1466 (1791). Auf modernden Stämmen in der Voralpenregion der Bjelasnica; Juni. Lycogala scssilis Retz, Ac. Holms. 254 (1769), sec. Rostaf. — Lycogala cpiden- dron (Bux) autor. Auf Moderholz in der Voralpenregion der Bjelasnica; auf F'ichtcnstrünken in den Wäldern der Romanja Planina; Juni. Flora von Südbosnien und der angrenzenden Herceaovina. 289 IL Schizophyta (Spaltpflanzen). Schi:{ophyccae (Spaltalgen) . Chroococcaceae. Chroocüccus ininor Niigeli, Einzellige Algen, pug. 47, Tal'. I, A, Fig. 4 (1848). In einer Quelle am Fusse des Mojrailo bei Sarajevo; an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Chroococcus tiirgidus Nägeli, Einzellige Algen, pag. 46 (1848). An Steinen der Dobra voda-Quelle auf dem Trebovic; Juni. Nostocaceae. Nostoc commune Vaucher, Hist. des Conf., pag. 223, Taf. XVI, Fig. i (i8o3), ex Rabenh., Flora Eur. Algar., II, pag. 175. In Bergwiesen um Sarajevo nicht selten; bei Pale; auf Alpentriften der Treskavica. Nostoc lichenoides Vaucher, Hist. des Conf., pag. 227, Taf. XVI, Fig. 5 (i8o3), ex Rabenh,, 1. c, pag. 166. Var. Nostoc vesicarium DC, Flor, franc, ed. II, II, pag. 3 (181 5). Auf überrieselten Steinen in der Schlucht des Bistricki Potok bei Sarajevo. Var. Nostoc sphaericum Vaucher, Hist. des Conf., pag. 2 2 3, Taf. XVI, Fig. 2 (i8o3), ex Rabenh., 1. c, pag. 167. In einer Quelle am Fusse des Orlovac gegen die Miljacka zwischen Moosen; häutig in der Zeljesnica und grosse Strecken bedeckend; Juni. (Exsicc. Nr. 126.) Oscillariaceae, Spirulina tenerrima Kütz., Phyc. germ., pag. ibj (1845); Tab. phyc, I, Taf. 37, Fig. I. In einer Quelle auf dem GradonJ bei Sarajevo; Mai. Oscillaria leptotricha Kütz., Phyc. germ,, pag. 157 (1845); Tab. phyc, I, Taf. 38, Fig. IX, In Tümpeln bei Kosevo nächst Sarajevo; Mai, Oscillaria tenerrima Kütz,, Phyc. gener., pag, 184 (1843); Tab, phyc, I, Taf. 38, Fig. VIII, In Tümpeln an der Miljacka bei Alilovici; Juni, Oscillaria brevis Kütz, in Linnaea, VIII, pag, 363; Tab, phyc, I, Taf. 39, Fig. VI. In Tümpeln bei Kosevo nächst Sarajevo; Mai. Oscillaria teniiis Ag., Syst. Alg,, pag. 65 (1824). Var. OscillaJ'ia viridis Yaucher, Hist. des Conf., pag. 195, Taf. XV, Fig. 6 (i8o3), ex Rabenh. In Tümpeln an der Drina bei Gorazda (Schaarschmidt). Oscillaria Froelichii Kütz,, Phyc. germ., pag. 189 (1845); Tab, phyc, I, Tab. 43, Fig. I. In Tümpeln bei Kosevo nächst Sarajevo und an der Miljacka bei Alilovici; Mai, Juni, (Exsicc. Nr. i38.) Microcoleus tcrrestris Desm., Cat. plant., ed. I, Nr. 55 (1840), ex Kütz. Var. Microcoleus Vaucheri Kirchner, in Cohn, Kryptogamentiora Sdilesiens, II, i, pag. 244 (1878). Auf steinigen Abhängen bei Sarajevo an der Strasse nach Pale; Juni, 290 Dr. Günther Beck, Lyjigbya stagnina Kütz., Spec. Alg., pag. 281 (184g). In Tümpeln an der Miljacka bei Alilovici; Juni. Lj'Hgbya papyrina Kirchner, in Cohn, Kryptogamenflora Schlesiens, II, i, pag. 241 (1878). An Wasserfällen in Bächlein bei Kosevo und am Ljuli Potok bei Sarajevo; an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Mai, Juni. Lyngbya incmbranacea Thuret, in Ann. sc. nat., 6^ ser., I, pag. 379 (1875). An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Scytonemaceae. Tolypothrix peiiicillata Bzi. sec. Kirchner, Die mikrosk. Pflanzenwelt des Süss- wassers, pag. 38, Fig. 117 (i885). An feuchten und überrieselten Felsen an einer Quelle am Fusse des Orlovac eeaen die Miljacka; Juni. III. Bacillariaceae (Kieselalgen). Cocconeidaceae. Cocconeis pediculus Ehrenb., Infusionsth., pag. 194, Taf. XXI, Fig. XI (i838). Kütz., Bacill., pag. 71, Taf. 5, Fig. IX 1. Häufig an Wasserleitungen bei Krupac an der Zeljesnica unter anderen Algen; in einer Quelle am Fusse des Orlovac gegen die Miljacka und zwischen Vaucheria in einer Quelle bei Mrkovic nächst Sarajevo, in der Zeljesnica (Beck); auf Cladopiiora in Tümpeln der Drina (Schaarsch midt). Achnanthaceae. Achnanthes mimitissima Kütz., Alg. decad., VIII, Nr. j5 (i833), ex Bacill., pag. jb, Taf. i3, Fig. II c, Taf. 14, Fig. IV 2 b, XXI 2; zumeist in der Form Achnanthes curta Grün., in Van Heurck, Syn. Diät. Belg., Taf. XXVII, Fig. 35. Auf verschiedenen Algen in Quellen um Sarajevo, so bei Mrkovic, Dobra voda auf dem Trebovic, am Fusse des Orlovac gegen die Miljacka, Ljuli Potok, auf dem Kobilji brdo, in der Zeljesnica, an Wasserleitungen bei Krupac an der Zeljesnica (Beck); in Tümpeln an der Drina bei Gorazda und bei Ran Jen Karaula (Seh aar seh midt). Achnanthes exilis Kütz., Dec, II, Nr. 12 (i833), ex Bacill., pag. 76, Taf. 21, Fig. IV. Um Sarajevo, zwischen Draparnaldia in Quellen am Mojmilo ; im Dobra voda auf dem Trebovic auf Ulothrix; auf Conferven in Quellen auf dem Kobilji brdo, zwischen Nostoc in der Zeljesnica; Mai, Juni. Rhoicosphenia curvata Grün., in Rabenh., Flora Eur. Alg., I, pag. 112 (18Ö4). Zwischen Nostoc in der Zeljesnica; Juni. Epithemiaceae. Epithemia argus Ehrenb., Americ, 1843, pag. i25, ex Kütz., Bacill., pag. 35; Van Heurck, Syn. Diät. Jielg., Taf. XXXI, Fig. i5. In Tümpeln an der Drina bei Gorazda (Schaarsch midt). Eunotia arcus Ehrenb., Infusionsth., pag. 191, Taf. XXI, Fig. XXII (i838); Van Heurck 1. c, Taf. XXXIV, Fig. 2. An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Flora von Südbosnicn und der anirrenzcndcn Hcrcesovina. 291 Amphoraceae. Amphora pcdiciihis Grün., in Schmidt, Atlas der Diatom., Tal'. 26, Nr. et Fig. 99 (1875); Van Heurck, Syn. Diät. Belg., Taf. I, Fig. 6. Auf Steinen in der Drina bei Gorazda (Scli aarsch midt). Cymbellaceae. Cymbella gastroides Kütz., Bacill., pag. 79, Taf. 6, Fig. IV h (1844); Van Heurck, L c, Taf. II, Fig. 8, 9. In Quellen am Fusse des Mojmilo hei Sarajevo häutig; Juni. tymbella (Cocconema) cymbifonnis Ehrenb., Infusionsth., pag. 225, Taf. XIX, Fig. VIII (i838); Van Heurck, 1. c, Taf. II, Fig. 11. In Tümpeln an der Drina (Schaarschmidt). Cyinbella (Cocconema) cistula Hempr., in Smith, Synops. XXIII, XXIV, 221; sec. Van Heurck 1. c, Taf. II, Fig. 12, i3. Häutig in Quellen um Sarajevo, so im Dobra voda auf dem Trebovic, bei Mrkovic, am Fusse des Orlovac gegen die Miljacka, im Ljuli Potok; in Tümpeln und Bächlein bei Kosevo, auf dem Kobilji brdo und an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Mai, Juni. Cymbella (Cocconema) macidata Kütz., Bacill., pag. 79, Taf. 6, Fig. IIa, b (1844); Van Heurck, 1. c, Taf. II, Fig. 16. In Tümpeln bei Kosevo nächst Sarajevo; zwischen Phormidien an einer Wasser- leitung bei Krupac an der Zeljesnica, in dqr Zeljesnica; Mai, Juni. Cymbella affinis Kütz., Bacill., pag. 80, Taf. 6, Fig. XV (1844); Van Heurck, 1. c, Taf. II, Fig. 19. Zwischen verschiedenen Algen, im Dobra voda auf dem Trebovic, auf feuchten Felsen am Ljuli Potok und bei Mrkovic nächst Sarajevo; in einer Qiielle auf dem Kobilji brdo, in der Zeljesnica; Juni. Cymbella navicidaeformis Auersw., in Heiberg, Krit. Overs. Dansk. Diät., II, pag. 108; sec. Schum., Diät, der Tatra, S. A., pag. 63, Taf. II, Fig. 29. Zwischen Conferven in einer Quelle auf dem Kobilji brdo; Juni. Encyonema ventricosurn (Kütz.) Grün., in Van Heurck, 1. c, Taf. 111, Flg. i5, 16. In Quellen, an feuchten Felsen, zwischen anderen Algen häutig; um Sarajevo: im Dobra voda auf dem Trebovic, in Quellen bei'Hrit, am Fusse des Mojmilo, bei Mrkovic, am Ljuli Potok, an der Stephaniequelle bei Kozija Cuprija, am Fusse des Orlovac gegen die Miljacka, auf dem Kobilji brdo, in der Zeljes- nica (Beck); in Tümpeln am Drinatlusse (Schaarschmidt). Gomphonemaceae. Gomphonema constrictiim Ehrenb., Abhandl. der Berl. Akad. (i83o), pag. 63; tid. Kütz, Bacill., pag. 86. Var. Gomphonema siibcapitatum Grün., in Van Heurck, 1. c, Taf. XXIII, Fig. 6. An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica, unter anderen Algen in der Zeljesnica zwischen Nostoc ; Juni. Gomphonema commune Rabenh. (Kütz.), Flora Eur. Alg., I, pag. 283 (1864). Var. Gomphonema productum Grün., in Van Heurck, 1. c, Taf. XXIV, Fig. 52 — 54. An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica unter Phormidien; in eiuci' Quelle auf dem Kobilji brdo; Juni. ^„^ Dr. Günther Beck. Gomphoncma olivacciim Ehrenb., Infusionsth., pag. 3i8, Taf. XVIII, Fig. IX (i838). Var. Gomphonema stauroneifonne Grün., Alg. und Diät, des casp. Meeres, S. A., pag. 9; Van H eure k, I. c., Taf. XXV, Fig. 22. An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica, in Tümpeln bei Kosevo, in der Zeljesnica; Juni. Var. Gomphonema vulgare Grün., Van Heurck, 1. c, Taf. XXV, Fig. 21. In einer Quelle am Fusse des Orlovac gegen die Miljacka; an der Wasserleitung bei Krupac, auf feuchten Felsen am Ljuli Potok bei Sarajevo, in der Zeljesnica. Var. Gomphonema siibramosum Kütz., Bacill., pag. 85, Taf. 8, Fig. XV (1844); Van Heurck, 1. c, Taf. XXV, Fig. 26—27. In Tümpeln der Drina bei Gorazda (Schaarschmidt). Gomphonema dichotomiim W. Smith, sec. Van Heurck, 1. c, Taf. XXIV, Fig. 20. Auf Steinen und in Tümpeln des Drinafluses bei Gorazda (Schaarschmidt). Naviculaceae. Naviciila viridis Kütz., Bacill., pag. 97, Taf. 4, Fig. XVIII (1844); Van Heurck, I. c, Taf. V, Fig. 5. An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica unter anderen Algen. Navicula elegantiila Grün., in Verhandl. zool.-bot. Gesellsch. Wien (1860), pag. 522, Taf. III, Fig. 29. In Tümpeln bei Kosevo nächst Sarajevo, einzeln; Mai. Navicula radiosa Kütz., Bacill., pag. 91, Taf. 4, Fig. XXIII (1844); Van Heurck, 1. c, Taf. VII, Fig. 20. In Tümpeln bei Kosevo und an der Miljacka bei Alilovici, in Quellen bei Hrit und am Fusse des Mojmilo bei Sarajevo, an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Mai, Juni. Var. Navicula acuta Grün., Verhandl. zool.-bot. Gesellsch. Wien (1860), pag. 526; Van Heurck, 1. c, Taf. VII, Fig. 19. In Tümpeln bei Kosevo nächst Sarajevo; Mai. Var. Navicula tenella Breb., sec. Van Heurck, 1. c, Taf. VII, Fig. 21, 22. In der Dobra voda-Quelle auf dem Trebovic, an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Navicula viridula Kütz., Bacill., pag. 91, Taf. 4, Fig. X (1844); Van Heurck, 1. c, Taf. VII, Fig. 2 5, 26. In Tümpeln bei Kosevo, in Quellen bei Hrit, Mrkovic, auf dem Gradonj, im Bjela voda, auf dem Trebovic, in Ausgiessungen der Miljacka bei Alilovici; an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica, in letzterer bei Ilidze. Navicula gracilis Ehrenb., Infusionsth., pag. 176, Taf. XIII, Fig. II (i838); Van ^Heurck, 1. c, Taf. VII, Fig. 7. In einer Quelle am Fusse des Orlovac gegen die Miljacka; unter Nostoc in der Zeljesnica; Juni. Navicula lanceolata Kütz., Bacill., pag. 94, Taf. 28, Fig. 38, Taf. 3o, Fig. 48 (1844); Van Heurck, 1. c, Taf. VIII, Fig. 16, 17. In einer Quelle am Fusse des Orlovac gegen die Miljacka und am Mojmilo, an feuchten Felsen des Ljuli Potok nächst Sarajevo; an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica und in letzterer unter Nostoc; Mai, Juni. Navicula cryptocephala Kütz., Bacill., pag. 95, Taf. 3, F'ig XX, XXVI (1844); Van Heurck, 1. c, Taf. VIII, Fig. i, 5. Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. 2q3 In Tümpeln bei Kosovo, in einer Quelle bei Mrkovic auf dem Kobilji brdo und am Fusse des Orlovac gegen die Miljacka, in Tümpeln der Miljacka bei Aliiovici, an feuchten Steinen der Dobra voda- Quelle auf dem Trcbovic, auf nassen Felsen des Ljuli Potok und in Quellen am Fusse des Mojmilo nächst Sarajevo; an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica (Beck); in Tümpeln der Drina bei Gorazda (Schaarschmidt); Mai, Juni. Navicida rhj'ucJiocephala Kütz., Bacill., pag. i52, Taf. 3o, Fig. 35 (1844). Yixr. Navicula brevis Grün., in Verhandl. zool.-bot. Gesellsch. Wien (1860), pag. 52(j. In Tümpeln bei Kosevo nächst Sarajevo. Var. Navicida amphiceros Kütz., Bacill., pag. 95, Taf. 3, Fig. XXXIX (1844); Van Heurck, 1. c, Taf. VII, Fig. 3o. Ebendaselbst, sowie an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica. Form Van Heurck, 1. c, Taf. VII, Fig. 3i. In Tümpeln an der Drina bei Gorazda (Schaarschmidt); in Tümpeln an der Miljacka bei Aliiovici. Navicida elliptica Kütz., Bacill,, pag. 98, Taf. 3o, Fig. 55 (1844). Auf feuchten Felsen am Ljuli Potok bei Sarajevo. Var. Navicida oblongella Nägeli, sec. Van Heurck, I. c, Taf. X, Fig. 12. In einer Quelle auf dem Kobilji brdo. Navicida sphaerophora Kütz., Bacill., pag. 95, Taf. 4, Fig. XVII (1844). Form Navicula minor Grün., in Van Heurck, 1. c, Taf. XII, Fig. 3. Zwischen Spirogyren in einer Quelle bei Sarajevo; auf feuchten Felsen am Ljuli Potok, in Tümpeln bei Kosevo, in einer Quelle auf dem Kobilji brdo. Pleurosigrna acuminatiun Grün., Verhandl. zool.-bot. Gesellsch. Wien (1860), pag. 56 1, Taf. VI, Fig. 6, 7. In Tümpeln bei Kosevo nächst Sarajevo, selten; Mai. Amphipleuraceae. Ampliiplcura pcllucida Kütz., Bacill., pag. io3, Taf. 3, Fig. LH, Taf. 3o, Fig. 84 In einem Bächlein bei Kosevo nächst Sarajevo; an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica (Beck); in Tümpeln der Drina bei Gorazda (Schaar- schmidt). Nitzschiaceae. Hant^schia amphioxys Grün., sec. Van Heurck, 1. c, Taf. LVI, Fig. i. In Tümpeln bei Kosevo nächst Sarajevo; Mai. Var. Hantischia vivax Grün., Van Heurck, 1. c, Taf. LVI, Fig. 5, 6. In Quellen zwischen Confcrven auf dem Kobilji brdo mit der früheren. Surirellaceae. SurireUa ovata Kütz., Bacill., pag. 62, Taf. 7, Fig. IV (1844); Van Heurck, 1. c, Taf. LXXIII, Fig. 5, 6. Zwischen Conferven in einer Quelle auf dem Kobilji brdo; Juni. Cyrnatopleura solea (Breb.), W. Smith, Brit. Diät., I, pag. 36, Taf. X, Fig. 78, lid. Rabenh. In Tümpeln bei Kosevo und an der Miljacka bei Aliiovici; an einer Wasser- leitung bei Krupac an der Zeljesnica (Beck); in Tümpeln an der Drina bei Gorazda (S c h a a r s c h m i d t). 294 Dr. Günther Beck. Diatomaceae. Odontidium hyemale Kütz,, Bacill., pag. 44, Taf. 17, Fig. IV (1844). Um Sarajevo: In Quellen bei Mrkovic, Kosevo, am Fusse des Orlovac gegen die Miljacka, an der Stephaniequelle nächst der Kozija Cuprija, auf feuchten Steinen und in den Abflüssen der Dobra voda- Quelle auf dem Trebovic; zwischen Phormidien an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Mai, Juni. (Exsicc. Nr. i25.) Var. Odontidium mesodon Kütz., Bacill., pag. 44, Taf. 17, Fig. I (1844); Van Heurck, 1. c, Taf. L, Fig. 3, 4. Mit der vorigen. Diatoma vulgare Bory, Arthrod., Fig. i a, b, fld. Kütz., Bacill., pag. 47; Van Heurck, 1. c, Taf. L, Fig. i — 6. In Tümpeln bei Kosevo, in einer Quelle am Fusse des Mojmilo und des Orlovac gegen die Miljacka, an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica und in letzterer bei Ilidze; Mai, Juni. Form Diatoma minuta, hamata, irreguläre 'Schiiiwschmidl, in Magy. növ. Lapok, VII (i883), pag. 37, sowie Form Diatoma breve Grün., Oesterr. Diät, in Verhandl. zool.-bot. Gesellsch. Wien, XII (1866), pag. 363. In Tümpeln und an Steinen an der Drina bei Gorazda, auf der Ranjen Karaula (Schaarschmidt). Diatoma tenue Agardh, Decad. I., pag. i5 ex Svensk. bot., pag. 491 (181 2); Con- spect. crit. Diät. IV, p. 52 (i832). Var. Diatoma liybrida Grün., in Van Heurck, 1. c, Taf. L, Fig. 11. In Tümpeln an der Drina bei Gorazda (Schaarschmidt). Meridionaceae. Meridian eirculare Agardh, Conspect. crit. Diät., III, pag. 40 (i83i); Kütz., Bacill., pag. 41, Taf. 7, Fig. XVI. In Quellen bei Mrkovic, am Fusse des Mojmilo, zwischen Conferven in Quellen auf dem Kobilji hrdo, an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Mai, Juni. Fragilariaceae. Synedra capitata Ehrenb., Infusionsth., pag. 211, Taf. XXI, Fig. XXIX (i838). An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Synedra aequalis Kütz., Bacill., pag. bb, Taf. 14, Fig. XIV (1844). Zwischen Spirogyren in Quellen bei Sarajevo; an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Synedra ulna Kütz., Bacill., pag. 66, Taf. 3o, Fig. 28 (1844). Um Sarajevo: In Quellen bei Hrit, Mrkovic, auf dem Kobilji brdo, am Fusse des Mojmilo; an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica (Beck); in Tümpeln an der Drina bei Gorazda (Schaarschmidt). Synedra danica Kütz., Bacill., pag. bb, Taf. 14, Fig. XIII (1844); Van Heurck, 1. c, Taf. XXXIII, Fig. 14. ' . In Tümpeln an der Drina bei Gorazda (Schaarschmidt). Synedra acus Kütz., Bacill., pag. 68, Taf. i5, Fig. VII (1844). Zwischen Conferven in einer Quelle am Kobilji brdo nächst der Zeljesnica; Juni. Flora von Südbosnien und der Hercesovina. tgS Synedra oxyrhjnchos Kütz., Bacill., pag. 66, Taf. 14, Fig. IX (1844). In Tümpeln an der Miljacka bei Alilovici und Kosevo; zwischen Spirogyren in Quellen am Gradonj bei Sarajevo; zwischen Conferven in Quellen auf dem Kobilji brdo; zwischen Phormidien an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica und in letzterer bei Ilidze; Mai, Juni. Sjnedra radians Kütz., Bacill., pag. 64, Taf. 14, Fig. VII, i — 4 (1844). In Tümpeln an der Miljacka bei Alilovici; an nassen Steinen der Stefaniequelle nächst Kozija Cuprija; Juni. Melosiraceae. Fragilaria capucina Desmaz., sec. Kütz., Bacill., pag. 45, Taf. 16, Fig. III. In einer Quelle auf dem Kobilji brdo, am Fussedes Orlovac gegen die Miljacka, an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica und in letzterer bei Ihdze. Melosira varians Kütz., Bacill., pag. 54, Taf. 2, Fig. X (1844). An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica (Beck); auf Steinen in der Drina bei Gorazda (Schaarschmidt). Melosira distans Kütz., Bacill, pag. 54, Taf. 2, Fig. XII (1844). In einer Quelle bei Hrit nächst Sarajevo; Juni. IV. Algae (Algen). A. Chlorophyceae (Grünalgen). Ganiosporeae. Protococcaceae, Protococcus viridis Agardh, Svst. alg., pag. i3 (1824). An alten Baumstämmen um Sarajevo; Mai. Palmellaceae, Pleurococciis augulosiis Menegh., Monogr. Nostoch. ital., pag. 3j (1842). Auf Baumstrünken bei der Ranjen Karaula (Schaarschmidt), daselbst auch Pleurococciis dissectus Nägeli, Einzellige Algen, pag. 65, Taf. IV, Fig. E 3 (1848). Confervaceae. Chaetophoreae. Draparnaldia plumosa Agardh, Syst. alg., pag. 58 (1824). In einer Quelle am Fusse des Mojmilo bei Sarajevo; Juni. (Exsicc. Nr. i33.) Ulotricheae. Ulothrix siibtilis Kütz., Phyc. germ., pag. 197 (1845); Tab. phyc, II, Taf. 85, Fig. 1. An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Ulothrix tenerrivia Kütz., Phyc. germ., pag. 197 (1845); Tab. phyc, II, Taf. 87, Fig. i. Auf feuchten Baumstrünken bei Ranjen Karaula (Schaarschmidt). Var. Ulothrix pallescens Kütz., Phyc. germ., pag. 197 (1845); Tab. phvc, II, Taf. 85, Fig. IV. An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica ; Juni. 296 Dr. Günther Beck. riothrix :^o)iata Kütz., Phyc. gener., pag. 25 i, Tat". 80 (1843); Tab. phyc, II, Taf. 90, Fig. II. In der Dohra voda-Quclle auf dem Trebovic; Juni. (Exsicc. Nr. 141.) Ulothrix rigidula Kütz., Phyc. gerni., pag. 196 (1845); Tab. phyc, II, Taf. 91, Fig. IV. In Tümpeln an der Drina bei Gorazda (Schaarschmidt). Ulothrix aeqiialis Kütz., Phyc. germ., pag. 197 (1845); Tab. phyc, II, Taf. 89, Fig. I. In einer Quelle am Fusse des Mojmilo bei Sarajevo; Juni. Confcrva rhypopila Kütz., Phyc germ., pag. 202 ( 1 845); Tab. phyc, III, Taf. 42, Fig. II. In der Dobra voda-Quelle auf dem Trebovic; Mai. Conferva bombycina Agardh, Syst. alg., pag. 88 (1824). Form Conferva pallens Kütz., Spec. alg., pag. 872 (1849); Tab. phyc, III, Taf. 44, Fig. IV. In Quellen bei Mrkovic und auf dem Kobilji brdo bei Sarajevo; Juni. Conferva vulgaris Kirchner, in Cohn, Kryptogamenflora Schlesiens, II i, pag, 79 (1878). An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Cladophoreae. 1 Cladophora glomerata Kütz., Phyc. germ., pag. 212 (1845), ex Kütz. Auf Steinen in der Drina bei Gorazda (Schaarschmidt). Zygosporeae. Desmidiaceae. Cosmariian margaritifenim Menegh., Synops. Desm. in Linnaea (1840), pag. 219. In Quellen am Fusse des Orlovac und Mojmilo bei Sarajevo, an einer Wasser- leitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Cosmarium botrjtis Menegh., Synops. Desm. in Linnaea (1840), pag. 220. In einer Quelle am Fusse des Orlovac gegen die Miljacka; an einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Disphinctium (Calocjrlindnis) cylindriis Nägeli, Einzellige Algen, pag. iii (1848). An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Pleurotaenium iurgidum de Bary, Conjug., pag. yo, Taf. V, Fig. 32, 33. Mit der vorigen seltener. Zygnemaceae. Spirogyra Weberi Kütz., Phvc gener., Taf. 14, Fig. III (1843); Tab. phyc, V, Taf. 3o, Fig. I. An einer Wasserleitung bei Krupac an der Zeljesnica; Juni. Spirogyra Jürgensii Kütz., Phyc germ., pag. 222 (1845); Tab. phyc, V, Taf. 19, Fig. VII. In einer Quelle auf dem Gradonj bei Sarajevo; in der Dobra voda-Quelle auf dem Trebovic. (Exsicc Nr. i3i.) Spirogyra longata Kütz., Phyc. germ., pag. 222 (1845); Tab. phyc, V, Taf. 20, Fig. I. In der Bosnaquelle; Juni. Spirogyra arcta Kütz., Phyc. germ., pag. 223 (1845). Form Spirogyra ulotrichoides Kütz., Spec alg., pag. 440 (1849); Tab. phyc, V, Taf. 21, Fig. III. In einer Quelle bei Mrkovic nächst Sarajevo; Juli. Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. 207 Form Spirogyra oblongata Kütz., 1. c, pag. 440. Ebendaselbst, Spirogyra qiiinina Kütz., Phyc. gencr., Taf. i5, Fig. I (1843); Tab. phyc, V, Taf. 22, Fig. II. In Tümpeln an der Miljacls.a bei Alilovici ; an der Stephaniequelle bei Kozija Cu- prija nächst Sarajevo; Juni. Spirogyra condensata Kütz., Phyc. germ., pag. 223 (1845); Tab. phyc, V, Taf. 22, Fig. III. Var. Spirogyra bosniaca. Cellulae steriles, 4-9 — 5-5 \).. crassae, ter vel quater lon- giores, fasciis spiralibus 7 vel pluribus praeditae. In der Bosnaquelle; Juni. Spirogyra setiformis Kütz., Phyc. germ., pag. 223 (1845); Tab. phyc, V, Taf. 28, Fig. I. In der Bosnaquelle; Juni. (Exsicc. Nr. 139.) Zygnema stellinum Agardh, Syst. alg., pag. 77 (1824). In Quellen am Fusse des Mojmilo bei Sarajevo; in der Bosnaquelle; Juni. Zygiiema a'uciatum Agardh, Syst. alg., pag. 77 (1824). In einer Quelle am Fusse des Mojmilo und im Dobra voda auf dem Trebovie bei Sarajevo; Mai, Juni. (Exsicc. Nr. 137.) } Mesocarpiis scalaris Hassal, Freshw. alg., pag. 166, Taf. XLII, Fig. i (1852). An gleichen Standorten wie vorhergehende. Oosporeae. Oedogoniaceae. ? Oedogonium Vauclieri A. Braun, Ueber Chytrid., S. A., pag. 40 (in Monatsber. der Berl, Akad. (i855), pag. 38i; sec Rabenh., Flora Eur. Alg., III, pag. 349). In der Dobra voda-Quelle auf dem Trebovic; Mai. Vaucheriaceae. Vauchcria geminata DC, Flor, franc, ed. 2, II, pag. 62 (i8i5); Rabenh., Flora Eur. Alg., III, pag. 269. In Quellen, an Wasserleitungen verbreitet. Characeae (Armlcuchtergewächse). Chara foetida A. Braun in »Flora« (i835), I, pag. 63 et in Cohn, Kryptogamenflora Schlesiens, I, pag. 406; Kütz., Tab. phyc, VII, Taf. 58, Fig. I. In seichten Bächen und Gräben hie und da um Sarajevo, bei Kupina, Ljuli Potok etc. B. Rhodophyccac (Rothalgen). Gymnosporeae. Batrachospermaceae, Batrachospcrvmm moniliforme Roth, Flor. Germ., III, pag. 480 (1800). In den AbHüsscn der Dobra voda-Quellc auf dem Trebovic. (Exsicc. Nr. 140.) 2g8 Dr. Günther Beck. V. Fungi (Pilze). A. Phycomycetes. Oosporcac. Peronosporaceae, (Nach A. de Barr in Ann. scienc. nat., 4c scr., XX, pag. I02ff., 1863.) Pcronospora pj'gwaea Unger, in Botan. Zeit. (1847), pag. 3i5. Auf Anemone nemorosa L. in Wäldern der Romanja Planina; Juni. Peronospora parasitica Tulasne, Compt. rend. (1854), fid. De Barv. Auf den Blättern von Dentaria bulbifera L. in den Wäldern der Romanja Pla- nina; Juni. Peronospora ßcariae Tulasne, Compt. rend. de l'acad. Paris., 26 Janv. 1854, fid. De Bary. Auf den Blättern von Ranunciilus repens L. Häufig um Sarajevo, bei Pazaric gegen die Hranicava; Mai, Juni. Peronospora grisea Unger, in Botan. Zeit. (1847), pag. 3i5. Auf Veronica anagallis L. um und in Sarajevo nicht selten; Mai, Juni. (Exsicc. Nr. 128.) Peronospora pulveracea Fuckel, Fung. rhen. Nr, i ex Symh. myc, pag. 67. Auf Helleboriis odorus Kit. Um Sarajevo, namentlich auf dem Trehovic nicht selten, oft mit Urocystis anemones auf ein und demselben Blattabschnitte. Cystopiis candidus Fries, Summ, veget. Scand., pag. 5i2 (1846); De Bary in Ann, scienc. nat., 4'^ ser., XX, pag. i3o (i863). Auf Capsella biirsa pastoris L. um Sarajevo verbreitet, auf Arabis muralis Bert, auf Felsen bei Mrkovic, auf Sisymbrium officinale L. bei Udbar und Kon- jica in der Hercegovina; Mai, Juni. Cystopiis ciibicus (V. Strauss) De Bary, in Ann. scienc. nat., 4^ ser., XX, pag. i32 (i863). An Stengeln und Blättern von Iniila salicina L. in Bergwiesen bei Kupina nächst Sarajevo; Juni. B, Ustilagineae (Brandpilze). Ustilago urceolorum Tulasne, Sur les Ustilag. in Ann. scienc. nat., 3^' ser., VII, pag. 86 (1847)- In den Früchten von Carex verna Vill, um Sarajevo nicht selten; Mai, (Exsicc, Nr, 134.) Ustilago segetum Link, Observ. in ord. plant, nat., Diss. I, pag. 4, ex Ditmar in Sturm, Deutschi. Flora, III. Abth., i, pag, 67, Taf, 33 (181 7), Auf Gerste und Hafer häufig um Sarajevo, im Sarajevsko polje; Juni, Polycj'-stis raniinciilacearum Fries, Summ, veget. Scand., pag, 5 16 (1846), Auf den Stengeln und Blättern von Helleboriis odorus Kit, um Sarajevo häufig, auf dem Trebovie, Igman und in der Hercegovina bei Konjica und Udbar an der Prenj Planina; Juni, (Exsicc, Nr, 127,) Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegovina. 2QQ C. Aecidiomycetes. Uredineae (Rostpilze). Uromyces alchemillae (Pers.) Winter, Pilze Deutschi., I, pag. 146 (1884). Auf den Blättern von Alchemilla hybrida L. auf der Bjelasnica; Juni. Uromyces liliacearuin Unger, Eintl. d. Bodens, pag. 216 (i836). ' Aecidium 3.n{ Muscari botryoides L. in der Alpenregion des Vratlo; Juni. Uromyces cacaliae Unger, Einfl. d. Bodens, pag. 216 (i836). Aecidium auf den hVAliQ^m von Adenostyles albifrons auf der Treskavica; Juni. Uromyces geranii Otth et Wartm., Schw. Krypt., pag. 401, fid. Fuckel. Uredo et Teleut. auf den Blättern und Stengeln von Geranium pyrenaicum L. hie und da um Sarajevo; Mai. Puccinia circaeae Pers., Tent. disp. meth. fung., pag. Sq (1797). Teleut. auf den Blättern und Stengeln von Circaea lutetiana L. auf der Vitez- und Ran Jen Planina; Juli. Puccinia malvaceannn Bertero apud Montagne, in Gay, Hist. fis. y polit. de Chile, botanic, VIII, pag. 43 (i852). Teleut. auf den Blättern und Stengeln von Malva silvestris L. auf dem Kobilji brdo an der Zeljesnica; Juni. Puccinia thlaspeos Schubert, Flora Dresd., II, pag. 264 ( ? ), fid. Winter. Teleut. auf Thlaspi alpinum in der Alpenregion des Vratlo; Juni. Puccinia asarina Kunze, in Kunze et Schmidt, Mycol. Hefte, I, pag. 70 (1817). Teleut. auf den Blättern von Asarum europaeum L. hie und da um Sarajevo; Juli. Puccinia aegopodii Link, in Willd., Spec. plant., VI 2, pag, 77 (1825). Teleut. auf den Blättern von Aegopodium podagraria L. auf den Abhängen des Trebovic, auf dem Igman; Juni. Puccinia vincae Castagne, Observ. sur les Ured., I, pag. 21 (1842), fid. Streinz. Teleut. auf den Blättern von Vinca minor L. bei Starigrad an der Miljacka; Juni. Puccinia obtegens Tulasne, fid. Fuckel, Symb. mycol., pag. 64. Uredo et Teleut. auf Cirsium arvense Scop. häufig um Sarajevo, im Sara- jevsko polje, bei Ledici, im Zujevina- und Drinathale; Juni. Puccinia anemoncs Pers., Observ. mycol., II, pag. 6, Taf. VI, Fig. 5 (1796). Aecidium et Teleut. auf den Blättern von Anemone nemorosa L. auf den Ab- hängen des Trebovic bei Sarajevo; Mai, Juni. Puccinia smyrnii Bagnis, Le Puccin., S. A., pag. 73 (1876). Aecidium et Teleut. auf Smyrnium perfoliatum um Sarajevo hie und da; Mai, Juni. (Exsicc. Nr. i35.) Puccinia compositarum Schlecht., Flora berol., II, pag. i33 (1824). Uredo auf Doronicum Columnae Tenore auf dem Trebovic bei Sarajevo; Juni. Puccinia Chondrillae Corda, Icon. fung., IV, pag. i5, Taf. IV, Fig. 46 (1840); Puccinia Prenanthis Fuckel, Svnib. mycol., pag. 5 5 (1869); Puccinia Chondrillae Fuckel, 1. c, pag. 54. Auf Prenanthes purpurea L. auf der Treskavica (Aecidium), auf der Vitez unii Ranjen Planina (Teleut.), Juni; auf Lactuca muralis L. auf dem Kobilji brdo an der Zeljesnica (Aecidium); auf Aposoeris foetida L. auf dem Tre- bovic und Igman (Aecidium). (Exsicc. Nr. 143.) 3oo ^^' Günther Beck. Puccinia centaweae D C, Flor, franc, VI, pag. 5q (i8i5). Aecidium auf Centaurea stenolepis A. Kerner auf dem Igman bei Blazuj; Juni. (Exsicc. Nr. 142.) Puccinia galioriim Link, in Willd., Spec. plant., VI 2, pag. 76 (1825), Aecidium auf Galium criiciatum Scop. nächst der Ziegenbrücke bei Sarajevo, Juni; Teleut. auf Galium vermim L. bei Kosevo nächst Sarajevo; Juni. Puccinia umbelliferarum D C, Flor, franc, ed. 2, VI, pag. 58 (181 5 K Aecidium auf Athamanta cretensis auf der Romanja Planina; Juni. Puccinia violarum Link, in Willd., Spec. plant., VI 2, pag. 77 (1825). Aecidium auf Viola silvatica auf der Romanja Planina, Juni; Aecidium auf Viola Zoj-sii WU. in der Alpenregion des Treskavica ; Juni. Puccinia striaeformis Westd., IV. Notice s. quelq, Krypt., Nr. 40 in Bull, de l'acad. de Belgique, XXI, fid. Winter. Aecidium auf den Blättern von Symphytum tuberosum L. um Sarajevo nicht selten, auf dem Igman, Treskavica; Mai, Juni. Puccinia coronata Corda, Icon. fung., I, pag. 6, Taf. II, Fig. 96 (1837). Aecidium auf Rhamnus cathartica L. auf den Trebovicabhängen, bei Starigrad an der Miljacka, Mai, Juni; Aecidium auf Rhamnus fallax Boiss. in der Mostainica- und Miljackaschlucht bei Sarajevo; Mai, Juni. (Exsicc. Nr, 129.) Triphragmiinn filipendulae (Lasch) Winter, Pilze Deutschi., I, pag, 226 (1884). Uredo auf Filipendula hexapetala Gilib. in Bergwiesen bei Kosevo nächst Sara- jevo; Mai. Phragmidiiim incrassatum Link, in Willd., Spec. plant., VI 2, pag. 85 (1825). Uredo auf verschiedenen Rosa-KrtQn um Sarajevo nicht selten; Juni. Phragmidium asperuin Wallr., Flora crypt. germ., II, pag. 188 (i833). Uredo auf Rubus-Arton um Sarajevo nicht selten, auch in der Hercegovina um Konjica, Udbar; Juni. Phragmidium poterii Fuckel, Fung. rhcn. 3 12, tid. Symb. mycol., pag. 46. Uredo auf den Blättern von Poterium sanguisorba L. bei Sarajevo; Mai. Melampsora Uni (Tulasne), Fuckel, Symb. mycol., pag. 44. Uredo auf Linum catharticum L. bei Kosevo nächst Sarajevo; Mai. Coleosporium senecionis (Pers.) Winter, Pilze Deutschi., I, pag. 248 (1884). Aecidium auf den Nadeln von Pinus silvestris L. auf der Romanja Planina; Juni. Gymnosporangium clavariaeforme (Jacq.) Winter, Pilze Deutschi., I, pag. 2 33. Aecidium auf Crataegus monogyna Jacq. um Sarajevo nicht selten, Juni; Teleut. auf Juniperus communis L. auf der Romanja Planina. Aecidium euphorbiae Pers., in Graelin's Syst, nat,, ed, XIII, II